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Sonntag, 13. November 2016

Duden: "Aktrice"

Nur fürs Protokoll. So komme ich darauf nachzuschlagen:

"1979 erhielt die brünette Aktrice eine der Hauptrollen in dem Fernsehmehrteiler ..." (Wikipedia)

Ja, ich weiß jetzt also: Der Duden schreibt das Wort Aktrice so. Und die anderen Wörterbücher folgen. Aber kann man nicht doch mal sagen, dass das eine komische Entscheidung ist: Das erste "c" des französischen Worts wird eingedeutscht und zu "k", aber das "-ice" wird nicht zu "ise"? Schräg, wie gesagt. -- Ach, und auch das noch: Der Satz da oben ist eine wundersame sprachliche Pretiose, an und für sich! 

Montag, 18. April 2016

Jenseits der Dudengrammatik

Für meine Fallsammlung Fehler im Deutschen, die die Dudengrammatik nicht kennt, habe ich in der Wikipedia wieder einen Satz aufgesammelt und eben kommentiert:

"... Mindestens etwa 24 Stunden vor der Pfeilattacke, die zum Tod führte, war Ötzi in einen Nahkampf verwickelt." Wer weiß, wie es gemeint ist, sollte ändern: Dieses mindestens ist, vor allem in Verbindung mit etwa, vage und unspezifisch: in mindestens einen Nahkampf? Oder: 24 Stunden oder ein geringerer Zeitraum? Wenn letzteres gemeint ist, dann sollte es anders ausgedrückt werden. Am besten lässt man dann das mindestens einfach weg: "Am letzten Tag seine Lebens muss ... || Und weil ich schon dabei bin: "... der Pfeil stammt also mit hoher Wahrscheinlichkeit von (s)einem Verfolger". Abgesehen davon, dass das geklammerte (s) nicht schön ist, was soll diese Klammerung denn bedeuten? Wenn es ein Verfolger war, wird es wohl auch sein Verfolger gewesen sein. Ich vermute, dass eigentlich etwas ganz anderes ausgedrückt werden sollte: "... der Pfeil stammt also mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Verfolger oder mehreren Verfolgern". Von denen dann einer eben geschossen und getroffen hat. ..."

Freitag, 20. November 2015

Der Trickbetrug und die Rechtschreibung

Es ist immer sehr gefährlich, auf die Fehler anderer hinzuweisen! Da lesen wir beispielsweise:

Mann lenkt Frau an Automat ab und stiehlt deren Bargeld | WAZ.de

Im Forum allerlei Meldungen. Unter anderem diese sehr einfühlsame Meinung (19.11.2015, 13:38) von der fee1978 | #11

Wie doof kann man eigentlich sein, sich am Geldautomaten, so ablenken zu lassen??? Wenn mir da einer zu Nahe kommt, breche ich meinen Vorgang doch ab!!! Und ob man den Typen noch findet, ist auch fraglich, denn weiss man denn ob der Typ in Bochum oder so gemeldet ist??? Manchmal frage ich mich echt, wie dumm manche Menschen sein können..... Dummheit muss bestraft werden...

Und so geht es weiter, bis hin zu dem Kommentar von Frank_Czerniak | #4:

Eine Super schnelle Strafverfolgung,Die Tat passierte im September jetzt wird nach dem Täter öffentlich gesucht.Schließlich haben wir in Deutschland "Täterschutz". Meiner Meinung handelt es sich hierbei um Strafvereitelung im Amt

Also, ich fand diese Meinung gar nicht so schlecht formuliert. Nicht so aber ...! 

Bei ihrer Rechtschreibschwäche würde ich keine peinlichen Vermutungen kundtun.

Wenn haufe nun noch Ihrer [groß] Rechtschreibschwäche geschrieben hätte?

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Und welche Fehler habe ich nun gemacht? Mal abgesehen von dem, das alles hier so breit zu zitieren.

Montag, 16. September 2013

Groß­kop­fe­te

Ich schlage online im Duden nach. Ich kenne diese Form, die ja von der üblichen Wortbildung abweicht, zwar seit langem, verwende sie aber sehr selten und bin halt neugierig, was der Duden so sagt. Ich lese also dies:


Wortart: substantiviertes Adjektiv, feminin
Gebrauch: besonders bayrisch, österreichisch umgangssprachlich
...
Worttrennung: Groß|kop|fe|te
Verwandte Form: Großkopferte
...
einflussreiche, gesellschaftlich hochgestellte weibliche Person
weibliche Person, die studiert [hat], Intellektuelle


Zuerst ist mir aufgefallen, dass da tatsächlich die feminine Form einen eigenen Eintrag hat. Ich muss gleich, aus Interesse, noch die männliche nachschauen.* Dann aber: "weibliche Person, die studiert [hat], Intellektuelle". Da steht der Duden aber wieder als Sonderling da! Nie und nimmer ist heue eine studierte oder studierende Frau eine Großkopfete! Und solange Frauen überhaupt studieren können, war das wohl auch nie so.

-- 

|* Erst einmal: "Suchergebnisse | Leider haben wir zu Ihrer Suche nach 'Groß­kop­fe­ter' keine Treffer gefunden." Da überlege ich, dass der Eintrag wohl ist: Großkopfete, der ~ Aber dann, herrje -- da war ich doch eben schon! Es soll also nur weibliche Großkopfete geben!? Werch ein Illtum! | Und dann wird es immer seltsamer: "Leider haben wir zu Ihrer Suche nach 'Groß­kop­fe­te' keine Treffer gefunden." Auf einmal ist das, was gerade noch existierte, nicht mehr da. "

Montag, 8. Juli 2013

Neue Duden-Wörter

In der SÜDDEUTSCHEN vom Samstag (Nr. 154, 6. Juli 2013, Rubrik Wirtschaft, S. 25) eine ganze Seite über den neuen Duden und die Wörter, die darin neu sind: adden, QR-Code, E-Bike, Analogschinken, Schuldenbremse, EMS, Leergutautomat als hervorgehobene Beispiele. (Mehr dazu auch unter rp und sonstwo.)

Der "Kommunikations-Professor Frank Brettschneider", Universität Hohenheim, wird interviewt. ("Kommunikations-Professor" ist übrigens kein schöner Titel, wie ich finde.) Der sieht in den neuen Wörtern "einige Trends".

Besonders aufschlussreich: die SZ-Anmerkungen zu den Verben schrödern und wulffen, die im Duden offenbar noch nicht enthalten sind, aber im Internet erklärt und verwendet werden.

Donnerstag, 13. September 2012

Schrägstrich und Leerzeichen

Das wollte ich schon lange einmal anmerken, und heute habe ich es getan:

Im Arttikel: "DIN 5008 verlangt, den Schrägstrich kompress, also ohne vorangehendes oder nachfolgendes Leerzeichen zu setzen, bspw. „Schuljahr 2014/2015“."

Die Sache ist oben schon angesprochen worden. Ich mache dennoch noch mal einen eigenen Punkt auf.

Natürlich kann man es, vor allem nach der Rechtschreibreform, so halten, dass man sagt: "Wer über ein Schreibproblem nachgedacht hat und irgend etwas für besser findet als die offizielle Regelung -- der darf das auch tun!" Dennoch kommt einem die DIN-Regelung in Sachen "Schrägstrich und kein Leerzeichen" absolut widersinnig, ja absonderlich vor. Das wichtigste Argument: Es wird bei automatisiertem Umbruch ein Zeilenumbruch an einer Stelle verhindert, wo alles für den Umbruch spricht. Im Übrigen bin ich auch der Meinung, dass der Schrägstrich zwischen _zwei_ Leerzeichen gehört. Er ist ja weder Teil des ersten noch des zweiten Worts usw.

Könnte man Entsprechendes in dem Artikel selbst anmerken oder muss man sich, obrigkeits- und autoritätsgläubig wie wir Deutschen nun mal sind, mit dem Offiziellen begnügen?" (Wikipedia, Diskussion 'Schrästrich')

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"Gräfin Typo" -- schöner Nickname! -- hat tatsächlich schnell, vernünftig, verständlich geantwortet. Auszug:
  • Die im Duden wiedergegebene Regelung aus der DIN 5008 ist nicht widersinnig; sie ist allerdings eine stark komprimierte und vereinfachte Darstellung eines komplexeren Sachverhalts.
  • Es ist zu unterscheiden:
    1. Kurze Fügung (Wintersemester 1998/99) – hier dürfen keine Leerzeichen stehen, und es darf auch kein Zeilenumbruch vor der 99 erfolgen.
    2. Lange Fügung, womöglich auf einer Seite mehrgliedrig (31. Dezember / 1. Januar) – hier müssen Leerzeichen stehen; gern so, dass der Schrägstrich auf der vorangegangenen Zeile verbleibt.
    3. Bei mittellangen Wörtern wäre auch unter dem Gesichtspunkt des Zeilenumbruchs die Schreibung mit Leerzeichen günstig.
  • Der Duden zieht sich elegant aus dieser Detaildiskussion, indem es im Kapitel „Textverarbeitung und E-Mails“ heißt:

    Vor und nach dem Schrägstrich wird im Allgemeinen kein Leerschritt angeschlagen.
  • Die DIN 5008 ist außerhalb der Bürokommunikation für niemand verbindlich. Auch wenn sie auszugsweise im Duden wiedergegeben ist, haben die dortigen typografischen Regeln keinen amtlichen Gesetzescharakter.

Freitag, 27. Juli 2012

essenzielle Tools ?

Es ist ja schon merkwürdig:

"Perfect Utilities ist eine Sammlung von mehr als zwanzig essenziellen Tools, die auf keinem Windows-Rechner fehlen dürfen."

Ich werde immer noch höchst nervös, wenn ich Wörter wie essenziell lese.

Ich schaue einmal nach, isoliert, diese Form:

"essenzielle" 394.000 vs.
"essentielle" 18.100.000

Na, gottseidank!! Abstimmung -- nicht mit den Füßen. Mit der Tastatur.

Mit festen Schritten über den Duden hinweg!

Aber halt! Was heißt das denn nun schon wieder?! "essentiell auch: essenziell". Davon ist aber im Rechtschreibeintrag nichts zu lesen!


Sprachratgeber: Crashkurs: In 25 Schritten zur neuen Rechtschreibung

Schreibung neue Schreibung differential differenzial/differential essentiell essenziell/essentiellJustitiar Justiziar/Justitiar potentiell potenziell/potentiell präferentiell präferenziell

Sprachratgeber: Beispiele zur neuen Rechtschreibung

ersten Mal Erstkläßler Erstklässler die Erstplazierten die Erstplatzierten eßbar essbar Eßbesteck Essbesteck Eßecke Essecke essentiell auch: essenziell Eßlöffel Esslöffel eßlöffelweise esslöffelweise



Mittwoch, 11. April 2012

Ich habe geskyp(e)t!

Noch ein Fund zum Tagesausklang, bei NEUE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG, Tipps von der Deutsch-Expertin Dagmar Verena Jenner:

"Michael Baumeister | 17. März 2010 || Demnach hieße es “ich habe geskypt”? Und “ich habe geskypet” wäre falsch? Ist hier nicht das “e” schon im Hinblick auf die Aussprache unverzichtbar?
Welche Institution legt eigentlich fest, was richtig ist?

Dagmar Jenner | 18. März 2010 || Hallo Michael, | analog zu deiner Frage führt der Duden “relaxt” und “relaxed” an. Ergo wäre sowohl “geskypt” als auch “geskyped” korrekt – erstere Version wäre die bereits “orthografisch integrierte” Form und zweitere die “englische” Form. | Die Institution, die die Regeln festlegt, ist der Rat für deutsche Rechtschreibung. | LG | Dagmar"

Von mir dazu:

Liebe Dagmar,

ich möchte korrigieren: Der Rat für deutsche Rechtschreibung möchte gerne dekretieren. So wie vor ihm die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung. (Was für ein unsägliches Bürokraten-Deutsch schon bei der Namensgebung der beiden staatlichen Einrichtungen!) Nach all dem, was Kommission und Rat bisher ohne rechtes Sprach- und Rhythmusgefühl festgelegt, umgemodelt und dann wieder zurückgenommen haben, bleibt das ein frommer Wunsch. Richtig ist: Die Rechtschreibregeln werden vom allgemeinen Sprachgebrauch festgelegt. Das war übrigens schon immer so. Oder vorsichtiger: So ab 1900, nachdem Konrad Duden seine ersten Vorschläge gemacht hatte. In der Praxis heißt das: Die großen Zeitungen legen fest, wie geschrieben wird. (Wir erinnern uns doch noch an das große Flattern, als einst SPIEGEL, FAZ und WELT gedroht haben, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren! Da hätten die armen Schüler und die Lehrer dazu aber blöd dagestanden. Von wegen Rat-Autorität.)

Wer genügend Sprachgefühl, Reflexionsvermögen und Selbstbewusstsein hat, der schreibt ohnehin so, wie er es für richtig hält. Am besten [sic] einfach mit Gefühl der eigenen Rechtschreib-Nase nach.

Jetzt wieder zu skypen usw.: Im vorliegenden Fall lautet der Suchbefehl, wenn man es wissen möchte: site:sueddeutsche.de geskypet. Oder eben: geskypt. (Ich bin für das geskypet, weil ich geskypt lese als: gesküpt.) Natürliche auch gerne andere Zeitungen an die Stelle der Süddeutschen setzen! Da sieht man dann, dass es Fälle gibt, in denen sich die guten Journalisten auch nicht einig sind. Auch so was gab es schon immer. Dann gibt es eben dies und jenes nebeneinander.

P. S. Ach und -- darf ich jetzt auch mal vorsichtig was festlegen? Nun gut: vorschlagen, nicht festlegen. Ohne jegliche staatliche Legitimation. Nun denn: LG sollte man auf keinen Fall verwenden. Die lieben Grüße haben schon an sich was Pubertäres; wer aber dann nicht mal Zeit hat, diese zwei kurzen Wörter auszuschreiben*, der sollte das ohnehin ja vollkommen formale Grüßen lieber gleich ganz weglassen.

---

(* Heute wg. 16 Jahre Rechtschreibrat-Gebrabbel auch schon mal zu finden als: aus zu schreiben. Zum Haareraufen! (Heute auch schon: "zum Haare raufen!")

==

Kleiner Nachtrag am 03.04.2020: Süddeutsche und Spiegel schreiben tatsächlich geskypt. Nur - wo ist da denn das e von Skype geblieben?

Mittwoch, 1. Februar 2012

Der spinnt ja wirklich, der DUDEN!

Gut, da wird jetzt vielleicht der Sack geschlagen. Aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Ich sehe, dass OpenOffice zu allererst moniert. Schlage nach und sehe -- staunend, ungläubig:

zu­al­ler­erst | Wortart: Adverb | Gebrauch: emotional verstärkend | Worttrennung: zu|al|ler|erst

zu­al­ler­erst, ein Wort! Mich laust der DUDEN! So wie zuverlässig? Die hamse doch nicht mehr alle, diese Rechtschreibregler. Arme Knilche ohne Intuition und Rhythmusgefühl!

Dienstag, 11. Januar 2011

Practical Reasoning

Da heißt es auf einer klugen Uni-Seite:
  • Wenn Sie noch keinen Duden zur Deutschen Rechtschreibung haben: Schaffen Sie sich einen an!
  • Wenn Sie einen Duden zur Deutschen Rechtschreibung haben: Benutzen Sie ihn!
Folgt daraus:
  • Wenn Sie noch keinen Duden zur Deutschen Rechtschreibung hatten und sich einen angeschafft haben: Dann müssen Sie diesen Duden nicht benutzen!
?
Natürlich nicht!

Dienstag, 8. September 2009

Die Weisheit des Dudens

Oder: Die Weisheit des Duden? Des SPIEGELS; des SPIEGELs, des SPIEGEL? Woher kommen die Sprachnormen, die einfachen und die komplizierten? Vom Duden, nein, vom Volksmund, der meist "die Journalistenschreibe" heißt. Und die Analogie ist da oft was ziemlich Unwichtiges. Wir lesen hier:


"Wussten Sie’s schon?
Heißt es „im September dieses Jahres” oder „im September diesen Jahres”? Unzählige Sektflaschen wurden schon auf diese Frage verwettet, erhitzte Diskussionen angezettelt, Glaubenskriege geführt. Die in solchen Fällen als Schiedsrichter angerufene Duden-Sprachberatung, die in anderen Streitfragen auch häufig mal ein salomonisches Urteil fällen kann, hat hier eine eindeutige Antwort:
Das Demonstrativpronomen „dieser, diese, dieses” wird stark, nicht schwach gebeugt. Korrekt ist also: „im September dieses Jahres”. Setzt man statt „das Jahr” ein anderes Substantiv mit sächlichem Artikel ein, z. B. „das Kind”, so hat man auch die letzten Zweifler überzeugt: „das Alter dieses (nicht: diesen) Kindes”."


Immerhin, im Internet, Google-Suche, geht die Sache eindeutig aus, zugunsten der Analogie. Aber was heißt das schon?

369.000 für "zu Beginn dieses Jahres"
45.700 für "zu Beginn diesen Jahres"

Meine Beobachtungen sagen mir: Journalisten, also die Sprachprofis, finden den Tarnkappen-Genitiv eindeutig schicker als den normalen.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Rechtschreibung - übereifrig

Eine der größten Fehler bei der an Fehlern ja reichen Rechtschreibreform war das Auseinandernehmen von Verben nach irgeneinem "Getrenntprinzip". Das war so wenig durchdacht, dass es schnell aufgefallen ist: "krank feiern". 
Inzwischen beobachtet man in Schulen und anderswo, dass sich eine Art Auseinanderschreiberitis ausbildet. 
Ein Beispiel:
"Habe mir die Tasche gekauft, um meine Nikon D40x nebst den im Kit enthaltenen Objektiven (18-55 & 55-200 mm) unter zu bringen."
Das geht möglicherweise sogar nach Duden. Aber Blödsinn bleibt es allemal. (Duden: alle mal?)

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Doch ein Blick in den Duden? Könnte unter der Rubrik "Humor" stehen:

Crashkurs: 25 Schritte zur neuen Rechtschreibung
Die Getrennt- und Zusammenschreibung
Einleitung
Regel 7: spazieren gehen statt spazierengehen
Regel 8: Rad fahren statt radfahren
Regel 9: dabei sein statt dabeisein
Regel 10: irgendjemand statt irgend jemand
Regel 11: mit Hilfe / mithilfe statt mit Hilfe
Verbindungen von einem Verb (Zeitwort) im Infinitiv (in der Grundform) mit einem zweiten Verb (Zeitwort) werden in der Regel getrennt geschrieben.
Das klingt zunächst ziemlich kompliziert. Werfen Sie doch mal einen Blick auf die folgende Gegenüberstellung:
bisherige Schreibung neue Schreibung
flötengehen („verloren gehen”) flöten gehen
spazierenfahren spazieren fahren
Doch wie heißt es so schön: Keine Regel ohne Ausnahme! Verbindungen mit bleiben und lassen können Sie jetzt zusammen- oder getrennt schreiben, wenn die Verbindung in übertragener Bedeutung verwendet wird: liegen bleiben oderliegenbleiben, stehen lassen oder stehenlassen. Dasselbe gilt für kennen lernen/kennenlernen.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Sprachfragen: der oder das Blog?

Die Frage sollte eigentlich entschieden sein, denn Blogs sind ja wichtig und eingeführt. Sagt man also der Blog oder das Blog. Zuerst die reinen Fakten, die faktischen Fakten sozusagen, wie sie uns von Google übergeben werden:

85.500 für "das Blog von"
80.100 für "der Blog von"

Auch wenn Blog als Neutrum knapp an der Spitze liegt -- man muss sich die absoluten Zahlen ansehen --, ist die Sache doch, was die Sprachnorm angeht, unentschieden. Die Gründe für die Abweichungen sind auch klar: der Blog erinnert an der Block. Das schlägt durch. Und das Blog geht auf die Wortzusammensetzung ein WWW+das Logbuch.
Der Wikipedia-Befund:

"Genus Im deutschen Sprachgebrauch überwiegt leicht der Gebrauch des Wortes mit sächlichem Artikel vor dem mit männlichem Artikel. Mit der 24. Auflage wurde das Wort in den Duden aufgenommen (zusammen mit bloggen, Blogger und Bloggerin); dabei wurde die sächliche Form als Hauptvariante und die männliche Form als zulässige Nebenvariante dargestellt, was jedoch weiterhin umstritten ist, nicht nur aufgrund anderer, erwiesenmaßen falscher Schreibweisen im Duden (siehe z.B. Dönerkebab)."

Das Witzig-Unfachliche an der Argumentation der WP: Die WP-Leute, die hier sprechen, können es nicht lassen, irgendwo im tiefen metaphysischen Hintergrund das vorhandene und mit den richtigen Mitteln zu entdeckende "Sprachrichtige" zu postulieren. Das es auf jeden Fall gibt, das der Duden aber nur nicht kennt, usw. Aber linguistisch sinnvoll sind nur zwei Vorgehensweisen: a) Wiesenweg-Methode: 'Mal sehen, wie es sich in der Schreib- und Sprechpraxis so entwickelt.' Und, b) jenseits unserer angeborenen Bescheidenheit müssen wir uns beteiligen mit dem Satz: 'Mein sehr gut entwickeltes Sprachgefühl sagt mir, dass wir die Variante X der Variante Y vorziehen sollten.'

Ich mit meinem Sprachgefühl bin für: der Blog. (Argument: Hoch lebe die oberflächliche, lautliche Analogie!)