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Mittwoch, 18. Mai 2022

Zeitungen betteln

Mehr Zeit für kritische Berichterstattung Ihr kennt es: Zum Jahresende stehen wir traditionell vor einer sehr großen Finanzierungslücke und auch wenn die Planung und Umsetzung unseres Spendenendspurts viel Spaß macht, bindet es doch sehr viele Ressourcen; Ressourcen, die an anderer Stelle für unsere wichtige Arbeit fehlen.


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Auch die großen Zeitungen wie hier die ZEIT verstehen ihr Online-Angebot zunehmend als Stelle für das Anfixen potentieller Leser.

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Passend kommentiert hier:

"Mit dem Überangebot [an Informationen im Internet] verbunden ist eine verflixte Zwangslage: Die Zeitungen müssen im Internet präsent sein, und auf der anderen Seite müssen sie versuchen, der "Umsonst-Mentalität" des Internets etwas entgegenzusetzen, um Geld zu verdienen. Mit Werbung natürlich, die den Lesern lästig ist. Es ist ein Ziehen und Zerren. Es gibt seit geraumer Zeit Werbe-Blocker für die verschiedenen Browser. Die Zeitungen reagieren. Wer lesen will, soll gefälligst zulassen, dass er die Werbung sieht: "So schalten Sie Ihren Adblocker für SPIEGEL ONLINE aus." Die anderen Zeitungen halten es nicht anders. Man braucht das Geld halt. 

Und dann natürlich das neue große PLUS, das Harald Schmidt in seiner SPIEGEL-Videokolumne jeden Tag so unnachahmlich unterschiedlich betont [hat]. Das, was sich inzwischen Spiegel+, Welt+, FAZ+, Zeit+ nennt. "Eine kleine Gebühr bitte für zusätzliche interessante Artikel!" Hat Bild mit diesem Plus-Angeboten angefangen? Mir kommt es so vor. Dieses Bitte! - man kann als aufmerksamer Leser den Bettelton nicht überhören, der hinter diesen Plus-Angeboten steht. Und der Leser denkt sich natürlich: Eine Zeitung, die betteln muss, die muss arm dran sein."

Montag, 9. Mai 2022

Scholz, Schwurbeln und Spannung

 SPIEGEL-Kommentar (eben gebracht):

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"Von der Tagesschau":

>> Die TV-Rede von Olaf Scholz war endlich mal das, was man ständig von ihm fordert: Sie war sozusagen "schwurbelfrei". Viele klare Sätze und eine deutliche Struktur. So, wie man das in Rhetorik-Seminaren lernt. Auch wenn in puncto Ausdruck und Mimik die meisten Pfarrer im Wort zum Sonntag immer noch spannender rüberkommen  als der deutsche Kanzler. <<

Mich interessieren schon lange Beispiele, an denen ersichtlich wird, was "Geschwurbel" ist und was nicht. Bis ich da Belege habe, bleibt das mit dem Geschwurbel für mich ein aggressiver Modeausdruck. Schwurbeln tun immer die anderen! Aber sei's drum. "Das Wort zum Sonntag": Hätte Angela M., von der seltsamerweise nur noch selten die Rede ist, da "mitreißend" gesprochen?

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Sonntag, 1. Mai 2022

Pfeifen die Zeitungen, auch die ZEIT ...

 ... wirklich schon so sehr aus dem letzten Loch? Verzweifelte Versuche, die Leser mit Angeboten anzufixen, wie Drogendealer? Abo plus Plus, usw. Und die ZEIT hat jetzt alle Martenstein-Kolumnen auf ZEIT+ gesetzt! Mei, muss es den Zeitungen und auch der ZEIT schlecht gehen!

Meine alte Erklärung: Weder der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch die großen Zeitungen mögen einsehen, dass sie auch mal "kleiner werden können müssen"! Wildes Paddeln in Zeiten es Internets. Die Lesezeit des Menschen ist endlich, und wenn es im Internet Amzon, Netflix gibt, dann wird die Zeit zum Zeitunglesen einfach kleiner. Vom hochmütigen SPIEGEL rede ich erstmal gar nicht.

Montag, 11. April 2022

Deutschunterricht im SPIEGEL-Forum


In der ersten Übungsstunde: Flugschülerin landet nach Tod des Piloten Sportflugzeug. Weil ihr Lehrer eine Herzattacke erlitt, musste eine Flugschülerin in ihrer ersten Stunde ein Sportflugzeug landen. Mit ihrem Eingreifen verhinderte sie eine Katastrophe. 09.04.2022

[Kurzer Artikel-Text. Dann am Ende: ]

Sie konnte sich aus dem Wrack befreien und Spaziergänger in der Nähe um Hilfe bitten. Der 66 Jahre alte Pilot kam ums Leben.


Ein Dialog im SPIEGEL-Forum:

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Ist der Lehrer am Herzinfarkt oder bei der Bruchlandung gestorben. Der Bericht lasst beide Versionen zu.

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Lesen Sie die Überschrift. Da ist es doch explizit gesagt!

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Die Formulierung des Schlusssatzes ist trotzdem schräg. Warum nicht einfach: "Der Pilot war zum Zeitpunkt der Landung schon tot." Ein SPIEGEL-Artikel ist ja kein Lesetest für die Oberstufe des Gymnasiums. Na gut. Vielleicht doch.

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Jeder hat’s Verstanden.

Sogar sie. Verstehe ihre Frage nicht obwohl sie es doch selbst wissen.

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Dankedanke! "Hans Carstorp verlangte danach, belehrt zu werden." Oder so ähnlich. -- Ich habe in solchen Fällen im Proseminar meist darauf hingewiesen: "Wenn Sie im Schuhgeschäft sagen: 'Ich wollen Paar Schuhe, schwarz und braun!' werden Sie auch verstanden. Dass Sie zwei Paar Schuhe wollen, usw. Aber das ist keine Grundlage für den Deutschunterricht, dass man so grade noch verstanden wird."

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Der letzte Absatz wird zuerst gebracht und ist nach der Ergänzung "Ich habe in solchen Fällen ..." verschwunden. Das die Software hinter der SPIEGEL-Seite! Ist es Absicht oder Komplexität der Sache?

Sonntag, 6. März 2022

BILD und Sprache

Dafür sollte sprechen: Eine Handbewegung Putins, bei der er – je nach Lesart – scheinbar oder anscheinend DURCH das Mikrofon greift. (bild.de)

„Mit der Ihnen eigenen Handschrift ermöglichen Sie neue Sichtweisen, insbesondere auf große Frauen der Weltgeschichte, die sich den Brüchen und Zumutungen ihrer jeweiligen Zeit mit großer Intelligenz, persönlicher Stärke und einem ausgeprägten Willen zur Veränderung der gesellschaftlichen als auch politischen Verhältnisse stellen. Sei es das Leben von Gudrun Ensslin, Rosa Luxemburg, Hildegard von Bingen oder Hannah Arendt – allen diesen Frauen und vielen anderen haben Sie unvergessliche filmische Porträts gewidmet.“ (bild.de)

Montag, 17. Januar 2022

MEINUNGSFREIHEIT

Das neue Poster zum Thema Meinungsfreiheit:

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Sonntag, 9. Januar 2022

Befindlichkeiten und Tatsachen

Und noch ein Kommentar aus dem CICERO:

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Politikfähigkeit der Grünen. Wenn Befindlichkeiten wichtiger sind als Tatsachen. Nicht nur mit ihrer Klimapolitik, die steigende Preise und Wohlstandsverluste für Normalverdiener bedeutet, beweisen die Grünen einen eklatanten Mangel an Regierungsfähigkeit: Denn man kann nicht gleichzeitig einem Land dienen und dessen Bevölkerung verachten. Von Jens Peter Paul. 9. Januar 2022

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"Denn bis auf weiteres gilt: Sie sind mit ihrem Land nicht im Reinen und nicht mit sich selbst."

Vorschlag, dass wir diese guten Worte auf die gesamte deutsche Gesellschaft 2022 anwenden. "Wir sind mit unserem Land nicht im Reinen und nicht mit uns selbst." 

Wir wollen die Vereinbarkeit des Unvereinbaren, und tadeln "die Politik", die diesen abstrus-hirnrissigen Wunsch nicht Wirklichkeit werden lässt. Weil er einfach nicht umzusetzen ist. Aber das will niemand hören.

Realistisch ist: Wir müssen unsere Ansprüche des "Weiter wie gewohnt!" herunterfahren. Skiurlaub, Fernreisen, Autofahren, Alltagskonsum -- alles runterfahren! Wie das geht? Steuern erhöhen, und zwar drastisch, und das Geld in die Umwelttechnologien umlenken.

Wie sagt da der Realist: "Politisch nicht durchsetzbar!" Er hat recht, der Realist. Und wir fahren an die ökologische Wand. That's it!

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Sonntag, 26. Dezember 2021

Niggemeier und Martenstein

Es ist schon lustig, immer wieder mal zu sehen, dass Stefen Niggemeier an Harald Martenstein "einen Narren gefressen" hat. (Ich meine mich zu erinnern, dass Martenstein das einmal selbst so formuliert hat.) Bemerkenswert auch, dass Niggemeier sich wirklich auf seine Blog-Leser einlässt und ihnen antwortet. Das tun ja nicht so viele Journalisten in dieser Weise. 
Heute mal wieder nachgelesen, auf einer Seite, die ich hier schon mal verlinkt habe. Dabei zusätzlich gefunden: 

Rassismus in Werbung ist weiter verbreitet, als man vielleicht denken und fühlen mag, eben weil heute wohl niemand absichtlich rassistisch wirbt.

Was mir auffällt, ist was anderes. Es ist die lustige vorauseilende politische Korrektheit in der Werbung. Gibt es denn noch Firmen, die ohne "multiethnische Bilder" werben mögen. Es muss ja nicht gleich so krass wie in der Bahn-Werbung, für die Boris Palmer einen seiner Shit-Stürme eingefahren hat.

Wo hatte ich das doch gleich?

... 

Ich finde das Bild nicht! Eine schwarze Frau in einem strahlend weißen Kleid und ein Auto fliegt vom Himmel. War es denn kein BMW?! Dabei hatte ich geglaubt, ich hätte gefragt, ob das die Frau des Botschafters von Swaziland ist, die ein neues Auto braucht und -- gefunden hat.

Na gut, fangen wir halt mal so an. Irgendwann werde ich schon finden, was ich suche.

Montag, 15. November 2021

SPIEGEL so wie geplant

 Worauf man am Morgen beim ersten Kaffee so alles kommt! SPIEGEL-Kommentare.

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Ok, das ist jenseits von Gut und Böse, ich weiß; aber ich hab nun mal gelesen:

"Ob sich der SPIEGEL so wie geplant entfalten und justieren lassen wird, ist ungewiss."

Das wäre aber auch mal die Frage, in anderen Zusammenhängen.

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Die Floskel "tatverdächtig"

Todesfahrt in Trier. Tatverdächtiger Bernd W. soll vor den Haftrichter. In Trier soll ein 51-Jähriger gezielt Menschen überfahren und mindestens fünf getötet haben. Die Stadt ist in Trauer. Nun soll der Mann, der womöglich psychisch krank ist, dem Haftrichter vorgeführt werden. 
02.12.2020, 11.36 Uhr (spiegel.de)

Eine SPIEGEL-Diskussion zu dem Bericht, die ich festhalten will: 

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Werner-Jo6gE5GZg vor 5 Stunden "Dringend tatverdächtig ist Bernd W., ein 51 Jahre alter Mann, der laut Polizei rund vier Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen werden konnte." Ich denke, man kann die an sich gute Sache mit der Unschuldsvermutung durch solche Formulierungen auch ins Absurde ziehen. 9 2 2 favorite 

Heinz-RY-gN7tMR vor 5 Stunden Wo ist das Problem? Er wird nicht als Täter, sondern als Tatverdächtiger bezeichnet. Tatverdächtiger= Unschuldig, bis Schuld bewiesen. 17 favorite5 

Karl-Ernst -5k_i_MEWg vor 5 Stunden Man ist eben so lange dringend tatverdächtig, oder mutmaßlicher Täter, bis er vom Gericht verurteilt ist. Kann man doch in jedem Fernsehkrimi hören, " Sie sind vorläufig festgenommen wegen dringendem Tatverdacht..." 1 1 favorite 

Human_ist vor 4 Stunden Muteet seltsam an, das stimmt. Da stoppt die Polizei eine Amokfahrt mit nur einer Person im Wagen, zerrt den hinterm Lenkrad raus, fesselt ihn und spricht von Verdacht. Aber so ist es, verurteilt wird durch die Polizei nur bei Robocop. 6 favorite1 

Crom vor 4 Stunden Jugde Dreed nicht vergessen. favorite1 

Human_ist vor 4 Stunden Mannomann, den hatte ich eigentlich im Sinn, danke Crom! favorite1 

Benmartin70 vor 3 Stunden Ich wusste dass er das sagen würde..... favorite 1 

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Nicht gebracht wird bisher das: Da geht jetzt einiges durcheinander. Ich habe nicht die Polizei-Formulierungen kritisiert, sondern die Wiedergabe durch die Journalisten, die das entsprechende Hintergrundwissen ja haben. Was ich also kritisiere ist eine floskelhaftes Nachplappern des juristischen und polizeilichen Jargons, das sich dann auch noch irgendwie rational oder gar progressiv vorkommt. 

Was auch übersehen wird: "tatverdächtig" und alles Vergleichbare heißt nicht "schuldig"; zu einem Schuldspruch gehört natürlich eine Untersuchung. Nur: Wenn ich mit eigenen Augen sehe, wie einer einem anderen 20 Mal das Messer in Brust sticht, und ich sage dann, der Mann mit dem Messer in der Hand sei dieser Tat "verdächtig", dann hab ich, landläufig gesehen, einen an der Klatsche. Im vorliegenden Fall sind wir sehr nahe an dieser Beschreibung.

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Dienstag, 17. November 2020

Practical reasoning: Sprachbarrieren & Gewaltübergriffe

 Das lese ich also:

"Das Problem: Zehn Prozent der Notfallpatienten, die in Deutschland akute medizinische Hilfe brauchen, haben Sprachbarrieren. Ein Drittel aller Gewaltübergriffe in Kliniken gehen auf Verständigungsschwierigkeiten zurück. Koräbinian Fischer von Triaphon im Interview" (sz-magazin.sueddeutsche.de)

Extrem merkwürdig das! Da gibt es also "Sprachbarrieren". Heißt: ein Patient kann kein Deutsch. Und da muss der Patient natürlich mit "Gewaltübergriffen" reagieren?! Und wir sollen das gleich als normal verstehen? Manchmal fällt einem wirklich  nichts mehr ein angesichts der von Medien als selbstverständlich suggerierten neuen Normalitäten.

In der Analytischen Philosophie gibt es das practical reasoning. Irgendwo zwischen gesundem Menschenverstand und Handlungslogik. Was also sollen wir tun? Verständnis aufbringen dafür, dass einer die Hand beißt, die ihn zu füttern versucht?

Sonntag, 25. Oktober 2020

Wie alt mag wohl der Täter sein?

Ich schmelze dahin, wenn jemand umstrittene Sichtweisen so ironisch auf den Punkt bringen kann. Ein Kommentar beim SPIEGEL: 

"Bei all diesen Blaulicht-Nachrichten treibt mich immer eine Frage um: Wie alt mag wohl der Täter sein. Der mutmaßliche Täter natürlich. Und ich muss offen gestehen, dass ich vorbildlich informiert werde. Näheres zur Person will ich grundsätzlich nicht wissen. Ich möchte niemandem Arbeit machen." (spiegel.de)

Der SPIEGEL lässt nicht direkt auf Kommentare verlinken. Eine der Schwachstellen der SPIEGEL-Kommentarfunktion. Beabsichtigt?

Donnerstag, 1. Oktober 2020

CICERO vs. DER FREITAG -- Der Diskurs 2016

Das sehe ich erst heute! Es ist von 2016.

STELLUNGNAHME - Kurze Antwort vom „Drecksblatt“ | VON ALEXANDER MARGUIER am 9. Januar 2016 || Der stellvertretende Freitag-Chefredakteur hat den stellvertretenden Chefredakteur des Cicero für einen Kommentar zum staatlichen Kontrollverlust in der Flüchtlingskrise scharf kritisiert. Eine Entgegnung (cicero.de)

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Lieber Herr Angele, Sie schreiben in Ihrer Replik: „Man muss Dinge, die schwach sind[,] stärken, und Dinge, die zu stark und mächtig sind, schwächen“, dies sei Ihr journalistisches Ethos. Ich kann mit solchen Bekenntnissen, ehrlich gesagt, nicht allzu viel anfangen. Aber wenn das nun schon für Sie gilt: Hatten Sie denn in letzter Zeit nie den Eindruck, dass ausgerechnet die nichthinterfragte Willkommenskultur ein bisschen arg mächtig geworden war? Wenn etwa der Kriminologe Christian Pfeiffer davon berichtet, ihm seien vor einem Interview mit einem öffentlich-rechtlichen Sender Sprechverbote zu gewissen Themen auferlegt worden: Ist denn dann nicht irgendetwas in unserer sogenannten Mediendemokratie kolossal aus dem Ruder gelaufen? Finden Sie es okay, dass Ihr eigener Verleger, Jakob Augstein nämlich, hinter meinem Rücken bei Cicero-Redaktionsmitgliedern Stimmung gegen mich machen will, weil ihm meine Ansichten nicht passen? (Sollten Sie ihm demnächst begegnen, so richten Sie ihm doch bitte aus, er könne sich auch direkt an mich wenden.) Und wie gefällt es Ihnen, wenn das Kulturmagazin eines öffentlich-rechtlichen Senders bei ehemaligen Kollegen anruft, um irgendwelche Ungeheuerlichkeiten über die vermeintlich rechtspopulistischen Umtriebe bei Cicero erzählt zu bekommen? (Bei uns selbst haben sich die Herrschaften übrigens nicht gemeldet, denn das hätte womöglich die Arbeitshypothese gefährdet).

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Mittwoch, 2. September 2020

"Sie haben suizidale Gedanken?"

Irgendwie geht mir diese Sache schwer auf den Keks: Kaum wird irgendwo, neutral und sachlich, über einen Menschen berichtet, der sich umgebracht hat, kommt dieser "Aufkleber" hinterher:

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Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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Ich meine, jemand, der daran denkt, Selbstmord zu begehen, der wird doch nicht ausgerechnet Berichte wie diesen lesen:

02.09.2020 Am 1. September ist die neue Doku "Robin's Wish" erschienen: Sie thematisiert das Leben von Robin Williams. Anlässlich dessen hat seine Witwe in einem Interview Details zu ihrem Eheleben preisgegeben. (stern.de)

Der denkt dran, auch wenn er so etwas liest:

AGENTEN: "IDENTITÄTEN? ICH HABE DREI". SEMESTERBEGINN. || Interview: Carla Baum und Christoph Farkas || Die deutschen Nachrichtendienste bilden gemeinsam Agenten aus. Wir haben vier aus dem ersten Jahrgang gefragt: Warum macht ihr das?

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Harald Martenstein hat letzthin in einer seiner ZEIT-Glossen berichtet -- jetzt aus dem Gedächtnis, weil die ZEIT offenbar diese Glossen nicht mehr so freigebig wie früher freigibt: Eine Tante von ihm habe gesagt, dass sie nicht Pflegefall sein wolle. Sie habe sich einen Revolver auf dem Schwarzmarkt besorgt, und als es soweit war, da habe sie sich erschossen. Wie hat Martenstein das genannt? Honorig? Konsequent? Ich weiß es nicht mehr.

Donnerstag, 16. Juli 2020

Vier marokkanisch-stämmige Niederländer ...

Ein ZEIT-Kommentar von mir doch auch mal wieder hier:

(Bei der ZEIT vorhanden!)

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"Für Sie verständlicher, welche Absicht steht dahinter oder welchen Plan wird verfolgt?" [= welcher Plan wird von wem verfolgt]

Weil ich die Rückfrage gerade noch sehe:

Plan / Absicht: Meines Erachtens gibt es eine umfassende Sorge der politischen und publizistischen Oberschicht, dass man "dem Volk", dem so leicht verführbaren, manche Dinge nicht sagen dürfe. Das Volk werde sich sonst allzu leicht nach rechts hin radikalisieren.

Berühmt: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern."

Das halte ich für großen Quatsch. Die überwiegende Mehrheit der Bürger weiß, dass differenziert werden muss. Wenn vier marokkanisch-stämmige Niederländer in Deutschland Geldautomaten sprengen, wird doch kein vernünftiger Mensch sagen: "Alle / Viele Marokkaner in den Niederlanden sind Geldautomaten-Sprenger!" Auf der anderen Seite gilt natürlich: "In einem kleinen Prozentsatz kommt mit Migranten ein kriminelles Potential ins Land." - Das genau muss offen dargestellt werden und in Modellen dargestellt werden.

Wird "der Migrationshintergrund" so laut verschwiegen wie bisher und ist "ein Mann, 34" die einzige Information, die es in Normaljournalismus gibt, ja dann muss man sich nicht wundern, dass viele vom CICERO zu TICHYS EINBLICK und dann zu refcrime.info wandern. 

"Das Internet in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf."

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Sprachnormen im weiteren Sinne

So differenziert und kompliziert geht es bei den "Sprachnormen im weiteren Sinne" zu:

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... Am heutigen Donnerstag, wo abends in Saarbrücken die 84. Deutschen Einzelmeisterschaften eröffnet werden, ist Hans-Günter Kestler in Bamberg beigesetzt worden.

Raymund Stolze

(07.09.2013: Nachträgliche Korrekturen der Redaktion bei Kestlers Vornamen, seinem Todestag und Pflegers Urlaubsziel)

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Ich glaube, bei einem Nachruf sollte das mit den Korrekturen vielleicht besser nicht stehen. Und überhaupt: Sollte die Redaktion das mit den Korrekturen nicht stillschweigend machen und "gar niemals nie" öffentlich machen? Ich glaube, es ist der Redaktion Job, da -- stillschweigend -- zu kontrollieren und zu verbessern.

Mittwoch, 3. Juni 2020

BILD macht mobil!

Manchmal ist der SPIEGEL schon gut. Wenn man BILD verstehen will zum Beispiel.




Mal als Text, für die Suchmaschine:

>> Reichelts Jungs verstünden sich als eine Art Elitetruppe, heißt es in der Redaktion, gebuhlt wird um die Gunst des Chefs: Wer ist gerade näher dran an Julian? Wer hat von ihm spätabends noch eine SMS bekommen? Es klingt nach einer Welt, wie man sie aus Journalistenfilmen kennt. Weißwein, Bier, Zigaretten, Männergespräche. Eine "Bild"-Redakteurin sagt: "Man fühlt sich wie in einer Netflix-Serie." | Reichelt spricht von einem "Team von großartigen, jungen, ehrgeizigen Leuten, Frauen wie Männer". Doch Frauen gehören, mit wenigen Ausnahmen, nicht zum engsten Zirkel, die Zahl der leitenden Redakteurinnen ist in den vergangenen Monaten merklich geschrumpft. << 

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Dabei halte ich BILD doch immer hoch! Gegen die, die glauben, sie seien als Intellektuelle ausgewiesen, wenn sie betonten, dass sie BILD für ja so schrecklich hielten. Da entsteht dann immer die Frage, woher man das wissen kann, wenn man BILD nicht liest. Und außerdem halte ich meiner Herkunft die Treue - dem Proletariat im Marxschen Sinne. Diese Attacke gegen Drosten aber war schlicht daneben.

Freitag, 29. Mai 2020

Rassismus im Zusammenhang gesehen

Zwei Fragen, ganz kühl entwickelt:

"JOHN ROTH 28.05.2020 || Limburg – Am 1. September 2019 stiegen der Bad Kreuznacher Restaurant-Besitzer Hasan Y. (39) und sein Begleiter Yasar Y. in seinen Porsche. Dann fielen sieben Schüsse, töteten Hasan Y., der Beifahrer überlebte. Der Täter flüchtete. Zwei Tage später stellte sich Izzettin Y. (28) bei der Polizei. Nun stehen er und zwei weitere türkischstämmige Männer vorm Limburger Landgericht. | Izzettin Y., Ramazan Y. (38) und Haci Y. (28) wird gemeinschaftlicher Mord aus Heimtücke vorgeworfen. Bei Ramazan Y. kommt laut Anklage noch Habgier hinzu. Zu Prozessbeginn räumte Izzettin Y. die Tat ein – er will allerdings allein gehandelt haben. Anwalt Frank Richtberg (62) verlas die Erklärung seines Mandanten: „Ich allein habe Hasan Y. erschossen, weiß, dass ich mich dafür zu verantworten habe.“ Ramazan Y. (38) und Haci Y. (28) wollen weder beteiligt gewesen sein noch von dem Plan gewusst haben."

Ich entnehme diese Meldung der BILD-Zeitung, weil ja ZEIT und FAZ über so etwas nicht berichten.

Die Fragen:

1. Ist es denn ausgemacht, dass solche Meldungen, weil quasi aus den Niederungen der Gesellschaft, nicht einmal auch von ZEIT, SPIEGEL, FAZ oder SZ gebracht werden sollten? Wie werden denn die Relevanzkriterien der Zeitungen begründet? Mit einem "Igitt!"?

2. Was erklärt eigentlich, dass Habgier und "Aggression pur" weniger sicherheitspolitisch relevant sind als rassistische Anschauungen?

Mittwoch, 27. Mai 2020

BILD-Zeitung vs. Drosten

Zur Kritik der BILD-Zeitung an Prof. Dr. Christian Drosten.

Ich, der ich sonst das Panier der BILD verteidige, mache mir diesmal doch das zu eigen:

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"Demokratie & Journalismus 2.0.20: Von nichts eine Ahnung, aber die Experten unkenntnisreich kritisieren."

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Heißt: Mögen die wissenschaftlichen Experten erst einmal untereinander Klarheit schaffen. Dann erst sollten die Zeitungen kommen.

Mittwoch, 29. April 2020

"Am Dienstagabend hatten mehrere Männer ..."


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Hessen. Zwei Festnahmen nach Messerangriff in Hanau. Am Dienstagabend hatten mehrere Männer vier Passanten angegriffen und verletzt. Hinweise auf politische Motive gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. 29. April 2020, 11:10 Uhr. Aktualisiert am 29. April 2020, 13:23 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP, ale. 6 Kommentare

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... und ich kommentiere einen Kommentar.

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BILD weiß zu berichten:

"Zwei Verdächtige wurden bereits festgenommen. Nach BILD-Informationen sind beide Männer Syrer, die vier Opfer stammen aus Syrien (2), Albanien und dem Irak."

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Es ist immer wieder die Frage, ob Zeitungen gut daran tun, wenn sie so etwas nicht einfach zu sagen. -- Vor 7 Jahren hatte die ZEIT sogar einmal die sachlich-akademisch gestellte Frage zugelassen; Schlüsse wurden da aber nicht wirklich gezogen.

https://www.zeit.de/2013/41/pressekodex-straftaeter-herkunft

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