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Montag, 31. Juli 2017

Rechtschreibung: vielmehr vs. viel mehr

Haben die Menschen kein Rhythmusgefühl oder ist ihnen die Rechtschreibung schlicht egal?
  • "Jobs spricht davon, dass in Monopolstrukturen die Mitarbeiter in diesen Abteilungen den Erfolg des Unternehmens vielmehr beeinflussen würden als beispielsweise Produktentwickler."
Den Sprechrhythmus befragen. Eigentlich ist das doch nicht so schwer:
  • "Um Wettbewerb ginge es gar nicht; es ginge vielmehr um die Monopolstrukturen einzelner Unternehmen."
  • "... dass in Monopolstrukturen die Mitarbeiter in diesen Abteilungen den Erfolg des Unternehmens viel mehr beeinflussen würden als beispielsweise Produktentwickler."

Sonntag, 30. Juli 2017

"Jener beste Mathe-Lehrer aus Schweden ..."

So langsam füllt sich mein Notizbuch. Die offenen Fragen aus daer Vergangenheit werden abgearbeitet, durch das Wikipedia-Café.

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Ich hatte ja schon einige Male Erfolg mit dem Crowd-Gedächtnis hier im Café. Also versuche ich es in einer mir wichtigen Sache von Neuem. -- Mein Gedächtnisinhalt: Es soll in Schweden, bei einem Ranking, einen Mathe-Lehrer gegeben haben, der mit Abstand der beste des Landes war. Dann gab es noch ein anderes Ranking: In Nordschweden gab es die schlechteste Mathe-Klasse von Schweden. Und dann: Man hat, ich nehme an: er hat da vollkommen freiwillig mitgemacht, den extrem guten Mathelehrer für ein Jahr nach Nordschweden versetzt, und dieser Mann hat es fertiggebracht, die schlechte Klasse zu einer guten, wenn nicht gar zu einer sehr guten zu machen. -- Kennt jemand die Geschichte und kann ein wenig präzisieren? Ich habe bei eigener Suche nichts gefunden, obwohl ich mir ziemlich sicher bin, was meine Erinnerungen angeht. --Delabarquera (Diskussion) 16:39, 24. Jul. 2017

Linktipp: [8] --SbstnGssng (Diskussion) 09:41, 25. Jul. 2017

Scheint relevant zu sein, der "Schwede": Stavros Louca in der sv:WP. GEEZER … nil nisi bene 09:52, 25. Jul. 2017

Kleines Detail: Örebro ist nicht Nordschweden, sondern Mittelschweden a.k.a. Svealand. @Geezer: schon klar, deine "" um "Schwede", aber wie der sv:wp-Artikel schon sagt Stavros Louca... är en svensk matematik- och fysiklärare..., was sollte man da sonst schreiben? --AMGA (d) 11:21, 25. Jul. 2017

Na ja, Zlatan Ibrahimović ist durch und durch blaugelb. Aber der braucht keine Mathe, der hat einen Angestellten, der ihm sagt, wieviel er hat. GEEZER … nil nisi bene 17:08, 25. Jul. 2017

Ja, sogar sein Herz, sagt er: You will always be in my blue and yellow heart. --AMGA (d) 17:55, 25. Jul. 2017

Ich hab hierher geschaut, und als am Abend nichts da stand, hab ich frohgemut gesagt: Diesmal wird es nix. Und dann jetzt: Wieder alles aufgedeckt und das Rätsel gelöst. Und sogar mit detaillierten Hinweisen! ("nicht Nordschweden, sondern Mittelschweden". Na ja, mein Gedächtnis halt. Sagt: Irgendwo weiter oben.) Hat man erst mal Stavros Louca, dann hat man die freie Auswahl. Beispiel. Von da an kann es weitergehen. Die Berichte in den Zeitungen sind ja noch einigermaßen allgemein und nicht gerade das, was man so operationalisierbare Aussagen nennt. ("Die Schüler müssen mich mögen. Dann mögen sie auch das Fach, das ich mag. Und sie wollen mich nicht traurig machen." Wie macht der Stavros das, dass ihn die Schüler mögen? Und ist das mit dem 'Machen, dass man gemocht wird' überhaupt lehrbar? Ist das -- im Fach Mathe! -- wirklich das Ausschlaggebende? Aber wie auch immer, die Richtung ist jetzt klar. Und immerhin: Irgendwie schon beeindruckend, wenn man dem Stavros zuschaut. Ein Beispiel für Migrationserfolg nebenbei auch. -- Jedenfalls: Ein großer Dank an alle "Mitwirkenden"! --Delabarquera (Diskussion) 16:15, 26. Jul. 2017

Usw.

Twitter trauert um Avril Lavigne

Das lief mir gerade über den Weg, also über den Bildschirm:

Twitter trauert um Avril Lavigne | 15 Mai, 13:43 Tim Osing | Avril Lavigne 2011 – oder ist das gar nicht Avril Lavigne? || Wurde sie schon vor Jahren durch eine Doppelgängerin ersetzt? | Eigentlich sollte doch alles gar nicht so kompliziert sein. „Why'd you have to go and make things so complicated?“, singt Avril Lavigne in einem ihrer ersten erfolgreichen Songs. „Warum macht ihr alles so kompliziert?“, diese Frage muss man mittlerweile dem Internet stellen. Bzw. Twitter. Denn dort ist Avril Lavigne gerade gestorben, schon wieder.

Nun ja, fake news oder nicht, die Welt wird immer undurchsichtiger.

Samstag, 29. Juli 2017

Fußpilz, Mittel gegen ~



Hohlspiegel. SPIEGEL heute, S.138

Donnerstag, 27. Juli 2017

Religion und Gewalt

Was die ZEIT nicht alles so ausgräbt!

"Atheismus. Die gottloseste Gegend der Welt. Ein Schlagerpaar aus Sachsen hat eine Kapelle gebaut. Darin gibt es weder Kreuze noch Altar. Es ist eine Geschäftsidee für Brautpaare im atheistischen Osten. Von Doreen Reinhard, Callenberg. 26. Juli 2017. 505 Kommentare."


"Der christliche Glaube hat vor allen Dingen militärische Auseinandersetzungen und Verfolgung religöser Minderheiten gebracht."

Das liest man so oft, dass es doch langsam langweilig wird. Aber egal. Es ist gewiss nicht der Glaube, der das Unglück gebracht hat, sondern das Eindringen der Politik in die religiösen Dimensionen. Die sich da nicht wehren können. Kaum gibt es eine Gruppe, die eine spirituelle Idee erfolgreich macht, kommen die Politiker unter den Gläubigen herbeigehüpft und schaffen Machtstrukturen und Ämter. Das ist aber eine Sache der _politica universalistica_, nicht der Religion. Dass es ganz ohne Religion geht beim Unterdrücken und Verfolgen, das haben die kommunistisch-atheistischen Systeme des 20. Jahrhunderts zur Genüge gezeigt.

Antwort auf #1.11 von welfe69

Dienstag, 25. Juli 2017

Halle Berrys Brüste

Halle Berry zeigt in Passwort: Swordfish ihre Brüste. 1 Sekunde lang sind sie im Bild. Darüber gibt es heftige Diskussionen im Netz. wo auch sonst? Hat sie wirklich eine halbe Million Dollar allein für diese Sekunde gekommen? Wäre doch ein ziemlicher Rekord. Youtube zeigt die Szene natürlich -- mit einem großen schwarzen Balken vor den Brüsten. Wie gut, dass Sat1 vor kurzem den Film unverbalkt gezeigt hat. Seitdem hab ich Halles Brüste auf der Festplatte. Als Jäger des vorlorenen Schatzes. So ähnlich jedenfalls.

"Keine Stunde der Populisten"

Mal wieder an einer Forumsdiskussion bei der ZEIT teilgenommen. Ausgangspunkt:

Bertelsmann Stiftung. Ein Drittel der Deutschen vertritt populistische Positionen. "Keine Stunde der Populisten". Laut einer Studie sind populistische Positionen hierzulande verbreitet, aber nicht mehrheitsfähig. Feinde der Demokratie gebe es kaum. 25. Juli 2017. 449 Kommentare.

Mein Kommentar:

Also es ist Peter Gauweiler, der mitunter grinsend verkündet, dass der Begriff 'Populismus' als Kampfbegriff in einer westlichen Demokratie einfach unsinnig sei. Denn: Dieser Begriff setze voraus, dass der Populus, das Volk, ein verführbares dummes Kleinkind sei, das man mit windigen Parolen zu allem Möglichen, auch zu Unsinnigem und Verbotenem bringen könne. Wenn wir vom Idealbild des mündigen Bürgers ausgehen -- wer hier möchte sich denn als politisches Kleinkind einordnen lassen --, dann hört dieser mündige Bürger ständig irgendwelche Parolen, von links und rechts und oben und unten, und er macht sich seine Gedanken und argumentiert und entscheidet. Auch immer mit Blick auf die nächste Wahl.

Und natürlich auch das noch: Der Populist ist, wie der Tourist, immer der andere!

Heißt: Mit Gauweiler bin ich dafür, den Begriff des Populismus ganz aus der politischen Diskussion zu verbannen. Wegen dem da oben Gesagten.

Samstag, 22. Juli 2017

"Gauland ist so ein hässlicher Alter ..."

Und hier in der linken Ecke des zweifelhaften Humors -- der Titelverteidiger:

saltiyap | Ähm sie haben falsch gegoogelt. Das auf ihrem Profilbild ist nicht Gauland. Bitte noch mal nachjustieren. Gauland ist so ein hässlicher Alter deutscher Mann mit ekelerregendem Gebiss | Antwort auf #11.2 von J-J-Rousseau

Und hier der Herausforderer in der rechten Ecke!

BDLB | #11.8 | "... ist so ein hässlicher Alter deutscher Mann mit ekelerregendem Gebiss" | Wenn wir schon auf der Ebene angekommen sind: Wie gut, dass alle in diesem Forum schöne junge Männer mit undefinierter Herkunft sind! Und das mit dem Gebiss: Wie haben Sie das denn rausgefunden? Doch nicht etwa ... ?

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Nun ja, was Humor in solchen verminten Feldern ist, darüber kann man natürlich unterschiedlicher Ansicht sein. Die ZEIT-Kontrolleure haben das jedenfalls entfernt. Gut, dass ich es vorher hierher kopiert hatte.

Loyalität ist wie Liebe ...

Diesen ZEIT-Kommentar von mir bewahre ich auch hier auf:

BDLB #89.4´| "Loyalität ist wie Liebe und beruht auf Gegenseitigkeit. Ist DL denn loyal zu 'seinen Türken'?"

Das sind jetzt wirklich zwei Verständnisfragen: (1) Woran erkennen wir, wenn es um 'zwei Nationalitäten in einer Brust' geht, um es mal so zu sagen, wo die gößere oder die eigentliche Loyalität liegt?* (2) 'Deutschland' ist mir da zu abstrakt. Darum: Was müssten _die Deutschen_ denn beispielsweise tun oder lassen oder anders machen, um zu 'ihren Türken' loyal zu sein?

--

* Was (1) angeht, so plädiere ich immer dafür, dass für die, die sich für Fußball interessieren, die Fußnagelprobe (ok, blöder Kalauer) ist, zu welcher Mannschaft einer beim Spiel Deutschland : Türkei hält. Ich weiß, für viele ist das zu schlicht; es hat aber den Vorteil, wirklich klar und anwendbar zu sein. Was man von vielen anderen Entscheidungsverfahren in diesem Bereich nicht sagen kann.

Antwort auf #89.3 von Politberater1970

Freitag, 21. Juli 2017

Chester Bennington und Chris Cornell

Der SPIEGEL zeigt ein total windverrauschtes Video. Chester Bennington singt am Grab von Chris Cornell "Hallelujah". Aufgenommen offenbar aus großer Entfernung, über die Friedhofsmauer hinweg. Und die BILD-Zeitung vermeldet lakonisch:

21.07.2017 - 10:22 Uhr | Chester Bennington, der Frontmann der amerikanischen Rock-Band Linkin Park, ist tot. Er wurde am Donnerstag leblos in seinem Haus nahe Los Angeles gefunden, soll sich das Leben genommen haben. | Der 41-Jährige schied genau an dem Tag aus dem Leben, an dem Soundgarden-Sänger Chris Cornell (†) seinen 53. Geburtstag gefeiert hätte. Hat Bennington den Tod seines guten Freundes nicht verkraftet? | Chris Cornell starb am 18. Mai. Er nahm sich nach seinem Konzert in Detroit das Leben, erhängte sich im Bad seines Hotelzimmers.

Mut? Einsicht? Verliebt in die Symbolik und nicht angebunden im Leben? Was soll man sagen? Besser vielleicht: NIchts weiter.

BILD +


Ich habe auf der Diskussionsseite der Wikipedia mal nachgefragt:

Hat eigentlich BILD die Plus-Sache erfunden? Wäre, glaube ich, eine wichtige Information. Ich finde aber nichts Systematisches dazu. Inzwischen haben ja ZEIT, SPIEGEL, SZ und wahrscheinlich noch andere Zeitungen diese Plus-Idee ebenfalls umgesetzt. (Ich lese übrigens dieses "+" als Sterbezeichen der herkömmlichen Zeitungen. Der Abonnent, ich zum Beispiel, nimmt's als "Die können den Hals nicht voll kriegen!", obwohl wahrscheinlich jemand mal dachte, das sei eine tolle Idee in Zeiten der Not. - Aber das nur nebenbei.)

Mal schauen, ob jemand meine Unwissenheit in Wissenheit umwandeln kann.

Dazu hier auch schon: SPIEGEL PLUS macht bei mir Minus

Radfahrerbeine

Eigentlich schockt mich im Sport so schnell nichts. Aber dieses Bild ...?

Foto bei Instagram. So sehen Radfahrerbeine nach fast drei Wochen Tour de France aus. Der Großteil der Tour de France liegt bereits hinter den Radfahrern - und bei manch einem haben die Strapazen deutliche Spuren hinterlassen. Der Pole Pawel Poljanski zeigt das auf Instagram. (stern.de)


<Vergrößern? Auf Foto klicken.>

"14 heimliche Lover"

Auch das will betrachtet und bedacht sein. Aus dem SPIEGEL vom Sonntag, 26.10.2003. Der SPIEGEL zieht die BILD hinzu, um selbst genüsslich klatschen und tratschen zu können.

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Dianas Seitensprünge

Der britische Boulevard veröffentlicht Tag für Tag intime Details aus dem nicht ganz so märchenhaften Leben von Prinzessin Diana. Der Urheber dieser Indiskretionen ist ausnahmsweise mal nicht der Gärtner, sondern der Butler. Im Buckingham Palace macht sich Panik breit, ihre Söhne flehen um Gnade. Doch nun legt die "Bild" nach.

London - Die "Bild am Sonntag" nimmt sich zwei Seiten Platz für Dianas Männer. "Fünf, die ganz sicher ihre Lover waren": Neben Dodi al-Fayed, der mit ihr 1997 in Paris starb, ihr "gut gebauter Rittmeister" James Hewitt, der Kunstsinnige Oliver Hoare, der "knackige" Rugbystar Will Carling und der pakistanischen Herzchirurg Hasnat Khan ("BamS": "Für ihn trug sie bei einem Besuch nur Pelzmantel und Stöckel, sonst nichts").

Ins Spekulative gleitet die "Bams" dann schon bei den kommenden sechs Lieberhabern ab, "mit denen die höchstwahrscheinlich eine Affäre hatte": Den graubärtigen Elektronikmogul Gulu Lalvani aus Indien, das "Kuschelchen" James Gilbey, den Major David Waterhouse, den Rocker Bryan Adams (In seinem Song "Diana" heißt es; "Ich sterbe für Di, lass mich rein!") und ihr "liebvoller Tröster" und Bodyguard Barry Mannakee, der zwischenzeitlich auch tödlich verunglückte.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Statistik, fragwürdig


Stefanie Kara: Statistiken. Kann das stimmen? Von Statistiken, Umfragen und Hochrechnungen lassen wir uns leicht beeindrucken – so erkennen Sie die Tricks der Täuscher. || 26. April 2017. ZEIT NR. 18/2017 | Statistiken: Auf den ersten Blick erscheinen Zahlen vertrauenswürdig. Man sieht ihnen aber nicht an, was hinter ihnen steckt. | Eine Million Männer gehen in Deutschland zu Prostituierten – Tag für Tag! 400.000 Prostituierte bieten auf deutschen Straßen, in Privatwohnungen und Bordellen ihre Dienste an ...

Die Zukunft der Zeitungen

Leute mit dem Problem X reden gerne über Y. Oder jedenfalls nicht über X. Jetzt konkret: Zeitungen, die sonst über alles und jedes reden und kein Problem auslassen -- wenn sie selbst grundlegende Probleme haben, reden darüber bis zum Schluss nicht.

Hier mal eine Ausnahme. Zwar redet die ZEIT da auch nicht über die eigenen ZEIT-Probleme, aber immerhin über die "der Zeitungen" im Allgemeinen.

Malte Buhse / Patrick Kremers: Zukunft der Zeitung. Wer sterben und wer überleben wird. "Frankfurter Rundschau", "Financial Times Deutschland": Zwei wichtige Tageszeitungen stehen vor dem Aus. Hat das große Zeitungssterben begonnen? 21. November 2012.

... | Schlecht ist die Stimmung in den Chefetagen der Verlage seit Jahren. Die Auflagen sinken, auch renommierte Blätter schreiben rote Zahlen. Der große Knall blieb jedoch aus. Die Frankfurter Rundschau wurschtelte sich viele Jahre irgendwie durch, die Financial Times Deutschland konnte zuletzt den jährlichen Verlust zumindest halbieren. Selbst die notorisch klamme taz liegt noch an den Kiosken. | Und das, obwohl in anderen Ländern die Tageszeitungen schon lange ums Überleben kämpfen. In Frankreich verdient keine einzige Zeitung mehr Geld. Viele Blätter haben aufgegeben oder sind ins Netz abgewandert, zuletzt die Wirtschaftszeitung La Tribune . Bei der spanischen El País muss ein Drittel der Belegschaft gehen. Und in den USA mussten allein in den den vergangenen fünf Jahren 14 große Tageszeitungen schließen, darunter traditionsreiche Blätter wie die Oakland Tribune . Andere wie die L.A. Times oder die Chicago Tribune meldeten Insolvenz an. Nun scheint es, als erreiche die Existenzkrise der Tageszeitungen auch Deutschland.

Das schließt an meine Überlegung in den Kommentaren der ZEIT an:

BDLB #186  vor 5 Tagen | Jetzt mal grundsätzlich, bei dieser Gelegenheit. Warum denn auch nicht.

Die gute alte "Zeitungslandschaft" wird, so scheint es, demnächst in einer Weise durcheinandergewirbelt, dass wir am Ende staunend dastehen werden. Das mit den kostenlosen Blättchen ist da nur ein leichtes Vorboten-Lüftchen vor dem Sturm.

Ich habe ZEIT, SPIEGEL und SZ abonniert, alle drei in Papierform und online, und ich überlege in letzter Zeit immer häufiger, wieviel % dieser drei Blätter ich noch lese. Es besteht die Gefahr, dass ich im Laufe des nächsten Jahres sage: Ich bestelle mal alle ab und setze auf die ganz neuen Medien. Was verliere ich schon? Ich probier mal aus ...

Früher war ich immer voller Erwartung: Was bringt das SZ-Feuilleton denn heute? In letzter Zeit: Ich habe den Eindruck, dass die Journalisten immer mehr für sich und ihre eigene Meinung schreiben. Selbstverständlich kann das mit dem Eindruck auch an mir liegen. Aber wenn ich nun nicht alleine bin? Wenn, mal im Bild gesprochen, das Zeitungstheater durch eine Zeitungsinternet ersetzt wird? Ich gehe dann noch hin und wieder ins Theater = an den Kiosk, aber meist hocke ich doch vor dem Monitor = lese mich durch meine Flatrate für 5 Euro im Monat im Internet.

Ja, was dann?

Mittwoch, 19. Juli 2017

Rechtschreibung

Welchen Stellenwert hat die Rechtschreibung, die Zeichensetzung, die Grammatik (RZG)

a) im Beruf
b) im Internet
c) im "normalen Leben"?

Natürlich soll man nicht Leute, die sich mit RZG schwertun, an den Pranger stellen. Auf der anderen Seite ist die Nachlässigkeit, mit der manche einfach etwas hinschreiben, ohne sich zu bemühen und ohne auch nur noch einmal drüberzulesen, manchmal schon envervierend. Vor allem, wenn der Inhalt voller besserwisserischen Selbstbewusstseins daherkommt.

Beispiel (nicht verlinkt):

ich weis nicht was ihr hier alles zusammen babbelt bekommt ihr Geld dafür?
klar in diese 32 Bit Software ist es auch einfacher für den Bundestrojaner einzuschleusen so wie Schadware die sehr oft mit 64 Bit nicht mehr funktioniert .
und deswegen gibt wohl diese 64 Bit Software nur offiziell für Linux 64 Bit und nicht für Windows 64 Bit, weil bei Linux64 ja eh nicht funktioniert mit dem Bundestrojaner .
und man stets gern eine Hintertür sich offen halte möchte wird man klar ermuntert
sich immer mehr 32 Software ins 64 Bit OS rein zu basteln.

Das sähe nach Korrektur so aus:

Ich weiß nicht, was ihr hier alles zusammenbabbelt. Bekommt ihr Geld dafür? Klar, bei dieser 32-Bit-Software ist es einfacher, den Bundestrojaner einzuschleusen. Oft funktioniert ja Schadware mit 64 Bit nicht mehr. Und deswegen gibt es wohl diese 64-Bit-Software nur offiziell für Linux 64 Bit und nicht für Windows 64 Bit, weil bei Linux64 das mit dem Bundestrojaner ja eh nicht funktioniert. Und man [wer ist 'man'?] sich stets gern eine Hintertür offenhalten möchte, wird man ermuntert,
sich immer mehr 32-Software ins 64-Bit-OS reinzubasteln.

Wie viele Fehler waren das nun? Gar nicht so einfach zu sagen.


Dienstag, 18. Juli 2017

Zensur?

Das hebe ich mir mal für ein längeres Nachdenken auf:

Wo verläuft die Grenze zwischen Zensur, aktivem Mitlesen (ggf. mit Löschung)  und 'Unterdrückung von Hate-speech'? 

Klar scheint zu sein: Auf der Kommentarseite der ZEIT hat die ZEIT das Hausrecht. Aber auf meiner eigenen Homepage oder der von Gleichgesinnten...?

Wir wissen ja schon, dass solche Frage in den USA und in D sehr unterschiedlich gesehen werden.

"Der Anwalt behauptete ..." (über Rezensionen)

Für's Notizbuch:

Im April 2014 veröffentlichte der Altphilologe Thomas Schirren, Professor an der Universität Salzburg, eine Rezension im „Arbitrium“. Die im Berliner Großverlag De Gruyter erscheinende germanistische Fachzeitschrift ist ein Spezialorgan, das ausschließlich Rezensionen enthält. Schirren besprach die unter dem Titel „Antike und Moderne. Friedrich Schlegels Poetik, Philosophie und Lebenskunst“ im gleichen Verlag veröffentlichte Doktorarbeit von Dorit Messlin, die am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt forscht. Die ausführliche, fünf Druckseiten umfassende und mit vierzehn Fußnoten belegte Besprechung ist im Tenor kritisch: Der Rezensent weist der Autorin elementare methodische Versäumnisse nach und stellt fest, dass ihr philosophisches Vermögen „den gewählten Gegenständen kaum gewachsen“ sei. Gleichwohl zieht Schirren ausdrücklich ein gemischtes Resümee. Messlin stelle immer wieder originelle Zusammenhänge her, die geeignet seien, den romantischen Umgang mit der Antike zu erhellen. Die Ursache von Unzulänglichkeiten sieht der Rezensent nur zum Teil bei der Autorin. Ihre Betreuer hätten die anspruchsvolle Arbeit thematisch begrenzen müssen. || Knapp drei Jahre nach Veröffentlichung dieser Rezension erhielt Schirren Post von Messlins Rechtsanwalt. Er erklärte, seine Mandantin werde durch die Rezension in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Schirren solle verschiedene Passagen löschen. | | Der Anwalt behauptete, es widerspreche universitären Grundsätzen, „dass ein Universitätsprofessor ein begabtes und hoffnungsvolles Nachwuchs-Talent in dieser Art und Weise öffentlich an den Pranger stellt“. Eine Regel, dass Professoren nicht über Anfängerarbeiten urteilen, gibt es allerdings nicht. Die Besprechung eines etablierten Wissenschaftlers ist im Gegenteil gerade wünschenswert und signalisiert, das Werk sei beachtenswert. Wissenschaft erfordert Auseinandersetzung, und Schirren hatte seine Rezension nur auf Messlins Werk, keineswegs auf ihre Person oder andere sachfremde Erwägungen gestützt. Zudem hätte es universitären Grundsätzen entsprochen, wenn sich Messlin zunächst bei der Zeitschrift gemeldet hätte, statt einen Rechtsanwalt zu beauftragen, der dem Rezensenten auch noch schrieb, er werde seiner Mandantin strafrechtliche Schritte empfehlen. Welche das sein sollen, wird aus dem Schreiben nicht deutlich. (faz.net)

Samstag, 15. Juli 2017

"Ums Buch ist mir nicht bange..."

Eine Anmerkung zu etwas, was ich in der ZEIT zufällig gerade gesehen habe:

Indieschaf #3 — 21. September 2010
Was Gernhardt dazu sagte...

Jedes Mal, wenn ich wieder davon lese, dass das Buch bald abgeschafft werden soll, fällt mir dieses Gedicht von Robert Gernhardt ein - auch mit Verweis auf Kommentar Nr 2 :)

Ums Buch ist mir nicht bange.
Das Buch hält sich schon lange.
Man kann es bei sich tragen
und überall aufschlagen.
Sofort und ohne Warten,
kann man das Lesen starten.
Im Sitzen, Stehen, Knien,
ganz ohne Batterien.
Beim Fliegen, Fahren, Gehen.
Ein Buch bleibt niemals stehen.

[...]

© Robert Gernhardt

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir vollständige Gedichte aus urheberrechtlichen Gründen nicht verbreiten dürfen. Die Redaktion/sh

--

BDLB #3.1 — vor 1 Sekunde
"... dass wir vollständige Gedichte aus urheberrechtlichen Gründen nicht verbreiten dürfen. Die Redaktion/sh"

Weil ich das per Suchen / Zufall gerade sehe: Es ist doch schön, wenn sich wenigstens die großen Betriebe an die Gesetze halten!

Auf der anderen Seite ist das auch rührend, und es erinnert mach immer an die alten Luftbild-Aufnahmen. Da brauchte es auch eine große staatliche Erlaubnis, und die klang dann sehr hoheitlich und gravitätisch. Und dann kam Google Earth, und alle Straßen, die "der Russe" im Falle eines militärischen Konflikts hätte nehmen können, waren auf einmal für alle Welt sichtbar.

Ich glaube, irgendwann wird das Urheberrecht einfach vor der Kraft des Internet-Faktischen einknicken. Wenn ein Recht aus technisch-prinzipiellen Gründen nicht durchzusetzen ist, ist es obsolet geworden. Eine Vermutung, mehr nicht.

* "In der Bundesrepublik Deutschland galt bis 1990 eine Genehmigungspflicht für Luftbildaufnahmen. Nach Artikel 37 des 3. Rechtsbereinigungsgesetzes ist diese Genehmigungspflicht für Luftbildaufnahmen entfallen. Allerdings dürfen nach § 109 g Abs. 2 des Strafgesetzbuches auch aus Luftfahrzeugen Wehrmittel sowie militärische Vorgänge, Einrichtungen und Anlagen nicht fotografiert werden, wenn dadurch „die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder die Schlagkraft der Truppe“ gefährdet wird." (Wikipedia)

Antwort auf #3 von Indieschaf

Freitag, 14. Juli 2017

Grusel-Autorin

Dass ich eine von der ZEIT-Leser-Mehrheit abweichende Meinung zu BILD habe, habe ich hier schon mal notiert. Dass aber über diesen Fall so gar nichts außerhalb der BILD zu lesen ist, erstaunt mich am Ende schon.

GEVELSBERGER (NRW) GRUSEL-AUTORIN NADIA SAHLENBECK VON INTERNET-BEKANNTSCHAFT ERSTOCHEN | „Mama schläft“, sagte der Killer ihrem Sohn (4) | Nadin Sahlenbeck († 41) war Autorin für düstere Geschichten. Jetzt ist sie tot. Sie hinterlässt einen vierjährigen Sohn Von: STEFFEN MEYER UND KATRIN WEUSTER veröffentlicht am | 08.07.2017. | Gevelsberg (NRW)/Saarlouis (Saarland) – Ihre Bücher leben von Grusel und Gefahr. | Dafür liebten die Fans Horror-Autorin Nadia Sahlenbeck († 41). Bis die Gevelsbergerin selbst Opfer eines Mörders wurde. Wie brutal Hardy J.-S. (55) sein Opfer getötet haben soll, enthüllt jetzt die Anklage gegen den Killer aus Saarlouis. | Am 30. August beginnt der Prozess gegen den Wiederholungs-Täter. Im Internet hatte der ehemalige Informatiker die Schriftstellerin kennengelernt, sich verliebt. | Als sie ihn bei einem Überraschungsbesuch abweist, dreht er durch. | „Mama schläft“, sagte der Killer ihrem Sohn (4) | Sieben Mal soll er der alleinerziehenden Mutter ein Messer in den Körper gerammt haben. Er trifft die Lunge, den Magen, die Leber. Nadia verblutet im Flur, während im Wohnzimmer nebenan ihr vierjähriger Sohn spielt! Als das Kind in den Flur kommt, deckt Hardy J.-S. die Leiche ab. | „Mama schläft“, soll er dem Jungen gesagt haben, ihn mit einer Trinkflasche bei der Leiche in der Gevelsberger Wohnung zurück gelassen haben. | Die Oma fand später ihre tote Tochter und das behinderte Kind. Fast zeitgleich stellt Hardy J.-S. sich der Polizei. (bild.de)

Donnerstag, 13. Juli 2017

Herrmann / Brach

Fälschen. Ein schöner Artikel zum alten Fall Herrmann / Brach im Focus.

Maskulisten

Notizbuch:

"Er selbst [Werner Stahl, Pseudonym] hält seine sexuellen Anspielungen für harmlos: "Das darf man nicht so ernst nehmen. Wer will denn schon mit so einer Männerhasserin ins Bett?" Viele derjenigen, die er so beschimpft, sehen das anders. Etliche Frauen ziehen sich aus dem Internet zurück, weil sie in sozialen Netzwerken, in Kommentaren und per Mail angepöbelt und bedroht werden. Stahl fühlt sich nicht dafür verantwortlich. "Die haben doch ganz andere Probleme", sagt er. "Für die ist das doch nur ein Vorwand, um sich als Opfer aufzuspielen und ein paar Mitleidstränen abzubekommen."" (sueddeutsche.de)

Hans Hütt über Botho Strauß (2015)

Immer wieder mal solche Entdeckungen: "Die Schönheit des verbalen Kampfes!" Hier:

Die Selbstvernichtung eines Autors. Botho Strauß gilt als wichtiger Intellektueller. Nun äußert er sich zur Flüchtlingskrise. Über das Resultat kann man nur erschrecken. Es ist ein Dokument des Wahns. Von Hans Hütt* | 8. Oktober 2015. 136 Kommentare.

Ja, die Besprechung und die Kommentare dazu! Beide Textbereiche haben es in sich!

Hütt: 

"... Er rast aber bloß aus zweiter Hand. In den ersten Zeilen, einem Selbstzitat aus seiner Bewusstseinsnovelle von 2007, evoziert er Klaus-Michael Grübers Wintermärchen aus dem eiskalten Berliner Olympiastadion von 1977 und verwandelt sich in einen Wiedergänger von Hölderlins Hyperion. Aber das Rasen erlaubte es ihm schon 2007 nicht mehr, den eigenen Gedanken zu folgen. Sie degenerieren zur Masche, die er, kaum, dass er sie auch nur andeutet, schon wieder fallen lässt. Ein erratisches Strickmuster. | Die Selbstinszenierung als Last Man Standing, seine Hommage an einen japanischen Krieger, bleibt anakoluth, hängt wie Lewis Carrolls Grinsen ohne Katze in der Luft."

Kommentare:

"deep_franz #4.10 — 8. Oktober 2015 | Man muss das verstehen. Botho Strauß, war zu Zeiten einmal die literarische Hoffnung von tausenden von DeutschlehrerInnen oder Menschen, die gepflegt intellektuelles Theater sehen wollten, bei dem nicht allzuviel allzudeutlich gesagt wird und das einem ein wenig, aber nicht viel an Denkarbeit abfordert ohne dazu angetan zu sein, ernsthafte Schmerzen im eigenen, vermeintlich besonders erlesenen (und wer glaub das nicht von sich selbst?) Verstand zu verursachen. Man spürt ein wenig, daß Herr Strauß seinerzeit auch die Hoffnung des Herrn Hütt war. | Jetzt ist dieser Botho Strauß aber tatsächlich zu einer seltsamen Meinungsäußerung fähig, die so gänzlich nicht in die Wohlfühlzone des Botho Strauß-Konsumenten passen. Es ist völlig klar, vielleicht sogar legitim, daß Herr Strauß da als Verräter behandelt wird. Ein besonders herausragender Autor war er für mich allerdings nie.

Antwort auf #4.7 von dingensda | Besondere Aufgaben | #4.11 — 8. Oktober 2015 | Ich versteh's auch nicht (Chemie studiert, sorry), bin aber trotzdem beeindruckt: Den Ausdruck "anakoluth" habe ich tatsächlich noch nie gehört. Again what lörnd, gell."

anakoluth als Adverb, das ist allerdings schon sehr schöpferisch. Aber daran will ich mich jetzt nicht aufhängen. Anregend dennoch: Ich lese heute mal wieder nach, was Mynheer Peeperkorn so anakoluth gesagt hat. Ziemlich lustig!

--

* Ich dachte übrigens zuerst, dass Hans Hütt das Pseudonym eines ZEIT-Redakteurs ist. Ist es aber nicht! Hütt ist "Freischreiber", für die FAZ, die taz und ZEIT-Online. (Was heute doch so alles zusammengeht! Die FAZ und die taz! Ja da schau her! Muss er sich da nicht manchmal ein bisschen verbiegen, der Freischreiber Hütt? Oder ist inzwischen eh alles eins, die SPD und die CDU, die FAZ und die taz?)

Sonntag, 9. Juli 2017

Die größten Edit-wars in der Wikipedia

Notizbuch:

"[...] Genau diese Edit-Wars haben die Forscher [Taha Yasseri und sein Team von der Universität Oxford] anhand der Daten vom März 2010 unter die Lupe genommen, um die brisantesten Themen herauszufinden. Die Forscher arbeiteten unter anderem mit MD5-Alghorithmen, um jede Änderung verfolgen zu können. Untersucht wurden die Wikipedia-Lexika in zehn verschiedenen Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Arabisch, Persisch, Tschechisch, Ungarisch, Rumänisch und Hebräisch. | Erwartungsgemäß ist der Artikel "Gott" weitaus umstrittener als die Artikel über Kokosnüsse oder Waschmaschinen. Die Top Ten der weltweit am heftigsten diskutierten Themen lauten: Israel, Adolf Hitler, Holocaust, Gott, Atheismus, Europa, Evolution, Jesus, Islam und Mohammed. Auf den folgenden Plätzen finden sich unter anderem Barack Obama, Abtreibung, Kosovo, Astrologie, Google, die Simpsons und Faschismus." (heise.de)

Gott, Israel, Hitler und Faschismus -- klar. Aber Die Simpsons?!

"Die zentralen Konfliktthemen sind rund um den Globus politischer (25 Prozent), geographischer (17 Prozent) und religiöser Natur (15 Prozent). Dennoch zeigen einige Themen einen deutlich lokalen Einschlag, wie etwa in der spanischsprachigen Wikipedia Themen zu Fußballclubs (FC Barcelona auf Platz 7), im Tschechischen zu Sex und Gender (Homosexualität auf Platz 1) und im Ungarischen zu dortigen politischen Konflikten ("Gypsy Crime" auf Platz 1). | Die englischsprachige Top Ten lauten: George W. Bush, Anarchism, Muhammad, List of World Wrestling Entertainment, Inc. employees, Global Warming, Circumcision, United States, Jesus, Race and intelligence und Christianity. | Die umstrittensten Themen in Deutschland sind Kroatien, Scientology, Verschwörungstheorien zum 11. September, Studentenverbindung / Burschenschaft, Homöopathie, Adolf Hitler, Jesus, Hugo Cháves, Mindestlohn und Rudolf Steiner."


Kroatien! Das ist ja mal erstaunlich. -- Textprobe aus einer zurückliegenden Diskussion:

"Lieber Mazbln, Faktum ist nunmal, daß es die Meinung mancher Kreise ist, daß "Serbokroatisch" existiert (dies steht auch im entrechenden Artikel). Daß nur 0,16 % diese Sprache in Kroatien als ihre Sprache angaben ist ein weiteres Indiz, daß hier in dem umstrittenen Satz dieser Enzyklöpädie die Meinung einer bestimmten politischen Strömung abgesondert wird. Punkt und Ende.--Drozgovic 23:23, 7. Nov. 2007

Jaja, blabla, publiziere Deine Erkenntnisse mal in serioesen Fachzeitschriften. Fossa?! ± 23:28, 7. Nov. 2007

Ihr könnt den Artikel von mir aus 100 Jahre lang sperren. Stört mich nicht, dann steht da eben Blödsinn - die Wikipedia schadet sich nur selbst. V.a. schadet ihr Admins Euch nur selbst. Ich glaube aber nicht, dass ihr es schaffen werdet, die vorliegende Version lange so beizubehalten. Wetten! Viel Spass! :) --Capriccio 01:09, 8. Nov. 2007

Die Admins werden den Artikel hoffentlich nicht 100 Jahre lang sperren, sondern ihn so lange gesperrt sein lassen. Zu Peruns Einwänden weiter oben: wieviel die Souveränität mancher Staaten in Zeiten wie diesen Wert ist, hat man ja in den 1990-ern gesehen. Der Irak und Afghanistan sind übrigens auch souverän, haben sie deswegen Frieden? Faktum ist, dass in Kroatien intensiv Sprachpurismus betrieben wird, wie ja auch hier zu sehen ist. Darüber könntest du mal was schreiben, an fehlenden Quellen wird es wohl nicht scheitern. --El Cazangero 03:02, 8. Nov. 2007

Normalerweise kann ich mich ja sehr gut zusammenreißen, aber so einen gequirlten nationalistischen Blödsinn hab ich hier schon lange nicht mehr gelesen. -- j.budissin+/- 07:58, 8. Nov. 2007"

Samstag, 8. Juli 2017

Rettungstaten der NGOs

Ein auf das eigene Leben übertragbares Modell:
  • Retten!
  • Sich gut fühlen und von den eigenen Anhängern wegen der guten Taten feiern lassen.
  • Die Flüchtlinge aber dann "den anderen" übergeben, die gefälligst zu schaun haben, was aus ihnen wird.

Die Sache mit der argumentativen Ausweglosigkeit

Das Totschlagargument -- das dann ja auch erst mal einen lateinischen Namen erhalten muss -- ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend erfasst, da taucht schon das nächste Begriffsproblem auf: die Flucht in die Satire -- die keine ist. Nur aus Angst, dass etwas doch nicht politisch korrekt ist. Das Folgende als Beispiel:

BDLB #2.38 | "War Gaddafi doch nicht so schlecht (für Europa)? Satire off." || Lassen Sie ruhig die Satire beiseite. Wir müssen lernen, die Dinge beim Namen zu nennen: Wenn man bei bestimmten Ländern in Serie erlebt, dass ein Diktator den vergangenen ablöst und ein vielleicht dazwischengeratener Demokrat ganz schnell weggeputscht wird, dann darf -- nein, dann muss man irgendwann fragen, ob diese Länder demokratiefähig sind oder ob es nur um Abstufungen der Diktatoren-Grausamkeit geht. Abstufungen, die schwer zu messen sind, schon klar. Das gilt im Übrigen für ganz Afrika (demnächst wahrscheinlich auch für Südafrika) und den Nahen Osten mit Ausnahme von Israel. | Antwort auf #2 von Ing.Kling

Tagesschau: Faktenfinder

tagesschau.de hat jetzt einen "Faktenfinder". Was mich sogleich wundert: Eine solche Institution wie de Tagesschau, müsste sich doch eigentlich einen Philosophen / Logiker / Linguisten leisten können, der erst einmal klarmacht, dass das mit dem "Faktum" so eine Sache ist. Richtung: Ein Faktum ist eine aus meiner Sichtweise interpretierte Darstellung eines Sachverhalts. Das würde auch erklären, warum die gefundenen Fakten sogleich von den Komentatoren zerpflückt werden. Weil jeder so seine eigene Sichtweise hat.

Beispiel:

Gerüchte über Schweden | Ein Land außer Kontrolle? | Stand: 07.07.2017 | Berichte im Netz zur Sicherheitslage in Schweden klingen brisant: Die Regierung habe die Kontrolle verloren, heißt es. Der Grund sei eine gescheiterte Flüchtlingspolitik. Vieles davon ist nicht ganz richtig oder schlicht falsch. | Von Christian Stichler und Andrea Rönsberg, NDR, ARD-Studio Stockholm

Nun ist das Gegenteil von 'nicht ganz richtig' -- was? Nun ja, je nachdem: 'vieles / das meiste / fast alles ist richtig'. Und selbst bei dem, was eindeutig falsch sein soll, haben die Kommentatoren so ihre Zweifel.

Die Epoch times, bei der ich auch schon einige Male gelandet bin, wird sogleich explizit angeführt. Ich weiß gar nicht, wer hinter Epoch Times so steht. Aber erst einmal das:

Es sind Berichte wie der auf der umstrittenen Website "Epoch Times", die im Internet für Aufsehen sorgen: Darin heißt es sinngemäß, in Schweden führe die gescheiterte Integration jetzt zum Zerfall des Rechtsstaats. Der Polizeichef des Landes, Dan Eliasson, wird mit den Worten zitiert: "Die Polizei kann die Einhaltung der Gesetze nicht mehr sicherstellen." Bezugnehmend auf einen UN-Bericht liest man dann, dass "Schweden bis 2030 ein Dritte-Welt-Land" werde. Auch auf Online-Seiten der AfD ist von einem Land außer Kontrolle die Rede.

Über Epoch Times die Wikipedia:

Die Epoch Times ist eine mehrsprachige, internationale Zeitschrift mit Sitz in New York. Von 2005 bis 2012 erschien sie als gedruckte Wochenzeitung auch in deutscher Sprache, zunächst unter dem Namen Die Neue Epoche, seit August 2007 unter dem Namen Epoch Times Deutschland. Der Umfang betrug 20 Seiten. Seit 2012 wird sie als reine Internet-Zeitung fortgeführt. | Sie berichtete schwerpunktmäßig in den Rubriken Deutschland, Internationales (mit einem Schwerpunkt auf China), Wirtschaft, Menschen & Meinungen, Wissen, Kultur und Lifestyle. Die Auflage der Epoch Times Deutschland betrug monatlich bis zu 180.000 Exemplaren, die in den deutschen Großstädten Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Düsseldorf in guten Wohnlagen verteilt wurden. Außerdem war die Zeitung im Abonnement erhältlich (Stand Mai 2016) [...] Die deutsche Epoch Times berichtet ausführlich über die Flüchtlingskrise in Europa seit 2015 und verarbeitet im Vergleich zu anderen nationalen Medien überproportional häufig negative Nachrichten über Migranten. Im Dezember 2015 berichtete Brigitte Baetz im Deutschlandfunk diesbezüglich kritisch über die Epoch Times Deutschland.[8] Der Branchendienst Meedia bezeichnete sie im März 2016 als Teil eines politisch „rechten Paralleluniversums“. | Auszeichnung | Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zeichnete 2006 Die Neue Epoche für ihre „umfangreiche und regelmäßige Berichterstattung“ über Menschenrechtsverletzungen in China mit einem Medien-Sonderpreis aus.

Jetzt geht es ans Konkrete und Eingemachte. Was ist ein Faktum? Nachdem der Faktenfinder findet, dass das mit dem Demnächst-Drittwelt-Land Schweden so nicht gesagt worden ist und also nicht stimmt, die allererste Leserstimme:

Am 07. Juli 2017 um 13:31 von Norddeutscher22 | Gemäß einer Einschätzung der UN wird Schweden aufgrund der massiven Zuwanderung aus besonders rückständigen Ländern wie Somalia bis 2030 zurückfallen hinter Länder wie Kuba, Bulgarien und Mexiko. | Ein Viertel in Stockholm wird 'Klein Mogadischu' genannt, somalische Clans kontrollieren das Viertel. Eine katholische Webseite schreibt, in diesem Viertel herrsche eine Mischung aus 'Gesetz des Dschungels' und Scharia.

Die Sache ist leicht zu sehen: Es wird verallgemeinert. Nur eben -- die Errichtung einer Kategorie und anschließend das damit verbundene Faktum geht notwendig über Verallgemeinerungen von Einzelbefunden. Von diesem Punkt an beginnt die Auseinandersetzung, das Suchen ...

Der Bayernkurier wird da gefunden, zum Thema Vergewaltigungen in Schweden:

Immerhin wurden im vergangenen Jahr 50 Täter identifiziert – „sogenannte Flüchtlingsjugendliche vor allem aus Afghanistan“, so die Londoner Tageszeitung The Daily Telegraph. 200 junge Migranten bekamen Festival-Verbot. Und vor dem Festival war wenigstens gewarnt worden, wenn auch bewusst unklar-allgemein, vor jungen Männern, die sich in der Menge an Mädchen „reiben“ würden. | Polizeibericht: Heile Welt in Stockholm | Trotz der Rekordzahl von Mädchen, die während des Festivals solche Verbrechen meldeten, machte die Stockholmer Polizei das Phänomen nicht öffentlich. Die Öffentlichkeit bekam nichts mit, weder 2014 noch 2015. Im vergangenen Jahr klang die Polizeiberichtmeldung nach dem Festival regelrecht nach heiler Welt: „In Anbetracht der vielen Konzertbesucher gab es relativ wenige Delikte.“ Köln lässt grüßen.

Die Fakten lösen sich weiter auf ...

Freitag, 7. Juli 2017

Erkenntnis und Vorurteil

Die Sache geht so: Ich lese irgendwo, dass ein SUV hinter einem Rettungswagen hergefahren ist, um schneller durch den Stau zu kommen. Dann auch noch ein Auffahrunfall, der SUV knallt auf den Rettungswagen. Ich erinnere mich, dass ich selbst das schon mal gesehen habe: Wie ein volldepperter Bauernschlauer hinter einem Krankenwagen durch die Rettungsgasse gefahren ist.

Dann sage ich mir: Wenigstens bei so was, sind die urdeutschen Autofahrer in ihrer Dämlichkeit spitze! Da braucht man keine Ausländer.

Dann sage ich: Oder war es vielleicht doch ein Ausländer? Antwort an mich selbst: Nein, Ausländer fahren doch keine Q7. Also -- normalerweise nicht. Was hast du nur wieder für bekloppte Vorurteile!

Und dann lese ich in der BILD-Zeitung, die so was auch nicht immer bringt:

Duisburg – Nach einem Unfall auf der A59 in Höhe der Berliner Brücke in Duisburg, kam es zu einem weiteren Unfall in der Rettungsgasse. Unglaublich: Ein Q7-Fahrer folgte einem Abschleppwagen und fuhr in ihn rein. | Gegen 9.30 Uhr kam es am Donnerstag in Fahrtrichtung Düsseldorf zu einem kleineren Unfall, der einen Abschleppwagen nötig machte. Als der Pannenhelfer zur Unfallstelle wollte, bildete sich für ihn eine Rettungsgasse. | Ein Türke (38) aus Dinslaken wollte offenbar nicht warten und folgte in einem Audi Q7 dem Abschleppwagen. Als dieser plötzlich an einer zu engen Stelle der Rettungsgasse bremsen musste, krachte der Audi-Fahrer in ihn rein! 

"Deutschland will mehr Flüchtlinge ..." 2

Und dann noch:

Ich wollte das, was ich vage im Gedächtnis hatte, schon längst mal raussuchen. Eine SPIEGEL-Titelgeschichte vor langer Zeit. Jetzt habe ich gesucht.

14.12.1992 | Ein schwarzer Holocaust | Krieg, Hunger, Aids - eine ununterbrochene Folge von Tragödien sucht Afrika heim, die einzige Region der Welt mit ständig schrumpfender Wirtschaftskraft. In Somalia griffen jetzt die USA militärisch ein, um das Elend notfalls mit Gewalt zu bekämpfen. Kann nur die Rückkehr der Weißen den verlorenen Kontinent retten?

Jetzt muss man diese Geschichte nachlesen!

"Deutschland will mehr Flüchtlinge ..." 1

In der ZEIT ein Bericht über die neuesten Entwicklungen in der Migrationskrise. 

Europäische Union. Deutschland will mehr Flüchtlinge aus Italien aufnehmen. | Die italienische Regierung fühlt sich mit den vielen Flüchtlingen alleingelassen. Die Bundesregierung will deshalb helfen – Häfen in anderen EU-Ländern bleiben aber zu. 6. Juli 2017, 15:33 Uhr 407 Kommentare


Ich erwarte mir so langsam ein Buch, ein wirkliches Standardwerk, in dem die vielbeschworenen "Fakten", sine ira et studio erhoben, nachzulesen sind. So korrekt wie möglich. Ob das Buch ZEIT- oder SPIEGEL- oder SZ-Journalisten schreiben oder einen Journalisten-Kombination aus allen möglich Medien ist egal. In diesem Buch sollten endlich kurz-, mittel- und langfristige Szenarien vorgeführt werden. Dort, wo die Meinungen auseinandergehen eben zwei oder drei Altvernativszenarien. Nach dem, was ich so an Ungenügendem in meinen drei Abo-Zeitungen lese, sind für mich die Hauptprobleme: Migration und ...

- Bevölkerungsentwicklung in Afrika
- Korruption und politische Instabilität in den Herkunftsländern
- Kostenentwicklung in D und EU kurz- ... langfristig
- Integrationsprobleme: Bildung / Können, kulturelle Selbstverständlichkeiten, Religion
- politische Entwicklung / Reaktionen in D und EU (eben auch: langsfristig!)

Kann und soll natürlich ergänzt werden.

Im Moment habe ich den Eindruck, dass es redaktionsintern heißt: "Um Himmels willen nicht diese Probleme angehen, nicht diese Fragen stellen! Es wird schon irgendwie werden!" Nur -- das sind dann: die Köpfe im Sand.

Rechtschreibung: Was mache ich heute Morgen?

Man soll also jetzt heute Morgen schreiben. Morgen groß. Was ist dieses Morgen? Ich meine: innerhalb der Grammatik. Ein Adverb -- eine der großen Schummelkategorien der Grammatik heißt ja Adverb -- oder ein Nomen? Oder doch was ganz anderes?

Die Sprachverwalter, die nicht kapieren können, dass die Sprache nicht einer zweiwertigen Logik folgt, sondern mit vielen Zwischenstufen arbeitet. Vor allem, weil sich das Historische ganz und gar unterschiedlich fortpflanzt, vom schnellen Aussterben bis zum unbegreiflichen Überleben.

Der Crush-Crash 1896*

* Ich dachte schon, ich sei kreativ. Aber natürlich -- nein! "Crush, Texas was named after Mr. Crush who worked for the railroad and invented the Crash at Crush event." So die englischsprachige Wikidpedia.

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Wer die USA und ihre Ausstrahlung auf die ganze Welt verstehen will, sollte dieses Spektakel analysieren. Ich habe zum ersten mal in einem Radio-Zeitzeichen davon gehört und war von Beginn an sehr beeindruckt. -- Hier die Wikipedia-Fassung, bei der die Frage stehenbleibt, ob hier das das Titelwort Unfall gerechtfertigt ist.

Der Eisenbahnunfall von Crush (Texas) war ein am 15. September 1896 für sehr viele Zuschauer inszeniertes Ereignis, bei dem die Missouri-Kansas-Texas Railroad zwei Züge absichtlich frontal zusammenstoßen ließ. Drei Tote waren die Folge. || ... | Um 17 Uhr wurden die beiden Züge an die entgegengesetzten Enden der 6,5 km langen Strecke gefahren. Sie bestanden aus den beiden Lokomotiven und alten Güterwagen, die mit Bahnschwellen beladen waren. Die Lokomotivführer setzten die Maschinen in Bewegung, wobei vorher genau festgelegt worden war, wie viel Dampf gegeben wurde, damit die Züge auch mittig auf der Strecke vor der Tribüne aufeinandertrafen. Sobald das geschehen war, sprangen die Lokführer ab. Als sich die beiden Züge trafen, fuhr jeder mit etwa 70 km/h. | Womit die Veranstalter nicht gerechnet hatten: Der Zusammenstoß führte bei beiden Lokomotiven zur Kesselexplosion. Trümmer der Fahrzeuge von zum Teil erheblicher Größe wurden mehrere hundert Meter weit geschleudert. Drei Zuschauer wurden tödlich getroffen, noch mehr verletzt. Der offizielle Fotograf des Ereignisses, Jarvis „Joe“ Deane, verlor ein Auge durch einen Bolzen, der ihn traf. | William George Crush wurde von der Missouri-Kansas-Texas Railroad sofort entlassen. Da aber eine negative Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ereignis ausblieb, wurde er am nächsten Tag wieder eingestellt. | Scott Joplin, der sich in der Gegend aufhielt, von dem aber nicht sicher ist, ob er das Ereignis sah, komponierte The Great Crush Collision March, der knapp einen Monat nach dem Ereignis erschien. Das Musikstück enthält Spielanweisungen an die Musiker, wie das Kollisionsgeräusch imitiert werden soll.

Irgendwann muss die Frage aufgeworfen werden: War der Vietnam-Krieg vielleicht nur ein Prequel zu den vielen Vietnam-Filmen, die anschließend entstanden?

Mittwoch, 5. Juli 2017

Karl Ove Knausgård 2

Der Roman beginnt so:

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DIE VIERZEHN JAHRE, DIE ICH IN BERGEN LEBTE, von 1988 bis 2002, sind längst vorbei, geblieben sind von ihnen lediglich einige Episoden, an die sich manche Menschen eventuell erinnern, ein Geistesblitz hier, ein Geistesblitz da, und natürlich alles, was mir selbst aus jener Zeit im Gedächtnis geblieben ist. Doch das ist erstaunlich wenig. Das Einzige, was von den tausenden Tagen noch existiert, die ich in dieser kleinen, gassenreichen, regenschimmernden, westnorwegischen Stadt verbrachte, sind wenige Ereignisse und eine Vielzahl von Stimmungen. Ich führte ein Tagebuch, das habe ich verbrannt. Ich machte ein paar Bilder, von denen besitze ich noch zwölf, sie liegen neben meinem Schreibtisch in einem kleinen Haufen auf dem Fußboden, zusammen mit all den Briefen, die ich in dieser Zeit bekam. Ich habe in ihnen geblättert und hier und da ein paar Zeilen gelesen, was mich immer deprimiert, es war eine so fürchterliche Zeit. Ich wusste so wenig, wollte so viel, brachte nichts zustande. Aber in welch einer Stimmung ich war, als ich dorthin ging! Ich war in jenem Sommer mit Lars nach Florenz getrampt, wo wir ein paar Tage blieben und anschließend den Zug nach Brindisi nahmen, und wenn man den Kopf aus dem offenen Zugfenster steckte, war es so heiß, dass man das Gefühl hatte, es würde brennen. Nacht in Brindisi, dunkler Himmel, weiße Häuser, eine nahezu traumartige Hitze, riesige Menschenmengen in den Parks, überall junge Leute auf Vespas, laute Rufe und Lärm. Wir stellten uns mit unzähligen anderen, die fast alle jung waren und Rucksäcke trugen, in die lange Warteschlange vor dem Steg zu dem großen Schiff, das nach Piräus fuhr. 49 Grad auf Rhodos.

Knausgård, Karl Ove: Träumen. Roman. S.7-8. Luchterhand Literaturverlag. Kindle-Version. 

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Was fällt mir als erstes ein? 

Direkt, persönlich, schnörkellos. Und dann -- autobiographisch? Was für ein merkwürdiges Wort. Das kann dem eigenen Leben abgelauscht sein. Es kann aber auch eine absolut fiktive Erzählung sein. 

Ein interessanter Gedanke, eine Story-Theorie-Grundlage: Jemand, der vorgibt, sein Leben zu erzählen, beschreibt eine absolute Fiktion. Und dann natürlich auch: umgekehrt -- eine vermeintliche vollkommen fiktionale Erzählung ist die absolut authentische Schilderung des eigenen Lebens. Des Autors, nicht des Erzählers!

Karl Ove Knausgård 1

Morgen beginne ich mit der Lektüre von Knausgård.

Karl Ove Knausgård und sein Romanzyklus | Zum Schriftsteller gekämpft || In der Form seines Lebens und Schreibens: Mit "Träumen" erscheint jetzt auch der fünfte Teil von Karl Ove Knausgårds "Min-Kamp"-Erinnerungswerk. Anfang Oktober ist der Autor in Berlin zu Gast. VON GERRIT BARTELS | Es ist mal wieder einer dieser Tage, an denen der junge Karl Ove Knausgård von Selbstzweifeln geplagt wird. Er kommt von der Schreibakademie im norwegischen Bergen nach Hause und weiß: Ich bin kein Schriftsteller, höchstens ein Journalist, ein „Sekundärmensch“. Es ist dann aber auch einer der weniger häufigen Tage, an denen Knausgård gegen diese Selbstzweifel ankämpft und seinen unbedingten Willen dokumentiert, Schriftsteller zu werden: „Wenn ich ganz unten war, musste ich mich nach oben kämpfen. Akzeptierte ich, dass ich dort unten hingehörte, in die fürchterliche Tiefe von Unreife und fehlender Begabung, hatte ich verloren. Das konnte ich nicht.“ (tagesspiegel.de)

Der Verlag schickt dem Buch voran:

Zum Buch 14 Jahre verbrachte Karl Ove Knausgård in Bergen, bevor er aus der norwegischen Küstenstadt regelrecht nach Stockholm floh, als ginge es ins Exil. Es waren Jahre, in denen er unermüdlich versuchte, Schriftsteller zu werden, in denen schließlich seine erste Ehe scheiterte, in denen sich Momente kurzer Glücksgefühle mit jenen tiefster Selbstverachtung die Hand gaben, in denen sich Demütigungen und Höhenräusche ebenso schnell abwechselten wie selbstzerstörerische Alkoholexzesse und erste künstlerische Erfolge. Dabei hatte es am Anfang so gut ausgesehen, dieses Leben in Bergen. Dem jungen Knausgård schien die Welt offenzustehen, all seine Träume schienen sich zu erfüllen. Er hatte einen Studienplatz an der Akademie für Schreibkunst ergattert, endlich eine Freundin gefunden …

Zum Autor KARL OVE KNAUSGÅRD wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor der Gegenwart. Als erster Debütant überhaupt bekam er den Norwegischen Kritikerpreis verliehen. »Träumen« ist – nach »Sterben«, »Lieben«, »Spielen« und »Leben« – der fünfte Roman eines sechsbändigen, autobiographisch angelegten literarischen Projektes, das zunächst in seinem Heimatland und mittlerweile weltweit zur literarischen Sensation wurde. Karl Ove Knausgård lebt mit seiner Familie an der schwedischen Südküste.

Knausgård, Karl Ove: Träumen. Roman (Das autobiographische Projekt 5) (German Edition) . Luchterhand Literaturverlag.

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Ich habe die Kindle-Version. 

Probleme an Universitäten

Die Uni Würzburg hat wohl gleich zwei extrem selbstherrliche Professoren hervorgebracht:

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Lothar Bossle: "1981 wurde Bossle Präsident des privaten Instituts für Demokratieforschung in Würzburg, das als „Doktorfabrik“ bekannt wurde. Der bayerische Landtag beschäftigte sich deshalb mehrfach mit dem „Fall Bossle“. ... Es folgte eine Gastprofessur an der Technischen Universität Dresden. Bestrebungen, ihn dorthin zu berufen, zerschlugen sich 1991: Er ist 'in unserem Fach ohne Ansehen', schrieb mit ungewohnter Schärfe der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Professor Bernhard Schäfers, im Februar dem sächsischen Kultusminister Hans Joachim Meyer. (Wikipedia)

Eine Besonderheit, das Beispiel für die Martenstein-These: "Die Berufung - das war die Berufung eines neu habilitierten Professors, der seine akademische Karriere politischer Protektion verdankt. Und den die ganze Universität, mit Ausnahme eines ehemaligen Wehrmachtspsychologen namens Wilhelm Arnold, nicht wollte. Vergebens. Franz Josef Strauß hatte entschieden: „Dieser Mann würde jeder bayerischen Universität zur Zierde gereichen. | Die Zierde, Lothar Bossle, war Juso-Vorsitzender und führender SDS-Funktionär, bevor er sich zur CDU bekehrte. 1972 gründete er rechtsaußen eine „Aktion der Mitte", die mit Industrie-Millionen in Wahlzeitungen und großen Zeitungsanzeigen Schlammschlachten („ein Sozialismus, der von 1933 bis 1945, war genug") gegen die sozial-liberale Koalition führte." (sprache-werner.info)

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Gundolf Keil "Wer sich mit diesem Fall befasst, dem begegnet eine grotesk verkommene Wissenschaftswelt. Es gibt dort Eitelkeit und Missgunst, Ruhmsucht und Denunziation. Es geht um den Verdacht auf gekaufte Doktortitel, um einen windigen Promotionsvermittler und merkwürdige Spenden, um angeblich gefälschte Beweise und anonyme Hinweisgeber. Und es geht um einen Mann, der sein Leben der Wissenschaft gewidmet hat und am Ende an ihr zerbrochen ist." (zeit.de)

Seyran Ates und die Kriminellen


"Drei Tage nach Gründung ihrer liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee wurde Seyran Ates auf der Straße von drei Männern angesprochen, was sie für eine 'Moschee für Perverse' eröffnet habe. Am Ende der Auseinandersetzung sagte einer der Männer zu ihr: „Du stirbst.“ Das war für Ates ein „Flashback. | Lebensgefährlich verletzt überlebte sie 1984 ein Attentat in einem Kreuzberger Treff- und Informationsort für Frauen aus der Türkei, ihre Klientin starb. Mehrfach wurde die Frauenrechtlerin und Anwältin wegen ihres Engagements schon bedroht. Nach Gründung der Moschee vor drei Wochen erhielt sie, wie berichtet, mehr als 100 Morddrohungen und steht nun rund um die Uhr unter Polizeischutz."

Ich möchte, dass solche Form der unterdrückenden Kriminalität nicht möglich ist und mit allen rechtsstaatlichen Mittel bekämpft wird. Wenn ich mit allen rechtsstaatlichen Mitteln sage, dann meine ich das auch so.

Dienstag, 4. Juli 2017

Rechtschreibung: des nachts / Nachts

Der Duden, immer ganz sachlich: bei Dunkelheit, bei Nacht, im Dunkeln, in der Nacht. Ja, ganz richtig. Ganz klar.

Und dann aber: des Nachts.

O je! In der Deklinationstabelle kommt das ja nicht vor. Es ist die Nacht, feminin!

Die Erklärung von Dr. Bopp -- nun ja, nicht so recht überzeugend, finde ich. 

"Die Entstehung dieser grammatisch sehr ungewöhnlichen Wendung (der Genitiv müsste ja der Nacht lauten) hat damit zu tun, dass Nacht die einzige weibliche Tageszeitangabe ist. Die Wendungen des Nachts und eines Nachts sind Analogiebildungen zu des Morgens, des Mittags, des Abends bzw. eines Morgens, eines Mittags, eines Abends, eines Tages."

Ich meine -- Analogie ist immer gut. Aber manchmal ist die Sprache halt auch einfach vollkommen analog, und das heißt, im Wortsinn: unberechenbar! Das, die Sache mit der partiellen Regellosigkeit, gefällt mir viel besser.