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Mittwoch, 2. August 2017

"Wenn 16-Jährige den Linienrichter totprügeln"

Notizbuch:

"Amateurfußball. Wenn 16-Jährige den Linienrichter totprügeln. In den Niederlanden töten jugendliche Fußballer den Linienrichter. Wie in Deutschland versucht der Verband Gewalt im Amateurfußball zu sanktionieren. Von Tobias Müller. 4. Dezember 2012 | 195 Kommentare" (zeit.de)

Das Problem der Herkünfte?

Seltsam, dass das eher neutrale Wort "Linienrichter" die Beiträge zu diesem Thema hier im Blog zutage fördert. Ich staune selbst. Die Sache scheint mich zu beschäftigen.

Diese Verbindung noch: "Pressekodex. Schluss mit der Selbstzensur. Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen. Von Horst Pöttker. 2. Oktober 2013, 8:00 Uhr Editiert am 11. Oktober 2013 | 13 Kommentare"

Samstag, 21. Juli 2018

"Ein ehemaliger Bundeswehr-Soldat" ?

Wie mit Informationen zu Straftätern in den Zeitungen umgegangen wird:

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Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) zu BILD: „Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 34-jährigen Mann – er ist deutscher Staatsbürger iranischer Herkunft. Sechs Businsassen wurden mit einem Messer verletzt.“ | Todesopfer gab es nach Angaben der Oberstaatsanwältin nicht. Die Tat geschah in einem Bus mit Fahrtziel Travemünde (Linie 30). (bild.de)

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Bei dem Mann handele es sich e. Es lägen keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund vor, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Da wird dann auf die Seite 6 derselben Ausgabe verwiesen. Dort heißt es auf einmal:

Der Mann selbst schweigt. „Er hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen eingelassen“, sagte Hingst. Die Bild-Zeitung berichtete, der Verdächtige sei ein ehemaliger Bundeswehr-Soldat. Er soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

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Nun kann natürlich ein im Iran geborener, "eingedeutschter" Mann bei der Bundeswehr gewesen sein. Aber das müsste schon ein wenig erläutert werden.

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Informationen zu der gesamten Problemstellung "personenbezogene Informationen":

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Amateurfußball: Wenn 16-Jährige den Linienrichter totprügeln

In den Niederlanden töten jugendliche Fußballer den Linienrichter. Wie in Deutschland versucht der Verband Gewalt im Amateurfußball zu sanktionieren.

Von Tobias Müller

In diesem Bericht wird nicht weiter über die Täter gesprochen. Auffallend.

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Pressekodex: Schluss mit der Selbstzensur

Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen.

Von Horst Pöttker

2. Oktober 2013, DIE ZEIT Nr. 41/2013 13 Kommentare

Dezember 2012 in Almere bei Amsterdam: Eine Gruppe jugendlicher Fußballer prügelt und tritt nach einem Regionalspiel brutal auf den 41-jährigen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen ein, der am nächsten Tag an den Folgen stirbt. Niederländische Medien berichten sofort, dass es sich bei den drei Jugendlichen um Marokkaner handelt. In Deutschland erfährt man dies erst einige Tage später aus rechten Blogs. Warum haben seriöse deutsche Medien die Herkunft der Totschläger verschwiegen? Und haben sie damit korrekt gehandelt? Das sind Fragen, die an das grundlegende Verständnis von Journalismus rühren. Und, um es vorwegzunehmen: Mit meinem Verständnis von Journalismus ist eine derartige Selbstzensur nicht zu vereinbaren. Journalisten sollten nicht die Erzieher der Nation sein.(zeit.de)

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Samstag, 8. Dezember 2012

Fußball: Linienrichter-Mord

Heute morgen im Radio: Presseschau. Der niederländische Linienrichter, Amateurfußball, einfach so als 'Ehrenamtlicher' eingesprungen, ad hoc. Der dann von Jugendlichen totgeprügelt worden ist. Wir erinnern uns. Jetzt also in der Presseschau, eine Zeitung wird zitiert: Das sei ja gar kein Fußball-Problem, sondern ein Marokkaner-Problem. Die prügelnden Jugendlichen seien marokkanischer Herkunft gewesen.

Was haben sich unsere Zeitungen um dieses schlichte Hintergrund-Faktum herumgedrückt! Weil man den Rechtsradikalen, "unserer" NPD und in den Niederlanden Geert Wilders ja nicht zuarbeiten will. Dabei gilt eine Tatsache vor allem: Wenn man das Problem der Aggression von Seiten der "Migranten" nicht unter den Sachlichen, den Demokraten, den differenziert Denkenden diskutiert, dann erst wird es zu einem Rechten-Problem.

Verschweigen lassen sich solche Dinge eh nicht. Irgendwann steht es dann doch auch in den Zeitungen. Erst wenn man das Problem sachlich ins Auge fasst, dann kann man auch fragen, ob es denn überhaupt so ist, dass bei den Jugendstraftaten und bei den Straftaten die Migranten überproportionale Anteile haben. Wenn nicht: Dann reden wir woanders weiter. Wenn doch: Dann ist die Frage, in welchem Umfang und -- was können wir tun. Das reflexhafte Wegschweigen ist jedenfalls der falsche Weg.

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Der SPIEGEL hat in einem ersten Bericht das Stichwort "marrokanisch" gar nicht genannt. Es waren "niederländische Jugendliche". War das Stichwort noch nicht bekannt oder war die Angst vor dem Prädikat "rassistisch" zu groß?

Donnerstag, 25. April 2019

"Polizei kontrolliert Mann (22)" (tz)

[ Der Hintergrund der folgenden Überlegungen findet sich in diesem Blog seltsamerweise unter dem Stichwort "Linienrichter". ]

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Wirkt das nur für mich lächerlich? Wenn dieses Schema "Mann" und "Alter" in die Überschriften kommt und irgendwann weit unten, weil man diesen Aspekt dann doch nicht ganz unterdrücken kann, schließlich mitgeteilt wird: "Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen syrischen Asylbewerber." Wenn sich die Berichterstattung mit solchen Verrenkungen selbst der Lächerlichkeit preisgibt, dann ist das bestimmt nicht im Sinne der Asylbewerber. Der mündige Bürger wüsste schon zu sagen: "Es sind nicht alle Asylanten so. Aber manche halt doch."

Denn siehe -- wir brauchen eine vernünftige Antwort auf die Frage, warum Männer aus fremden Ländern hierher kommen, um der Gewalt zu entfliehen und dann die Gewalt auf diese Weise mitbringen. Und und vor allem: Warum sie nicht schnell merken, dass hierzulande die Polizei mit Respekt zu behandeln ist. Immer und unter allen Umständen! (Gell, Freunde von der ganz linken und der ganz rechten Seite hierzulande!)

Also zum Thema zurück: Die Überschrift müsste natürlich, um selbstverständlich zu wirken, lauten:

"Polizei kontrolliert Asylbewerber (22) - der rastet aus und verletzt vier Polizisten"

Hier mal die Meldung in Gänze:

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Beamten ins Gesicht geschlagen

Polizei kontrolliert Mann (22) - der rastet aus und verletzt vier Polizisten

Aktualisiert: 25.04.19 17:01

© dpa / Matthias Balk

Die Kontrolle eines 22-Jährigen ist in Augsburg völlig eskaliert. Der Mann verletzte vier Polizisten.

Augsburg - Bei einer Kontrolle am Augsburger Hauptbahnhof ist ein 22-Jähriger ausgerastet und hat vier Polizisten verletzt. Wie sich herausstellte, liegt gegen den Mann bereits ein Haftbefehl wegen Sachbeschädigung vor. Bei dem Mann handelt es sich laut Polizei um einen syrischen Asylbewerber.

Polizei kontrolliert Mann (22) in Augsburg - doch der rastet völlig aus
Als eine Streife der Bundespolizei den 22-Jährigen am Mittwochmorgen mit auf die Dienststelle nehmen wollte, schlug dieser plötzlich um sich und verletzte einen Beamten im Gesicht. Erst mit weiterer Unterstützung konnte der Mann gefesselt und mitgenommen werden.

22-Jähriger leistet massiv Widerstand
Auch bei der Durchsuchung auf dem Revier habe er massiv Widerstand geleistet und drei weitere Polizisten verletzt, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Gegen den 22-Jährigen wird ein Ermittlungsverfahren wegen tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung eingeleitet. (tz.de)

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Mittwoch, 18. Mai 2016

"Lügenpresse" ?

Die "Lügenpresse" wird ja von den entsprechend Klagenden und Anklagenden nicht oder nicht in erster Linie so genannt, weil sie im Sinne des Normalverbs lügt, sondern weil sie, nach Meinung derer, die das Wort verwenden, irgendwie manipulativ mit der Wahrheit umgeht. Etwas nicht sagen, ist eigentlich keine Lüge. Das, das in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird: Bei "kriminellen Tätern mit Migrationshintergrund" wird das mit dem Migrationshintergrund in der Berichterstattung weggelassen. Internetseiten machen sich dann daran, die Migrationsdetails nachzuliefern.

"Prügeltod von 17-Jährigem in Bonn löst Proteste aus | Nach der tödlichen Prügelattacke auf einen 17-Jährigen in Bonn ist die Stimmung aufgeheizt. Der Verdacht auf einen möglichen Migrationshintergrund bei den Tätern ruft rechtsextreme Kräfte auf den Plan." (stern.de)

Jetzt wird allerdings ein "einheimischer" Krimineller, wenngleich verstorben, aber doch vielleicht mit Verwandten, umfassend vorgeführt, und auch sonst fehlt es in den Zeitungen nicht an grauslichen Details:

"Nun, mehr als 18 Jahre später, könnte der Fall endlich aufgeklärt werden. Die Arbeitsgruppe 'Alaska' des Landeskriminalamts Hessen untersucht, ob der Junge möglicherweise einem Serienmörder zum Opfer gefallen ist. [...] | Es gibt Parallelen: Der Täter schnitt die Frauen auf, zerteilte sie und entnahm ihnen Organe, die er mitnahm - wie bei Tristan. Profiler vermuten, dass es sich bei dem Täter um einen sadistisch veranlagten Mann mit sexueller Präferenzstörung handelt. | War es Manfred Seel? Noch fehlen wichtige Informationen, die Kriminalpolizei ist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Am Donnerstag halten die Ermittler daher eine Pressekonferenz ab." (SPIEGEL Online)

Hätte sich die Presse da nicht auch etwas zurückhalten können? Und weiter: Gibt es von seiten des Gesetzgebers, des Presserats und der einzelnen Medienakteure eigentlich Vorgaben, was die Nennung der jeweiligen "Eigenschaften" der Täter angeht?

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Also beginnen wir mal mit dem Sammeln von Stimmen:

"Dezember 2012 in Almere bei Amsterdam: Eine Gruppe jugendlicher Fußballer prügelt und tritt nach einem Regionalspiel brutal auf den 41-jährigen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen ein, der am nächsten Tag an den Folgen stirbt. Niederländische Medien berichten sofort, dass es sich bei den drei Jugendlichen um Marokkaner handelt. In Deutschland erfährt man dies erst einige Tage später aus rechten Blogs. Warum haben seriöse deutsche Medien die Herkunft der Totschläger verschwiegen? Und haben sie damit korrekt gehandelt? Das sind Fragen, die an das grundlegende Verständnis von Journalismus rühren. Und, um es vorwegzunehmen: Mit meinem Verständnis von Journalismus ist eine derartige Selbstzensur nicht zu vereinbaren. Journalisten sollten nicht die Erzieher der Nation sein."

Pressekodex | Schluss mit der Selbstzensur | Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen. | Von Horst Pöttker || 2. Oktober 2013 Editiert am 11. Oktober 2013 DIE ZEIT Nr. 41/2013 8 Kommentare

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"Als ich vor etwa 20 Jahren mein Volontariat bei einer Tageszeitung absolvierte, kannte ich weder den Pressekodex noch die Richtlinie 12.1. Achtsam zu sein bei Informationen, die etwa religiöse Zugehörigkeit oder ethnische Herkunft betreffen, habe ich nicht während meiner Ausbildung gelernt. Die Frage, wie über Migranten sachlich richtig und sprachlich korrekt berichtet werden sollte, war Entscheidungsträgern in Redaktionen unwichtig. Erst mit dem Eingeständnis, ein Einwanderungsland zu sein, begannen in Deutschland Debatten über den Sinn, die ethnische Herkunft oder religiöse Zugehörigkeit von Tätern zu nennen."

Lieber politisch korrekt als politisch falsch | In der Berichterstattung die Herkunft von Straftätern zu nennen liefert keine Erklärung für die Tat – eine Replik | Von Canan Topçu | 24. Oktober 2013 Editiert am 3. November 2013 DIE ZEIT Nr. 44/2013 559 Kommentare

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Donnerstag, 18. Oktober 2018

"Niederländer marokkanischer Abstammung"

Nein, hier geht es nicht darum, der AfD oder den PI-News das Wort zu reden. Im Gegenteil! Die These lautet: Die AfD und die PI-News werden sehr gestärkt, wenn versucht wird, in normalen Zeitungen mit dem, was die Leute wissen wollen, hinterm Berg oder unterm Teppich zu bleiben.

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Die SZ macht mit schöner Klarheit vor, wie man mit Mitteilungen über Straftäter, Abteilung "Nationalität / Herkunft" geschickt umgeht und dabei ein klein wenig, sagen wir: abschwächt. Man gibt die Informationen scheibchenweise, hoffend, dass manche Leser unterwegs im Artikel aussteigen. Aber immerhin, man sagt am Ende was. Weil es ja doch auffallen würde, wenn man gar nichts sagt.

"In einer spektakulären Aktion hat die Münchner Polizei am frühen Mittwochmorgen vier Mitglieder einer internationalen Bande festgenommen, die für Hunderte Geldautomaten-Sprengungen in ganz Deutschland verantwortlich ist. Die Täter wurden ertappt, als sie gerade den Geldautomaten der Sparda-Bank am "Kleinen Stachus" in Germering sprengen wollten."

Eine "internationale Bande". Klingt doch gleich mal sehr weltläufig.

Dann lange nichts mehr zu der Herkunft der Täter.

"Ihren Spitznamen hat die rund 250 Köpfe starke Bande von den schnellen, hoch motorisierten Autos, die sie für ihre Taten verwendet. Gestohlene Autos mit gestohlenen Nummernschildern, wie auch im Fall Germering. Die Bandenmitglieder kommen aus den Niederlanden, wo die Serie vor einigen Jahren begann."

250 gleich! Aus den Niederlanden?! Und starke geklaute Autos. Ja, da staunt der Leser. Dass die Holländer solche internationalen Banden bilden! Wer hätte das gedacht.

Jetzt dauert es -- es geht auf's Ende des Artikels zu -- nicht mehr so lang.

"Die Ermittler in mehreren Bundesländern haben inzwischen ein recht genaues Bild davon, wie sich die Bande zusammensetzt. Die Täter sind überwiegend junge Niederländer marokkanischer Abstammung aus den Vorstädten von Amsterdam und Utrecht. Auch mehrere der in Germering und Gilching Festgenommenen sollen aus diesem Milieu kommen."

Marokkanischer Abstammung. Ach so. Fast hätte ich ja was anderes gedacht.

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Da gab es doch mal diesen Artikel zum Thema Selbstzensur der Zeitungen? Wo nur gleich. Ja, hier, in diesem Blog.

"Pressekodex. Schluss mit der Selbstzensur. Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen. Von Horst Pöttker. In Almere bei Amsterdam: Eine Gruppe jugendlicher Fußballer prügelt und tritt nach einem Regionalspiel brutal auf den 41-jährigen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen ein, der am nächsten Tag an den Folgen stirbt. Niederländische Medien berichten sofort, dass es sich bei den drei Jugendlichen um Marokkaner handelt. In Deutschland erfährt man dies erst einige Tage später aus rechten Blogs. Warum haben seriöse deutsche Medien die Herkunft der Totschläger verschwiegen? Und haben sie damit korrekt gehandelt? Das sind Fragen, die an das grundlegende Verständnis von Journalismus rühren. Und, um es vorwegzunehmen: Mit meinem Verständnis von Journalismus ist eine derartige Selbstzensur nicht zu vereinbaren. Journalisten sollten nicht die Erzieher der Nation sein."

2. Oktober 2013. Editiert am 11. Oktober 2013, 15:42 Uhr. DIE ZEIT Nr. 41/2013 13 Kommentare AUS DER ZEIT NR. 41/2013 Dezember 2012.

Montag, 6. Mai 2019

Süddeutsche Zeitung: "Tödlicher Streit"

Notizbuch


Der Hintergrund der folgenden Überlegungen findet sich in diesem Blog seltsamerweise unter dem Stichwort "Linienrichter". Und ich kommt immer wieder mal auf diesen Hintergrund zurück:

Pressekodex. Schluss mit der Selbstzensur. Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen. Von Horst Pöttker 2. Oktober 2013, 8:00 Uhr Editiert am 11. Oktober 2013, 15:42 Uhr DIE ZEIT Nr. 41/2013 -- 14 Kommentare (zeit.de)

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Meldung der SZ, in der abonnierten Print-Ausgabe heute gelesen und dann im Internet nachgeschlagen:

5. Mai 2019, 14:57 Uhr Tödlicher Streit in der Innenstadt 17-jähriger Schüler stirbt nach Stichverletzung. Polizei in München. ... Herzog-Wilhelm-Straße, in der Münchner Altstadt, kam es am Karfreitag zu der tödlichen Auseinandersetzung. || Am Karfreitag wurden zwei Jugendliche mit einem spitzen Gegenstand verletzt, ein 17-Jähriger ist am Freitag an den Folgen gestorben. Der mutmaßliche Täter ist zunächst geflüchtet, ist aber am Donnerstag nach einer internationalen Fahndung in Frankreich gefasst worden. Offenbar war es zu einem Streit zwischen zwei Gruppen gekommen, in dessen Verlauf der 21-jährige Tatverdächtige mehrfach zugestoßen haben soll. Von Martin Bernstein 

Wieder dieser Fall, dass ein Mann, ein 21jähriger genannt wird. Dann eine lange gewundene Beschreibung und schließlich, nach viel Zögern: die Herkunft wird genannt. Mal nachgezählt: Die Meldung ist 608 Wörter lang. Das Wort "Afghanen" ist das Wort 433.

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Der mutmaßliche Haupttäter, sein Begleiter sowie die zwei Mädchen flohen nach der Auseinandersetzung. Schon bald hatte die Polizei aber eine Spur. Wie sie auf den jetzt festgenommenen 21-Jährigen kam, einen Afghanen, der 2016 nach Deutschland geflohen und in einer Unterkunft im Landkreis Starnberg gemeldet war [...] (sueddeutsche.de)

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Dann das, extra:


Anmerkung der Redaktion In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.

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Das ist wieder sowas von verkrampft! Ein typisch juristischer Wischiwaschi-Begriff: "bei begründetem öffentlichen Interesse". Eine Feigenblatt-Vollmacht sozusagen. Da dürfen dann die kundigen Journalisten auftreten und festlegen. Die anderen Bürger / Leser nicht. Für die wird vorentschieden. Erreicht wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Gegenteil dessen, was erreicht werden soll: Die Leser -- ich bin sicher, dass ich da nicht der Einzige bin -- fühlen sich bevormundet und zu Kindern degradiert, denen eine gnädige Redaktion das für sie Zuträgliche mal eben so mitteilt. Oder eben auch nicht.

Montag, 28. Juni 2010

Thank you, Fußball-Gott! (c) The BILD-Zeitung

Die BILD-Zeitung jetzt also auch: philosophisch, metaphysisch, religiös. Wegen dieses unerhörten Ereignisses einer neuen Art von Bericht, bringe ich die Einschätzung des gestrigen Spiels hier im Volltext:


NACH 44 JAHREN IST WEMBLEY ENDLICH AUSGEGLICHEN



Thank you, Fußball-Gott!


JETZT WISSEN DIE ENGLÄNDER, WIE WIR UNS DIE GANZE ZEIT GEFÜHLT HABEN


27.06.2010 - 23:48

  • 30. Juli 1966. Die 101. Minute im WM-Finale im Londoner Wembleystadion. Englands Geoff Hurst hämmert den Ball an die Unterkante der Latte. Der Ball springt auf die Linie, die Kreide staubt auf. Dann geschieht das Unfassbare: Der sowjetische Linienrichter Tofik Bachramow zeigt an: TOR! 3:2 (Endstand 4:2), England ist Weltmeister. Deutschland weint.
  • 27. Juni 2010. Die 38. Minute im WM-Achtelfinale von Bloemfontein. Lampards 17-Meter-Schuss kracht an die Unterkante der Latte. Er prallt klar (geschätzte 40 Zentimeter) hinter der Linie auf den Rasen. Er springt zurück an die Latte. Torwart Neuer fängt ihn auf. TOR – so klar wie Wembley KEIN TOR war.
Es wäre das 2:2 gewesen. Und wer weiß, wie das Spiel dann gelaufen wäre. Doch der uruguayische Schiri-Assistent Mauritio Espinosa reagiert nicht, seine Fahne bleibt unten. Er hat kein Tor gesehen. Vermutlich als einziger Mensch auf diesem Planeten. Eine dramatische Fehlentscheidung! So wie 1966. Aber diesmal weint England.

THANK YOU, FUSSBALLGOTT!

Du hast dir viel Zeit gelassen, das Unrecht auszugleichen. Wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt. Seit gestern ist Wembley wettgemacht. Liebe Engländer, jetzt wisst Ihr, wie wir uns 44 Jahre lang gefühlt haben. Wütend über soviel Ungerechtigkeit, bestohlen um den Titel.

Auch wenn viele Leser dieser Zeilen das Wembley-Tor nur aus Erzählungen kennen: Dieser verfluchte Fußball-Moment wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Nun ist er gebrochen.

Wir geben ohne Wenn und Aber zu: Das war gestern EIN TOR, ihr seid betrogen worden. Aber bitteschön, nun gesteht Ihr auch: Wembley war KEIN TOR.

Liebe Engländer, lasst uns gemeinsam den Schluss-Strich ziehen. Und uns auf künftige große Duelle zwischen unseren Teams freuen.

Und die SUN mault. Und betreibt dann doch Trauerarbeit. Auch das ein schöner Schritt. Und die Einsicht zwischendurch:

"None are as blind as those 
who cannot see." 

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Der Wert eines Linienrichters ...

... , bei Licht betrachtet.

Gestern wurde bekanntlich das Pokalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC abgebrochen. Da läßt uns eine Meldung aufhochen, die den Wert eines Linienrichters in Relation zu dem eines Bundesliga-Profis oder überhaupt eines Spielers stellt:

"Auch Hertha-Coach Falko Götz war außer sich: 'Das ist sehr bedauerlich, was hier passiert ist. Man muss bedenken, dass so ein Geschoss auch einen Spieler hätte treffen können', meinte der Ex-Profi und wünschte Voss alles Gute."

Also, wenn das ein Profi gewesen wäre! Nicht auszudenken! So aber? Geht scho. Halb so schlimm!

Alles Gute dann, Herr Linienrichter! Auch von dieser Stelle aus.