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Freitag, 23. September 2022

Wikipedia -- Formulierung

"Seine Identifikation mit Dickie geht sogar so weit, dass er heimlich Dickies Kleidung anzieht und für sich Szenen spielt, in denen er dessen Rolle einnimmt. Marge wiederum verdächtigt Tom, homosexuell zu sein." 

So etwas hätte ich früher in der Diskussion des Artikels diskutiert. Aber jetzt, da man mich bei der Wikipedia rausgeekelt hat, merke ich es halt hier an. Da kann mir keiner ... :-)
  • Ist das mit dem Kleider-Anziehen wirklich ein Zeichen für "Identifikation"? Oder doch eher eine spielerische Übernahme einer Rolle? Das wäre nämlich ein Unterschied!
  • Im Unterschied zu glaubt, bringt das Verb verdächtigt mit herein, dass Homosexualität etwas Schlimmes, Negatives ist. Ist das gemeint?

Mittwoch, 9. März 2022

Unangenehme ... vollkommen bescheuerte Ausdrücke im Internet

  •  Trick: "Dieser Trick macht die Beerdigung kostenlos. Pro Verbraucher"
  • ...



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zebrabutter.net. Schlaues über Gutes und Schlechtes. » Die 10 irrwitzigsten Clickbait-Artikel aus dem Internet. Benny Krüger. 15. Oktober 2018 Netzkultur. Nach wie vor werden im weltweiten Web Klicks geködert, was thematisch mitunter wundersame Blüten treibt. Die 10 eigenwilligsten Artikel dieser Art hat unser Autor in einer Hitliste versammelt.

Sonntag, 6. März 2022

SPIEGEL-Kommentare

 SPIEGEL-Kommentar, nicht gebracht:


Und immer wieder die Frage: Gibt es in Russland nicht Menschen oder Institutionen, die Putin absetzen können?

Und auch das noch: Ich beobachte, zwischen Faszination und Schrecken schwankend, dass SPIEGEL-Leser das in der Ukraine und das Vorgehen Putins als WARHOPOLY verstehen. "Da muss man einfach (!) entschlossen (!) dagegen halten!" usw. Menschen aus dieser Warhopoly-Gruppe scheinen nicht zu sehen, dass die Gefahr einer Ausweitung dieses Kriegs unter der Voraussetzung PUTIN am Ende den Atomkrieg bedeuten kann.

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Egal wie es ausgehen wird, Selenskyj hat Putin jetzt schon besiegt.
Ja, die deutsche Sprache bringt es an den Tag: Es ist unklar, wer da wen besiegt hat.

31 Downvotes? Kann hier eigentlich niemand Deutsch?! Man muss doch auf dem Gymnasium im Deutschunterricht mal von Subjekt-Objekt-Ambiguität was gehört haben!

BILD und Sprache

Dafür sollte sprechen: Eine Handbewegung Putins, bei der er – je nach Lesart – scheinbar oder anscheinend DURCH das Mikrofon greift. (bild.de)

„Mit der Ihnen eigenen Handschrift ermöglichen Sie neue Sichtweisen, insbesondere auf große Frauen der Weltgeschichte, die sich den Brüchen und Zumutungen ihrer jeweiligen Zeit mit großer Intelligenz, persönlicher Stärke und einem ausgeprägten Willen zur Veränderung der gesellschaftlichen als auch politischen Verhältnisse stellen. Sei es das Leben von Gudrun Ensslin, Rosa Luxemburg, Hildegard von Bingen oder Hannah Arendt – allen diesen Frauen und vielen anderen haben Sie unvergessliche filmische Porträts gewidmet.“ (bild.de)

Samstag, 5. März 2022

Bei den sogenannten Antiimperialisten

 Und noch, bevor ich vom SPIEGEL Abschied nehme, ein nicht-gebrachter Kommentar:

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"Ja, bei den sogenannten Antiimperialisten gibt es immer noch die Wahrnehmung, dass Russland keine Imperialmacht ist."

Wenn Muslime im Innersten gegen die USA und gegen den dekadenten Westen mit seinen Schwulen und Frauenrechten sind, glauben sie am Ende, Putin sei strenggläubiger Moslem und ihr Bruder. So funktioniert es eben, das einfache menschliche Gehirn.

Ach, und nebenbei, liebe junge SPIEGEL-Redakteure: "Er hat an der University of Sydney dissertiert." Er hat da promoviert, nicht "dissertiert". (zu spiegel.de)

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Mittwoch, 16. Februar 2022

Liebe Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer!

Wenn Sie gerade Zeit haben -- korrigieren Sie mal diesen Text und vergeben Sie eine Note!

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Wer ist Paris Hilton wirklich?

Paris Hilton war vielleicht eine der größten Stars des neuen Jahrtausends, obwohl sie nie wirklich irgendetwas tat, was sie hätte berühmt machen können. Sie war eine der ersten Promis, die einfach nur um der Berühmtheit willen berühmt war. Sie war für ihre ausgiebigen Partynächte bekannt, ihre durchgesickerten Sexvideos und für den Satz "that's hot" in ihrer kindlich-affektierten Sprechweise. Ähnlich wie die Kardashians heute, wurde sie von den Medien verpönt und galt als Freiwild für alle Art von Beleidigungen und Verletzungen. Aber ihre Dokumentation aus dem Jahr 2020 mit dem Titel "This Is Paris" zeigte uns die wahre Paris. Die Person, die wir glaubten zu kennen, scheint rein erfunden – teils von den Medien erschaffen, teils von Hilton selbst als Form des Selbstschutzes inszeniert. Die Dokumentation zeichnet das Bild eines geplagten Mädchens, das Traumata erlitt, die sie auf einen einsamen, zurückhaltenden Pfad lenkten. Klicken Sie weiter und entdecken Sie die bislang unbekannte Seite von Paris Hilton.

Paris Hilton war vielleicht eine der größten Stars des neuen Jahrtausends, obwohl sie nie wirklich irgendetwas tat, was sie hätte berühmt machen können. Sie war eine der ersten Promis, die einfach nur um der Berühmtheit willen berühmt war. Sie war für ihre ausgiebigen Partynächte bekannt, ihre durchgesickerten Sexvideos und für den Satz "that's hot" in ihrer kindlich-affektierten Sprechweise. Ähnlich wie die Kardashians heute, wurde sie von den Medien verpönt und galt als Freiwild für alle Art von Beleidigungen und Verletzungen.

Aber ihre Dokumentation aus dem Jahr 2020 mit dem Titel "This Is Paris" zeigte uns die wahre Paris. Die Person, die wir glaubten zu kennen, scheint rein erfunden – teils von den Medien erschaffen, teils von Hilton selbst als Form des Selbstschutzes inszeniert. Die Dokumentation zeichnet das Bild eines geplagten Mädchens, das Traumata erlitt, die sie auf einen einsamen, zurückhaltenden Pfad lenkten. Klicken Sie weiter und entdecken Sie die bislang unbekannte Seite von Paris Hilton. (msn.com)

Sonntag, 23. Januar 2022

Diese Rechtschreibung! "Genausogut" / drangehen

Wenn man nachschlägt, erscheint ganz schnell und vorweg: 
"genausogut ist eine alte Schreibweise von genauso gut. Sie ist nach der reformierten Rechtschreibung von 1996 nicht mehr korrekt."

Was waren damals nur für Sprachstümper am Werk! Die die Form gesehen haben und den Wortakzent nicht. Der Akzent liegt eindeutig auf der zweiten Silbe. In den entsprechenden Fällen! Es ist ein Unterschied, ob man sagt
  • Genausogut könnte ich ihm ja Zucker in den Tank schütten!
  • Dieser Darjeeling ist exakt genau so gut wie dieser.
Aber das ist wahrscheinlich auch den Hanseln vom Rechtschreibrat ein Buch mit sieben oder acht Siegeln.

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Wir müssen endlich drangehen / darangehen, das Problem zu beseitigen. -- Daran gehen Sie schon nicht zugrunde. -- Sie müssen da rangehen wie Blücher!

Sonntag, 16. Januar 2022

"... handelt es sich laut FBI um einen 44-jährigen Briten"

Ein neues Hobby meinerseits. SPIEGEL-Kommentare, die nicht gebracht werden und die ich darum hierher kopiere. -- Die SPIEGEL-Meldung:

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Synagoge in Texas Biden bezeichnet Geiselnahme als Terrorakt Bei dem getöteten Geiselnehmer in einer texanischen Synagoge handelt es sich laut FBI um einen 44-jährigen Briten. US-Präsident Biden spricht von einem terroristischen Akt. 16.01.2022.

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"Auch BILD, wie der SPIEGEL, titelt sehr korrekt: "SPEZIALKRÄFTE RETTETEN VIER MENSCHEN AUS SYNAGOGE. Geiselnehmer von Texas war Brite". Und dann: "Der Mann wollte mit dem FBI über seine 'Schwester' verhandeln – eine inhaftierte Terroristin. Ihr Spitzname: 'Lady Al-Qaida'"

Wann einigen wir uns darauf, dass der Hinweis "... war Brite / Deutscher / Franzose / ..." heute einfach Kokolores ist? Es ist einem vielleicht peinlich, aber nahezu jede und jeder fragt doch anschließend: "Und wie ist sein Vorname, und wo haben seine Großeltern gelebt?" 

Und dann gibt es natürlich die hochinteressanten Zwischenräume: "Pierre Vogel ... Abū Ḥamza, geboren am 20. Juli 1978 in Frechen."

Resümieren wir: Die Welt ist ein Narrenhaus geworden, und die Wörter und Begriffe haben ihre Bedeutung verloren. "Yes, Sir! I can boogie ...!"

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Donnerstag, 13. Januar 2022

"Unwort" des Jahres


Sprachkritik. »Pushback« ist das Unwort des Jahres. Der Begriff »Pushback«, der das Zurückdrängen von Flüchtlingen an Grenzen bezeichnet, wurde von einer Jury zum »Unwort« gewählt. Mit der Aktion soll für unangemessenen Sprachgebrauch sensibilisiert werden. 12.01.2022

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Mein Kommentar, den der SPIEGEL erst mal nicht bringt:

Stellen wir die Sache mal in den -- immer mal wieder kritisierten -- Zusammenhang: In dem Medien haben sich Cliquen gebildet, die ihre Maßstäbe für "objektiv" und an den "Fakten" orientiert ansehen. Es sind aber nur die Maßstäbe der  in den Medien herrschenden Cliquen.

(Nach einigem Zögern doch gebracht! Hier.)

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Und natürlich wird auch das nicht gebracht:

Sehe ich es hier wie sonst recht, dann sind über 80 % der SPIEGEL-Leser gegen dieses Pushback- und Gender-Gedöns. Ich frage mich: Wie lange glaubt der SPIEGEL, glauben "die Medien" noch gegen ihre zahlenden Kunden anschreiben zu können?

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Do 13.01.2022 - 13:29 (nicht direkt gebracht. -- Aber dann -- *staun* -- hier steht es tatsächlich!)

2. und letzter Versuch:

Sehe ich es recht, dann sind über 80 % der SPIEGEL-Leser gegen diese Pushback- und Gender-"Diskussionen". Ich frage mich: Wie lange glaubt der SPIEGEL, glauben "die Medien", noch gegen ihre zahlenden Kunden anschreiben zu können?

Samstag, 1. Januar 2022

LESEN SIE DAS NICHT!

Was macht jemand, der im neuen Jahr, am ersten Tag, diese Zeilen liest:

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Mein Wunsch zum neuen Jahr. Keines hält sich für die Norm. Eine Kolumne von Sibylle Berg. Was wäre, wenn jedes einfach die anderen in Ruhe ließe? Dann könnten wir endlich alle glücklich sein. Ach, es wäre ein schönes Jahr 2022. 01.01.2022

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"Keines"?

Und was dann alles noch kommt! Könnte man nicht die neue Welt so einrichten, dass jeder den anderen Ruhe lässt, ihn auch nicht mit solchen Kolumnen über den Weg kommt? 

Ich muss das nicht lesen? Stimmt auch wieder. Ich bin halt darüber gestolpert, weil man den Satz LESEN SIE DAS NICHT! bekanntlich nicht befolgen kann. (Immer wieder dieses schöne Beispiel aus der Wahrnehmungspsychologie.)

Freitag, 17. Dezember 2021

SPIEGEL-Kommentarbereich: Abgeordnete, Sitzordnung


Neue Sitzordnung im Bundestag. Nach rechts verschoben. Welche Fraktion muss im Bundestag neben der AfD sitzen? Der Streit über die Sitzordnung war auch ein Kampf um Deutungshoheit: Welche Partei verkörpert die politische Mitte? Entsprechend heftig verlief die Debatte. Von Severin Weiland 16.12.2021 (spiegel.de)

Am Anfang steht das von mir, und das wurde gebracht:

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Ich: Eine Auseinandersetzung auf högschtem Nivoo hier mal wieder!

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Ei anderer Kommentator: .. ja weil das Nivoo dieser Politiker dem entspricht, ansonsten fehlt es in Bereichen, die uns Bürger interessieren!

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Das Folgende wurde nicht, jedenfalls nicht sofort gebracht. Warten wir mal ab.

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Meine These dann:

Die Bürger sind im Schnitt nicht besser als, wieder im Schnitt, ihre Politiker, und ich bin einer, der unterschreibt: Wir leben in einem freien politischen System, bei dem sich jeder als Politiker bewerben kann. Er muss sich dann halt auch, unter den gegebenen Umständen durchsetzen. Und die Umstände sind immer "die gegebenen", da kann man nichts machen.

Was das Nivoo angeht, werde ich mal konkret. Was würde wohl ein Deutschlehrer von einer Klasse halten, in der dieser Kurzdialog stattfindet? Was würde er den Teilnehmern dieser Auseinandersetzung für Noten geben? (Über die Zeichensetzung sehen wir mal großzügig hinweg.)

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Leute, seht Euch mal die Brandner-Rede an. Das ist noch solide Unterhaltung für das viele Geld, das wir für diesen aufgeblähten Bundestag bezahlen..

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Wie immer eine unverschämte und beleidigende Rede dieses rechtse.xtremen Herrn Brandner.

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... die Dinge von Brandner auf den Punkt gebracht würde ich mal sagen ... schmeckt nicht Jedem wie man sieht.

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Schmecken ? Nee, alles unappetitlich was von der AgD kommt.

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Unappetitlich sind die Dinge die der Brandner kritisiert ... für die seine Partei aber nichts kann.

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Ja klar, wahre Fans hält nichts ab.

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Ich bin kein Fan .... sondern kann mir vorurteilsfrei meine Meinung bilden und mache das nicht abhängig davon WER jetzt WAS sagt ... sondern orientiere mich an den Inhalten.

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Naja, wer will schon neben einem blauen Dixie Haus sitzen?

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Die fand ich auch super ... schön wie er die Dinge auf den Punkt bringt ... und man konnte an den Reaktionen der Politiker in den anderen Fraktionen gut sehen wer die Pöbler im Bundestag sind, da ist nämlich nicht die Partei von Herrn Brandner federführend ... :-)

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Dann ist RTL2 auch solide Unterhaltung.

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Samstag, 11. Dezember 2021

Clickbaiting, verdeckt: apotheken-zeit.de -- Ein Website-Ranking muss her!

Es gibt mittlerweile Artikel und Websites, die das Clickbaiting professionalisiert haben, indem sie sich einen seriösen Anstrich geben. Die Apotheken-Rundschau liegt in allen Apotheken aus und ist kostenlos und -- natürlich mit Werbung -- seriös. Daraus macht jemand mal flugs die Apotheken-Zeit. Klingt ja nach der seriösen ZEIT in Hamburg. So, und nun ein Beispiel:
 
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Darmexperten flehen: Menschen ab 35 an diese 3 gängigen Lebensmittel aufzugeben || von Anke Neumann || 25. November 2021 – Berlin, DE) – Unser Leben lang wird uns gesagt, wir sollten viele Obst- und Gemüsesorten, sowie kalorienarme Lebensmittel essen, um schlank und gesund zu bleiben. || Einem aktuellen Untersuchungsbericht zufolge haben viele der vermeintlich “gesunden Lebensmittel” in unserer Ernährung einen unangenehmen Nebeneffekt, der sich am Bauchumfang bemerkbar machen kann. (apotheken-zeit.de

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Wäre das ein seriöser Artikel, würden "diese 3 gängigen Lebensmittel" zunächst genannt -- warum nicht in der Überschrift oder im Lead? --, dann käme eine Begründung und dann weitere Hinweise. Nicht so hier! Über sich windende Sätze wird auf das so unglaubliche Wichtige hingewiesen, ohne dieses Wichtige zu nennen, und nach einen längeren Text dann: "Hoffentlich bleibt der Bericht lange genug kostenlos, damit noch mehr Menschen in den Genuss ihrer Erkenntnisse kommen. Klicken Sie hier, um den Bericht anzusehen"

Wenn Sie das Thema mit den 3 Lebensmitteln interessiert, versuchen Sie es mal mit dieser Suche:

darm welche lebensmittel meiden -apotheken-zeit.de

Und dann selbst ein wenig schauen!

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Ach und übrigens: Experten "flehen" nicht. Nie! Sie weisen darauf hin, berichten. Das höchste der Gefühle: Experten raten, das und das (nicht) zu tun. 

Das mit dem Flehen gehört in eine Reihe zu dem: XY sind wütend / ärgern sich / wollen unbedingt verhindern, dass / ... Es gibt da nämlich das Wundermittel WUMI, das XY das Geschäft zu verderben droht. Und natürlich auch noch: "Hoffentlich bleibt der Bericht lange genug kostenlos, ..."

Und das alles heißt im Klartext: 

"Wenn Sie die nächsten 32.000 Wörter lesen, ersatzweise sich eine halbe Stunde dieses Video reinziehen, dann erfahren Sie, aber erst am Schluss -- wo sie WUMI kaufen können."

Wieder mal der Befund: Die Sprache wird zum Sumpf gemacht. (Wohlgemerkt: Das macht nicht die Sprache aus sich heraus, das machen doofe Menschen!)

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Meine Idee und Forderung: Wir brauchen ein Website-Ranking, um solche Seiten einzustufen und über eine selbstgewählte Einstellung im Browser einen Besuch jenseits der Note 2 oder 3 zu verhindern! Das wäre doch mal was, oder? Google, MS Edge, Firefox, ...!

Sonntag, 14. November 2021

Die Keulenkeule

 

Mal wieder ein Ausschnitt aus den SPIEGEL-Kommentaren.

Aber erst einmal der Artikel.

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Nach Diskussionsrunde an Uni: Aktivisten greifen Israels Botschafterin in London an -- Propalästinensische Aktivisten haben Israels Botschafterin in London attackiert, nachdem sie an der Veranstaltung einer Universität teilgenommen hatte. Die Diplomatin wurde von ihren Leibwächtern in Sicherheit gebracht. 10.11.2021, 13.08 Uhr

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Mirrorball 
Gewalt & Drohungen aus einer Demonstration heraus, deren Ziel es ist mit Recht auf die inhumane und separatistische Außenpolitik Israels in der Region hinzuweisen, sind inakzeptabel und im Grunde genommen kontraproduktiv. Es geht doch auch anders. Am Ende steht die generalisierte Israelkritik, die mit der Antisemitismuskeule einfach wegegewischt wird; nicht gerade intelligent. Schade! Wieder eine von so vielen Möglichkeiten vertan. 

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BDLB 
Was es nicht alles für Keulen gibt! Und ich erfinde jetzt mal die Keulenkeule!

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 Dass man mit Keulen wischt, ist auch noch bemerkenswert.

Sonntag, 25. April 2021

"Zwei Negerküsse bitte!"

 Onkel Wolfgang versucht im SPIEGEL das als Kommentar zu posten:

"Mit geht das ganze Sprachgetue, einschließlich des dämlichen N-Wort-Getues unglaublich auf den Keks. Wenn jemand Negerkuss sagen will, dann sagt er eben Negerkuss. Welche Instanz mit welcher Legitimität greift da in die Sprachgewohnheiten ein? Soll es ein Gesetz über Zigeunerschnitzel und Negerkuss geben? Die spinnen doch, die Neugermanen!"

Natürlich hat er keine Chance, dass das gebracht wird. Sagt der Onkel auch selbst.


"Kunde filmt Rassismusvorfall. Aldi entschuldigt sich – und entlässt Mitarbeiter." (spiegel.de)



Dienstag, 12. Januar 2021

Die Unwörter des Jahres 2020

Aus der Wikipedia-Diskussion und da aus gegebenem Anlass: 

Rückführungspatenschaften« und »Corona-Diktatur« sind . Das hat die Jury der sprachkritischen Aktion bekannt gegeben. Die Corona-Pandemie sei dominierendes Thema der 1826 bis zum 31. Dezember eingegangenen Einsendungen mit 625 unterschiedlichen Vorschlägen gewesen, sagte eine Sprecherin. Zuvor war bereits »Corona-Pandemie« von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres gewählt worden. (spiegel.de) 

Ich habe keine Lust, mich jetzt durch endlose Zeitungskommentare durchzuarbeiten. Aber: Es muss einfach eine Einordung der Unwort-Kürung geben: Wie viele andere Ansätze geht es um Versuche, in die Sprachentwicklung einzugreifen und nach erlaubt / unerlaubt, positiv / negativ, fortschrittlich / rückschrittlich zu sortieren. Das dient nicht selten den Machern, die einfach Publicity wollen. Man konnte das sehr schön ablesen an dem "Schönsten deutsches Wort der deutschen Sprache". Da hat Jutta Limbach zum Amtsantritt beim Goethe-Institut geschickt was Öffentlichkeitswirksames kreiert. Langenscheidt bekommt mit seinem Jugendwort des Jahres immer wieder kostenlose Werbung in den Blättern. Wissenschaftlich gesehen sind derartige Unternehmungen vom Ansatz und Ergebnis her bestenfalls zum Schmunzeln. Auch die Rechtschreibreform 1996 würde ich da, bei den Eingriffen in die Sprachentwicklung, einordnen. Und die GfdS hatte jedes Jahr ihre recht große Aufmerksamkeit. Die Entwicklung ist im vorliegenden WP-Artikel schön erfasst: "Nach Konflikt mit dem Vorstand der GfdS machte sich die Jury als 'Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres' selbständig." 

Dass da versucht wird, Einfluss zu nehmen, ist ok. Es gehört zu einer freien Gesellschaft dazu, auch zur freien Meinungsäußerung. Genauso wie die Kritik an derartigen Versuchen zugelassen und dokumentiert werden sollte. Was m. E. aber nicht geht, das ist: Da irgend etwas "Sprachwissenschaftliches" zu sehen. Alle Sprachkämpfe sind normale politische Auseinandersetzungen. Die Wissenschaft kann und sollte diese Auseinandersetzungen beobachten und systematisierend dokumentieren; Partei ergreifen kann sie nach meinem Wissenschaftsverständnis nicht, wenn sie denn nicht zur Ideologie einer Gruppe oder Richtung werden bzw. in verschiedene Richtungen zerfallen will.

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Die Floskel "tatverdächtig"

Todesfahrt in Trier. Tatverdächtiger Bernd W. soll vor den Haftrichter. In Trier soll ein 51-Jähriger gezielt Menschen überfahren und mindestens fünf getötet haben. Die Stadt ist in Trauer. Nun soll der Mann, der womöglich psychisch krank ist, dem Haftrichter vorgeführt werden. 
02.12.2020, 11.36 Uhr (spiegel.de)

Eine SPIEGEL-Diskussion zu dem Bericht, die ich festhalten will: 

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Werner-Jo6gE5GZg vor 5 Stunden "Dringend tatverdächtig ist Bernd W., ein 51 Jahre alter Mann, der laut Polizei rund vier Minuten nach dem ersten Notruf festgenommen werden konnte." Ich denke, man kann die an sich gute Sache mit der Unschuldsvermutung durch solche Formulierungen auch ins Absurde ziehen. 9 2 2 favorite 

Heinz-RY-gN7tMR vor 5 Stunden Wo ist das Problem? Er wird nicht als Täter, sondern als Tatverdächtiger bezeichnet. Tatverdächtiger= Unschuldig, bis Schuld bewiesen. 17 favorite5 

Karl-Ernst -5k_i_MEWg vor 5 Stunden Man ist eben so lange dringend tatverdächtig, oder mutmaßlicher Täter, bis er vom Gericht verurteilt ist. Kann man doch in jedem Fernsehkrimi hören, " Sie sind vorläufig festgenommen wegen dringendem Tatverdacht..." 1 1 favorite 

Human_ist vor 4 Stunden Muteet seltsam an, das stimmt. Da stoppt die Polizei eine Amokfahrt mit nur einer Person im Wagen, zerrt den hinterm Lenkrad raus, fesselt ihn und spricht von Verdacht. Aber so ist es, verurteilt wird durch die Polizei nur bei Robocop. 6 favorite1 

Crom vor 4 Stunden Jugde Dreed nicht vergessen. favorite1 

Human_ist vor 4 Stunden Mannomann, den hatte ich eigentlich im Sinn, danke Crom! favorite1 

Benmartin70 vor 3 Stunden Ich wusste dass er das sagen würde..... favorite 1 

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Nicht gebracht wird bisher das: Da geht jetzt einiges durcheinander. Ich habe nicht die Polizei-Formulierungen kritisiert, sondern die Wiedergabe durch die Journalisten, die das entsprechende Hintergrundwissen ja haben. Was ich also kritisiere ist eine floskelhaftes Nachplappern des juristischen und polizeilichen Jargons, das sich dann auch noch irgendwie rational oder gar progressiv vorkommt. 

Was auch übersehen wird: "tatverdächtig" und alles Vergleichbare heißt nicht "schuldig"; zu einem Schuldspruch gehört natürlich eine Untersuchung. Nur: Wenn ich mit eigenen Augen sehe, wie einer einem anderen 20 Mal das Messer in Brust sticht, und ich sage dann, der Mann mit dem Messer in der Hand sei dieser Tat "verdächtig", dann hab ich, landläufig gesehen, einen an der Klatsche. Im vorliegenden Fall sind wir sehr nahe an dieser Beschreibung.

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Freitag, 2. Oktober 2020

Richterschelte? "haarscharf an der Grenze"

Richterschelte ist verboten. Weil "Richter unabhängig". Soweit. Aber wenn ich dann das lese, formuliere ich mal wieder: Richter sind auch nur Menschen, und als solche müssen sie sich Kritik gefallen lassen.

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Vergangenes Jahr im Juni sorgte der Fall des Mannes für Aufsehen, weil er trotz zwei Anläufen nicht in Untersuchungshaft gekommen war. Nachdem er auf einem Foto mit einer Kalaschnikow posiert hatte, fanden Ermittler im April 2019 eine Pistole mit Schalldämpfer und Munition bei ihm. Ein Haftbefehl wurde abgelehnt. 

Dann war der Mann der Polizei zufolge nach dem Versuch festgenommen worden, die Haustür eines Mehrfamilienhauses in Neuss aufzubrechen. Auch das reichte den Haftrichtern damals nicht aus. Als der „Spiegel“ den Fall publik machte, kam Bewegung in die Sache. Wenige Tage später wurde der Mann mit dem Alias-Namen Raschid K. in Mönchengladbach verhaftet - weil er gegen Meldeauflagen verstoßen hatte.

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Müssen wirklich Zeitungen erst groß berichten, bevor deutsche Richter da eine Gefahr für andere sehen und einen Haftbefehl aussprechen?

Die Maßstäbe halt! Sie müssen immer mal wieder überprüft werden. 

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Wir hatten schon damals in unserem Blog über eine Entscheidung zu der Äußerung „Leck mich am Arsch!“ berichtet. Für Diskussionen und Aufsehen erregte nun wieder kürzlich ein Beschluss des Landgerichts Berlin in einem Zivilverfahren. Danach soll die Bezeichnung als „Stück Scheisse“, „Krank im Kopf“, „altes …s Drecksschwein“, „Geisteskrank“, „kranke Frau“, „Schlampe“, „Gehirn Amputiert“, Drecks Fotze“, „Sondermüll“, „Alte perverse Dreckssau“ keine Beleidigung i.S.v. § 185 StGB sein. Wie kann das sein? 

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Ferner merkt das Gericht zu der Bezeichnung als „Drecksfotze“ an: Der Kommentar „Drecks Fotze“ bewegt sich haarscharf an der Grenze des von der Antragstellerin noch hinnehmbaren. Weil das Thema, mit dem sie vor vielen Jahren durch ihren Zwischenruf an die Öffentlichkeit gegangen ist sich ebenfalls im sexuellen Bereich befindet und die damals von ihr durch den Zwischenruf aus der Sicht der Öffentlichkeit zumindest nicht kritisierte Forderung der Entpönalisierung des gewaltfreien Geschlechtsverkehrs mit Kindern erhebliches Empörungspotential in der Gesellschaft hat, ist die Kammer jedoch der Ansicht, dass die Antragstellerin als Politikerin sich auch sehr weit überzogene Kritik gefallen lassen muss. Dass mit der Aussage allein eine Diffamierung der Antragstellerin beabsichtigt ist, ohne Sachbezug zu der im kommentierten Post wiedergegebenen Äußerung[,] ist nicht feststellbar. (drherzog.de)

Donnerstag, 16. Juli 2020

Sprachnormen im weiteren Sinne

So differenziert und kompliziert geht es bei den "Sprachnormen im weiteren Sinne" zu:

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... Am heutigen Donnerstag, wo abends in Saarbrücken die 84. Deutschen Einzelmeisterschaften eröffnet werden, ist Hans-Günter Kestler in Bamberg beigesetzt worden.

Raymund Stolze

(07.09.2013: Nachträgliche Korrekturen der Redaktion bei Kestlers Vornamen, seinem Todestag und Pflegers Urlaubsziel)

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Ich glaube, bei einem Nachruf sollte das mit den Korrekturen vielleicht besser nicht stehen. Und überhaupt: Sollte die Redaktion das mit den Korrekturen nicht stillschweigend machen und "gar niemals nie" öffentlich machen? Ich glaube, es ist der Redaktion Job, da -- stillschweigend -- zu kontrollieren und zu verbessern.

Freitag, 24. April 2020

"Welterklärungsclowns"

SPIEGEL-Kommentar zu

Coronakrise und Eurobonds. Deutschlands fatales Zerrbild von Italien. Eine Kolumne von Thomas Fricke || Das wahre Euro-Drama liegt im irrigen deutschen Klischee vom prassenden Italiener. Es hat mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun - und ist dabei, die EU zu zersetzen. 24.04.2020 (spiegel.de)

"Stattdessen schreiben deutsche Welterklärungsclowns allen Ernstes in diesen Tagen noch über die "Kreditsucht" der Italiener. Auch hier ein kleiner Faktentipp: Die privaten Schulden liegen gemessen am Bruttoinlandsprodukt in kaum einem Land der EU so niedrig wie in Italien."

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[ Für Technikprotokoll: Das hatte ich schon mal geschrieben und über SENDEN abgeschickt. Es ist aber offenbar nicht angekommen. Noch ein Versuch, Text aus dem Gedächtnis. ]

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Ich weiß einfach nicht, ob das inzwischen der Stil bei SPIEGEL-Kommentaren / -Kolumnen ist: andere mit Bezeichnungen wie "Welterklärungsclowns" zu belegen. Ich meine: Wir nehmen alle am selben Meinungsspiel teil. Sie, Thomas Fricke, alle Kommentatoren hier, auch ich. Wenn wir jetzt alle, die Dinge anders sehen als wir selbst, mit solchen Bezeichnungen belegen - wo kommen wir da hin? Man kann doch nicht im SPIEGEL immer einmal über die Auswüchse von Internet-Trollen und deren Sprache klagen und dann selbst eine solche Sprache verwenden!

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Samstag, 29. Februar 2020

Jan Fleischhauer


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Doch Bok selbst ordnet Fakten seiner Meinung unter. Das beginnt schon mit falschen Zitaten. So schreibt er über den langjährigen „Spiegel“-Redakteur Jan Fleischhauer, der gerade zum „Focus“ wechselt:

Viel gelesen und beachtet, aber eben nur konservativer Solitär in einer Redaktion, die seiner Beobachtung nach „Grün-Rot eine stabile Mehrheit [sichert]“.

Kein Wunder, dass Bok das Wort „sichert“ in eckige Klammern setzen muss, denn Fleischhauer schreibt das gar nicht – nicht mal indirekt. Sondern stattdessen:

Es gibt keine Umfrage, die das belegt, aber ich bin sicher, wenn die Redaktion die Sitzverteilung im Bundestag bestimmen dürfte, gäbe es eine stabile Mehrheit für Grün-Rot.

Fleischhauer meint also: „Spiegel“-Journalisten würden Grün-Rot wählen. Bok macht daraus: „Spiegel“-Journalisten schreiben so, dass die Wähler Grün-Rot wählen.

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Ich frage mich: Ist da wirklich ein so großer Unterschied?