Sonntag, 31. Januar 2010

Selbstliebe und Selbstzerstörung

Heute, seit 09:30 Uhr. Essay und Diskurs: Körperkult. 3. Selbstliebe und Selbstzerstörung
Von Svenja Flasspöhler

"Das Wort Kult meint Götterverehrung. Der Körper wird dabei für die Huldigung instrumentalisiert. Innerhalb des Körperkultes ist der Körper aber nicht nur Mittel, sondern auch Zweck des Kultes. Er selbst ist es, der geehrt, angebetet und manipuliert wird. Dies zeigen viele Formen in unserer Gesellschaft. Unsere vierteilige Serie "Körperkult" befasst sich damit. "

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Jeder 100. Deutsche sei fitness-süchtig. Michael Jackson, eine Parodie seiner selbst, hergestellt durch "Schönheitsoperationen".

"Auf Neuguinea fügt man sechzehn Jahre alten Jungen bis zu 2000 Schnitte am ganzen Körper mit einem Rasiermesser zu, um das 'Krokodil' zu ehren, das dem dortigen Glauben zufolge der Ursprung des Lebens ist. Und bei den brasilianischen Kayapó-Indianern sticht man einem neugeborenen Jungen schon nach wenigen Tagen ein Loch in die Unterlippe. Mit den Jahren wird das Loch vergrößert, und wenn der Junge das Heiratsalter erreicht hat, setzt man ihm eine sogenannte Lippenscheibe ein, die so groß ist wie eine Untertasse und die Redekunst ihres Trägers symbolisieren soll."

Und ein wenig weitergeblättert.

"Überall auf der Welt sind Frauen durch Schönheitsideale und Bräuche in ihrer Freiheit und Unversehrtheit eingeschränkt worden. Doch die chinesische Tradition des Füßebindens scheint eine besonders grausame Variante zu sein: von klein auf wurden den meisten chinesischen Mädchen durch ihre Mütter die Füße so eng und stark bandagiert, dass ..."

Freitag, 29. Januar 2010

Machu Picchu in Peru

Ja, Himmelarschundzwirn -- was suchen den Touris allüberall in der Welt? Verpesten mit Flugbenzin die Atmosphäüre. Lassen ihren Abfall da. Machen die Einheimischen zu Nicknegern und Nickindianern. Je nun, der Mensch als solcher ist halt aufgespalten in einen depperten und einen verünftigen Anteil. Und in machen Menschen ist das Bedürfnis nach Großtun größer als die Vernunft. Und BILD, der Inbegriff der mediokren Quasi-Vernunft vermeldet es dann an die passenden Adressaten:

Machu Picchu in Peru ist ein Katastrophengebiet. Sieben Menschen starben. Darunter eine Touristin aus Argentinien. Tausende Urlauber sind eingeschlossen.

Es ging zu wie in Roland Emmerichs Weltuntergangs-Thriller „2012“: Die Fluten kamen und rissen alles mit sich. Häuser stürzten ein und wurden weggespült.
...
Durch das Unwetter ist die Evakurierung der Menschen extrem schwierig.

Na, dann kuriert und evakuriert mal schön. Und wenn Eva kuriert ist, schaut mal nach, ob noch der alte Adam da ist.

Finning

Der Mensch als -- nein, nicht als solcher, sondern in seiner Gruppierung als ökonomisches Wesen, ist, wenn es darauf ankommt, ein Ekelpaket. Wenn's zum Beispiel der Nahrungsvermarktung geht, kennt der Homo OEconomicus kein Pardon. Wir lesen und hörten gerade im Radio:

"Das Shark Finning hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die Erhöhung der Nachfrage stark zugenommen, insbesondere durch den wachsenden Bedarf in China zur Herstellung von Haifischflossensuppe. Aufgrund des dort wachsenden Wohlstandes wurde ein Boom ausgelöst, da die Suppe wegen des hohen Preises (über 600 US-Dollar pro Kilo getrocknete Flosse) als Prestigeobjekt serviert wird. Aber auch für traditionelle Medizin wird die getrocknete Flosse verwendet.
Das Shark Finning ist weltweit weit verbreitet und verläuft unkoordiniert und nicht überwacht. Fachleute gehen davon aus, dass jährlich rund 100 Millionen Haie wegen ihrer Flossen getötet werden."

Der kleine Häwelmann

Theodor Storm

Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des nachts schlief er in einem Rollenbett und auch des nachmittags, wenn er müde war; wenn er aber nicht müde war, so mußte seine Mutter ihn darin in der Stube umherfahren, und davon konnte er nie genug bekommen.
Nun lag der kleine Häwelmann eines nachts in seinem Rollenbett und konnte nicht einschlafen; die Mutter aber schlief schon lange neben ihm in ihrem großen Himmelbett. "Mutter", rief der kleine Häwelmann, "ich will fahren!" Und die Mutter langte im Schlaf mit dem Arm aus dem Bett und rollte die kleine Bettstelle hin und her, und wenn ihr der Arm müde werden wollte, so rief der kleine Häwelmann: "Mehr, mehr!" und dann ging das Rollen wieder von vorne an. Endlich aber schlief sie gänzlich ein; und so viel Häwelmann auch schreien mochte, sie hörte es nicht; es war rein vorbei.

Erinnerung an Sie, die mir den Kleinen Häwelmann gezeigt hat. Der immer mehr und mehr und mehr will...

Diskussionen im Internet und ihr Niveau

Und dann kommt -- das ist die wahre Internet-Demokratie! -- Volkes Stimme daher und kommentiert:

DerLasse94 (vor 1 Monat)
Garnicht so einfach dieser Romantik Krams Man muss schon Intilligent sein um das alles zu verstehen.

PROSPE78 (vor 3 Monaten)
Romantik ist ein Etikett. Man muss schon bereit sein genau hinzuschauen, was verschiedenste Leute gesucht bzw. gefunden haben. Auf Etiketten andere Etiketten zu kleben und sie selbstgefällig duch die Luft zu wedeln, kommt nur jenen Zynikern gelegen, die nur ihr Häufchen Gegenwart kennen und es müde sind, nur darüber zu witzeln. Schämt euch für das "Niveau".

TheStefanbw (vor 6 Monaten)
Aber bei den 68ern, den Hippies, den Grünen tauchen in der Frühzeit tatsächlich genau die gleichen Topoi auf: Flucht in die heile Welt der Vormoderne, Entgrenzung und Ausbruch aus dem Alltag z.B. durch Drogenkonsum, ohne Industrie, ohne Umweltverschmutzung, ohne Ausbeutung... "merry England ideology" nennen die Engländer das Pendant dazu...

TheStefanbw (vor 6 Monaten)
Stefan Georges "geheimes Deutschland", alles im weitesten Sinne Romantik, die konservativen und nationalen Bewegungen der Weimararer Zeit waren allesamt romantisch, ebenso die Jugendbünde... dazu die "politische Romantik", die nach dem Vollkommenen strebt und daher die parlamentarische Demokratie leider verachtete, alles pervertiert im Nationalsozialismus, und alles nach 1945 im wesentlich vergessen...

TheStefanbw (vor 6 Monaten)
Lest mal das Buch von Safranski, die Zusammenhänge sind irre und vollkommen eineluchtend! Die Romantik prägte das deutsche Denken für seit Jahrhunderte, im guten und im Schlechten. Religiöse Schwämer, Grimms Märchen, Herders Idee von "Volk", die Sehnsucht nach dem deutschen Mittelalter als eine Flucht aus der Moderne, die Verehrung der Natur im "deutschen Wald", Hegels Weltgeist, Wagners Opern, Manns "Ansichten eines Unpolitischen"...

LostGentlemen (vor 10 Monaten)
Unglaublich diese Kacke!!! Romantiker in der Politik... Hitler... Perversion des Romantischen... , The Doors, Hippies... HALLO! GEHT'S NOCH!?!?! es is unglaublich wie furchtbar dumm-dreist dieser Beitrag ist. da stimmt ja keine einziger Zusammenhang und all diese hohlen reißerischen Phrasen... könnt ich glatt kotzen

Jour0n (vor 9 Monaten)
richtig, was hat Fichte da zu Suchen, und da wird er in einem Atemzug mit diesem Schlegel genannt. "zu mehr reicht es in Deutschland nicht" .... das was die hier als Romantik als Erbe ausgeben wird, ist nicht Erbe, sondern Ausbeutung und Verfremdung LÄCHERLICH

LostGentlemen (vor 10 Monaten)
"Romantiker sind Stammväter der Grünen..."" Was für eine dumme Scheiße!!! hat das RTL gemacht und einfach nur ZDF draufgeklebt?!?!?

LostGentlemen (vor 10 Monaten)
wie platt, und plakativ! was für ein furchtbarer Erzähler!

Doctorro (vor 1 Jahr)
hat jemand mal die komplette Folge? bin wieder auf den Geschmack gekommen :)

Sioux2 (vor 1 Jahr)
Rudi Dutschke hatte seine stärken wohl nicht im tanzen...

Mittwoch, 27. Januar 2010

Pirahã

Was halten wir denn davon?

Pirahã ist der Name einer vom gleichnamigen Stamm im Amazonasgebiet Brasiliens gesprochenen Sprache, die als die einzige heute noch gesprochene Sprache der Mura-Sprachfamilie gilt.
Pirahã hat seit 2005 eine große Debatte unter Linguisten ausgelöst, die auch ein beträchtliches Echo in den Medien erfahren hat. Grund dafür ist, dass Daniel L. Everett, der Linguist, der hauptsächlich mit der Sprache gearbeitet hat, behauptet, dass die Sprache in zahlreichen Punkten extrem ungewöhnlich ist und strukturell massiv von anderen, auch „exotischen“, Sprachen abweicht.


"ROBERT D. VAN VALIN, JR. [6.14.07]
Heinrich Heine University, Düsseldorf

There are a number of points worth emphasizing with respect to Dan Everett's claims about Pirahã. First, and most important, he is not claiming that Pirahã speakers are in any way limited in what they can say by the lack of recursion in the syntax. Saying 'John has a brother. His brother has a house' communicates the same content as 'John's brother's house', albeit with less perspicuous packaging. The fact that Pirahã speakers can formulate such utterances supports Everett's claim that they can form recursive semantic propositions, which are then expressed in this non-recursive way in the syntax. There are analogues in other languages. I worked for many years with speakers of Lakhota, the language of the Sioux, which definitely has recursive structures in its syntax. If one asked a Lakhota speaker if the Lakhota equivalent of 'I know that Bill stole the money', with 'that Bill stole the money' as an embedded clause, is a possible Lakhota sentence, he or she would say that it is. If, on the other hand, one asked a Lakhota speaker how he or she would say that sentence, they would respond 'Bill stole the money, and I know it', which is exactly the same kind of non-recursive structure found in Pirahã. Given a choice, the Lakhota speakers I have worked with always chose the non-recursive structure. There are good reasons why they would want to avoid such embedded clauses, given certain features of Lakhota syntax, but the point is that speakers find it to be communicatively equivalent to the recursive structure.

John Searle long ago proposed a principle of effability, which states that all languages are capable of expressing the same content. Despite the lack of recursion, Pirahã speakers are indeed able to express complex propositions. This is relevant to Chomsky's claim that recursion is the key feature of human language. Chomsky's approach treats syntax as the main backbone of language, to which other aspects of language are secondary. Because speakers are capable of formulating complex recursive propositions, this must, given Chomsky's view of the centrality and primacy of syntax to language, be realized in terms of recursion in the syntax."

Welche dieser Einlassungen sind überhaupt in ihrer gedanklichen Vagheit und Schwere widerlegbar? Oder zu testbaren Sätzen umzuformulieren?

Dienstag, 26. Januar 2010

Ich bin ein US-Amerikaner! Grad eben noch...

Wie lange noch? Ich habe den boys und girls immer und irgendwie und zumindest innerlich die Treue gehalten. Aber nun? Eine Ansammlung von Menschen zur Hälfte, die nichts mehr fürchtet als die Veränderung. Bei der Krankenversicherung, beim Klimaschutz, bei der faktischen Rassentrennung. Armer Obama! Vielleicht sollten die Nord- und die Südstaaten sich wieder trennen und eine große Wander- bewegung einsetzen. Dann wüsste ich wenigstens, wohin ich gehöre.

Montag, 25. Januar 2010

GfK

Plötzlich schaue ich mal nach. Vermutungsstand: Die GfK ist in den 1970er Jahren von findigen Pädagogik- und VWL-Studenten gegründet worden. Pustekuchen! Die Wikipedia verkündet:

Die GfK Aktiengesellschaft wurde 1934 als GfK-Nürnberg Gesellschaft für Konsumforschung e.V. von Nürnberger Hochschullehrern, darunter dem späteren deutschen Wirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard, gegründet. Das Konzept wurde vom Mitbegründer Wilhelm Vershofen gestaltet.
1984 wurden die kommerziellen Aktivitäten in die GfK GmbH ausgegliedert und mündeten 1990 in die heutige GfK SE. Der GfK-Nürnberg e.V. beschränkte sich seit diesem Zeitpunkt auf die Förderung der Markt- und Absatzforschung. Heute hält der Verein 57 % der GfK SE. Der Hauptstandort des Unternehmens und des Vereins ist Nürnberg.
2009 wurde die GfK AG in eine europäische Aktiengesellschaft umgewandelt. Die GfK trägt mit dem Wechsel der Unter- nehmensrechtsform ihrer internationalen Ausrichtung verstärkt Rechnung.
Die GfK erhebt unter anderem die Einschaltquoten für das Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Gemeinde Haßloch dient als durchschnittlicher Ort als Testmarkt für das Instrument GfK BehaviorScan, mit dem vor allem die Wirkung von Fernsehwerbung untersucht und die Neueinführung von Produkten simuliert wird.

Wer hätte gedacht, dass 1934 eine solche Einrichtung entstanden ist. Wobei es nun von großem Interesse wäre, welche Rolle die GfK im Weiteren -- 1940, 1945, 1950, 1955 ... gespielt hat. Wie hat sie sich in der NS-Zeit verhalten, wie in der Nachkriegszeit, wie später und heute?

Sonntag, 24. Januar 2010

Fische, ganz da unten im Marianengraben?

Schon seltsam manchmal, die Sache mit der Empirie. Ich lese da heute:

"Doch an der Stelle, die seit dem Tauchgang Trieste-Tief heißt, liegt kein Wrack. Als das Boot knapp über dem Meeresboden stoppt, zeigt der Tiefenmesser 11.521 Meter. Das Gerät wurde im Süßwasser kalibriert; spätere Sondierungen geben die Tiefe mit 10.916 Metern an, 1995 wird die Stelle mit 10.911 Metern gemessen. Und doch gibt es Leben hier unten: Ein Plattfisch schwimmt durch das Scheinwerferlicht des Tauchbootes – sagt Piccard. Er hat keine Kamera dabei, Ozeanographen bezweifeln seine Beobachtung." (Quelle)

Je nun, warum baut Deutschland nicht eine kleine Fernsehkamera + Lampe, baut beides in eine kleine Druckkapsel ein, nimmt, von wegen der Leichtigkeit, ein Glasfaserkabel und lässt beides mit relativ geringem Aufwand in den Marianengraben hinab. Gefesselt meinethalben an eine automatisch sich an der Stelle haltende Boie und für ein halbes Jahr. Relativ geringer Aufwand. Menschen sind nicht gefährdet.

Schwimmen jetzt Fische vorbei oder nicht? Die Sache wäre geklärt.

Tokyo Killer

Barry Eisler spricht japanisch. Tokyo Killer als der Film Rain Fall. Gibt es den Film hierzulande als DVD?

Samstag, 23. Januar 2010

Und Gott sprach -- durch die Wikipedia

Ich stoße auf eine schon ein wenig ältere Wikipedia-Diskussion, die ich zum Thema "Belagerung von Zara" losgetreten habe und die mir aus dem Abstand heraus gefällt:

Katholisch?

"Hierbei wurden katholische Kreuzritter erstmals für die Eroberung und Plünderung einer katholischen Stadt benutzt." Ist dieses Attribut hier zutreffend? Katholisch wird doch meistens mit "römisch-katholisch" assoziiert. Außerdem: dass man Ritter "benutzt" klingt auch ziemlich schräg. --Delabarquera 18:44, 13. Dez. 2009 (CET)

Katholisch ist hier der richtige Begriff. Die Kreuzfahrer und die Einwohner der Stadt Zara waren Anhänger der Katholischen Kirche. "Katholisch" wird hier zutreffend mit "römisch-katholisch" assoziiert, denn genau diese Kirche ist gemeint. Zur Klarheit habe ich den Begriff verlinkt. Außerdem: Dass man Ritter "benutzt" klingt nicht nur schräg, sondern war es auch – gerade dieser Umstand macht die ansonsten unspektakuläre Belagerung so historisch bedeutsam. --Herrgott 11:16, 14. Dez. 2009 (CET)

Na ja, kann man dem Herrgott widersprechen, wenn er so, ex cathedra, spricht?! --Delabarquera 16:53, 15. Dez. 2009 (CET)

Deutsche Außenpolitik: Afghanistan

Der afghanische Präsident Hamid Karzai, auf den viel geschimpft wird, hat sich als Kenner seines Landes und als echter Pragmatiker erwiesen. Dafür will ich ihn loben! Er schlägt vor, einzelne Taliban-Gruppen für das Niederlegen bzw. Abgeben ihrer Waffen und die politische Mitarbeit schlichtweg zu bezahlen.
Denken wir die Sache zuende: Wenn das Geld, das der Afghanistan-Einsatz die Staaten gekostet hat, von Anfang an dazu verwendet worden wäre, um die Anerkennung gewisser unverzichtbarer politischer und moralischer Standards und das Anerkennen einer Zentralregierung zu erkaufen, dann wären wir heute viel, viel weiter. Natürlich hätte das Geld nicht auf einmal an die Führer der Stämme und Gruppen ausbezahlt werden dürfen, sondern als Alimentation gestreckt über -- sagen wir ruhig: 20 Jahre.

Warum kommt die deutsche Außenpolitik nicht einmal auf solche unkonventionellen Ideen?

Donnerstag, 21. Januar 2010

Radio am Morgen: Hartz-IV, Koch

Ein kluger Kommentar zu Roland Kochs Hartz-IV-Arbeitspflicht im Deutschlandfunk.* Dass Koch als Lobbyist der Mittelschicht auftritt, dass es aber einen Umbau des Sozialstaats im 21. Jahrhundert braucht. Dass Besitzstandswahrung im Moment alles sei, was zählt. Meine Frage schon seit längerer Zeit: Wenn wir es in die Entscheidung Einzelner stellen würden -- wie viel in Bruttolohn-% wäre den Menschen die absolute Sicherheit ihres Arbeitsplatzes wert? Diese noch unbeantwortete Frage macht, vielleicht sinnloserweise, jede Forderung der Beamten auf Gehaltserhöhung immer zu einer komischen Sache.

Auf den ersten Blick ist das Ganze ein Sturm im semantischen Wasserglas. Was Roland Koch fordert, ist längst Gesetz und Praxis: gut eine halbe Million Arbeitslose verrichten als Ein-Euro-Jobber gemeinnützige und daher mitnichten "niederwertige" Tätigkeiten. Mehr können, wollen oder dürfen die Kommunen und die Sozialverbände nicht beschäftigen.
Koch weiß das. Warum provoziert er so dumpf? Drei Deutungen bieten sich an. Die erste lautet: Taktischer Zynismus. Eingeklemmt zwischen Krise, Schuldenbremse und Steuergeschenken bleibt der Regierung, so Koch, zur Geldbeschaffung nur noch eine "Hartz IV-Reparatur", an deren Ende "die Gemeinschaft weniger aufbringen" muss. Und als notorisch böser Bube vernebelt er mit der Zwangsarbeitsrhetorik eine Strategie, die auf die Lockerung der Zuverdienstgrenzen bei Hartz IV zielt. Ohne eine Flankierung mit Mindestlöhnen, würde das aber den Elendslohnbereich und das staatlich ermunterte Lohndumping auf Dauer stellen.

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* Ich wollte schon schreiben: In der Eile nicht zu finden. Aber dann, mit Phantasie, doch gefunden. Mathias Greffrath, DLF 21.01.2010 · 07:20 Uhr: Roland Kochs Provokation oder die soziale Marktwirtschaft neuerfinden

Mittwoch, 20. Januar 2010

Rechtschreibreform

"Magis-ter" trennt mein Textprogramm automatisch.

Gleich darauf der Gedanke: Kann es sein, dass im Kern der Rechtschreibreform die Kränkung des seinerzeit kindlichen Gemüts der Reformer steht? "Trenne nicht s-t, denn es tut ihm weh!" Aber man muss doch s-Bindestrich-t schreiben, um das überhaupt niederschreiben zu können, denkt sich der kleine Gerhard Augst im harten Nachkriegswinter 1947 in der Volksschule zu Altenkirchen. Und er steht für so einige!

Solche Sinnsprüche mussten einfach den kindlichen Intellekt späterer, formal und hochdifferenziert (sic) denkenker Germanistik-Professoren beleidigen! Und also -- Rache an der deppert-schlichten Denke der eigenen Deutschlehrer, das steht als zentrales Motiv hinter der Rechtschreibreform! Zerschlagen wir ihre Sprüche! Jetzt sind wir an der Macht!

"Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Verstand ist stehts (sic) bei wen'gen nur gewesen." - Friedrich Schiller

So haben sie gedacht, die Kinder-Professoren. Und sich daran gemacht, der Mehrheit ihren Wen'gen-Willen zu oktroyieren. Triumph des Willens! einmal anders.

Man sehe sich noch einmal Volker Pispers' Henri an!


Dienstag, 19. Januar 2010

Managerment-Fehlentscheidungen: WordPerfect

Die Manager von WP haben einst die Bedeutung eines kleinen Instruments verkannt: der Maus. Profi-Schreiber, so sagte mir ein Mann an einem WP-Stand auf der Cebit, würden niemals die Hand von der Tastatur nehmen.

Samstag, 16. Januar 2010

Politik 4: Veränderungen, Strompreis und erneuerbare Energien

Röttgen verteidigt Kürzung von Solarstromförderung
Umweltminister Norbert Röttgen hat die geplante Kürzung der Solarstromförderung verteidigt. Er rechne mit einem Wachstum der Solarenergie in Deutschland sowie einem Preisrückgang bei regenerativen Energien. Darum sei es richtig, dann auch die Förderungen zurückzunehmen, so der Umweltminister. Die Höhe der Kürzung stehe noch nicht fest. Nach dem Gesetz über erneuerbare Energien erhalten Betreiber von Solaranlagen je Kilowattstunde einen festen Betrag, der deutlich über dem Börsenpreis liegt.

Mal allgemein gesagt: Mit politischen und wirtschaftlichen Veränderungen wie mit Veränderungen überhaupt ist es doch so: Kommen sie extrem schnell, machen sie alles kaputt. Vergleichbar einem Auto, das eine Extrembremsung macht = gegen einen großen, festen Baum fährt. Warum gibt es nicht, und also auch bei den erneuerbaren Energien und den Beträgen für Stromeinspeisung aus denselben, von Beginn an eine Gleitklausel des sanften Bremsens. Eine Klausel, die bekannt war und ist und die das Wirtschaften berechenbar macht? Langsam immer weniger Förderung. Ihr könnt euch jederzeit darauf einstellen. Oder gibt es diese Klausel, und ich kenne sie wieder mal nur nicht.

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Ich habe diese Frage gerade eben mal an das Ministerium gestellt. Mal sehen...

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die bei uns eingegangen ist.

Ihr Referat Öffentlichkeitsarbeit

Politik 3: Umweltpolitik

Hin und wieder sage ich unter Freunden, dass man die Fernflüge -- nicht nur die privaten, aber die eben auch -- längst extrem bewirtschaften müsste. Ein Meilen-Handel nach dem Muster des Emissionshandels. Jeder hat 1000 Meilen pro Jahr abgabefrei, dann wird es richtig und unverschämt teuer. Und jeder kann seine Rechte an die anderen verkaufen. Meistbietend, bei Ebay meinetwegen.

Wenn ich das sage -- ein Lächeln! Wer wollte heute von der Gewohnheit lassen, mit seinem Urlaub in Thailand oder den Niederländischen Antillen zu protzen. So ist der Mensch eben. Wer sollte ihn ändern.

Politik 2: Banker und Boni

Die Online- und die Papierpresse meldet das:

"President Barack Obama said bonuses dealt out by Wall Street firms are “shameful” while the U.S. economy is in recession and companies are asking for help from taxpayers.
Distributing bonuses now “is the height of irresponsibility” Obama said at the White House, where he held a closed-door meeting with Treasury Secretary Timothy Geithner and Vice President Joe Biden. Firms need to “show some restraint and show some discipline and show some sense of responsibility.”"

Aber -- ich hab das in diesem Blog so oder so ähnlich schon mal geschrieben, also noch einmal, aus diesem gegebenen Anlass: Nehmt einem Angler die Angel weg und er verliert einen Teil seines Lebenssinns. Nehmt einem Banker die Boni weg, und er verliert beinahe den gesamten Sinn seines Lebens. (Oder vielleicht wirklich: seinen ganzen und einzigen Lebenssinn?!) Die Großen dieser Welt sind -- ausgleichende Gerechtigkeit -- arme Schweine mit reduziertem Sinnhorizont. Auf der anderen Seite: Das macht sie am Ende zu den großen Leuten. Ihr sozialer Instinkt ist auf den jeweiligen Erfolg zugespitzt. Sie sind die Stiletts

Und wenn es das Ende des Lebens nicht gäbe, wenn sich die Reichen und Schlauen und Erfolgreichen die Ewigkeit und die ewige Hoch-Zeit erkaufen könnten -- es wär nicht zum aushalten. So aber -- am schönsten drückt es das Hobellied aus.

Da streiten sich die Leut' herum
oft um den Wert des Glücks;
der eine heißt den andern dumm;
am End' weiß keiner nix.
Da ist der allerärmste Mann
dem andern viel zu reich!
Das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt s' beide gleich.

Das Schicksal?

Na ja, der Weaner Tod halt.

KZ-Bordell

Beim Herumsuchen zu dem vorherigen Eintrag stoße ich auf das. Ich hatte irgendwann davon gehört und es wieder vergessen. Jetzt halte ich es fest. Ein Mosaikstein zu dem großen Werk "Der menschliche öffentliche Wahnsinn". Gut, die Überlegungen zum damaligen Forschungsstand auf der Homepage des Autors der Untersuchung, Robert Sommer.

Zwangsprostitution im KZ-Bordell
Zwangsarbeit in KZ-Bordellen: "Opfer ohne Stimme"
18.12.09

Berlin - Der perverse Plan kam von Heinrich Himmler: Der SS-Führer ließ in Lagern Bordelle bauen, als Anreiz für fleißige KZ-Häftlinge. NS-Forscher Robert Sommer hat das Schicksal der Zwangsprostituierten erforscht. Ein Interview.

Politik 1: Hilfen für ...

Die Luft an diesem Winterwochenende ist voller Politik. Nehmen wir die Erdbeben-Katastrophe in Haiti. Die Verzweiflung der Menschen, in vielen Berichten beschworen. Darf ich angesichts dieser Meldungen die folgenden Überlegungen überhaupt im eigenen Hirn zulassen? Ich und man muss!

Erste Assoziation: Vor Jahren ein Polit-Sketch im Fernsehen. Ein Mann vor seiner darniederliegenden Hütte in Afrika. Fruchtbares Land ringsumher. Die Sonne scheint. Da sei ein Sturm vor vier Wochen gewesen, sagt der Mann mit trauerndem Blick auf seine Hütte. Und die UNO sei immer noch nicht dagewesen, um seine Hütte wieder aufzubauen.

Zweite Assoziation: Die Palästinenser. Bei einer Krise vor Jahren erfährt man, dass die palästinensische Verwaltung von Europa bezahlt wird und dass die Funktionäre kein Geld bekommen, wenn die EU die Hilfezahlungen einstellt.

Drittens, dieser Fall jetzt: Ein politisches Chaos in einem klimatisch gesehen paradiesischem Land. Das Land ist -- natürlich -- nicht in der Lage, sich auch nur annähender selbst zu helfen. Der schwarze Mann vor seiner Hütte...

Vierte Assoziation. Lafontaine, der Helmut Schmidt 1982 kritisiert: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben." Ganz selten wird darauf hingewiesen, dass man ohne diese Tugenden gar nicht "betreiben" kann, vor allem keine funktionierende Gesellschaft. So bleibt das Problem, die Frage: Wie kann man den an den internationalen Hilfe-Tropf gewöhnten, diese Hilfe inzwischen einklagenden Gemeinschaften dazu bringen, auf eigenen Füßen zu stehen und Selbstverantwortung zu entwickeln?

Zu den Tabus der Berichterstattung gehört -- sowas sagt man einfach nicht --, dass die Palästinenser, die Haitianer, fast alle Afrikaner wegen ihrer fehlenden Sekundärtugenden als Kindernationen gesehen werden. Da hat sich seit jenem Denker, der diese Formulierung in die Rede eingebracht hat, wohl nichts geändert. Nur eben -- dass dieses Gefühl wegen der politischen Korrektheit nicht mehr ausgesprochen wird.

Ach ja -- wer war jener Denker? Richtig! Georg Wilhelm Friedrich Hegel.