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Montag, 20. Januar 2020

Fritz J. Raddatz, Tagebücher

Übernahme aus meiner Amazon-Anmerkung.

(Raddatz, Fritz J.: Tagebücher 1982 - 2001. Rowohlt )

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»Raddatz entlarvt sich mit dem Buch immerhin selbst. Er ist unglaublich eitel und von seiner Wichtigkeit überzeugt.«

Ich lese gerade dieses Buch. Spät. Aber was soll's. Mein Urteil: Ich bin hin- und hergerissen. Auch im Qualitätsurteil.

Was man allerdings sagen muss: Das sind Tagebücher, keine komponierten Essays. In Tagebüchern stehen nun mal Alltäglichkeiten drin. Wenn man an denen nicht interessiert ist, muss man Tagebücher ja nicht lesen. (Ich persönliche lese Essensschilderungen, Krankheitanekdoten usw. ganz gerne und habe mich auch durch die Thomas-Mann-Tagebücher durchgelesen. Informationen über eine Zeit aus einer bestimmten Sicht. Warum nicht?)

Dann: Dass R. sich auch selbst für eitel hält, hat er immer wieder mal selbst gesagt. Er ist allerdings auch davon ausgegangen, dass alle in seinem Umkreis ebenso eitel sind wie er und diese Eitelkeit nur zu verbergen suchen. Ich würde ihm da recht geben. Und sich wichtig nehmen? Ja mei, so sind wir halt, wir Menschen! Der, der sich nicht wenigstens selbst für wichtig nimmt - wozu ist der denn auf der Welt?

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Auf der anderen Seite -- dieses Um-sich-selbst-Kreisen ist tatsächlich auf die Dauer nur schwer zu ertragen. Vor allem, wenn die Satelliten immer von höchster Qualität sein müssen, selbst dort, wo sie in Grund und Boden Gestampft werden.

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Aus diesen Tagbüchern:

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An der Sitzung nur interessant, wie mehr und mehr alle Literaten übereinander herfallen, es gibt KEINERLEI Freundschaft oder auch nur Solidarität  – Jaeggi über Habermas (und vice versa, «Jaeggis Geschleime»), alle über Wapnewski, selbst ein Niemand wie Wiegenstein erlaubt sich das bereits, Grass zeigte sich mit einem Pasquill von Janssen, das offenbar gegen Wunderlich gerichtet war (er «warnt» Grass davor, sich «sponsern» zu lassen; der reinste Quatsch – wohl weil Grass bei Wunderlichs Lithoanstalt in Zürich arbeitet). Und so: Es geht ihnen entweder zu gut oder zu schlecht, Kaiser ruft mich an und macht sich über Mayers Buch lustig, aber der sitzt nächsten Tag bei mir und erzählt, Kaiser habe ihn voller Begeisterung angerufen. Da bietet sich nicht nur die Frage an: Wie werden sie alle über mich reden, sondern: Was tun wir alle miteinander uns an? Wir wissen es alles besser als die Politiker – aber ich für meinen Teil möchte von keinem von denen regiert werden! Ihre Narzißhaftigkeit und Eitelkeit ist zu schlimm.

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Ist das nicht doch ziemlich weise-kritisch gedacht und geschrieben?

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Donnerstag abend, bevor ich nach Berlin flog, war ich dort wieder, traf den, sprach mit ihm – ein CDU-Parolen plappernder Dummkopf, der mir gleich sagte, er sei aber kein Gesprächspartner für mich. Erstens sei ich doch nun wohl alt genug geworden, um zu wissen, daß man sich hier nicht unterhalten wolle, und zweitens sei ich ihm zu «hoch» – er wisse genau, wer ich sei. Sprach’s und ging vor meinen Augen in den Dunkelraum.*

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Da bin ich dann doch zusammengezuckt. Geht es hier tatsächlich um einen darkroom*?

* Darkrooms können in Schwulenbars, Diskotheken, Saunen, Clubs und heterosexuellen Swingerclubs vorhanden sein, gehäuft sind sie in Lokalen der schwulen Lederszene oder der Szene nahestehenden Lokalen zu finden. Sie sind sehr spärlich bis gar nicht beleuchtet und dienen den Gästen zu sexuellen Handlungen vom Küssen bis zum Geschlechtsverkehr. (Wikipedia)

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Dienstag, 7. Januar 2020

"Er sagte zu BILD ..."

Von M. mir überliefert:

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Mal gesondert zu dem, was ich oben gelesen habe:

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Cyber200 #5 | Alles staatlich verordnete Trauerfeiern. Wer nicht trauert macht sich verdächtig! | Für Nahost-Experte Davis Lewin ist das eine ausgemachte Sache. Er sagte zu BILD: „Die Bevölkerung steht unter Zwang. Das Regime erwartet, dass man sich bei den Kundgebungen zeigt und es ist gefährlich, sich dagegen zu wehren.“

Sveti Yeti #5.1 | Den Einschätzungen des BILD-Experten würde ich auch stets vertrauen. | Antwort auf #5 von Cyber200 

Münsterlandborusse #5.2 | Aha, heißt also, dass 79 Millionen Iraner jetzt ins Gefängnis kommen? So ein Schwachsinnn. typisch Bild. | Antwort auf #5 von Cyber200

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A) Für manche Menschen ist "Niemals die BILD anschauen!" per se ein Ausweis ihrer hohen Intellektualität. Es gilt aber: BILD hat große Mittel und gute Verbindungen. Manchmal ist die BILD-Zeitung schneller und besser informiert als andere Zeitungen.

B) Ich bin, zugegeben, in der Sache Partei: Ich komme aus einer sozialen Schicht, in der BILD gelesen wird. "Meine Leute", die einfachen Leute, wissen dabei natürlich genau, dass nicht alles in BILD der Goldwaage standhält; aber sie mögen die manchmal witzigen, manchmal handfesten Formulierungen von BILD. Ich versuche mich da zu solidarisieren.

C) Viele Bürger, die die ZEIT lesen, sind meines Erachtens, ausweislich von Formulierungsfähigkeit, Rechtschreibung und Zeichensetzung, nicht gerade weit über dem BILD-Niveau. Um es mal versöhnlich auszudrücken. Oder um ins Studium zurückzuschauen: Da waren Kommilitonen, die weder ein größeres Wissen, noch Phantasie noch die Fähigkeit, etwas in geraden Sätzen auszudrücken, besessen haben, sich in einem ganz sicher: dass sie allein dadurch zur intellektuellen Oberschicht der Studierenden gehören, weil sie niemals die BILD-Zeitung lesen und auf diese schimpfen konnten.

Sonntag, 7. April 2019

Controversies About her Sexuality

Weiter mit Susan Sontag:

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Yoshie Furuhashi THE DEATH OF Susan Sontag, one of the most acclaimed intellectuals of her time, on December 28, 2004 immediately inspired controversies about her sexuality. Many writers rightfully questioned major newspapers’ studied silence in their obituaries on her relationships with women. For instance, Patrick Moore, the author of Beyond Shame: Reclaiming the Abandoned History of Radical Gay Sexuality (Boston: Beacon Press, 2004), wrote: “On Dec. 29, 2004, the New York Times and the Los Angeles Times reported Sontag’s death on their front pages, with more stories inside. Yet neither paper mentioned Sontag’s relationships with [Annie] Leibovitz and other women” (“Susan Sontag and a Case of Curious Silence,” Los Angeles Times, January 4, 2005). So far, so good. Some critics, however, went further, questioning Sontag’s own treatment of her own sexuality. “In a 2000 New Yorker profile, Sontag outed herself as bisexual, familiar code for ‘gay,’” asserts Moore. Sometimes, the declaration of bisexuality is indeed a cover for homosexuality, as the former — especially for women — is often seen as less threatening than the latter. Nothing hurts the straight male ego more than the idea that some women are simply not sexually interested in them — at all! In the case of Sontag, though, she said that she had been in love nine times: “Five women, four men” (quoted in “Finding Fact from Fiction,” The Guardian, May 27, 2000). Since there is no good reason to doubt her honesty (certainly Moore offers none), it seems uncalled for to suggest that she was claiming to be bisexual for the sake of expediency when she really was lesbian. (solidarity-us.org)

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"... neigt die Intellektuelle zur Selbstzerstörung"

Kaum fängt man an herumzulesen, wird eine Sache uferlos. Hier: Susan Sontag:

"Ich will mit vielen Leuten schlafen" Als Studentin neigt die Intellektuelle zur Selbstzerstörung. Die Mittel ihrer Wahl: Eine Hochzeit und ein Masterstudium Von Oskar Piegsa 16. April 2013 ... ZEIT Campus Nr. 3/2013 6 Kommentare || Die Sängerin auf der Bühne des Mona’s ist sehr groß, sehr blond und wunderschön. Im Abendkleid und mit nackten Schultern steht sie im Scheinwerferlicht. Und ihre Stimme! So tief und stark, Susan ist beeindruckt. Sie ist zum ersten Mal in dieser Bar bei den Piers von San Francisco, Harriet hat sie mitgenommen, die beiden kennen sich aus der Uni-Bibliothek in Berkeley. Harriet ist 21, Susan erst 16, sie dürfte noch gar nicht hier sein und sich von älteren Frauen zu Drinks einladen lassen. Doch im Mona’s gelten andere Gesetze als in der Welt da draußen. Während Susan noch über die Sängerin staunt, lächelt Harriet und verrät ihr ein Geheimnis: Da vorn auf der Bühne, das ist ein Mann in Frauenkleidern. Kurz darauf beginnt Susan eine Vokabelliste in ihrem Tagebuch. "Gay slang", schreibt sie und darunter: "drag", "be in drag", "a drag party". "Box" bedeutet Muschi, "to have a box" Oralsex. Dann notiert sie einen Satz, den sie vielleicht im Mona’s aufgeschnappt hat: "When you gonna let me have some of that box, honey?" [...] Zwei Tage später erhält Susan einen Brief: Die Uni in Chicago gewährt ihr ein Stipendium. Was dann und in den nächsten Jahren folgt, widerspricht allem, was sie eben noch beschlossen hatte. Sie wechselt von Berkeley nach Chicago. Dort geht sie in eine Vorlesung des zehn Jahre älteren Soziologen Philip Rieff. Der sucht einen Hiwi, jemanden, der Recherchen für sein Forschungsprojekt übernimmt. Sontag bekommt den Job. Das ist im November 1950. Im Dezember sind Rieff und Sontag verlobt. Am 3. Januar 1951 notiert sie in ihrem Tagebuch: "Ich heirate Philip im vollen + beklemmenden Bewusstsein meines Drangs zur Selbstzerstörung."" (zeit.de)

Freitag, 9. November 2018

Ulrike Ackermann

Wenn man sich weiterbilden will in der Frage, welches Bild von einem selbst man posten und überhaupt in offiziellen Zusammenhängen verwenden soll, dann kann man sich bei Frau Professor Ulrike Ackermann Rat holen. Ihr Bild ist erste Sahne! Der Vortragsstil bleibt da, fast möchte man sagen: naturgemäß, etwas zurück. Aber was soll's! Das Bild bleibt erste Sahne!

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P. S. Wenn man den verlinkten Vortrag zuhört, hört man übrigens wirklich kluge Dinge! Natürlich auch die unvermeidlichen Schlagworte des gegenwärtigen "Diskurses". Aber -- nun gut, wer entgeht diesen Schlagworten schon?

Freitag, 13. Juli 2018

Kultstatus

Darauf kommt's an! Hochintelligent zu wirken! Wie macht man das nur, dass man so wirkt? Sprechpausen an unpassenden Stellen vielleicht? Seminare mit Kultstatus! Menschenskind!

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Wer Avital Ronell erlebt, bekommt eine Vorstellung davon, was mit dieser Beschreibung gemeint sein könnte. Ronell ist eine zierliche Frau, oft tritt sie mit Sonnenbrille und Tüchern im kurzen, dunklen Haar auf. Sie wirkt schräg, irgendwie fragil, zugleich hochintelligent. Vor ihrem akademischen Leben war sie Performancekünstlerin. Ihr mitunter frivoles Auftreten sticht heraus aus dem üblichen Hochschulbetrieb, sie pflegt einen unkonventionellen Umgang mit Studierenden, flucht auch mal in ihren Seminaren. Auf manche mag das einschüchternd wirken, andere scharen sich wie Jünger um sie. Ronell gilt als zentrale Theoretikerin des Dekonstruktivismus, sie hat in Princeton und bei Jacques Derrida in Paris studiert. (sueddeutsche.de)

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Aber auch eben:

12. Juli 2018. Avital Ronell. Linke Intellektuelle unter "Me Too"-Verdacht. Avital Ronells Seminare haben Kultstatus - auf Youtube gibt es zahlreiche Videos. Gegen die US-Professorin Avital Ronell läuft ein Verfahren wegen möglichen sexualisierten Machtmissbrauchs - und lässt ihre konservativen Gegner jubilieren. Von Karin Janker

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Montag, 14. Mai 2018

Angele: Schirrmacher. Ein Porträt.

Ich schaue beim Lesen von Zeitungsartikeln meist erst am Schluss nach, wer der Verfasser des Artikels war. Und das auch nicht immer. Hier also am Ende: Adrian Kreye hat diese Rezension geschrieben. Erschienen heute in der SZ auf Seite 12. Und diese Besprechung reizt zu einer kleinen Rezension der Rezension. 

Biografie. Feuer und Tratsch. | Ein boshaftes Buch: Michael Angele porträtiert den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und vergisst über dem Anekdotischen das publizistische Projekt des Journalisten.

Ich stocke zum ersten Mal schon ziemlich am Anfang:

"Fast sämtliche Figuren sind nur Beweismittel für die These, dass es sich bei Frank Schirrmacher um einen Machtmenschen mit zweifelhaften Methoden und Motiven gehandelt habe."

Meine erste Frage ist: Könnte denn aber vielleicht an der These was dran sein? Das ist doch die Frage!

Ich kenne Schirrmacher nur von ein paar Auszugslektüren. Ach ja -- und von dem Tag, an dem ich seinen Namen zum ersten Mal in der Zeitung gelesen habe. Aus dem Gedächtnis: Reich-Ranicki hatte Schirrmacher Talent und eine große Zukunft bescheinigt. 

Ohne gute Gründe habe ich Schirrmacher nach seinem Tod in jene Gruppe von BRD-Kulturberühmtheiten gesteckt, die ihren frühen Tod nicht richtig verkraftet haben. So to say. Wenn sie noch Gelegenheit hatten, dann haben sie auch wortreich klargestellt, wie ungerecht es doch sei, dass ausgerechnet sie, die Hochbegabten und noch dazu Erfolgreichen, jetzt, wo es gerade angefangen habe, schön zu sein in dieser Welt, diese Welt auch schon wieder verlassen müssten. Wolfgang Herrndorf und Christoph Schlingensief fallen mir da immer spontan ein. Schirrmacher ist 2014 an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Da blieb, wie auch bei Peter Koslowski zwei Jahre vorher, keine Zeit mehr für derlei larmoyante Einlassungen.

Noch einmal zurück zu Reich-Ranickis Voraussage. Damals war Schirrmacher quasi aus dem Nichts aufgetaucht. Für mich jedenfalls, der ich in solchen Dingen vielleicht einfach nicht gut genug informiert war. Ein Jüngelchen mit dickem Gesicht. (Der Vergleich, den Kreye aus der Biographie von Angele überliefert, Karlsson vom Dach, will mir rückblickend eigentlich ganz passend für diesen Eindruck erscheinen.) 

Gestern habe ich in einem vollkommen anderen Zusammenhang am Kaffeetisch gesagt, dass ich im Lauf der Zeit zu der Überzeugung gekommen sei, die verschiedenen Menschengruppen erkännten die, die zu ihnen gehörten, quasi am Geruch. Vielleicht etwas eleganter: an der speziellen Ausstrahlung dieser Menschen. Die Verkäufer die Verkäufer, die Journalisten die Journalisten. Die Wissenschaftler die Wissenschaftler. Ein gewisses Können im jeweiligen Metier sei natürlich Voraussetzung. Aber eben nur Voraussetzung. Reich-Ranicki hat bei Schirrmacher offenbar erkannt: Das ist einer von uns! 

Und jetzt Kreye: Es will mir scheinen, dass er Schirrmacher als "einen von uns" verteidigt, gegen einen, der nur halb zu der eigenen Truppe gehört: Angele, "Journalist und Literaturwissenschaftler", wie er eingeführt wird.

Jedenfalls:

Michael Angele: Schirrmacher: Ein Porträt. Aufbau-Verlag, Berlin 2018. 222 Seiten, 20 Euro. Das Buch erscheint am 18. Mai.

Ich werde es lesen. Es kommt sehr selten vor, dass ich ein Buch wegen und gegen eine Rezension lese. Jetzt ist es mal wieder soweit. Ob gekauft oder aus der Stadtbibliothek entliehen, muss sich noch entscheiden. Nach der Lektüre von ein paar anderen Besprechungen.

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In der Wikipedia nachgelesen. Das alles wusste ich nicht. Da sieht man's mal wieder. Schlecht informiert. Aber dennoch: sehr neugierig!

Promotion | Die Promotion wurde Gegenstand einer kritisch geführten öffentlichen Diskussion. Schirrmacher hat an der Universität-Gesamthochschule Siegen eine Dissertation eingereicht, deren Text sehr weitgehend mit dem einer im Februar 1987 von ihm publizierten Arbeit (Verteidigung der Schrift. Kafkas „Prozess“ (edition suhrkamp, ...) übereinstimmt. Ein Vergleich der beiden öffentlich verfügbaren Texte ergab, dass sich die insgesamt 180 Seiten umfassende Promotionsschrift von dem Suhrkamp-Aufsatz nur durch eine 10 Seiten starke Einleitung und einen ebenfalls neu formulierten sogenannten zweiten Teil, der noch einmal 22 Seiten ausmacht, unterscheidet. Der Text des bei Suhrkamp publizierten Buches wiederum war nach Auskunft der beiden an der Magisterprüfung beteiligten Gutachter der Germanistischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg weitgehend identisch mit dem von Schirrmachers Magisterarbeit aus dem Jahr 1984, die als verschwunden und nicht verfügbar gilt. [Schlampiges Dekanat!] | Die Universität-Gesamthochschule Siegen war über die Publikation des vorgelegten Textes bei Suhrkamp informiert und die Promotionsordnung dieser Universität ließ die Annahme bereits veröffentlichter Arbeiten in Ausnahmefällen zu. Kritiker führten an, dass die Doppelverwertung ein und derselben wissenschaftlichen Arbeit dem Ziel der guten wissenschaftlichen Praxis entgegenstehe, eine originäre Arbeit abzuverlangen, die wissenschaftlich Neues bietet. Siegfried Unseld kommentierte die Kritik, es sei damit „aus einem höchstmöglichen Nichts an Inhaltlichem die höchstmögliche Wirkung von Häme“ ermittelt worden.

Montag, 1. August 2016

Jack Unterweger war kein Intellektueller?

Für's Notizbuch, Thema Begriffsgeschichte:

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Ich kopiere, als Anregung, mal etwas hierher, was ich eben in der Diskussion Jack Unterweger gefunden habe:
  • Warum setzt du schrecklich böse in Anführungszeichen. Mörder ist Mörder. Ob nun Intellektueller oder nicht. Unterweger war ein Narzist in höchstem Maße und nicht in der Lage, selbstreflektiert über seine Handlungen zu sprechen. --141.91.136.43 12:36, 22. Mai 2014 (CEST)
  • Intelektueller war er aber nie (nicht signierter Beitrag von 2A02:8388:8600:B080:C1C2:A679:AFDC:4CDD (Diskussion | Beiträge) 12:46, 19. Sep. 2015 (CEST))
Die Frage "Wer ist (k)ein Intellektueller?" harrt einer neueren begriffsgeschichtlichen Untersuchung!

Dienstag, 16. September 2014

Der Islam als 'Entführungsopfer'

Beim Vorbereiten eines Essays über das Argumentieren komme ich darauf: Hans Magnus Enzensberger und sein Diktum von den 'radikalen Verlierern'. Ich halte mal fest:

DIE ZEIT: Herr Enzensberger, die Reaktion auf Schreckens Männer könnte man mit »respektvollem Naserümpfen« umschreiben – Respekt vor der Person, Kritik an der These. Der Tenor: Den islamistischen Terrorismus dürfe man nicht auf die Figur des »radikalen Verlierers« reduzieren – sei’s des Einzelnen oder der gesamten Kultur. Wo bleiben die äußeren Ursachen, etwa die »Gewalt der Besatzer«?, fragt einer. Ein anderer rät Ihnen, schleunigst ein Buch über Bush oder Berlusconi zu schreiben, also über die »radikalen Gewinner«.

Hans Magnus Enzensberger: Das hat wenig mit mir zu tun, das ist eine eingefleischte Haltung, die wir sofort wiedererkennen. Vor ein paar Jahren war Bush für manche die Inkarnation des Bösen, nicht Saddam Hussein, den man ja verstehen müsse. Ich bilde mir nicht ein, das durch Argumente wenden zu können.

(»Der Islam ist ein Entführungsopfer«. Hans Magnus Enzensberger über die Anziehungskraft von Religion, das Trauma der arabischen Welt und die Zukunft des Terrorismus. -- ZEIT Online. Interview vom 31. Mai 2006)

Sonntag, 6. April 2014

Wetten dass ... -- Peinlichkeiten?

Nun, zum Ende von "Wetten dass..." muss man eigentlich wirklich nichts sagen. Zu der Frage, wie und warum die Medien und viele vollkommen nicht-mediale Zeitgenossen mit Markus Lanz umgehen, dazu will ich doch was sagen. Hier aber erst einmal die fein abgewogene -- oder doch nicht abgewogene? -- Analyse von Felix Müller von der Berliner Morgenpost. Im Moment kann ich nicht kürzen, weil ich nicht weiß, was ich weglassen soll.

"05.04.14 | WETTEN, DASS..?" Warum Markus Lanz so viel Hass und Häme nicht verdient hat || Parade der Peinlichkeiten || Viele geben Markus Lanz, dem 1969 im norditalienischen Bruneck geborenen Südtiroler, die Schuld an dem Desaster. Sie erinnern an eine Serie von Peinlichkeiten schlimmster Art, inzwischen leider eine Art Leitmotiv der Show. Die beiden berühmtesten Beispiele dafür spielen auf Mallorca. | Wir erinnern uns: Im Sommer 2013 hatte das ZDF die Show vor die imposante Kulisse einer mallorquinischen Stierkampfarena verlegt. Die kam dem Zuschauer bekannt vor, denn schon zwei Jahre zuvor hatte Thomas Gottschalk im Coliseo Balear in Palma in gewohnt schnoddriger Manier den Reigen aus Wetten und Weltstars wegmoderiert. Ein erster sichtbarer Unterschied war die Kleidung: Gottschalk hatte ausgesehen wie ein Beduine, der sich in einen Schmuckladen verlaufen hat. Markus Lanz trug Anzug. | Zwei Momente aus der Sendung sind für immer im Internet aufbewahrt: Wie sich US-Schauspieler Gerard Butler nach verlorener Wette einen Eimer Eiswürfel in die Hose kippen musste, und wie eine Kandidatin der neuen "Lanz-Challenge" die Regeln für das Limbotanzen eigenwillig zurechtlegte und dafür vom kompletten Publikum lautstark ausgepfiffen wurde. | Wer das heute aufs Neue anschaut, erlebt quälend langsam verstreichende Minuten. Die ganze Situation ist so peinlich, dass man vor Fremdscham hinters Sofa springen will: Wie die Kandidatin giftig empfiehlt, man möge sich die "Regeln doch bitte auf Wikipedia" durchlesen, wie dann die Buhrufe laut anheben und Lanz gefühlte Ewigkeiten versucht, die Situation zu retten, vergeblich. Man spürt: Hier ist jemand völlig überfordert und am falschen Ort, und auch wenn er noch so oft "alles gut, alles gut, alles gut" rufen wird: Es wird nicht mehr gut, nicht an diesem Abend und vielleicht auch gar nicht mehr. || Ohne Jackett in den Schlamm | Man kann sagen, dass man Lanz in dieser "Wetten, dass..?"-Rolle deshalb so ungern sieht: Weil er am falschen Ort ist. Weil all die einstudierten Witze, das hemdsärmelige Ausziehen des Jacketts zum Schlammbaden, Limbotanzen oder Kugelstoßen – weil diese ganze joviale Art auch etwas verbissen Antrainiertes hat, weil hier der eiserne Ehrgeiz des Ausdauersportlers und des Bergmenschen durchscheint, der schon als Kind jeden dunklen Morgen zwei Kilometer Höhenweg abmarschieren musste, um überhaupt zur Schule zu kommen.

"Und doch: In der Häme und dem Spott, die seit Wochen auf Lanz einprasseln, klingen auch sehr ungerechte Vorwürfe an. Der eine lautet perfiderweise, dass Markus Lanz nicht Thomas Gottschalk ist. Dass er nicht die Gelassenheit, nicht den lockeren Humor mitbringe, mit dem Gottschalk aus der Sendung eine eigene Kunstform schuf – Kalauer, dadaistisches Nullgespräch und Zote inklusive. Dieser Vorwurf ist deshalb so hart, weil man gar nichts gegen ihn machen kann. Schon ein Moderator namens Wolfgang Lippert aus Berlin-Kaulsdorf ist an ihm gescheitert, 1992 war das. Man hört heute nicht mehr oft von ihm. | Wüste Beschimpfungen | Und es gibt noch so ein Ressentiment, gegen das Lanz wenig ausrichten wird. Als er vor einigen Wochen nach einem absurd missglückten Talkshow-Gespräch mit Sahra Wagenknecht zum Gegenstand einer Online-Petition wurde, bei der Hunderttausende seinen sofortigen Rausschmiss forderten und ihn nebenbei aufs Gehässigste beschimpften: Da mutmaßten einige, dass er auch zum Sündenbock für die Reform des öffentlich-rechtlichen Gebührenwesens geworden war. | Seit Jahresbeginn müssen alle Haushalte ihren Obolus entrichten, gleichviel, ob sie nun Empfangsgeräte ihr eigen nennen oder nicht. Das sorgte für Frust und Misstrauen, und bei Lanz, dem prominentesten Gesicht des ZDF, schaute man am genauesten hin. | Dass er das weiß und darunter leidet, das kann man sehen. Man wird es auch am Sonnabend bei der Show aus Offenburg sehen. Vielleicht können wir dennoch etwas Milde walten lassen. Denn am Ende hat Lanz den Quotenschwund nicht erfunden, den gab es schon zu Gottschalks Zeiten. Und auch der kann nichts dafür: Es sind das Internet und das Smartphone, die Serien, die vielen Serien aus Großbritannien und Amerika, die unsere Sehgewohnheiten so radikal verändert haben. Das große Lagerfeuer "Wetten, dass..?", vor dem sich die Nation einmal versammelte, im hessischen Schlitz und anderswo: Es flackert und kokelt schon lange bedenklich. | Es geht ihm gar nicht gut."

Wollen mir mal was brechen für Markus Lanz? Im Zweifelsfall eine Lanze. Also, Lanz sieht besser aus als Gottschalk und 99,95 % der Deutschen. Er ist eloquenter als 99,3 % der Deutschen und dass er die Gottschalkschen Zotenhöhe nicht erreicht -- nur positiv. Er ist -- wunderbar, kein Deutscher, sondern Italiener. Er kommt sympathisch rüber. (Ok, die, die das nicht so finden, möchte ich gar nicht erst kennenlernen. Sie mich wahrscheinlich auch nicht. Dann ist es ja gut so. Ich möchte ja mal drei von den Besserwissern und Hassern sehen, wie sie vor einer Fernsehkamera agieren! Es wäre mit Sicherheit ein Peinlichkeiten- und Stottererfestival nie dagewesenen Ausmaßes.)

Dass Lanz nicht ganz die deutsche Schlichtheit und Bierseligkeit und, wow! die Intellektualität einiger deutscher Voranpresch-Intellektueller erreicht? Was die Deutschen halt so für intellektuell und philosophisch halten. Was für ein Glück, dass Lanz kein Bayern-TV-3-Langweiltalker ist! Kurzum: Markus Lanz? Find ich gut! Hat er denn gar keine Fehler? Aber natürlich! Einer seiner Fehler: Dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte, "Wetten dass..." zu übernehmen. Und natürlich, ganz bitter: dass er keine Frau ist.

Was jetzt nicht klar ist: Ob er es war, der Cindy aus Marzahn geholt hat? Und hat er die Ideen, die die US-Gäste nur noch lachhaft finden, selbst? Werden Markus Lanz diese Dummheiten nicht von seiner Redaktion aufs Auge gedrückt? Ich nehme doch mal an. Und er musse es dann halt machen und ausbaden. Ja, so dürfte das sein. Der Frontmann muss dan den Kopf hinhalten. 

Montag, 10. Juni 2013

Walter Jens

Walter Jens ist also gestorben. Nach dieser langen Zeit, in der ihn das Gedächtnis verlassen hatte und der Streit um seine Person über ihn hinweggerollt ist. Er auf dem Grund des Vergessensees. Wie man zu ihm steht? Ich sehe ihn noch, wie er an den Tübinger Bibliothekskatalogen seine Bücher höchstselbst heraussucht. (Was nicht heißt, dass er es immer selbst gemacht hat.) Ein Wichtiger, ja. Vom heutigen Standpunkt aus bleibt aber wieder einmal nur die Martenstein-These.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Wikipedia -- Benutzer:Neitram

Über eine WP-Diskussion werde ich auf den user Neitram und dessen Seite aufmerksam. Und weil ich sonst viel kritisiere, auch an der Wikipedia, hier mal ein Wort der Anerkennung: Die User-Seite wie auch die darin ausgedrückte Haltung -- einfach sehr gut. (Und über den Agnostizismus können wir ja noch reden.:-)

Dienstag, 9. Oktober 2012

Hirnforschung: Tanzen macht schlau

Eine nicht so ganz frische Meldung, für Sportmuffel: Mittwoch, 17.12.2008

Tanzen beschleunigt das Gehirn zu maximaler Leistung Hirnforscher haben Tänzern in den Kopf geschaut und festgestellt: Sie trainieren wichtige Fähigkeiten und senken ihr Demenzrisiko.

FOCUS Online


Montag, 27. Februar 2012

Lévbecq

Herumstreunen im Französischen.

"BRIEFWECHSEL | Ein schöner Fall von Philotainment | Die französischen Stars Bernard-Henri Lévy und Michel Houellebecq liefern sich ein unterhaltsames Brief-Match."

Wir in Deutschland kaufen den Franzosen doch immerzu die literarischen und philosophischen Problemkinder ab und finden das très chic. Ein Modephilosoph, den wir aus den Klatschspalten kennen, und ein Literat, der aus der Wäsche sieht, als sei er ein zu heiß gebadetes Kind.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Sich Feinde machen

Willst du dir einen Feind machen? Einen, der sogleich seine Freunde anruft. Die er reichlich hat und die  so sind wie er. Damit sie, er und seine Freunde, über dich, sagen wir: als Schwach- maten herziehen? (Wörter wie Schwachmat lieben sie, er und seine Freunde!)

Willst du das wirklich? 

Gut. Dann weise ihm kurz, mit Zitaten und Beschreibungen seiner Person, nach, dass er ein Schlicht-Denker ist. (Du magst das Wort Schwachmat auf den Tod nicht ausstehen, nicht wahr?) Mache das mit dem Nachweis so, dass dieser Mensch nur mit größter Kraftanstrengung deinen Nachweis aus seinem Gehirn verbannen kann. Allein schon die Kraft, die er da aufbringen muss, wird ihn rasend machen.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Dummheit hilft bei der Karriere

Die Philosophie von Diesel-Chef Renzo Rosso

Näheres im gegenwärtigen FOCUS (S. 80)

Montag, 1. August 2011

Martenstein mal wieder

Ich möchte auch so eine Kolumne haben wie der Martenstein. Jede Woche in der ZEIT oder in dren Magazin. Das wär's. Denn merke: Was der Lyriker unter den Literaten, das ist der Kolumnist unter den Journalisten. Was Edleres halt. Wobei, unter Lohnschreiber-Gesichtspunkten und sozusagen in Euro / Wort gesprochen: da hat es der Kolumnist natürlich besser als der Lyriker, der finanziell gesehen allemal eine arme Sau ist. Ich glaube, fast auch, wenn er Enzensberger heißt. Ich meine, was die Lyrik-Erlöse angeht, nicht das sonstige Intellektuellen-Salär. Das wird bei dem Enzensberger schon prächtig sein. Kein noch so kleiner Vortrag unter 15.000 Euro, wie man so hört.

Also loben wir mal wieder Martenstein mit einem Zitat:

MARTENSTEIN
"Die Grillen rackerten sich echt ab für mich. Allein, ich kannte ihr Lied"
Harald Martenstein über den Verlust des Südens

Sehr geehrte Frau N., danke für Ihren Brief. Sie bringen mich doch glatt dazu, zum zweiten Mal eine Kolumne über einen Bob-Dylan-Song zu schreiben. Übrigens habe ich fast auf den Tag genau vor acht Jahren die erste dieser Kolumnen verfasst. Als ich so alt war, acht Jahre, fuhren meine Eltern zum ersten Mal mit mir ans Mittelmeer, nach Italien. Oder waren es überhaupt nicht meine Eltern? Sie ließen sich scheiden, etwa zu dieser Zeit. Von da an lebte ich abwechselnd bei den Großeltern und meiner Mutter und fuhr zweimal im Jahr mit meinem Vater in den Urlaub. Diese Urlaube fand ich schön, vor allem die ersten Tage. In der zweiten Woche hatte mein Vater meistens eine neue Freundin. Waren meine Eltern noch zusammen, als ich zum ersten Mal in Italien war, oder bin ich nur mit meinem Vater und seinen Freundinnen dort gewesen? An andere Details dieser Reise kann ich mich viel deutlicher erinnern als an die familiäre Konstellation, an das Zirpen der Grillen, den Duft der Bäume, deren Namen ich erst später lernte, an den Geschmack des Essens.

In den folgenden Jahren fuhr ich oft in den Süden. ... Weiter hier.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

PISA-Kritiker

Diesen Artikel der Wikipedia über die PISA-Kritiker kann man als Ausgangspunkt nehmen, um einmal nachzudenken. Vorläufig denke ich, es muss klar sein, was die finale Bezugsgröße sein soll, anhand derer die PISA-Ergebnisse zu messen sind. Es könnten sein: Korrelation zu ...

a) späteren Abiturnoten
b) Studienabschluss- oder Berufsausbildungsnoten
c) beruflichem Erfolg, gemessen nach subjektiver Zufriedenheit im 40 Lebensjahr
d) beruflichem Erfolg, gemessen nach Bruttoeinkommen im 40 Lebensjahr
e) Bruttosozialprodukt der Länder
f) ...

Da sich vor allem die Spitzenleute der verschiedenen Bereiche, von den Banken bis hin zur Wissenschaft, wahrscheinlich ungerne in die (Einkommens-) Karten schauen lassen, bleibt eine solche Validierung naturgemäß schwierig. Ohne eine solche Fernvalidierung aber bleibt das alte, nun gewandelte Spruchweisheit richtig:

Non vitae, sed scholae discimus

Und eine kleine Beobachtung noch: Als ich Ende der 1980er Jahre einmal junge Japaner gefragt habe, was für sie der große Unterschied zwischen Münster und einer vergleichbaren japanischen Stadt sei, da war nach einigem Überlegen die Antwort: In Münster sitzen am Nachmittag Männer im Café! Männer im arbeitsfähigen Alter waren gemeint. -- Will sagen: Wer korreliert denn Lebensqualität in den einzelnen Ländern -- die ja natürlich durchaus subjektiv und kulturspezifisch erfahren wird -- mit Pisa-Ergebnissen?

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Det er stærkt generende.
”Non scholae, sed vitae discimus” (lat. 'vi lærer ikke for skolen, men for livet’) er et hyppigt brugt skolemotto. Citatet er en optimistisk fordrejning af Senecas desillusionerede konstatering af at ”non vitae, sed scholae discimus” (lat. 'vi lærer ikke for livet, men for skolen').

Dienstag, 31. August 2010

Intelligenz? Kultureller und nationaler Hintergrund

Ich hoffe aufrichtig, dass ich bei dem, was ich eben bei der Wikipedia geschrieben habe, nicht durch Thilo Sarazin beeinflusst bin. ;-) Nun denn:

Um es mal sehr allgemein zu sagen: Manches in dem Artikel [zum Begriff Intelligenz] ist sehr allgemein gehalten. (Wie in der I-Forschung üblich, könnte man natürlich hinzufügen.) Etwa dieser Abschnitt:

"Spearmans Generalfaktor der Intelligenz (g) ist eines der am weitesten verbreiteten Intelligenzmodelle. g ist eines der reliabelsten und validesten Konstrukte der Psychologie. g sagt laut Robert Plomin schulischen Erfolg und Prestige des später erreichten Berufes besser vorher als jede andere erfassbare Eigenschaft. Die Voraussagekraft von g auf Variablen wie Berufsprestige und Einkommen eines Individuums wird verringert, wenn man als eine mit g korrelierte Variable den sozioökonomischen Status des Elternhauses einbezieht. Doch auch in diesem Fall leistet g einen eigenständigen Beitrag zur Varianzaufklärung."

Gut wäre es, wenn auf konkrete Untersuchungen (auch) in Deutschland verwiesen würde. Und um es platt aber deutlich zu sagen: Das empirische Problem wird sein, dass die ganz Erfolgreichen, vom Banker bis zum Medizinprofessor und dem Physik-Nobelpreisträger, sich kaum einem Intelligenztest unterziehen werden. Die Schüler wird man -- wirklich repräsentativ? -- gerade noch dazu bringen können. -- In allen Belangen gilt: Den Versuchsaufbau genau und sehr kritisch ansehen. Sonst gilt die dumme alte Weisheit :-) : Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst. -- Nachtrag, weil ich schon dabei bin: Ein Hinweis auf den Begriff der [[Emotionale Intelligenz|emotionalen Intelligenz]] wäre nicht schlecht. Und eine Stelle, an der, und sei es indirekt, zu dem vermittelt wird, was ich bei Daniel Goleman vor Jahren gelesen habe; sinngemäß: "Wie kommt es, dass so viele Leute mit einem IQ von 140 und höher in den Unternehmen von Leuten mit einem IQ von 110 als Angestellte arbeiten?"

Dienstag, 16. Dezember 2008

Nach dem sogenannten Ehrenmord

Die Meldung heute lautet so:

Hamburg (dpa/lno) - Rund sieben Monate nach dem sogenannten Ehrenmord an der 16 Jahre alten Deutsch-Afghanin Morsal aus Hamburg beginnt heute um 9.00 Uhr der Prozess gegen ihren Bruder. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen vor, seine Schwester am 15. Mai aus Ärger über deren Lebenswandel mit 23 Messerstichen auf einem Parkplatz im Stadtteil St. Georg getötet zu haben. Er habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft vor Beginn des Mord-Prozesses am Landgericht. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Diskussion um die Integration von Einwanderern ausgelöst.

Ich erinnere mich: Vor ein paar Jahren habe ich mit einer Studentin aus dem Nahen Osten ein Interview und eine Fragebogen-Aktion gemacht. Unter anderem sollte sie in einem Fragebogen auf einer Skala ankreuze, was sie "im Westen" -- sie lebte nicht in Deutschland -- besser oder schlechter als in ihrem Herkunftsland findet. Zu meiner Überraschung fand die junge Frau die Lage in Ihrem Herkunftsland in beinahe allen Punkten deutlich besser als "hier". Allerdings, sie drang am Ende darauf: Ich musste ihre Person so stark anonymisieren, dass ich weder ihr Herkunftsland noch irgend eine Angabe zu ihr bei der Veröffentlichung aufnehmen konnte. Dass diese Angst vor dem persönlichen Bekenntnis ein Teil einer extremen Unfreiheit war, konnte sie offenbar nicht erkennen.
Wenn man sehr, aber nicht über Gebühr vereinfacht, kommt man auf die schöne deutsche Redewendung: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass." Viele Immigranten in westlich geprägten Ländern möchten die gewohnten Verhältnisse ihrer Herkunftsländer im Westen erhalten, aber gleichzeitig die positiven Eigenschaften ihres neuen Landes in Anspruch nehmen. Dass in vielen, wenn auch nicht in allen Fällen beide Situationen unverträglich sind, können sie nicht begreifen. Es wäre an uns, die Art und den Umfang dieser Unvereinbarkeiten in Fallstudien klar zu machen. Unseren Neubürgern und auch uns selbst.
Ein Leben mit traditionellen afghanischen Ehrenvorstellungen -- die Brüder wachen über die "Sittsamkeit" der Schwester und sprechen, wenn notwendig, die Todesstrafe aus --, so etwas kann hier nicht gelebt werden. Nicht einmal im Ansatz, wenn also nicht gemordet wird. Eine 16jährige darf anziehen was sie will, und wenn sie mit einem jungen Mann schlafen will, ist das hierzulande kein Verbrechen. Wir müssen es klar machen.