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Mittwoch, 29. November 2006

Das Persönliche

Wie wäre es mit diesem Textfragment?

"Nein, ich bin kein glühender FDP-Anhänger.

Diese Feststellung führt unweigerlich zu zwei Frage: Kann es überhaupt FDF-Anhänger geben, die vor liberalen Überzeugungen glühen? Und: Warum ich bin dann dennoch, in durchaus reifem Alter und nach durchaus reiflicher Überlegung, Mitglied dieser Partei geworden?

Um Letzteres verständlich zu machen, ist es am besten, ein paar kleine, ziemlich persönliche Geschichten zu erzählen. Bei der zuerst genannten Fragen, ist man schnell bei ganz Grundsätzlichem, und darum verschiebe ich die Antwort. Ich vergesse sie aber nicht."

Sonntag, 26. November 2006

Der Advokat als Bilder-Stürmer

Im SPIEGEL 46 /2006 vom 13.11.2006 findet sich der Artikel: "Teurer Mausklick. Texte und Bilder aus dem Internet auf seine Homepage zu laden kann viel Geld kosten. Anwälte überziehen Web-Nutzer mit Lizenz- und Abmahngebühren." Ich beschließe daraufhin, alle Bilder aus meinem Blog rauszunehmen und gleichzeitig dafür zu plädieren, daß es ein Zitatrecht für Bilder gibt. Das könnte schlicht so aussehen: "Bilder die eine Auflösung von 250.000 (= z. B. 500 x 500) Pixel nicht überschreiten, fallen unter das Bild-Zitat-Recht (BZR) und dürfen, bei Nennung der Quelle, im Internet und in Büchern usw. frei und ohne Einschränkung verwendet werden. Begründung: Ist es anders wird das Recht auf freie Meinungsäußerung oft nicht wahrzunehmen. Genauer: ohne das Bild, über das man spricht, als Beleg, kann man einfach nicht sagen, worum es einem geht.

Killerspiele

Wie viele fühlen sich eigentlich fremd in einer Gesellschaft, in der mit stetig wortreichem Palavern alles hin- und her gezerrt wird, damit dann -- nix geschieht?

Im Bayerischen Rundfunk, eben, eine Diskussion zum Verbot von bluttriefenden Tötungssimulationen. In der SZ vor ein paar Tagen ein Artikel über die schlimme Ästhetik dieser Machwerke. Spieler, die sich äußern, es gehe gar nicht um den weggeschossenen blutverspritzenden Kopf der Spielfigur, sondern um das abstrakte Erfolgserlebnis. Warum spielen diese Helden dann nicht mit einem Spiel aus kleinen weißen Quadraten und "Laser-Linien". Wenn getroffenen wird, wechselt die Farbe des Quadrats ins Grüne.

Dann das palavernd-dümmliche Argument, man könne ja gar nicht "definieren", was ein "Killerspiel" sei. (Wird gerne auch bei den Kampfhunde-Einteilungen verwendet.) Wer hat nur dem Volk dieses unsägliche Sich-Berufen auf die Definitionsprobleme beigebracht? Die Schule? Dann sollten die Lehrpläne einer schnellen Prüfung unterzogen werden. Wenn jeder, der argumentativ nicht mehr weiter weiß, sich auf der Definitionsposition einmauern kann, dann ist, was die Kommunikationskultur angeht, Mathäi am Letzten.

Warum wird von den Definitionsschwadronierern nicht dazugesagt, daß die Definitionsschwierigkeiten überall liegen? Wir könnten, wenn wir anfangen darüber nachzudenken, was wirklich Mord, was Totschlag im mehr oder weniger großen oder nachvollziehbaren Affekt, was Notwehr, was Hinrichten nach traditionsreichem Mafia-Codex ist, so sehr ins Grübeln kommen, daß wir dann gleich das Strafgesetz abschaffen. Die Lösung heißt doch allüberall: Es wird eine abstrakte Regelung getroffen und dann wird konkret interpretiert und verhandelt und beschlossen. So ist es doch immer im politischen Raum.

Und eine Umkehr der Beweislast wäre nicht schlecht: Lassen wir doch mal die Vorsitzenden der Spieler-Verbände erklären, was ihr Vergnügen ist, wenn sie auf dem Bildschirm Köpfe und nicht weiße Quadrate wegballern. Da würde so einiges klar werden, glaube ich.

Auch ein Aspekt zum Thema hier.

Samstag, 18. November 2006

Falsche Anschaffungen 1

Ich werde nach einer News-Group oder etwas ähnlichem suchen, in der Leute berichten, was sie alles so an Sachen angeschafft haben, die sich im nachhinein als Flop erwiesen haben. Weil sie nicht damit zurechtgekommen sind, oder warum auch immer.

Mein erstes Beispiel: Irgendwann habe ich geglaubt, daß ein "elektronischer Taschenkalender" die Lösung vieler Organisationsprobleme sei. Ein "Organizer", der noch vieles, vieles andere konnte mußte einfach her! Ich habe mir seinerzeit einen sündteuren Ipaq gekauft. Das Beste, was es gerade gab. Benutzt - nein, zu benutzen versucht habe ich ihn ca. 1 Jahr lang. Schon das Synchronisieren mit dem PC / Outlook klappte mal, oft aber auch nicht. Außerdem -- einfach unpraktisch. Zu kleine Schriften. Es fehlte das Papier-Notiz-Feeling. Also hab ich das Ding allmählich in die Ecke wandern lassen. Jetzt liegt es da rum. Soll ich das 630-Euro-Teil zum Elektronik-Schrott geben oder für 12,30 Euro bei Ebay versteigern?!

Irgendwann habe ich sogar noch versucht, einen Navigator draus zu machen. Zusätzliche Teile gekauft. Als das Aufspielen der Navi-Dateien auf den Chip nicht geklappt hat, war auch das zu Ende.

TIP DER WOCHE:
  • Finger weg von gerade angesagtem elektronischen Schnick-Schnack!
  • Bei Navigatoren Komplettsysteme kaufen und am besten gleich anschließen / einbauen / testen / vorführen lassen!

Trafo-Wahnsinn

Es kann nicht gesund sein, wenn man diesen Ärger eins ums andere Mal runterschluckt. Also -- raus damit!

Eine verhältnismäßig einfache, technische Sache: Zu vielen, vielen Geräten bekommt man einen Trafo, der die 220 V der normalen Stromleitung runterregelt auf x - y Volt und a - b Ampere runterregelt. Dazu noch zwei Richtungen.

Nun aber: Auf keinem dieser verdammten Dinger steht irgendwo, für welches Gerät oder welche Geräte es denn gemacht worden ist. Also hat man nach fünf Jahren eine Sammlung von 17 oder mehr Trafos, bei denen man nicht mehr weiß, wohin sie gehören. Außerdem: Könnte sich die Industrie nicht mal aufraffen und versuchen sich mit, sagen wir, 5 Trafo-Typen für Kleingeräte zu begnügen? Für die es dann auch I - V Einstellungen auf einem zu erfindenden Universal-Trafo gibt?

Mittwoch, 15. November 2006

Goodbye Thunderbird!

So, das war's! Nachdem Mozillas Thunderbird mir zum dritten Mal innerhalb von zwei Monaten alle Verbindungsdaten gelöscht hat und diese Daten sich auch nicht mit der Mozzbackup-Kopie wieder herstellen lassen, weil das Backup angeblich "corrupted" ist, lasse ich jetzt die Finger von diesem Programm. Ich hatte es eigentlich ins Herz geschlossen. Aber es ist halt bei Programmen wie bei Menschen: Auch wenn man sie sehr mag - wenn sie einen innerhalb von zwei Monaten dreimal schwer enttäuschen, dann verabschiedet man sich besser von ihnen.

Mittwoch, 8. November 2006

Rechtschreibreform

Normalerweise versuche ich mich aus dem Gezänk um die sogenannte Rechtschreibreform vollständig herauszuhalten. Mit der Überzeugung, daß durch diese blödsinnige "Reform" die Besserwisser auf beiden Seite an die Oberfläche gespült worden sind. (Die Mangan-Knollen der Sprache! Wehe, wenn sie auftauen oder zum Auftauen gebracht werden. Sie sind eine Umweltkatastrophe!)

Doch ab und an bricht dann doch die Wut durch.

"Das ist ein ausgesprochen süßes sowie widerlich klebriges Getränk."

Welcher Gelehrte hat sich denn diesen Satz ausgedacht?! Ein Schüler, der diesen widerlichen Satz verzapft, bekommt sinnvollerweise eins um die symbolischen Ohren. ("Weil Prügelstrafe isse jetzt abegeschafft in neue Deutschland mit neue Sprache!")

Dann lese nich noch: "die platonischen Schriften". So muß / muss / musz / mussz usw. es nun heißen. Sagt man und auch Frau.

Ihr lieben Experten von der Reform der Reform der Reform ...! So hat hat noch nie einer gesagt. Ihr führt Blödsinn per wahnsinnigem Beispiel ein. Da geht es nicht um die Groß- und Kleinschreibung. Nur ein Mensch ohne Sprachgefühl wird da "platonisch" verwenden. Das ist für die gleichnamige Liebe reserviert. Ein für allemal! Ist halt so! So entwickelt sich das Denken und die Sprache. Und nur komplett sprach-indolente Menschen kriegen das nicht mit.

Was zu einer neuen Definition des deutschen Sprachexperten führt: "Einer, der Germanistik studiert hat, aber trotzdem über Null Sprachgefühl verfügt". "Deutsches Sprachgefühl", selbstverständlich. Isse so gemeint, Herr Nachbar!

Poetry Slam

In München findet dieser Tagen der große Poetry-slam-Wettbewerb statt. Ich kann erst am Wochenende zu Veranstaltungen gehen. Aber schon jetzt präsentiere ich unter dem Motto: Die Idee ist das Normale. Auf den Kopf gestellt. die folgende Einsicht:*

They slam!
You slam!
We slam!
She / He slams!
You slam!

I slam!


--

* Wahrscheinlich ist da schon mal ein anderer auch drauf gekommen. Aber ich hab's jedenfalls nicht von einem anderen, sondern, heute morgen, aus meinem eigenen Kopf.

Sonntag, 5. November 2006

Furtwängler und Grass

Ein Zitat aus der Online-WELT:

"Erst 1947 wurde seine Entnazifizierung vollzogen. Wer Furtwänglers Verhalten und seine privaten Aufzeichnungen kennt, kommt schnell zu dem Schluss, dass er wohl eitel und geltungssüchtig war, aber weder Antisemit noch Nationalsozialist."

War er also nicht. Nicht Antisemit, nicht Nationalsozialist. Aber er war, nach Meinung wahrscheinlich der meisten Fachleute: ein großer Dirigent. "Drei Generationen nach seinem Tod ist seine Ausstrahlung noch immer so ungebrochen wie bei keinem Dirigenten sonst."


Aber ist das alles? Ich schließe mal, mit einer kurzen Vorrede, eine Feststellung und eine Frage an. Die mehr oder weniger gut versteckte Geltungssucht und Eitelkeit ist menschlich und allzu-menschlich. Nun gut. Aber es gibt Bremsen. Bremsen, die wohl immer im Unbewußten liegen, da wo diese eigenartige Sprachkonstruktion, das Ich keinen Zugang hat und also auch keine persönlichen Verdienst erwirbt. Es ist halt Schicksal und Bestimmung.

Dies vorausgesetzt: Es gibt ungebremst geltungssüchtige Menschen mit einer guten Maske aus Bürgerlichkeit, die sich dem geltenden politischen und kulturellen System in jeder Situation unterwerfen. Nicht weil sie mit dem Politischen und dem Kultursystematischen ihrer Zeit übereinstimmen, sondern, weil sie nur so an die Spitze der Berühmtheiten-Pyramiden kommen können. Und es gibt andere, deren Bremse eine eigene Form des Kontemplativen und Un-Erfolgreichen herbeizwingt. Sie bleiben -- ganz oder fast ganz -- im Verborgenen.

Wenn wir nun die Frage stellen: Wer ist wertvoller für die Kultur, diese Erfolgreichen oder jene Nicht-Erfolgreichen? Wie lautet die Antwort der Abstimmungsbürger?

Ich gebe eine Schätzung ab: 85% der bürgerlichen Menschen heute halten natürlich die Erfolgreichen für wichtiger.

Aber ist das so? Nein, es ist nicht so. Wäre, um auf das schon nicht mehr Aktuelle des Grass'schen Beispiels noch einmal zurückzukommen -- wäre Günter Grass ein weniger bedeutender Schriftsteller, wenn er sich 1960, nach dem Blechtrommel-Erfolg, öffentlich mit sich und mit derartigen Fragen auseinandergesetzt hätte? Noch einmal gesagt: Er wäre weniger erfolgreich geworden, und den Nobelpreis hätte er nicht bekommen. Aber er wäre wichtiger für diese Zeit heute, und er wäre wichtiger für die Zukunft.

--

Nachtrag am 12.03.2007, gerade bei Wikipedia gefunden:

"Im August 2006 äußerte sich Karasek in Interviews und Zeitungsartikeln (u. a. im Springer-Blatt „Welt am Sonntag“, 20. August 2006) zu Günter Grass' spätem Bekenntnis, als Jugendlicher zur Waffen-SS eingezogen worden zu sein. In diesem Zusammenhang ließ er anklingen, dass der Literat sich den Nobelpreis „erschlichen“ habe, weil das Nobelkomitee möglicherweise anders entschieden hätte, wenn Grass diesen Sachverhalt in seinem Lebenslauf dargestellt hätte."

Hätte ich nie gedacht, dass ich einmal zu Karasek kongenial sein könnte!

Nachtrag am 25.03.2007, aus der SZ:

"Der Ton der gedemütigten Unschuld, der Schmerzensschrei des geschundenen Opfers, die moralische Empörung verwundert. Aber sie verwundert jedes Mal bei Günter Grass. Ein wenig Erinnerung mag da helfen: Hatte Günter Grass das große Interview, in dem er von seinem frühen Leben und auch von seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS berichtete, der Zeitung nicht freiwillig gegeben, in einer sommerlichen Idylle unter einer Kastanie? Hatte die Zeitung, im Gegenzug, nicht einen Teil eben dieser Erinnerungen in einer prächtig aufgemachten Sonderbeilage als (dann, weil die Nachfrage zu groß wurde, verspäteter) Vorabdruck veröffentlicht? Seit fünfzig Jahren lebt Günter Grass mit den Medien, bedient sich ihrer, weiß auszuwählen, welchen publizistischen Zweck er in welcher Form und in welchem Organ am effektivsten verwirklichen kann. Und da sollte ihm entgangen sein, dass die Medien ein inniges Verhältnis zur spektakulären Nachricht unterhalten - während er selbst eben diese Nachricht anbietet wie eine heiße Ware?"

Wohl formuliert. (Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung vom 20. März 2007, S. 11)

Freitag, 3. November 2006

Anna Politkowskaja

Daß der Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja aufgeklärt werden müsse, fordere die Organisation "Reporter ohne Grenzen". So meldet es die WELT heute. "Einen entsprechenden Aufruf haben inzwischen mehr als 4000 Journalisten unterzeichnet." Man sollte beobachten, was daraus wird. Gesichert ist: ein Land, in dem kritische Journalisten einfach so erschossen werden können, ein Land, das darüber zur Tagesordnung übergeht, ist politisch einfach nicht reif. Es ist, was Rußland angeht, eine sehr große und sehr kalte Bananenrepublik und nicht ernstzunehmen. Würden in Rußland vernünftige Maßstäbe gelten, so würden seit dem 7. Oktober wöchentliche Berichte für die internationale Öffentlichkeit herausgegeben, über Art und Fortschritt der Suche nach den Mördern. Die eigentlich schon gefunden und eingesperrt sein sollten. Mehr noch: die politmafiösen Strukturen, die einen solchen Auftragsmord erst möglich machen, wären schon lange vorher ausgeforscht und zerschlagen worden. So aber sagt Putin, wie ich gelesen habe, grinsend: Mafia in Rußland? Das Wort käme doch, soweit er wisse, aus dem Italienischen... Zyniker der Macht eben. Zyniker des Lebens und der Existenz.

Donnerstag, 2. November 2006

metabay.com

Es gibt ihn, den Begriff des "Trittbrettfahrers". Es gibt den Trittbrettfahrer überall, wo das Wort Erfolg auch nur in Umrissen einen Platz hat. Vor allem aber natürlich, wo der Erfolg im Vollbild seines Wesens in Erscheinung tritt. Wenn eBay so mächtig wird, ja nun. Also war auch das zu erwarten: metabay.com, eine Metasuchmaschine. Aber wollen wir wirklich böse oder gar hämisch reagieren? Wieso denn. Probieren wir sie einfach mal aus, die Suchmaschine.

Umschnall-Dildo als Blickfang

Manchmal genügen zwei Sätze. Mit denen Ulrich Weinzierl vom Theater berichtet. Konkreter: Vom Wiener Burgtheater, von Kennern "von der Wiener Burg" abgekürzt. Blickfang-Titel, reißerischer: "Viel Freude mit dem Umschnall-Dildo". Es geht um Neil LaBute, Dramatiker, dem eine Fließbandproduktion von Dramatischem nachgeraunt wird und einem Stück mit dem Titel: "Some Girl(s)".

Jetzt die Sätze:

"Der Mann in den bald besten Jahren auf der Suche nach den erloschenen Flammen ist Christian Nickel, ein netter, adretter Knabe Marke Arsch mit Ohren und Brille."

Ich zucke zusammen. Ist da die Rolle oder der echte Schauspieler ein Arsch mit Ohren? Es löst sich die Frage mit dem zweiten Satz auf.

"Von Christian Nickels 'Mann', der gerne weniger schäbig wäre, als er ist, gilt das schöne Wort Sigmund Freuds über den Hysteriker: 'aus allen Poren dringt ihm der Verrat.'"

Na, gottseidank! Die Figur ist gemeint. Allerdings, nicht zu überlesen: "Von Christian Nickels 'Mann' ... gilt das schöne Wort Sigmund Freuds". Also doch auch noch -- so wie der Nickels den Mann 'angelegt' hat, da ist er schon für ihn irgendwo auch verantwortlich. Und schon wachsen dem Schauspieler die Ohren an der unpassenden Stelle ... Früher wäre eine solche Besprechung Anlaß für gleich zwei Duelle gewesen. Eins mit dem Schauspieler. Und hätte der Rezensent diesen Zweikampf überlebt, hätte ihn der Autor unfehlbar niedergestreckt.