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Donnerstag, 27. September 2018

Michael Köhlmeier

Gestern im Münchner Literaturhaus gesehen und gehört und erlebt: Michael Köhlmeier

(Wikipedia: "Michael Johannes Maria Köhlmeier (* 15. Oktober 1949 in Hard, Vorarlberg) ist ein österreichischer Schriftsteller. ... Michael Köhlmeier ist das zweite Kind des Journalisten Wise Köhlmeier und dessen Frau Paula Köhlmeier, geb. Könner." -- Eine geborene Könner? Ja dann! Wundert einen nichts mehr.)

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MI 26.9.18, 20 Uhr


Moderation: Marion Brasch

Wem kann man trauen? Seiner Familie? Sich selbst? Der neue Roman des Meistererzählers Michael Köhlmeier (Hanser Verlag) folgt den verschlungenen Lebensläufen der Geschwister Jetti und Robert, seiner Frau, ihrer Kinder und Freunde. Die Geschichte dieser äußerst ungewöhnlichen jüdischen Familie führt von London nach Wien und weiter nach Israel, »in das Land der Väter«, wie Robert an Jetti schreibt. Es geht um das, was jeder sein Leben lang mit sich trägt; es ist ein Buch unserer Zeit, komisch und tragisch – und brillant geschrieben.

»Im Mai noch schrieb Hanna an ihre Schwägerin eine Mail. Ungefähr so: Komm, dein Bruder wird verrückt! Zwei Tage später landete Jetti in Wien Schwechat. Inzwischen schien alles schlimmer. Robert war verschwunden. Gegen Jettis Rat gab Hanna eine Vermisstenanzeige auf. Um Druck zu machen, log sie: Seit einer Woche abgängig, Dr. Robert Lenobel, 55. Dass der Vermisste von Beruf Psychiater und Psychoanalytiker war, ließ den Beamten die Dringlichkeit einsehen.«

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Ja, der Köhlmeier ist schon ein wirklich glänzender Erzähler. Und Vorleser! Marion Brasch, sagen manche, sei etwas zu sehr von sich selbst eingenommen rübergekommen. Ich habe das nicht so empfunden.

P. S. In Sachen 'literarische Perspektive': Das Wort lügen, so wie hier eingesetzt, ist immer ein Hinweis auf auktoriales Erzählen. Woher sollte der Autor sonst wissen, was gelogen ist und was nicht? 

Montag, 25. Juni 2018

München, heute



München hat gleich zwei 
lokale Fernsehsender! 
Wow.

Freitag, 11. Mai 2018

Wenn man in Sodom lebt ...

... ist das Lästern über die Zustände in Gomorra nur noch ein schaler Witz.

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Sex im Präsiden­tenbüro Macht Unterricht mit Pornos, Affären mit Studenten, mutmaßlich Vergewaltigungen. Das Gebaren zweier Professoren der Münchner Musikhochschule sprengte viele Grenzen. Mu­sik­hoch­schu­le in Mün­chen: »So­dom und Go­mor­rha« Der 23-jäh­ri­ge Kom­po­si­ti­ons­stu­dent der Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter Mün­chen fand es nicht un­ge­wöhn­lich, dass der Un­ter­richt im Schlaf­zim­mer sei­nes Pro­fes­sors statt­fand. Er wun­der­te sich auch nicht, dass zu Be­ginn der Ein­zel­stun­de ein Por­no lief. Nichts Neu­es, er kann­te das schon. || Er er­in­ner­te sich an die Wor­te des Pro­fes­sors, man kön­ne im Ver­hal­ten der Dar­stel­ler viel über die Oper ler­nen. Un­ge­wöhn­lich war dies­mal, dass die Freun­din des Pro­fes­sors auf­tauch­te, ihr Kleid ab­streif­te, dem Stu­den­ten die Hose auf­knöpf­te und ihn oral sti­mu­lier­te. Wäh­rend­des­sen saß der Pro­fes­sor am Schreib­tisch und kom­po­nier­te eine Oper. Mit Tex­ten von Franz Kaf­ka. Er habe sich un­wohl ge­fühlt, wird der Stu­dent 14 Jah­re spä­ter der Po­li­zei sa­gen. Die Por­no­fil­me habe er als wi­der­lich emp­fun­den, aber er habe sich nicht ge­wehrt, aus Angst, der Pro­fes­sor wer­de sei­ne Zu­kunft zer­stö­ren. Er wird von ei­nem Ner­ven­zu­sam­men­bruch be­rich­ten, von Alb­träu­men, Schuld­ge­füh­len und ei­nem Se­xu­al­le­ben, das ab die­sem Vor­fall von Ag­gres­si­vi­tät ge­prägt ge­we­sen sei. Der Stu­dent hat­te Spaß, wird die da­ma­li­ge Freun­din und heu­ti­ge Frau des Pro­fes­sors sa­gen, er sei der For­dern­de ge­we­sen. Er sei bei ih­nen ein- und aus­ge­gan­gen und habe ge­wusst, welch frei­zü­gi­ges Le­ben sie führ­ten. Er habe je­der­zeit ge­hen kön­nen, er sei ein er­wach­se­ner Mann ge­we­sen. Der Pro­fes­sor, Hans-Jür­gen von Bose, wird sa­gen, sich kei­ner Schuld be­wusst zu sein. Als Char­lot­te Wei­den­fels(*) an ei­nem Tag im Sep­tem­ber 2004 von Bam­berg nach Mün­chen fuhr, woll­te sie ei­nen Job. Die al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter zwei­er Kin­der hat­te sich als As­sis­ten­tin ei­ner Re­fe­ren­tin an der Hoch­schu­le be­wor­ben. Die­se bat sie nach dem Vor­stel­lungs­ge­spräch, um 17 Uhr noch­mals zu er­schei­nen, um mit dem Prä­si­den­ten Sieg­fried Mau­ser zu spre­chen. Als sie dann durch die Hoch­schu­le lief, fand sie die Gän­ge still und ver­las­sen vor, das Se­mes­ter hat­te noch nicht be­gon­nen. Die Dop­pel­tür zum Prä­si­den­ten­zim­mer blieb ihr in Er­in­ne­rung, weil sie ge­pols­tert war, so­dass Ge­räu­sche nicht nach au­ßen dran­gen. Die Be­grü­ßung war freund­lich, ein Jahr zu­vor hat­te sie am Ran­de ei­nes Kon­zerts ein paar Wor­te mit Mau­ser ge­wech­selt. Dann küss­te der Prä­si­dent die Frau un­ver­mit­telt auf den Mund. Für ihn sei es ech­te Zu­nei­gung ge­we­sen, wird er spä­ter sa­gen, als er dem Ge­richt zu er­klä­ren ver­sucht, war­um er nicht von ihr ab­ließ, ob­wohl die Frau nach ih­ren Aus­sa­gen den Kuss nicht er­wi­der­te. Als Mau­ser anal in sie ein­drang, will er Lust­schreie ge­hört ha­ben. Die Frau sagt, es sei­en Äuße­run­gen von Schmerz und Angst ge­we­sen. Schließ­lich mach­te sich der Hoch­schul­pro­fes­sor die Hose zu: »Jetzt ist das Sofa ein­ge­weiht.« Der Sex sei ein­ver­nehm­lich ge­we­sen, wird er spä­ter sa­gen. Die Frau wol­le sich an ihm rä­chen, er sei sich kei­ner Schuld be­wusst. Über Schuld und Stra­fe der bei­den Pro­fes­so­ren ent­schei­den die Ge­rich­te. Sieg­fried Mau­ser ist vor dem Land­ge­richt Mün­chen an­ge­klagt, es ist sein zwei­ter Pro­zess. Er wur­de be­reits we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung zu ei­ner neun­mo­na­ti­gen Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt. Das Ur­teil ist nicht rechts­kräf­tig. Nun geht es um den Ver­dacht der Ver­ge­wal­ti­gung der Be­wer­be­rin und der se­xu­el­len Nö­ti­gung ei­ner Sän­ge­rin. Sieht das Ge­richt die Ta­ten als er­wie­sen an, muss der lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent ver­mut­lich ins Ge­fäng­nis. Zu­dem hat er dienst­recht­li­che Ver­fah­ren zu be­fürch­ten. Hans-Jür­gen von Bose wur­de im Juli 2016 von der Staats­an­walt­schaft Mün­chen I an­ge­klagt. Am stärks­ten wiegt der Vor­wurf, dass er zwi­schen 2006 und 2007 die Schwes­ter ei­nes sei­ner Stu­den­ten mehr­fach ver­ge­wal­tigt ha­ben soll, was er ve­he­ment be­strei­tet. Nach fast zwei Jah­ren hat das Land­ge­richt Mün­chen noch im­mer nicht ent­schie­den, ob es das Ver­fah­ren ge­gen ihn er­öff­nen wird. Die ju­ris­ti­sche Be­wer­tung ein­zel­ner Ta­ten, so sie denn statt­ge­fun­den ha­ben, ist das eine. Das an­de­re ist das Um­feld, in dem die­se Vor­wür­fe er­ho­ben wer­den und das se­xu­el­le Überg­rif­fe er­heb­lich er­leich­tert. In ei­ner Mu­sik­hoch­schu­le ist die Ab­hän­gig­keit der Stu­den­ten von ih­ren Leh­rern be­son­ders groß. Der Pro­fes­sor ent­schei­det maß­geb­lich mit, ob es mit der künst­le­ri­schen Kar­rie­re et­was wird oder nicht. Man be­sucht ge­mein­sam Kon­zer­te, un­ter­nimmt Rei­sen. Im Un­ter­richt kom­men Stu­dent und Pro­fes­sor ein­an­der oft sehr nahe, beim ge­mein­sa­men Üben am In­stru­ment, beim Trai­nie­ren der rich­ti­gen Kör­per­hal­tung und At­mung. Sich da­bei an­zu­fas­sen ist nor­mal. Der Schritt, die Nähe und die Ab­hän­gig­keit zu miss­brau­chen, ist nicht groß. Noch dazu, da der Un­ter­richt oft in klei­nem Kreis statt­fin­det: nur Leh­rer und Schü­ler, meist bei ge­schlos­se­ner Tür. Eine At­mo­sphä­re, die in Mün­chen zu ei­nem Zu­stand führ­te, den ein Ver­tei­di­ger im ers­ten Mau­ser-Pro­zess als »So­dom und Go­mor­rha« be­schrieb. Der Professor habe den Studenten aufgefordert, »das wilde Tier« in sich herauszulassen. Eine in­ter­ne Er­he­bung, die dem SPIEGEL vor­liegt, er­fasst die Aus­sa­gen von rund 800 Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen. 115 ha­ben wäh­rend ih­rer Zeit an der Münch­ner Mu­sik­hoch­schu­le »an­züg­li­che Be­mer­kun­gen« ge­hört, 56 »an­züg­li­che Ges­ten« wahr­ge­nom­men, 34 mel­de­ten, »an­ge­grapscht oder ab­sicht­lich be­rührt« wor­den zu sein. 9 Be­frag­te be­rich­te­ten, ih­nen sei­en Ge­ni­ta­li­en ge­zeigt wor­den. 8 sag­ten aus, zu se­xu­el­len Hand­lun­gen ge­zwun­gen wor­den zu sein. 7 wur­den dem­nach von ih­rem Ge­gen­über Nach­tei­le an­ge­droht, weil sie ei­nen An­nä­he­rungs­ver­such ab­ge­lehnt hat­ten. Auch eine Ver­ge­wal­ti­gung wur­de ge­mel­det. Die Hoch­schu­le hat die Er­geb­nis­se der Um­fra­ge bis­lang nicht ver­öf­fent­licht. Ein Ge­spräch mit dem SPIEGEL zu den Vor­fäl­len lehn­te das Prä­si­di­um ab. Auch schrift­li­che Fra­gen – etwa, wie die #Me­Too­De­bat­te in­ner­halb der Hoch­schul­lei­tung ge­führt wer­de – be­ant­wor­te­te sie nicht. Ei­ni­ge der Fra­gen hät­ten un­wah­re Be­haup­tun­gen ent­hal­ten, hieß es zur Be­grün­dung. Doch nicht alle Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen sind so ver­schlos­sen. »Es kann nicht sein, dass un­se­re Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten mit ih­rem Pro­fes­sor schla­fen müs­sen, um Er­folg in ih­rem Be­ruf zu ha­ben«, sagt der Pia­nist Mo­ritz Eg­gert, 52. Er lehrt Kom­po­si­ti­on an der Hoch­schu­le und be­gann vor Jah­ren, die Vor­wür­fe ge­gen sei­ne Kol­le­gen zu the­ma­ti­sie­ren. Als Zeu­ge vor Ge­richt sag­te er ge­gen sei­nen ehe­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten aus und mach­te sich da­mit vie­le Fein­de. Ei­ner die­ser Fein­de sitzt in ei­nem Rei­hen­haus in Zorne­ding, gut 20 Ki­lo­me­ter von der Münch­ner Stadt­mit­te ent­fernt, zieht an ei­ner fil­ter­lo­sen Zi­ga­ret­te und re­det of­fen über all die Vor­wür­fe ge­gen ihn. Hans-Jür­gen von Bose war ein Shoo­ting­star in der Kom­po­nis­ten­sze­ne. Sei­ne Oper »Schlacht­hof 5«, 1996 am Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter ur­auf­ge­führt, po­la­ri­sier­te, die mu­si­ka­li­sche In­sze­nie­rung wur­de ge­fei­ert. »Das könn­te sie sein: die Oper der Zu­kunft«, schrieb der Re­zen­sent des SPIEGEL. Dann, sagt Bose, hät­ten die Kri­ti­ker da­mit be­gon­nen, ihn zu ver­nich­ten. Er sei mit sei­ner kon­ser­va­ti­ven Hal­tung an­ge­eckt. Er sei ge­mobbt wor­den und er­krankt. Der da­ma­li­ge Prä­si­dent, Sieg­fried Mau­ser, er­laub­te dem Do­zen­ten aus­nahms­wei­se, ein­zel­ne Stu­den­ten zu Hau­se zu un­ter­rich­ten. Im­mer wie­der muss­te Bose den Un­ter­richt ab­sa­gen und war für man­che Stu­den­ten lan­ge nicht er­reich­bar. Bei der Hoch­schul­lei­tung gin­gen Be­schwer­den ein. Im De­zem­ber 2007 wur­de der Kom­po­nist als dienst­un­fä­hig in den Ru­he­stand ver­setzt, vier Jah­re spä­ter be­an­trag­te er die Wie­der­ein­stel­lung. Sie wur­de ihm zum Ok­to­ber 2012 ge­neh­migt, nach­dem er ein amts­ärzt­li­ches At­test be­kom­men hat­te. Da die Po­li­zei nun ge­gen ihn er­mit­telt, ist er vom Dienst vor­läu­fig frei­ge­stellt. Er be­zieht Ge­halt, freie Auf­trä­ge be­kom­me er aber nicht mehr. Er be­klagt eine »mas­si­ve Zer­stö­rung« sei­nes Na­mens. Als er 2008 ein Kla­vier­kon­zert sei­nes Freun­des Sieg­fried Mau­ser be­such­te, hat­te je­mand eine To­des­an­zei­ge mit sei­nem Na­men im Pro­gramm­heft plat­ziert. Bose macht Men­schen wie Mo­ritz Eg­gert für sei­ne Kri­se ver­ant­wort­lich. Sie hät­ten es auf sei­ne Stel­le ab­ge­se­hen. Sie wür­den sei­ne Art des Um­gangs mit an­de­ren nicht ak­zep­tie­ren, sei­nen kleist­schen Le­bens­stil, wie er ihn nennt. In die­sem Le­bens­stil ver­mi­schen sich Leh­re und Pri­va­tes, Gren­zen gibt es in die­sem Kon­zept kei­ne mehr, auch kei­ne Dis­tanz. Für ihn sei Kom­po­nie­ren eine pri­va­te und in­ti­me An­ge­le­gen­heit, des­halb habe er auch mit sei­nen Stu­den­ten über Pri­va­tes und In­ti­mes ge­spro­chen. Wer ihm zu »starr und vier­eckig« vor­kam, dem brach­te er die Kul­tur­ge­schich­te des Por­nos nahe, weil er dar­in Par­al­le­len zur Mu­sik­ge­schich­te sah. Er war als Leh­rer mit die­ser ta­bu­lo­sen Of­fen­heit und sei­ner Streit­lust auch be­liebt. 21 Stu­den­ten pro­tes­tier­ten im März 2015 mit ei­ner Pe­ti­ti­on da­ge­gen, dass er nicht wie­der die Ge­neh­mi­gung er­hielt, zu Hau­se zu un­ter­rich­ten. An­ge­klag­ter Mau­ser Kei­ner Schuld be­wusst Bose sagt, er sei stän­dig auf der Su­che nach ei­nem Kick, beim Au­to­fah­ren und auch im Bett. Er be­rich­tet von ei­nem se­xu­el­len Er­leb­nis mit ei­nem 20-Jäh­ri­gen, den er aus ei­ner Mu­sik­aka­de­mie kann­te. Der jun­ge Mu­si­ker wur­de sein Stu­dent. Es müs­se 1988 oder 1989 ge­we­sen sein, als der jun­ge Mann nach ei­nem Kon­zert in Mün­chen bei ihm über­nach­tet habe. Es kam zu ei­ner ana­len Pe­ne­tra­ti­on, wie es in den Be­rich­ten der Po­li­zei spä­ter heißt. Bose sagt, er habe das »psy­chisch wie phy­sisch ex­trem vor­sich­tig voll­zo­gen«. Er habe das Ge­fühl ge­habt, für den Stu­den­ten sei es wich­tig ge­we­sen, die­se Er­fah­rung zu ma­chen. Es blieb bei ei­nem Mal. Der da­ma­li­ge Stu­dent sagt, auch wenn kei­ne Ge­walt im Spiel ge­we­sen sei, sehe er den Akt heu­te als eine Art Miss­brauch an. »Herr von Bose hat mei­ne da­ma­li­ge Si­tua­ti­on wohl für sei­ne Zwe­cke aus­ge­nutzt.« Bis heu­te fühlt Bose sich un­schul­dig. Der Staat aber schick­te ein Son­der­ein­satz­kom­man­do zu ihm. Es ging um die mut­maß­li­chen Ver­ge­wal­ti­gun­gen der Schwes­ter sei­nes Stu­den­ten. 28. April 2015, 6.40 Uhr mor­gens: Im Flut­licht bra­chen schwer be­waff­ne­te Män­ner die Tür zum Gar­ten auf. Eine da­mals 23-jäh­ri­ge Stu­den­tin wohn­te im Haus des Pro­fes­sors, in ei­nem Zim­mer im Kel­ler. Die Po­li­zis­ten hät­ten sie hart ge­gen ein Kla­vier, dann auf den Bo­den ge­drückt, er­zählt Ir­va­na Po­powa(*). Ta­ge­lang habe sie die Hä­ma­to­me ge­spürt. Der zweit­jüngs­te Sohn des Pro­fes­sors sagt, er habe ein Trau­ma er­lit­ten und sei nach dem Ein­satz ein Jahr lang nicht zur Schu­le ge­gan­gen. Als die Po­li­zis­ten das Haus durch­such­ten, fan­den sie il­le­ga­le Sub­stan­zen. »Müll­tü­ten­wei­se« hät­ten sie Me­di­ka­men­te und Dro­gen aus dem Haus ge­tra­gen, wird der er­mit­teln­de Staats­an­walt spä­ter sa­gen. Dar­un­ter wa­ren 5,1 Gramm ei­nes Ko­ka­in­ge­mischs. Hans-Jür­gen von Bose sagt, die Rausch­mit­tel hät­ten ihm beim Kom­po­nie­ren ge­hol­fen. Und, of­fen wie er sei, habe er sei­nen Stu­den­ten von die­sen Dro­gen­er­fah­run­gen er­zählt. Er ver­weist auf gro­ße Schrift­stel­ler, Gott­fried Benn, Al­dous Hux­ley, die nur un­ter Dro­gen Ge­nia­les voll­bracht hät­ten. Auch Me­di­ka­men­te habe er in gro­ßen Men­gen kon­su­miert, um die Schmer­zen nach ei­nem vier­fa­chen Band­schei­ben­vor­fall zu lin­dern. 400 Trop­fen des Schmerz­mit­tels Va­lo­ron habe er am Tag ge­schluckt, emp­foh­len sind höchs­tens 240. Als sich die jun­ge Rus­sin Ir­va­na Po­powa an der Mu­sik­hoch­schu­le vor­ge­stellt hat­te, hat­te sie auf die Pro­fes­so­ren keck, aber auch zer­brech­lich ge­wirkt. Das könn­te er­klä­ren, war­um sie nicht der Klas­se von Hans-Jür­gen von Bose zu­ge­teilt wur­de. Die Frau­en­be­auf­trag­te kann­te Ge­rüch­te, dass man auf­pas­sen sol­le. Wenn das der Ver­such war, die jun­ge Frau und den Pro­fes­sor von­ein­an­der fern­zu­hal­ten, muss er als ge­schei­tert be­zeich­net wer­den. Im Hoch­schul­wohn­heim ver­such­te sie, An­schluss zu fin­den, der Kum­mer über den Tod ih­rer Schwes­ter nag­te schwer. Das Geld fehl­te, um zum Be­gräb­nis zu rei­sen. Die Zeit dräng­te, um ei­nen Kom­po­si­ti­ons­auf­trag ab­zu­schlie­ßen. Sie ver­trau­te sich Pro­fes­sor Bose an. Er war fas­zi­niert von ihr und lud sie nach Hau­se ein. Der Pro­zess von der ers­ten Über­nach­tung, weil die letz­te S-Bahn weg war, bis zu ers­ten flüch­ti­gen Be­rüh­run­gen war flie­ßend. Im De­zem­ber 2013 wur­den der Pro­fes­sor und sei­ne Stu­den­tin ein Paar, Jah­re spä­ter so­gar El­tern ei­nes Sohns. Die zwei leb­ten ge­mein­sam mit Bo­ses Ehe­frau und den Kin­dern zu­sam­men. Ir­ri­tie­rend ist ein Stun­den­plan, den die Po­li­zei bei der Haus­durch­su­chung fand: Die Stu­den­tin hat­te no­tiert, wie oft und wann sie etwa mit ih­rem Pro­fes­sor in der Wo­che Sex ha­ben soll­te und wann an­de­re Se­xu­al­part­ner da­zu­kom­men wür­den. Da­ne­ben wa­ren die Stun­den für die Haus­ar­beit no­tiert und die für das Kom­po­nie­ren. Pro­fes­sor Bose »Von mei­nen Kri­ti­kern ver­nich­tet« Do­zen­ten der Hoch­schu­le mach­ten sich Sor­gen, dass der Pro­fes­sor sei­ne Stu­den­tin ge­fü­gig ge­macht ha­ben könn­te. Ihre Kom­mi­li­to­nen wol­len be­merkt ha­ben, wie Po­powa dün­ner und blass wur­de. Die Uni­ver­si­tät be­such­te sie im­mer sel­te­ner. Im In­ter­net fan­den sich An­zei­gen: Sex für 200 Euro die Stun­de. Das Geld spar­te sie und un­ter­stütz­te da­mit ihre Fa­mi­lie. Ir­va­na Po­powa re­det un­gern dar­über. Sie sagt, dass sie nicht mehr kom­po­nie­re, und be­grün­det es mit der an­ge­spann­ten Si­tua­ti­on nach dem Po­li­zei­ein­satz und dem Klei­nen, der ihre Auf­merk­sam­keit for­de­re. Im ver­gan­ge­nen No­vem­ber al­ler­dings hielt sie es nicht mehr aus. Sie buch­te für den fol­gen­den Tag ein Ti­cket ohne Rück­flug nach Sankt Pe­ters­burg zu ih­ren El­tern, den Klei­nen nahm sie mit. Erst sechs Wo­chen spä­ter kehr­te Po­powa zu­rück. Sie sagt, sie kön­ne es sich nicht er­klä­ren, war­um sie ab­ge­hau­en sei. »Ein Kurz­schluss.« Das al­les ist nicht an­ge­klagt, das al­les ist er­laubt. Aber es ist be­deut­sam, um das Um­feld zu ver­ste­hen, in dem eine an­de­re Frau schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe ge­gen den Hoch­schul­pro­fes­sor er­hebt, eine 34-jäh­ri­ge Aka­de­mi­ke­rin. Sie sagt laut An­kla­ge­schrift, Hans-Jür­gen von Bose habe sie wäh­rend ih­rer mehr­mo­na­ti­gen Be­zie­hung drei­mal ver­ge­wal­tigt. Er habe sei­ne Po­si­ti­on als Pro­fes­sor aus­ge­nutzt, um sie un­ter Druck zu set­zen. Ley­la Ab­as­si(*) lern­te den Pro­fes­sor über ih­ren Bru­der ken­nen, der bei ihm stu­dier­te. Sie war 22 Jah­re alt, er 53. Sie war be­ein­druckt von sei­ner »Un­bor­niert­heit und Le­ben­dig­keit«, er von ih­rer »ori­en­ta­li­schen Schön­heit«. Mit sei­nen Mo­no­lo­gen zog er sie in sei­nen Bann. Ging es an­fangs noch um The­men der Kunst und Mu­sik, sprach der Pro­fes­sor ir­gend­wann von sei­nen se­xu­el­len Be­dürf­nis­sen. Sie über­nach­te­te in sei­ner Woh­nung, sie ka­men sich auch se­xu­ell nä­her. Im Nach­hin­ein kann man schwer sa­gen, wer den Im­puls zu se­xu­el­len Ex­pe­ri­men­ten gab. Die bei­den be­such­ten nun re­gel­mä­ßig Swin­ger­klubs, manch­mal ka­men an­de­re Män­ner nach Hau­se. Es war sein Wunsch, ihr beim Sex mit ih­nen zu­zu­se­hen. Bose habe sich ir­gend­wann nicht mehr an­ge­strengt, sei­ne Ag­gres­sio­nen und Per­ver­sio­nen zu kon­trol­lie­ren, sag­te Ab­as­si der er­mit­teln­den Be­am­tin. Bose sagt, sei­ne Ge­lieb­te habe sicht­lich Ver­gnü­gen beim Sex mit an­de­ren Män­nern ge­habt. Hin­ter­her habe sie das nicht ein­ge­stan­den, »da war ich rich­tig böse«. Da sei mal ein Aschen­be­cher ge­flo­gen, da habe er viel­leicht den Satz ge­sagt, den Ley­la Ab­as­si in ih­rer Ver­neh­mung zi­tier­te: Er brau­che nur hin­zu­lan­gen, dann kle­be ihr Ge­hirn schon an der Wand. Er sei ein Cho­le­ri­ker, ernst mei­ne er das nicht. In nüch­ter­nen Wor­ten be­schreibt Ab­as­si acht Jah­re spä­ter der Po­li­zei, wie Bose drei­mal in sie ein­ge­drun­gen sei, ohne dass sie es ge­wollt habe. Manch­mal sei sie apa­thisch ge­we­sen, de­hy­driert und aus­ge­hun­gert. Sie habe ge­weint, etwa wenn sie von der Flucht aus ih­rer Hei­mat im Na­hen Os­ten er­zähl­te. Die­se Mo­men­te to­ta­ler Er­schöp­fung habe Bose aus­ge­nutzt. An die Wein­krämp­fe kön­ne er sich zwar er­in­nern, sagt Bose. Aus ei­ner trös­ten­den Um­ar­mung sei dann aber ein­ver­nehm­li­cher Sex ge­wor­den. Ley­la habe je­der­zeit ge­hen kön­nen, eine Flucht­tür zur Feu­er­trep­pe sei gleich ne­ben dem Schlaf­zim­mer ge­we­sen. »Die Vor­wür­fe sind ab­surd.« Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen sieht sich nach in­ten­si­ven Er­mitt­lun­gen in ih­rer Ein­schät­zung be­stä­tigt: Sie wirft Hans-Jür­gen von Bose vor, er habe ge­zielt ein Kli­ma der Ge­walt und der Aus­weg­lo­sig­keit für die Be­trof­fe­ne ge­schaf­fen. Die­se habe um ihr Le­ben ge­fürch­tet, weil er ne­ben sei­nem Bett eine Waf­fe auf­be­wahr­te. Im Haus fand die Po­li­zei eine Schreck­schuss­pis­to­le. Kom­po­nist Eg­gert Ge­gen den Vor­ge­setz­ten aus­ge­sagt Wich­ti­ger aber ist ein an­de­res Druck­mit­tel, das die Staats­an­wäl­te an­füh­ren: Bose habe sei­ne Macht als Pro­fes­sor des Bru­ders an der Mu­sik­hoch­schu­le und als ein­fluss­rei­che Per­sön­lich­keit in der Mu­sik­sze­ne ge­zielt aus­ge­nutzt, um sei­ne Be­dürf­nis­se zu be­frie­di­gen. Er habe der Ge­schä­dig­ten an­ge­droht, er kön­ne ih­ren Bru­der rui­nie­ren. Bose sagt, es sei eine »glat­te und ex­trem bös­ar­ti­ge Lüge«. Eine re­nom­mier­te Psy­cho­lo­gin, die im Auf­trag des Land­ge­richts ein aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten er­stellt hat, hält ge­ne­rell eine ab­sicht­li­che Falsch­be­zich­ti­gung der Frau für un­wahr­schein­lich. Al­ler­dings könn­ten sich de­ren Schil­de­run­gen in der Er­in­ne­rung teil­wei­se ver­zerrt ha­ben. Auch auf Grund­la­ge des Gut­ach­tens prüft das Land­ge­richt Mün­chen, ob es die An­kla­ge ge­gen Hans-Jür­gen von Bose zu­lässt. Drei Jah­re sind seit der Haus­durch­su­chung ver­gan­gen, ohne dass das Ge­richt ent­schie­den hät­te, was die Si­tua­ti­on für bei­de Sei­ten un­er­träg­lich macht: für die be­trof­fe­ne Frau, die auf Ge­rech­tig­keit hofft. Für den Be­schul­dig­ten, der sei­ne Un­schuld be­wei­sen will. Auch Sieg­fried Mau­ser tut sich schwer, Schuld bei sich zu fin­den. Er habe es ver­sucht, sagt der Ex-Prä­si­dent, als er sich An­fang Mai in ei­nem sel­te­nen Mo­ment bei ei­ner Ver­an­stal­tung bli­cken lässt, bei der Ver­lei­hung des Ernst von Sie­mens Mu­sik­prei­ses im Münch­ner Prinz­re­gen­ten­thea­ter. »Mir ist es bis­lang nicht ge­lun­gen.« Mau­ser ist ein an­ge­se­he­ner Kon­zert­pia­nist, Kam­mer­mu­si­ker und Lied­be­glei­ter. Als Mu­sik­wis­sen­schaft­ler und Prä­si­dent ei­ner der bes­ten Mu­sik­hoch­schu­len Deutsch­lands ge­noss er bald ei­nen Ruf, der über Bay­ern hin­aus­ging. Für die Staats­an­wäl­te aber ist er ein Mann, der eine un­be­kann­te Frau wie ne­ben­bei ver­ge­wal­tig­te. Ge­rüch­te über den ba­ro­cken Frau­en­hel­den gab es schon lan­ge, am 13. Mai 2016 kam es erst­mals zu ei­ner Ver­ur­tei­lung. Im April 2009 soll der Pro­fes­sor eine Kol­le­gin ge­gen ih­ren Wil­len ge­küsst und se­xu­ell ge­nö­tigt ha­ben. Ein Schöf­fen­ge­richt ver­ur­teil­te ihn zu 15 Mo­na­ten Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung und Zah­lung von 25 000 Euro, in der Be­ru­fung wur­de die Stra­fe auf neun Mo­na­te re­du­ziert. Über die Re­vi­si­on muss noch ent­schie­den wer­den. Von ei­nem an­de­ren Vor­wurf sprach ihn das Ge­richt frei: 2012 hat­te Mau­ser ei­ner re­nom­mier­ten Kon­zert­gi­tar­ris­tin meh­re­re Zun­gen­küs­se auf­ge­nö­tigt und sie in den Dienst­räu­men wäh­rend ei­ner Pro­be an den Ge­ni­ta­li­en be­rührt. Die Frau habe sich nicht er­kenn­bar ge­gen ihn zur Wehr ge­setzt, stell­te das Ge­richt fest. Ein Ar­gu­ment, das Mau­sers An­wäl­te im lau­fen­den Ver­fah­ren an­brin­gen: Die Frau, die sagt, sie sei im Prä­si­den­ten­zim­mer ver­ge­wal­tigt wor­den, habe spä­ter mit Mau­ser ein­mal ein­ver­nehm­lich Sex ge­habt. Die drei Ver­tei­di­ger glau­ben, dar­in ei­nen Wi­der­spruch ent­deckt zu ha­ben. Für den Ham­bur­ger Se­xu­al­wis­sen­schaft­ler Peer Bri­ken ist es al­ler­dings nicht un­ge­wöhn­lich, dass sich die Vor­stel­lun­gen über das, was je­mand als ein­ver­nehm­lich er­lebt, auch kurz­fris­tig än­dern kön­nen. »Man kann bei aus­ge­präg­ter ei­ge­ner se­xu­el­ler Er­re­gung, Ver­liebt­heit, Sti­mu­liert­heit den Schmerz beim Anal­ver­kehr ge­nie­ßen und un­ter den Um­stän­den des ge­walt­tä­ti­gen Aus­nut­zens von Macht und Ab­hän­gig­keit das ein­deu­tig als er­zwun­ge­ne Er­nied­ri­gung er­ken­nen«, sagt Bri­ken. Bei strit­ti­gen Er­fah­run­gen und Tat­sa­chen zwi­schen zwei Men­schen müs­se die­se nor­ma­ti­ve Ent­schei­dung ein Rich­ter tref­fen. Kon­zert­saal in der Hoch­schu­le: Gro­ße Ab­hän­gig­keit vom Do­zen­ten Die An­wäl­tin Ant­je Bran­des, die be­trof­fe­ne Frau­en ver­tritt, sagt: »Wir wis­sen in­zwi­schen von vie­len Frau­en, de­rer der An­ge­klag­te sich ein­fach be­dient hat, er hat sei­ne Macht­stel­lung ri­go­ros aus­ge­nutzt.« Auch die Rek­to­ren­kon­fe­renz der Mu­sik­hoch­schu­len hat sich mit den Vor­gän­gen be­fasst. »Die Zei­ten von Don Gio­van­ni und Fi­ga­ro sind Ver­gan­gen­heit«, sagt die Vor­sit­zen­de Su­san­ne Rode-Brey­mann. Sie be­grü­ße es, dass sich wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­tio­nen zum The­ma der se­xu­el­len Überg­rif­fe klar po­si­tio­nier­ten und Maß­nah­men so­wie Stan­dards ent­wi­ckel­ten. In der Rek­to­ren­kon­fe­renz habe man schon vor zwei Jah­ren da­mit an­ge­fan­gen. »Al­ler­dings ob­liegt die Um­set­zung den ein­zel­nen Hoch­schu­len.« An der Münch­ner Hoch­schu­le wan­deln sich die Struk­tu­ren nur lang­sam. Zu sta­bil wa­ren sie, so­dass macht- und selbst­be­wuss­te Prot­ago­nis­ten wie Mau­ser und Bose über Jah­re un­ge­hin­dert agie­ren konn­ten. Bei­de Pro­fes­so­ren wa­ren be­freun­det und hal­fen ein­an­der. Sie tran­ken Bier zu­sam­men und schwärm­ten zeit­wei­lig für die­sel­be Frau. Es führ­te dazu, dass Sieg­fried Mau­ser sich am 8. Mai 2007 von der Auf­sichts­pflicht als Rek­tor dis­tan­zie­ren woll­te – aus per­sön­li­cher Be­fan­gen­heit. In die­sem Um­feld kam es vor, dass Do­zen­ten mit ih­ren Stu­den­tin­nen Af­fä­ren ein­gin­gen und Kin­der mit ih­nen zeug­ten. Es war auch kei­ne Sel­ten­heit, dass of­fen se­xu­el­le For­de­run­gen ge­stellt wur­den, wie meh­re­re Zeu­gen vor Ge­richt aus­sag­ten. Man­cher Do­zent tarn­te sei­ne se­xu­el­le Gier of­fen­bar als Übung für die Büh­ne. Eine Stu­den­tin er­in­nert sich an eine Ver­ge­wal­ti­gungs­sze­ne, die ein Pro­fes­sor wie­der und wie­der ein­stu­die­ren ließ. »Ich stand an der Säu­le, und mein männ­li­cher Kom­mi­li­to­ne soll­te mich ›na­geln‹, so nann­te es der Do­zent«, er­zählt sie. »Nach Mei­nung des Pro­fes­sors hat sein Be­cken aber nicht au­then­tisch ge­nug ge­gen meins ge­knallt. Also stell­te sich der Pro­fes­sor hin­ter den jun­gen Mann und zeig­te, wie man es rich­tig macht.« Die Stu­den­tin möch­te ih­ren Na­men nicht ver­öf­fent­licht se­hen. Die Angst, of­fen zu spre­chen, ist bei vie­len noch im­mer groß. Die Hoch­schul­lei­tung be­teu­ert in in­ter­nen Run­den, sie tue al­les, um die At­mo­sphä­re zu ver­bes­sern. Sie ver­weist auf ei­nen Fly­er, den je­der Stu­dent in die Hand ge­drückt be­kommt, mit dem Mot­to »Nein heißt Nein«. Als die ehe­ma­li­ge Frau­en­be­auf­trag­te vor Ge­richt zu die­sem Fly­er be­fragt wur­de, sag­te sie: »Da gab es ei­nen, ja. Mehr weiß ich nicht.« Die Rich­te­rin hak­te nach: »Aber Sie müs­sen es doch wis­sen! Sie wa­ren die Frau­en­be­auf­trag­te!« Die Ge­fahr sol­cher Struk­tu­ren war der Hoch­schul­lei­tung schon lan­ge be­kannt, spä­tes­tens seit 1995. Der 16-jäh­ri­ge Jung­stu­dent Hein­rich Et­ten­ho­fer(*) be­rich­te­te da­mals, Pro­fes­sor Bose habe ihm se­xu­el­le Avan­cen ge­macht. Sei­ne El­tern hät­ten sich wahr­schein­lich ge­wun­dert, wenn sie ge­wusst hät­ten, dass der Pro­fes­sor den ta­len­tier­ten Jun­gen gleich bei der ers­ten Be­geg­nung zum Eis­es­sen aus­führ­te und spä­ter an­bot, er kön­ne nach ei­nem Kon­zert bei ihm über­nach­ten. Zu­nächst ver­trau­te sich der Jung­stu­dent sei­nem Leh­rer am In­ter­nats­gym­na­si­um an. Er er­zähl­te ihm auch, dass der Pro­fes­sor ihn auf­ge­for­dert habe, »das wil­de Tier« in sich her­aus­zu­las­sen. Der Gym­na­si­al­leh­rer un­ter­nahm nichts, erst Et­ten­ho­fers Kla­vier­leh­re­rin sah Hand­lungs­be­darf. Sie kann sich noch heu­te an al­les er­in­nern. Sie rief den Pro­fes­sor an und ver­wi­ckel­te ihn in ein Ge­spräch, das sie mit ei­nem al­ten An­ruf­be­ant­wor­ter mit­schnitt. Aus­ge­stat­tet mit die­sem Ma­te­ri­al, be­schwer­te sie sich bei der Mu­sik­hoch­schu­le: Bose habe sei­ne Stel­lung als Lehr­per­son sträf­lich aus­ge­nutzt. Er habe den Schü­ler be­drängt zu­zu­ge­ben, schwul zu sein. In der Hoch­schu­le lös­te der Mit­schnitt Un­ru­he aus. Der Kanz­ler in­for­mier­te das baye­ri­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um, ein Re­gie­rungs­di­rek­tor bat dar­um, die Er­mitt­lun­gen dis­kret ab­lau­fen zu las­sen, der Mi­nis­ter wur­de ein­ge­weiht. Schließ­lich er­fuhr auch der Va­ter des Jun­gen von den Vor­wür­fen. Er ging zur nächs­ten Po­li­zei und woll­te An­zei­ge er­stat­ten. Die Po­li­zis­ten rie­ten ihm ab: Es sei ja nichts Hand­fes­tes vor­ge­fal­len. Ohne El­tern und An­walt wur­de der Jung­stu­dent in die Hoch­schu­le ge­la­den und zwei Stun­den lang be­fragt, spä­ter folg­te eine An­hö­rung im Mi­nis­te­ri­um. Er woll­te un­be­dingt Kom­po­si­ti­on stu­die­ren und war dank­bar, dass die Hoch­schu­le ihm we­nig spä­ter ge­stat­te­te, den Leh­rer zu wech­seln. Im Ge­gen­zug un­ter­schrieb er ein Pro­to­koll, das nach sei­ner heu­ti­gen Ein­schät­zung mehr als be­schwich­ti­gend war. Hans-Jür­gen von Bose sagt, die In­itia­ti­ve sei von dem Jun­gen aus­ge­gan­gen, der ihn bei der Auf­nah­me­prü­fung stän­dig an­ge­starrt habe. Er habe sich mit ihm ge­trof­fen, Eis ge­ges­sen und ihn ein paar­mal un­ter­rich­tet, da­nach habe es kein Tref­fen ge­ge­ben. Er sei dann ins Mi­nis­te­ri­um zi­tiert wor­den, weil sich der Jun­ge be­schwert habe. Dort habe man ihn vor »ei­nem Skan­dal« ge­warnt, das Mi­nis­te­ri­um hat­te sei­ne Oper »Schlacht­hof 5« nach Bo­ses An­ga­ben mit 100 000 Mark fi­nan­ziert. Kur­ze Zeit spä­ter habe er den Jun­gen auf der Stra­ße ge­trof­fen und in sei­ne Woh­nung ge­be­ten. Erst da habe er ihn da­mit kon­fron­tiert, dass er wohl mit sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät nicht zu­recht­kom­me. Das wis­se er, weil es ihm in sei­ner Ju­gend ge­nau­so ge­gan­gen sei. Der Stu­dent hat noch den Ab­schluss ge­macht, aber da­nach auf­ge­hört zu kom­po­nie­ren. Er sagt, dass er mit die­sen Men­schen nichts mehr zu tun ha­ben wol­le. * Na­men ge­än­dert. Martin Knobbe, Jan-Philipp Möller

Montag, 19. Oktober 2015

Presseclub 2: Münchener Konzertsaal

Die Süddeutsche übertitel ihre Titelseite mit:

"Münchener Hoffnung: ein Konzertsaal im Glasscherbenviertel"

Gerhard Matzig berichtet. -- Wo immer das Glasscherbenviertel liegen mag. Ach Gott, einfach mal nachgeschaut, was gemeint ist. Man muss dann ein bisschen herumlesen. "Im Werksviertel"? Wo soll das denn sein? Noch einmal nachgeschaut. Es ist gar nicht schwer. Fund:

"Hinter dem Ostbahnhof, zwischen Frieden-, Mühldorf-, Ampfing-, Anzinger, Aschheimer und Rosenheimer Straße, soll auf 38 Hektar ein urbanes Stadtquartier entstehen. Wo einst Traditionsunternehmen wie Pfanni, Zündapp, Konen und Optimol ihre Produktionsstätten hatten und heute viele Nachtschwärmer unterwegs sind, werden einmal etwa 2.650 Menschen leben und 12.000 arbeiten." (muenchen.de)

Ob das ein schöner Standort für den Konzertsaal ist? Da will ich doch einen anderen ins Spiel bringen, ein paar Meter weiter draußen. Den Platz neben Infineon, Neubiberg. S-Bahn-Haltestelle: Fasanenpark. Bereits vorhanden. Und mit einem Aggreement von Infineon könnte man die dortigen Parkplätzt mit nutzen, die ja des Abends nicht so sehr gebraucht werden. Ein bisschen ausbauen müsste man sie vielleicht. Warum keine Tiefgarage darunter? Und die Form sehe ich auch schon vor mir. Eine absolut reine Form: eine Kugel! Aufsteigende Publikumsplätze, und unten das Orchester bzw. die rundum einsehbare Bühne. Was für ein Klang würde das sein! Und nebebei die perfekte Form für ein Planetarium! Mit dem Orchesterklang kombinierbar. Eröffnungssymphonie: 'Galaxies', von LT.

 
[ Zum Vergrößern der Zeichnungen 
wie immer: Draufklicken! ]

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Jetzt überlege ich, ob ich diesen Vorschlag übermittel kann. Nach all dem, was Mr. Alfred Valrie geschehen ist, nur weil er einen gutgemeinten Vorschlag gemacht hat...? Vielleicht zu gefährlich, so etwas vorzuschlagen. (Ach so, ja, der Hinweis auf Alfred Valrie kommt auch aus der heutigen SZ, S. 19, links unten.)

Donnerstag, 7. Mai 2015

"Kommentar zum FC Bayern"

Jetzt kommen die kleinen Besserwisser aus ihren Löchern hervor! Nix können, nix wissen, keine Verantwortung tragen. Vulgo: Fußball-Kommentator.

" ~ | Ohne Titel in der Champions League ist Pep Guardiola gescheitert | Auch in seinem zweiten Jahr beim FC Bayern droht Pep Guardiola das Aus im Halbfinale der Champions League. Doch der Startrainer weiß, dass er nur an diesem großen Titel gemessen wird. Der Katalane hat es nun selbst in der Hand, ob er schon sehr bald als gescheitert gilt." (FOCUS)

Das war: der emotionale Kommentar eines Müncheners!

Montag, 16. März 2015

Bilderrätsel 001

Woher ist das? (Originalfoto)


Antwort hier.

Mittwoch, 5. November 2014

MVV-Watch

Gilt auch für die S-Bahn in München.

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Zum einen: die Baustelle setzt nun doch schon viel Laub an. Die Treppe wann rausgerissen? Vor 10 Tagen? Oder doch schon vor drei Wochen? Ich hätte es notieren sollen. Seitdem gehen manche der Herrschaften, die in die Stadt fahren wollen,  halt 40 Meter um die Ecke. Ist ja nicht viel.

Wann ist Reparaturbeginn? Oder mal anders gefragt: Kann man rausreißen und reparieren nicht zusammenlegen? Ist das so schwierig, logistisch gesehen?


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Günstige Fahrtzeiten? Di 9:30 ungefähr, S 3, stadteinwärts.


Montag, 23. September 2013

Oktoberfest 2013: Bierpreis

In diesem Jahr, so habe ich überlegt, verzichte ich einmal darauf, die Tabelle mit den Bierpreis / Oktoberfest zu aktualisieren. Ich übernehme einfach die Zahlen der Abendzeitung

Oktoberfest 2013 | Bier-Preis: Das kostet die Maß heuer auf der Wiesn | az, 10.07.2013 | Die Maß-Preise für 2013 für alle Wiesn-Zelte sind veröffentlicht. Im Durchschnitt steigt der Preis für den Liter Oktoberfest-Bier um 3,61 Prozent im Vergleich zu 2012. || München - Zugegeben, kein Münchner hat wirklich daran geglaubt, dass die Preise für die Maß Wiesn-Bier im Vergleich zum Vorjahr sinken. Auch heuer ist der Bier-Preis wieder gestiegen. Um 3,61 Prozent mehr muss der Oktoberfest-Besucher im Durschschnitt für die Maß hinlegen. | Damit pendelt sich der Maßpreis zwischen 9,40 Euro und 9,85 Euro ein. Mit 15 Euro ist der Liter Weißbier im Weinzelt am teuersten.

Mittel: 9,63 Euro. Wen der Rest und die ganze Statistik-Sache interessiert, der kann ja hier weiterlesen.

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Für 2012 rette ich mal das aus der Abendzeitung herüber:

München - Was kostet die Maß auf der Wiesn 2012? Die Preise liegen zwischen 9,10 Euro und 9,50 Euro. Der Durchschnitt ist 9,32 Euro, wie Anfang dieser Woche bekannt wurde. [...]

Das müssen die Oktoberfest-Gäste in diesem Jahr bezahlen, wie die AZ aus Wiesn-Kreisen erfuhr:

* Haxnbraterei Hochreiter: 9,10 Euro
* Ochsenbraterei 9,20 Euro
* Augustiner: 9,30 Euro
* Armbrustschützen: 9,35
* Hofbräu: 9,35 Euro
* Bräu Rosl: 9,40 Euro
* Hacker Festzelt: 9,40 Euro
* Hippodrom: 9,40 Euro
* Paulaner: 9,40 Euro
* Wildstuben: 9,40 Euro
* Renoldi: 9,40 Euro
* Zum Stiftl: 9,40 Euro
* Löwenbräu: 9,50 Euro
* Schützenfestzelt: 9,50 Euro
* Schottenhamel: 9,50 Euro
* Fischer Vroni: 9,50 Euro
* Käfer: 9,50 Euro

Damit gibt es nicht die Horrorpreise um zehn Euro, wie Anfang des Jahres befürchtet wurde. Die Wirte führen dafür steigende Ausgaben wie zum Beispiel für die Sicherheit an.

Freitag, 27. Juli 2012

NS-Dokumentationszentrum München

Die Welt ist zu komplex! Bis heute hatte ich diese Debatte um ein NS-Organisationszentrum München nicht mitbekommen. Dann, heute, in der SZ, auf S. 14. Und der BR hat einen kleinen Film eingestellt.

Zwei Fragen:

1. Muss das Münchener Kindl -- das ich sonst durchaus mag -- bei einer solchen Vorstellung mit dabei sein? Ich finde es etwas stillos (sic).


2. Erinnert dieser architektonische Entwurf nicht doch an "Nazi architecture meets post modernism"?



Sonntag, 27. Mai 2012

Oktoberfest 2012: Bierpreisentwicklung

Bierpreis / Oktoberfest in diesem Blog ] 

Eine meiner letzten Baustellen bei der Wikipedia: Ich liefere die damalige Liste des Bierpreises auf dem Oktoberfest doch noch nach:


(Quelle: Tourismusamt München)

[Wie immer: Draufklicken zum Vergrößern]

Donnerstag, 9. Juli 2009

München leuchtet. Fremdartig.

Ich bin ja selbst kein Ober- oder Niederbayer. Und trotzdem berührt es mich, wenn ich auf irgendeinem Münchener Amt anrufe und mir von dort amtlich strenge nord- oder ostdeutsche Töne entgegenschallen. Ja, ja, die Anziehungskraft von Bayern!

Und van Gal, der Bayern-Trainer assimiliert sich schnellstens: "Mia san mia!" Hat er brav auswendig gelernt. Daneben Uli Hoeneß, der als geborener Ulmer ja schon als halber Münchener durchgehen kann. Was man von dem strengeren Lippstädter Rummenigge wieder nicht sagen kann.

Und richtig froh bin ich aber, wenn dann doch eine urmünchener Stimme mir entgegenschallt. Wobei ich nicht weiß, ob ich eine Stimme aus München und Umgebung von einer aus Gmund am Tegernsee unterscheiden kann.

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Noch eine Anmerkung: Wir lieben ihn ja. Oder haben wir ihn nur geliebt? Ein Münchener war und wird er aber nicht.


"Er wolle die Champions League gewinnen, sagt Ribery beispielsweise, „so schnell wie möglich“. Und er wolle die Trophäen, die einst auch Zidane sammelte wie den „Goldenen Ball“, der für Europas besten Fußballspieler vergeben wird. „Um den zu gewinnen, muss man in einer herausragenden Mannschaft spielen“, sagt Ribery."^



Nun mag Bayern München keine herausragende europäische Mannschaft mehr sein. Aber -- so was sagt man doch nicht! Jedenfalls nicht solange man noch in München spielt! Und vielleicht nächste Saison immer noch hier spielen muss. Ach was, man sagt es auch nicht, wenn man anschließend in Madrid lebt. Also Franck! Na! Sowaos machtme aofaoch nicht!