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Sonntag, 4. August 2019

Ian Brady

Notizbuch


Zufallsfund, über irgendeine Zeitung. Weg nicht mehr genau rekonstruierbar.*

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... In einer zweiten Sitzung des Coroner Court wurde entschieden, dass Bradys Leiche an dessen Anwalt Robert Makin zur Vorbereitung der Beerdigung übergeben wird. Makin hatte zuvor versichert, dass es keine Pläne gegeben habe, die Asche auf dem Saddleworth Moor zu verstreuen, was der Coroner Alby Howard-Murphy, so erklärte er, in der ersten Sitzung als im Bereich des Möglichen verstanden hatte. Die Stadt Glasgow verbot allen vier Krematorien der Stadt, die Verbrennung der Leiche Bradys durchzuführen, um seine Asche anschließend in der Stadt zu verstreuen, so wie es der Wunsch Bradys gewesen sein soll. Mit dieser Entscheidung soll dem Willen der Bevölkerung entsprochen werden. Im Oktober 2017 entschied ein Richter des High Court, dass sein Anwalt nicht länger das Recht habe, eine Beerdigung für Brady durchzuführen. Als Begründung wurde angegeben, dass Makin seine Pläne für das weitere Vorgehen nicht hinreichend offen mit der Regionalverwaltung von Tameside und Oldham besprochen habe und dass die Angelegenheit sich nun zu lange hingezogen habe. Weiterhin wurde verfügt, dass entgegen den Wünschen von Brady nicht der fünfte Satz der Symphonie fantastique von Hector Berlioz gespielt werden dürfte. Der Richter begründete dies unter Hinzuziehung des englischsprachigen Wikipediaartikels der Symphonie damit, dass die Verwendung dieses Satzes gemäß seinem Inhalt die Gefühle der Hinterbliebenen bei dieser Gelegenheit verletzen würde.** Zwar habe ein Verstorbener das Recht, derartige Regelungen zu treffen, doch in diesem Falle überwiege das Interesse der Öffentlichkeit auf einen würdevollen Umgang. Es wurde auch jede weitere Zeremonie im Zusammenhang mit der Beerdigung durch den Richter untersagt. Den Behörden von Tameside und Oldham wurde das Recht übertragen, sich um die Leiche Bradys in einer schnellen und würdevollen Art und Weise zu kümmern. Einzelheiten zu diesem Vorgang, die im Richterspruch erwähnt werden, wurden im Interesse eines geordneten Ablaufes nicht veröffentlicht.

Die Leiche Bradys wurde am 25. Oktober 2017 um 21 Uhr von einem Angestellten der Verwaltung von Tameside aus dem Royal Liverpool Hospital zur Einäscherung in das Krematorium von Southport überführt. Die Einäscherung fand dort um 22 Uhr statt. Anschließend wurde die Asche in einer biologisch abbaubaren Urne von der Liverpool Marina zur Seebestattung gebracht, die am 26. Oktober um 2:30 Uhr erfolgte. Den Anweisungen des Gerichts entsprechend gab es während des gesamten Vorgangs keine Musik und keinen Blumenschmuck.

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* Doch rekonstruierbar! Ich habe mit dem Namen Ian Brady unter Google nach News suchen lassen, und habe tatsächlich den Zeitungsartikel gefunden, über den ich auf diese Suche kommen bin: "Saddleworth Sie lieben das Moor. Sie wissen, wie man am besten Menschen fängt. Und verschwinden lässt Sie lockte die Kinder in ihren Wagen. Er fuhr mit dem Motorrad hinterher. Doch die Morde sind nur ein Teil ihres Verbrechens." (stern.de)

** Das ist nun derartig unklar formuliert, dass man nachschauen muss. Wodurch könnte der letzte Satz von Berlioz' Symphonie Phantastique die Gefühle der Hinterbliebenen verletzen? Immerhin, der entsprechende Wikipedia-Artikel legt da so einiges nahe:

"Hexensabbat (Songe d’une nuit du Sabbat), Larghetto (c-Moll, 4/4-Takt) – Allegro (Es-Dur, später C-Dur, 6/8-Takt); Dauer: ca. 10 min Der Verliebte findet sich auf einem Hexensabbat wieder, gellendes Gelächter ist deutlich zu hören. Auf einmal wird die idée fixe mehrmals in einer sehr verzerrten, gemeinen Variation wiedergegeben, zunächst von der schrillen Es-Klarinette, dann stimmt das Orchester mit ein: Die einstige Geliebte tritt als Hexe auf und wird von den anderen Hexen freudig begrüßt. Danach läuten die Totenglocken und leiten eine Parodie des Dies irae, des Jüngsten Gerichts aus der katholischen Totenmesse ein. Schließlich mischen sich beide Melodien zu einer höllischen Orgie."

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Dienstag, 27. März 2018

"Victims of Telford grooming"

Notiz:

Victims of Telford grooming will be asked to give evidence to independent child sex abuse inquiry An Independent Inquiry into Child Sexual Abuse will talk to grooming victims It set up the 'Truth Project' which will visit those affected in Telford, Shropshire The project comes after reports suggested up to 1,000 victims were targeted By Abe Hawken For Mailonline 26 March 2018 | ... She gave birth to his child when she was just 14 || Victims of sexual exploitation in Telford have been asked to share their experiences with the national child abuse inquiry amid fears vulnerable young girls were targeted for decades. The Independent Inquiry into Child Sexual Abuse (IICSA) said it hoped to talk to those affected to determine how children could be better protected in the future. It is feared that girls as young as 11, often white and working class, were preyed upon as far back as 1981. Allegations are said to have been mishandled by authorities in the Shropshire town, with many perpetrators going unpunished, while it is claimed similar abuse is continuing in the area. Telford and Wrekin Council has called for an independent inquiry into the claims, which were first brought to light by a Sunday Mirror investigation. IICSA's Truth Project offers abuse victims the opportunity to talk about their experiences confidentially and without legal consequence, the findings of which will be used to inform recommendations made by the probe. (DailyMail)

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The newspaper projected a figure of up to 1,000 victims since the 1980s, but Supt Tom Harding from West Mercia Police said numbers suggesting such scale were "sensationalised", adding police and authorities in Telford were working with approximately 46 victims of child sexual exploitation (CSE). CSE in the town fell under national scrutiny in 2012 when seven men were jailed for their part in girls' abuse following West Mercia Police's Operation Chalice. The convicted, Telford MP Lucy Allan said, were of Pakistani origin and the victims of white origin. The abused boy's mother told the BBC her son was abused by "different white men" and the abuse was "going on in all races". "It's not just Asian men who are doing it," she said. "It's white men, it's black men". She added victims were also of different background types. "The girls are white, Indian, black, there's even Pakistani girls". Media captionLucy Allan MP says 'many young girls' have come to her to share their experiences. Ms Allan told Parliament on 13 March vulnerable white working class girls were being traded for sex "in a routine way". She said after she spoke in the Commons, she had been "inundated" with reports of child grooming victims. (bbc.com)

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Jedermanns Glück wird geschmiedet ...

... und zwar von den Eltern. Und natürlich von den "sozialen Umständen". Und den Genen, der "Veranlagung", die einer mitbekommen hat.

Die Eltern? Es kann ja auch sein, dass jemand gar keine Eltern hat, die ihn erziehen. Worauf das Nicht-Vorhandensein der Eltern dann natürlich eine, vielleicht die entscheidende Einflussgröße ist. 

Aber der Reihe nach. Der Gedanke, den ich hier umkreise, ist so entstanden: Ungefähr vor einem Jahr habe ich im Autoradio eine Buchbesprechung gehört. Eine Autorin, deren Namen ich vergessen habe, hat die These aufgestellt, dass die Nachwirkungen der NS-Zeit und des zweiten Weltkriegs auf die heute 40jährigen erheblich seien. Vermittelt durch das, was die Großeltern und Eltern an sie, die jetzt Erwachsenen und mitten im Leben Stehenden, weitergegeben haben. Das, fand ich, sei ein wichtiger Gedanke. Das blieb im Gedächtnis. 

Dann heute, in der Süddeutschen Zeitung, zwei gesonderte Berichte. Ein Mann, der seinen kleinen Stiefsohn umgebracht hat, wurde zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nur zu sechs Jahren und zwei Monaten.

Freiburg. Innere Verletzungen. Von Josef Lelnberger || Der Angeklagte Norbert T. ist ein drahtiger, schüchtern wirkender Mann. Den Blick gesenkt, die Hände unter dem Tisch verschränkt, so verfolgte er die Urteilsbegründung. Der 33-Jährige hob auch nicht den Blick, als sich Richterin Eva Kleine-Cosack persönlich an ihn wandte. "Sie werden noch ein junger Mann sein, wenn Sie aus der Haft entlassen werden", sagte sie und wünschte ihm, er möge verarbeiten, "was Ihnen auferlegt wurde, und was Sie sich selbst auferlegt haben". Er möge einen Weg in ein neues Leben finden. So viel Mitgefühl war zu viel für einige der Zuhörer im Gerichtssaal. Manche grummelten, andere lachten höhnisch. Auf T-Shirts die Aufschrift: "Keine Gnade für Kindermörder". Schon das Urteil hatten sie mit Empörung quittiert. Sechs Jahre und zwei Monate Haft für einen Mann, der seinen dreijährigen Stiefsohn zu Tode geprügelt hatte. Ist das Gerechtigkeit? [...] Das Bewusstsein, jemanden zu töten, hatte Norbert T. nicht, als er am Nachmittag des 12. Januar 2015 dem Kind dreimal die Faust in den Leib rammte. Verurteilt wurde er am Mittwoch wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener. [...] Norbert T. war als Kind von seiner Mutter schwer misshandelt worden, einmal ging sie mit einem Messer auf ihn los. Er wuchs danach bei den Großeltern auf, die ihn wohlwollend, aber nach dem Motto erzogen: "Ein Klaps hat noch keinem geschadet." Die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit musste er in einer Therapie abarbeiten; er galt als akut suizidgefährdet. Seine Erfüllung fand er in der Landwirtschaft. Er verwirklichte sich seinen Lebenstraum, als er den Zipfelhof in Lenzkirch-Kappel kaufte. 140 Kühe, 100 Hektar Grünfläche. So begann der Albtraum seines Lebens. (SZ Panorama)

Und dann auch noch das:

Christina Weber: Ohrfeigen für die Seele || Emotionaler Missbrauch kann bei Kindern zu Angststörungen und Depressionen führen, haben Forscher der University of Minnesota herausgefunden. || Viele Menschen kennen solche Gefühle: Die einen quält über Jahre dieser eine böse Satz von Mutter oder Vater, den sie nicht vergessen können. Andere leiden noch als Erwachsene daran, dass ihre Eltern über sie gespottet oder sie mit Worten gedemütigt haben. Nun bestätigt eine große Studie, was einzelne Forscher immer wieder vermutet haben. Die emotionale Misshandlung von Kindern wirkt sich ähnlich schlimm auf die psychische Gesundheit aus wie körperliche Gewalt und Vernachlässigung (Jama Psychiatry, online). (SZ Wissen)

Kinder haben körperliche Merkmale, eben ihre genetisch bedingten "Veranlagungen" mitbekommen. Die dann aber sofort durch die äußeren Umstände, die Situationen, in denen sie aufwachsen, modifiziert werden. Die Rollen, die ihre Eltern, erzogen von Eltern, vorleben, den Einfluss, den die Eltern direkt ausüben. Eltern, die einigermaßen hilflos sind, Die nicht überblicken können, was sie da weitergeben. Im Glücksfall entsteht ein Goethe, wenn der denn ein Glücksfall war:

Vom Vater hab ich die Statur,
des Lebens ernstes Führen,
vom Mütterchen die Frohnatur
und Lust zu fabulieren.

Urahnherr war der Schönsten hold,
das spukt so hin und wieder;
Urahnfrau liebte Schmuck und Gold,
das zuckt wohl durch die Glieder.

Sind nun die Elemente nicht
aus dem Komplex zu trennen,
was ist dann an dem ganzen Wicht
original zu nennen?

Und am anderen Ende der Skala Norbert T. und seine Schicksalsgenossen. Hätte der kleine Alessio, das Opfer, überlebt, vielleicht wäre dann er zum Mörder geworden.

Ja, und diesem Punkt aus geht es erst los mit der Analyse. Der Vergangenheit, des Jetzt und der Zukunft. Die eigene Erziehung und die Erziehung der eigenen Kinder. Wie war das, damals?

Wenn man die Sache der echten Analyse des eigenen Werdens und der Weitergabe des Werdens so anpacken will, dass etwas gelingen, etwas dabei herauskommen kann, dann geht das nur unter dem Sternenhimmel einer ewigen Größe: mit Humor!

Donnerstag, 18. Juni 2009

Datenschutz und Badezimmer

Ich habe immer wieder mal* -- für viele ist die These eine Provokation -- die Ansicht vertreten, dass jemand, der nichts zu verbergen habe, doch auch keinen großartigen Datenschutz brauche. Wer um 13:58 über den Münchener Marienplatz geht oder um diese Zeit vor einem bestimmten Haus steht -- was soll daran schutzwürdig und privat sein? Und gleich noch eins oben drauf: Es gebe in unserer Gesellschaft überhaupt nur zwei Arten des Fehlverhaltens, die als nicht-kriminell und als im Hinblick auf den Datenschutz problematisch eingestuft werden könnten: Steuerhinterziehung in maßvoller Form und Fremdgehen.
Auf der anderen Seite: Der Datenschutz wird von allerlei Kriminellen verwendet. Kinderpornographen, Terroristen, der Mafia. Jedes Programm zum anonymen Surfen, das in einer PC-Zeitschrift angeboten wird -- schon überlege ich: Nimmt das die Terrorvereinigung Leuchtendes Kleinhirn i. G. um sich umgestört im Internet bewegen zu können? Wird der Knopf, der verhindert, dass die eigene Telefonnummer dem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung angezeigt wird, für einen erpresserischen Anruf oder für das Stalking verwendet?

Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe: Für viele Leute ist der Datenschutz so etwas wie der Schutz vor dem Blick in ihr Badezimmer. Sie haben ein bestimmtes Gefühl für Scham und Diskretion. Es ist eigenlich nicht schlimm, wenn einem wer beim Baden zusieht, wenn man nackt ist. Aber möchte man das?! Seit ich das überlegt habe, verstehe ich die Empfindlichen besser. Aber die, die auf Datenschutz gesteigerten Wert legen, sollten dann auch überlegen, dass es die Perverslinge und die organisierte Kriminalität gibt. Nach Sicherheit zu rufen und für den extremen Schutz vor dem Bundeskriminalamt zu sein heißt wieder mal: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!
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* Man braucht nur das Label Datenschutz, gleich da unten, anzuklicken. Dann steht da alles.

Samstag, 19. Juli 2008

"Ein Abgrund an Normalität"

Das mit der Gemeinde Eschenau ist an mir, dem Zeitungsleser, vorübergegangen. Schon eigenartig. Heute morgen dann -- Süddeutsche Zeitung -- habe ich den Fall entdeckt. (SZ Nr 167, S. 45. Rubrik: Bayern) Man braucht bei Google nur das Wort Eschenau einzugeben, und schon wird man aufgeklärt, einschließlich der Werbung rechts für das Marks-Buch. Ist Kindsmissbrauch wirklich Normalität, wie es das Zitat, das ich finde, nahelegt. Wird geschwiegen, weil der normale Erwachsene weiß, dass gegen diesesn Urtrieb Sexualität einfach kein Kraut gewachsen ist, schon gar keines, das Normalität hervorruft?
Und dann finde ich noch diese Werbung in einem Bericht, und ich frage mich, ob ich zu zart besaitet bin, wenn ich diese Werbung in diesem Zusammenhang für subtil-unpassend, also für bescheuert halte.







Dienstag, 15. Januar 2008

Vanitas

Wenn man große Wahnsinne einordnen will, die Zeit der Nazis beispielsweise, dann muss man erst einmal erkennen: Der Mensch als solcher ist für alle Bizzarerien gut. Eine davon, die man nur aus sicherer Entfernung erträgt, geht heute durch die Nachrichten: "Laut Anklage war ihr [der Mutter] der vier Monate alte Sohn am 3. Juli 2007 auf dem Weg in den Garten aus dem Arm geglitten. Aus Angst, ihr Wunschkind würde ein Leben lang schwerstbehindert bleiben, habe sie den Kopf des Babys rund ein Dutzend mal gegen die Treppenstufe geschlagen. Später soll sie im Wohnzimmer gegen den Kopf des Kleinkindes getreten haben."
Ein anderer Bericht.
Soll man diese Handlungsweise verurteilen? Es hat keinen Sinn. Ein Wunschkind, die Angst, dass das Kind behindert sein könnte und dann als Lösung das? Nein. Da steckt natürlich etwas unbegreiflich Anderes dahinter.