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Samstag, 29. Juli 2006

Bayern 3 , Dresscode und Download

Normalerweise habe ich für Berater, vor allem wenn sie in Sachen Dresscode-Beratung auftreten, nicht das geringste übrig. Aber heute morgen, Samstag, war einer im Bayerischen Rundfunk, der was zum Thema "Wie kleide ich mich bei der Hitze im Büro?" sagte und das gut machte. Ich habe gerne zugehört. Am Ende kam der Hinweis, man könne die Sendung auch downloaden. Ich hatte den Anfang der Sendung nicht gehört... Prima! Dachte ich. Dann habe ich fünf Minuten was anderes gemacht, den Download-Hinweis darüber vergessen und -- damit begann das Problem!

Man denkt ja: Wozu gibt es Suchmaschinen. "bayerischer rundfunk" hörfunk dresscode oder so. Ergebnis: Zweimal ISBN eines Rundfunk-Fachwörterbuchs oder so. Einmal Weiterleitung auf eine weitere Suche mit dem Ergebnis: "

Die aufgerufene Operation ist nicht bekannt.

Weiter: Das Programm direkt durchsucht, eine Programmsuche, die man schon findet.

Hurra! Und gleich darauf... Denkste! Eine Seite, aber nur über Dresscode, ohne Verweis auf die Sendung oder gar einen Download.

Suche nach "download" innerhalb der BR-Seite. Viele, viele -- zu viele Treffer.

Und so weiter und so fort. Ich probiere noch viel herum. Auch mit anderen Schlagwörtern natürlich. Am Ende finde ich die Sendung tatsächlich -- nicht. Liegt's an mir? Läßt sich was verbessern? Oder darf man einfach nicht zuviel verlangen?

Wäre eine Seite, auf der alle Downloadangebote des BR der letzten 2 Wochen einfach als Tabelle stehen nicht eine schlichte Lösung? Vielleicht sogar noch mit einer Suchmöglichkeit im Download-Archiv? Wenn man diese Seite dann auch noch über Google bayerischer rundfunk download findet -- fände, dann wäre die Sache schon perfekt. Ist das eigentlich zu kompliziert?

Freitag, 28. Juli 2006

Luftschiffe 2

Zu den Fragen im Themenbereich "Luftschiffe", habe ich vor Tagen Mails an fünf wer-weiss-was-Experten und ans Bundesverkehrs- ministerium geschrieben. Bisher nicht eine Antwort. Zumindest www war schon mal viel besser. Oder liegt es doch an der Personengruppe, die da angesprochen wird?

Blogger-Forum

Doch noch schnell der Hinweis auf das Blogger-Forum. Da muß ich bei Gelegenheit mal für eine Stunde vorbeischaun.

Dann vielleicht noch das: Die Selbstüberwachung (nein, nicht: -zensur) der Bloggosphäre funktioniert wirklich. Nur eben, sie funktioniert


Dia-leck-Tisch

Wer wissen möchte, was das im einzelnen heißt, der kann ja hier bei digitalshit.de mal nachsehen.

DER SPIEGEL: Ich im Internet

Manchmal komme ich einfach nicht zum SPIEGEL-Lesen, und dann steckt auch schon das nächste Heft im Briefkasten. Also erst heute morgen: "Ich im Internet. Wie sich die Menschheit online entblößt". (Nr. 29. / 17.07.2006) Ich wollte ein paar Anstreichungen einrücken und kommentieren. Aber da sehe ich, daß mir andere [1], [2], [3] zuvorgekommen sind. Durchaus in dem Sinne, wie ich auch kommentieren wollte. Nur im Stil meist "schärfer" und SPIEGEL-kritischer.

Die Randstriche trotzdem. Jetzt halt nur als Stichworte (Seite, Spalte):
  • Britannica 30 Dollar (63, 1)*
  • Traditionskonzerne untergehen (63, 1)
  • Sender - Empfänger (63, 3)
  • "Enzensberger vor 36 Jahren": "jeden zum Manipulateur machen"(64, 1)
  • Caterina Fake (kein Pseudonym offenbar!?) (63, 3)
  • Geburtsstunde von Flickr (65, 1)
  • Rebekka Fuoleifsdottir, (Fotografin-Star dank Internet) (65, 2) [schreibt sich wohl ein bißchen anders: Rebekka Guðleifsdóttir]
  • Florian Wilken, kontaktanzeigen.de (66, 3)
  • Chiara online (Endlich das mit dem entblößen!) (66, 3)
  • Informationshierachien abbauen (69, 3)
  • Urheberrechte, "auf Protest lieber verzichten" (70, 1)
  • ehrensenf.de (70, 3)
  • Jean-Remy von Matt (71, 1)
  • podshow.com (72, 2)
  • "... Woher Profite eigentlich kommen sollen" (72, 3) (Die eigentliche Frage des Artikels! Der SPIEGEL gibt sich da unbetroffen. Oder weiß, daß seine Leser schon drauf kommen: Das betrifft den SPIEGEL auch.)
  • Juliana da Costa José, Prostitutionsexpertin bei Wikipedia (74, 2)
  • Kurt Jansson, Wikipedia-Chef Deutschland (74, 3)
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* Dazu doch: Es muß auf der Frankfurter Buchmesse so ums Jahr 1993 gewesen sein: Ich habe einen Vertreter der EB im Vorbeigehen gefragt, wann es denn die -- mit Sonderpreis so ungefähr 1800 Mark kostende -- EB denn auf CD-ROM geben wird, und er hat geschworen: "Never!" So ändert sich also der Lauf der Welt.

Donnerstag, 27. Juli 2006

Die schönen Beine der Frauen

Mein Freund M. schrieb schon vor einer Woche eine Mail. Im Zentrum, daß er jetzt endgültig einen Verein gründe, der sich der Frage widme, was denn die Schönheit von Frauenbeinen ausmache. Ganz empirisch aufgebaut die Sache, natürlich später mit Website usw. Zwei Beispiele hat er vorbereitet. Das Bild links zeige ein Frauenbein, das manche gewiß für schön hielten; er, M., aber nicht. Denn da sei die sog. Muskelkuhle am Unterschenkel, an den, mal technisch gesprochen, oberflächlichen Flexoren. Wenn auch schwach ausgeprägt. Aber dennoch, deutlich sichtbar. Diese Stelle aber müsse, wenn ein Bein schön sein solle, absolut durchgängig sein und eine einheitlich fein geschwungene Kurve bilden. So wie rechts auf dem Bild. Wobei auch hier das Ideal freilich noch nicht erreicht sei. Denn die Oberschenkel seien eine Idee zu stark ausgebildet.

Ich habe zurückgeschrieben, daß ich vorläufig noch nicht Mitglied in dem Verein werden wolle, seine, des Vereins Bemühungen aber jederzeit mit viel Sympathie verfolgen werde.


Nachtrag am 6. April 2008: Ich höre soeben, dass Christoph Drösser in seinem Buch "Mathematikverführer" angibt, wie man den besten Blick auf Frauenbeine erhält. Wohl ein Teil der elementaren Stereometrie. -- Eine Frage an die Mathematiker habe ich mal bei Wikipedia unter dem Stichwort Kurvendiskussion gestellt. Mal sehen.


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Nachtrag am 05.04.2012: "... Beine sind Moranes Leidenschaft. Bereits seit seiner Jugend interessiert er sich für Frauenbeine. Er beginnt, einen autobiographischen Roman zu schreiben, und lässt seine Frauenerlebnisse von Jugend an Revue passieren. Nach der Fertigstellung seines Buches bietet er es vier großen Verlagen an. Auf Grund des persönlichen Einsatzes der Lektorin Geneviève Bigey wird es angenommen, und er beginnt eine Affäre mit ihr, als sie ihn in Montpellier besucht. Nachdem sie wieder nach Paris zurückgekehrt ist, wird Morane vom Auto angefahren, als er auf der Straße den Beinen einer anderen Frau nachschaut. Er stirbt schließlich im Krankenhaus, als er versucht, mehr von den Beinen einer Krankenschwester zu sehen, und dabei seine Infusionsschläuche herausreißt." 


(Zu: 'Der Mann, der die Frauen liebte' (Film von François Truffaut. 1977. Wikipedia)

Datenschutz

"Das", sagte May, "ist viel zu intim, persönlich, nicht-öffentlich."
"Was ist da zu intim?", fragte Herbert.
"Das kann ich dir nicht sagen. Das ist es ja eben. Es ist viel zu intim."

Mittwoch, 26. Juli 2006

Der AOL-Saddam

AOL hat eine tolle Telefon-Hilfe. Die AOL-Website orientiert sich allerdings eher an BILD und an dem was bei BILD gruselig schlecht ist.

 Beispiel: Saddam H. mag ein Diktator und Mörder sein. Der Ton im Nachfolgenden ist dennoch voll daneben:

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Saddam will erschossen werden
Iraks Ex-Diktator sieht sich als Angeklagter der feineren Sorte. Daher will er auch nicht "wie ein gewöhnlicher Verbrecher" erhängt werden.*

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* Die AOL-Unterseite ist inzwischen nicht mehr aufrufbar. Aber hier bleibt sie verewigt.

Ganze sieben Meter

Über die Suchmaschinen ist dieser Satz auf der Tageschau-Seite (noch) nicht zu finden. Er lautet:

"Um ganze sieben Meter würde der Meeresspiegel steigen, wenn das Grönlandeis schmölze."

Ich bin nun nicht der erste, der das bemerkt. Nämlich, daß sich die Verwendung von ganze im Moment arg verändert, gemessen am ursprünglichen Gebrauch in die falsche Richtung. Bemerkenswert scheint auch zu sein, daß diese vordem eher seltene Gebrauch in den Medien sehr gerne gewählt wird.

Also, hier meint ganze sieben Meter ja: 'Mann! 7 Meter? Das ist aber viel!'

Ursprünglich war es genau umgekehrt: "Er ist ganze 7 Meter weit gesprungen" bedeutete: '7 Meter ist bei ihm sehr wenig. Eigentlich hätte ich erwartet, daß er 8 Meter oder mehr springt."

Ob man da bei den Damen und Herren Journalisten wohl was drehen kann? Wahrscheinlich nicht. Die Sprache ist eben was Lebendiges, und wenn es dahin kommt, daß die Bedeutung eines Ausdrucks in sein Gegenteil verkehrt wird, dann ist das etwas Interessantes für die Sprachhistoriker. Das ist dann alles. Und sonst is nix.

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Noch so ein Fund (Daniela Katzenberger in BILD Online, 13.04.2011): "Daniela ist genervt: „Das ist ja hier wie am Ballermann. Nur mit mehr Klamotten, und dass es hier kalt ist.“ Nach nur drei Minuten verschwindet sie auf der Toilette, will ihren Auftritt abbrechen. Ganze 15 Minuten bleibt sie verschwunden."

Gutgelaunt

Ich habe vor ein paar Minuten das Wort "gutgelaunt" geschrieben und dabei daran denken müssen, daß jeder neue Rechtschreiber da ja jetzt "gut gelaunt" zu Papier oder auf den Bildschirm bringt. Dabei habe ich versucht, mich in einen Sitzungeraum der Reformer im Jahr 1993 hineinzuversetzen. Ein Raum voller zuversichtlicher Menschen. Glücksbringer dem eigenen Selbstverständnis nach alle. Das mit dem Zertrennen der Wörter hat ein Herr Professor E. mal eben so vorgeschlagen und alle fanden das eine prima Idee. Es würde vieles (Vieles?) vereinfachachen! Also Punktum! Beschlossen.

Ich sage halblaut (halb laut?) vor mich hin: "Als ich heute an den Schreibtisch ging, war ich gut gelaunt." Aber: "Ich bin heute um sieben in der Früh gutgelaunt an den Schreibtisch gegangen."

Hätte man statt der Rechtschreibreform nicht einen Lehrgang in Sprachrhythmusgefühl erarbeiten sollen? Vielleicht wäre dann auch die Gesundheitsreform einfacher geworden?

Kritik

Im SPIEGEL 28 / 10.07.2006, auf der Seite 6, der Abdruck eines Leserbriefs, einer Leserzeile zum Thema "Gesundheitsreform":

"Avanti, avanti, Dilettanti!!!"

Genau so. Die Dilettanti groß geschrieben.

Mal abgesehen davon, daß wir genau das, die Formulierung mit den dilletanti, in der JUNGEN WELT und auch sonst und lang vorher schon mal lesen konnten, ist das ein Hinweis in Sachen Argumentationskultur: "Die da unten" (oder "die halb da unten") werfen "denen da oben" Dilettantismus vor. Na gut. Das ist befreiend für die Seele. Und war wahrscheinlich zu allen Zeiten das Vorrecht der Regierten. Aber keiner geht einen Schritt zurück und fragt mal ganz ruhig:

  • Nehmen wir mal an, es ist so, das mit dem Dilettantismus. Wie kommt es, daß dann die, die nichts können, an der Spitze sind? Warum ist nicht dieser Leserbriefschreiber der Gesundheitsminister? Oder zumindest doch die von der Versammlung der kritischen Leserbriefschreiber gefundenen wirklichen Fachleute?

  • Gibt es in einem vom Interessengezerre geprägten Ge- meinwesen überhaupt die geringste Chance, so was sie eine Gesundheitsreform hinzubekommen?

  • Und was wäre die rechte Alternative zum Inter- essengezerre-Gemeinwesen (IGZG)? Eine Meritokratie der Leserbriefschreiber? Oder doch gleich der "gute Diktator"?

  • Ist nicht das politische Denken im IGZG inzwischen eine einzige Konstruktionszeichnung für eine Maschine mit der Markenbezeichnung WPNN. (Dahinter die Firma: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß!") Variante also hier: "Ich will, wenn's drauf ankommt, alle medizinische Versorgung, auch die mit den sehr teuren Medikamenten und den extrem teuren Maschinen. Aber bezahlen will ich dafür wenig bis nichts."


Dienstag, 25. Juli 2006

„Pour le mérite“

Noch schnell eine Portion kühle Verwirrung gefällig? Orden gibt es zwiefach. Wenn wir an Franziskaner usw. denken auf der einen, wenn wir an das Bundesverdienstkreuz denken auf der anderen Seite. Nun aber diese Einlassung:

"Der 1842 gegründete Orden „Pour le mérite“ gilt als eine der höchsten Ehrungen, die einem Wissenschaftler oder Künstler in Deutschland zuteil werden kann. Der Orden sieht seine Aufgabe darin, unter Wissenschaftlern und Künstlern, „die sich durch weit verbreitete Anerkennung ihrer Verdienste einen ausgezeichneten Namen erworben haben“, einen lebendigen Kontakt und Gedankenaustausch zu pflegen."

Hier geht es wunderbar durcheinander. Ein Orden, der gegründet wird, hat was mit Kloster zu tun. Die Ehrung mit den Orden an der Brust. Der Orden der eine Aufgabe hat und Kontakte herstellt, wieder mit was Klösterlichem. Wie ist es denn nun? Das mit dem 1842 ist noch mal so eine Sache, wenn sonst oft im Zusammenhang mit PLM vom Alten Fritz die Rede ist. Aber das ist eine andere Sache und führt hier wirklcih zu weit.

Das Zwitterige wird auch an der Quelle deutlich. Eine schöne Übersicht, in der auch der Ordensträger Thomas Mann vorkommt, findet sich hier.

1 % besitzt 34 %

Ob das nur für Österreich gilt? Wie verhält es sich in Deutschland?

"Faire Verteilung (von Lasten und Gütern), gleiche Chancen (unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter), Schutz für sozial Schwachere und Benachteiligte ... davon entfernt sich Österreich zunehmend, seit Antritt der schwarz-blauen/orangen Regierung vermehrt. Unglaublicherweise besitzt das oberste ein (!) Prozent der Bevölkerung 34 Prozent des Gesamtvermögens, die obersten zehn Prozent gleich zwei Drittel (70 Prozent) des Gesamtvermögens. Reiche werden reicher - auf Kosten der Armen."


Unterstützt da wirklich niemand die Forderung, die Geldströme (und dto.) endlich mal offenzulegen? Als Voraussetzung für Demokratie!


Aufschrei Neiddebatte? Killefit!

Luftschiffe

Es gibt ganz verschiedene Gründe, warum mich die Frage nach dem möglichen Einsatz von Luftschiffen (LS) nicht loslassen. Ich skizziere einmal:
  1. Es gibt wenig Basiswissen, das auch noch dazu anschaulich ist. Ein paar dieser Fragen werde ich mal gleich hier aufschreiben.
  2. Der Cargolifter ist seinerzeit elegisch in die Binsen gegangen. Mußte das denn sein? Oder war er einfach überdimensioniert? Man muß doch nicht gleich Riesen-Schiffsturbinen transportieren wollen. Eine normale Lkw-Ladung wäre doch ausch schon was.
  3. Welche Bemühungen gibt es denn gegenwärtig überhaupt, Luftschiffe praktisch, als Lkw-Ersatz, zu entwickeln?
Soweit. Nun also ein paar eher technische und ökonomische Fragen:
  1. Wie groß müßte ein LS sein, das die Nutzlast eines kleinen / mittleren / großen Lkw + Anhänger trägt?*
  2. Sind ausgereifte Konzepte für LS als Lkw-Entsprechung vorhanden oder technisch kein Problem, oder müßten erst aufwendige Forschungen her?
  3. Welche Antriebskonzepte beim LS sind vorhanden, welche wären denkbar?
  4. Sind "exotische Konzepte" technisch geprüft worden? Z. B. Auftrieb wird teilweise durch "Einflügelform" des LS-Rumpfes übernommen. Antrieb durch Brennstoff- / Solarzellen?
  5. Wie hoch sind gegenwärtig die Transportkosten beim Lkw, wie hoch wären sie beim LS?
  6. Welche Bruttokosten müssen beim Lkw berechnet werden, und wie sieht diese Berechnung beim LS aus? Straßenbau-Kosten entfallen. Tunnelkosten entfallen, wenn die LF es denn über den Brenner oder gar die Alpenkämme schaffen.
  7. Wäre die LS-Entwicklung nicht ein innovativeres und nützlicheres Konzept als der Transrapid?
Mal sehen, ob es da Antworten von Experten gibt. Wenn ja, wäre ein unter Umständen gesonderter Blog fällig. Oder es stellt sich heraus, daß das Last-LS-Gesamtkonzept grundsätzlich nicht als Lkw-Ersatz taugt. Dann wissen wir immerhin das.

--

* Ob bei Wikipedia was aus der Nutzlast-Frage wird? Abwarten.

Rudolf Steiner

Süddeutsche Zeitung, Dienstag, 25. Juli 2006, Feuilleton, S. 12:

Arier, Atlantis und Akasha
Eine Tagung sucht nach Rudolf Steiners Rassismus*

Hier stand ursprünglich der gesamte Artikel von ALEXANDER KISSLER. Lesenswert. Leider sind die Abdruck-Kosten** der SZ für meinen Blog resp. für mich nicht tragbar. Schade. Aber wer wirklich interessiert ist, der geht eben in die Staatsbibliothek und läßt sich die entsprechende SZ-Ausgabe bringen.

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* Passend dazu auch der Wikipedia-Artikel über R. St. und der zur Anthroposophie-Kritik.

** Für alle, die einmal ähnliches vorhaben, hier die -- übrigens sehr schnell übersandten -- Informationen der SZ: "Die Kosten für die Online-Verwendung des u. g. SZ-Artikels in Ihrem Weblog sind abhängig von der Nutzungsdauer und betragen für einen Monat EUR 50,00, für sechs Monate EUR 100,00 und für 12 Monate EUR 150,00 (zzgl. MwSt.)." -- Meine Anmerkung: Ich glaube nicht, daß das marktgerechte Preise sind. Ich würde sagen: Der Werbeeffekt meines Blog-Beitrags + Abdruck liegt für die SZ nach einem Jahr bei ca. 300 Euro, und ich bekomme dann also 150 Euro von der SZ überwiesen. Wie wäre das?

Montag, 24. Juli 2006

Presseschau

Nach der abendlichen Presseschau im Netz:

Manche Leute finden es progressiv, wenn sie sich mit viel Instinkt grundsätzlich auf die Seite der Deppen stellen. Sie glauben, daß sie auf diese Weise den Unterprivilegierten helfen.

Me-di-en

Am Abend, an diesem: Ein Film mit Julia Jentsch.* Die wir en famille schätzen. Als eine Komödie angekündigt. Wir sind arglos, heiter gestimmt. Wir werden um gotteswillen nicht anspruchsvoll sein! Dann aber -- ich verlasse die Runde, dann der zweite. Die anderen drei folgen fünf Minuten später. Was ist da geschehen? Eine stille Abstimmung mit den Füßen. Was war das für ein Drehbuch? Hätte man das Geld für diese Produktion nicht ein wenig besser anlegen können?

Anschließend Küche aufräumen. Dabei den Kopfhörer auf den Ohren. Ein Hörspiel.** Ich liebe Hörspiele. Doch hier ein seltsam irrender, zuweilen etwas plemplemartiger Dialog. Ein Kranker mit einer Krankenschwester, die keine solche sein will. Einsprengsel von abgeschnittenen Hoden, die Hunden zum Fressen vorgeworfen werden. Das spielt sicher eine wichtige Rolle im künstlerischen Gesamtkonzept des Hörspiels. Aber mir ist das an einem warmen Sommerabend einfach zu blöd. Abgeschaltet.

Ich glaube, die Medienmacher im weitesten Sinn haben immer noch die Auffassung im Hinterkopf, daß sie, wie weiland ihre Deutschlehrer, die Leser, Zuschauer und Zuhörer zwingen können, Kunst zu lesen, anzuschauen oder anzuhören. Und wahrhaft Kulturvolles hat dann schwer, brutal und vor allem wenig unterhaltsam zu sein. Als Vorbild für die Komödie -- wenn schon Komödie! -- gilt im deutschsprachigen Raum auf ewig "Weh dem der lügt" und "Leonce und Lena". Basta!

Nur und ganz schlicht: dem ist nicht so!

---

* Ich hab mir die Mühe gemacht, die Daten rauszusuchen:
24.07. 20:15 Uhr. ZDF. Und die Braut wusste von nichts. TV-Liebeskomödie 2002. Regie: Rainer Kaufmann. Spielzeit: 90 Minuten. Bewertung: Annehmbar. (Laut Hörzu. Wie gesagt: Fanden wir während der ersten 5 - 15 Minuten alle nicht. Eigenartig: Der, der die Musik geschrieben hat, wird aufgeführt. Der Drehbuch-Verantwortliche aber nicht. Wer das war, hätt ich zu gerne gewußt.)

**
24.07. 20:30 Uhr. Bayern 2 Radio. »ÜberGänge«. radioKultur/Hörspiel: Von Karlheinz Barwasser.

Angelina, Angelina, please ...


Wie heißt die Dame mit dem extremen Schmollmund noch einmal? Angelina. Ja. Sie ist attraktiv, apart. Nicht jeder Manns (!) Geschmack. Welche Frau ist das schon. Allerdings: Es gibt überdurchschnittlich viele Bilder, in denen Angelina Jolie zum Affen oder sonstwas gemacht wird. Nicht: sich macht. Sie macht das ja nicht. Es sind Fotografen und Bild-Auswähler, die dafür verantwortlich sind. Man sollte diese Kerle austauschen. Das hat Mr Brad Pitt* nicht verdient.

Besondere Verbindung, wie ich per Zufall erkenne: "I've been from Curacao up to Tokyo / And I've found there's only one / And she is Angelina, Angelina, please bring down your concertina / And play a welcome for me 'cause I'll be coming home from sea."

Noch die Frage dazu, an die Textwissenschaft: Steckt in den Belafonte-Zeilen eigentlich ein sehr obszöner Hintersinn?** Ein Bild von einer Frau die, ... Ach nein, lassen wir das!

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* Das solten wir allerdings nicht vergessen: "Brad Pitt (geb. 1964), Schauspieler ("Troja"), studierte zwei Jahre lang Journalismus an der Universität von Missouri - "in der Design-Abteilung: Magazin-Layout und so". Kurz vor der Abschlussprüfung ging er an die Westküste und hatte "seine ersten Auftritte in Hollywood als Werbe-Hähnchen vor dem Schnellimbiss El Pollo Loco".

** Nachtrag: Man glaubt's ja manchmal selbst nicht! Aber das Symbol der concertina scheint da tatsächlich einschlägig vorbelastet zu sein. Wie auch andernorts gemunkelt wird.

Freitag, 21. Juli 2006

Kein Club-Mitglied

Ist das eigentlich ein Spruch von Woody Allen?

"Also, ich möchte möchte nicht in einen Club aufgenommen werden, in dem ich Mitglied bin."

Nein, dem Web sei dank, jetzt weiß ich es besser: Bei Wikipedia weist Kassander der Minoer (02:51, 15. Jun 2006) auf die 'Existenz des Groucho Marx-Paradoxons hin:

"Ich möchte in keinem Club Mitglied werden, der bereit ist, Leute wie mich aufzunehmen."* (Englisch: "I don't want to belong to any club that will accept me as a member.")

So ist das wohl korrekt. Auch viel besser formuliert als oben. Und, klar, das ist eine Größe der Originalität, da kommste auch mit einem Doppeldoktor in zwei Sozialwissenschaften nicht hin. Ist doch so!

Ein richtiges Paradoxon ist das freilich nicht. Denn wir sehen ja Groucho gleichsam vor dem Aufnahmeschalter stehen, und der Portier sagt nach Prüfung der vorgelegten Unterlagen: "Ja, bitte, Sie können eintreten, Mr Marx." Dann erst sagt Groucho: "Nein, doch lieber nicht. Ich hab's mir überlegt. Weil ..." Das ist nur witzig, aber nicht paradox.

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* Hab ein wenig, aber auch nur ein ganz klein wenig umgestellt, damit es mir leichter von der Zunge geht.

Lustig oder nicht lustig

Die Welt ist komplex. Beispiel: Der Fund eines Fundes: Die SZ hat irgendwo in der Überschrift "entgültig" geschrieben. Auf einer Lustige-Dinge-Seite sagt einer, daß er das lustig findet, und sagt: "Oh Gott ist das peinlich für so'ne Zeitung... Das schreibt man natürlich "endgültig"! ;-)"

Da dürfen jetzt die anderen Leser sagen, wie lustig sie das mit dem Fehler finden. Sie finden den Fund gar nicht lustig. Sie finden ihn aber auch so was von witzlos! Mann! Über Rechtschreibung lachen? Wo die doch vor ein paar Jahren abgeschafft worden ist!

Bewerten: Extrem lustig = 5 ...1 = Total unlustig
Aktuelle Bewertung: 2,0 bei 882 Stimmen

Us5 TokioHotel

O mein Gott wir werden alle sterben!! So DUMM!!!!!!

unLemon

total und absolut unwitzig!!!

kornfreak

meine meinung

relifäti

Häää? gähhn

schneckscher

*totlach* ey,musst mich voll wegfetzen,weil ja so lustig is...*augenroll*

BUNNYMANIA

ganz deiner meinung, blixx106

steffi

genau... wen intressierts??? natürlich die amis!!! :-P

blixx106

Oh nein, ein Tippfehler: Weltuntergang, die Apokalypse naht!

snaidi

wen interessierts ?


Was lernen wir daraus? So allerlei. Nämlich: Der deutsche Humor ist streng! Usw.


Ein Stück deutscher Fernsehgeschichte?

Wie leicht man mich doch rumkriegen kann! Ich staune immer wieder. Kaum schreibt ein Sturm, Rüdiger mit Vornamen: "Rätsel für die Faust. Wie zwei Münchner Künstler mit einer TV-Serie für das Handy ästhetische Maßstäbe setzen", da muß ich schon hinclicken, um zu sehen, was sich da für ein Geheimnis verbirgt. Das sieht dann unspektakulär so aus:

"Heute um 20 Uhr wird in München ein Stück deutscher Fernsehgeschichte geschrieben. Doch wer es sehen will, muß schon genau hinschauen. Die zugehörigen Bilder laufen auf winzigen Handy-Bildschirmen. Beim Münchner Filmfest zeigt das unter dem Kürzel M + M firmierende Künstlerduo Marc Weis und Martin De Mattia einen "abgründigen Krimi für Mobiltelefone".

Immerhin bleibt was anzumerken. Nämlich das: Der Jugendwahn äußert sich in den letzten Jahren in einer überhaupt nicht unerheblichen Kleinigkeit. Zum Stichwort Jugend: Jeder mit 30 weiß doch, daß Jugend ein Lebensabschnitt wie Luxemburg ist. Kaum bist du reingefahren, bist du auch schon wieder draußen. Will ernsthaft sagen: Der Trend zur Miniaturisierung schreitet in einer vollständig blödsinnig und alle Lebensfreude und Bequemlichkeit verachtenden Weise voran. Jenseits des 23. Lebensjahrs können die Menschen die Displays und Handy-Tastaturen -- und übrigens auch die immer kleineren Bildschirmschriften, die sich dank immer höherer Auflösung darstellen lassen -- nicht mehr ohne Lupe entziffern. Aber was tun die Macher? Sie suggerieren, man könne einen Film oder auch nur ein Filmchen sinnvoll auf einem Handy-Display anschauen. Wenn das nicht einer der echtesten Wahnblödsinne ist, den sich die Kommunikationswirtschaft jemals ausgedacht hat, dann weiß ich nicht.

Donnerstag, 20. Juli 2006

Ballerspieler leiden unter "Zensurhetze"

Also, auch mir ist klar, Ballerspiele-Spieler sind gegen ein Verbot von PC-Baller- und Killerspielen. Wäre auch eigenartig, wenn es anders wäre. Die Sprache, die sie gegen Gegner auffahren, ist allerdings nicht gerade vom feinsten und zeugt auch nicht vom Aufbau von Empathie-Vermögen. (Mangelnde Empathie muß man, glaube ich, schon mitbringen, um an solchen Spielen Gefallen zu finden.)

"Frau Böhmer strebte zur Regierungsbildung 2005 (für die eine CDU-Dominanz erwartet wurde) den Posten der Kulturstaatsministerin an und stand kurz davor, bis der Posten zuletzt anders besetzt wurde. Schon seit langem profiliert sie sich durch rigide Zensurforderungen. Also könnte moralinsaure Zensurhetze im TV ihr nur nützlich sein."

Nun ist aber der entscheidende Punkt: Wer ist der / die, dem / der es Spaß macht, möglichst realistisch zum Feierabend andere -- in Bildschirm-Puppen-Form, ok, aber immerhin eben: realistisch aussehend -- niederzuschießen, zu köpfen, zu erdolchen oder sonstwie um die Ecke zu bringen? (Übrigens: Gibt es da viele "die"? Empirische Untersuchungen zu dieser Frage vorhanden?) Ich meine: Ist eine solche Vorliebe nicht an und für sich krank? Oder gibt es da vielleicht doch plausible Gründe, die das Spielen solcher Spiele rechtfertigen oder zumindest plausibel erklären? Gründe, die für mich bislang nur im Verborgenen oder unverständlich geblieben sind? Ich meine, der reine Spaß an der Freud und eine tiefinnerliche Entspannung nach anstrengender Arbeit reichen als Rechtfertigung doch nicht aus. Eine solche Art von Spaß und Entspannung hat doch sicherlich auch Armin Meiwes nach vollbrachter Tat und anschließendem Abendessen empfunden. Ohne daß wir daraus schon eine glatte Rechtfertigung seines Tun und Treibens ableiten wollten. Oder?

Nachtrag: Wie sehr ein großer Riss, der aus einer Melange aus Unverständnis, Meinung und Aggressivität besteht, durch die Grundsatzdiskussionen geht, kann man beispielsweise hier sehen.

Über Männer. Über-Männer

Von den, geschätzt, 8 bis 10 Artikeln, die ich heute morgen in der neuen ZEIT gelesen habe, nehme ich nur einen hier auf. Die anderen betrafen die Politik vor allem. Nahost. Joschka Fischer im Interview. Einschätzungn. Auch etwas über den neuen Bundesträner Löw via Herkunftsort.

Der verbleibende Artikel, um den es gehen soll, ist überschrieben mit "Heimwerker des Trieblebens", und es geht darin um "moderne Liebhaber". Der ML ist, steht da gleich, "unausweichlich Dilettant".

Jetzt gleich das Besondere. Ich lese und denke: Wie die Frauen doch heute schreiben. Wie maßlos offen und maßlos kenntnisreich. Und, nun ja: sehr, sehr gut. Dabei -- Bedenken bleiben, gegen das Vorgetragene. Aber was da wie vorgetragen wird: sehr gut. Diese Frauen! Eine Petra Soundso. Ich bin ziemlich sicher, daß ich von der schon so einiges gelesen habe. Dann, beim Stichwort 'Michael Douglas' in der vierten Spalte, schaue ich dann doch nach. Es ist Peter Kümmel, der da schreibt! Ein Pseudonym einer Frau?! So kann doch kein Mann schreiben. (So schön kann doch kein Mann sein, / daß ich ihm lange nachwein...) Wer, um Himmels willen, ist das? Google: 81.000 für "Peter Kümmel 'Die Zeit'". Das kann dann doch keine Frau sein, auch wenn ich alle Google-Fehlbuchungen im Geiste abziehe.

Die Frage bleibt: Wie kann ein Mann so schreiben. Über Männer! So distanziert, als sei er eine Frau. (Auf mein sicheres Stilempfinden lasse ich ganz zuletzt was kommen. Also praktisch nie.) So kenntnisreich und ausgewogen und, im spannenden Endeffekt: falsch?

Mittwoch, 19. Juli 2006

Wichtigtuer

Thomas ist auf einem neuen Trip. Hier bitte:

"Hin und wieder schreibe ich eine Mail an Menschen, die sich selbst für wichtig nehmen. Nur um dann die herablassend-hingefetzten Sätze, die zurückkommen, für meine Theorie der Wichtigtuer zu analysieren."

Was soll man davon halten, frage ich herum. Keine Antwort von den guten Bekannten.

Tom Pit



Also, es ist nicht so, daß ich Tom Cruise und Brad Pit grundsätzlich verwechsle. Ich weiß sogar, daß der eine Mission Impssible gemacht hat und der andere zum Beispiel Troja. Also -- nicht gemacht. Darin eine Rolle, die Hauptrolle gespielt hat halt.

Auch ist es nicht so, daß ich zwischen Meg Ryan und Drew Barrymore (und dann auch noch jener erstaunlichen Dru Berrymore) nicht zu unterscheiden vermöchte. Die sind ja auch ganz unterschiedlich alt. Und begabt. Und von der Aura her...

Auch Michelle Pfeifer und Jodie Foster haben nichts miteinander zu tun. Weder vom Äußeren, noch, vermutlich, von ihrem Seelenleben her gesehen. Auch wenn es sie auf einem schönen Foto zusammen zu sehen gibt. Zusammen mit Meg Ryan übrigens. Und doch kommen die Bilder dieser Menschen in meinem Kopf manchmal wild durcheinander, soblad ich das Wort prominent oder gar berühmt ausspreche.

Und wer ist das da oben rechts schon wieder...?!

Ein Pornoheft für Mädchen

Ich habe das nicht gesucht. Ehrlich nicht. Ich würd es sagen. Ist ja nix dabei, heutzutage. Aber ich habe nach dem Stichworten "Regierungsbildung 2005" gesucht.

Früher habe ich einmal eine Zeitlang diesen gedanklichen Ansatz verfolgt: Die Sprache schafft die Phantasie aufgrund ihrer inhärenten Kombinationsmöglichkeiten und Analogiebildungen. Es gibt: "Das Telefon läutet lange." Daraus macht einer: "Das Telefon läutet seit 14 Tagen ununterbrochen." Schon haben wir eine surreale Szene.

Dann Pornos schauen, lesen -- Männer vor allem. Auch sehr junge Männer. Jungen. Jungs. Buben. Wenn sie drankommen, an die Pornos. Oft, sehr oft allein. Manchmal auch Frauen mit ihren Männern. Seltener Frauen allein. Denk ich mal so.

Und jetzt die Kombintionsmöglichkeiten: "Pornos lesen..." Greise, Hauskatzen, der Papst, Vogelzüchter vor allem. Irgendwann kann man dann auch einsetzen: Mädchen. Paßt überhaupt nicht zusammen. Aber eben: Ich glaub mein Schwein pfeift! Auch so eine Kombination.

Elke Kuhlen, 27, arbeitet hauptberuflich als Bookerin in einer Konzertagentur und hat zusammen mit ihrer Freundin Nicole Rüdiger „Glück“ gemacht. Ein Pornoheft für Mädchen. Bis vor kurzem hieß „Glück“ noch „Lecker“, aber leider hat der Heinrich Bauer-Verlag eine Kochzeitschrift gleichen Titels und den beiden untersagt, den Titel weiter zu verwenden. Jetzt also „Glück“.

Bevor jetzt jemand aufgeregt sagt: "Das hat uns grad noch gefehlt!" fordern wir zur Coolness auf. Ich mag jetzt die Schritte nicht mehr nachvollziehen, die mich diese Seite haben finden lassen. Das war einfach eine Möglichkeit aus der Zielgruppen-Kombinatorik heraus. Mal sehen, ob es funktioniert. Und "Glück" heißt das Heft auch noch! TssTsssTsss. Aber es steht dies immerhin in der Webpräsenz (*kicher*) der Süddeutschen Zeitung. Das bürgt für Seriösität!

Exaktheit und Folgerungen

Triumph der Recherche! Genauer geht es nicht. Klausjürgen Wussow, erfahren wir bei BILD heute, der hat 1.144.469,36 Euro Schulden. Und: "Jetzt pfänden sie sein Krankenhaus-Tagegeld". Wer immer sie sind.

Wussow gibt zu einem Gedanken Anlaß: Da ist einer, der ja nicht umsonst einen medial wichtigen Typ verkörperte: den Schwarzwald-Klinik-Chefarzt. So stellen die Durchschnittsdeutschen sich einen solchen Chefarzt vor! (Keine Widerrede möglich. So ist das nun mal. Wer das wirklich anders empfindet, ist eben kein Durchschnittsdeutscher.) Instinktiv meinen wir doch, einer der so aussieht, der müsse auf seriöse Weise alles im Griff haben. Was sagt das, wenn wir am Beispiel sehen, daß das nicht so ist? Und: sehen die Italiener, die Franzosen, Spanier, US-Amerikaner, Japaner, Brasilianer usw. in Wussow auch den Chefarzt-Typ? Den deutschen? Oder ganz allgemein den weltweiten Chefarzt? Das wäre eine großangelegte Untersuchung wert! Die weit über sich hinausverweisen würde.

Duzen

BILD hat es gestern oder vorgestern zum Thema gemacht. Jetzt finde ich die Seite mit mittlerem Suchaufwand schon nicht mehr. Auch nicht über die interne Suchfunktion von bild.t-online.de. Eine wahrhaft schnell-lebige Zeit(ung)!
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Zuruf: So und jetzt korrigiere ich dich. Das steht sogar heute explizit in der BILD. Scheint eine Sommerloch-Maßnahme zu sein. Aber egal. Das soll keine Herunterstufung sein. Es gibt blödere Themen.
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Wie auch immer. Sollte man alle und jede duzen? So wie der Bohlendieter, der auch Polizisten duzen darf, weil das zu seinen Angewohnheiten gehört? Die Schweden haben es vorgemacht. Ich dachte immer, bei den Nordleuten sei das ein "schleichender Prozeß" gewesen, und die hätten inzwischen gar kein Siezen mehr als sprachliche Möglichkeit. Aber ein schwedischer Kollege hat mir erzählt, wie es sich verhalten hat in Schweden: Ein Journalist, der Olof Palme persönlich gut kannte, habe ihn eben auch in einem Fernseh-Interview geduzt. Und vom nächsten Tag an hätten die Leute angefangen, sich alle zu duzen. Den älteren sei die Umstellung durchaus nicht leicht gefallen.

Bevor alles vorschnell weitergeht: Das ist ein heikles Thema. Ein Thema für einen längeren Besinnungsaufsatz. Denn vielen Nachteilen stehen doch Vorteile gegenüber. Na denn... Da will ich nicht mit vorschneller Meinung vorpreschen.

Dienstag, 18. Juli 2006

Thomas Pynchon

Wer könnte das geschrieben haben? Denken Sie mal nach.

"Der US-amerikanische Romancier Thomas Pynchon (DER Autor der paranoischen Weltverschwörung, der die 'Alien'-Filme erfunden haben könnte und vielleicht auch erfunden hat) hat, präzise wie kaum ein andrer vor ihm, von der Naturhaftigkeit (alles an ihnen hängt zusammen, eins ist mit dem andern verknüpft, und der Zusammenhang ist die paranoische Verschwörung, und das einzige, das schlimmer ist als Teil der Verschwörung zu sein wäre: nicht Teil der Verschwörung zu sein) der großen Konzerne gesprochen."

Frau oder Mann?
Alt, mittel-alt oder jung?
Berühmt oder nicht berühmt?

Hier ist die Lösung.


Wer hätte das gedacht, sagen Sie wahrscheinlich. Wenn Sie nicht zum innersten Zirkel der Alleswisser gehören.

In Memoriam Rudi Carell

Irgendwie paßt es dann doch. Der tote Rudi Carell wird memoirisiert. Von der BILD-Zeitung.

"Rudi erinnert sich: 'Wenn ich Anke mit ins Studio nahm, dann haben die Leute gedacht, so eine tolle Frau, so charmant, so nett – Carrell kann doch nicht so ein Arschloch sein, wie wir gedacht haben, wenn er so eine Frau hat.'"

Bewundernswert: Rudi Carell war einer, der das Leben und den Tod nahm, wie es und er -- aus menschlicher Sicht -- nun mal sind. Ca. 72.000 deutsche Philosophen in Verbindung mit ca. 720 holländischen und deutschen Theologen aber fragen sich jetzt: Wie hat er das nur gemacht?

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Nachtrag:

Hape Kerkeling konnte noch das berichten: “Einmal hat er mich auf die Seite genommen: ‚Darf ich dich mal was Persönliches fragen? Du bist schwul? Ich kann das gar nicht glauben. So zwei schöne, dicke Titten, sagt dir das gar nix?‘ Und ich mußte ihm dann dreimal versichern, daß mir das wirklich nichts sagt, und damit war die Sache dann auch gegessen, und er sagte: ‚Na ja, mußt du selber wissen, aber ich könnte da nicht von lassen. So zwei richtig schöne, dicke Titten.‘ Das fand ich natürlich unglaublich komisch.”

Ist das wirklich komisch?! In diesem, dem vorigen und dem nächsten Leben auch, Hape? Wir denken nochmal drüber nach, gell!



Die ritualisierten Anti-Demonstrationen

Mikrofonpanne: Bush verflucht den "Scheiß" der Hisbollah

Verlangt man nicht nach volksnaher Sprache? Na also, hier ist sie.

Ich sage dazu mal das: Ich weiß einfach nicht, wer mich mehr ärgert:
  • die real Mächtigen, wie US-Präsident George W. Bush, die für viel Tod und Verderben verantwortlich sind, aber eben glauben, es sein zu müssen, mit Blick auf übergeordnete Werte*
  • oder die Kritiker dieser Mächtigen, mit ihrem penetranten und vollkommen kostenlosen Gutmenschentum, das sie -- meine Unterstellung, ja -- vor allem entwickeln, weil sie dann das Gefühl haben, ein wenig in der Nähe der real Mächtigen zu sein
Gestern, irgendwo im Radio: daß sich die Demonstrationen bei den G8-Gipfeln zu einem merkwürdig leeren Ritual entwickeln. Ein wenig in der Nähe der Mächtigen und ein wenig in den Medien sein. Menschlich, menschlich. Aber noch lange nicht: moralisch. Eine Frau, die bei Amnesty International drei Briefe schreibt, ist mir tausenndmal lieber als der engagierte Krawallo, der in der nunmehr fünften ritualisierten Anti-Demonstration mitmarschiert.

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* Müssen sie vielleicht sogar wirklich so sein wie sie sind? So wie "der Mensch" und "die Menschheit" gebaut ist? Beim Irak sehen wir ja, daß es Ansammlungen von Menschen gibt, die ohne einen obergrausamen Saddam sich gegenseitig abschlachten, der alle in Schach hält. -- Weiterführend, Gedankenexperiment vorläufig: Wenn man nun den Irak auflöste, mit einer Art UNO-Flurbereinigung, in Shiiten, Sunniten und Kurden, wobei die Bodenschätze internationalisiert und die Erlöse unter den drei Gebieten aufgeteilt werden, was wäre dann? Unser Vorurteil sagt uns, daß die drei Gruppen, mit etwas unterschiedlichem Anteil, interne Auseinandersetzungen wieder um untereinander ausschießen und ausbomben würden. Wenn "interne und möglichst auch externe Gewaltfreiheit" nicht zum Repertoire und zur Tradition gehören, dann ist da wenig zu machen. Was tun?

Glenn Greenwald

Ich liebe Autoren, die Dinge mit wenigen Sätzen auf den Punkt bringen können! Wenn ich das, was sie sagen, so ähnlich auch schon gedacht und gesagt habe, wird die Wirkung der Sätze verdoppelt. So ist das nun mal. Nicht nur bei mir. Das ist allgemein menschlich.

Jetzt zum passenden Beispiel aus der WELT, von Wieland Freund:

"Eigentlich geht die durchschnittliche globale Bestsellergeschichte so: Autor findet Agentur, Agentur macht Wind bei Verlagen, Verlage bieten sich gegenseitig in Grund und Boden, und das schließlich siegreiche Haus spitzt dann seine Marketingabteilungen ordentlich an: Die Investition soll sich ja schließlich lohnen. Bis das fertige Buch erscheint, haben Anzeigenkampagnen und Branchenpresse schon dafür gesorgt, daß Barsortiment, Filialisten und Internetbuchhandel wissen: Hier ist Geld zu verdienen. Und so kommt es dann meistens auch - man muß deshalb ja nicht gleich von einer Distributionsdiktatur sprechen."

Aber, eben! Das muß nicht so sein. Glenn Greewald heißt unser Mann. Sein Buch "How Would A Patriot Act" ist ja schon im Titel ein feines Wortspiel. Mal sehen, wann das Buch ins Deutsche übersetzt wird und wie der Übersetzer bzw. der Verlag mit dem schönen Wortspiel umgeht. Vorher können wir schon in Glenns Blog herumlesen. Für's erste also wieder ein Beispiel für die neue Macht und Form der Blogs.

Montag, 17. Juli 2006

Schlüsselsatz

"Sie hat ja recht", sagt Thomas. "Der Schlüsselsatz bei mir ist: 'Ich will -- ja, ich will -- mein Zimmer aufräumen. Und ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen."

Ich sage: "Warum begreifst du nicht, daß du von diesem Problem zur ultimativen Erkenntnis über dein Leben getrieben wirst? Halt durch, Mann. Bald hast du es geschafft."

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"Mich interessiert es nicht, in diese Wüste ein Ordnung zu bringen. Ich bräuchte einen Bautrupp, der das für mich übernimmt. Ich will schreiben, dokumentieren. Das ist es, was ich zu tunhabe! Ich stehe da, und denke über wichtigere Dinge nach als über das Ordnen von blöden Rechnungen. Meine Konzentration für solcherlei Dinge ist einfach nicht vorhanden. Sie ist im Leben sozusagen -- einfach verlorengegangen. Verstehst du?"

"Ich versuche es. Sagen wir mal so."

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"Ich kann Stille nicht ertragen. Ich höre Radio. 'Wortbeiträge.' Damit eine Stimme im Raum ist. Kannst du mirsagen, warum?"

"Was meinst du?"

"Verlassenheitsängste, würde ich sagen."

"Und?"

"Eine normale Sache. Wie immer ist die Frage: Mit welchen schrecklichen, Normalität erzugenden Mitteln sind Menschen geimpft, die keine Verlassenheitsängste empfinden?"

"Du bist auf dem Weg, mein Alter."

"So, glaubst du."

"Es ist so."

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"Weißt du, welche Sätze eines Theaterstücks oder Hörspiels mir gerade beim Aufräumen durch den Kopf gegangen sind?"

"Alter! Woher soll ich das wissen?"

"Hör zu! Stimme auf dem Off: 'Endlich hatte er sie soweit. Sie machte alles genau so, wie er es von ihr verlangte. Sie war endlich: perfekt. Doch da, am selben Tag noch, packte sie ihre Koffer und verließ ihn.'"

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"Der Kriegsverlierer Japan möchte endlich in der Welt eine normal Rolle spielen."

"Für Peking ergibt sich daraus die große Versuchung ..."

"Verurteilte Kriegsverbrecher..."

"... die China-Karte zu ziehen."

"... auch Experte Okasaki..."

"China blockiert ..."

"Der beste Weg für Japan ..."

"Okinawa macht nur ein halbes Prozent der japanischen ..."

"Wir leiden hier unter unglaublichem Lärm."

"Immer wieder belästigen und vergewaltigen amerikanische Marine-Infanteristen japanische Mäddchen und Frauen."

Ryoko Tokuno

Die Macher der STERN-Homepage haben einen interessanten Trick gefunden, um das Abspeichern von Bildern zu verhindern. Die Grafik und die Grafikadresse ergeben -- ein weißes Feld. Nehmen wir mal an, jemand will die hübsche Ryoko Tokuno in sein Beauty-Archiv aufnehmen. Er soll abstimmen, wie hübsch sie ist. Das schon. Aber darum gleich mit der Festplatte vereinahmen? Das ginge denn doch zu weit, findet der STERN.

Neue DD-Berichte

Ich glaube, man kann es so sagen: In Italien sind neue Skandalberichte zum Thema DD gedruckt worden, die selbst der englischen Skandalpresse zu weit gehen. BILD bringt es wie immer sachlich auf den Punkt: "Hatten Dodi und Di Sex im Todes-Auto?" Mit der weitreichenden Folgerung für das Ganze:

"Der Skandal-Autor geht sogar so weit, aus der Aussage die Unfallursache abzuleiten. 'Man kann sich vorstellen, daß Henri Paul das Verhalten von Dodi und Diana im Rückspiegel gesehen hat und daß er abgelenkt wurde, während er sehr schnell fuhr. So verlor er die Kontrolle über das Auto.'"

Um die Sache mal im eigenen Kopf abzuschließen, sei so viel gesagt bzw. gefragt:
  • Die langanhaltende Nachrichtenflut, die heute immer noch für einen plötzlich überfließenden mittleren Bach gut ist, muß als eine, medientheoretisch gesehen, ungemein interessante Größe gelten. Welche Themen werden so gerne wieder aufgegriffen? Der Tod J. F. Kennedys vielleicht. Und sonst?
  • Welches sind die Elemente, die für ein solches Medieninteresse sorgen?
  • Wie müssen Familien gestrickt sein, die so etwas über sich ergehen lassen und am Ende immer noch Royals sind? In einem niederbayerischen Dorf würde eine Familie, deren Schwieger- tochter -- nein, falscher Ansatz. In einem niederbayerischen Dorf wäre eine geschiedene Schwiegertochter mit einem derartigen Lebenswandel wohl ein gefallenes Mädchen. Nirgendwo eine 'Königin der Herzen'. Die Söhne wären arme Buben, die für ihre Mutter nichts können. Der Vater natürlich, der ist auch schuld. Der mit seiner allseits bekannten Affäre mit der Bäuerin aus dem Nachbardorf.
Wir sehen schon mal: Menschen überstehen alles an Medialem, was sich nur denken läßt. Wenn sie nur wahrhaft königliche Profis der Nachrichtenproduktion sind.

Sonntag, 16. Juli 2006

Seltsamkeiten der Fußballwelt

Das ist schon seltsam, nicht wahr?

"Der WM-Beauftragte des Berliner Senats, Jürgen Kießling, ist tot. Er verstarb an den Folgen eines Selbstmordversuchs. Warum sich der 65-Jährige eine Kugel in den Kopf schoss, ist noch immer unklar."

Und daneben steht und fällt der Mann mit dem Rosenkranz. Gianluca Pessotto, Turin, Teammanager. Vielleicht nicht ganz so mysteriös wie bei Kießling; aber Pessotto gibt dafür, wegen Rosenkranz, auf der abstrakt-semiotischen Ebene natürlich viel, viel mehr her.

"Angstblüte"

Vorgestern, im ASPEKTE war's glaub ich, reingezappt: Martin Walser, der über ein neues Buch spricht. Nicht viel mitbekommen. Nur, daß, wer über den Kapitalismus kritisch schreibt, doch was von der Börse und ihren Gesetzen verstehen muß.

Nun, in der WELT, eine ziemlich runtermachende Besprechung des Werks:

"... Ist das Satire? Kolportage? Selbstmitleid? Provokation? Größenwahn? Irgendwann nervt diese krude Mischung aus hölzernen Dialogen und pathetischer Selbstbeweihräucherung so sehr, daß man das gar nicht mehr wissen will."

Ja, und was sagen wir denn nun? Wir müssen Martin wohl singen lassen:

"Wir lassen uns das Schreiben nicht verbi-ieten.
Den Sex nicht, und auch nicht die Lust am Strei-it!"

Professor X.

Die kleine Geschichte geht so: Im Aufzug der Universität U. trifft der Dozent N. N. einen ihm vollkommen unbekannten, großgewachsenen, weißhaarigen Mann, der ihn freundlich und weltmännisch begrüßt mit: "Hallo! Wie geht's dir?"

N. N. glaubt an eine Verwechslung und antwortet. "Gut. Danke der Nachfrage."

Damit allerdings ist für den Mann ein Gespräch eröffnet. Er steigt mit N. N. im zweiten Stock aus. Stellt sich vor. Er sei Professor X. Historiker. Journalist. Ein interessanter Mensch, findet N. N. sofort. So treffen sie sich am nächsten Tag in N. N.s Zimmer.

Und was für ein Leben entwirft X da! Auf die Adolf-Hitler-Schule ist er gegangen. Als Kind. Wie viele andere. Theo Sommer Beispielsweise, der von der ZEIT. Dann bei Erich Kästner die Journalistenschule in München. Opern-Sänger war er. Und zeigt auch gleich ein Bild von sich mit der Callas. Denn Starjournalist. STERN, und so weiter. Mit allen Größen der Welt sei er bekannt und nennt als Exempel ein paar Namen, die klingen. Ruft auch gleich mal mit dem Handy den großen Verleger Y. an. Den er leutselig-duzend begrüßt. Und der Dozent, der nicht recht weiß, wie ihm geschieht, muß auch mit Verleger reden.

Irgendwann auch: Daß er, X., in einem Banksafe seine besten Recherche-Ergebnisse und -Originale aufbewahrt. Etwa all das, was er über die Beziehung von Coco Chanel und Hans Günther von Dincklage im Paris des 2. Weltkriegs herausgefunden hat.

(Wird fortgesetzt)

Ariane Sommer

Also wie ich, mich rumtreibend, ausgerechnet auf die Seite von Ariane Sommer gekommen bin, ist wahrscheinlich leicht her- auszufinden. (Es spielt hier aber keine Rolle. Also lassen wir's.) Nicht so leicht herauszufinden ist, warum die junge Schöne, die, wie man irgendwo erfahren kann, die Nichte von Theo Sommer ist. auf ihrer Homepage ...

Also, jetzt wird der Satz zu lang. Fangen wir nochmal an, und beschränken wir uns auf das, was gesagt werden soll: Warum Ariane die bestimmt nicht schönsten Bilder, die es von ihr gibt, für ihre Web-Site verwendet, bleibt im Dunkeln. Auch, warum sie auf ihrer Homepage unter "Links" nur auf die Bunte und auf einen Juwelier verweist. Da muß es doch noch andere geben! Junge, nette Männer zum Beispiel.

Nachtrag zum Thema "körpereigene Opiate"

Zu der neuen Sicht auf Endorphine etc. ist mir noch eingefallen:
  • Ist Empfängnis- und Gebärfreude der Frauen auch nur eine andere Form von Rauschgiftsucht?! Könnte Frau Ministerin von der Leyen mit dem Versuch zur Steigerung der Gebär- freudigkeit bei dynamisch-erfolgreichen Frauen nicht genau da ansetzen? Mit dem Versprechen eines tollen Rauscherlebnisses?
  • Ist beruflicher Erfolg auch in diese Ecke einzuordnen? Die erfolgreichen Manager, Wissenschaftler, Politiker usw. brauchen den täglichen oder gar den stündlichen Kick.
  • Und müßte das Aussteigen mancher Leute aus dem Karriere-Tretrad dann nicht als Entziehunskur von den Krankenkassen alimentiert werden?
Fragen über Fragen ...

Romans Podcast

Ich gehe mal wieder auf Entdeckungsfahrt.

Finde einen wirklich sehr begabten Dampfplauderer namens Roman. Aus München. Woher denn sonst. (Damit niemand, der Roman Libbertz nicht kennt, lang suchen muß, bitte hier lang.) Und seinen podcast. Sehr unterhaltsamer Erzähler. Flüssig, eins ergibt wie von selbst das andere. Und auch eine Quintessenz: "Formel Eins braucht kein Mensch. (Monte Carlo hingegen braucht man schon.)" Ein Mann, der mich, mal so literarisch gesehen, an das Autobiographische von Mircea Eliade erinnert. Der natürlich keinen Podcast hat bzw. hatte. Schon klar, ne?

P. S. Noch eine Reihe anderer Beiträge von Roman, in die ich nach und nach auch mal reinhöre. Man erfährt da zum Beispiel: Wenn man neu ist in Miami, dann lernt man Mädels ganz easy kennen, indem man vorgibt, eine Model-Agentur zu vertreten und ein Casting im Hotel ansetzt. Soforterfolg: 40 bildhübsche Mädels. Die man, nachdem man sie so nebenbei nach ihrer Lieblingsdisco gefragt hat, am Abend wiedertrifft. Alle girls sehr aufgeschlossen da, "weil die ja den Job wollten". Oder, andere Geschichte: mit DJ Morales spontan mal nach Berlin fliegen, wo den M. dann Mariah Carrey aufm Handy anruft, was den M. nicht davon abhält, beim Telefonieren mit Marriah weiter seine Spaghetti reinzuschaufeln. (Die Frage taucht auf: War das denn wirklich der DJ Morales? Der mit den beeindruckenden Tattoos auf dem Oberarm? Für den Nicht-Insider: "Some dj's (Morales + Knuckles) have been paid around 10000 US$ with airplane and 5* hotel! That is real fucking shit business!" Da sagenwir doch sofort: Neidhammel, gscherter!) Und ein Schweizer- Marokkaner verschenkt gleich eine ganze Packung Joints. Was Roman "damals alles sehr nett" fand. -- Noch einmal: Wirklich unterhaltsam vorgetragen. Hübsch anzuhören. Schade nur, daß der Roman, wiewohl doch nach eigener Auskunft in München aufgewachsen, so gar kein bißchen Münchener Stadtdialekt spricht. Ja, das ist wirklich schade. Das vermiß ich dann doch.

Freud und Leid des Internets

Ich lese in der SZ etwas, das Mark Twain zugeschrieben wird, vergesse den genauen Wortlaut und schmeiße zwischenzeitlich die Zeitung weg. Und finde das Twainsche saying via Google doch.

"Die Vorurteile eines Professors nennt man Theorie."

Aber jetzt kommt's: Ich wüßte gerne, wo das bei Twain steht und wie der Wortlaut im Englischen ist. Da ist erst mal nichts zu finden. Alle, alle bringen den Spruch auf Deutsch, und das war's dann. Die Übersetzungsstichworte (schon mal 'Vorurteil'? -- bias, jaundice, prejustice, anderes?) helfen erst mal nicht. Am Ende bin ich bei Kombinationen wie
"mark twain's sayings" prejustice
und es findet sich -- nichts. Wie, wenn ein deutscher Erfinder da den Mark Twain einfach zu seinem eigenen Einfall dazugeschrieben hat und alle anderen haben anschließend von diesem deutschen Erfinder abgeschrieben? Das wäre immerhin ein interessanter Fall von Anti-Plagiat.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Internet-Seins...

Samstag, 15. Juli 2006

Gedankenexperiment

Wir sind allesamt Drogenkonsumenten. Sagt die Wissenschaft!

"... Warum aber schuf die Natur 'Pseudo-Opiate'? Ihr Sinn liegt auf der Hand: Sie helfen, Streßsituationen zu meistern. So sind Endorphine auch in der Lage, Hochgefühle wie Glück oder gar Euphorie auszulösen. Der Endorphin-Blutgehalt einer Gebärenden liegt beispielsweise um den Faktor zehn über dem Normalwert - die körpereigene Chemie findet also einen Weg, um Mutter und Kind die Geburt überstehen zu lassen."

Ich erinnere mich bei der Gelegenheit, daß ich vor Jahren mal einer Runde angeblich wacher junger Intellektueller folgendes Gedankenexperiment vorgelegt habe: "Nehmen wir mal an, wir finden eines Tages heraus, daß Menschen, um sich glücklich zu fühlen, bestimmte körpereigene Stoffe benötigen. Die bei den einzelnen Menschen in der Menge ganz unterschiedlich produziert werden. Können die Benachteiligten in unserem Rechtssystem dann einklagen, diese Glücksstoffe -- die ja so was wie Rauschgifte sein werden -- von außen zuführen zu dürfen? Haben sie nicht sogar ein Recht auf diese Stoffe?"

Na schau! Heute sind wir erkenntnismäßig soweit, daß mein Gedankenexperiment Hand und Fuß bekommt. Was mich damals übrigens geärgert hat: Daß die vorhandene Intellektuellenmeute in dieser Frage nichts Interessantes zu sehen vermochte.

Diät

Da war dann noch die Geschichte von dem Mann, der unter Übergewicht litt, der zu einem Arzt ging und von diesem Arzt zu hören bekam: "Sie müssen lernen, den Hunger zu lieben!" Zuerst, sagt der Mann, habe er gedacht: "Was für ein Blödsinn!" Dann aber habe er angefangen, über diesen Satz nachzudenken. Und heute, vier Wochen später, sei er 7 Kilo leichter.

Stilwechsel

S., 45, Lehrerin am Gymnasium. Ich habe ihr gesagt, daß ich jetzt auch einen Blog mache. Sie findet das "naiv". Ein Wort, an dem ich kaue wie mein Hund an einem künstlichen Knochen. Also bitte ich S. um eine Begründung, um eine Erläuterung. Sie könne ja einen oder mehrere Kommentare schreiben, biete ich an. Mal S. wörtlich: "Du weißt doch, daß ich mich zu so einem Schmarrn wie Blog-Kommentieren nicht herablasse."

Die Erläuterung von gestern, per Mail, fällt dann aber sehr ausführlich aus. Weshalb ich hier -- tatsächlich mit der Erlaubnis der Verfasserin -- zusammenfasse. Mein Blog, sie habe in dem Bisherigen rumgelesen, sei eine Mischung aus persönlicher Tagesmitteilung und abstraktem Allgemeindenken. So was könne nicht gutgehen.

Das vielleicht Klarste, was mir von S. mitgteilt wird, ist ihre Art der persönlichen Tagesmitteilung. Sie habe, schreibt sie, in der vergangenen Woche in ihren 15 Jahre alten, handschriftlich geführten Tagebüchern eine halbe Stunde herumgelesen, und das Gefühl sei gewesen, sie lese da die Aufzeichnungen einer Fremden. Eine Liaison, die damals für sie sehr wichtig gewesen sei, sehe sie, von heute aus gefühlt und betrachtet, vollkommen anders an als damals. Und die Tatsache, daß sie ihren Liebhaber ihrem Tagebuch immerzu X genannt habe, sei ihr auf einmal sehr peinlich gewesen. Er sei halt verheiratet gewesen. Schön und gut. Und ihr Chef. Ein schützenswertes Wesen mithin. Aber sie frage sich, warum sie ihn nicht ohne weitere Hinweise und ohne viel Aufhebens Manfred genannt habe. So was sei ihr heute ein komplettes Rätsel.

Thomas Mann (die Lehrerin spricht!) habe es in seinen Tagebüchern schon richtig gemacht. Einfachste, schörkellose, sehr kurze Berichte. Hoch persönlich. Wenig bis keine Reflexion. "Wenn einer reflektieren will, soll er einen Essay schreiben. Oder ein Sachbuch meinetwegen." In ein ordentliches Tagebuch gehöre rein, daß der Schreiber am Vortrag zu viel süßes Zeug gegessen habe. Am besten unter Markennennung. Das schaffe persönliche Atmosphäre. Am Nachmittag eine Tafel Ritter-Sport und dann noch drei Hanuta. Ungefähr so. Ich aber, ich brächte alles durcheinander. Und zu den wirklichen Alltagsbekenntnissen hätte ich nicht den Mut.

Soll ich jetzt über das nachdenken, was S. da mitteilt? Von meinen Whiskey-Vorlieben schreiben? Oder einfach aufhören mit diesem Blog? Kann ich einen kompletten Stilwechsel hinlegen, nur weil S. so kritisch ist? Und Aufhören wäre der kompletteste Stilwechsel, den man sich denken kann.

Daß ich über diese und ähnliche Fragen nachdenken muß, habe ich S. schon geschrieben.

Freitag, 14. Juli 2006

Satire 3

Diskussion zum Thema John Daker.

Auf Umwegen habe ich John Daker und seinen -- offenbar sehr berühmten, internet-veröffentlichten -- Lied-Vortrag entdeckt. Diskutiert wird über JD im Zusammenhang von Internet-Pranger-Phänomenen. Hier der interessante Fall, in dem man nicht weiß, wer da am Ende über wen lacht. Hat JD oder ebenein JD-Darsteller diesen Vortrag nur extrem gekonnt inszeniert? Die Vermutung liegt nahe. Wikipedia teilt mit: "John Daker was also a character in Michael Moorcock's Eternal Champion series." Na also! Oder doch nicht? Bei so einem Allerweltsnamen ist doch allers möglich, oder?

Als ich dann lese: "John Daker wußte nicht um seine anderen Leben?" löst das ein sehr seltsame Deja-vu-Erfahrung aus. Habe ich dies nicht schon einmal gelesen? Wo nur? Oder habe ich es selbst geschrieben vor Jahren?

Eine wildfremde Frau

Am Telefon Folgendes: In München fährt heute gegen 14:20 Uhr ein grauer BMW, wahrscheinlich ein X5, mit dem amtlichen Kennzeichen KF S 1911 die Wolfratshauser Straße entlang. Darin eine Frau, in der mein Freund Thomas, mit Blick in den Rückspiegel, seine Jugendliebe Sabine wiederzuerkennen glaubt. Flotte Fahrweise der Frau in dem BMW. Irgendwann ist sie schnell rechts vorbei und dann eine längere Strecke vor ihm. "Fast hätte ich die Verfolgung aufgenommen", sagt Thomas. "Aber dann bin ich doch abgebogen." Dann sinnierend: "Vielleicht hätte ich doch hinter dem Wagen herfahren sollen. Aber stell dir vor, da steigt am Ende in Kaufbeuren eine wildfremde Frau vor ihrem Haus aus dem Auto. Sie schaut mich gar nicht ängstlich, aber sehr erstaunt an. Weil sie natürlich bemerkt hat, daß ich die ganze Zeit über hinter ihr hergefahren bin. Und ich geh dann hin zu ihr und sage: 'Es gut mir leid. Ich hab Sie mit meiner Jugendliebe Sabine verwechselt.' Ist doch peinlich sowas."

Ich sage -- und ich hab zugegeben gut reden: "Also, ich finde, du hättest hinter ihr herfahren sollen."

(Das Autokennzeichen und auch der Name der Jugendliebe von Thomas natürlich aus Datenschutzgründen frei erfunden. Und natürlich heißt auch der Thomas nicht wirklich Thomas. Ist halt so, in einer Gesellschaft, die auf Datenschutz großen Wert legt.)

Rechtschreibreform

Auch das mal wieder: Mit der Überschrift "Schreibreform: Mehr Fehler als zuvor" und dem Lead

"Wenige Tage vor der Verbindlichkeit der neuen Rechtschreibung: Studien belegen, daß die Fehlerquote in Rechtschreibaufsätzen seit Einführung der Reform extrem zugenommen hat."

vermeldet Dankwart Guratzsch in der WELT. Und ich wollte mich schon, aufseufzend, zum Herbst hin in die neue Rechtschreibung schicken. Aber so? Vielleicht schreib ich doch weiter wie gewohnt.

Man kann, was die RSR angeht, natürlich ganz unterschiedlicher Meinung sein. Klar zu sein scheint aber: Da haben Leute -- denen wir beste Absichten und / oder Besserwisserei und einen Hang zur Selbstdarstellung unterstellen können -- etwas angezettelt, gemacht, durchgezogen, das etwas halbwegs Funktionierendes, nämlich die deutsche Einheitsrechtschreibung, in den Abgrund getrieben hat.

Diese Konstellation von Ausgangssituation und Folgen ist aber sicherlich nicht nur auf die Rechtschreibung beschränkt. Es gibt diese Situation wahrscheinlich allüberall in der Politik und im Leben. Nur fällt diese Konstellation nicht immer so klar auf. Wahrscheinlich weil gilt: Nicht für alles findet sich ein Theodor Ickler. (Der ist, wie gerade mal nachgesehen habe, aktiv wie eh und je, und legt beinahe jeden Tag was nach.)

Blog-Gründe

Ich habe vorgestern bei Joseph angefragt, warum er denn seine (insgesamt drei) Blogs betreibt. Seine Antwort habe ich heute früh vorliegen. "Um mich an meinen eigenen Formulierungen zu berauschen."

Na denn.

Ich weiß nicht, wie ernst ich das nehmen soll. Denn Joseph ist ein großer Ironiker vor dem Herrn. Aber -- es wird schon was dran sein.

Volksempfindungsrecht

Weil ich gerade bei den Sexualpsychopathen war: Hin und wieder sind abstrakte Diskussionen um die Rechtsgüter und das Vorgehen der Gerichte, überhaupt der ganzen Welt der Gerichtsbarkeit von Interesse. Im Falle des Herrn Meives aus Rotenburg, so haben wir vor längerer Zeit aus der FAZ erfahren, könne die Strafe "nicht im oberen Bereich liegen". Will sagen: Der könne, wegen Zusammenarbeit mit dem Gericht, dem video-dokumentierten Einverständnis seines Opfers, usw. nicht allzu hart bestraft werden. Das war recht klar.

Aber das gesunde Volksempfinden, das unter echten JuristInnen ja nicht so, sondern das Empfinden der "recht und billig Denkenden" oder so ähnlich genannt zu werden pflegt, dieses Empfinden hatte rechtsintiuitiv das Gefühl, daß da zu wenig Strafe mit dem ersten Prozeß rumgekommen ist. Es mußte ja auch erst mal wieder nachgedacht werden. Denn Kannibalen wie Fritz Haarmann hatten wir schon. Aber daß vom Täter formell die Zustimmung des Opfers eingeholt worden ist -- das ist offenbar neu.

Also -- neu verhandelt und mit feiner Neuinterpretation der Dinge das Urteil dem Empfinden angeglichen. So geht das. Und natürlich: die Sache ist mit der Neubewertung noch nicht zu Ende.

Und niederländisch ausgedrückt ist alles ohnehin viel netter und einfühlsamer:

"De Duitse kanibaal, Armin Meives, is geestelijk gezond verklaard, is de filmrechten van zijn verhaal al gevraagd, het stond in de krant en bij Planet. Vroeger werden kanibalen waarschijnlijk ook niet als geestelijk zieken beschouwd, wel primitief, maar in deze tijd is het toch verre van normaal???"


Ach, und noch eine persönliche Anmerkung: Ich kannte mal eine vollkommen durchgeknallte Person mit höchst eigenartigen alltäglichen Verhaltensweisen, aber gutem 1. und 2. juristischen Staatsexamen. Diese Person arbeitet heute in einem -- ich sage nicht in welchem -- Justizministerium. Wenn ich gut drauf bin, sage ich zu Fällen wie diesem: Unser Rechtssystem sei eben so stark, daß es persönliche Defizite absorbieren und den fehlbaren Menschen über sich selbst hinausheben kann auf die Stufe der 'objektiven juristischen Instanz'. Wenn ich nicht ganz so gut drauf bin, sage ich, daß das, das, die soeben vorgetragene Annahme, ziemlicher Quatsch ist und daß unser Rechtssystem bis hinein in die Köpfe seiner Vertreter durchzogen ist von Schlieren eben jenes Wahnsinns, den es tagtäglich zu verhandeln gilt.

Zidanes Mutter

Zisou hat irgendwie unsere Sympathien wieder -- gehabt. Er erklärt, daß Marco Materazzi seine Mutter schwer beleidigt habe, und er, Zidane, habe darum ... (Vermutete Wort-Abfolgen der Lippenleser sparen wir uns hier. Die kann man allüberall nachlesen, wenn einem danach ist.) Aber dann wird berichtet, die Mutter -- na ja, die habe gesagt: Wenn das stimmt, wenn der Materazzi das tatsächlich gesagt hat, dann solle man ihr seine, Materazzis Eier auf einem Tablett bringen. Und dann wieder -- die allfällige Ehre! Die Kulturbruch-Kante, an der das deutsche Multikulti sich auf ewig abarbeitet. (Denn genau diesen Ehre-Begriff kann der deutsche Fremde-Kulturen-Fan ja eben nicht nachvollziehen. Und er möchte es doch so gerne, um auch da Verständnis zu haben.)

Laut „Daily Mirror“ lobt sie ihren Sohn: „Ich liebe Zinedine dafür, wie er die Ehre seiner Familie verteidigt hat!“

Was bleiben da für Überlegungen?

a) Hat BILD mal wieder einen der bekannten Fehler gemacht? (Ich habe im BILDBlog noch nicht nachgesehen.) Einen Übersetzer beschäftigt, der des Französischen oder Arabischen nur bedingt mächtig war? Die Mama wollte den Kopf auf einem Tablett, nicht die -- na Sie wissen schon. (Das wäre auch nicht schön, das mit dem Kopf auf dem Tablett. Aber immerhin gibt es da schon vorbildhafte Geschichten in der Bibel. Bei Salome und so.)

b) Die Dame ist wirklich so. ("...die temperamentvolle Frau vom stolzen Stamm der Kabylen (Algerien)", so sind wir dank BILD informiert.) Aber hat die Familie denn nicht inzwischen einen Medienberater, der ab und an flüstert: Das mit dem XXX-Abschneiden, das käme in westlichen Gesellschaften nur bei einer ganz kleinen Gruppe, den Frauen und Männern aus dem stolzen Stamm der Sexualpsychopathen, gut an?

Donnerstag, 13. Juli 2006

Telekom-Werbung

Kann man erklären, warum die Telekom darauf setzt, im landläufigen Sinn unangenehme Menschen zentral in ihre Werbung einzubauen? Nein, Korrektur: Die Menschen sind nicht unangenehm. (Oder vielleicht doch. Ich weiß es nicht. Ich kenne sie ja nicht.) Sie werden als unangenehm inszeniert. Die Macher der Reklame führen vor: Einen sehr dicken Mann, dem das viel zu enge T-Shirt über dem Bauch spannt, vor dem Spiegel. Zwei ältere Menschen, die sich gockelig vor dem Fernseher zurechtrücken. Bewußt als unsicher-dumm-guckend gefilmte Durchschnittsgesichter. Wann ist es soweit, daß Jan Ullrich gezeigt wird, wie er liebevoll einen Blutbeutel streichelt?

Was ist da beabsichtigt? Doch nicht etwa, daß wir uns mit den so Vorgeführten identifizieren? Und wenn wir uns über sie lustig machen, gehen wir dann, um uns zu trösten, zur Telekom und bestellen eine Flatrate?

Macht - Ohnmacht - Technik

Ich fliege mit Google Earth über die Regierungsgebäude in Berlin, auf der Suche nach einem geeigneten Restaurant. Dabei fällt mir ein: Was haben sich die regierungsamtlichen, die "hoheitlichen" Stellen immer angestellt, wenn es um Luftbilder ging! Als ob die Russen -- die Kommunisten -- dann sofort kämen, um in die Häuser einzudringen. Oder doch zumindest schon mal ihre Straßenkarten für einen möglichen Angriff zu verfeinern.

Und heute? Alles schmutziger Schnee von gestern. Wir schauen herab auf die Welt, und ein Gefühl stiller Genugtuung gegenüber den Ritualen und dem Getue der Mächtigen stellt sich ein.

Zidanes Kopfstoß - Nachtrag

Heute will ich noch festhalten, daß ich, nach Zinedine Zidanes Einlassen zu seinem Kopfstoß vom gestrigen Tag, mit meinen Vermutungen von vor ein paar Tagen eigentlich nicht schlecht gelegen habe. In aller Bescheidenheit sei das mal angemerkt.

Schemata

Manchmal findet man Überschriften,die von einem selbst stammen könnten -- wenn man nur die Zeit oder -- vor allem natürlich, denn Zeit ist immer, irgendwie... Wenn man also die Lust gehabt hätte, den betreffenden Artikel in Angriff zu nehmen. Eine solche Überschrift ist: "Vom Nutzen schematischer Zeichnungen". Eine Veröffentlichung von Gerhard Dirmoser. Um dieses Thema sollte es eine große, große Diskussion geben. Denn Schemata sind keine Schaltpläne. Ihr Nutzen ist also nicht, daß sie zu Konstruktionen nach einem exakten Anleitungsschema dienen können. Es sind Übersichts- und Assozitationsquellen.

Nun ja, vielleicht einmal an anderer Stelle mehr dazu.

Bewußtseinswandel und Medien

Wenn Veränderungen, wie man so sagt: "schleichend" kommen, dann bemerkt sie so recht keiner. Auch wenn die Veränderungen relativ schnell vonstatten gehen. An das Internet und seine schnell wachsenden Möglichkeiten haben wir uns auf diese Weise perfekt gewöhnt. Daß das Internet dabei ist, unser Bewußtsein und seine Möglichkeiten auf eine neue Stufe zu heben, wird leicht übersehen.

Nehmen wir das folgende Beispiel: Von Dominik Molls Film "Lemming" hätte ich auch in der Zeitung lesen können. Ich habe davon aber im Netz gelesen. Über ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot der WELT. Zu dem Stichwort "kostenlos" wäre so einiges zu sagen. Aber das lasse ich hier mal, um nicht abzuschweifen.

Den Namen der Schauspielerin Charlotte Rampling habe ich vielleicht einmal gehört; bewußt war mir das aber nicht. Das Gesicht habe ich sofort erkannt, als ich bei der Google-Bildersuche nachgeschlagen habe.

Und so weiter. Jetzt könnte ich alle Nachschlage-Möglichkeiten aufführen. Diese sind aber ja mehr oder weniger jedem bekannt. Wichtig ist zu sehen: Unsere Erinnerung wurde schon seit längerem unterstützt, von Büchern und Bibliotheken und den Systematiken und Suchmöglichkeiten. Nur: Es macht einen Unterschied, ob ich zur Staatsbibliothek oder auch nur zur eigenen Bibliothek im Keller gehen muß, um etwas zu erfahren, oder ob ich "mal eben so" im Internet blättere. Klar ist auch, daß es da Steigerungsmöglichkeiten für die Nahe Zukunft gibt. Ich sage: "Wer ist noch mal Charlotte Rampling?" Worauf meine tragbare Internetverbindung mir in meine Brille das Bild und eine Kurzvita einspiegelt. So vielleicht. Damit, mit diesen Möglichkeiten, wird das Gedächtnis des Menschen zu einem ganz neuen Instrument. Und so nebenbei haben wir ein hervorragendes Beispiel für die Tatsache, daß manchmal Quantität via Zugriffsgeschwindigkeit eben doch in Qualität umschlagen kann.

Ach ja, und zum Film dann doch das Zitat noch:

"Sie kommt mit ihrer großen Sonnenbrille herein und fragt nach kurzer Zeit die Hausfrau unverblümt: "Sind Sie eine von seinen Huren?" Gemeint ist der eigene Gatte, der sie ständig betrügt. "Das war der Moment, in dem die Dinge anfingen, kaputt zu gehen", erinnert sich Alain im Off-Kommentar."

Sollte man wohl gesehen haben. Und hier, bei arte, gibt es noch mehr zu dem Film.

Mittwoch, 12. Juli 2006

Verdoppeltes Wissen

Das Folgende wollte ich schon seit längerer Zeit mal anmerken. Es gibt Feststellungen, die so wie diese klingen, recht häufig.

"Aktuellere Schätzungen gehen davon aus, dass sich das Wissen der Welt sogar etwa alle fünf bis zwölf Jahre verdoppelt, wobei sich diese Rate noch beschleunigt."

Diese Feststellungen kommen immer mit dem Anspruch "Was sind wir doch gescheit und werden auf beängstigende Weise ja immer gescheiter! Wohin soll das nur führen?!" Vornehmer: "Wie müssen wir denn ein zukunftstaugliches Wissensmanagement organsieren?" Abgeleitet und berechnet wird der Wissenszuwachs nicht selten nach der Anzahl der Seiten wissenschaftlicher Texte, die in einem bestimmten Zeitraum veröffentlicht worden sind. Was -- wie gleich zu zeigen sein wird -- komplett unsinnig ist.

Zur obigen Feststellung: Mal abgesehen davon, daß in dem Teil
wobei sich diese Rate noch beschleunigt irgendwas fehlt,* steht hinter diesen sich weise gebenden Denkschablonen ein so extrem einfacher Denkfehler, daß man manchmal aufschreien möchte.

Aber: Weil der Denkfehler einfach ist, läßt er sich auch mit einfachen Mitteln darstellen.

Die Frage ist: Welche Arten von Wissen gibt, die sich da im Lauf einer bestimmten Zeitspanne verdoppeln?

Nehmen wir mal an, es ist eine einfache und klare Form von Wissen, die Anzahl der Fenster in Häusern zu kennen. Sie gehen um das erste Haus herum und zählen die Fenster. Das Ergebnis notieren Sie in einer Liste. (Von der ja auch nicht uninteressanten Frage, daß Sie manchmal nicht sicher sind, ob das da oben ein Fenster oder eine Luke ist, wollen wir mal absehen.) Wenn Sie jetzt das nächste Haus zählen, hat sich Ihr Wissen schon verdoppelt. Um dieses Wissen wieder zu verdoppeln -- müssen Sie wieviele Häuser "fenstermäßig" auszählen? Vier. So entsteht die Zahlenreihe, die wir vom chinesischen Kaiser -- oder war es doch die indische Königin Hawsin -- und den Reiskörnern auf dem Schachbrett kennen. 1 - 2 - 4 - 8 - 16 - 32 ...

Daraus lassen sich drei Schlußfolgerungen ziehen: (1) Es ist, zumindest bei dieser Art von Wissen, nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr möglich, Wissen zu verdoppeln. Weil wir nicht genügend Zeit für die doppelte Zahl von Häuserzählungen haben. Oder wir können (2) nicht mehr unser Wissen erhöhen, weil uns irgendwann einfach die Häuser ausgehen. Wenn alle ausgezählt sind. Dann gibt es keine Wissenserhöhung und schon gar keine Wissensverdoppelung mehr. (3) Es gibt, grob gesagt, nützliches, mittelnützliches und vollkommen unnützes Wissen. (Das wird ja inzwischen auch in den Büchern mit dem unnützen Wissen vorgeführt.) Die Frage nach der Nützlichkeit kann nur im Zusammenhang einer hinter der Wissenssammlung stehenden Verallgemeinerung beantwortet werden. Wenn jemand aus einer Marotte heraus die Fenster der Häuser zählt, ist das Ergebnis extrem unnützes Wissen. Wenn eine steuerstatistische Aussage mit Gesetzeskraft die Fensterzählung verlangt, ist das Wissen verwaltungstechnisch sinnvoll und notwendig. Wenn damit eine historische Hypothese untermauert werden soll -- wie immer die aussehen könnte --, ist die Sammlung vielleicht mittelnützlich, immer abhängig vom Sinn und Zweck der Hypothese.

Was steckt hinter all dem für eine Konsequenz?

Wir brauchen, um Wissen und weiteres Wissen zu gewinnen, eine bestimmte Methode, das Wissen zu gewinnen. In unserem Fall war das die schlichte Methode des Zählens von X (der Fenster) und des Ergebnis-Notierens. Bei fortgeschrittenen und komplexen Methoden der Wissensgewinnung kommen methodische Probleme hinzu, die die Wissensgewinnung ebenfalls an Grenzen stoßen lassen.

Zwei Beispiele hier: (1) Nehmen wir mal an, Sie wollen das Wissen über das Wetter der letzten 300.000 Jahre erheben. Wann haben Sie da Ihr Wissen verdoppelt? Wenn Sie nach den letzten 100 Jahren die nächsten 200 haben? Aber es ist klar, daß die vergangenen 100 Jahre recht einfach sind, weil es Aufzeichnungen gibt. Daß es dann irgendwann keine Aufzeichnungen gibt, aber immer noch Hilfsmittel, z. B. die Jahresringe von Bäumen. Irgendwann werden die Ergebnisse mit extrem indirekten Mitteln gewonnen. Lassen sich das Wissen über die ersten 100 Jahre mit dem Wissen über den Zeitraum 100.000 - 100.100 überhaupt noch vergleichen? (2) Es könnte auch sein, Sie möchten Ihr Wissen um das demnächst vorherrschende Wetter zuverlässig von 2 auf 4 Tage steigern. (Ich weiß, das ist nicht ganz korrekt formuliert, denn es geht hier eben nicht um Wissen als ein Ergebnis, das auf einer Methode beruht, sondern um die Methode selbst. Auch darüber läßt sich dann weiter nachdenken.) Bei der Verdoppelung von 2 auf 4 gehen Ihnen beim heutigen Stand der Technik irgendwo unterwegs die Computerkapazitäten aus.

Und: Wir müssen überlegen und am Ende -- wissen, was wir mit unserem Wissen anfangen wollen!

Bevor ich ins wirklich Komplizierte und blogmäßig gesehen Unangemessene komme, halte ich einfach mal fest: Quantifzierende Aussagen im Bereich "Wissen" sind so lange vollkommener Humbug, solange wir nicht eine operationale Methode haben, in der die ganz und gar verschiedenen Arten des Wissen -- die wir vorher erst einmal systematisch erfaßt haben -- mit den Methoden der Wissensgewinnung und der Wissensverwertung in einer sehr komplexen "Theorie der Wissensgenerierung" verbunden sind. Oder um es noch mal einfach zu sagen: Newton und Einstein haben bestimmte Voraussetzungen der Wissengewinnung durch Theorien verändert, ohne selbst viel zum empirischen Wissen auf der Basis ihrer Methode beizutragen. Welches "Quantum" hatten ihre Theorien?

Mal sehen, was bei Wikipedia aus diesen Überlegungen wird.
Bis heute (28.09.2007): Nichts. Wahrscheinlich ist die Sache denn doch zu kompliziert für WP.


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Warum sollte sich die Rate 'noch beschleunigen'? Wahrscheinlich stehen hinter dieser Formulierung die vollkommen unangemessenen Bilder von der Zinseszinsrechnung und auch vom Karnickel-Geburtenzuwachs: 'Wenn die Kaninchen dann wieder Kaninchen bekommen, dann ...')

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Nachtrag: Bei der Wikipedia ist immer ein Absatz von mir stehengeblieben.

Eine Kritik quantitativer Bestimmungen von ‚Wissen‘
Dass ‚Wissen‘ zumindest in zwei grundsätzlich verschiedenen Kategorien auftritt, erläuterte Nassim Nicholas Taleb. Er geht davon aus, dass das Wissen von Mediokristan und das von Extremistan – zwei Modell-Länder, die Taleb zum Zweck der Veranschaulichung „erfand“ – sich dadurch unterscheidet, dass es eine Form von Wissen gibt, das quantifizierbar wächst (Mediokristan), während das andere Wissen kategorial herausragende und in diesem Sinn extreme 'Daten' enthalten kann (Extremistan). Die Aufstellung einer eine neue Form von Daten ermöglichenden Theorie wäre dem zufolge eine andere Art Wissen, als das Wissen um die Daten, die von der Theorie generiert werden.

Insgesamt ein wenig wenig, wenn ich das da oben bedenke. (25.09.2015)