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Samstag, 30. November 2013

Man kann die Frage stellen

He, ein kleiner Aufreger für das november-verdüsterte politische Gemüt!

Aber natürlich kann man die Frage stellen, ob die Freiheit des Mandats von den Parteien, den Fraktionen eingeschränkt wird, erst recht durch ein als verbindlich beschriebenes Mitgliedervotum. Schließlich ist der Abgeordnete „Vertreter des ganzen Volkes“ und „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden“. Ein imperatives Mandat ist damit ausgeschlossen. Allerdings wird dem Parlamentarier durch das Mitgliedervotum kein bestimmtes Verhalten befohlen. Das dürfte auch die Fraktions- oder Parteiführung nicht. Aber danach fragen darf man natürlich.
...
Allerdings ist dieses unterhaltsame Gespräch zwischen Gabriel und Slomka auch kein Fall für die ZDF-Aufsichtsgremien; Slomka soll Gabriel, so Horst Seehofer, vorgeführt haben „wie einen Schulbuben“. Nun, auch das wäre Pressefreiheit. Aber es war eher umgekehrt. Gabriel hat unmittelbar nach seinem Auswärtsspiel zurückgebissen. So wie man es in der Sportschau auch gern öfter sehen würde.

Diskutieren Sie mit!


Darüber diskutieren? Nein, hab ich keine Lust zu. Da verweise ich lieber auf den Martenstein, das alte politische Schlachtross. Wenn ich diese Kolumne jetzt nur fände! Jedenfalls, ich erinnere mich recht gut -- Martenstein wollte nicht, dass die SPD-Basis über die deutschen Geschicke entscheidet. So sei das nirgendwo vorgesehen. Auf der anderen Seite -- wenn selbst der Seehofer Horst sagt, dass auch bei ihm die Basis entscheidet, wenn auch auf eine etwas andere Weise? Ja, dann. Mai Liaber, doa muast scho lang noachdenka, woas's machst und was tuast.

Freitag, 29. November 2013

Homo linguisticus structuralis

Weil ich schon mal dabei bin, auch das noch:


Homo linguisticus structuralis

Strukturalismus | structuralism | Ferdinand de Saussure | 
Leonard Bloomfield | Language | Langue, Parole |

Syntax - Semantik - Pragmatik

Verdammt lang her! Ja, verdammt lang her.


Heute schon kein Thema mehr in der Linguistik. 


Donnerstag, 28. November 2013

Keisuke Hondas Beine

Japaner sind ja bekanntlich irgendwie kurzbeinig. Die FAZ fasst das so:

"Und nur drei Minuten später versagte der Japaner abermals aus bester Position, als die nach der Pause recht schläfrig auftretende Bayern-Abwehr eine scharfe Hereingabe von rechts in den Fünfmeterraum zuließ, Honda jedoch aus drei Metern den Ball nicht richtig traf."

Drei Meter lange Beine? Hat praktisch jeder europäische Fußballer!

The Human Scale - Argumentieren

moviepilot.de verweist mich auf einen neuen Film:

The Human Scale (2012), CN/DK/NZ/US | Laufzeit 80 Minuten … Dokumentarfilm, Kinostart 31.10.2013 | von Andreas Dalsgaard, | Die Dokumentation The Human Scale folgt der Vision eines Städteplaners, Mensch und Architektur in einem Lebensraum zu versöhnen. || Handlung von The Human Scale | The Human Scale hinterfragt unserer Städteplanung: Werden Städte für Menschen oder längst nur noch für Autos gebaut? In welcher Beziehung steht der Stadtbewohner zum urbanen Raum um ihn herum? Vermindert sich unsere Lebensqualität durch die stetig wachsenden Betonwüsten? || Um diesen Fragen zu beantworten, informiert The Human Scale über die Arbeit des dänischen Architekten Jan Gel, der nach eigenen Angaben lieber mit Menschen als mit Gebäuden arbeitet. Mit ihm wirft die Dokumentation einen kritischen Blick auf öffentliche Plätze überall auf der Welt von Melbourne bis Kopenhagen, wo die Lebensbedingungen von Fußgängern und Radfahrern bereits verbessert wurden oder noch eines Wandels bedürfen. Dabei werden nicht nur überlaufene Großstädte wie die chinesische Metropole Chongqing, sondern auch berühmte Plätze wie der New Yorker Time Square näher unter die Lupe genommen.

Ein schönes Beispiel für zu kurz springende Argumentation, die allerdings bewusst zu kurz springt. Genauer: Wenn "die Menschen" wirklich autofreie oder eben "ganz andere" Städte wollten, dann hätten sie sich schon dafür eingesetzt. Sie bezweifeln aber, ob die fahrradgerechte Stadt besser ist als die autogerechte. Auf der anderen Seite: Wenn man da zu kurz springt, dann kann damit die Hoffnung verbunden sein, dass die Menschen demnächst ihre Meinung ändern. Fragt sich allerdings, wo und wie schnell. In welchen Städten, in welchem Jahr.


Helmut Dietl

In der ZEIT das Interview, das Helmut Dietl dem Giovanni di Lorenzo gegeben hat. Schon mal eigenartig: Einer aus Schwabing erkrankt, teilt das in Hamburg mit, und schon reist der Journalist zum Interview nach München. Klagen Dietls über die Verrisse seines "Zettl". Ich schaue nach und finde in SPIEGEL Online:

Es gibt eben nicht länger die alte Kraftmeierei zwischen Schreibern und Magnaten, jedenfalls nicht mehr in dieser unverstellten Art. Niederschreiben oder mit Geld "zuscheißen" - eine Redewendung, die in "Kir Royal" geprägt wurde -, so einfach wie es damals im sinnenfrohen und sittenrohen München herging, ist das nicht mehr. Dietl ist ein großer Könner, wenn es darum geht zu zeigen, wie Politik aus dem Unterleib gemacht wird. So aber funktioniert die Berliner Republik mit Angela Merkel als oberster Repräsentantin nun mal nicht.

Jaja, die Bundeskanzlerin macht den Unterschied. Schon richtig.

Sonntag, 24. November 2013

Danse macabre: Die Guillotine

Für einen entsprechenden zukünftigen Horrorfilm sei es festgehalten und überliefert:

"Die Guillotine wurde genau deshalb abgeschafft, weil Sie eben nicht sofort tötete, sondern der Verurteilte noch seinen eigenen Kopf in den Korb fallen sah." (Zuschrift bei tagesschau.de)

--

Der Eintrag nimmt Bezug auf einen vorausgehenden:

Makaber || Dieser Streit um Giftcocktails ist doch einfach nur makaber. | Zu Zeiten der französischen Revolution wurde die Guillotine erfunden. Die Methode war radikal, aber vielleicht humaner, denn die Leute waren garantiert sofort tot. | Heute möchte man dagegen zivilisiert töten und nicht hinterher mit dem blutigen Ergebnis konfrontiert werden. Stattdessen nimmt man einen langwierigen Todeskampf in Kauf. | Und das alles im Namen der "Gerechtigkeit"? Dann lasst es doch lieber ganz bleiben.

Und alles geht auf die Tagesschau-Nachraicht zurück, dass "der Serienmörder Joseph Paul Franklin [...] nach einem juristischen Schlagabtausch nun doch hingerichtet worden" sei. "Er wurde in einem Gefängnis in Bonne Terre im US-Bundesstaat Missouri mit der Giftspritze getötet."

Die Wikipedia erhöht auf 30 Sekunden und weiß noch mehr Details. Dazu auch hier, ein eigener Abschnitt: "Todeseintritt nach Abtrennung des Kopfes".

Medizinische Aspekte der Tötung || Der Tod tritt ein als Folge der Durchtrennung des höchsten Teils des Rückenmarks (Halswirbelsäule) und damit der Unterbrechung der Erregungsausbreitung. Während überwiegend davon ausgegangen wird, es trete binnen Zehntelsekunden Bewusstlosigkeit ein – der Hingerichtete nehme es also beispielsweise nicht mehr wahr, wenn er dem Publikum präsentiert wird –, waren nach vereinzelten Überlieferungen noch Reaktionen des abgetrennten Hauptes zu erkennen. So sind aus der Zeit der Französischen Revolution Aussagen zum Beispiel über mutmaßliche Sprechversuche abgetrennter Köpfe überliefert. Der deutsche Arzt Johannes Wendt und der Franzose Séguret stellten Versuche an, um die Reaktionen der Köpfe zu erforschen. Danach sollten sie beispielsweise noch reflexartig die Augen schließen, wenn eine Hand schnell auf das Gesicht zubewegt oder der Kopf hellem Licht ausgesetzt wurde. Nach einem Bericht des französischen Arztes Beaurieux von 1905 habe der Kopf eines guillotinierten Verbrechers sogar noch etwa 30 Sekunden auf Zurufe reagiert. Ähnliches wird über Hamida Djandoubi berichtet, die letzte in Frankreich enthauptete Person.

Betrugsmaschen

In einem E-Mail-Konto, in das ich nur sporadisch blicke, finde ich folgende Nachricht:

--

Betreff: Ihre Kontoabbuchung konnte nicht vorgenommen werden
Datum: Tue, 5 Nov 2013 20:20:30 GMT

Von: Florian Reuss Beauftragte Anwaltschaft 

An: ...


Sehr geehrte/r ...,

der automatische Abzug von Ihrem Bankkonto für die Bestellung vom 15.09.2013 konnte nicht durchgeführt werden. Es wurden Zahlungen bis zum 05.11.2013 einbezogen. 

Rechnung Nr.: 88...
Ausstehender Betrag: 409,00 EURO

Einzelheiten Ihrer PayPal Rechnung und die Kontodaten zur Zahlung sind im Anhang. 

Die Gesamtsumme der Bestellung beläuft sich auf 411,00 EURO. Unser Anwaltsbüro wurde beauftragt den fälligen Betrag für Ihre Bestellung einzufordern. Dabei wird Ihnen eine Mahngebühr von 13,00 Euro in Rechnung gestellt und die Kosten unserer Tätigkeit von 26,64 Euro. 
Falls Sie die Zahlung verweigern müssen Sie mit erheblichen Bußgeldern rechnen. Wir geben Ihnen bis zum 11.11.2013 die letzte Möglichkeit das Geld zu überweisen. 

Mit freundlichen Grüßen 

In Auftrag Anwalt Florian Reuss


--

Nun habe ich kein Paybal-Konto und es wird ja auch nicht gesagt, um welche Bestellung es sich handelt. Einen passenden Anwalt Reuss finde ich nicht, und es ist wieder mal verwunderlich, mit welch saublöden Maschen die Leute versuchen, Geld zu ergaunern.


Was mache ich also? Ich hole heute Schlag Mitternacht wieder mal meine Voodoo-Puppe hervor. Die Jungs werden sich wundern!


Borussia Dortmund : Bayern München

Ich übernehme nach dem gestrigen Welt-Fußballspiel* mal die Tabelle von FOCUS / dpa. Ein tolles Spiel fürwahr! Alle Meinungen einig: 0:3 für die Bayern -- das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht wider. 

Was mich am nächsten Tag, also heut, Sonntag, dann aber vor allem überrascht, das ist die Tatsache, dass sich die Leverkusener so klammheimlich auf den 2. Platz geschlichen haben. Wann spielen die noch mal gegen die Bayern? Ach so, ja. Die Leverkusener haben ja am 5. Oktober schon gegen die Bayern gespielt. 1:1. Ja, da schau her!


dpa Bundesliga Tabelle

Bundesliga, 13. Spieltag
#TeamSpieleTore+/-P
1
FC Bayern
1330:72335
2
Bayer 04
1328:141431
3
Dortmund
1332:141828
4
M‘Gladbach
1330:161425
5
Wolfsburg
1319:15422
6
Schalke 04
1326:26021
7
Hertha BSC
1320:17318
8
Stuttgart
1324:23116
9
Mainz 05
1217:23-616
10
Augsburg
1315:23-816
11
Bremen
1213:20-715
12
Hannover
1214:19-514
13
Hoffenheim
1328:30-213
14
HSV
1226:29-312
15
Frankfurt
1317:24-711
16
Freiburg
1314:24-1011
17
Nürnberg
1313:26-138
18
B‘schweig
138:24-168

|* Wie oft hab ich gestern gelesen, dass nur zwei Länder das Spiel nicht übertragen? Nordkorea und Pakistan. Dabei hätten doch gerade diese beiden Länder gute Fußballspiele bitter nötig! Wer kümmert sich da mal drum?

Samstag, 23. November 2013

... außer für den Sex

Ich bekomme einen Mail mit diesem Anhang:

Wissen | Zu zweit allein | Wieselmaki-Pärchen meiden sich - außer für den Sex | Im Leben eines Weißfuß-Wieselmakis hat der Partner allenfalls räumlich Platz. Emotional hingegen spielt er keine Rolle. Im Gegenteil: Männchen und Weibchen leben zwar auch außerhalb der Paarungszeit in einem gemeinsamen Revier. Dort aber gehen sie sich 'aktiv aus dem Weg', wie es Iris Dröscher und Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen beschreiben. Die Biologen haben das Sozialleben der kleinen Lemurenart während einer einjährigen Feldstudie in Madagaskar untersucht (International Journal of Primatology, online). Gemeinsames Kuscheln und gegenseitige Fellpflege, die bei vielen Primaten alltäglich sind und soziale Bindungen stärken, konnten die Forscher während der mehr als 1500 Beobachtungsstunden nicht erkennen. Offenbar ist die Paarung einmal im Jahr die einzige Gelegenheit, bei der beide Partner direkt miteinander in Kontakt kommen. Ansonsten beschränken sich ihre sozialen Interaktionen darauf, in nicht allzu großer Entfernung nebeneinander zu sitzen. Zum Schlafen suchen sich die nachtaktiven Tiere dann aber wieder getrennte Bäume. | Bislang gab es nur widersprüchliche Erkenntnisse darüber, wie Weibchen und Männchen der Weißfuß-Wieselmakis ihr Zusammenleben organisieren. Das nun beschriebene Prinzip des 'Allein zu zweit' ist für Primaten sehr ungewöhnlich. Es wirft zudem die Frage auf, warum die Tiere überhaupt als Paar in einem gemeinsamen Revier leben. Um Fremdgehen zu vermeiden? Um dem Nachwuchs bessere Bedingungen zu bieten? Ohne darauf eine Antwort geben zu können, kommen die Göttinger Forscher zu einem eindeutigen Schluss. Lepilemur leucopus befinde sich unter den Primaten 'am unteren Ende der sozialen Komplexität'. (Katrin Blawat || Süddeutsche Zeitung | Mittwoch, den 20. November 2013 | Seite 16)

Jetzt frage ich mich, was uns das sagen soll? Wird das ein Eintrag für den nächsten Single-Blog?

Sexsymbol? Sprachstörung!

Manche Leute, auch Journalisten leiden unter einer eigenartigen Sprachstörung

Schach-Weltmeister | Norwegen bejubelt seinen "König Magnus" || Norwegen verbeugt sich vor Schach-Weltmeister Magnus Carlsen. Das Land feiert ihn, in einem Ranking der bedeutendsten Norweger landet er auf Platz vier. Für das "Time Magazin" ist er "ein Sexsymbol". Von Melanie Haack. (welt.de)

Nein, nicht Melanie Haak hat diese Störung, sondern die Jungs -- ich nehme mal an, es geht um Männer --, vom Time Magazin. Da bringt jemands Hirn eine anerkannte Bestleistung zustande, schon ist dieser junge Mann ein, Achtung! Sexsymbol! Offenbar keine Abstufung möglich. "Gutaussehender, meist ernst blickender junger Mann", zum Beispiel. Haben diese Journalisten einen Kurzschluss zwischen Gehirn und ihren Geschlechtsorganen, einen Kurzschluss, der sie ins Tourettieren zwingt? Sexsymbol ... Tststs.

O FDP! O Lindner!

Ist die FDP von allen guten Geistern verlassen? Eben abgestürzt wird von dem neuen Hoffnungsträger Lindner dies vermeldet:

Liberale | Christian Lindner wirft scheidendem FDP-Chef Philipp Rösler Versagen vor | 23.11.2013 · Philipp Rösler hat bei der Energiewende versagt, wirft ihm der designierter FDP-Chef Christian Lindner im Interview mit der F.A.S. vor. Weiter sagt er über Rösler: „Ich habe einen anderen für geeigneter gehalten.“ || Der designierte FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat seinem Vorgänger Philipp Rösler Versagen bei der Energiewende vorgeworfen. „Das war die Chance, uns durch eine rationale und marktwirtschaftliche Energiepolitik gegen alle Mitbewerber zu profilieren“, sagte Lindner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). „Es ist unverzeihlich, dass wir sie nicht genutzt haben.“ | Lindner betonte in dem Interview, in der Führungskrise vor zwei Jahren habe er Rösler bewusst den Vortritt gelassen. „Ich habe damals einen anderen für geeigneter gehalten“, sagte er. Nach dem Scheitern dieser Hoffnung gebe es jedoch eine „neue Lage“. Der künftige Parteichef fügte allerdings hinzu, er halte noch Kontakt mit dem scheidenden Vorsitzenden: „Wir sind eine bürgerliche Partei und gehen fair miteinander um.“ (faz.net)

Er hat einen anderen für geeigneter gehalten? Diese heimtückische Leerstelle -- "einen anderen"! Wahrscheinlich meint er sich selbst.

Das soll fairer Umgang sein? Könnte Lindner nicht einfach sagen: "Wir haben alle Fehler gemacht, und wir müssen jetzt gemeinsam dafür einstehen." Das wäre bürgerlich-fair. Aber so?

Was bleibt noch? Vorschlag: Das gesamte alte Personal auswechseln, das wäre es. Alle, die da schon mal eine Funktion hatten. Alle! Anschließend die FDP-Mitglieder in eine 1 Jahr lange Diskussion zwingen, ohne die üblichen Führungsfiguren. Und dann neue Gesichter, neue Ideen, ein neuer Anfang.

--

Ob ich selbst zu den neuen Gesichtern gehören möchte? Um Himmels willen, nein! Aber ein paar Ideen, die würde ich beisteuern.

Freitag, 22. November 2013

Totendiagramme?

Mitten in anstrengedem und sich hinziehendem Schreiben eine kleine Pause, um etwas Entspannend-Lustiges festzuhalten: Die Rechtschreibkontrolle von OpenOffice 4 kennt das Wort Tortendiagramm noch nicht. Das ist an und für sich schon erstaunlich. Erstaunlicher noch ist, was die Rechtschreibprüfung statt dessen alles vorschlägt:


Donnerstag, 21. November 2013

Eine Theorie des Werts von Gemälden

Heute raffe ich mich auf und erstelle eine Skizze des Werts und der Wertzuschreibung von Kunstwerken. Ich gehe dabei aus von einem Bild des Malers Otto Griebel, wie es in der ZEIT von heute auf der Seite 53 wiedergegeben ist. Es ist dies eines der Bilder aus der Gurlitt-Sammlung, die in diesen Tagen rauf und runter durch die Presse geht.


Dieses ist ein typisches Bild, das den Kunst-Laien sagen lässt: "Das kann ich auch!" Was bedeutet das? Der Laie meint, dass Bild ist kindlich-naiv und ohne jedes malerische Können erstellt. Der Unterschied ist, dass ein Bild, das der Laie oder eines seiner Kinder erstellt, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf dem Kunstmarkt landet. Die Frage ist: Warum nicht? An dieser Stelle erstelle ich mal eine Skizze auf, um besser sichtbar zu machen, wo und wohin ich mich mit meiner Argumentation jeweils bewege.



Der Laie glaubt, dass ein Bild seinen Wert im Wesentlichen durch das Können des Malers bestimmt ist. Findige Leute, wie etwa Walter Benjamin, haben da noch eines dazugesetzt: Das Werk bestehe aus dem physisch-materialen Gegenstand, also dem Maluntergrund und der in spezifisch verteilten Farbe darauf, + X. (Erstaunlicherweise hat jemand bei culture.hu-berlin.de ein entsprechendes Suhrkamp-Aura-Buch einfach ins Netz gestellt.) Das X ist nicht pysisch oder sonstwie fassbar, und das eröffnet den Angriffspunkt für einen nachgerade wunderbaren Zirkel. Dazu gleich.

Nun also ist die soziale Komponente entscheidend wichtig: Der Maler hat sich dafür entschieden Maler zu sein, er ist Profi. Während Schriftsteller am Anfang oft einen Brotberuf und dann schriftstellern, ist das bei Malern seltener. Jedenfalls bei denen, die sich durchsetzen. Der Maler tritt in einer soziale Interaktion ein, die kurz und einfach oder langwierig und kompliziert sein kann.  Er ist Maler von Beruf und geht ein entsprechendes Risiko, in diesem Beruf zu scheitern. Das gehör dazu. Die Kunstwelt will und fordert, dass einer Risiko geht! 

Die soziale Interaktion, einfache Form: Der Maler macht, allein oder mit Freunden, eine kleine, selbst organisierte Ausstellung, und es kommt ein namhafter Galerist und sagt: "Ich würde mich freuen, wenn Sie demnächst einmal bei mir eine Ausstellung machen würden!" Kompliziert: Der Maler macht das mit dem Selbst-Ausstellen eins ums andere Mal, und es interessiert sich niemand dafür. Bis dann eines Tages ... Oder eben auch nicht. Wichtig ist nur, dass in der Interaktion Leute mitmischen, die als Kunsthändler oder Sonstwie-Experten im Rat Rang und Namen haben.

Es kommt das Kunstfremde, aber doch Entscheidende: Das Bild hat auf einmal einen Preis. Sei es, dass der Maler direkt verkauft, dass er über einen Galeristen verkauft oder das es -- meist von Jetzt-Besitzer und Dann-Besitzer -- eine Versteigerung des Bildes gibt. Wenn dieser soziale Prozess sehr erfolgreich verlaufen ist, kommt das Bild vielleicht sogar in ein Museum. Damit wird der Maler zusammen mit seinen Bild in das Who's-who der Kunstwelt eingetragen. Der Maler wird berühmt, und es beginnt, wenn alles gut geht, der Kreislauf aus Ruhmsteigerung und Preissteigerung. Mit der Unterscheidung von Preis und Wert soll auf schlichte Weise übernommen werden, dass ein Bild für einen bestimmten Menschen einen extrem hohen Wert haben kann, während es draußen in der Welt des Kunsthandels keinerlei Preis erzielen kann. (Eigenartigerweise machen die, die den Preis aushandeln, oft von dem entsprechenden Oscar-Wilde-Bonmot Gebrauch.)

Nun, lieber Das-kann-ich-auch-Laie: Die Aura des Bildes wird dadurch geschaffen, dass Maler und Werk diesen sozialen Durchlauf bestanden haben. Es ist nicht das handwerkliche Können des Malers, das entscheidend ist, sondern die Tatsache, dass er das soziale Auswahlverfahren "Kunsthandel" erfolgreich absolviert hat. Aura ist, wenn sie meßbar werden soll, und hier schließt sich der Kreis: die Summe aus Bild, Maler-Ruhm und Kunsthandelspreis. Glaube keiner an Aura-Wolken, die man nicht sehen und nicht messen kann. Wer das tut, muss sich mit Recht einen Kunst-Esoteriker nennen lassen.

Seehecht, Sushi und das große Kotzen

Gestern in eine Doku über "Piraten", die auf den Schwarzen Seehecht aus sind, reingezappt und nicht mehr davon losgekommen. Unterm Strich: Wenn Kriminelle Konzerne aufbauen, dann ist der Umweltschurz am ganz kurzen Hebel! Die wissen ja, wie es geht, steuern die Fischerboote von ganz weit weg aus. Das gilt dann auch für das Zweite: den illegalen Import von FCKW und R12 aus China. Alles "Business", betrieben von Idioten mit krimineller Spezialbegabung. Vielleicht hilft da auf Dauer auch nur noch Voodoo?

Seehechte in Gefahr | 14 Länder beteiligen sich an Piratenfischerei | "Wir hoffen, dass Australiens Einsatz gegen den illegalen Fischfang ein Vorbild für die Welt sein kann", so Australiens Senator Ian Macdonald. || "Nur so können wir das Öko-System der Meere retten, denn es ist hochgradig bedroht." 14 Länder sind an der Piratenfischerei beteiligt. Dazu zählen laut "World Wide Fund for Nature" (WWF) unter anderem Argentinien, Chile, Spanien, Großbritannien, Uruguay, Belize, Dänemark, Panama sowie Südafrika und Mauritius. Diese Länder erlaubten die Anlandung illegal gefangenen Schwarzen Seehechts, sagte WWF-Mitarbeiterin Heike Vesper. "Als unsere Fischer in der australischen Fischereizone ankamen, stießen sie auf unglaublich viele illegale Fischerboote", so John Davis von Australiens Fischereibehörde. (3sat)

In dem Film gestern kamen allerdings die ersten beiden Schiffe aus Russland, mit einem spanischen Capitano, der wusste, wie es geht, und und unwürdig eingepferchten Filiopinos für die Drecksarbeit.

Zwei Gruppen beherrschen derzeit die See südlich des 40. Breitengrades: Die eine wird von russischen und asiatischen Hintermännern gesteuert. Eines ihrer Schiffe, die "Wolga", wurde vergangenes Jahr festgesetzt. Der russische Besitzer wurde vom Internationalen Seegerichtshof in Hamburg zur Zahlung von über einer Million Euro verdonnert, um das Schiff wieder freizubekommen. | Die "Wolga" gilt unter Fahndern als Auslaufmodell. Die neue Generation von Schiffen der Alphabet-Flotte stammt aus taiwanischen Werften. Sie verfügen über gewaltige Turmaufbauten, gute 15 oder 20 Meter hoch, auf denen sich modernstes Radargerät dreht. "Durch die Höhe können sie hinter dem Horizont Patrouillenboote erspähen", erklärt Hanich die konspirative Konstruktion. "Noch bevor sie selber entdeckt werden, stehlen sich die Boote davon."
...
Die Piratenjagd im Polarmeer wirft ein Schlaglicht auf ein wild wucherndes Schattengewerbe. Allein zwischen Russland und Japan soll eine Milliarde Euro mit illegal gefangenem Meeresgetier umgesetzt werden. Die Gewinne der Schwarzhecht-Fischer werden auf fast 200 Millionen Euro geschätzt. Denn auf rund 12 000 Tonnen legal gefangenen Seehechts kommen mindestens 20 000 Tonnen, die von klandestinen Kapitänen aus dem Meer gezogen werden.
(SPIEGEL Online)

Skizze Drehbuch / Film-Polemik als Anti-Werbespot: Ein vornehmes Sushi-Restaurant, feierlich gekleidetes Publikum. Dann kotzt der erste Mann über den Teller. Er hat Visionen vom Fischfang und dem Ruinieren der Meere. Dann kommt der zweite. Mit der dritten Person, einer Frau, materialisiert sich das Ganze und die toten Fische fluten durch Fenster und Türen in das Restaurant.

Google Street View und die Freiheit

Ich werde, weil ich zufällig auf meinen alten Eintrag zu GSV stoße und kurz suche, auf diesen Beitrag aufmerksam:

... es ist zum Glück möglich, den durch die Paranoia der Deutschen (Medien) ausgelösten Zensurwahn von Google Streetview rückgängig zu machen. Es besteht die Möglichkeit zur Bereitstellung privater Streetview-Daten mittels der Foto-Sharing-Webseite Panoramio. Anders ausgedrückt lassen sich private georeferenzierte Fotografien zu Panoramio umsonst hochladen, also Fotos, die Daten wie die Aufnahmeposition (GPS Ortsinformationen) oder die Ausrichtung der Kamera im dreidimensionalen Raum beinhalten. Dieser Dienst fügt solche Fotos dann nach einiger Zeit als Ebene zu Google Maps (auch Google Earth) hinzu und integriert sie in Google Streetview. (kruel.co)

Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass die Deutschen unter einer Privatheitsparanoia leiden -- statistisch gesehen natürlich, nicht alle. Auf der anderen Seite -- woher kommt diese Angst, sich zu sich selbst und im Zweifelsfall zu seinem Haus zu bekennen?

Samstag, 16. November 2013

Nikon D5100 -- EUR 106,00

Nein, dass ist keine Spiegelreflexkamera, sondern ein Buch über sie!

Nikon D5100: mit 12-seitiger Klappkarte (Kamerahandbücher) (Gebundene Ausgabe) von Michael Gradias (Autor) 20 Kundenrezensionen ‹ ... ab EUR 106,00 Gebraucht ab EUR 66,00 ... Inklusive Klappkarte für unterwegs. Bücherservice Pascal Fink 100% positiv in den letzten 12 Monaten. (225 Bewertungen insgesamt)

Für sagenhafte 106 Euro! Wenn ich das Zustandekommen dieses Preises überlege, gibt es folgende Hauptpunkte, die ineinander verzahnt sind:

  • Preis / Wert der Kamera (Was kostet die Kamera?)
  • Up-to-date-Zyklus (Wann kommt das nächste Modell?)
  • Einsteiger - Mittelklasse - Profi (Wozu wird die Kamera verwendet?)
Um die Sache abzukürzen: Die D5100 von Nikon ist, wäre sie ein Auto, untere Mittelklasse. Für einigermaßen engagierte Amateuere. Welcher Amateur soll 100 Euro ausgeben, nur für ein Buch? Ich jedenfalls nicht. Aber es wird andere geben, die anders ticken. Die von der Möchte-Profi-sein-Front. 225 Bewertungen immerhin für dieses Buch! Es sind die, die auch sagenhaft teure Tennisschläger kaufen, denen der Profi -- vielleicht! -- ihre 3 Prozent Mehrwert, den sie gegenüber dem Normalo-Schläger haben, entlocken kann, der Amateur aber nicht.

Ich jedenfalls habe mir das Buch von Hessler für 28 Euro gekauft. Das ist, glaube ich, ein vernünftiges Verhältnis von Anspruch, Fähigkeit (meine Fähigkeit ist gemeint!) und Preis.

P. S. Übrigens: Ein sehr gutes, gut lesbares Buch, das Buch von Hessler!

Life without Makeup

Gisele Bundchen Without Makeup: Just as Flawless as You Assumed She'd Be

Und im allgemeinen, andere.



Willenskraft, Diäten und ähnliche Dinge

Willenskraft, Willensstärke sind erst einmal Wörter, die für eine besondere Fähigkeit stehen. Willeinskraft ist gut. Nein, sehr gut und sehr wichtig. Meinen wohl die meisten. Aber es kommt natürlich auch darauf an, was man sich vornimmt und dann, durch extreme Willensstärke, erreicht. Bodybuilder und Magersüchtige finden sich, vereint unter einem an sich guten Ziel: gut auszusehen. Doch dann kommt die Interpretation! Was heißt das, gut aussehen? Und wie verhindere ich, dass sich meine Wahrnehmung vom Normalmaß abkoppelt? Ich bin noch nicht kräftig bzw. dünn genug? -- Ein paar Funde in diesem Zusammenhang:









---


Erstaunlich ist nun, dass die zu dicken Menschen, die mit Adipositas, wie das vornehm-medizinisch genannt wird, nicht unter "falscher Willensstärke", sondern nach allgemeiner Auffassung unter Willensschwäche leiden. Denn bei allem Gezerre um Diäten und Veranlagungen, klar ist eins: Wer nichts isst, wird nicht dicker.





Erstaunlich auch, wie da alltägliche Annahmestrukturen unterschiedlich gewichten. In den ersten beiden Fällen ist genug, ja ein Zuviel an Willenskraft da, gepaart mit einer falschen Interpretation der eigenen Körperwahrnehmung; im dritten Fall wird Willensschwäche angenommen. Möglicherweise sind diese einfachen Modelle alle drei falsch? Man wird ja mal fragen dürfen. Ein Anfang wäre schon mal, zu fragen, ob es auch Wahrnehmungsstörungen bei Adipositas gibt. Normalerweise finden sich Dicke ja  direkt und unmittelbar selbst zu dick. Wie aber schaffen sie es dann -- wenn sie doch unbedingt dünner werden wollen --, den Willen zu entwickeln, viel weniger zu essen? Hier ist der Knackpunkt! Da müssen alle theoretischen Überlegungen ansetzen. Nur wenn sie darauf eine Antwort geben können, sind sie relevant.

Reizwörter: trendig, wertig

Ich bin, manchmal zu meinem Leidwesen, "technikaffin". Technische Dinge, Geräte interessieren mich. Deshalb lösche ich auch eine Werbe-Mail von Acer nicht, die mir ein ein neues Angebot machen will:

Das neue, trendige Acer Liquid S1 Duo ist das ideale One Hand-Device, das dank seiner vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten zum ständigen mobilen Begleiter von jungen Unternehmern und Entdeckern mit aktivem Lebensstil wird.

Dann habe ich aber einen Satz aus der Mail rauskopiert -- den da oben -- und schnellstens gelöscht! Es wird Menschen geben, die sich von solche einem Satz angesprochen fühlen. Mir gehen die "Trendigen" voll auf die Nerven. Damit auch die, die solche Sätze schreiben. Das Wort trendig liegt direkt neben den Mitläufern, denen, die jeden Trend hinterherrennen, keine eigene Meinung haben. 

Und weil ich schon mal dabei bin, kann ich auch noch einmal das Adjektiv wertig in den Orkus wünschen. Wer hat dieses Wort, das unter der Eisschicht des stilistisch Makabren wohl immer schon sein Sprachdasein fristete, eigentlich wann ausgegraben? Nun gut, es gibt Wortfamlienähnlichkeiten mit zweiwertig und mit minderwertig und hochwertig, aber darum geht es ja hier nicht. Wertig ist ein Verkäufer- und Handelsvertreter-Prädikat, verwendet auch von Leuten, "die das Besondere lieben" und sich damit großtun, auch und vor allem sprachlich. Dabei klappert dieses wertig, dass es einem in den Ohren wehtut. 

Also a Bittn bloß, wenn Sie bei Leuten wie unsereins mit Werbung anklopfen: Lassen'S die Finger von trendig und wertig! Und die "jungen Unternehmer und Entdecker mit aktivem Lebensstil", die können uns auch gestohlen bleiben. Das sind Leut, Lichthupnschnellfahrer, die wir nicht so sehr schätzen.

Donnerstag, 14. November 2013

Monika Wambach, 303 Jahre alt

Solche Mails sind inzwischen so zahlreich wie langweilig. Hier aber ist eine, die einen doch schmunzeln lässt -- obwohl da der Krieg wirklich unpassend mit angeführt wird --, und ich bin versucht, der Frau Wambach zu schreiben. Nicht wegen des vorgeschlagenen Geschäfts, sondern wegen ihres Alters. Wie hat sie es nur geschafft, so alt zu werden?! Da könnte ja ein Mittel dahinterstecken, dass sich international vermarkten lässt. So ähnlich wie Red Bull (TM) vielleicht!

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Name/ Monika
Nachname/ Wambach
Alt/ 303 Jahre alt

Ich bin Frau Monika Wambach aus Sierra Leone. Aber wohne zur Zeit in Man nordlich von Elfenbeinkueste. Ich habe die Elf Millionen Dollar von meinem Ehemann geerbt. Mein Ehemann wurde von den Soldaten waehrend des Burgerkrieges in Elfenbeinkueste ermordet und zwar wegen seinen Vermoegen-Diamanten und Goldstaub. Momentan , habe ich entdeckt dass, mein verstorbenen Ehemann diese summe in der Kiste in einer Lagerfirma bei uns deponiert hat. Und ich bin die Inhaberin. Wegen der gegenwaertige politische Lage bei uns moechte ich diese Summe per ihre Hilfe in Ihrem Land per Ihre Hilfe und Unterstuetzung investieren. Das Geld wird an Sie per Bartransfer geliefert. Sie bekommen 15% derGesamtsumme fuer Ihre Unterstuetzung!

Ich warte auf Ihre Antwort!

Mit herzlichen Gruessen

Monika Wambach

Uli Hoeneß

Statt eines weiteren Kommentars:

Hoeneß / Wulff

Zwei Skandale stehen vor Gericht in diesen Tagen. Die Fälle Hoeness und Wulff. Was Uli Hoeneß angeht, so wird vermeldet:

FC Bayern | Hoeneß will „Vertrauensfrage“ stellen || 13.11.2013 || Stehende Ovationen für Uli Hoeneß, umjubelte Rede von Karl-Heinz Rummenigge: Auf seiner Mitgliederversammlung ist der FC Bayern ganz mit sich im Reinen. Ob Hoeneß Präsident bleibt, sollen die Mitglieder entscheiden. (faz.net Online)

Die FAZ-Lesermeinungen gehen klar in eine Richtung. Es geht los mit:

HILMAR HIRNSCHRODT (HILMARH...) - 14.11.2013 08:55 Uhr || Welch weinerliche Heuchelei || Es ist wirklich nur noch zum Heulen, bei so viel weinerlicher Heuchelei! Dabei ist es im Grunde immer das selbe: Es sind vor allem die, die es nicht nötig hätten, die erst vor lauter (Raff)Gier den Hals nicht voll kriegen - und denen dann, wenn sie dummerweise erwischt werden, jene Größe und Einsicht fehlt, die nötig wäre, um mit Anstand den unausweichlichen Rückzug von sich aus anzutreten und so den (gesellschaftlichen) Schaden in Grenzen zu halten ...

Und so geht es durchgängig weiter.

Nur eben: Es gibt die aufrechten Moralisten, die immer etwas unglaublich Selbstgefälliges vor sich her tragen, und die sympathischen Sünder. In diesem Fall: Mir sind die Sünder lieber. Und die Moralisten? Irgendwo gibt es für sie das Wort Pharisäer.

„Als er in dem Hause zu Tische lag, siehe! da kamen viele Steuereinnehmer und Sünder und legten sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tische. Als aber die Pharisäer das sahen, begannen sie zu seinen Jüngern zu sagen: ,Wie kommt es, daß euer Lehrer mit Steuereinnehmern und Sündern ißt?‘ Als er sie hörte, sprach er: ,Gesunde benötigen keinen Arzt, wohl aber die Leidenden. Geht denn hin und lernt, was dies bedeutet: „Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer.“ Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder‘ “ (Matth. 9:10-13). (Zur theologischen Auslegung mehr hier.)

In der Causa Christian Wulff, mit einigem Nachdenken: Vielleicht würde "das Volk" auch ihm den Status des reuigen Sünders zubilligen, wenn er sich etwas reuiger gäbe.

Mittwoch, 13. November 2013

Der Meister darf das!

Die verschiedenen Maßstäbe:

... Zweitens hat de Winter sich für diesen Roman die Arbeitskleidung von Philip Roth ausgeliehen, genauer gesagt: von jenem Philip Roth der mittleren Schaffensperiode, der ein verwirrendes Spiel mit Identitäten spielte und Wirkliches und Erfundenes frech durcheinander wirbelte. "Ein gutes Herz" ist also eine Collage: In dem Buch treten neben erfundenen Leuten wie Max Kohn auch Gestalten der Zeitgeschichte auf – Job Cohen, der langjährige Bürgermeister von Amsterdam, Geert Wilders, der Chef der rechten "Freiheitspartei", und nicht zuletzt Theo van Gogh. Dieser niederländische Filmemacher wurde 2004 von dem muslimischen Fundamentalisten Mohammed Bouyeri auf offener Straße angeschossen, dann versuchte Bouyeri, ihn zu enthaupten, dann stach er ihm ein Messer tief in den Körper. (welt.de)

Wenn das ein anderer macht, "ein verwirrendes Spiel mit Identitäten" spielen, dann sagen die Kritiker wahrscheinlich, dass dieser Schriftsteller einen kruden, schlecht zu lesenden Roman zusammengeschustert hat. Einen Roman, bei dem man nie weiß, woran man nun ist. 

Ja, ja, erst der schon bekannte große Meister darf die Form zerbrechen?

Die Denkweise der Europäischen Kommission

Ich versuche, die Denkweise der Europäischen Kommission zu verstehen:

Die Europäische Kommission leitet ein Prüfverfahren gegen Deutschland wegen konstant zu hoher Leistungsbilanzüberschüsse ein. Das sagte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso am Mittwoch in Brüssel. Die Kommission betrachtet solche Ungleichgewichte als Belastung für den Euroraum. Während die Union es ablehnt, die Stärke deutscher Unternehmen auf den Weltmärkten künstlich zu schwächen, sieht man auf Seiten der SPD auch Deutschland in der Pflicht, etwas zum Abbau der Ungleichgewichte im Euroraum zu tun. (FAZ.net)

?? Bitte warten! Ich komm schon noch drauf ... ??

Montag, 11. November 2013

Biedermannlich: Strafmaß für Brandstiftung

Bekommt man, wenn man ein Haus "abfackelt", in diesem Land wirklich nur 2 Jahre auf Bewährung?

Doch jetzt hat Silvio, seit Oktober letzten Jahres rechtskräftig zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, unter Eid die Wahrheit über Brand, Brandstiftung und Anstiftung ausgesagt - und die Idylle von Dolgenbrodt wird es nie wieder geben.

Und wie steht es mit Schadenersatz? Muss der Täter den Wert des Hauses ersetzen? Es scheint ja nicht so zu sein:

Ende 1995 wagte Silvio J. als Bauunternehmer den Sprung in die Selbständigkeit, "weil ich die Aufträge des Blumenhändlers ja sicher hatte". Mittlerweile hat Silvio drei Angestellte, und sein Betrieb ist der Sparkasse in Königs Wusterhausen einen Kredit über 400 000 Mark wert.

Doch ausgerechnet Silvios gesellschaftlicher Aufstieg bringt seine Auftraggeber nun vor die Richter. Silvios Anwalt Karsten Beckmann machte dem unter Bewährung Stehenden klar, daß eine Falschaussage seine junge Unternehmerkarriere beenden würde. Und weil Thomas O. beim letzten Auftrag ohnehin 14 000 Mark wegen mangelhafter Leistung einbehalten hatte, packte der jetzt so brave Bürger Silvio J. eben vorbehaltlos aus.

(Alle Zitate SPIEGEL Online)

Singlebörsen

Ach ja, man findet so viel, zufällig:

10.11.2013 - Neben den bekannten Singlebörsen wollen immer neue Portale bei dem Geschäft um einsame Herzen mitmischen. Zunehmend entpuppen sich die Datingseiten allerdings als Anziehungspunkte für unseriöse Geschäftemacher.

Samstag, 9. November 2013

Prof. Dr. Müller

In der Uni versucht man, jungen Menschen etwas Merkwürdiges beizubringen: Bei Veröffentlichungen, bei der Verfasserangabe, geben sich akademische Würdenträger, von der Tradition gezwungen, sehr sachlich, ja bescheiden. Kein Professor und kein Doktor tauchen auf der Titelseite auf. Wer dennoch seinen Doktortitel dazuschreibt, der folgt -- und das geht nur bei populärwissenschaftlichen Büchern -- dem Verlag, der sich dadurch das Dr.-Signal einen Expertenbonus beim Leser verspricht. Auch kein Herr und kein Frau ist in wissenschaftlichen Texten üblich. Also nicht: Frau Professor Roberta Müller hat angemerkt: ..., sondern Roberta Müller hat ... . Meist sogar nur Müller ... 

Nun also Post von einem bekannten Journalisten, der tatsächlich noch auf einen Einwurf von mir, geschrieben vor vier Wochen, antwortet. Dass der Journalist einen Doktortitel trägt, das wusste ich; aber nun kommt der Brief von Büro Prof. Dr. ... Ich merke: Die Verwendungsgepflogenheiten bei den Titeln, das ist etwas, was auch einmal untersucht gehört.

Nachgelesen bei dem Journalisten: 2010 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt. Ah so, ja. Ich muss wieder an Thomas Mann und seinen Tagebuch-Eintrag denken, geschrieben, nachdem er, TM, seinen ersten Ehrendoktor bekommen hatte: "Heute im Hotel Adlon eingetragen, unter erstmaliger Verwendung des Doktortitels." Oder war es doch das Excelsior in Berlin? Anyway.

Walter Grundmann

Nehmen wir auch das noch dazu. Zu dem unmittelbar Vorausgehenden in Sachen "Gelöbnis treuester Gefolgschaft".

Walter Grundmann - wer war dieser Mann?

Ein liebevolle Familienvater, ein hoch dekorierter Kirchenmann, ein belesener Intellektueller, mehrsprachig, brillanter Redner und begabter Lehrer - sagen seine ehemaligen Schüler, die er seit den 50er Jahren im Katechetenseminar der Evangelischen Kirche unterrichtete. Doch es gibt eben auch die zweite Seite. Jenen Mann, der 1930 Mitglied der NSDAP wurde, der die Machtergreifung Adolf Hitlers drei Jahre später mit der Schrift "Totale Kirche im totalen Staat" begrüßte und sich darin auf das "Deutschtum" berief. Ein Mann, der im neuen, im nationalsozialistischen System Karriere machen konnte, weil ein anderer Wissenschaftler - wegen mangelnder Linientreue - den Platz räumen musste. Grundmann erhielt 1936 den Lehrstuhl Neues Testament und Völkische Theologie an der Universität Jena.

Er war ein Mann, der bis zuletzt, bis zu seinem Tod 1976, öffentlich mit der Frage haderte, ob Jesus nun ein Jude war oder nicht ... .

22.03.2013 | Das Eisenacher Entjudungsinstitut. Von Blanka Weber. (DRadio Kultur Online)

"Gelöbnis treuester Gefolgschaft"

In manchen -- nein, in vielen Bereichen, ist die Wikipedia ein großer Gewinn. Wo anders könnte man sich über diese Sache so schnell und umfassend informieren:

Gelöbnis treuester Gefolgschaft war ein Treuegelöbnis von 88 deutschen Schriftstellern und Dichtern für Adolf Hitler, das am 26. Oktober 1933 in der Vossischen Zeitung abgedruckt und von der Preußischen Akademie der Künste in Berlin propagiert wurde. Es wurde gleichzeitig auch in anderen Zeitungen, wie der Frankfurter Zeitung, veröffentlicht, um eine möglichst weite Verbreitung zu erreichen, nachdem am 14. Oktober 1933 der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund auf Veranlassung Hitlers erfolgt war und am 4. Oktober 1933 die Regierung das Schriftleitergesetz erlassen hatte, womit der Weg für die Gleichschaltung der gesamten deutschen Presse frei wurde. Dieses Gesetz trat am 1. Januar 1934 in Kraft, wodurch schätzungsweise 1300 Journalisten ihre Arbeit verloren.

Und dann die 88 [!] Namen! Wollte man ein Buch mit WP-Artikeln "Schriftsteller", dar "Kultur im Dritten Reich" zusammenstellen, es würde ein sehr, sehr umfangreiches Werk.

10er-Auswahlliste

(Auswahl, nach unterschiedlichsten Gesichtspunkten.)
  1. Gottfried Benn (1886–1956)
  2. Rudolf G. Binding (1867–1938)
  3. Otto Flake (1880–1963)
  4. Hermann Kasack (1896–1966)[4]
  5. Oskar Loerke (1884–1941)
  6. Agnes Miegel (1879–1964)
  7. Johannes Schlaf (1862–1941)
  8. Ina Seidel (1885–1974)
  9. Lulu von Strauß und Torney (1873–1956)
  10. Will Vesper (1882–1962)

Montag, 4. November 2013

Konfix

Ich fühle mich gedrängt, um der Redlichkeit willen, in der Wikipedia-Diskussion zu Konfix Folgendes anzumerken:

"Ein Konfix ist ein gebundenes lexikalisches Morphem wie z. B. bio-, biblio- oder omni-. In der Terminologie einiger germanistischer Linguisten werden sie als Unterklasse der Kombineme aufgefasst."

Wenn es nicht so was sie die verpönte Theoriefindung wäre, würde ich da gerne im Namen der kritischen Rationalität Folgendes Hinzufügen: Liebe Linguistik-StudentInnen! Bitte macht euch klar, was da für ein Spiel gespielt wird: Es taucht in der Sprache irgendwo irgendwas auf, das intuitiv eine Rolle in der Wortbildung spielt. Dann kommt einer dahergehüpft, erfindet was gelehrt Klingendes wie Kombineme, und, Hurra!, schon 'gibt es da was Neues' und ihr habt ihr wieder was zu lernen. Der Philosoph Paul Feyerabend hat diese Gepflogenheiten mal so gefasst: "Dieses Verfahren, das manchmal einen ungeheuren logischen Apparat erfordert und deshalb oft als der letzte Schrei einer wahrhaft wissenschaftlichen Philosophie angesehen wird, ist noch schlechter als die einst recht beliebte Forderung, Zweifelsfragen durch Übersetzung [der Fragen] ins Lateinische zu klären."

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Und es gibt eine Antwort dazu. Von Dr. Karl-Heinz Best, einem der ganz wenigen, die in der Wikipedia nicht anonymisiert unterwegs sind. Sie, diese Antwort, klingt ein wenig unentschieden, vielleicht kann man sogar sagen: ratlos. Ich habe eine Antwort geschrieben:

Hallo, Herr Dr. Best! Dank für die Anmerkungen, denen ich, was das WP-Auskunftgeben in Sachen "über einen Begriff stolpern" angeht, voll und ganz zustimme. Es geht mir aber, etwas grundsätzlicher, um den terminologisichen Wildwuchs, der in den Geisteswissenschaften als selbstverständlich angenommen und mit der Liebe zum wild wuchernden Naturgarten gepflegt wird. Um ein anderes, einfaches Beispiel zu nennen: Bei den Wortarten wird die Zahl der Grund-Termini irgendwo zwischen 4 (neuerdings, glaub ich, Dürscheid), 5 (Glinz) und 15 angenommen. Ohne dass ich jemand wäre, der in jeder Hinsicht die Naturwissenschaften für vorbildlich hält, in Sachen terminologischer Disziplin sind sie es. Man stelle sich mal vor, Geisteswissenschaftler würden die Elemente klassifizieren. Sie würden ohne mit der Wimper zu zucken sagen, dass die Anzahl der Elemente irgendwo zwischen 50 und 5.000 liegt, mit den folgenden theoretischen Ansätzen: ... Ein gängiges und handhabbares Periodensystem würde da nie draus. -- So, und weil diese Anmerkungen, wenn ich jetzt weiter mache, auf keinen Fall mehr zum Terminus "Konfix" passen, halte ich es so: Ich mache in meinem User-Bereich in den nächsten Tagen eine Seite auf, die sich generell mit dieser Frage der Terminologie-Disziplin in der Linguistik beschäftigt. Ich denke, ich darf das hier, also auch Ihre Antwort, mit rübernehmen. Natürlich gleich hier die Einladung an Sie, auch da mitzumischen. 9. Nov. 2013

Samstag, 2. November 2013

Aufklärungsdoku

Darf man eigentlich von diesem ewige Sex-Demonstrieren schlicht genervt sein? Nicht dass Prüderie im Spiel wäre oder altkatholische Frömmelei. Eher einfach die Dämlichkeit des Überangebots. Ungefähr so wie bei Kochsendungen. Kochen und Essen sind ja auch schön. Aber wenn auf jedem Kanal irgendeiner brät und bruzzelt, dann geht es einem doch irgendwann auf die Nerven.

Jetzt also die 3. Programm. Und die WELT gleich noch mit!

01.11.13 Aufklärungsdoku | Mit Übungsvideos auf der Suche nach der G-Zone || Die Aufklärungssendung "Make Love", die ab Sonntagabend im Dritten Programm zu sehen ist, widmet sich einem der letzten erotischen Tabus: dem ganz normalen Sex in unseren Schlafzimmern. Von Brenda Strohmaier.

Irgendwie gehört der erhöhnte Fleischkonsum in der Mastindustrie und in der Sex-Industrie tatsächlich zusammen. Wenn dann abends nach 22 Uhr die Frauen vor sich hinstöhnen, um Männer zu locken. Da gab es doch mal, noch in der Vor-Internet-Zeit den ARD-Versuch, auch bei der Fleischbeschau mitzumachen. Erste Sendung mit "Sex im Alter", ich glaube mit zwei 70jährigen nackt und zärtlich unter der Dusche. Da hat das gesunde Zuschauerempfinden dann doch zur schnellen Absetzung der Reihe geführt. Ob das diesmal auch gelingt?

Ein ganz alter Zeitungsausschnitt

Ich sortiere ganz alte Papiere, ich mal als Material abgelegt habe. Dabei ein Zeitungsausschnitt über einen mit dem vollem Namen eines Pastors, der seine Frau umgebracht haben soll. Lange her. Ich schaue mal im Internet nach, und siehe da, es gibt sogar einen Wikipedia-Artikel über den -- inzwischen verstorbenen -- Mann!

"Klaus Geyer (* 11. September 1941 in Berlin; † 1. November 2003 in Hannover) war ein deutscher lutherischer Pfarrer. Er trat seit den 1980er Jahren in der Friedensbewegung als Ausrichter von Treffen der Aktion Sühnezeichen in Königslutter-Beienrode (Landkreis Helmstedt) hervor und wurde deren Vorsitzender von 1990 bis 1993. Er wurde am 16. April 1998 wegen Totschlags im Affekt an seiner Ehefrau zu acht Jahren Gefängnis verurteilt."

Der Zeitungsartikel offenbarte Erstaunliches, Genaueres. Wie es denn in deutschen Pfarrershäusern so zugehen kann. Und es gibt viel Material auch im Internet. Manches nimmt da klar und recht eigenartig klar Stellung. Wie zum Beispiel das hier:

15.11.2010 | Gastblog Piratenweib | Von piratenweib | In Memoriam: Veronika Geyer-Iwand || Veronika Geyer-Iwand wäre am 17. November 2010 67 Jahre alt geworden. Wenn sie nicht von ihrem eigenen Ehemann brutalst ermordet worden wäre. | Am 25. Juli 1997 geschah einer der abscheulichsten Frauenmorde in der Geschichte der Gewalt gegen Frauen. | Veronika Iwand lernte während ihres Studiums der Theologie, Latein und Griechisch, in Berlin ihren zukünftigen Ehegatten und Mörder Klaus Geyer kennen. ...

Ich als Teil von 75 bzw. 44%

Die Meldung des FOCUS, die ich soeben gelesen habe:

"Mehr als drei Viertel der Bundesbürger fühlen sich einer Umfrage zufolge durch die Spähaktivitäten des US-Geheimdiensts NSA nicht bedroht. Dass ihnen durch die NSA persönliche Nachteile entstehen könnten, halten 76 Prozent der Deutschen für nicht vorstellbar, wie eine am Samstag veröffentlichte Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Allensbach für das Düsseldorfer Magazin „WirtschaftsWoche“ ergab. Dennoch sind demnach 24 Prozent „sehr besorgt“ und 32 Prozent „etwas besorgt“, während 44 Prozent die derzeitige Diskussion für überbewertet halten."

Warum ich nicht sonderlich besorgt bin? a) Weil ich tatsächlich nichts zu verbergen habe. b) Wegen der schieren Datenmasse. c) Und weil ich mich nicht mit Merkel, Putin oder anderen wichtigen Menschen verwechsle.

Münsteraner vs. Münstersche

Ich hätte mich gerne weitergebildet (nicht: weiter gebildet), aber die WP-Leute, die über Münster geschrieben haben, wollen nichts dazu sagen. Also halte ich es hier fest. Vielleicht finde ich ja mal etwas dazu:

Mein Sprachgefühl versagt da, und es geht wohl tatsächlich um örtliche Gepflogenheiten. Nun denn: || Aus dem vorliegenden WP-Artikel: "Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auch Protestanten „geduldet“. Den historischen – heute wohl nur noch aus der Sicht weniger Münsteraner relevanten – Status der Münsteraner Protestanten als marginalisierter Minderheit spiegelt das alte Münsteraner Sprichwort wider, „evangelisch, kein Fahrradfahrer und zugereist“ seien die drei „Münsteraner Todsünden“." || Vor Jahren hat mich mal ein 'Mann aus Münster' -- es war ein Tontechniker im Studio Münster des WDR -- korrigiert und angemerkt: Münsteraner sei strikt für die 'Leute aus Münster' reserviert. (Um Tiere, Pferd und Hund, ging es nicht.) Das Adjektiv für jemanden oder etwas, das aus Münster kommt, sei grundsätzlich Münstersche/-r/-es. Wird das heute noch als gültig angenommen? War es je gültig? 17. Okt. 2013

Ob der Duden etwas dazu sagt? Oder Wiktionary? -- In beiden Fällen nur Münsteraner, nicht münstersche/-es. Aber immerhin komme ich darauf, dass es "Münstersche Zeitung" heißt, nicht "Münsteraner Zeitung".

Eigenartig: dass Google-Fight die Mitarbeit verweigert. Keine Ergebnisse, weiße Felder, jedenfalls jetzt, nach 2 Versuchen. Dann also händisch: Münsteraner = 196.000 Treffer, Münstersche = 5.900.000. Ja da schau her!

--

Nachgesehen (03.01.2014): Nein, niemand aus Münster und Umgebung hat zu dieser Frage Informationen bezusteuern. Oder auch nur eine Meinung. Seltsam, finde ich.