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Samstag, 31. Juli 2010

Fremde Kulturen

Ich wollte endlich einmal, es ist Wochenende, nachlesen, was Eva Hermann nun wirklich gesagt hat. Und dabei stoße ich auf das:

"Die afghanischen Knaben müssen beim »Bacha-Bazi« in Mädchenkleider schlüpfen, für die Männer tanzen – und dann werden sie von diesen vergewaltigt. »Bacha-Bazi« gehört zur nordafghanischen Kultur wie der abendliche Schoppen zum Kulturkreis eines deutschen Moselbauern."

Der Vergleich -- nun ja. Kühn ist nicht das richtige Wort. Die Frage ist ja auch eher, ob die Nachricht falsch ist.

Das kleine Drehbuch 1: Lagavulin

Ein Werbespot für meinen Lieblingswhiskey Lagavulin. Politisch und auch sonst nicht korrekt.

Zwei Tennisspieler gehen auf den Platz. Die Umgebung menschenleer Duellkulisse am Spätnachmittag. Schnitt auf das Gesicht des einen: Roger Federer, sehr ernst und konzentriert. Der andere ein braungebrannter, dürrer Nobody. Sie gehen zu ihren Bänken, holen die Schläger heraus. Die Getränke. Federer mit Mineralwasser. Der Nobody: 1 Flasche Lagavulin, 16 Jahre alt.

Die beiden legen sofort, ohne Einspielen, los. Kein Schiedsrichter. Der Dürre spielt nicht schlecht, aber Federer gewinnt bis auf einen Netzroller, jeden Ballwechsel. Die Anzeigetafel, tiefes, sattes Orange, zählt immer korrekt mit. Keine Balljungen. Die Bälle werden den Spielern von einer Ballmaschine zugeworfen.

Schnitte, Zeitraffer. 1 Satz geht zuende. 6:0 an Federer.

Die beiden auf der Bank. Federer mit den gewohnten Ritualen. Stückchen Banane. Wasser trinken. Ernst und konzentriert schauen. Der Dürre, grimmasierend, nimmt die Flasche Lagavulin und trinkt die halbe Flasche ohne abzusetzen aus.

Der zweite Satz. Der Dürre spielt plötzlich viel besser. Schnitte. Er gewinnt im Ty-Break. 8:6.

Pause. Wie vorher. Der Dürre trinkt die andere Hälfte der Flasche.

Auf dem Platz explodiert er förmlich. Bringt die unmöglichsten Bälle. Gewinnt 6:1.

5-Satz-Match. Im Hintergrund ein glühender Sonnenuntergang. Flutlicht. Gesteigerte Duellkulisse. Der Dürre führt nach Sätzen 2:1 und 5:0. Matchball. Ein noch nie gesehener Aufschlag! Die Wucht treibt den Ball 2 Zentimeter vor der der Aufschlagfeld-Linie tief in den Sandboden. Dann zischt der Ball an Federer vorbei. Ass. Und Match. Ein unmerkliches Grinsen im Gesicht des Gewinners. Dann geht er an Netz und schüttelt Federer die Hand.

Am Ausgang wartet, in weißem Kleid, lächelnd: Scarlett Johannson. Sie wartet auf den Gewinner. Lässig in der Hand. Eine weitere Flasche Lagavulin. Der Dürre küsst Scarlett, und dann streichelt er über die Flasche, die sie halb hoch hält.

Freitag, 30. Juli 2010

Geschosswirkung

Irgendwann habe ich einmal an der Universität, eingeladen von Studenten, einen Vortrag über die Werbung von Waffenherstellern gehalten. Lange her, es war in der Zeit der Nachrüstungsdebatte. Jetzt kommt ich auf einmal wieder darauf, als ich in der Wikipedia diesen Satz lese:

"Die Geschosswirkung ist die von einem Geschoss am Ziel verrichtete Arbeit."

Zerstören, durchschlagen, aufbrechen, in Trümmer legen, zerfetzen -- töten als Arbeit betrachten. Kann man so machen. Muss man aber nicht.(* Die Lust, mal die Terminologie der Waffenhersteller, -nutzer und der von dieser Art von Arbeit Betroffenen wieder genauer anzuschauen.

(* Nicht dass ich in die sinnlose Diskussion "Soldaten sind Mörder" einsteigen möchte. Gott bewahre! Nur rein assoziativ: Da gibt es ja noch de Quinceys Klassiker Der Mord als schöne Kunst betrachtet. Man kann terminologisch wie satirisch so manches anstellen. Allerdings: Satire ist mit der Arbeit da oben gewiss nicht. Es sei denn man weitet den Satire-Begriff über alle Grenzen hinaus aus.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Der alltägliche Mikro-Betrug

Man hat so seine Mühe herauszufinden, wie das Blatt heißt, das da beim Zeitschriftenhändler liegt. So vollgepflastert mit Schrift und Bildchen ist der Umschlag. Microsoft Praxis Spezial, 07/2010 -- ist es das?


Ich kaufe das Heft, weil ich dieses Nero möchte. Ich hatte es in einer Vorversion vor Jahren mal gekauft. Habe es nicht mehr. Vermisse es manchmal.

Also -- Nero 9, gratis, Original-Version?

Man muss ein wenig suchen, um dann etwas über dieses Nero auf der Zeitschriften-CD zu finden. Nach dem eigentlichen Inhaltsverzeichnis.

Und da erfährt man es nun genauer:


Also weder Vollverstion noch gratis. Sondern -- umständlich. Ja, und bei Amazon bekommt man das Programm auch:



Ganz normal gekauft für -- um die 3,50 bis 4 Euro, inkl. Porto. Dafür spart man sich dann das umständliche Überweisen und weiß, was man hat. Gegenüber 4,90 Euro über diese Zeitschrift.

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Ach so, es gibt ein Impressum. Muss ja sein.



Also - Titel: Microsoft Praxis heißt die Sache wohl. Und die Frage ist, was die Firmen Microsoft und Nero wohl von dieser Art Weiterverwertung ihrer Produkte halten. Man könnte ja mal fragen...


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Nachtrag: Die Homepage der Firma ist gleichsam Password-geschützt. Schon verständlich. Muss ja nicht jeder wissen, was die Philosophie des Unternehmens ist!

Die menschlichen Möglichkeiten

Eine noch nicht in vollem Umfang ausgebildete Disziplin -- na ja, ehrlich: es gibt sie einfach nicht, die akademische Disziplin, die systematisch die Breite der menschlichen Möglichkeiten bestimmt. Hier eine Focus-Meldung vom Freitag, den 16.11.2007 um 19:56:

Kopfrechnen
Mathe-Genie bricht Weltrekord

Der französische Mathematik-Student Alexis Lemaire hat in New York in nur 72,4 Sekunden die 13. Wurzel aus einer 200-stelligen Zahl gezogen – im Kopf.
„Die erste Zahl ist einfach, die letzte auch“, sagte Lemaire. „Aber dazwischen ist es sehr schwer.“ Das bezweifelt wohl niemand. Mehr als 17 Zeilen lang stellte sich die Wurzel auf dem Bildschirm eines Computers dar, der das Ergebnis bestätigte. Das Zahlenungetüm berechnete der Franzose in einer Minute und 12,4 Sekunden.

Der 27-Jährige promoviert an der Universität Reims in der Nähe von Paris im Fachbereich künstliche Intelligenz und trainiert seit Jahren das Ziehen der 13. Wurzel. Dabei bricht er immer wieder seine eigenen Rekorde. Zuvor lag seine Bestzeit bei 77,99 Sekunden. Er rechne auf die gleiche Weise wie ein Computer, nur dass er seinen Kopf benutze, kommentierte Lemaire. „Ich glaube, dass die meisten Menschen das könnten. Aber mein Gehirn arbeitet schnell und manchmal sogar sehr, sehr schnell.“

Was kann also das menschliche Gehirn des Normalos, was das der Spezialbegabten?

Mittwoch, 28. Juli 2010

Wortspiel: Notizblog

Der Gedanke, der mir da beim Radiohören(+ kommt, ist der: Ich benutze meinen Blog ja nicht, damit er großartig gelesen werde und möglichst viele hits produziere; ich benutze ihn, um Notizen festzuhalten. Gedankensplitter. Vielleicht wird daraus einmal etwas Geschlossenes. Ich bin in einem früheren Blog mit anderen BloggerInnen in Kontakt gekommen. Es war ein ziemlich langweiliger Prozess des Sich-Austauschens. Darum hier kein Interesse.

Wenn es Gleichgesinnte gibt, werde ich die schon kennenlernen. Auch die, die mir heftig widersprechen, sind -- wären willkommen.

(Wer das feststellt, das gedanklich Schlichte? Nun ja -- ich natürlich.)

(+ Philosophische Profile. Die Morgenröte unserer Zeit. Die Vernunft bringt die Wahrheit ans Licht - dieser programmatische Satz kennzeichnet eine Denkepoche, die man als Aufklärung bezeichnet. Sie begann im 17. Jahrhundert und erreichte ihren Höhepunkt gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Stand: 28.07.2010

So, und dann komme ich darauf, dass ich eigentlich einen Notizblog habe. Und gleichzeitig, aus ein paar früheren Erfahrungen, weiß ich: Solche Wortspiele werden im Internet schnell gefunden. Man soll sich bloß nicht einbilden, da originell sein zu können. Und prompt, ich sehe nach. Google: Ungefähr 39.300 Ergebnisse (0,21 Sekunden) Man stelle sich vor: Über neununddreißigtausend Einträge!

Dienstag, 27. Juli 2010

Der Schöpfungsbericht als großes Bild

In der Wikipedia-Diskussion des Stichworts Intelligent Design habe ich, zugegeben aus einer Laune heraus, eine Anmerkung gemacht. Eineinhalb Stunden und zwei Fernsehsendungen später habe ich mir überlegt: Ist doch blöd, das da hin zu setzen. Lösch es wieder! Und Siehe da: Da hatte es schon jemand gelöscht! Soll ich diesem Menschen jetzt dankbar sein, dass er mir die Arbeit abgenommen und die LeserInnen vor meinen Ergüssen bewahrt hat? Seltsamerweise bin ich nicht sonderlich dankbar. So ist der Mensch und seine Psyche halt. Ich glaube, ich bin da keine große Ausnahme. Irrationalismen überall. Assoziativ: Man liebt den Verrat und hasst den Verräter und so.

Ach so, worum ging es? Ich habe also unter der Überschrift des vorliegenden Eintrags Folgendes bei der Wikipedia reingeschrieben:

Was ich immer wieder zum Schmunzeln finde, ist: Dass 'echte Christen' die 6.000 Jahre als in Worten und wörtlich ''Sechstausend Jahre'' verstehen und sich daran hochziehen. Ich kann doch nicht der einzige sein, der die Genesis toll und erstaunlich findet, weil sie eine bildhafte Vorwegnahme wissenschaftlicher Darstellungen ist. Die Zeit vor Renaissance und Aufklärung war halt eine Bilder- und Mythenzeit. Mal als Frage formuliert: Wo ist die folgende Parallelsetzung so oder so ähnlich auch schon vorzufinden:
-
* 1. Tag >> "Es werde Licht!" >> Urknall
-
* 2. Tag >> "Ein Gewölbe entstehe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser." >> Bildung der Urmeere
-
* 3. Tag >> "Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen" >> Entstehung von ersten Lebensformen
-
* ...
-
Na gut, dass die Sonne ein wenig spät an den Himmel gehängt wird, ist natürlich ein kleiner Schönheitsfehler. Aber sonst: Prima bildhafte Vorwegnahme des Kosmogenese- und Evolutionsgedankens, würde ich sagen. Das Wörtlichnehmen, das ist ein Teil von Kinderglauben. Kindlich oder naiv, je nach Standpunkt. Das Erkennen des Bildhaften ein Kennzeichen des Erwachsenseins. -- Und vielleicht mal wieder Pierre Teilhard de Chardin lesen? Und wen sonst noch?

Da die Wikipedia alles dokumentiert, auch das Löschen und das Gelöschte, kann ich also sowohl den gelöschten Beitrag wie die Anmerkung des Löschenden aufrufen . Die Anmerkung sieht so aus:

Aktuelle Version vom 27. Juli 2010, 19:32 Uhr. GiordanoBruno. (Siehe oben - persönliche Betrachtungen zum Artikelthema gehören nicht hier her...)

OK. Auch hier kann ich sagen: Siehe oben. Nur -- dass sich einer Giordano Bruno zu nennen wagt, das ist schon so eine Sache.(++ Und über unseren Bruno gibt es hier selbstverfasstes Interessantes zu lesen.

Hallo alle zusammen,
ich bin seit Mai 2006 in der Wikipedia aktiv. Ich habe mal mit ein paar Babel-Bausteinen gespielt um ein paar Infos zu meiner Person zu geben. Der Name GiordanoBruno ist (natürlich) ein Nick, ich bin generell der Meinung, dass eine gewisse Anonymität zum Schutz der Privatsphäre nicht schaden kann.
Zu meiner Arbeit habe ich den "Löschantrag" unten gefunden, der mir aus der Seele spricht. Ich muss aber dazu sagen, dass ich kaum in der Löschhölle arbeite, dafür aber mit Vorliebe Artikel "zurecht- stutze".

Na also, da haben wir's, das Schlüsselwort! Zurechtstutzen. Es gibt für diese Geisteshaltung einen schönen Cartoon. Mal sehen, ob ich ihn bei Gelegenheit finde. Der Cartoon sieht so aus: Ein Mann steht auf einer Stehleiter, in der Hand eine Heckenschere.Und der Mann stutzt zurecht. Nein, keine Hecke! Sondern Bücher. Er schneidet die unterschiedlich hohen Bücher auf eine gleiche Höhe zurecht. So muss man sie sich wohl vorstellen, diese Vorliebe.

--

(++ Ich muss an André Heller denken. "Giordano Bruno verbrannten sie / in Rom auf dem Campo dei Fiori. / Und die Wahrsagerinnen und Seesternverkäufer, / die geistlichen Herren und die weltlichen Säufer, / die amüsierten sich. / Die amüsierten sich! / Und gaben dem Feuer die Spor'n ohne Zügel, / der Rauch trieb über die sieben Hügel ... // A-Be-Bu. Weg -- bist -- du!"

Diesen Text gibt es tatsächlich nicht vollständig im Internet! Sollte ich mal nachholen, das mit dem Abschreiben und Ins-Netz-Stellen.

Vorstudien China: Ethnien und Religionen

Diese Information steht am Anfang:

China beherbergt 56 ethnische Gruppen. Die Han-Chinesen stellen 92% der Gesamtbevölkerung, während die anderen 55 ethnischen Gruppen aufgrund ihrer geringen Anzahl als Minderheiten gelten. Der Staat schützt die Rechte und Interessen der ethnischen Minderheiten, sichert und fördert ihre Gleichheit und Einheit. Geographisch gesehen leben die Han-Chinesen im gesamten Land mit der größten Dichte in Ost- und Zentral-China. Die meisten ethnischen Minderheiten leben im Südwesten, im Nordwesten und im Nordosten in den chinesischen Grenzgebieten.

Religion

China ist ein Land mit vielen Religionen, in dem sich Taoismus, Buddhismus, Islam, Christentum und Katholizismus entwickeln konnten. Die Freiheit der Religionsausübung ist eine Politik der Regierung und das Grundgesetz schützt normale religiöse Aktivitäten.
---
"Die Han-Chinesen sind keine homogene Gruppe. Besonders moderne staatliche Institutionen mit ihrem Drang zur Vereinheitlichung und Zentralisierung leugnen diese Heterogenität. Diese zeigt sich jedoch z. B. an den unterschiedlichen Sprachen der Chinesischen Sprach- gruppe und an Bezeichnungen für Regionen und ihre Bewohner, die älter sind als die Han-Dynastie (z. B. Wu oder Shu). Auch andere Dynastien werden zur Eigenbenennung verwendet, so nannten sich Südchinesen (und tun dies im südostasiatischen Ausland immer noch) Tang und nicht Han - folgerichtig insofern als diese Gebiete erst zur Zeit der Tang aus dem Norden besiedelt wurden und die autochthone Bevölkerung verdrängt oder assimiliert wurde." (Wikipedia)

Montag, 26. Juli 2010

Microsoft ICE: Panorama-Ersteller

Lange nach einem solchen Programm Ausschau gehalten. Jetzt gibt es das kostenlos von Microsoft. Beispiel: Das Infineon-Gelände in Neubiberg, gesehen von der Unterhachinger Seite. (Zum Vergrößern wie üblich: draufklicken!)

Sonntag, 25. Juli 2010

Dans macabre: Love Parade

Gestern und heute die Berichte, im Fernsehen und im Rundfunk. Party!-Party!-Party!, noch in die Fernsehkamera gegrölt, als schon bekannt ist, dass viele Menschen zertrampelt und zerdrückt worden sind.

Es erinnert alles an vieles andere. An die Römer bei Asterix und Obelix. Eine römische Party, genannt Orgie, wird gefeiert. Von Feistus Raclettus. Ein Römer, der zum dritten Mal sein Brot im Käsefondue verloren hat, wird zur lustigen Strafe in den Genfer See geworfen, zum Ertrinken. Asterix und Obelix, die gerade herbeitauchen, retten ihn im Vorbeischwimmen, und der durchgeknallte Römer, kaum an Land, fragt: "Wo geht es zurück zur Orgie?" Das gibt die Geistesverfassung der LP wohl recht gut wieder.

Aber -- nein, nicht klagen über diese vor PartyPartyParty-Verfall stinkende Zeit. Es stinkt die Zeit ja nicht überall, sondern nur an bestimmten PartyPartyParty-Stellen. Also einfach festhalten: Jede Friedenszeit hat ihre je eigene Dekadenz. Sollte man sich deshalb den Krieg herbeiwünschen? Ach nein, wirklich nicht.

Wie viel bin ich wert?

Es gibt da dieses saying von Oscar Wilde: "Heutzutage kennen die Leute vor allem den Preis und nicht den Wert."

Und dann drehen die Leute von NEON das durch den Wolf, und also bringt heute NEON das!

Ich bin so viel wert, wie ich verdiene?! Was sind diese Jugendlichnassforschen doch für Dödel!

Plural-is-ierung

Und was sagen wir dazu?

GRENZEN DER PLURALISIERUNG
Wie die Deutschen über die neue religiöse Vielfalt denken

Prof. Dr. Detlef Pollack

Nahezu jeder zweite Deutsche fühlt sich laut einer Umfrage durch die wachsende Vielfalt der Religionen im Land bedroht. Die große Anzahl religiöser Gruppen sorgt für Unsicherheit unter den Menschen, wie der Münsteraner Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack und sein Mitarbeiter Olaf Müller in einem Gastbeitrag darlegen.

Viele befürchten demnach einen Verlust der eigenen Identität. 72 Prozent der Befragten in Westdeutschland sehen die religiöse Vielfalt als Ursache für gesellschaftliche Spannungen an; in Ostdeutschland stimmten 69 Prozent der Aussage zu. Pollack will die repräsentative Studie, die von der VolkswagenStiftung gefördert wurde, in diesem Jahr neu auflegen. Er plant eine weitere Erhebung zur Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten europäischen Gesellschaften.

Samstag, 24. Juli 2010

Rechtschreibung: Stiesel oder Stießel?


Wie schreibt man eigentlich "Stie.el"? Mit s oder mit ß? Bei Googlefight nachgesehen. Die Statistik wie die grafische Umsetzung überraschen dann.

Also muss man doch selbst bei Google ran. Das Ergebnis:
Stießel: 2.740 Ergebnisse
Stiesel: 36.700 Ergebnisse

"Wer nun glaubt, dass dieser Eros Ramazzotti ein echter Stiesel ist, der irrt."
Stern

"Aus übergeordneten Gründen ist es gut, dass sich die Münchner Fußball-Bosse als die Stiesel erwiesen haben, als die sie sich schon während der ganzen Stadion-Debatte hervorgetan hatten."
Süddeutsche

Die Wikipedia und der Humor 2: Homöopathie

"Statistik zur Diskussion des Artikels Homöopathie
Die vorliegende Diskussion begann im September 2004 mit einer Überschrift "Homöopathie wissenschaftlich bewiesen?". Heute, Anfang Juli 2010, umfasst die Diskussion bereits 1,1 Millionen Wörter, mehr als die Bibel (ca. 0,8 Millionen Wörter) und ist die längste Diskussion über einen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia. In etwa 9400 Beiträgen gaben laut den Archiven 380 signierte Benutzer und weitere 300 Namenlose ihre Kommentare ab. -- Chris 12:49, 1. Jul. 2010"

In dieser Humor-Tradition habe ich heute der Diskussion auch noch das Folgende hinzugefügt:

[Hier wollte ich also den Text einfügen. Aber: nachdem ich den Diskussionsbeitrag hochgeladen hatte -- oder hatte hochladen wollen; was wird sich noch herausstellen -- war der Artikel eingefroren. Es erscheint im Moment nur der Text, ohne die Reiterkarten für Diskussion usw.]

OK, alles wieder in Ordnung. Also denn:

"Formulierung?
Gegen eingeführte Terminologisierungen sollte man nicht angehen wollen. Schon klar. Also: Das Wort
blind in Blind- und Doppel- blindstudie ist nun mal da. Auch wenn es nicht wirklich um Blinde geht. Aber so ist die deutsche Wortbildung nun mal. Und in vielen anderen Sprachen heißt es ja, übersetzt, so oder so ähnlich. Eine Sache, die nur für die Etymologiestudien von Wissenschaftssprachen interessant ist. Aber nun: 'Der Versuch sei ein sehr frühes Beispiel für Randomisierung und doppelte Verblindung.' Doppelte Verblindung? Da hat nun mal wieder die Terminologie mit dem Bürokratendeutsch eine Liebesnacht verbracht. Letzteres hat ja auch so schöne Wort- schöpfungen wie "die Beböschung der Straßen" hervorgebracht. -- Zusammenfassend: Könnte man diese Formulierung nicht ändern?"

Im Übrigen sei angemerkt: Diese WP-Diskussion in Auszügen zu lesen ist nicht nur sehr unterhaltsam, es zeigt auch, wie Wissenschaft in der Praxis auf einem Fundament aus Vorwissenschaftlichem aufruht. Es sei wieder einmal an Paul Feyerabend und sein Against Method erinnert.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Sprache

Wie muss es heißen?

in einer Newsgroup des Internet / des Internets

?

Wir werden Maghreb

In der ZEIT findet sich das:

"Die Toleranz des Islams vermitteln"
Der ägyptische Schriftsteller Alaa Al-Aswani sieht nach dem Minarett-Verbot in der Schweiz liberale Moslems gefordert. Sie müssten in Europa für ein anderes Islam-Bild werben.
...
Frage: Ist die Schweizer Entscheidung Indiz für wachsende anti-islamische Ressentiments?
Al-Aswani: Wir müssen diese Abstimmung sehr ernst nehmen. Die Schweiz ist ein multikulturelles Land im Herzen von Europa. Hier leben Menschen in vier Sprachen zusammen. Die Schweiz ist eine vorbildliche Demokratie. Insofern zeigt das Votum klar, wie die Menschen in Europa inzwischen denken. Was in der Schweiz geschehen ist, kann in jedem anderen Land passieren. Ich habe keinen Zweifel, in Deutschland hätten noch mehr Leute gegen Minarette gestimmt.

Jetzt lassen wir mal die Frage, wie viele Prozesse in islamischen Ländern geführt werden in der Frage, ob man da und da eine Kirche bauen oder, was die Frauen angeht, im Minirock und bauchfrei überall in den Städten herumlaufen darf.

Mehr aber als das hat mir eine Besprechung eines Buches zu Denken gegeben. Ich muss extra ins Esszimmer laufen, um die Zeitung herauszusuchen. Der Text geht dann so:

Wir werden Maghreb. Christopher Gladwell warnt vor der Islamisierung Europas.
SZ 22.07.2010, S. 12.

Wie sich die Bilder gleichen: Als eine euphorisierte Generation um 1968 neue Rechte reklamierte und liberale Moralvorstellungen durchsetzte, gaben konservative Kritiker zu bedenken, eine haltlos relativistische Generation von Hedonisten im Westen habe der ideologisch gefestigten und kampfbereiten Jugend des Ostblocks im Konfliktfall nichts entgegenzusetzen. Heute ist es die Immigration in die EU, die in Christopher Caldwells Buch 'Reflections on the Revolution in Europe' ähnliche Argumente auf den Plan ruft. Caldwell, ein konservativer Journalist aus den Vereinigten Staaten, entwirft eine beängstigende Zukunft für ein Europa der Migranten. Europa werde, so zitiert er den Historiker Bernard Lewis, 'Teil des arabischen Westens, des Maghreb'. Die Werte einer modernen Demokratie würden immer weiter unterhöhlt.

Was aber der Rezensent Philipp Blom an Schluss schreibt, das nennt man wohl eine Volte:

Ist Europa tatsächlich durch Relativismus und Wohlstand geschwächt und dekadent geworden, oder wirkt es nur schwach, weil seine Werte lange nicht mehr ernsthaft herausgefordert wurden? Könnten diejenigen Migranten, die europäische Werte wie Gleichberechtigung und Toleranz nicht automatisch anerkennen, nicht auch die Funktion haben, unsere Gesellschaften zu zwingen, sich neu mit ihren eigenen Werten auseinanderzusetzen und diskursiv zu bestimmen, was verhandelbar ist und was nicht? Warum sollte Europa mit unterschiedlichen Menschen gleich bleiben, wenn es an dieser Auseinandersetzung wachsen könnte?

Das hat die schöne Logik von: Erst in der Todesgefahr erkennt der Mensch, zu was er eigentlich fähig ist. Was ja mit Blick auf die Realität immer nur meint: Manche, nämlich die Fähigen, überleben, andere nicht. Gehört Europa zu den Fähigen? Das ist die Frage.

Mediengeschichte - Lothar Matthäus

In 50 Jahren sollte es eine Geschichtsabteilung für Mediengeschichte geben. Der würde ich gerne die Causa Lothar Matthäus übergeben. Was die Zeitungen mit diesem armen Kerl (Achtung! unwissenschaftlicher Ausdruck!) so alles angestellt haben! Es ist zum Haare raufen. Heute wieder so ein Beispiel:



Dienstag, 20. Juli 2010

Eine Spielart der Tapferkeit

Eine der schnellen Erkenntnisse des Morgens in der U-Bahn: Es gibt Menschen, die auf ihre Tapferkeit sichtlich stolz sind. Allerdings, worauf sich diese Tapferkeit bezieht, das ist schon bemerkenswert. Sie bezieht sich darauf, dass sie es wagen, sich über die kleinen Normen der Höflichkeit hinwegzusetzen. Man steht an und -- schwups! -- hat sich ein tüchtiger, tapferer Drängler vor einen in die kleine Schlange vor der Tür geschoben. Was er damit gewonnen hat, ist nicht so recht klar. Aber hier geht es halt ums Prinzip. Survival of the fittest. Später: Von zwei Wagentüren geht nur eine auf. Der, der aussteigt, sagt sich ganz offenbar: Da passe ich doch gut durch, durch diese eine! Dass hinter ihm 10 Leute stehen und dass er mit einem Handgriff die zweite Tür auch aufmachen könnte -- nun, das wäre ja vollkommen uncool.

Die Steigerung gibt es natürlich, nur so ein Gedanke bei dieser Gelegenheit, auf der Autobahn. Wenn die Tapfersten der Tapferen bei Stau auf dem Standstreifen 2 Kilometer nach vorne fahren und sich dann mit einem schnellen Blinken vor einen, der ein wenig zu viel Abstand zum Vordermann hält, reinquetschen. Oder halt über einen Parkplatz fahren, weil sie auf diese Weise sage und schreibe 300 Meter gewonnen haben und mit solcherlei Fahrverhalten nach 545 Kilometern 8 Minuten früher ankommen als der, der sich an die Regeln hält.

Ja, so sanns. Und eben -- sie sind die Tapferen, die solcherlei Geschichtchen auch noch auf der Party mit ihresgleichen schenkelklopfend zum Besten geben. Ja, wir, die dämlichen Stützen der Gesellschaft! Wir trauen uns was!

...

Kleiner Nachtrag: Würde ich das in einer normalen Newsgroup des Internet zum Besten geben, wahrscheinlich hätte ich fast alle gegen mich? Warum? Zwei Gruppen, zwei Gründe: Die einen gehören zu denen, die ich eben beschrieben habe. Die anderen finden es bürgerlich-peinlich, wenn über so was geredet wird. Es ist eben diese Gruppe B, die es auf sich nimmt, bürgerlich cool, durchs Leben zu stießeln.

Montag, 19. Juli 2010

Niklas Frank

Ich brauche doch fast eine halbe Stunde, um den Namen, die Person wiederzufinden. Irgendwann im letzten halben Jahr habe ich eine Radiosendung über ihn gehört. Ich brauche die beiden Franks, um mein deutsches Weltbild um einen Mosaikstein zu komplettieren.


Niklas Frank (* 9. März 1939 in München) ist Journalist und Autor beim deutschen Wochenmagazin Stern. Bekannt wurde er unter anderem durch die von vielen als provokant empfundene Abrechnung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit seiner Eltern.

Niklas Frank wurde 1939 in München als Sohn des national- sozialistischen Politikers Hans Frank und dessen Frau Brigitte (geb. Herbst) geboren. Sein Vater war zwischen 1939 und 1945 als Generalgouverneur im besetzten Polen an zahlreichen Kriegs- verbrechen beteiligt und wurde auch als Schlächter von Polen bekannt, seine Mutter als (selbsternannte) „Königin von Polen“.

Sonntag, 18. Juli 2010

Schon wieder mal Einstein

Ein Beispiel, wie man bei Antworten vollständig daneben liegen kann und dabei doch punktet:

Gelöste Frag // Wer hat den Laser-Prinzip erfunden? // Silke // Beste Antwort - Ausgewählt durch Abstimmung

1916 systematisierte Albert Einstein die Wechselwirkungen des Lichts mit der Materie. Dabei führte er eine weitere Wechselwirkung "unter Einstrahlung" ein: die stimulierte Emission. Diese spielt die entscheidende Rolle bei der Funktionsweise von Lasern. Damit ein Laser funktionsfähig wird, müssen allerdings alle drei Licht-Materie-Wechselwirkungen optimiert werden:

die (spontane) Emission
die Absorption und
die stimulierte Emission.

Nun denn -- ist die Antwort also: Einstein hat den Laser erfunden? Was für ein Quatsch! Er hat gedanklich Grundlagen geliefert, damit der Laser erdacht werden konnte. Erfunden hat ihn -- na, wer?

Wir müssen sagen: eine größere Anzahl von Wissenschaftlern und Technikern. Sehr Lesenswertes findet sich hier.

Freitag, 16. Juli 2010

THE BEATLES

Eine Sendung in Bayern 2 zu "Beatles 5o". Kinder, wie die Zeit vergangen ist! Wohin ist sie eigentlich gegangen?

Die Beatles

Vor 50 Jahren haben sie sich gegründet, vor 40 Jahren gingen sie auseinander: Bayern 2 würdigt die Beatles mit einer Serie in der radioWelt am Morgen, vor den 7.00 Uhr Nachrichten, und mit einer Zündfunk extra-Nacht "A Hard Day’s Night" am Samstag, 24. Juli 2010, von 21.05 Uhr bis 2.00 Uhr. Songs und Tourneegeschichten, Anekdoten und Ereignisse, Kurioses und Menschliches, garniert mit historischen O-Tönen aus dem BR-Archiv.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Schulmedizin: Tausendmal ist es passiert

Ob man das Wort Schulmedizin mit positiven oder negativen Assoziationen verbindet -- welche Konnotationen das Wort aufruft, wie die Linguisten sagen --, es kommt natürlich wieder mal auf den Standpunkt an. Ich finde, unabhängig von allem Gemeinten und allen Inhalten, dass Schulmedizin ein blödes Wort ist. Das hängt damit zusammen, dass ich die Schule als Institution für blöd halte: die so selbstgefällig-überhebliche Bürokratie dahinter verhindert freies, erfolgreiches Denken. Und dieses Denken, das es an den Schulen hin und wieder auch gibt, gibt es dort, obwohl die Leute an einer Schule lehren und lernen, nicht weil sie dort lehren und lernen. So weit, so gut. Jetzt also: Die -- laut SPIEGEL -- Schulmedizin gegen die Homöopathie. Und ich gegen die Schulmedizin:


Aber das beste Argument, das hebe ich mir noch auf...

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Gerade unter Prominenten hat die Homöopathie viele Anhänger. Die Schauspielerin Anna Loos zum Beispiel bekennt sich in Klatschblättern zur ihrer Homöopathin, der Modedesigner Karl Lagerfeld nahm mit Hilfe eines Homöopathen angeblich 42 Kilo ab. Doris Schröder-Köpf, Gattin des Ex-Kanzlers, übernahm die Schirmherrschaft des Homöopathie-Weltkongresses, und selbst der Philosoph Peter Sloterdijk preist die Homöopathie als "plausibel und unglaublich in einem, rätselhaft und wirkungsvoll". Auch in der Politik hat die Homöopathie ihre Anhänger - zum Beispiel Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag.

Am besten kann ich die Sache bei Karl Lagerfeld verstehen. Er war wahrscheinlich bei unglaublich vielen Medizinern und Sachver- ständigen, weil er dünner werden wollte. Nix hat es gebracht. Und dann hat er seinen Homöopathen gefunden, und siehe da.! (Jetzt müsste K. L. nur noch jemand finden, der ihm in Bezug auf ihn selbst so etwas wie das rechte Stilgefühl für Kleidung beibringen würde. So etwa: "Das beste in Ihrem Alter ist immer noch der klassische Maßanzug in gedeckten Farben. Und vor allem: die klassischen Hemden, Krawatten, Socken, usw.")

Ob Joschka Fischer auch noch einen -- seinen Homöopathen sucht? Aber J. F. -- was würde er wohl sagen, wenn er das hier läse? Nicht sagen, aber fühlen würde er: Was stört es die Eiche, wenn sich das Schwein -- auch was! -- das Marienkäferchen daran reibt?

Alltägliche Wahrheitsauffassungen


Aiptek AHD Z700, 11. Februar 2010 // Von ... Aiptek AHD Z700 digitaler Camcorder // Beim Kauf habe ich mich auf die vorhandenen Rezensionen gestützt, die auch teilweise zutreffend waren.

Sehr schönes Beispiel für eine Analyse alltäglicher Wahrheitsauffassungen. Der Resent schreibt ja nicht: "... die teilweise mit meinen Urteien übereinstimmen". Nein, er nimmt ganz selbstverständlich an, dass er beurteilen kann, was zutreffend ist und was nicht.

Dienstag, 13. Juli 2010

Eisenhans

Es ist immer wieder überraschend, wenn die eigene Kindheit auf einmal in einem Film auftaucht. Und der WDR verschickt für 50 Euro eine Kopie. Nein, nicht der Kindheit, sondern des Films. Und dann -- die weiteren Funde. Ich glaube, ich sollte wieder Schriftsteller werden.

--


Film in der Galerie (VHS): Freitag, 2. Dezember 2005; 20 Uhr || Eintrittspreis: 4 Euro, ermäßigt: 2 Euro || Städtische Galerie Sonneberg. Juttastraße 29, 96515 Sonneberg || Tel. (03675) 808133 Fax (03675) 427856 || comptoir-kunstmagazin@t-online.de

Am Freitag, dem 2. Dezember, um 20 Uhr findet die erste Begleitveranstaltung der Städtischen Galerie Sonneberg zur Ausstellung »Tankred Dorst. Leben und Werk« statt. Gezeigt wird »Eisenhans«, ein Spielfilm aus dem Jahr 1983 in der Regie des Autors. ...

Sonntag, 11. Juli 2010

Jo-Jo-Joschka

Ich kreiere gerade, während ich einen wissenschaftlichen Aufsatz vorbereite, eher nebenbei das Wortspiel von Jo-Jo-Joschka Fischer. Das halte ich jetzt mal hier fest. Gibt es dieses Wortspiel schon? Es gibt im Internet ja fast immer jemanden, der schon früher dran war.


O je. Ich gebe es auf, originell sein zu wollen!

Und das zu Joschka Fischer. Schon wieder 6 Jahre her! Mein Gott, wie die Zeit vergeht.


"In unserer Welt kann ein ungebildeter klug werden, ein Armer reich - aber niemals wird ein Dicker dünn. Joschka Fischer war vor fünf Jahren ein schwer atmendes Fass auf zwei Beinen, "125 Kilo bei 1,81 Meter". Fünf Jahre wog er unglaubliche 75 Kilo, und nun ist er wieder bei über 100. Sein Hemd spannt, der Kragen geht nicht mehr zu."

Häme oder Philosophie?

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Und dann --sollte ich doch noch originell sein?

Keine Ergebnisse für "meiner langer lauf um mich selbst" gefunden

Sagt Google. Aber weiß ich nun mal, dass das nicht von mir stammt. Von wem wohl?

Samstag, 10. Juli 2010

Johannes Weckl (25) vom Chiemsee ...

... stellt sich, aus Japan, das er bereist, im Bayerischen Rundfunk vor. In seiner Funktion als Sandburgenbauer. Plaudert sehr angenehm.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Ströker vs. Soreth. Mal wieder.

Ich lese zum wiederholten Male das, was in der WWW-Seite inspective von Marc Dressler, Stuttgart, zur Philosophin Elisabeth Ströker steht. Vorab ein paar kritische Anmerkungen zu dem inspective-Text.


"Medienwissenschaftler verhängt über 90 Prozent der Arbeiten das Soreth-Urteil: völlig wertlos."

Hier ist nicht so recht klar, was denn ein Soreth-Urteil ist. Das, was Marion Soreth als ihr Urteil über E. S. verkündet hat? Was ist das dann im Einzelnen?

"Hätte sie ihre Doktorarbeit aktualisiert, wären ihr die Formfehler aufgefallen, die sich durch den Rotationsdruck in ihr Manuskript geschlichen und manches offenkundige Zitat verdeckt hätten."

"... durch den Rotationsdruck in ihr Manuskript geschlichen..."? Wie soll das technisch gehen. Im Druck hat sich das Ms. verändert?

"Auch Stefan Weber vertraut nicht auf die Selbstkontrolle in der Wissenschaft. Kommt ihm ein Plagiatsverdacht, wendet er sich direkt an die Medien. Nötigenfalls inszeniert er seine Enttarnung mediengerecht."

"seine Enttarnung" -- enttarnt sich der Stefan Weber selbst. Wenn nichts und niemand genannt wird, bleibt nach deutscher Grammatik keine andere Auslegungsmöglichkeit.

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Jetzt aber eine einfach nur schöne Stelle:

"Die beiden Psychologen [Douglas Peters und Stephen Ceci] entnahmen zwölf Fachzeitschriften Artikel, die durchschnittlich zwei Jahre alt waren, ersetzten die Namen der Autoren durch ihre eigenen und reichten die Artikel wieder bei denselben Zeitschriften ein. Nur drei davon erkannten ihre eigenen Artikel wieder."

Geschäftsidee 4: Doppelgänger-Werbung

Ich habe viel zu viele Ideen. Das ist in der Theorie gut, in der Praxis aber von Übel. Immer wieder funkt, beim anständigen Arbeiten, eine blöde neue Idee dazwischen. Will sich nicht abwimmeln lassen. Es hat keinen Sinn, Widerstand zu leisten. Ideen, meine jedenfalls, haben es an sich, dass sie sich nicht abwimmeln lassen. Besser man gibt ihnen nach und schreibt sie auf. Ideen in Quarantäne sozusagen. Manchmal, eher selten, ist unter den Ideen auch eine Geschäftsidee. Es ist ja auch hier in diesem Blog nicht die Erste. Siehe Label unten.

Jetzt also -- wenig Ideen nur ohne Vorgeschichte. Die Vorgeschichte hier ist die: Auf einer Frankfurter Buchmesse verteilte die Titanic ein Schwarz-Weiß-Poster, wo für eine Doppelgänger-Agentur geworben wurde. Satirisch versteht sich. "Sie sind ein Kleinverlag und verlegen Autoren wie Hans Arsch..." Usw. "Man beachtet Sie nicht. Dann buchen Sie bei unserer Doppelgänger-Agentur. Günter Grass." Usw. Dazu ein Bild, ein Allerweltsgesicht mit einem aufgeklebten Grass-Schnurrbart.

So und jetzt: Die zu gründende Firma veranstaltet einmal im Jahr, vielleicht auch als Biennale, ein Doppelgänger-Casting. Michael Schumacher, Paris Hilton, auch Marilyn Monroe. Alle Berühmtheiten, die sich vermarkten lassen, on stage. Und dann wird noch ein wenig manipuliert. Die eine oder andere Nasen- und Kinnoperation darf schon sein. Ja, und dann wird einfach geworben. Ohne Namensnennung der celebrities. Aber natürlich mit den Gesichtern und den Körpern. Urheberrechtsprobleme wird es keine geben. Schließlich kann man niemandem verbieten, Werbefotos zu machen, nur weil er zufällig einem anderen ähnlich sieht.

Wär das nichts für Stefan Raab und Pro7?

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Bei Nutzung dieser Idee bitte ich um Erwähnung des Ursprungs der Idee und bei Erfolg um eine angemessene Spende an mich. Wird dies unterlassen, bringt es dem Betreffenden Unglück. Sagt mein Voodoo-Berater.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Schlager

Über diesen [Selbstzensur] reden wir dann morgen mal! Wenn ich einen Punching Ball zum Abreagieren brauche.

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Morgen ist heute, jetzt. Nur mal als Aufwärmer die allgemeine Frage: Wie ist diese Auswahl zustande gekommen? Helene Fischer, Platz 2: Da muss einfach der Fanclub gute Arbeit geleistet haben, oder? Und wenn das einfach war, dass es für den zweiten Platz reichte, wie war es dann bei den anderen?

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"Top 10 der beliebtesten Hits in Deutschland seit 1949: Die absoluten größten deutschen Schlager Hits und Popsongs der Nachkriegs- geschichte nach Ansicht der ARD Zuschauer sind die folgenden:

Platz 10 der Liste der beliebteste Schlager belegt | The Scorpions aus Hannover mit | Wind Of Change | Der Song stammt aus dem Jahr 1990 und ist untrennbar mit der deutschen, aber auch europäischen Wiedervereinigungsgeschichte verbunden.

Platz 9 geht an | DJ Ötzi aus dem Salzburger Land, Österreich | mit dem Mega Hit | Ein Stern (Der Deinen Namen Trägt)

Platz 8 ist einer der ewigen Karnevalssongs der Band | Die Höhner aus Köln | mit dem Gassenhauer | Viva Colonia (da simmer dabei, das ist prima)

Platz 7 erobert beim ARD Publikum die durch ihre Teilnahme beim Eurovision Song Contest berühmt gewordene Formation | Dschinghis Khan | mit ihrem Disco Song aus dem Jahr 1979 | Dschinghis Khan

Platz 6 für Schlagerstar | Andrea Berg | mit | Du Hast Mich Tausendmal Belogen aus dem Jahr 2001

Platz 5 geht überraschend an die Band | Sportffreunde Stiller und ihrem Song der während der Fussball WM 2006 Platz 1 der deutschen Charts belegte: | 54 74 90 2006

Platz 4 erreicht Schlagerlegende | Katja Ebstein mit | Wunder Gibt es Immer Wieder, ein Hit im Jahr 1970, der sich zu einem der größten deutschen Schlager aller Zeiten entwickelte.

Platz 3 besorgten die Fans der deutschen Popgruppe | Tokio Hotel die kräftig für den Hit | Durch Den Monsum stimmten. Es ist der einer der Songs der Liste, der bei Verkaufszahlen in Deutschland kein Single-Gold erreicht hat.

Platz 2 geht an den aktuellsten deutschen Schlagerstar | Helen Fischer | mit Mitten Im Paradies (als Single wenig erfolgreich, kein Gold in Deutschland)

Nummer 1 als beliebtester deutscher Schlager ist von der “DDR” Band | Karat und ihrem Evergreen | Über 7 Brücken Musst Du Gehen. Es ist der meistverkaufte Song der DDR Musikgeschichte. Peter Maffay hat mit der gleichnamigen Coverversion in der alten Bundesrepublik Gold erreicht."

WM-Titel - Ciao!


Liebe BILD-Zeitung! Wir wär es beim nächsten Mal, wenn weniger Schland-Gebrüll im Land wäre und mehr ruhige Vorbereitung und stille Hoffnung? Irgendwie ist ja an der Niederlage doch dieses dämlich-selbstgefällige Gebrüll schuld.

Und lieber Herr Löw! Dass die Jungs sich hinten reingestellt haben, als hätten sie noch nie gewonnen, war das die taktische Marschrichtung? Die Parole hätte doch sein müssen: Lieber 2 Tore kassieren und vielleicht 3 schießen als 0:1 verlieren. Und auch 3:4 verloren ist besser als 0:1!

Lieber Thomas Müller! Einer ist immer der Loser. Aber du hast mir leid getan.

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Ja, ich kann immer noch so enttäuscht sein wie damals als Kind! Einen Teufel werd ich tun und sagen, wann das war.

Spyware

Ich dachte, ich hätte den Flash-Player auf dem PC. Aber nun meldet sich ein Programm und will ihn istallieren. Sie will sich gar nicht wegdrücken lassen, die Aufforderung. Also gebe ich nach. Und wenige Augenblicke später sehe ich dann das:



Einfach ekelig!

Raoul Moat

Irgendwo im Internet lese ich, ganz nebenbei:

"06.07.10|FAHNDUNG Englands Polizei jagt Raoul Moat. Er wird verdächtigt, seine Freundin angeschossen und ihren Liebhaber erschossen zu haben. Und das unmittelbar, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde."

Noch nie habe ich von diesem Mann gehört. Aber er und die Sache gibt mir zu denken. Denn ich weiß, dass ich jetzt im Grund genommen alles wissen möchte, den kompletten Lebenslauf dieses Mann plus Besonderheiten, die normalerweise nicht im Lebenslauf stehen. Solch eine Haltung, Wissbegierde, wird von feinsinnigen Mittelschichtsgelehrten sicher als vulgär empfunden. Als Unterschichtsneugierde. Aber ich gebe zu bedenken: Es ist die Neugier des Schriftstellers.

Deutschland : Spanien und die Krake

Auf einem stumm geschalteten Bildschirm im Infineon-Fintnss-Center in Neubiberg habe ich gestern auf einmal etwas gesehen, das ich noch nicht kannte: Das Krakenorakel, das gerade dabei war, für heute einen spanischen Sieg im WM-Spiel gegen Deutschland voraussagte. Was war ich geschockt! Aber gemach -- trotz aller Voraussage-Erfolge der Krake, BILD hält einen Trost bereit.

Manfred Stolpe, zum Beispiel

Eine Erinnerung, Abteilung Wichtig: Es war auf einem Boxkampf-Event. Lange her. In Dortmund Westfalenhalle boxte "Gentleman" Henry Maske gegen -- keine Ahnung gegen wen. Wahrscheinlich war es am 17. Februar 1996 gegen Duran Williams. Anschließend war ich in dem VIP-Zelt, das da aufgebaut war und irgendwann wurde von dem, der mich da eingeladen hatte, die Losuung ausgegeben, wir sollten versuchen, den Ministerpräsident des Landes Brandenburg Manfred Stolpe an den Stand zu bekommen. Wir schwärmten also aus, und ich sichtete Stolpe, der gerade mitten in der Menge einem Journalisten ein Interview gab. Neben ihm ein großgewachsener Mann, eine Mischung zwischen persönlicher Referent und Bodyguard. An den wendete ich mich. Kurze Besprechung des Mannes mit Stolpe nach dem Interview. Ein Betrieb aus Brandenburg. Ja, da müsse er dann wohl mal vorbeischauen. So ging der Bodyguard voran, Eisbrecher durch die Menge. Ich trappelte hinterher als Rückendeckung. Und Stolpe sagte ein paar Unverbindlichkeiten an diesem Stand und ließ sich mit dem Juniorchef fotografieren.

So weit, so gut. Warum sage ich das? Ich hielt Stolpe damals schon für einen Karrieremacher vom Martenstein-Typus. Aber als ich neben ihm stand, ihn da mit seiner künstlich tiefen, knödelnden Stimme hörte, da war ich seltsam beeindruckt, fast ängstlich. Da also habe ich erfahren, wie politische Macht ausstrahlt. Und ich habe mich gefragt, ob es vielleicht doch so etwas sie eine tiefinnere Eigenschaft von Menschen gibt, die sie zu politischer Macht befähigt. Ich erinnerte mich auch an einen Lehrer am Gymnasium, Dr. K., der einmal Auslandlehrer in Finnland war und dort zu einer Veranstaltung der deutschen Botschaft mit Chou En-lai (1898 -- 1976) geladen war. Und Dr. K. sagte in seinem Bericht emphatisch, er habe da die Ausstrahlung des Chinesen gespürt. Er sei ein wenig zu spät gekommen, und noch bevor er in der großen Menge Chou gesehen habe, habe er ihn gespürt. Als eine Art Vibration in der Luft.

Da wäre doch eine Aufgabe für die empirisch arbeitenden Psychologen. Die Ausstrahlung von Menschen zu messen.

Dienstag, 6. Juli 2010

Inzestuöses Verhältnis

Die Sprache ist schon was Feines! Zum Beispiel an dieser Stelle, einer SPIEGEL-Meldung:

Inzestuöses Verhältnis von Macht und Kapital
Der Élysée-Palast hat diese Darstellungen rundweg und mit Nachdruck dementiert. Auch Vorwürfe, dass Sarkozy Bares aus den Händen der Bettencourts erhalten habe, seien "völlig falsch", hieß es in einer prompten Stellungnahme. Dennoch ist die Regierung durch die beinahe täglich neuen Meldungen in der Affäre angezählt: Gerade noch hoffte Sarkozy, die Enthüllungen über die möglichen Verwicklungen seines Arbeitsministers und Schatzmeisters seien mit der Entlassung von zwei Staatssekretären übertüncht.

Der Inzest-Bild: dann wären also Macht und Kapital Geschwister und die Bargeld-Spende der Geschlechtsverkehr zwischen den beiden?

Beim Thema Fußball: töten

Darf man, soll man, muss man spekulieren? Warum die Deutschen beim Thema Fußball zuschlagen oder töten? Gewichtige Einwände werden erhoben werden. Zu schmale Datenbasis, also Einzelfälle, nicht verallgemeinerbar und dazu unvergleichbar. Auch anderswo gibt es das. England, Italien, ... Aber es reizt einfach das Thema 'Das stille Erbe der Väter'. Und dass das leichte Multi-Kulti-Deutschland vielleicht doch nur Fassade ist.

"Auslöser für die tödliche Schießerei in einer Gaststätte war nach bisherigen Erkenntnissen ein Streit unter anderem über die Erfolge der deutschen und italienischen Fußball-Nationalmannschaften bei vergangenen Weltmeisterschaften. Der Tatverdächtige soll das Lokal zunächst verlassen haben.

Wenig später kehrte er zurück, schoss beiden Opfern in den Kopf und flüchtete. Die Tatwaffe wurde in der Nähe des Tatortes gefunden." (Quelle)

"In grausiger Erinnerung sind die Bilder der WM 1998 in Frankreich, als deutsche Hooligans den französischen Polizisten Daniel Nivel so brutal zusammenschlugen, dass er noch heute unter den gesundheitlichen Folgen leidet. Kein Wunder also, dass gerade in Deutschland alles zur Vorbeugung gegen Gewalt getan wird." (Quelle)

Auf der anderen Seite -- gemach! Man braucht bloß mal BILD, Fachblatt für Kriminologie, heranzuziehen, um der EAV Recht zu geben: "Das böse ist immer und überall!"

ARCHIV
KOPFSCHUSS Fahrer in seinem Taxi erschossen
DOPPELMORD IN FINDORFF Das Geständnis des Messer-Killers
MORD AN NICOLE J. Polizei jagt perversen Slip-Dieb
MITTEN IN BREMEN Zwei Frauen auf offener Straße erstochen
AUGENARZT HINGERICHTET Mörder feuerte 10 Schüsse in Genitalien
AUF BERLINER DEPONIE Müllfrau ermordet und im Abfall versteckt
SILVESTER-MORD Haftbefehl für Ehefrau
SEX-MORD? Zerstückelte Frauen- Leiche am Ihme-Ufer!
EISLINGEN-MORD Angeklagte entschuldigen sich
VIERFACHMORD EISLINGENDie Blut-Tat war schon lange geplant
DÜSSELDORFERIN Heuerte sie einen Killer für ihren Mann an?
TAXIFAHRER Ermordet am helllichten Tag
CAMPINGPLATZ-MORDE Killer tötete mit Küchenmesser
MORD AUS EIFERSUCHT Eifersüchtiger Türke tötet seine Frau
OFENMORD-PROZESS 15 Jahre Haft für einen der Beteiligten
TATORT LANDGERICHTAngeklagter sticht Zeugin tot!
BEERDIGUNG Tränen um die ermordete Joggerin

Montag, 5. Juli 2010

Ein bizarres Wochenende

Was für ein bizarres Wochenende das war! Die Gäste, die zum Gesangsnachmittag viel zu früh kommen. Der 4:0-Sieg über Argentinien. Ein Mann lässt sich seine Anteile an einer Consulting-Firma auszahlen und macht sich demnächst selbstständig. Ich verstehe seine Pläne nicht. Diese eigenartige Denkweise und Sprache der Berater!

Dann, gestern Abend: Nach dem Wallander-Film, den ich zusammen mit einem meiner Söhne angeschaut habe, mache ich den Fernseher aus. Es wird vollkommen dunkel im Raum, und ich wundere mich für eine halbe Sekunde darüber, dass es dunkel ist. Hat denn wirklich keine Lampe gebrannt, überlege ich. Ich bitte meinen Sohn, das Licht einzuschalten. Es geht nicht. Gut, da ist beim Ausschalten des Fernsehers eine Spannungsspitze entstanden, die die Glühbirne, das "Leuchtmittel" ruiniert hat, denke ich. Will eine andere Lampe anmachen. Nichts. Also die Sicherung. Nachgesehen. Alle Sicherungen ok. Es dämmert mir: ein allgemeiner Stromausfall. Ich schaue auf die Straße. Keine Straßenlaternen. Irgendwo in der Nachbarschaft dröhnt eine Alarmanlage, die vermutet, Diebe hätten vielleicht den Stromkreis lahmgelegt und die sich da vorsorglich meldet. Taschenlampen sind zur Hand, solche, die man durch Kurbeln mit neuer Kraft versehen kann. Nach drei, vier Minuten ist der Strom wieder da, und ich überlege, wie doch eine technische Welt so fein aufgebaut ist, dass durch Umstellen der Leitungen in irgendeiner Schaltzentrale so ein Stromausfall nur drei Minuten dauert. Es muss ein Blitz in einiger Entfernung gewesen sein. Das Gewitter, das weiter gezogen war. Wir hatten es zwei Stunden vorher über dem Haus.

Am Ende der Kette steht die Zeitung von heute morgen. Die Fußballgötter der SZ zeigen frenetisch jubelnde Fußballanhänger vor dem Fernseher. Drei Sätze werden den Jublern in den Mund gelegt: "Wir werden Weltmeister!" Dann: "Wir müssen nie wieder arbeiten!!" Schließlich auf dem Fernseher in dem Bildstreifen Angela Merkel, grob gezeichnet, aber erkennbar. Vor allem am weinroten Blazer und den symmetrisch-verhalten bis knapp über die Schultern in die Luft gereckten Fäuste. Die typische Jubelgeste der Kanzlerin. Und was sagen die Jubler? "Sie ist wunderschön!!!" schreien sie. Man beachte die jeweilige Anzahl der Ausrufezeichen.

Das ist noch nicht alles: Marylin Manson wird als echter Aquarellist vorgestellt. In Wien stellt er aus und wird von der SZ interviewt. (Als Maler war er auch schon mal in Köln, nicht wahr?)

Die Berliner Richterin hat sich im Wald erhängt. Vorher hatte sie noch die Korrekturen zu ihrem Buch fertiggemacht.

Und dann auch noch das: Bei einem Unfall in Sachsen-Anhalt sind zwei Menschen in zwei Autos zu Tode gekommen. Im Kofferraum des einen Autos lag eine weitere Leiche, eine Frau. "'Die Frau ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht beim Verkehrsunfall gestorben'." So der der Sprecher der Polize. "Die Identität der Toten und die Todesursache müssten noch geklärt werden."

Wie fast immer weiß die BILD-Zeitung mehr. Die Leiche im Kofferraum war splitternackt.(*) Irgendwie doch seltsam, dieses Prädikat, bei einer Leiche. Und der Fahrer des Wagens mit der Leiche im Kofferraum, das war "Harry P. († 59), Polizeiobermeister aus Magdeburg". Die Tote höchstwahrscheinlich seine Frau. Ein Polizist! Erstaunlich.

(*) Entwickelt sich hier ein neues BILD-Schlüsselwort, das womöglich demnächst ins Normaldeutsch zurückkehrt? Splitternackt klingt ja wie ein Wort aus den 1960er Jahren.

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Eine Ergänzung noch: Das Internet macht nicht automatisch dumm. Allerdings verbessert es auch nicht per Enter-Taste die Intelligenz.

"Kritiker der neuen Medien greifen gelegentlich auf die Naturwissenschaft selbst zurück, um ihre Position zu untermauern. Sie zitieren dann Forschungen, die angeblich zeigen, wie 'Erfahrungen das Gehirn verändern'. Aber in der kognitiven Neurowissenschaft verdreht man bei solchem Gerede nur die Augen. Es stimmt zwar, dass sich unser Gehirn jedes Mal neu verdrahtet, wenn wir uns ein Faktum oder eine Fähigkeit aneignen. Die Information wird schließlich nicht in der Bauchspeicheldrüse gespeichert. Aber dass neuronale Plastizität existiert, bedeutet nicht, dass das Gehirn ein Lehmklumpen wäre, der erst durch Erfahrungen in Form geklopft würde."

(Steven Pinker: Man ist nicht, was man isst. Der Einfluss der neuen Medien ist wohl begrenzter, als die Ängste davor vermuten lassen. [Höchst seltsame Überschrift!] SZ von heute, S. 9)

Samstag, 3. Juli 2010

Plädoyer für eine Veränderung des Lehrplans an Gymnasien

Ein hoch gebildeter Mensch, dabei vollkommen unbekannt, wenn man die Maßstäbe der Mediengesellschaft anlegt, ein -- sagen wir: ehemaliger Lehrer für Latein und Griechisch, Oberstudiendirektor an einem Gymnasium vor Jahren, er setzt sich hin und beginnt, handschriftlich, seine Autobiographie zu schreiben. Er zweifelt. Warum tue ich das. Dann schreibt und schreibt er, und am Ende hat er 1.200 Seiten geschrieben. Seltsamerweise genau 1.200 Seiten.
Nach vielen Jahren liest ein ehemaliger Schüler dieses Mannes diese Zeilen. Dieser Mann, dieser Lehrer, er war doch einst ein Mächtiger, ein Notenverteiler. Nicht böse, nicht unsympathisch. Eher still, beharrlich. Ein Lehrer halt. Ein Vertreter dieses aus dem Ministerium hervorquellenden Systems Schule halt. Jetzt ist da. Noch da. Und da ist noch diese seine Autobiographie. Wohl schon ein paar Jahre alt. Jetzt sitzt dieser ehemalige Oberstudiendirektor, über 90 Jahre alt, in einem Altersheim und erkennt die Menschen nicht mehr.
Was ist das Leben? Auf welche Ziele läuft es zu?
Der Schüler dieses Lehrers denkt sich, dass seine Lehrer, diese Vertreter dieses aus den Ministerien hervorquellenden Systems Schule, ihm alles Mögliche abverlangt haben. Dinge, die der Lehrplan des Ministeriums befahl den Schülern abzuverlangen. Und nie hätte dieser Lehrer verstanden -- hätten die Lehrer allesamt verstanden, wenn er, der Schüler, ihnen, den Lehrern, diese Aufgabe vorgelegt hätte:

Gehen Sie einmal von unserem heutigen, dem wissenschaftlichen Weltbild aus. Also Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren. Die Herausbildung eines Planeten, vor ungefähr 4 Milliarden Jahren, später als Erde bezeichnet. Wunderliche, doch irgendwie zufällig-unvermeidlicher Fortgang der Dinge, genannt Evolution. Einzeller, Mehrzeller, Meeresbewohner, Amphibien, an Land lebende Tiere. Fressen und gefressen werden. Geboren werden und absterben und Weiterentwicklung, genannt Evolution. Affen, Hominiden, Menschen. Wandern, sich ausbreiten, geboren werden und sterben. Irgendwann die Neuzeit, die Moderne, die Verehrung des griechischen und römischen Altertums. Andeutungen von Seltsamkeiten. Slavenhaltergesellschaften und Knabenliebe, Gladiatorenkämpfe und sonstige Schlachtfeste vor Publikum. Das alles kennen, aber ausblenden. Denn da waren ja doch: die Philosophie, das römische Recht und die feinen, großen Schlachten. Wunderwerke der Kriegskunst. Ceterum censeo, Carthaginem esse delendam. Die Kinder mit alten, sehr toten Sprachen niederkämpfen. Und irgendwann dann -- die Lehrer im Altersheim, dement. Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Finis nunc est. Die rechten Bilder sind schon zur Hand. Die Fackel weitergeben. Es gibt ja neue Lehrer. Diese von tausend halb ausgeblendeten Unmenschlichkeiten wie von Schimmel zersetzte Bildung weitergeben. Dann -- nun aufgepasst! -- geht alles weiter, immer weiter. Irgendwann aber, so sagt der Lehrplan, geht nicht nur dein Leben, Lehrer, zu Ende. Nein, es geht auch das Leben, alles Leben zu Ende. In, nun sagen wir: in 5 Milliarden -- ach was, schon in 2,7 Milliarden Jahren ist es ganz still in diesem Teil des Kosmos. Vorher aber schreibst du, Lehrer, eine 1.200 Seiten starke Autobiographie, die nicht einmal deine Kinder lesen wollen. Die sie nicht verstehen können. Eine Autobiographie, die von lauter kleinen Vergangenheiten redet. Von Vergangenheiten, die mit den Sorgen deiner Kinder und ihrer Gegenwart nichts zu tun haben. Und irgendwann wird es, wie gesagt, ganz still sein in diesem Teil des Kosmos. Wenn die Zeit begonnen hat, ist sie, wie viele Milliarden Jahre auch noch vor uns liegen, auch schon zu Ende. Nun also, ihr Lehrer, gebildet in Latein und Griechisch, Deutsch und Geschichte, Mathematik und, ja, auch: Physik, ihr Lehrer halt, zu welchem Ergebnis kommt ihr nun? Unter was könnt ihr, Lehrer, die ihr mit der Macht eures kleinen Spezialistentums, mit dem ihr des Vormittags die Kinder quält, weil sie alles lernen sollen, während ihr euch spezialisiert habt und die Aufgaben eurer Kollegen vom nächsten Tisch im Lehrerzimmer nicht mehr lösen könntet -- was könnt ihr antworten? Und welchen Satz könnt ihr euer letztes und so unendlich trostloses Quod erat demonstrandum nun setzen?

Wie, ihr versteht die Aufgabe nicht? Seid ihr denn so wenig denkfähig und begabt, dass man euch auf die Sonderschule des Lebens schicken muss? Seit wann schützt einen die Feststellung, dass man eine Frage nicht versteht, vor dem Ansinnen, diese Aufgabe dennoch lösen zu müssen?

So möchte der ehemalige Schüler dieses Lehrers fragen. Aber, weil er ein Mensch ist und weil ihm das Menschliche auf eine ihm selbst unheimliche Weise nicht fremd ist, steht er von seinem Schreibtisch auf, und es ist ihm, als müsse er vor diesem Lehrer, dement nun und im Altersheim -- als müsse er vor diesem Lehrer und und seiner 1.200seitigen Lebensgeschichte, salutieren. Und also steht er auf und salutiert. Vor dem Lehrer, der Lebensgeschichte dieses Lehrers. Und auch wenn er, der ehemalige, jetzt 60jährige Schüler, es weiß -- er salutiert vor der Sinnlosigkeit.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Täuschung von Erwartungen

Ich suche nach einem Telefonmanual für ein Siemens Gigaset soundso. Auf der Forumseite die Werbung für eine Treff-Anbahnungsseite, Flirtcafe´. Dazu die passenden Bildchen. Das zum Beispiel. Und man fragt sich, ob irgendwer, der sich da verabredet, so aussieht. Oder sind es doch nur Menschen mit großporiger Haut, die auf Märchenprinz oder Märchenprinzessin hoffen?

jopjette

Und mal abgesehen davon: Wenn man das Bildchen vergrößert, möchte man sich mit lasziv-herausfordernden jungen Dame auch nicht mehr unbedingt verabreden.

La Grande Nation ohne Rechtschreibfehler

Im neuen SPIEGEL ein lesenswertes Interview mit Craig Venter, der, ausgerechnet er, voller Demut -- nein, nicht verkündet, sondern einfach sagt, dass die Genom-Entschlüssler im Grunde genommen wenig bis nichts wissen, weil sie zwar die Buchstaben der Erbinformation auflisten, aber den so gewonnenen Text nicht lesen, also nicht mit Sinn erfüllen können. "Wir wissen nichts", so der Titel über dem Interview.

Wenig später kommt mir der Gedanke, dass wir vielleicht mehr als durch Genom-Darstellung über den einzelnen Menschen wissen, wenn wir verfolgen, angesichts welcher Tatsache oder Textstelle dieser Mensch spontan in schallendes Gelächter ausbricht. Ich zum Beispiel, ich musste wenig später, bei der Lektüre eines anderen SPIEGEL-Artikels schallend lachen. (Meine Frau sagt: Ich hätte meckernd gelacht. Natürlich nicht sehr freundlich solch eine Bemerkung. Nun ja, das Leben halt.)

Welche Stelle also? "Hurensöhne unter sich". Es geht um das Desaster der französischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika. Und da steht dann das:

"Hektische Pressekonferenzen folgten, Krisengespräche, viel Gerenne auf Fluren, eine Erklärung wurde öffentlich verlesen, in der sich die Mannschaft mit Anelka solidarisierte und die doch nicht von der Mannschaft allein stammen konnte, weil sie, wie ein Funktionär fein bemerkte, "keinen einzigen Rechtschreibfehler" enthielt."