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Freitag, 11. Oktober 2019

Netflix > Geschichtsunterricht

Gestern bei Netflix gleich mehre Folgen zu RÖMISCHES REICH > CÄSAR angesehen. Was war ich erstaunt! Obwohl ich mich seit jeher für Geschichte interessiere: Die Zusammenhänge zwischen den Namen Cäsar - Spartacus - Pompeius - Grassus - Brutus - Vercingetorix* - Marcus Antonius und Kleopatra hätte ich, erzählend, nie so herstellen können. Jetzt kann ich's auf einmal!

Überlegung: Sollte man den kompletten Geschichtsunterricht des Gymnasiums nicht bei Netflix in Auftrag geben?

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* Wenn ich nicht was übersehen habe, dann wurde allerdings über den "Verbleib" von Vercingetorix in der Serie nichts mehr gesagt. Schade. -- "Vercingetorix wurde nach seiner Gefangennahme sechs Jahre eingekerkert, bevor er im August oder September 46 v. Chr. bei Caesars vierfachem Triumph durch Rom geführt wurde, wo er im Anschluss daran getötet wurde. Wahrscheinlich fand seine Hinrichtung im Carcer Tullianus durch Erdrosseln statt." (Wikipedia) -- Ich bin mir da nicht sicher, aber ich glaube: Dieser "vierfache Triumph" wurde bei Netflix ausgespart.

Samstag, 3. Juli 2010

Plädoyer für eine Veränderung des Lehrplans an Gymnasien

Ein hoch gebildeter Mensch, dabei vollkommen unbekannt, wenn man die Maßstäbe der Mediengesellschaft anlegt, ein -- sagen wir: ehemaliger Lehrer für Latein und Griechisch, Oberstudiendirektor an einem Gymnasium vor Jahren, er setzt sich hin und beginnt, handschriftlich, seine Autobiographie zu schreiben. Er zweifelt. Warum tue ich das. Dann schreibt und schreibt er, und am Ende hat er 1.200 Seiten geschrieben. Seltsamerweise genau 1.200 Seiten.
Nach vielen Jahren liest ein ehemaliger Schüler dieses Mannes diese Zeilen. Dieser Mann, dieser Lehrer, er war doch einst ein Mächtiger, ein Notenverteiler. Nicht böse, nicht unsympathisch. Eher still, beharrlich. Ein Lehrer halt. Ein Vertreter dieses aus dem Ministerium hervorquellenden Systems Schule halt. Jetzt ist da. Noch da. Und da ist noch diese seine Autobiographie. Wohl schon ein paar Jahre alt. Jetzt sitzt dieser ehemalige Oberstudiendirektor, über 90 Jahre alt, in einem Altersheim und erkennt die Menschen nicht mehr.
Was ist das Leben? Auf welche Ziele läuft es zu?
Der Schüler dieses Lehrers denkt sich, dass seine Lehrer, diese Vertreter dieses aus den Ministerien hervorquellenden Systems Schule, ihm alles Mögliche abverlangt haben. Dinge, die der Lehrplan des Ministeriums befahl den Schülern abzuverlangen. Und nie hätte dieser Lehrer verstanden -- hätten die Lehrer allesamt verstanden, wenn er, der Schüler, ihnen, den Lehrern, diese Aufgabe vorgelegt hätte:

Gehen Sie einmal von unserem heutigen, dem wissenschaftlichen Weltbild aus. Also Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren. Die Herausbildung eines Planeten, vor ungefähr 4 Milliarden Jahren, später als Erde bezeichnet. Wunderliche, doch irgendwie zufällig-unvermeidlicher Fortgang der Dinge, genannt Evolution. Einzeller, Mehrzeller, Meeresbewohner, Amphibien, an Land lebende Tiere. Fressen und gefressen werden. Geboren werden und absterben und Weiterentwicklung, genannt Evolution. Affen, Hominiden, Menschen. Wandern, sich ausbreiten, geboren werden und sterben. Irgendwann die Neuzeit, die Moderne, die Verehrung des griechischen und römischen Altertums. Andeutungen von Seltsamkeiten. Slavenhaltergesellschaften und Knabenliebe, Gladiatorenkämpfe und sonstige Schlachtfeste vor Publikum. Das alles kennen, aber ausblenden. Denn da waren ja doch: die Philosophie, das römische Recht und die feinen, großen Schlachten. Wunderwerke der Kriegskunst. Ceterum censeo, Carthaginem esse delendam. Die Kinder mit alten, sehr toten Sprachen niederkämpfen. Und irgendwann dann -- die Lehrer im Altersheim, dement. Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. Finis nunc est. Die rechten Bilder sind schon zur Hand. Die Fackel weitergeben. Es gibt ja neue Lehrer. Diese von tausend halb ausgeblendeten Unmenschlichkeiten wie von Schimmel zersetzte Bildung weitergeben. Dann -- nun aufgepasst! -- geht alles weiter, immer weiter. Irgendwann aber, so sagt der Lehrplan, geht nicht nur dein Leben, Lehrer, zu Ende. Nein, es geht auch das Leben, alles Leben zu Ende. In, nun sagen wir: in 5 Milliarden -- ach was, schon in 2,7 Milliarden Jahren ist es ganz still in diesem Teil des Kosmos. Vorher aber schreibst du, Lehrer, eine 1.200 Seiten starke Autobiographie, die nicht einmal deine Kinder lesen wollen. Die sie nicht verstehen können. Eine Autobiographie, die von lauter kleinen Vergangenheiten redet. Von Vergangenheiten, die mit den Sorgen deiner Kinder und ihrer Gegenwart nichts zu tun haben. Und irgendwann wird es, wie gesagt, ganz still sein in diesem Teil des Kosmos. Wenn die Zeit begonnen hat, ist sie, wie viele Milliarden Jahre auch noch vor uns liegen, auch schon zu Ende. Nun also, ihr Lehrer, gebildet in Latein und Griechisch, Deutsch und Geschichte, Mathematik und, ja, auch: Physik, ihr Lehrer halt, zu welchem Ergebnis kommt ihr nun? Unter was könnt ihr, Lehrer, die ihr mit der Macht eures kleinen Spezialistentums, mit dem ihr des Vormittags die Kinder quält, weil sie alles lernen sollen, während ihr euch spezialisiert habt und die Aufgaben eurer Kollegen vom nächsten Tisch im Lehrerzimmer nicht mehr lösen könntet -- was könnt ihr antworten? Und welchen Satz könnt ihr euer letztes und so unendlich trostloses Quod erat demonstrandum nun setzen?

Wie, ihr versteht die Aufgabe nicht? Seid ihr denn so wenig denkfähig und begabt, dass man euch auf die Sonderschule des Lebens schicken muss? Seit wann schützt einen die Feststellung, dass man eine Frage nicht versteht, vor dem Ansinnen, diese Aufgabe dennoch lösen zu müssen?

So möchte der ehemalige Schüler dieses Lehrers fragen. Aber, weil er ein Mensch ist und weil ihm das Menschliche auf eine ihm selbst unheimliche Weise nicht fremd ist, steht er von seinem Schreibtisch auf, und es ist ihm, als müsse er vor diesem Lehrer, dement nun und im Altersheim -- als müsse er vor diesem Lehrer und und seiner 1.200seitigen Lebensgeschichte, salutieren. Und also steht er auf und salutiert. Vor dem Lehrer, der Lebensgeschichte dieses Lehrers. Und auch wenn er, der ehemalige, jetzt 60jährige Schüler, es weiß -- er salutiert vor der Sinnlosigkeit.

Montag, 12. April 2010

Gymnasium, Mikrowelle und Energieverbrauch

Der Zusammenhang ist der: Ich glaube, ab der 8. Klasse des Gymnasiums sollte getrennt werden nach Leistungsvermögen. Wer in Physik / Mathematik nicht gut oder sehr gut ist, sollte Physik so lernen und kennenlernen, dass er seinen Alltag mit physikalischen Kenntnissen gut bewältigen kann. Dass alle über die Infinitesimalrechnung zu abstrakten Handständen getrieben werden, die sie ein Jahr nach dem Abitur weder brauch noch anwenden können, ist vollkommen vergeudete Energie. Psychische Energie diesmal. (Und das uralte Gerede, die unanwendbare Abstraktion in der Physik -- oder in Latein -- gehöre eben zum Rüstzeug des "gebildeten Menschen"! Das ist, mit Verlaub, Kokolores, der durch seine angestaubte Dignität nicht richtig wird. Der so gebildete Mensch hat in der Praxis von nichts eine Ahnung! -- Wer es genauer wissen möchte, der prüfe sich, vermittels eines von mir extrem hoch geschätzten SZ-Streiflichts!)

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Eine Frage, die der nicht-Physik-spezialisierte Abiturient vernünftig beantworten könnten sollte, als Beispiel einmal, hier:

Wie hängen in handelsüblichen Mikrowellen-Geräten Menge und Energieaufwand zusammen?

Wenn ich eine bzw. zwei gleich große Tassen mit Wasser bei gleicher Leistungsabgabe in die Mikrowelle stelle, wie viel Energie brauche ich, um das Wasser auf 60 Grad C. zu erhitzen? Drei Möglichkeiten:

a) Ob eine oder zwei Tassen, das ist der gleiche Energieverbrauch. (Bild: Die Mikrowellenstrahlung geht diffus in den Erhitzungsraum hinein. Ob 1 oder 2 Tassen -- das ist, als ob die Sonne 1 oder 1000 Sonnenanbeter bräunt. Die Sonne verbraucht immer die gleiche Energie.)

b) Der Energieverbrauch ist bei 2 Tassen etwa doppelt so groß wie bei 1 Tasse. (Bild: Es gibt nichts umsonst. Es ist, als ob du mit dem Bügeleisen 1 oder 2 Hemden bügelst. Das macht auch den Unterschied. Ca. doppelt so viel Energieverbrauch. Vom Aufheizen des Bügeleisens, das nur einmal anfällt, mal abgesehen.)

c) Die Sache ist diffus und komplex. a) und b) spielen zusammen. Die Faustformel sieht so aus: ...

Soeben gefragt bei gutefrage.net

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Tanzen und Fechten

Ist das nicht schön, ja sogar revolutionär?

"Vor mehr als 2000 Jahren wollte bereits der griechische Philosoph Platon Grammatik und Mathematik aus dem Pflichtkanon der Jugend-Schule verbannen. Deren Hauptfächer sollten damals sein. Grammatik und Mathematik durften ernsthaft frühestens ab dem 20. Lebensjahr gelehrt werden." (Quelle)

Ich schlage -- Pardon, Platon! -- eine Modifikation vor, die ein wenig mehr der Entwicklungspsychologie entspricht: Wer als Kind schon Spaß an der Mathematik und der Grammatik hat, der darf so früh beginnen wie er will. Tanzen und Fechten muss er allerdings trotzdem lernen. Die anderen, die die keine Sonderbegabung haben, lernen ab dem 14. ebensjahr Grundzüge der Fächer, immer bezogen auf die praktische Anwendung und die Bereicherung des eigenen Weltbilds. Grundlage sind gute populärwissenschaftliche Bücher.
Was aber ist Realität? Die Bildungspolitiker sehen Platon als Pflichtlektüre. Im Groben. Aber seine kritischen Einlassungen kennen sie nicht. Oder wollen sie nicht wahrhaben.

Dienstag, 27. Februar 2007

Erörterung

Zu später Stunde bereite sich noch einen Text zum Schulthema "Erörterung" vor. Ich lese Deutschlehrer-Seiten, die mir wahrhaftig wehtun. Warum? Weil jede Zeile das unstillbare Bedürfnis atmet, vor den anderen als Wissender zu bestehen. Erkenntnissuche nicht als Bedürfnis, sondern als Akt des sozialen Gut-Dastehens. Aus beinahe jeder Zeile quillt der Odem des durch Rolle und Institution erzwungen Besserwissens. Statt: Ich weiß es nicht, gerade darum denke ich nach! das lautstarke: So ist es! Der Lehrer spricht, ohne den Satz laut auszusprechen: "Ich will zeigen, was ich alles drauf habe!" Da werden herzzerreißend feine Differenzierungen gegeben, die einen sofort in einen unangenehmen Schwindel versetzen. Die Formulierungen kommen überaus schief und übermotiviert daher. Aus allen Poren quillt die Angst des Pädagogen vor dem Versagen. Vor dem intellektuellen und dem menschlichen Versagen.

Ich möchte am Ende des Tages einen Litaneienvers schreiben, der so beginnt: "O Schule, du Ort der traditionellen Versagensangst! ..." Und irgendwie, durch einen göttlich einfachen müsste dann klar werden, dass die Lehrer und die Schüler Angst haben. Vielleicht machen die Lehrer den Schülern Angst, um von ihrer eigenen Angst abzulenken?

Und dann die erste Bitte: "Lass uns ehrlich und einfach sein. Lass uns so werden, dass wir den Schülern nicht mit dem bombastischen Kleister unserer intellektuellen Selbstzweifel den geistigen Atem nehmen!"

Und am Ende muss ein Heiliger gefunden werden, dem wir sagen können: "Wir bitten dich, erhöre uns!" Welcher Heilige könnte das sein? Vielleicht der heilige Sokrates?

Nein, ich nenne diesmal keine Quellen und Stellen.