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Donnerstag, 13. Juli 2017

Hans Hütt über Botho Strauß (2015)

Immer wieder mal solche Entdeckungen: "Die Schönheit des verbalen Kampfes!" Hier:

Die Selbstvernichtung eines Autors. Botho Strauß gilt als wichtiger Intellektueller. Nun äußert er sich zur Flüchtlingskrise. Über das Resultat kann man nur erschrecken. Es ist ein Dokument des Wahns. Von Hans Hütt* | 8. Oktober 2015. 136 Kommentare.

Ja, die Besprechung und die Kommentare dazu! Beide Textbereiche haben es in sich!

Hütt: 

"... Er rast aber bloß aus zweiter Hand. In den ersten Zeilen, einem Selbstzitat aus seiner Bewusstseinsnovelle von 2007, evoziert er Klaus-Michael Grübers Wintermärchen aus dem eiskalten Berliner Olympiastadion von 1977 und verwandelt sich in einen Wiedergänger von Hölderlins Hyperion. Aber das Rasen erlaubte es ihm schon 2007 nicht mehr, den eigenen Gedanken zu folgen. Sie degenerieren zur Masche, die er, kaum, dass er sie auch nur andeutet, schon wieder fallen lässt. Ein erratisches Strickmuster. | Die Selbstinszenierung als Last Man Standing, seine Hommage an einen japanischen Krieger, bleibt anakoluth, hängt wie Lewis Carrolls Grinsen ohne Katze in der Luft."

Kommentare:

"deep_franz #4.10 — 8. Oktober 2015 | Man muss das verstehen. Botho Strauß, war zu Zeiten einmal die literarische Hoffnung von tausenden von DeutschlehrerInnen oder Menschen, die gepflegt intellektuelles Theater sehen wollten, bei dem nicht allzuviel allzudeutlich gesagt wird und das einem ein wenig, aber nicht viel an Denkarbeit abfordert ohne dazu angetan zu sein, ernsthafte Schmerzen im eigenen, vermeintlich besonders erlesenen (und wer glaub das nicht von sich selbst?) Verstand zu verursachen. Man spürt ein wenig, daß Herr Strauß seinerzeit auch die Hoffnung des Herrn Hütt war. | Jetzt ist dieser Botho Strauß aber tatsächlich zu einer seltsamen Meinungsäußerung fähig, die so gänzlich nicht in die Wohlfühlzone des Botho Strauß-Konsumenten passen. Es ist völlig klar, vielleicht sogar legitim, daß Herr Strauß da als Verräter behandelt wird. Ein besonders herausragender Autor war er für mich allerdings nie.

Antwort auf #4.7 von dingensda | Besondere Aufgaben | #4.11 — 8. Oktober 2015 | Ich versteh's auch nicht (Chemie studiert, sorry), bin aber trotzdem beeindruckt: Den Ausdruck "anakoluth" habe ich tatsächlich noch nie gehört. Again what lörnd, gell."

anakoluth als Adverb, das ist allerdings schon sehr schöpferisch. Aber daran will ich mich jetzt nicht aufhängen. Anregend dennoch: Ich lese heute mal wieder nach, was Mynheer Peeperkorn so anakoluth gesagt hat. Ziemlich lustig!

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* Ich dachte übrigens zuerst, dass Hans Hütt das Pseudonym eines ZEIT-Redakteurs ist. Ist es aber nicht! Hütt ist "Freischreiber", für die FAZ, die taz und ZEIT-Online. (Was heute doch so alles zusammengeht! Die FAZ und die taz! Ja da schau her! Muss er sich da nicht manchmal ein bisschen verbiegen, der Freischreiber Hütt? Oder ist inzwischen eh alles eins, die SPD und die CDU, die FAZ und die taz?)