Donnerstag, 3. Oktober 2013

Flüchtlinge ertrinken vor Lampedusa

[ Als Vorbereitung eines Briefs an Heribert Prantl von der SZ. ]

Die EU schützt sich vor Flüchtlingen wie vor Terroristen und behandelt sie so. Wer Lampedusa erreicht, wird nicht aufgenommen nach dem Prinzip "Leistung muss sich lohnen", sondern rücktransportiert nach dem Motto "Wir können uns euch nicht leisten". Flüchtlinge gelten als Feinde des Wohlstands. Man fürchtet sie wegen ihrer Zahl. Europa ist zwar nach seiner Selbstbeschreibung ein "Raum der Freiheit der Sicherheit und des Rechts" - aber nur für die, die schon in Europa leben. (Prantl, SZ vom 8. April 2011. Den neuesten Kommentar zu Lampedusa habe ich nun nicht herausgesucht.)
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Ich schlage an unserem Nationalfeiertag Google News auf und es springt mir ins Auge:

Drama im Mittelmeer: Dutzende Flüchtlinge ertrinken vor Lampedusa | Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ist ein Schiff mit Flüchtlingen gesunken. Fast hundert der rund 500 Personen an Bord starben, teilten Lampedusas Bürgermeisterin Giusi Nicolini und die Küstenwache mit. Die Behörden fürchten, die Opferzahl könnte weiter steigen. (SPIEGEL Online)

Ein Flüchtlingsdrama, eines von vielen. Ein Drama, das Anlass zum Wieder-einmal-Nachdenken ist. Am sinnlosesten sind die Extremstandpunkte des "Das Boot ist voll!" und "Europa / Deutschland ist so herz- und verantwortungslos! Wir müssen die Flüchtlinge alle aufnehmen!".

Und auch das noch: Der Unterschied zwischen Wirtschaftsflüchtlingen (haben keinen Anspruch auf Asyl) und "echten" politischen Flüchtlingen ist so sinnlos, dass man ihn vergessen sollte. Wer für sich und seine Familie keinerlei Hoffnung auf ein vernünftiges Leben sieht, wird zu fliehen versuchen. Man muss dafür Verständnis haben.

Klar ist auch: Europa kann nicht alle Menschen aufnehmen, die in ihren Ländern verfolgt sind oder keine wirtschaftliche Zukunft in ihrem Heimatland sehen. Wer schlichten Gemüts ist und schlicht gutmenschlich Forderungen an "die da oben" stellt, der soll zuerst einmal ehrlich antworten, ob er bereit ist, für eine gewisse Zeit zwei Flüchtlinge bei sich in seinem Haus oder seiner Wohnung aufzunehmen oder ein Flüchtslingsheim in seiner Umgebung mit zu betreuen. Er muss auch sagen, wie er / sie eine Auswahl trifft unter denen, die in Lampedusa ankommen. Denn ohne Auswählen geht es offensichtlich nicht. Es ist so wenig hilfreich, wenn man da nur Forderungen stellt, sich gut fühlt und die Auswahl- und Verwaltungsämter beschimpft. (Nein, das ist nicht in Richtung Heribert Prantl geschrieben. Der beschimpft und schimpft ja nicht. Aber es gibt sie natürlich, die, die beschimpfen.)

Was ich realistisch meine? Manche Länder müssen unter die Vormundschaft der UN gestellt werden. Es müssen unter UN-Aufsicht Mustergebiete in den Ländern entwickelt werden, die anschließend ihrerseits in das Land hineinwirken und eine Entwicklungshilfe von innen aufbauen. In diesen Mustergebieten muss, neben dem Aufbau einer einfachen, auf die technischen Möglichkeiten des Landes Rücksicht nehmenden Wirtschaft, auch ein demokratisch-friedliches Miteinander eingeübt werden. 

Im SPIEGEL hat vor vielen Jahren ein Afrikaner gesagt, die europäischen Kolonialmächte sollten zurückkommen und in den Ländern für Ordnung sorgen. Das geht heute natürlich nicht. Aber man sieht, dass einfach die Fackel der Freiheit anzuzünden, in vielen Fällen für kurze Euphorie und anschließend für Elend sorgt. Robert Mugabe war ohne Zweifel einmal ein Freiheitskämpfer. Aber das ehemalige Rhodesien war auch einmal die Kornkammer Afrikas.
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Eindruck insgesamt: Wie auch sonst in der Politik und den Kommentaren zur Politik treiben Wolken aus Meinungen und Schlagwörtern über den Himmel. Weit und breit niemand, der die klaren Antagonismen beim Namen nennt und einen konkreten Vorschlag macht. Die Frage ist ja so schlicht wie klar: Wie sollte Europa, wie sollte Deutschland vorgehen? Nicht wolkig formuliert, sondern konkret bitte! Sehr konkret. Wie könnte eine ideale Gesetzgebung und wie könnte die ideale Umsetzung der Gesetzgebung aussehen?

Mittwoch, 2. Oktober 2013

"Das Auge hört mit"

So lautet die Überschrift eines kurzen Berichts in "Forschung & Lehre" 10 /2013, S. 839. Was erfahren wir, in aller Kürze gesagt: Dass Laien, aber auch Berufsmusiker die Qualität von Musikern und deren Musik -- es ging um Finalisten in Musikwettbewerben -- eher nach dem Optischen und dem Äußeren denn nach der Musik beurteilen. Auch Profi-Musiker urteilen so! 

Versuchsaufbau: ein Clip von 6 Sekunden, mal "nur hören", mal "nur sehen" und dann auch noch "sehen und hören". Wenn das Bild dabei war, wurden die Sieger zu 50% richtig genannt, also über dem 33%-Zufall, wenn nur gehört werden konnte, lag die Trefferquote bei 26%, also deutlich unter dem Zufallsergebnis. 

Nichts gesagt wird zu der ja nicht uninteressanten Frage, wieso man denn unter den Zufall rutschen kann, wenn man hört. Vielleicht doch Probleme mit dem Setting des Tests? Ich habe mal ein wenig gesucht. Der Artikel, auf den sich der Bericht bezieht, ist im Internet vorhanden. Man kann die Sache also hier überprüfen.

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Ach, und da fällt mir ein, dass ich vor Jahren (im Januar 2009, die Festplatte hält sowas fest) auch mal so eine Idee hatte. Ich hatte sie sogar ausformuliert und einigen Fachleuten vorgelegt. Kein Interesse. Also gebe ich diese Idee mal hier zum Besten.

[Nachtrag: Ein schöner Link auf eine interessante Sendung. Dank an den Bayerischen Rundfunk! (04.10.2013)]

Ein Aspekt bei Werturteilen ist immer auch: Was ist im Konkreten dran an des Kaisers neuen Kleidern? Ausbuchstabiert: Wie viel ist bloße Behauptung von Experten,dass sie Unterschiede im Wert von X, Y und Z wahrnehmen können, wie viel tatsächliche besondere Fähigkeit? 

Für letzteres, den besonderen Fähigkeiten, spricht vieles. Wenn man bedenkt, wie groß die menschlichen Fähigkeiten in Disziplinen sind, deren Fähigkeiten-Bandbreite jeder überprüfen kann -- man nehme bei den clear cases nur die 100-Meter-Läufer --, dann hält man es für wahrscheinlich, dass auch in der Kunst manche Menschen einfach durch Anlage und Schulung in den Qualitäten viel mehr und viel besser unterscheiden können als 99 % der Allgemeinbevölkerung. Nur eben, in den meisten Fällen gilt: Nicht Sicheres weiß man nicht. Es gibt da, hat man den Eindruck, eine Art stillschweigendes Abkommen unter den Experten zu geben, nicht genauer hinschauen zu wollen. Was ja eben zu der schönen Geschichte von den nicht vorhandenen Kleidern des Kaisers unter den Nicht-Experten führt. 

So, und nun kommt die eigentlich Idee: Vor Tagen habe ich in der Süddeutschen Zeitung ein Bericht "Stradivari-Klang mit Kunstharz. Ein Psychoakustiker in Sachsen versucht, modernen Geigen den Klangreichtum alter Instrumente einzuhauchen". (SZ 30. Dezember 2008). Was können Experten, was Teil- und Voll-Laien der unterschiedlichen Stufen tatsächlich bei unterschiedlich guten, natürlich auch: unterschiedlich teuren Geigen eigentlich an unterschiedlicher Qualität hören? Die "Versuchsanordnung" wäre sehr einfach: Eine gute Geigerin / ein guter Geiger spielt auf unterschiedlichen Instrumenten eine kurze, bekannte Klassik-Passage. Alles wird mit professionellen Mitteln aufgenommen und diese technisch sehr hochwertigen Aufnahmen werden Musikern und Klassik-Liebhabern auf der Skala ABSOLUTER EXPERTE ... EINFACHER; UNGESCHULTER HÖRER vorgespielt, die die Aufnahmen dann nach einem nicht zu einfachen, nicht zu komplizierten System bewerten. Wo landen die Instrumente, sagen wir 10, von der einfachen Industrie-Geige bis zur Stradivari?

Der Surfer in der Lübecker Bucht 4

[ Alle Postings zu diesem Thema. ]

Das Urteil ist gesprochen, der Name des 73 Jahre alten Mannes wird nicht genannt. Jedenfalls habe ich den Namen, den ich wegen der Stundenlohn-Aussage doch finden wollte, nicht gefunden. 

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Nun hat das Amtsgericht Kiel Strafbefehl gegen den 73 Jahre alten Mann erlassen, der das Boot fuhr. Er sieht eine Freiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung und eine Bewährungsauflage in Höhe von 10.000 Euro zugunsten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vor, wie die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Mittwoch sagte. Dem Mann werden fahrlässige Gefährdung des Schiffsverkehrs und fahrlässige Körperverletzung zur Last gelegt. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig. | Der 73-Jährige soll die Kollision im August 2011 in der Lübecker Bucht als Führer einer Motorjacht in der Lübecker Bucht unter grober Missachtung der Sorgfaltspflicht verursacht haben. Die Motorjacht war laut Staatsanwaltschaft mit dem hohen Tempo von 36 Knoten, das entspricht knapp 67 Kilometern pro Stunde, unterwegs. Bei dem Unfall erlitt der Surfer schwere Verletzungen. Ihm musste laut Staatsanwaltschaft ein Bein amputiert werden. Seine Behandlung im Krankenhaus und die anschließende Reha-Maßnahmen dauerten mehrere Wochen. Außerdem leidet der Mann seit dem Unfall unter schweren psychischen Einschränkungen. (shz.de 5. Juli 2013)

Koalitionen

In der ZEIT einen kluger Artikel über die gegenwärtigen Probleme des Kaolierens gelesen. Die Gründe sind eher schlicht: Die Parteien SPD und Grüne haben vor der Wahl bindende Aussagen über Nicht-Möglichkeiten gemacht, über die sie sich jetzt kaum hinwegsetzen können. Wir lernen erst mal daraus, dass die Parteien vor Wahlen eher 10-Punkte-Hauptprogramme machen und jedes absolut gesetzte Gerede über Koalitionen sein lassen sollten. Sie können Koalitionspräferenzen ja durchaus benennen, aber sie sollten nicht sagen: 'Mit denen auf keinen Fall!'

Und ich merke an: Ich habe noch nie in meinem Leben CDU oder CSU gewählt. Wenn aber Neuwahlen notwendig werden, dann wähle ich zum ersten Mal CSU (weil ich halt in Bayern lebe) und verhelfe Merkel mit meinem Stimmchen zur absoluten Mehrheit. Weil mich dieses Gezerre nervt!

P. S. Ich liege mit meinen Intuitionen in solchen Polit-Angelegenheiten am Ende fast immer richtig.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Dietmar Schönherr

Heute ein Interview mit Dietmar Schönherr in der SZ auf Seite 9. Grandios, dieses Interview. Schönherr in seiner tiefen, ehrlichen Altersmelancholie. Dazu das Bild eines schönen Mannes, der nun jenseits des einstiges Tagesruhms seinen Platz gefunden hat.


Wenn jemand einmal darangeht, Texte über das Alter zusammen- zustellen, dieses Interview gehört unbedingt dazu.

Samstag, 28. September 2013

Schizophrene Sprache

Ein Fund, noch zu lesen:

Susanne Schmidt-Knaebel: Schizophrene Sprache in Monolog und Dialog. Psycholinguistischer Beitrag zu einer Charakteristik psychotischer Sprechakte mit Vorschlägen für das Gespräch in Klinik und Psychotherapie. Hamburg 1983. (380 Seiten, Habilitationsschrift)

Freitag, 27. September 2013

Canon iP4000 reinigen

Danach hab ich lange gesucht. Bei Tom's Hardware gefunden. Und morgen, Samstag, probier ich es aus. Ich mag diesen Canon einfach, und ich würde ihn, schön wie der dasteht, ungerne wegwerfen.

Tintendrucker: Defekte Druckköpfe wiederbelebt // Von Dr. Jürgen Malle 18. OKTOBER 2006 20:42 // Beispiel Canon iP4000: Ausbau des Druckkopfes

Nein, nicht wegwerfen. Und prinzipiell kaufe ich bei einem defekten Gerät keines der alten Marke. Um da einen Anreiz zur Langlebigkeit zu schaffen.

Stephan Schäfer - S&K und die Sprachregelung

Von S&K war hier schon die Rede. Nun das Neue. Er ist aus dem Fenster gesprungen, der "eine der beiden". Und natürlich die Frage, wie Zeitungen auf den Gedanken kommen können, dass einer, der mit Handschellen gefesselt aus einem 6 Meter hoch gelegenen Fenster springt, einen Fluchtversuch unternommen haben könnte. Es ist dies die Fortsetzung jener antrainierten Sprachkorrektheit, die einen Mörder, der von 10 Zeugen gesehen wurde, wie er jemand erstochen hat, bis zur Verurteilung als "mutmaßlichen Mörder" bezeichnet. O, diese Hyperkorrekten!

Ja, und der FOCUS schreibt dem entsprechend:

"Mutmaßlicher S&K-BetrügerParty-Makler flieht in Handschellen durchs Gerichtsfenster"

Der SPIEGEL fasst die Sache auch "mutmaßlich":

Frankfurt am Main - Beim Zivilprozess gegen die mutmaßlichen Finanzbetrüger von S&K hat sich eine Tragödie ereignet: Einer der beiden Firmengründer, Stephan Schäfer, hat sich nach Angaben eines Sprechers des Frankfurter Landgerichts bei einem Sprung aus einem Fenster schwer verletzt. Ob es sich um einen Flucht- oder um einen Suizidversuch handelte, ist bislang unklar.

Man möchte den Zeitungsleuten zurufen: "Er wird nicht ins Gefängnis geworfen, bevor er verurteilt ist, keine Angst! Aber lasst bitte dieses blöde mutmaßlich weg!"

Sie werden zurückschreien: "Aber wie sollen wir ihn dann denn nennen?"

"'Der wegen schweren Betrugs angeklagte Stephan Schäfer' ist es! Der Angeklagte!" rufen wir. Und anschließend, wenn es denn so kommt, dann ist er 'der wegen schweren Betrugs verurteilte."

Johannes Agnoli (1925-2003)

Demnächst weiter mit Johannes Agnoli, Politikwissenschaftler und Aktivist ...

Kennzeichnend für Agnoli ist eine eindeutige Ablehnung des Repräsentativsystems, des Parlamentarismus und des vom deutschen Grundgesetz konzipierten Leitbildes der Demokratie. 
...
Götz Aly zufolge hat Agnoli zwar erzählt, dass er der faschistischen Partei Italiens angehört hatte, seine Meldung über die Waffen-SS zur Wehrmacht 1943 und seinen Einsatz bei der Partisanenbekämpfung in Jugoslawien allerdings verschwiegen. Andere Politikwissenschaftler, wie etwa Wolf-Dieter Narr und Richard Stöss, widersprechen Kraushaars Darstellung. Agnoli habe „in geselliger Runde“ gerne von seiner Jugendzeit berichtet und keinen Hehl aus seiner damaligen Begeisterung für die faschistische Bewegung gemacht. (Ebd.)

Ja, diese geselligen Runden. Was man da alles erfährt! Wenn man mal wieder mit Horst Mahler Weißwein trinken könnte!

Udo Leuschner: FDP

So, und auch dieser wirklich schöne Fund noch:

D I E  G E S C H I C H T E  D E R  F D P  1945 - 2009 | Willkommen auf der Leitseite von Udo Leuschner || Energiewirtschaft / Technik: Energie-Chronik 1991 - 2013 | ...

Udo Leuschner / Geschichte der FDP (27) | 11. Bundestag 1987 - 1990 | Agenten-Geschichten || Der DDR-Geheimdienst hatte die FDP vierzig Jahre lang im Visier ...

Und wer ist nun Udo Leuschner? Bemerkenswert ja das, aus einem pdf-Dokument:

Umschlag: Der FDP-Vorsitzende Erich Mende im Bundestagswahlkampf 1961 (Foto: Udo Leuschner)

Herr Leuschner hat also 1961 schon Mende fotografiert! Das macht neugierig. Die Wikipedia kennt ihn, aber nur relativ knapp:

Udo Leuschner (* 13. Juli 1944 in Sachsen) ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Herbert Willner

Wenn von Gesetz und Bürokratie ordentlich Gebrauch gemacht wird (Willner als Ordnungsfanatiker), dann wendet sich doch alles zum Guten! Ein Lehrstück ist das! Jawohl!

... Im September 1985 wurde der Spionageeinsatz aus Sicherheitsgründen beendet. Wahrscheinlich hatte der Überläufer Hansjoachim Tiedge vor einer drohenden Enttarnung gewarnt. Gegen beide bestand bereits Spionageverdacht, jedoch war im Mai 1985 eine vom Verfassungsschutz beantragte Telefon- und Postüberwachung vom Bundesinnenministerium unter Friedrich Zimmermann wegen nicht ausreichender Verdachtsmomente abgelehnt worden. Herbert Willner kehrte zurück nach Ost-Berlin und wohnte in einem Bungalow in Wandlitz. 1987 wurde gegen ihn in der Bundesrepublik ein Haftbefehl erlassen, der aber wegen des Aufenthaltes in der DDR nicht vollstreckt werden konnte. Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 flüchtete er nach Bulgarien, um einer Vollstreckung des Haftbefehls zu entgehen. Nach Verjährung 1995 wurde der Haftbefehl aufgehoben und das Ehepaar Willner kehrte nach Deutschland zurück. (Wikipedia)

Man fragt sich bloß, warum all die Dinge um Hans Ernst Schneider nicht auch verjährt waren.

Psychopathen -- mal anderswo

Was macht diese Einsicht mit uns, den Nicht-Chefst, Nicht-Selbständigen, den Angestellten?

MANAGERTYPEN | Psychopathen in der Chefetage || Entscheider mit aggressivem Führungsstil werden rasch befördert. Auch Kreative steigen schnell auf. Nur mangelt es diesen Cheftypen oft an Empathie. Von Daniel Rettig.

(ZEIT Online verweist auf die Wirtschaftswoche. Wie auch immer. Datum ist 21. September 2011. Ich hab das doch aber auf Papier schon gelesen, und ich lese fast nie die Wirtschaftswoche?!)


Schön aber dann doch die Leserkommentare und die ZEIT-Kommentare dazu. (Da liest tatsächlich jemand mit!) Beispiel, gleich der erste:

blumenerde | 21.09.2011 um 13:11 Uhr | 1. die andere Seite || Noch schlimmer als psychopatische Chefs sind die Mitarbeiter, die sich diesen Typen andienen. Da finden sich Topf und Deckel, Hund und Herrchen. Ganz schlimm hier in Deutschland. | Zeit, bringt mal eine Charakterstudie von den Speichelleckern und Lakaien.


Bitte achten Sie auf eine sachlichere Wortwahl. Danke. Die Redaktion/lv



4 LESEREMPFEHLUNGEN


Das da schon die Wortwahl angemahnt wird? Da kenne ich aber ganz andere Wörter in Kommentaren! Aber natürlich -- ist die ZEIT, das vornehme Blatt. Darum lese ich sie auch, DIE ZEIT.

"My desk is my castle"

Auf der Suche nach dem Journalisten Daniel Rettig werde ich auf eine Seite der Wirtschafswoche gelotst, auf der sich Rettigs Name gar nicht findet. Eine Bildfolge, die die Klick-Statistik der Seite erhöht. (Hatte ich doch schon mal, das mit der Klick-Statistik?) Aber eine Meldung, die mich tröstet. Das ist schon mal was.

Unordnung auf dem Schreibtisch fördert die Kreativität || Der eine mag es im Büro aufgeräumt, der andere braucht das Chaos. Beide haben ihre Vorteile: Laut einer Studie fördert Ordnung die Großzügigkeit – und eine chaotische Umgebung steigert die Kreativität. | „Zeige mir deinen Schreibtisch, und ich zeige dir, wie du arbeitest“ – so lautet, leicht verkürzt, das Ergebnis einer Studie von Kathleen Vohs, Professorin an der Universität von Minnesota. In drei Experimenten teilte sie knapp 300 Freiwillige jeweils in zwei Räume. Die einen saßen in einem ordentlichen, sauberen Bürozimmer – der Schreibtisch blank geputzt und leer, der Boden sauber. Die anderen befanden sich in einem unordentlichen Büro. Dort war der Schreibtisch voller Unterlagen, Paper lag kreuz und quer, Ordner stapelten sich aufeinander. Im ersten Versuch teilte Vohs den 34 Freiwilligen mit, dass sie für ihre Teilnahme drei Euro erhalten würden. Nun lenkte die Forscherin die Probanden zehn Minuten ab. Der Sinn der Sache: Jeder sollte die Umgebung wahrnehmen. Im Anschluss fragte Vohs, ob sie Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation spenden würden – und wenn ja, wie viel.

Nun, da weiß man ja noch nicht so recht, was da rauskommt und was das dann heißt.

Kaum zu glauben: Die Umgebung wirkte sich erheblich auf die Spendierfreude aus. Die Probanden aus dem Chaoszimmer gaben im Schnitt nur 1,17 Euro – jene aus dem aufgeräumten Büro hingegen 2,95 Euro.

Und was hat das Spenden mit Kreativität zu tun? Und ist ein fremdes unordentliches Büro, in das man eben mal gesetzt wird, dasselbe wie ein eigenes Büro, für dessen Chaos man selbst verantwortlich ist?


Um es gleich zu sagen: Die Bilder-Galerie stützt diese These mit der Kreativität nicht. Aber die Bilder sind schön und immer noch tröstlich. Und wir lernen, dass es gut ist, der Aufforderung zu folgen: "Mache tröstende Thesen auf! Das freut die leidenden Menschen."

Donnerstag, 26. September 2013

Der (relative) FDP-Wahlerfolg

Als ich hier eben was nachschauen wollte, da sehe ich folgenden prophetischen Absatz.

In der SZ habe ich letzthin gelesen, dass FDP heute buchstabiert wird als Fast-Drei-Prozent. Da, mit fröhlichem Blick in den bevorstehenden Wahl-Abgrund, lässt sich natürlich gut Datenschützen. Weil es sowieso nicht mehr drauf ankommt. (28.12.2011)

Und was die Zahl angeht -- da ist die FDP ja noch mal gut weggekommen in den letzten Wahlen!

US-Waffengesetze

Nun, Irre gibt es immer und wird es immer geben. Wenn die Irren sehr leicht an Schusswaffen kommen, dann resultieren daraus Morde.

Laut FBI hatte Alexis eine Wahnstörung, die ihn glauben ließ, von elektromagnetischen Wellen beeinflusst zu werden. Es gebe Anhaltspunkte, dass er darauf vorbereitet gewesen sei, im Zuge seines Amoklaufes am Montag vor einer Woche auf dem Navy Yard in der Bundeshauptstadt zu sterben. Auf seiner Schrottflinte seien Sätze eingeritzt gewesen wie: „Beende die Qual“ und „Besser dran auf diese Weise“.

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Debatte um  | Giffords' emotionaler Auftritt lässt US-Waffenlobby kalt | Die Senatsanhörung zum Waffenrecht eskaliert zum Duell der Emotionen: Attentatsopfer Gabrielle Giffords plädiert für härtere Auflagen, Waffenlobbyist LaPierre fordert Bewaffnung bis an die Zähne. Gelächelt wird erst zum Schluss. Von FOCUS-Korrespondent Peter Gruber, Washington 


Fazit: Die USA sind als Land und politisches System manchmal auch für die den USA Wohlgesinnten schwer zu verstehen.

Private Folder

Wenn klar wäre, dass Private Folder von Microsoft (!) nicht mit meinem Vista kann, dann hätte ich mir den Download gespart. Auch bei den ganz Großen der IT-Branche weiß halt oft die Linke nicht, was die Rechte tut...




"Terror in Kenia"

Kampf der Kulturen oder doch Kampf der Psycho-Typen?

Steckt die "Weiße Witwe" hinter den Anschlägen? || Bei der Frau könnte es sich laut der britischen Zeitung "Daily Mail" um Samantha Lewthwaite, die Witwe des London-Attentäters Jermaine Lindsay (2005) handeln. Die dreifache Mutter ist seit drei Jahren auf der Flucht und unter dem Namen "Weiße Witwe" bekannt. Über Twitter sollen Terroristen der Al-Shabaab-Miliz mitgeteilt haben, dass die "Weiße Witwe" eine mutige Frau sei und sich den Attentätern angeschlossen habe. Soldaten in Nairobi berichteten laut "Daily Mail", dass während der schrecklichen Vorgänge in dem Shopping-Center eine Frau auf Arabisch Anweisungen gegeben hätte. | Eine nicht näher genannte Quelle der Nachrichtenagentur Reuters, dass unter den getöteten Terroristen auch eine weiße Frau sei. (24.09.2013 | n24.de)

FDP: Freiheit, die ich nicht meine

Zur Freiheit gehört im modernen Staat auch die Pressefreiheit, und diese nutzend bringen die Zeitungen halt auch so etwas:

Beförderungen im Ministerium „Operation Abendsonne“ – FDP schacherte sich Posten zu || Donnerstag, 26.09.2013 | dpa / Robert Schlesinger || Nach der herben Wahl-Schlappe der FDP kommt jetzt auch Kritik aus den Reihen des Beamtenbundes: Vize Hans-Ulrich Benra ist erbost, dass nun FDP-Mitarbeiter in wichtige Verwaltungsposten zurückkehren – und kurz vor dem Debakel noch befördert wurden. || Beamtenbund-Vize Hans-Ulrich Benra hat kritisiert, dass ehemalige FDP-Fraktionsmitarbeiter künftig wichtige Posten als Referats- und Unterabteilungsleiter in der Bundesverwaltung blockieren. Wie die „Bild“-Zeitung in der Donnerstag-Ausgabe berichtet, sagte Benra: „Beziehungen dürfen nicht über solche Leitungspositionen entscheiden. Sonst leidet die Qualität unserer Bundesverwaltung.“ (FOCUS Online)

Und da zeigt es sich wieder, dass es sehr schnell kompliziert werden kann mit der Freiheit...

"Was ist liberal?"

Ich überlege, was die FDP-Fraktion des Bayerischen Landtags nach der Wahlniederlage wohl so macht. Ich finde dabei dies:

5 Thesen des Liberalismus

  1. Die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens ist für den Liberalismus die Freiheit des Einzelnen.
  2. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die individuelle Verantwortung eines jeden Menschen sind die zentralen Forderungen des Liberalismus.
  3. Der Liberalismus steht für weniger Staat und mehr individuelle Verantwortung der Bürger.
  4. Als Wirtschaftsform befürwortet der Liberalismus die Marktwirtschaft mit ihren sozialen Verpflichtungen.
  5. Der Liberalismus fordert weniger staatliche Einmischung in das private Leben der Bürger.

(Quelle: Dr. Annette Bulfon MdL | Landtagsabgeordnete für den Stimmkreis Altstadt / Hadern || Sprecherin für Hochschule, Forschung und frühkindliche Bildung | FDP im Bayerischen Landtag)

Formal bleibt da erst einmal anzumerken, dass diese 5 Sätze, vor allem unter 4. und 5., nicht so recht thesenhaft sind. Aber das ist vielleicht kleinkariert. 

Vielleicht fange ich einmal so an: "Die Freiheit des Einzelnen", das hätte man gerne konkret und mit Beispielen. Denn natürlich gibt es da Grenzen, und diese Grenzen müssen bestimmt werden. Da werden dann auch große Denker allgemein und vage. (Was sagte noch mal Kant über Freiheit?!) Und es kommt darauf an, eigene Thesen im Lichte konkurrierender Meinungen und im Lichte möglicher Einwände zu sehen: 
  • Ist das die Freiheit, die es Menschen vom Typus "Schlau + Skrupellos"* erlaubt, für möglichst wenig Geld andere für sich arbeiten zu lassen, ohne dass der Staat da ein Auge darauf hat? 
  • Noch einmal: Wo werden die Grenzen zwischen der Freiheit des Einzelnen und dem Eingriffsrecht / der Eingriffspflicht des Staates konkret gezogen. Für den Anfang: bei den Themen Kriminalität, Terrorismus, Banken-Reglementierung (Schlagwort: "Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste!")
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|* Man kann ja auch beim STERN noch mal nachlesen.

"Wer ist Abdul-Latife Khalid?"

Auf was ich nicht alles stoße, wenn ich, neugierig, wie ich nun einmal bin, der Surf-Reihe 22.10. > Jimmy Schulz > Republikaner > Republikaner-Seite folge! Erst mal das. Und ich finde zwei Klicks weiter, bei der "nachrichtenpolizei.de", das Folgende:


Auf den Stimmzetteln zur Landtagswahl in Bayern 2013 für den Stimmkreis München-Schwabing kandidiert Abdul-Latife Khalid, ein “Lagerist aus Dachau”. Ein Mann mit wenig abendländisch klingendem Namen. Von Beruf “Lagerist” in einem Ort, der für sein Konzentrationslager traurige Berühmtheit erlangte.
[...]
Schaut man sich die Namen der Bewerber der Republikaner zur bayerischen Landtagswahl 2013 an, kommt man irgendwann ins Stutzen: Da gibt es Martin, Rudolf, Peter, Adolf, Gottfried, Günter, Herbert, Werner… allesamt urdeutsch klingende Namen. Und plötzlich steht da: Abdul-Latife. Wie jetzt? Ein Abdul bei den Republikanern? Wie passt das zusammen? Und dann sogar als Direktkandidat im Wahlkreis München-Schwabing? Abdul-Latife Khalid taucht sowohl auf den Stimmzetteln für die Erststimme als auch für die Zweitstimme auf.

Eine spannende Recherche ist das! Mein lieber Scholli!