Posts mit dem Label Anonymität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Anonymität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. März 2020

Anonymität - "Pseudonymität im Internet" (Wikipedia)

Früher hätte ich das bei der Wikipedia direkt reingeschrieben, in die Diskussion. Nachdem ich mir den Schritt-für-Schritt-Abschied verordnet habe, kommt es hierher.

--

"Pseudonymität im Internet || von Eynbein (52 %), Simplicius (19 %), Bjarlin (9 %), Lectorium (7 %), 92.72.165.208 (4 %), 29 weiteren Autoren (9 %) || Das Recht auf Pseudonymität im Internet soll – ebenso wie das Recht auf Anonymität im Internet – natürliche Personen vor der Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte schützen. Es steht einem Klarnamenszwang entgegen."

--

Dann findet sich noch ein schmaler Hinweis: 

"Hans-Peter Friedrich forderte Mitte 2011 gegenüber dem Spiegel ein Ende der Anonymität im Netz."

2011 also. Lange her.

Was es aber gibt, nur nicht bei der Wikipedia: eine umfassende Diskussion des Pro und Contra.

Abgekürzt: Anonymität steht A) für das Recht auf Schutz, wenn man etwas Negatives über Mächtige öffentlich machen will. Aber B) eben auch: für das Sich-Verstecken von Querulanten und Denunzianten und - Feiglingen, die nicht offen, mit ihrem eigenen Namen und Gesicht, diskutieren wollen.

--

Wenn praktisch alle anonym unterwegs sind, läuft der, der seinen Namen nennt, wie ein Krawattenträger unter lauter Karnevalisten-Pappnasen herum. Das geht dann eben auch nicht.

Dienstag, 12. März 2019

Üble Nachrede

Lesens- und bedenkenswert!

--

Üble Nachrede. Gericht hebt Urteil gegen Ex-Politikerin Sigi Maurer auf. "Kleine dreckige Bitch !!!" // Die frühere österreichische Grünen-Politikerin Sigi Maurer machte obszöne Nachrichten an sie öffentlich, samt mutmaßlichem Absender - und wurde verurteilt. Diese Entscheidung wurde nun gekippt. Von Hasnain Kazim, Wien (spiegel.de)

--

Es ist ja immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viel Aggression unter der Oberfläche der Menschen steckt. Und wieviel sie rauslassen, wenn sie meinen, dass es zu keiner Strafe führt.

Freitag, 14. Oktober 2016

Politik-Foren: Klarnamen-Pflicht

Ok, von heute an gehe ich es an!

Anonym oder mit Klarnamen? | Das Netz will dich, wirklich || Zwischen Klarnamenpflicht und dem Recht, sich einen Diskursraum zu verschaffen – auf die Frage nach der wahren Online-Identität gibt es keine einfache Antwort. VON NIK AFANASJEW || Lustig war es auf dieser neuen Spielwiese, dem Internet, Mitte der neunziger Jahre. Ab in den Chat und losflunkern. Als „DirkDiggler27“ ließ sich „Jenny19“ geschmeidiger umwerben als unter dem eigenen Namen. Es ging nicht nur um Namen: Dirk Diggler fuhr Ferrari statt Fahrrad, schaute in seiner Freizeit seinem Bankkonto beim Wachsen zu und nicht dem Gras. Man hat etwas dicker aufgetragen, damals, einfach weil es möglich war. Und gehofft, dass sich hinter „Jenny19“ nicht der Gemüsehändler aus dem dritten Stockwerk verbirgt. (tagesspiegel.de)

Schon in diesem Artikel gibt es ein eher schlichtes Durcheinanderbringen von Problemen.

... Dabei muss nicht erst das Beispiel des vernetzten Oppositionskämpfers aus Damaskus bemüht werden, um die Notwendigkeit von schützenden Netzidentitäten zu begründen. Gesellschaftlich marginalisierte Gruppen, die im öffentlichen Diskurs höchstens als Streitgegenstand auftreten, können sich durch Verschleierung ihres wahren Ichs Diskursraum verschaffen. Die als „Lady Bitch Ray“ bekannt gewordene Sprachwissenschaftlerin Reyhan Sahin untersucht deshalb Onlineidentitäten von jungen Musliminnen in Deutschland. „Natürlich können sie im Netz Sachen sagen, die sie sonst nicht sagen würden“, sagt Sahin.

Diese Form des AOK (Arguments ohne Kontextberüchtigigung) -- ich will nicht mehr von Whataboutism reden, das Wort klingt einfach blöd -- ist ein Teil der Internet-Schlichtheit.

Also, um es klar zu sagen: Es geht um Foren in Deutschland, heute. Es geht nicht Syrer in Syrien , und nicht um Deutschland im Jahr 1936. Es geht darum, einen Standard beizubehalten, wie er in Zeitungen / Leserbriefe selbstverständlich war und ist. Ein Leserbrief, unterschrieben. Vorname Name, Ort. Anonymes kommt nicht rein. (Was ja nicht heißt, dass in geprüften Fällen da mal steht: Der Name ist der Redaktion bekannt. Nur ist das halt nicht die Regel.)

Drei Ziele stehen hinter dieser Überlegung:
  • Die, die da schreiben, blödeln, beleidigen und pöbeln weniger und bemühen sich, das ganz nebenbei, um eine halbwegs vernünftige Rechtschreibung und Zeichensetzung. (Was nicht elitär verstanden werden soll. Es darf durchaus Patenschaften geben für die, die halt nicht ständig schreiben und das mit der Rechtschreibung nicht so drauf haben.)
  • Insgesamt werden viel ernsthafter Argumente ausgetauscht.
  • Wer es argumentativ nicht drauf hat, bleibt wahrscheinlich weg. (Wenn nicht, wird die Sache schnell klar. Der Hinweis auf argumentative Schwächen wird aber auch ohne Beleidigungen vorgetragen.)
So, jetzt sammle ich noch ein wenig und dann -- tenn man tau, nech?

Samstag, 1. Oktober 2016

Hasskommentare

Von Facebook war hier schon oft die Rede. Nun bin ich schon seit ein paar Wochen nicht mehr bei Facebook. Warum? Es wurde mir einfach zu viel. Diese dauernde Aufforderung dies und das zu tun, Auskunft zu geben und sie und ihn zu 'liken'. Diese soziale Aufgeregtheit und der Wettbewerb mit der Zahl der 'Follower'. Überhaupt diese abgeschliffenen englischen Begriff!

Nein, ich habe eigentlich nichts gegen Facebook. Jeder wie er mag. Dachte ich! Bis heute. Ein Artikel im SPIEGEL. Heute. Ich hoffe, ich darf ausnahmsweise mal ein paar Zeilen mehr zitieren:

Am 20. Fe­bru­ar stell­te die Ber­li­ner Schau­spie­le­rin Jen­ni­fer Ul­rich auf ih­rer Face­book-Sei­te ein Vi­deo ein, das die Vor­gän­ge im säch­si­schen Ort Claus­nitz do­ku­men­tier­te. ... | Zwei Tage nach dem Claus­nitz-Post mel­de­te sich ein Face­book-Nut­zer un­ter dem Pseud­onym Ma­rio We­ber auf der Sei­te der Schau­spie­le­rin und droh­te da­mit, ihr Le­ben zu be­en­den. „Man soll­te eine Ket­ten­sä­ge neh­men und dir dei­ne scheiß-häss­li­che Kack­fres­se ein­fach zer­häck­seln“, schrieb We­ber: „Ul­rich kre­pier un­wer­tes Le­ben ver­re­cke!!!“ Ein paar Mi­nu­ten spä­ter folg­te ein zwei­ter, nicht we­ni­ger ein­deu­ti­ger Post: „Der Tag der Ab­rech­nung wird noch kom­men, Links­dreck, und dann wer­de ich da sein um je­den ein­zel­nen von euch scheiß Dreck auf mög­lichst blu­ti­ge Wei­se hin­zu­met­zeln.“
...
Zwei Tage nach­dem Ul­rich die An­kün­di­gung, ihr Ge­sicht mit ei­ner Ket­ten­sä­ge zu zer­klei­nern, an Face­book ge­mel­det hat­te, er­hielt sie die Ant­wort, man habe den Kom­men­tar ge­prüft. Der Check habe er­ge­ben, dass der Post „nicht ge­gen un­se­re Ge­mein­schafts­stan­dards“ ver­sto­ße. | Es gab kei­ne wei­te­re Er­klä­rung. Es war auch nicht er­sicht­lich, wer die Prü­fung durch­ge­führt oder ihr nach Ab­schluss ge­ant­wor­tet hat­te. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Un­ter­neh­men ver­zich­tet Face­book beim Kun­den­kon­takt auf die An­ga­be von Na­men. Es gab, wie Ul­rich fest­stell­te, nicht ein­mal eine Te­le­fon­num­mer, un­ter der sie eine Nach­fra­ge hät­te hin­ter­las­sen kön­nen. | Nor­ma­ler­wei­se wür­de die Ge­schich­te hier en­den, so wie bei vie­len Nut­zern, die auf ih­ren Sei­ten Hass­kom­men­ta­re ent­de­cken. Aber weil Ul­rich ziem­lich stur sein kann, wenn sie sich är­gert, stell­te sie die Ant­wort von Face­book auf ihre Sei­te, zu­sam­men mit der Fra­ge, „was die­ser wahn­sin­nig freund­li­che, schein­bar rechts­ge­sinn­te User mir hät­te noch schrei­ben müs­sen, da­mit Face­book sei­ne Kom­men­ta­re als lö­schens­wert emp­fin­det“. | Dies­mal er­kann­te das Un­ter­neh­men ei­nen Ver­stoß ge­gen sei­ne Richt­li­ni­en. Ul­rich er­hielt von Face­book eine Mit­tei­lung, dass ihr Bei­trag ent­fernt wor­den sei, sie wur­de er­mahnt, sich mit den „Face­book-Ge­mein­schafts­stan­dards“ ver­traut zu ma­chen. Dann war ihre Sei­te ge­sperrt. „Dein Kon­to ist vor­über­ge­hend nicht ver­füg­bar“, stand auf dem Bild­schirm, als sie Freun­den eine Nach­richt schi­cken woll­te. Bei der Lö­schung habe es sich um ei­nen „Irr­tum“ ge­han­delt, er­klär­te das „Face­book-Team“ spä­ter. Ein paar Tage zu­vor hat­te sich der Schau­spie­ler­kol­le­ge Til Schwei­ger ein­ge­mischt und den Fall pu­blik ge­macht. Auch eine Ber­li­ner Bou­le­vard­zei­tung war auf­merk­sam ge­wor­den.

Ich meine: schon klar! Das reiche Facebook hat nicht genügend Leute, um den Laden zu überblicken. Aber hier hätte ein des Deutschen Kundiger schon mal einschreiten müssen.