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Samstag, 25. Juli 2015

Monica Lierhaus

Eine Zeitlang, und gar nicht für kurze Zeit, hatte ich die meisten Seitenaufrufe in diesem Blog mit "Monica Lierhaus". (Inzwischen ist der Longseller das "spezifische Gewicht von Granit", ich weiß nicht warum.) Eine Zeitlang habe ich immer wieder davon gesprochen, dass das Zur-Öffentlichkeit-hin-Abschotten der kranken, dann operierten ML nicht vernünftig ist. Dann kam ML wieder, von der verändernden Operation gezeichnet. Nun hat sie sich geäußert: Sie sei sich nicht mehr so sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie sich nicht hätte operieren lassen... Die Konsequenz ist klar und wird nicht ausgeprochen: ... und gestorben wäre. Alle möglichen Menschen machen sich jetzt veröffentlichte Gedanken. Eine Mutter eines behinderten Kindes etwa, wie ich heute morgen gelesen habe.



 
Was sehen wir? Wir sehen, dass der Geist, der durch unseren Körper hindurchscheint und unser "Wesen" ausmacht, von diesem Körper abhängig ist wie sonst was! (Heißt das 1:0 für den Körper? Nicht unbedingt. In einer philosophischen Runde frage ich demnächst mal, ob es vielleicht -- ohne dass wir erklären könnten, wie das zugeht -- genau umgekehrt ist: dass diese dunkle Materie genannt Wesen&Geist den Körper = die Materie ändert.)
 
Ich sage mir: Ich kann und will da nicht mitreden. Ohne Erfahrungen ist alles Reden Gerede.

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Nachtrag (31.07.2015): Gestern ist zu diesem Thema eine Kolumne von Harald Martenstein erschienen. Wieder mal kritisch auf den Punkt gebracht.
 

Die frühere Sportreporterin Monica Lierhaus ist behindert. Sie hat eine Gehirnoperation machen lassen, dabei ging etwas schief. Ohne die Operation wäre sie wahrscheinlich gestorben. In einem Interview hat sie gesagt, dass sie, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, auf diese Operation verzichten würde. Dann wäre sie heute tot, oder? Dazu sagt Monica Lierhaus: »Egal. Dann wäre mir vieles erspart geblieben.« | Wenn ich so etwas lese, also, wenn ein Mensch ehrlich zu sein scheint und ungeschützt redet, dann weiß ich schon vorher, was passieren wird. Einige Zitate aus dem Internet gefällig? »Sie stellt das Leben von Menschen mit Behinderung infrage.« – »Sie zeichnet ein falsches Bild.« – »Sie wertet das Leben von Behinderten ab.« Und natürlich darf die Mutter aller Internetkommentare nicht fehlen – diese Formulierung finden Sie im Netz unter so gut wie jedem Text, der in irgendeiner Weise von Belang ist. Sie lautet: »Einfach armselig.« | Wenn ich irgendwo Chef wäre, würde ich eine Rubrik mit dem Titel »Leute verteidigen« einführen. In jeder Ausgabe müsste ein Mensch gegen diese Art von Dreck verteidigt werden, gegen dieses »Einfach armselig«.

 
ZEIT-MAGAZIN Nr. 31, 20. Juli 2015, S. 8