Dienstag, 13. Juni 2017

ARD-Themenwoche: "Glauben"

Meine Anmerkung, eben geschrieben, zur laufenden ARD-Themenwoche und zur Diskussion im Wikipedia-Café:

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Eine Anmerkung muss ich noch machen. Ich glaube, dass diese Themenwoche, wie so vieles andere auch in diesen Tagen, aus einer tiefen, aber ziemlich klar benennbaren und historisch begründeten Verwirrung des Mainstream-Westens herrührt. Mal konkreter: Bis ca. 1990 bestand die Welt aus Ost und West. Der Osten war materialistisch-astheistisch, der Westen agnostizistisch-locker-liberal. (Ja, da und dort gab es Abweichler jeglicher Art, in mehr oder weniger großer Zahl, natürlich! Aber es geht ja um den Mainstream.) Dann kam auf einmal, als der Osten wegbrach, eine Religion daher, der Islam. Auf einmal war da, vollkommen diffus und in tausend Richtungen zersplittert, eine Art 'Bewegung', die man im Westen längst überwunden glaubte. Überwunden in Richtung: "Jaja, klar, es gibt da so menschlich-religiöse Bedürfnisse und Anlagen. Der Tod. Der nicht erkennbare Sinn des Lebens. Der schier unendliche Weltraum, und die Erde ein Staubkorn mittendrin. Unser fundamentales Nicht-Wissen bei all dem Wissen. Und so weiter. Aber da suche sich bitte jede und jeder so ihren / seinen eigenen Weg aus dem Verwirrtheitslabyrinth. Wer mag, geht zu Osho. Oder zum Papst. Alles erlaubt. Aber doch bitte -- PRIVAT und STILL!" Jaha! Die Muslime, die nahmen ihren seltsam-mittelalterlichen Glauben, den man bis dahin im Westen als schräge Folklore von erkenntnismäßig und wirtschaftlich Zurückgebliebenen angesehen hatte, und machten -- du ahnst es nicht: ERNST! In alle Richtungen. Während die Kirchen sich immer weiter leerten, wurden Moscheen gebaut. Es entstand eine Missionstätigkeit, die man den christlichen Kirchen, weil ja imperialistich, längst verboten hatte. Und die Kirchen schlossen sich dem Verbot an. Sie versuchten in Afrika und Südamerika Gutes zu tun, ohne zu missionieren. Nun also, der Islam, der die Freiheiten des Westens durchaus extrem asymmetrisch ausnutzte. Hier Moscheen, aber in der Türkei keine Kirchen. Und die Kopten in Ägypten erst mal niedermachen. Eine christliches Gotteshaus in Saudi-Arabien? Das wäre die Besiedlung des Mars auf religiös. Aber im Westen natürlich von den Saudis oder der Ditib finanzierte Moscheen samt entsprechenden Imamen. -- Unterm Strich: Im Westen Verwirrung aller Orten, weil da ein Glauben auf einmal daherkam und das gemütliche, westlich-laizistische Mainstream-Leben wild durcheinander brachte. Ja, und da kommt, aus dem Tiefschlaf und einem anschließenden Islam-Traum aufgewacht, die ARD und fragt, noch schlaftrunken und sehr verwirrt: Woran man denn so glaube.

Samstag, 10. Juni 2017

Rezensionen eines Küchen- und Kunstromans

Ich informiere mich über Neuerscheinungen. Auch Älteres kommt so nebenbei in den Blick. Und ich komme zu dem Schluss, dass für viele Rezensenten das Schreiben ein ebenso routiniert-nichtssagender Akt ist wie bei den besprochenen Schriftstellern ihr Schreiben. Und gleich anbei die Frage: Wird von den Romanen, die da in den Zeitungen besprochen werden, irgend etwas übrig bleiben? Was übrig bleiben heißen soll? Nun, dass sie in 10, 20, 50 Jahren noch von Menschen gelesen werden. Sahnehäubchen obendrauf: dass jemand eine Dissertation über ein Werk oder den Autor schreibt.

Aber nun -- die Rezensionen. Sie stehen in den Zeitungen, und gleich wird aus den Rezensionen beim Verlag Werbung. Rezensent und Verleger -- "Wir kennen uns ja!"

Ok, keine Namen.
  • »In ihrem reflexiven Bildungsroman spielt sie an drei Figuren durch, welche soziale Rolle Kunst haben kann und Kunstspezifisches gerade dadurch meist verfehlt wird.«
  • »Mit viel Liebe zum Detail schildert X Abgründe und Höhenflüge, findet auch Platz für satirische Passagen.«
  • »Ein sehnsuchtsvoller Küchen- und Kunstroman.« [Ja da schau her!]
  • »Eine sehr genaue Beobachtung des eher nichtakademischen, kleinbürgerlichen Milieus mit Gespür für Situationskomik und skurrile Charaktere.« [Soso.]
  • »Umstandslos realistisch und trotzdem nicht pessimistisch und düster. Man würde X Y unbedingt einen großen Preis dafür wünschen.«
Aber -- ach was! Vielleicht bin ich ja nur neidisch, dass ich nicht dazugehöre, zu diesem Milieu (im Zilleschen Sinne von Miljöh).

"Aber die Taliban haben in Afghanistan ..."

Mal herüberkopieren. Anmerkungen zu einem ZEIT-Kommentar:

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"Aber die Taliban haben in Afghanistan die hundertfache Menge gemetzelt!"

Mit gefällt der schreiende Ausdruck 'Whataboutism' nicht, aber er hat sich eingebürgert. Ihre Hinweise sind wieder ein Beispiel.

Wir sollten einfach eingestehen, dass wir natürlich die Terroropfer in uns vertrauten Ländern wichtiger nehmen als die in Afghanistan oder im Irak. Auch wenn es grausam klingt: Diese Länder -- gut: viele Gruppierungen und Terrororganisationen in diesen Ländern tun ja auch aus sich heraus alles, um nach außen hin den Eindruck zu vermitteln, Terror und Tod gehörten zur heimischen Folklore. Das führt dann halt auch zu Folgendem:

"Die Islamisten behaupten, in einer alten Botschaft von Al Qaida: 'Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod'. Darauf antwortete einst der sozialdemokratische Bundesinnenminister Otto Schily: 'Wenn ihr den Tod so liebt, dann könnt ihr ihn haben.'" (faz.net)

Donnerstag, 8. Juni 2017

Hanno Berger

So schnell lässt mich diese Sache aus dem vorausgehenden Posting einfach nicht los! Der Schweizer Tagesanzeiger bringt ganz sachlich viel mehr zur Person und zur Sache H. B.

Der kleine deutsche Lauschangriff | Ein Anwalt im Engadin wurde im Fall Sarasin von Deutschland aus abgehört. Jetzt wehrt er sich. | Um einer möglichen Untersuchungshaft zu entgehen, übersiedelte Berger nach Zuoz im Engadin. ... | Die beiden Telefonate, die der schwerer Wirtschaftsdelikte beschuldigte Steueranwalt Hanno Berger am 18. Oktober 2014 mit einer Zürcher Geschäftsfrau führte, klangen in den Ohren heimlicher Mithörer höchst verdächtig. Berger, der aus Deutschland stammt und seit Ende 2012 in Zuoz im Engadin lebt, sprach über Ermittlungen in seiner alten Heimat gegen ihn. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Strafverfolger versuchten, in die Schweiz «reinzukommen», um auch hier gegen ihn vorzugehen. Der Steueranwalt sagte am Telefon, dass man eine Firma aus alledem völlig heraushalten solle. Den Namen der Gesellschaft nannte Berger nicht. Der Jurist bedeutete der Dame aus Zürich, sie wisse schon, welche Firma er meine. Es gehe um die graue Historie, um die geistigen Anfänge.

Und das:

Um mitlauschen zu können, bediente sich das Düsseldorfer LKA sogenannter Auslandsköpfe, über die grenzüberschreitende Telefonate laufen. Diese Verbindungsstellen liegen auf deutschem Gebiet, womit rechtlich alles in Ordnung wäre. Die LKA-Ermittler hätten nicht verbotenerweise in der Schweiz gelauscht. Die Staatsanwaltschaft Köln hatte schliesslich kein Rechtshilfeersuchen nach Bern geschickt. Das hat sich Berger inzwischen vom Bundesamt für Justiz in Bern bestätigen lassen. Der Exilant hat aber noch mehr getan. Er hat diverse Unterlagen ausgegraben, darunter eine Antwort der Bundesregierung in Berlin auf eine Bundestagsanfrage der FDP aus dem Jahr 2005. ... || In dieser Drucksache 15/5199 steht, via Auslandskopf könnten nur Telefonate aus Deutschland in andere Staaten angehört werden; beim Mitschneiden von Gesprächen in umgekehrter Richtung sei ein Rechtshilfeersuchen in das betreffende Land nötig. Ein solches sei nicht erfolgt, sagt der Exilant, es seien aber Gespräche belauscht worden, bei denen er von Zuoz aus in seiner Heimat angerufen habe. Bergers Anwalt aus St. Moritz fährt in der in Bern gestellten Strafanzeige schweres Geschütz auf. Deutsche Strafverfolger hätten mithilfe deutscher Richter illegal agiert. Die Eidgenossenschaft müsse dem «entschieden Einhalt gebieten». Alles andere wäre eine «Kapitulation».

Mit juristischen Feinheiten die Verfolgung der eigenen Straftaten verunmöglichen? Ob dieses Ansinnen, dieses Hilfeersuchen der Schweiz heute noch gefällt? Und ob die FDP heute es gerne hört, dass sie da wieder mal als alte Klientel-Partei vorgeführt wird? Vor alle, wenn die Klienten 'präsumtive Steuerbetrüger' sind?

"... auf der Spur der Steuerräuber"

Wieder mal aus dem Wikipedia-Café herübergenommmen.

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Für mich ist es immer mal wieder interessant, den Zustand der eigenen Fassungslosigkeit zu analysieren. In der ZEIT von heute ein Artikel, der wie eine spannende Geschichte beginnt:

"Am 22. Juni 2011 geht im Bonner Bundeszentralamt für Steuern ein Sammelantrag ein. Er bekommt die Nummern 1100000001 bis 1100000025 zugeteilt. Dann landet er auf dem Schreibtisch von Anna Schablonski, im Erdgeschoss eines grauen, fünfstöckigen Zweckbaus mit Regalen voller Leitz-Ordner, auf deren Rücken der Bundesadler prangt. | Schablonski ist damals 30 Jahre alt, groß und schlank, hat braune Augen und einen kinnlangen Bob-Haarschnitt. Gerade einmal ein halbes Jahr macht sie ihren Job. Von komplizierten Börsengeschäften hat sie keine Ahnung. Aber wenn Schablonski etwas seltsam vorkommt, so wie dieser Antrag, dann geht sie der Sache auf den Grund. | Zunächst sind da die ungewöhnlich hohen Summen. In nur zwei Monaten hat der Antragsteller, ein Pensionsfonds aus den USA, für 6,4 Milliarden Euro deutsche Aktien gekauft, nur um sie kurz darauf wieder zu verkaufen. Nun verlangt er exakt 53.882.080 Euro und 94 Cent an Steuern vom deutschen Staat zurück, also fast 54 Millionen Euro. Seltsamerweise, das macht Schablonski besonders stutzig, hat der Fonds nur einen einzigen Begünstigten. Wozu, fragt sie sich, spekuliert ein Ein-Mann-Pensionsfonds mit so vielen Milliarden?"

Gleich dazu: "Die ARD zeigt den Film "Milliarden aus der Staatskasse – auf der Spur der Steuerräuber" in der Panorama-Sendung am Donnerstagabend (8. Juni) um 22 Uhr. Danach ist der Film auf www.panorama.de abrufbar."

Fassunglos A: Wie kann ein Heer von hochmögenden Experten in Minsterien, Finanzämtern und -- ja auch: Zeitungen dieses Spiel so lange nicht durchschauen? Fassungslos B: Wie können Menschen, die ihrerseits Experten sind und also wissen, dass sie da in großem Stil betrügen, die Überzeugung pflegen, nur besonders schlau zu sein?

"Anruf bei dem Mann, von dem Schablonski damals noch nicht ahnt, dass er ihr wahrer Gegenspieler ist, der Spiritus Rector hinter den Cum-Ex-Geschäften: Hanno Berger. Der Anwalt hat sich nach einer Durchsuchung seiner Frankfurter Kanzlei Ende 2012 in die Schweiz abgesetzt. Dort lebt er heute in einem mondänen Bergdorf und zunehmend wohl auch in seiner eigenen Welt. [...] | In von der Staatsanwaltschaft abgehörten Telefonaten behauptet er sogar, es werde ein "Vernichtungsfeldzug" gegen ihn geführt. Den deutschen Staat bezeichnet er da wahlweise als "totalitär" oder "links-faschistoid". Die Durchsuchungsbeschlüsse gegen ihn und seine Komplizen seien von "Schweinerichtern" unterzeichnet worden."

Fassungslos C: Ein Staat, der so aufgebaut ist, dass nach 45 pausenlosen Arbeitsjahren des Durchschnittsarbeiters 1.350 € Rente ausgezahlt werden (steht irgendwo an anderer Stelle in der Zeitung), während bauernschlaue Rechtsanwälte und Bänker im Geld waten -- ist das ein Rechtsstaat?

Sorry, ein wenig lang geworden. Liegt an der Fassungslosigkeit. -- Also werde ich heute abend die Sendung anschauen und versuchen, Schritt für Schritt meine Fassungslosigkeit abzubauen. Wie geht es euch da? -- 12:27, 8. Jun. 2017

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Zwei Antworten sind auch schon da:

Es liegt in unserer Natur: Wir sind aggressiv (herangehend) und gierig. (Der Staat versucht ja, das einzudämmen...) | In Dänemark ist letztes Jahr ein ähnlicher Fall aufgedeckt worden. Im Vergleich mit der Bevölkerungszahl und dem BSP etwa 3 bis 5 Mal bedeutender als in D. !!Hurra für die mutige, skeptische Anna!! Man sollte diesen Bearbeitern soviele automatisierte Alarmsysteme zur Seite stellen wie möglich. GEEZER … nil nisi bene 12:50, 8. Jun. 2017

„Linksfaschistoide Schweinerichter“, ist das n geläufiges Deutschland-Bild in der Schweiz oder ist der Mann nur leicht reizbar? --Bluemel1 12:58, 8. Jun. 2017

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Das mit Dänemark wusste ich nicht; es ist aber leicht zu finden.

Durch einen grossangelegten Steuerbetrug sind dem dänischen Staat vermutlich mehr als 800 Millionen Euro durch die Lappen gegangen. Die Finanzverwaltung des Landes erklärte am Mittwoch, nach einer internen Untersuchung sei der Fall an die Polizei übergeben worden. (nzz.ch)

Mittwoch, 7. Juni 2017

Enzensberger-Loser

Ein Kommentar meinerseits zu einem ZEIT-Bericht zu den Terroristen von London. Ich nehme den Kommentar mal mit hier rüber:

Die Reaktionen auf die städtischen Herkunftsgebiete der Attentäter, die schlechten Viertel eben, sind oft die gleichen: Mehr Sozialarbeiter, mehr Polizisten, bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt müssen her. Als ob der Arbeitsmarkt nicht schlicht danach aussucht, wer was kann und wer nichts kann.

Es klingt am Ende alles nach: Wir brauchen für die Erwachsenen dort einen großen Erwachsenenkindergarten mit starken Kindergärtnern, und die Kinder müssen auch noch nach allen Regeln der Kunst gepampert werden. Nur -- wer soll das auf Dauer bezahlen? Und die weiterführende Überlegung wäre nicht schlecht: Wie weit reichen die Möglichkeiten, aus einem erwachsenen Enzensberger-Loser einen zufriedenen, nicht von Almosen abhängigen Erwachsenen zu machen?

Wie muss es denn nun heißen?

Eine Meldung hat einen Inhalt und eine formale Seite. Letzteres über die Frage: Ist die Meldung korrekt formuliert? 

Beispiel, aus dem SPIEGEL:

... Demnach seien die Hacker aus Russland vor rund zwei Wochen in die Systeme der staatlichen Nachrichtenagentur Katars eingedrungen und hätten dort eine Fake-News-Geschichte platziert. Darin standen laut der Regierung Katars falsche Informationen hinsichtlich der Führung des Emirates, die gegenüber Iran und Israel freundlich schienen.

Dann folgt der Satz, um den es geht:

Überdies soll in dem Bericht infrage gestellt worden sein, ob sich US-Präsident Donald Trump im Amt halten könne.

  • in Frage stellen oder infrage stellen?
  • in Frage stellen, ob
oder doch
  • in Frage stellen, dass


?

Wie werden solche Fragen entschieden? Über Umfragen? So einfach ist die Sache nicht. Aber "wie ist sie denn am Ende"?

Montag, 5. Juni 2017

Das Kanonen-Streiflicht

Die Süddeutsche geizt, ganz im Gegensatz zur ZEIT, mit Zugänglichkeit zum Archiv. Selbst Abonnenten können nur eine einzige Woche zurück, um etwas nachzulesen. Aus diesem Grund sei das großartige Streiflicht vom vergangenen Dienstag ganz hier festgehalten. Damit es nicht in der Vergänglichkeit untergeht wie in einem Hochmoor.

(SZ) So grausig Kriege sind, so friedlich, harmlos und heiter kann das Weiterleben ihres Instrumentariums im sogenannten übertragenen Sinn sein. Den Schaden, den die Kanonen in der Wirklichkeit anrichten, machen sie in der Metapher wieder gut, beispielsweise bei dem fantastischen Sportler, der als Sportskanone ins Feld zieht, bei dem Gaudiburschen, den jedermann als Stimmungskanone schätzt, oder bei dem Handelsvertreter, den sie in der Zentrale als Verkaufskanone führen. Kanonen gibt es weder im Krieg noch im Berufsleben wie Sand am Meer. Selbst große Firmen verfügen über nur wenige von ihnen, und wenn diese einmal in der Woche nach einem geheimen Plan einem Raum zustreben, der üblicherweise so verschlossen ist, wie ihre Mienen es jetzt sind, raunen die anderen, die Nicht-Kanonen, einander zu: „Treffen im War Room – wenn da mal nicht wieder lauter Unfug rauskommt!“ || Militärferne Menschen halten den War Room manchmal für so etwas wie das weiland Oberkommando des Heeres, für eine Art Feldherrnhügel unter Dach. Eine präzisere Vorstellung dieses Raums liefern die Cabinet War Rooms in der King Charles Street in London, die mittlerweile Churchill War Rooms heißen und für Touristen geöffnet sind. Von 1939 bis 1945 waren sie die geheime Kommandozentrale der britischen Kriegsführung, wobei es innerhalb dieser Geheimwelt etwas noch Geheimeres gab: die in einer vormaligen Besenkammer eingerichtete Telefonzelle, von der aus direkt und vermeintlich abhörsicher in die USA telefoniert werden konnte. Oberste Sicherheit bot die Tür zu besagter Zelle. Sie war wie eine Toilettentür gestaltet; Unbefugte wurden durch den Hinweis „engaged“ (besetzt) vom Zutritt abgehalten. || Das Ewigkeitswerk „Schwerter zu Pflugscharen“ ist von seiner Vollendung weiter entfernt als je. Da mag es als kleiner Erfolg gelten, dass wenigstens die War Rooms in Friedensräume verwandelt werden konnten. Projektmanagement-Handbücher arbeiten mit dem Begriff längst ungeniert, wenn auch nicht ganz ohne Selbstironie. Sie definieren den War Room als den Ort, an dem sich die besten Kräfte des Hauses zusammenfinden, um in komfortabler Abgeschiedenheit die Zukunft zu gestalten. Vor diesem Hintergrund klingt beunruhigend, dass sich nun ausgerechnet Donald Trump mit dem Gedanken trägt, im Weißen Haus einen War Room zu etablieren. Zwar geht es nur um eine Art Krisenzentrum, mit dem die wachsenden politischen und juristischen Herausforderungen bewältigt werden sollen und mit dem man den Enthüllungen im Zusammenhang mit Kontakten seines Wahlkampflagers zu Russland aggressiver entgegentreten will. Aber wenn einer wie Trump derlei plant, heißt es wachsam sein. Vielleicht wäre es gar nicht so dumm, den Eingang zu seinem War Room wie eine Toilettentür zu gestalten und auf Dauer-„Besetzt“ zu schalten.

"Attentäter von London identifiziert" ?

Ich weiß nicht, warum ich auf die Namen der London-Terroristen warte. Auf weitere Informationen. Es ist doch vorhersehbar: Sie werden Ahmed, Khaled und Mahir heißen -- oder so ähnlich -- und in London geboren sein. Die Eltern sind aus einem Maghreb-Staat eingewandert. (Alles Vourteile? Nun, warten wir es ab.)

Also, warum warte ich?

Die FAZ macht es am Morgen ganz elegant:

"Nach Terrorattacken | Polizei hat die Attentäter von London identifiziert | Nachdem der „Islamische Staat“ die Terrorattacken in London für sich reklamiert hat, hat die Polizei neue Festnahmen gemeldet. Theresa May ruft das britische Sicherheitskabinett zusammen."

Unten auf derselben FAZ-Seite steht dann unten:

"Die Terroristen konnten bisher noch nicht identifiziert werden, sagte die Chefin der Londoner Polizei, Cressida Dick am Sonntagmorgen."

Sonntag war gestern. Was nun? Später, bei anderen Zeitungen, wird dann klar, was Sache ist: Die Polizei weiß inzwischen, wer die drei sind, will aber aus ermittlungstaktischen Gründen die Namen noch nicht nennen.

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Heute, Di 8:15

Die britische Polizei hat die Identitäten von zwei der drei Londoner Attentäter bekannt gegeben. Bei einem der von der Polizei getöteten Verdächtigen handele es sich um den 27-jährigen Khuram Shazad Butt aus dem Londoner Stadtteil Barking. Der in den britischen Medien zuvor "Abs" genannte Mann stamme ursprünglich aus Pakistan, er sei verheiratet gewesen und habe Kinder gehabt. Der zweite Täter sei Rachid Redouane alias Rachid Elkhdar, den die Polizei nicht nur mit zwei verschiedenen Namen, sondern auch zwei Geburtsdaten und Nationalitäten benannte. Ob Redouane/Elkhdar nun 30 Jahre oder nur 25 Jahre alt war und aus Marokko oder aus Libyen stammte, ist noch ungeklärt. (spiegel.de)

Sonntag, 4. Juni 2017

Professor Hans Robert Jauß, SS

Ich habe nichts gegen Jauß, neben dem, dass ich ihn, wie Grass, Jens, Schneider-Schwerte und einigen mehr als Beispiel für die Martenstein-These vereinnahme. Diese Stelle ist dafür besonders passend:

"An der Universität Konstanz wird jetzt rückhaltlose Aufklärung betrieben. Das ist kein einfacher Akt, schließlich demontiert die Uni damit eine ihrer eigenen Leitfiguren. Die Debatte kam allerdings erst im letzten Jahr richtig in Gang, als das Theaterstück „Die Unerwünschten“ von Gerhard Zahner die mögliche Verwicklung von Jauß in Kriegsverbrechen thematisierte. Zuvor kursiterten lediglich Gerüchte. Das Stück Zahners wurde nach Medienberichten ausgerechnet im Auditorium Maximum der Universität Konstanz aufgeführt, jenem Hörsaal, in den Hans Robert Jauß jahrelang seine Vorlesungen hielt und Generationen von Studierenden in seinen Bann schlug. Das Gutachten Westermeiers beschreibt minutiös den Karriereweg des späteren Wissenschaftlers, die Stationen seiner militärischen Einsätze, seine Auszeichnungen mit militärischen Ehrenzeichen. Von all dem wollte Jauß später nichts mehr gewusst haben. Schon in eineinhalb Monaten soll in Konstanz die Debatte um den Fall weitergehen. | Der Osnabrücker Germanist Christoph König erinnert sich derweil an den Eindruck, den Jauß auf ihn machte, als er selbst noch ein Student der Germanistik war. „Ich habe Hans Robert Jauß selbst noch als Student bei einer Vorlesung in Innsbruck als kalt und von schneidiger Eleganz erlebt. Er verkörperte ein schneidiges Dandytum“, sagt König heute. Aus weitem Abstand scheint es so, als sei schon damals zu spüren gewesen, was es mit dem Leben und der Karriere des als Reformer gefeierten Jauß eigentlich auf sich hatte." (noz.de)

Freitag, 2. Juni 2017

'Got-Talent'-Aufnahmen

Wer hin und wieder die 'Got-Talent'-Aufnahmen anschaut, der muss erkennen, dass es einen Überschuss an Talenten gibt. So viele, die für einen Tag Stars sind und dann -- wieder gewöhnliche Menschen. Ein paar nur schaffen es, weiter im Gedächtnis zu bleiben, aber sie sind dann auch schon wieder, nun ja, keine "echten Stars". Keine, die selbstverständlich da sind.

Beispiel: "12-year old Beau Dermott blows Amanda away with her impressive cover of Defying Gravity from the musical Wicked with the Judge reaching for that all important Golden Buzzer!"




Die Schriftsteller und das Geld

Ich hätte wahrhaftig nicht gedacht, dass sich diese Frage, ins Wikipedia-Café geworfen, so auswächst. Aber nun -- will ich die Sache auch hier in aller Ausführlichkeit festhalten. Eh sie im Café-Archiv unsichtbar wird.

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Bücher / Belletristik: Wieviele Exemplare werden wirklich verkauft?

Solche Frage, wie die vorliegende, stelle ich hier nur, wenn ich über längere Zeit hin versucht habe, eine Antwort zu finden, sie aber nicht gefunden habe. -- Also, Buchhändler, Verlagsangestellte ("Pubhouseleaks" hier?), sonstige Insider:
Was die Anzahl der verkauften Bücher angeht, gibt es natürlich hin und wieder Antworten. Wenn die Bücher Hyperseller sind. Beispiel: Harry Potter.
Und es gibt Angaben zur Anzahl der Auflagen. Wobei da schon unklar ist, wie viele Exemplare 1 Auflage umfasst. 10. Aufl. = 500 verkaufte Bücher oder 5.000?
Aber wieviel verkauft wohl der durchaus bekannte, aber eben Normalo-Schriftsteller? (Ich weiß, das ist ein schwieriges Wort, das mit dem Normalo. Gemeint ist: zwischen Kleinschriftsteller, nur im Landkreis bekannt und Großschriftsteller mit Empfehlung der Schullektüre, mit entsprechhenden Auswirkungen auf den Verkauf ("Klassensatz").)
Weil diese Bücher gerade auf meinem Schreibtisch liegen, diese Beispiele:
Bodo Kirchhoff, Die Liebe in groben Zügen. Frankfurter Verlagsanstalt. 5. Aufl. 2013.
Stefan Chwin, Der goldene Pelikan. Hanser. Wohl 1. dt. Aufl. 2005.
Rainer Wochele, Der General und der Clown. Klöpfer & Meyer. 1. Aufl. 2008.
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Andere Beispiele, bei denen die Verkaufszahlen bekannt sind: natürlich willkommen!
Warum mich diese Frage interessiert? Weil ich viel übrig habe für eine positivistisch fundierte Literaturwissenschaft. (Fundiert, nicht ausschließlich positivistisch. So im Sinne von: "Erst kommt das Autoreneinkommen, dann kommt die Interpretation.") Da gehören solche Fragen, die meines Wissens in keinem literaturwissenschaftlichen Einführungskurs jemals gestellt werden, mit dazu. An diese Frage angeschlossen gibt es dann jede Menge andere. Beispielsweise: Hat sich der Buchverkauf, quantitativ, bedingt durch Internet, TV und andere Zeitfresser, eigentlich in den letzten 50 Jahren gravierend verändert? Oder: Wie viele der ge- / verkauften Bücher werden tatsächlich von wie vielen Personen zu wieviel Prozent gelesen? || 12:27, 31. Mai 2017

Auch wenn ich Deinen literaturwissenschaftlichen Ansatz nicht teile und um jeden Artikel in der Wikipedia froh bin, der mehr zu einem Werk zu sagen weiß als bloße Zahlen: Hier ist für einige ausgewählte Bücher eine ganz interessante tabellarische Gegenüberstellung der Startauflage, die ein Verlag für realistisch hält (und zu der im Erfolgsfall evtl. Nachauflagen sowie weitere Ausgaben - Taschenbuch, Hörbuch etc. - kämen) und der Entwicklung der Auflage durch eine Besprechung im literarischen Quartett. Ob die verkauften Bücher dann alle auch gelesen wurden, weiß aber vermutlich niemand. Gruß --Magiers 13:19, 31. Mai 2017

In alten Taschenbüchern waren die einzelnen Auflagen und ihre Zahl jeweils genannt. War damals ganz interessant zu sehen. --195.200.70.50 16:51, 31. Mai 2017

Stimmt, bei rororo-Taschenbüchern stand das früher manchmal drin. Ich hab sogar noch so eins: Sjöwall/Wahlöö: "Endstation für neun". Das sind die Großeltern der Schwedenkrimis und ihr Kommissar Beck geistert noch heute durch die Krimilandschaft, hat mit den damaligen Krimis allerdings nichts mehr zu tun. Für dieses Buch gewannen sie 1971 den Edgar Award, es war also zu erwarten, dass das ein Topseller wird.
1.-25. Tausend April 1971
26.-30. Tausend Mai 1973
31.-35. Tausend März 1974
36.-43. Tausend März 1975
44.-50. Tausend Februar 1976
51.-58. Tausend November 1976
59.-68. Tausend Juni 1977
69.-83. Tausend Dezember 1977
Anscheinend legte man damals lieber mehrmals Auflagen zu ca. 5.000 Exemplaren auf, als einmal eine große Menge zu drucken. Wahrscheinlich war das die Anzahl, die man in "einem Rutsch" bei allen Buchhändlern Deutschlands unterbringen konnte. Auch heute dürfte es noch eine Mindestanzahl bei Taschenbüchern geben, unter der sich ein Druck gar nicht lohnt. Bei gebundenen Werken dann natürlich entsprechend weniger.--Optimum 19:28, 31. Mai 2017

Ha, dazu sicher noch Zehntausende in der DDR, dort unter dem Titel "Der lachende Polizist", was dem schwedischen Originaltitel entspricht. Der ist doch gut: Was hat man wohl mit dem ulkigen "Endstation für neun" bezweckt? Wundere ich mich bei absurden Filmtitelübersetzungen auch immer; früher war's ja noch schlimmer als heute. --AMGA (d) 10:20, 1. Jun. 2017

In dem Krimi wird ein Bus führerlos mit neun Mordopfern an der Endhaltestelle gefunden, insofern ist "Endstation" eine Art Wortspiel. Der "lachende Polizist" wird dagegen nur in zwei kurzen Abschnitten erwähnt. Man wollte wohl lieber einen reißerischen Titel. Ist hier aber wohl OT. --Optimum 21:26, 1. Jun. 2017

Erst mal Dank für alle Hinweise und Infos. Dann @Magiers "Auch wenn ich Deinen literaturwissenschaftlichen Ansatz nicht teile ..." -- Also einen richtigen "Ansatz" würde ich das noch nicht nennen. Es hat mich halt immer gestört, dass die einfachen, aber eben auch wichtigen Fragen bei den Literaturwissenschaftlern ausgeklammert und von den Literatursoziologen auch immer wolkig abgehandelt werden. Dazu gehört auch, wie Literatur überhaupt zum Buch wird. Genauer: Studien zur Auswahl der Lektorate von Literaturverlagen. Dann eben die Verkaufszahlen. Die Querverbindungen zwischen Verlagen und Zeitungen. Usw. Aber bleiben wir erst mal bei dem hier. :-) || 15:55, 1. Jun. 2017

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Dass ich manchmal den Zeitgeist treffe, gleich an der nächsten Ecke -- nun gut. Heute habe ich ihn, was meine Frage da oben angeht, gleich zweimal getroffen, zum Frühstück! 1. Ein Interview mit Alina Bronsky, im Wirtschaftsteil der SZ, auf S. 22. (Im Moment sogar online!)

Was war bisher Ihr erfolgreichstes Buch? || Mein erfolgreichstes Hardcover ist das aktuelle "Baba Dunjas letzte Liebe", das fünf Wochen unter den ersten 20 war und fast ein Jahr unter den ersten 50. || Wie viele davon haben Sie verkauft? || 80 000. || Und "Scherbenpark", Ihr erstes Buch? || "Scherbenpark" kam als Hardcover nie auf die Liste. Aber es lief sehr schön als Taschenbuch. Ich habe neulich die 13. Taschenbuchauflage gesehen. Das ist ein seltenes Glück, dass es einfach kontinuierlich weitergelesen wird. Bis jetzt sind es auch an die 80 000. || Schauen Sie bei Amazon nach, wie sich Ihre Bücher verkaufen? || Ja, natürlich. Ich google bei neuen Büchern oft den Verkaufsrang, wie es die meisten Autoren tun. Der sagt allerdings wenig über die Stückzahlen aus. Dennoch habe ich mir damals bei "Scherbenpark" mit "Programmieren für Dummys" ein kleines Programm geschrieben. Das las dann stündlich den Rang bei Amazon aus und speicherte es in einer Liste. Es war noch in der Zeit, bevor die Smartphones aufkamen und man nicht ständig online gucken konnte.
2. Eine Rede, die Wolf Wondratschek an seinem alten Gymnasium gehalten hat. (Auch in der heutigen SZ, auf S. 12. Für E-Paper-Abos hier.) Hier erfährt man, dass der Schriftsteller aus der 2. Reihe gut lebt, wenn er geschäftstüchtig ist.

Wondratschek: Niemand konnte ahnen, wie viele Menschen die Gedichte, die ich schrieb, lesen wollten. Ich war, was meine Gedichte anging, ganz gegen meinen Willen zu einer Art Bestsellerautor geworden. Ich war - Gott sei's geklagt - in Mode. || SZ: Und deshalb ging dann hin und wieder das Telefon. || Ja, bitte? | Ein Redakteur eines Gourmet-Magazins hatte Fotos vor sich auf dem Tisch liegen, Fotos von einem berühmten Fotografen, die er unbedingt in seinem Heft haben wollte, aber er brauchte irgendwas, einen Text. Etwas über Spaghetti. | In meinem Kopf machte es klick! Das wird teuer, sagte ich. | Dachte ich mir, sagte er. | Wir einigten uns. | Ich wurde für eine Seite Text, die ich in einer Nacht raushaute, besser bezahlt als für ein Manuskript, auch wenn ich daran Tag und Nacht, und das zwei Jahre lang, geschuftet hätte. | Ein anderes Beispiel. Ein hohes Tier eines Autokonzerns wünscht sich einen Text als Vorwort für einen repräsentativen Bildband, der nur an wenige ausgesuchte Händler, das allerdings in aller Welt, abgegeben werden soll. Wenn einer so etwas schreiben kann, dann Sie, sagt er, was mich überrascht. Wäre der amtierende Bundespräsident, ein Weltmeister der Formel 1 oder ein PS-begeisterter Opernsänger nicht die bessere Wahl, wende ich ein. Wir haben uns gedacht, sagt er, dass ein Dichter, einer wie Sie, das machen sollte. | Das wird teuer, sage ich. | Kein Problem, sagt er. | Wir einigen uns.
So geht es noch eine ganze Weile weiter. Dann:

Damals gewöhnte ich mir an, mir alles in bar auszahlen zu lassen. Ich wollte den Dreck, den Geld für mich darstellt, sehen. Wie ein Arbeiter, der freitags seine Lohntüte kriegt, Geld sehen will. Es gibt eine Anekdote, die niemand für wahr hält, die es aber ist. Ich soll von meinem Verleger für ein Manuskript nicht Geld, sondern eine Kiste Gold verlangt haben. Stimmt, habe ich. Und warum eigentlich nicht? Gedichte mit Gold zu bezahlen erschien mir angemessener, zumindest poetischer als mit einem Bündel dreckiger Geldscheine.
Bleibt, rein sachlich, die Frage, wie das mit dem Baren so war und ist. Im Kuvert? Oder doch, sagen wir: extra nach Hamburg fahren, um das Geld abzuholen? Na gut, wahrscheinlich doch im gepolsterten Kuvert. || 08:23, 2. Jun. 2017

Donnerstag, 1. Juni 2017

68er-Feiern

Die ZEIT steigt in die 68-Feierlichkeiten ein.* Hier ein Ausschnitt:


Mai Bub, wos des no füe Zeiten waoarn!

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* 1968 | Ein Jahr hallt nach || 1968 prägt den deutschen Alltag bis heute. Besuche bei Menschen, die damals dabei waren – und jetzt manches besser wissen. | Von Stephan Lebert

Mittwoch, 31. Mai 2017

Die Moralisten

Wie oft ich mir schon diese Frage gestellt habe! Wer ist ein Moralist? Welche Handlungen und Eigenschaften machen einem Menschen zum Moralisten?

Heute gelesen:

 "... In der Familie [Proust] wurde offenbar kein Blatt vor den Mund genommen. Aus dem Nachwort erfahre ich, dass Proust-Kenner immer schon predigten, der Dichter sei ein großer Humorist. Dass er zu den französischen Moralisten gehört, leuchtet mir ein, denn diese heißen nicht Moralisten, weil sie Moral lehren, sondern weil sie die Sitten beobachten. Wer immer sich solche Beobachtungen leistet und dabei originell bleibt, kann gar nicht anders, als im Verhalten der Menschen die comédie humaine zu erkennen." (zeit.de)

Wir haben die Möglichkeiten, nach diesem Zitat: Moralisten =

* die, die Moral lehren
* die, die andere mit Blick auf deren moralisches oder eben: unmoralisches Verhalten beobachten

Es fehlt wohl:

* die, die selbst moralisch leben und öffentlich für ein moralisches Leben eintreten

Vielleicht noch ein paar andere Gruppen. Aber dass einen das bloße Beobachten + über die Beobachtungen auf diese oder jene Weise schreiben zum Moralisten macht, das leuchtet mir nun sowas von gar nicht ein! Das sind doch in der Regel Unmoral-Beobachter, oft sogar Unmoral-Voyeuristen!

So, und das nächste Mal frage ich, was wohl einen großen Humoristen ausmacht.

Dienstag, 30. Mai 2017

Die ZEIT macht nur vor dem Teufel halt?

(Man anhören, ansehen?)


Hallo Deutschland!

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BDLB #249 || Hier, Ende Kommentare 9 (von im Moment 62), mache ich mit dem Lesen Schluss. Und mein Schlussgedanke ist: Wenn diese Auseinandersetzungen hier eine kleine Vorausschau auf die Zukunft sind, dann sollte jeder froh sein, der über 50 -- was sag ich: über 70 ist. Die sozialen und ideologischen Auseinandersetzungen nehmen zu und werden härter. Und sie sind gekennzeichnet von einer gewissen Gnadenlosigkeit, die mit dem Wort Rechthaberei schon nicht mehr richtig bezeichnet ist.

Montag, 29. Mai 2017

Gutmenschen

Natürlich ist es beinahe vollkommmen sinnlos, auf den Kommentarseiten der Zeitungen etwas zu schreiben. Es entsteht da ein Kommentar-Chaos, das kaum einer liest und das vollkommen beliebig ist. Im Sinne des alten, ironischen "Gut, dass wir darüber gesprochen haben!" Auf der anderen Seite ist es so, dass manche Dinge, für einen selbst einmal festgehalten, ausgesprochen, doch vernünftig sind. Für einen selbst und die 10 Menschen, mit denen man ernsthaft-persönlich diskutiert. In diesem Sinne, mein heutiger ZEIT-Kommentar:

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"Eine junge Frau wollte wissen, wie man rechtfertigen könne, dass in diesem Jahr bereits über 1.500 Menschen auf ihrer Flucht aus Afrika im zentralen Mittelmeer ertrunken seien."

Ich sage das nicht zum ersten Mal: Es gäbe ein sehr einfaches Mittel, um zu verhindern, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken. Die EU, ersatzweise Deutschland allein, müssten Fähren nach Nordafrika schicken und die Menschen rüberfahren nach Europa. Das könnte gegenüber der Schleuser-Entlohnung zu einem günstigen und dabei kostendeckenden Fahrpreis gemacht werden. Damit wären auch die so oft angeklagten Schleuser mit einem Schlag aus dem Spiel.

Warum geschieht das nicht? Warum werden von den Politikern, auch von der Kanzlerin, weiter die Schleuser vorgeschoben? Weil niemand weiß, wie Europa mit 1, 10, 40 Mio. Afrikanern umgehen kann, die dann vielleicht kommen.

Das Problem, das mit dem -- wirklich nicht schönen und langsam verbrauchten -- Wort "Gutmenschen" aufgezeigt werden soll, das ist: dass dies Menschen sind, die nicht in großen Zusammenhängen und in längeren Fristen denken wollen, vielleicht auch nicht denken können. Natürlich ist es gut, einzelnen Menschen in Not zu helfen. Wenn aber die Hilfe für Millionen auf längere Frist die Zielländer der Migration politisch und wirtschaftlich vollkommen destabilisiert und am Ende selbst zu "Problemländern" werden lässt, dann müssen immer die vielgescholtenen Realpolitiker ran, auf die die Gutmenschen dann mit den Finger zeigen können.

Samstag, 27. Mai 2017

"Im Verhör schilderte...

... der Angeklagte seine Vita. Demnach zählte sein Vater zu den größten Kakaoproduzenten Ghanas. Dessen erste Frau habe neun Töchter geboren, aber keinen Sohn. Also habe sein Vater mit einer Zweitfrau einen männlichen Nachkommen gezeugt: Eric. Nach dem Tod seines Erzeugers hätten Erbstreitigkeiten zum Kampf mit seinem Schwager geführt. Mit einem Knüppel habe er ihn erschlagen, gab der Angeklagte zu Protokoll. Vor der Rache seiner Stiefschwestern sei er über Libyen nach Italien geflohen. Neun Monate habe er im Flüchtlingslager verbracht. Am 10. Februar landete er in einer Aufnahmeeinrichtung in Frankfurt/Main. | Von da aus ging es nach Sankt Augustin. Gut einen Monat später lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seinen Asylantrag ab, weil er schon in Italien um Aufnahme gebeten hatte. Seit jenem 17. März hätte Eric X. abgeschoben werden können. Doch der Angeklagte schaltete einen Anwalt ein, der gegen den Bescheid vor dem Verwaltungsgericht klagte. Die Richter sahen sich außer Stande, zeitnah zu entscheiden." (general-anzeiger-bonn.de)

Eine Menge auf einmal. Vorher in dem Zeitungsartikel: dass eine Polizistin am Telefon geglaubt hat, der Anrufer, der Freund der Vergewaltigten, mache einen "Scherz".

Und der Rechtsstaat zerfällt, weil er ein Rechtsstaat ist. Er wird durach seine eigenen Maßstäbe zerstört.  Wenn Berufungen vorgesehen sind und zugelassen werden, wenn es extrem viele Prozesse und Berufungen werden, wenn dann nicht mehr 'zeitnah' entschieden werden kann, wenn dann freigelassen werden muss, weil eine andere Bestimmung das 'zeitnah' verlangt, dann geht am Ende nichts mehr.

Freitag, 26. Mai 2017

So, und jetzt ...

... machen wir einen noch weltberühmter als er eh schon ist. 

Ladies and Gentlemen!

We proudly present to you: 

Juergen ...

Teller!

"... in der Servicehölle von O2"

Es geht also nicht nur mir so? 

MOBILFUNKANBIETER | Willkommen in der Servicehölle von O2 || Von Johannes Wiedemann || Lesedauer: 6 MinutenWELT-Politikredakteur Johannes Wiedemann hat einen privaten O2-Handyvertrag. Früher war er von der Qualität des Kundenservice angetan – inzwischen hat sich das ins Gegenteil verkehrt || Unser Autor ist Privatkunde bei O2. Über Monate hinweg lieferte er sich mit dem Mobilfunkanbieter einen Streit über rund 200 Euro. Die wurden ihm für einen fiktiven Handytarif-Wechsel abgezwungen. Eine Abrechnung. || Mein Abstieg in die Servicehölle von O2 begann mit einer E-Mail: Ich hätte mich für einen Handy-„Tarif für junge Leute“ entschieden. Dafür solle ich einen Alters- oder Ausbildungsnachweis einreichen, forderte der Mobilfunkanbieter im Januar. Das war insofern seltsam, als ich in keinen solchen Tarif gewechselt war. Und auch seit vielen Jahren zu alt dafür bin: Besagte Option steht laut Unternehmens-Website Leuten unter 26 Jahren offen. Da ich seit 2008 meinen privaten Handyvertrag bei O2 habe, sollte bekannt sein, dass ich längst in meinen 30ern angekommen bin. Sollte. | Da aber in der Mail bereits ominös mit dem Wegfall von „exklusiven Tarif-Vorteilen“ gedroht wurde, wandte ich mich an den Kundenservice. O2-Kunden wissen: Telefonisch ist bei diesem sogenannten Telefonanbieter seit Monaten in der Regel niemand zu erreichen; wer mehr als eine Stunde gewartet hat, wird weggedrückt. Gäbe es einen Soundtrack zu meinen Albträumen, es wäre die Hotline-Musik von O2: sphärisch anmutender Chillout-Electro, der es aufgrund der Wartezeiten nie verfehlt, Aggressionen beim Anrufenden freizusetzen. (welt.de)

Ich habe jahrelang für eine Nummer bezahlt, die nachweislich nicht geschaltet war. Rückerstattung? Chancenlos! Die Überlegung ist klar. Geschäftsleitung an Sachbearbeiter: "Werden solche Leute wegen diesem Betrag vor Gericht ziehen? Doch wohl nicht!" Pech nur, wenn man dann mal an einen Journalisten gerät, der das ganze ins Blatt bringen kann.

Mein zusätzliches Pech ist: dass auch 1&1 sich so benimmt. Und Vodafone United, das auch Kabel Deutschland gefressen hat.

Donnerstag, 25. Mai 2017

""Ich verweigere jede Art von Verständnis ..."


"Ich verweigere jede Art von Verständnis für diese Art von Kultur. Ich will sie auch nicht importieren. Ich will keine Debatten führen über Kopftücher im öffentlichen Dienst, über Schwimmunterricht für Mädchen, über Männer, die Frauen keine Hand geben wollen, über Schweinefleisch in Kantinen und „kultursensible Pflege“ in Krankenhäusern. Und auch nicht darüber, wie viel Islam im Islamismus steckt. Ich will auch nicht genötigt werden, mich mit dem Koran zu beschäftigen, weder von weiß gewandeten Salafisten in der Wilmersdorfer Straße noch von Ihnen. Bleiben Sie bei Ihrer Wertschätzung für das „klassische islamische Recht“, das offenbar von den Kolonialherren versaut wurde. Und sobald Sie den Islam gefunden haben, der mit Demokratie kompatibel ist, sagen Sie mir bitte Bescheid."

Global Warming

Was man dem Herrn Schulz nicht alles voranstellen kann!

"Es gibt The­sen, die selbst dann über­le­ben, wenn kei­ne Be­wei­se für sie auf­ge­trie­ben wer­den konn­ten. Oder ge­nü­gend Be­le­ge ge­fun­den wur­den, um sie zu wi­der­le­gen. Die The­se, wo­nach der Kli­ma­wan­del nicht von Men­schen ge­macht sei, ist solch ein Fall. Die ori­gi­nel­le Be­haup­tung, wo­nach es Bie­le­feld gar nicht gebe, hält sich eben­falls hart­nä­ckig. Hin­ter fal­schen The­sen ste­cken im­mer hand­fes­te In­ter­es­sen. Sie sind nicht tot­zu­krie­gen, weil man­che Men­schen im Schat­ten von Wind­rä­dern le­ben und eine ak­ti­ve Kli­ma­schutz­po­li­tik als per­sön­li­chen Nach­teil emp­fin­den. Oder weil sie ganz ein­fach ei­nen tie­ri­schen Hals auf Bie­le­feld ha­ben." 

(MAR­KUS FEL­DEN­KIR­CHEN: DER GE­SUN­DE MEN­SCHEN­VER­STAND. Der Anti-Schulz-Hype. SPIEGEL 21 / 2017 -- Vielleicht ohne Abo nicht abrufbar.)

Aber zu der Sache hier: "Hin­ter fal­schen The­sen ste­cken im­mer hand­fes­te In­ter­es­sen." Interessen, irgendwelche? Ja. Einen Jux will er sich im Zweifelsfall machen mit dem Nicht-Bielefeld. Aber handfeste, ernsthafte Interessen? Wirklich immer? Nicht vergessen: Manchmal geht es einfach auch um wissenschaftliche Klarheit. Wenn ein Nobelpreisträger beispielsweise den menschengemachten Klimawandel sonor in Frage stellt.

Nun gut, da hat der SPIEGEL natürlich auch gleich eine Meinung: Der Mann befindet sich auf Abwegen. Nur -- das ist eine Meinung und wissenschaftlich gedacht ist das nicht. Der Mann weiß ja, wovon er redet. Man muss mal zuhören! (Nein, ich stimme Ivar Giaever nicht zu. Aber das mache ich als politischer Mensch mit einer Meinung, nicht als Wissenschaftler.)

Hat Ge­schlecht "et­was mit Bio­lo­gie zu tun"?

"Die St. Pau­l's Girl­s' School, eine bri­ti­sche Pri­vat­schu­le, er­laubt ih­ren Schü­le­rin­nen jetzt, Jun­gen­klei­dung zu tra­gen und sich mit Jun­gen­na­men an­spre­chen zu las­sen. Die Schul­lei­te­rin be­grün­det dies laut „FAZ“ da­mit, dass wir uns „auf ei­nen Punkt zu­be­we­gen, an dem das Ge­schlecht eine Fra­ge der Wahl ist“. Das ist in Zei­ten, in de­nen noch im­mer vie­le Men­schen glau­ben, Ge­schlecht habe et­was mit Bio­lo­gie zu tun, eine er­freu­li­che Hal­tung."

SO GE­SE­HEN. End­lich Wahl­frei­heit. Warum wir uns unser Geschlecht nicht vorschreiben lassen sollten von Clara Neukirch. SPIEGEL 21 / 2017.

Sagen wir mal so: Wenn die Mädels das lustig finden, dann -- nur zu. Nur als irgendwie fortschrittlich und verbunden mit einem 'endlich' sollte man solchen Klimbim nicht verkaufen. Wer mag, kann männlich / weiblich gerne mit den Mondphasen wechseln lassen und sein Geschlecht esoterisch verorten. Er sollte das nur möglichst in einem abgeschlossenen Terrain tun und anderen -- auch den SPIEGEL-Lesern -- damit nicht auf die Nerven gehen. Sonst könnte es sein, dass es demnächst eine Menge ehemaliger SPIEGEL-Abonnenten gibt.

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Ja, aber -- doch nur triefende Ironie? Von wegen: der Ralf? Ach -- so! Der Schlawiner aber auch!

"Bei mei­ner letz­ten Kan­di­da­tur muss­te ich ei­ner lie­ben Kol­le­gin den Vor­tritt las­sen, weil sonst das Min­der­hei­ten­quo­rum nicht er­füllt ge­we­sen wäre. Aber das kann nur ein An­fang sein. Wenn ich mein Ge­schlecht frei wäh­len könn­te, dürf­te ich die Da­men­toi­let­ten im Fuß­ball­sta­di­on be­nut­zen, was eine gro­ße Er­leich­te­rung wäre. Au­ßer­dem wür­de mei­ne Le­bens­er­war­tung stei­gen. Und ich wüss­te end­lich, war­um ich nach 15 Jah­ren Ar­beit für mein Ma­ga­zin im­mer noch nicht Chef­re­dak­teur bin: die glä­ser­ne De­cke, Sie wis­sen schon. Mit mei­nem Na­men bin ich oh­ne­hin un­zu­frie­den. Ich fin­de Cla­ra schö­ner als Ralf. Nur Mi­ni­rock wür­de ich nicht tra­gen, auch wenn ich es dürf­te. Ich habe ein­fach nicht die Bei­ne da­für."

Mittwoch, 24. Mai 2017

Nachhilfe: "Der erotische Wiedereinstieg"

Hand aufs Herz, Frau Expertin. Meinen Sie das wirklich ernst?

Kann man Sex verlernen? || KEINE LUST AUF SEX? | So gelingt der erotische Wiedereinstieg | Manchen Langzeit-Singles haben oft Angst, in Sachen Matratzensport nicht mehr gut zu sein. Tipps für erotische Wiedereinsteiger

Ich dachte schon, ich würde die Seite nicht mehr finden. Aber -- natürlich BILD! Und, ja, 'Matrazensport'. Ich glaube, die Welt, die WELT und die BILD -- ist da überhaupt ein Unterschied? -- tickt einfach nicht richtig.

Politisches Argumentieren und die Emotionen

Mein Gott, lange her! Und heute wieder aktuell. Also hierherkopiert.

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16.02.2006 um 09:39 Uhr

In der ZEIT von heute (16. Februar 2006, S. 15ff.) ein Dossier über Musliminnen in Saudi-Arabien. Die inhalte so bizarr wie interessant. Auf der Leserbriefseite (S. 20) dann, neben anderem, Stellungnahmen zu verschiedenen Islam-Artikeln in zurückliegenden ZEIT-Ausgaben. In dem vieltönenden Chor, dissonant, am Ende nur eins: Jeder hat so seine Meinung, die auf Gefühlen aufruht. Darüber wird dann eine Konstruktion aus Sätzen errichtet, die Argumentation ergeben soll. Dabei ist Argumentieren sinnlos, wenn es keine verbindlichen und anerkannten -- nein, nicht: wenn es keine Regeln, Normen, Werte gibt. Sagen wir ruhig mal, mathematik-angelehnt: wenn es keine anerkannten Axiome gibt.

Viel gewonnen ist schon, wenn man sich seiner eigenen Gefühle versichert. Wie sehr mag ich die Muslime? Wen mag ich überhaupt? Welche Eigenschaften sind für meine Sympathien und Antipathien verantwortlich.

Und: das ganze Gerede aus der Multikulti- und Political-Correctness-Ecke, was kann ich damit anfangen?

Ich lege also einmal Rechenschaft ab:

1. Hinweise auf die Geschichte. Was die Europäer den Entwicklungsländern angetan haben und daß die deshalb verständlicherweise so sind und so regieren wie sie sind und wie sie reagieren. Die Palästinenser ohnehin. -- Mein Gefühl sagt mir: Wenn in Deutschland die Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg in Zeltstädten an der Ostgrenze untergebracht worden wären, hätten wir dort heute in Abständen immer wieder mal eine veritable Intifada gegen die Polen und die Tschechen.

Oder anders: Wo ist die Grenze des zeitlichen Bezugs? Haben die Israelis nicht das Recht auf Palästina, weil sie dort vor den Palästinensern waren, und müßten die Israelis nicht die Italiener als Rechtsnachfolger der Römer, also wegen der Sache mit Titus 70 n. Chr., vor den Gerichtshof in den Haag bringen?

Das ist keine Gedanken-Karikatur, sondern es soll die Feststellung vorbereiten: Die Geschichte kann nicht ewig und für alles herhalten. Natürlich ist der Geschichtsbezug eine kaum wegzudrückende Instinktsache, wenn es um Gerechtigkeit geht. Wir müssen uns aber Gedanken über die dahinterstehenden Grundsätze und Grenzziehungen machen.

2. Nicht alle Muslime sind so. Ja, natürlich nicht. Aber das menschliche Gehirn ist auf Stereotypisierung und Vereinheitlichung angelegt. Da kann man wenig machen. Oder mal bildhaft gesagt: Wenn sich herausstellen würde, daß 90% der Attentäter der vergangenen 20 Jahre zur Gruppe der -- im Wortsinn jetzt -- blauäugigen Menschen gehören, dann würden die Blauäugigen unter Generalverdacht geraten. Auch wenn vollkommen klar und jederzeit unbestritten ist, daß a) 10% der Bombenbastler nicht blauäugig waren und daß b) 99,95% der Blauäugigen mit den Attentaten nichts zu tun hatten. So ist das nun mal mit dem menschlichen Bewußtsein und den darin enthaltenen Verallgemeinerungstendenzen.

3. Gekaufte Fähigkeiten. Die Entführer im Irak filmen ihre Opfer mit Camcordern, die aus Japan stammen, und kurven mit Autos aus Europa und Japan herum. Das Problem, das kaum jemals ausgesprochen wird (außer von H. M. Enzensberger im SPIEGEL, mit etwas taumelnden Sätzen): daß die Muslime im Nahen Osten von dem leben, was sie auf der Welt einkaufen, ohne selbst etwas Technisches, Wissenschaftliches, Innovatives hervorzubringen. (Selbstverständlich haben sie hervorragende Einzelwissenschaftler und wahrscheinlich auch hervorragende Automechaniker. Aber sie haben keine politische Kultur, um ein Autowerk mit innovativen Automodellen aufzubauen. An Geld würde es ja wahrhaftig nicht fehlen.) Würden die Muslime des Nahen Ostens als Amish -- nein, als Muslim People die Scharia nehmen und sich abschotten -- sie wären ein wohlgelittenes Großkuriosum in der Welt. Das Problem entsteht, weil da Menschen in der Moderne anerkannt sein und mitreden und mitspielen wollen, ohne die Regeln der Moderne anzuerkennen. Und ohne Leistungen zu erbringen, die sie als Mitglieder der Moderne ausweisen.

Vision of Humanity

In der ZEIT verlinkt jemand auf eine Seite, die Fakten zum Terrorismus bringt. Bemerkenswerte Datensammlung!


Montag, 22. Mai 2017

Chinesinnen heute

Auf der ZEIT-Seite ein Video: Junge Chinesinnen benutzen Apps, um ihre Selfies aufzuhübschen und finden das vollkommen normal. 

"Selfie | Digital aufgehübscht in China | In China boomen Smartphone-Apps, die Selbstporträts mit wenigen Klicks aufhübschen. Besonders junge Frauen teilen in den sozialen Netzwerken mit Vorliebe eine "verschönerte" Version ihrer selbst."

Ich erinnere mich auf einmal an einen leicht grausamen TV-Beitrag, schon ein paar Jahre her. Damals ging es vor allem um längere Beine bei Frauen. Vielleicht geht ea aber auch oft nur um Körpergröße. 

Natürlich steht dazu auch was im Netz:

GESUNDHEIT CHINA | Mit der Knochensäge zu mehr Körpergröße | Von Pascale Trouillaud | Veröffentlicht am 26.04.2010 |  | Operative Beinverlängerung in China: In vier Monaten um acht Zentimeter wachsen Operative Beinverlängerung in China: In vier Monaten um acht Zentimeter wachsen | Der Leidensdruck muss enorm sein – sonst würden sich Menschen einer solchen Prozedur sicherlich nicht unterziehen. In China lassen sich immer mehr kleingewachsene Menschen mit Säge und Schraubenzieher die Beinknochen strecken. Der Lohn: sechs bis acht Zentimeter mehr Körpergröße.

Über politische Fähigkeiten

Es gilt nicht nur:

A: "Der Klügere gibt nach!"
B: "Ja, deshalb sind überall die Idioten an der Macht."

Es gilt auch:

A: "Phantasie zu haben -- sich in andere hineinversetzen können, das ist eine große Fähigkeit!"
B: "Aber sich nicht in andere hineinversetzen können, das verleiht politische Durchschlagskraft! Andere aggressiv anfunkeln und für verrückt zu erklären, das muss der Politiker beherrschen."

Die Macrons

Unter den Entwürfen dieses Blogs findet sich das:

Warum die Macrons ein so ungewöhnliches Paar sind | Emmanuel und seine Lehrerin | Von Thomas Ley |  20.04.2017 | Die romantischste Affäre des französischen Wahlkampfs spielte sich vor 23 Jahren ab: Emmanuel Macron, damals 16, verliebte sich in seine 24 Jahre ältere Lehrerin Brigitte Trogneux. Heute haben die beiden gute Chancen, das ungewöhnlichste Paar im Elyséepalast zu werden. [...] Kann diese Liebe echt sein? | Es ist nicht schwer, derlei Zweifel anzufachen. Gerade wenn man, wie Russlands Wladimir Putin, eine weitere Präsidentschaftswahl im Westen mit Gerüchten beeinflussen will. Vor zwei Monaten deuteten russische Zeitungen prompt an, Emmanuel Macron sei schwul – und die Ehe nur Fassade. | Macron reagierte mit eher unbeholfenem Humor: Ein Doppelleben sei doch zu schwierig für ihn – schliesslich sei seine Frau dauernd neben ihm. Damit wird er die Gerüchte kaum zum Verschwinden bringen. Umso mehr, als Julian Assange, Chef des Kreml-treuen Enthüllungs-Portals Wikileaks, «brisante Informationen» ankündigte. (blick.ch)

Schnee von gestern. (Wie heißt es irgendwo: Der Schnee von gestern ist der Paris Match von heute. (Neues aus Kalau!))

Sonst sind sich doch immer alle einig, dass solche Dinge zum Privaten gehören. Aber am Ende natürlich -- was sind schon die Normen, wenn es um Politik geht!

Eduard Wirths

Funde, allesamt für die Martenstein-These:

Eduard Wirths (* 4. September 1909 in Geroldshausen bei Würzburg; † 20. September 1945 im Internierungslager Staumühle) war ein deutscher SS-Standortarzt in Auschwitz. || Wirths, der aus einer betuchten Unternehmerfamilie stammte, begann 1930 ein Medizinstudium an der Universität Würzburg, das er 1935 abschloss. Mit der 1936 erschienenen Dissertation Der heutige Stand der Pseudarthrosen promovierte er zum Dr. med. Wirths heiratete 1936 eine Kommilitonin, das Paar bekam vier Kinder. Im Mai 1933 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 3.139.549) und der SA. Wirths wechselte Anfang Oktober 1934 von der SA zur SS (SS-Nr. 311.594). Während seines medizinischen Praktikums war er ab 1936 im Thüringer Landesamt für Rassewesen tätig. Von Dezember 1936 bis März 1937 arbeitete Wirths im Gesundheitsamt in Sonneberg und wechselte danach als Assistent zur Universitätsfrauenklinik in Jena, wo er bis September 1938 beschäftigt war. Danach wurde er Landarzt in Merchingen, nachdem sein Onkel aus der Praxis ausgeschieden war. 1940 arbeitete er bei der Reichsärztekammer. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gehörte Wirths ab Anfang Mai 1940 einer Sanitätsersatzkompanie der Waffen-SS an. Von Ende Juli 1940 bis Anfang Februar 1941 war Wirths bei der Sanitäts-Inspektion der Waffen-SS tätig und danach bei der 6. SS-Gebirgs-Division „Nord“ eingesetzt. (Wikipedia)

Donnerstag, 18. Mai 2017

"The Donald without comb"

Ich wusste doch, dass ich den Typ schon mal gesehen habe! Ja, das ist er, "The Donald without comb". Ja, Donald ohne Kamm!

Brexit | Boris Johnson: Brüssel soll Rechnung für EU-Austritt zahlen | Die Europäische Union wolle sein Land ausbluten, sagt der britische Außenminister Boris Johnson. Von möglichen Brexit-Rechnungen für Großbritannien hält er nichts – im Gegenteil. | 13.05.2017 (faz.net)

"Wir können auch anders!"

Von der SPIEGEL-Seite rübergeholt:

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Ich versuch es noch mal:

"Türkischer Minister zum Streit um Incirlik: 'Wenn die Deutschen gehen wollen, ist das ihre Sache'".

Wenn das jetzt die nächste Drehung in der T-D-Beziehungsverschlechterungsschraube bringt? Außenamt: "Wenn die Ditib-Imame gehen wollen, ist das ihre Sache."

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/imam-ausbildung-in-deutschland-14329287.html

Und das alles unter NATO-Verbündeten?

[(Sollten Diskussionen geschlossen sein, dann wäre es gut, wenn das klar wäre, bevor man losschreibt.) Das, weil ich das chon mal geschrieben hatte und dann kam die Meldung, dass die Diskussion beendet sei.]

"Moderne Vorbilder": Marianne

Auch das halten wir fest:

Der Verein der Bürgermeister von Frankreich (AMF) wählt regelmäßig bekannte Französinnen aus, die für die Marianne Model stehen dürfen. Schließlich stehen die Büsten später in ihren Rathäusern. Brigitte Bardot war 1970 die erste prominente Schauspielerin, gefolgt von Mireille Mathieu, Catherine Deneuve, den Mannequins Inès de la Fressange und Laetitia Casta sowie Sophie Marceau. 2013 soll eine ukrainische Femen-Aktivistin für eine Marianne-Briefmarke Patin gestanden haben, was landesweite Diskussionen auslöste. Das Nationalsymbol weckt also noch heute Emotionen. (xn--franzsisch-icb.com)


Dienstag, 16. Mai 2017

Rechtschreibung 'schiefgehen'

Zu meiner Überraschung will der Duden schiefgehen, nicht schief gehen. (Letzteres natürlich: Vor Schmerzen konnte er nur noch schief gehen. Na gut, stilistisch nicht sonderlich elegant.)

Und natürlich lache ich mich auf ewig kaputt angesichts der Tatsache, dass die Rechschreibreform mal was vereinfachen wollte.

AfD vs. LKR

Das nehme ich von den ZEIT-Kommentaren doch noch schnell mit rüber, bevor es in den Archiven versinkt:

BDLB
Die Rechnung ist ziemlich einfach, glaube ich: Die drei Themen "Zu viele Flüchtlinge", "Islam und Parallelgesellschaften" und "Europa- und Europrobleme" würden die AfD zweistellig machen. Aber nicht, wenn sie Nazi-Romantiker in ihren Reihen hält und andauernd innerparteiliche kleine Schlachtfeste mit Intrigen jeglicher Art veranstaltet.

U. Witt #121.1
Wieso hat dann Luckes neue Partei keine zweistelligen Ergebnisse?

Antwort auf #121 von BDLB
Nun ja, ich glaube, weil bei Lucke nur das letzte Themengebiet wirklich auf der Agenda steht. Genauer: Im Parteiprogramm* gibt es natürlich migrations- und islamkritische Töne; in der öffentlichen Darstellung, soweit es die überhaupt noch gibt, sind die aber nicht zu sehen.


Und die Umbenennung von "Alfa" zu "Liberal-Konservative Reformer" (*schnarch*) zeugt ja auch nicht gerade von Professionalität. Ich meine, wenn jemand eine Partei gründet, dann sollte er sich doch vorab informieren, ob der vorgesehene Name nicht anderweitig schon vergeben ist.
Antwort auf #121.1 von U. Witt

Donnerstag, 11. Mai 2017

Geigen 2: Dieses Thema ...

... interessiert mich schon seit ewigen Zeiten! Also nicht nur bei den Geigen, aber auch bei denen. Mein gegenwärtiger Kenntnisstand: Es gibt Menschen, die alles tun, damit man ihren Vorurteilen nicht zu nahe kommen kann. Schlicht gesagt: Ausreden -- Darumsaiten müssten es sein auf der Stradivari, usw. -- finden sich immer. 

Der gute alte Ephraim Kishon, Gott hab ihn selig, hat das ganze ja für die moderne Kunst durchgespielt. Wer kann da direkt vor dem Kunstwerk stehend und ohne einen Einflüsterer nebens ich Wertvolles von Stümperhaftem und Beliebigen trennen? Man lese: "Picasso war kein Scharlatan" und "Picassos süße Rache"!

Ach, was wünsche ich mir eine Rubrik in der ZEIT zu diesem Themengebiet! Gute Weine? Heute das "Streiflicht" der SZ zu unserem Thema hier. Lesen! 

Einleitend in der SZ: 

Vor einigen Jahren hatte Robert Hodgson, emeritierter Professor in diesem Fach [Statistik / Weinkenner], die Idee, die Weintester zu testen. Bei Nordamerikas ältestem Weinwettbewerb, dem California State Fair, jubelte er den Prüfern dreimal zu verschiedenen Zeitpunkten den gleichen Wein unter, und es kam, wie es Skeptiker hätten vorhersagen können: Die professionellen Weinnasen merkten nicht nur nicht, dass nichts Neues in den Gläsern war, sondern bewerteten das immer Gleiche auch sehr unterschiedlich.*

So nebenbei finde ich heraus, dass diese Sache mit den Geigen in der ZEIT schon im Jahr 2012 angemerkt wurde.

(Ich glaube, ich habe eben an völlig falscher Stelle im SPIEGEL das hier posten wollen! Ich bin beschämt!)

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* Noch ein Fund zu Hodgson:

Retired statistics professor Robert Hodgson has owned Fieldbrook Winery in northern California for 35 years. Several years ago he released a study which showed that wine judges at the California State Fair gave dramatically different scores to the same wine when tasting it blind on two different occasions. The study has popped back into the mainstream media this year, cited as proof that wine tasting is "junk science" or "bullshit." W. Blake Gray asked Hodgson what the study really means. ... (wine-searcher.com)

"Mein Leben als Luftballon" (Literarische Skizze)


"Er hatte eben eine E-Mail an einen ihm unbekannten Forscher geschrieben, und er dachte jetzt über die Gepflogenheiten nach, die galten, wenn man sich auf diese Weise unbekannten Kollegen näherte. Er sagte sich auch gleich, dass das, was ihm da soeben als Bild aufgegangen war, für alle Kontakte galt. Man näherte sich dem anderen wie einem Luftballon. Also extrem vorsichtig. Warum war das so? Es entstand doch kein Schaden, wenn sich Luftballons zu nahe kamen, gar aneinanderstießen. Sie prallten voneinander ab, ohne Schaden zu nehmen. Was war da also los?

Nun, sagte er sich, die Ballons hatten Angst, dass der andere Ballon, aus welchen Gründen auch immer, eine Nadel an seinem Äußeren eingearbeitet hatte. Er kam näher, und wenn man die Nadel sah, war es schon zu spät: Peng! Und das wissenschaftliche Leben, die eigene Reputation war dahin. 

Also signalisierte man dem anderen: Ich werde dir nicht zu nahe kommen! Keine Angst. Selbst wenn ich eine Nadel an meiner Außenseite trage, ich werde dich nicht in Gefahr bringen. Und der angenehme Effekt für mich ist auch -- Du wirst mich nicht in Gefahr bringen können. 

Und wenn uns andere, die dieses Spiel nicht kennen, als aufgeblasen bezeichnen? Sollen sie ruhig. Sie gehören ja nicht zu uns." (BDLB)

Dienstag, 9. Mai 2017

Geigen: "Test im Konzertsaal"

Na endlich mal! Ein Test, ob der Hype um die sagenhaft teuren alten Geigen gerechtfertigt ist. Das Mittel ist einfach und wohlbekannt: ein Doppelblindtest.

Klangforscherin Fritz wollte diesmal wissen, ob das Urteil über Stradivaris im Konzertsaal anders ausfällt. Denn viele Violinisten seien überzeugt, dass Stradivaris in der Konzerthalle einen besseren Klang erzeugen als moderne Geigen, auch wenn sie direkt am Ohr leiser klingen, schreiben die Wissenschaftler. | Sie luden ein fachkundiges Publikum - Geigenbauer und -spieler, Musiker, Musikkritiker, Komponisten und Akustiker - in eine Konzerthalle in Paris ein, die für ihren guten Klang bekannt ist. Renommierte Solo-Violinisten spielten den 55 Zuhörern mit verbundenen Augen nacheinander jeweils auf einer neuen Geige und einer Stradivari. Für das Publikum war der Blick auf das Instrument durch einen Schirm verdeckt. (spiegel.de)

Und siehe da:

Das Ergebnis: Violinisten wie Publikum irrten so häufig bei der Einschätzung, ob es sich um ein neues oder ein altes Instrument handelt, dass die Trefferquote letztlich der Zufallsverteilung entsprach. Außerdem bescheinigten sie den neueren Geigen überwiegend eine bessere Klangausbreitung und größere Lautstärke. Am ehesten neigten noch die Violinisten, die selbst ein altes Instrument spielen, zu den Stradivaris. Für die Beurteilung war es dabei unerheblich, ob die Geiger solo oder mit Orchester spielten.

Jetzt machen wir das Ganze auch noch mit den billigen und teuren Bildern von Künstlern, mit Rot- und mit Weißweinen. Und dann kommen wir auch noch auf andere Dinge, denen die traditionellen Irrationalitäten ausgetrieben werden müssen.

Sonntag, 7. Mai 2017

"Sei­nen Wäh­lern ver­spricht er ...

... das Blaue vom Him­mel"

Der SPIEGEL 18 / 2107, also der mit dem Titelbild zum Abitur-Glücksspiel, wird etwas unsicher, wenn es um Südafrika geht:

"SÜD­AFRI­KA | Der rote Teufel vom Kap | Seit Wochen protestieren Tausende gegen Staatschef Zuma, fordern seinen Rücktritt. Der ehemalige Jugendchef der Regierungspartei hat sich an die Spitze der Bewegung gesetzt."

Der große oppositionelle 'Jugendchef' präsentiert sich vor sehr weinrotem Hintergrund mit gleichfarbener Lederjacke, großer Sonnenbrille, und weinrotem Barett. Er wirkt wie der Anführer einer schrägen Jugendgang.* Aber: Er wirft Zuma Korruption vor und will alles besser machen. Wie? Da kommt dann auch der SPIEGEL ins Sinnieren:

„Juju“, wie ihn das Volk nennt, der Mann, der sich als wah­rer Nach­fol­ger des ver­stor­be­nen Na­tio­nal­hel­den Nel­son Man­de­la sieht, ver­kün­det land­auf, land­ab ein schlich­tes Cre­do: Die Bon­zen der Re­gie­rung ha­ben euch be­tro­gen und be­rei­chern sich nur. Wir aber, die EFF, wir wer­den die Wen­de voll­enden und nach der po­li­ti­schen die wirt­schaft­li­che Frei­heit für euch er­kämp­fen. Sei­nen Wäh­lern ver­spricht er das Blaue vom Him­mel: Wohn­raum, Was­ser, Strom, al­les soll künf­tig um­sonst sein. Und na­tür­lich wer­den alle Ar­beits­plät­ze be­kom­men. Und Land, frucht­ba­res Land. | Aber wie will er das er­rei­chen? Ganz ein­fach, sagt Ma­le­ma, das Volk sol­le sich neh­men, was die Ko­lo­nia­lis­ten einst ge­raubt ha­ben. „Kein Wei­ßer ist der recht­mä­ßi­ge Ei­gen­tü­mer von Land, nicht in Süd­afri­ka und nicht auf dem gan­zen Kon­ti­nent.“ Er will die Groß­grund­be­sit­zer ent­eig­nen, ohne Ent­schä­di­gung, so wie es Ro­bert Mu­ga­be in Sim­bab­we vor­ge­macht hat. Der Dik­ta­tor, der durch die Mas­sen­ver­trei­bung der wei­ßen Far­mer sein Land rui­niert hat, zählt zu Ma­le­mas Vor­bil­dern.

Sagen wir es doch etwas klarer: Wenn einer, wer auch immer, die Weißen aus Südafrika rauswirft, dann wird das Land innerhalb von 5 Jahren zu einem zweiten Simbabwe. Es wird vor sich hin verelenden, es wird zu einem großen Mmigrationfall werden.

Hat das Deutsche wieder eine schöne Redewendung für dieses Problem mit Zuma? Ja. "Den Teufel mit Beelzebub austreiben."

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Und jetzt doch das so sprechende Bild des Heilsbringers.


(Ich habe keine Bildrechte. 
Wer möchte, dass das Bild weggenommen wird, 
möge sich bitte kurz melden.)

Freitag, 5. Mai 2017

Sehr geehrte Firma Netto!

Da haben Sie also diese Tegelmann-Filiale übernommen. Es gibt keine Frischfleisch- und keine Käsetheke mehr. Alles ist abgepackt. Discounter eben. Nur dass es in fußläufiger Entfernung jetzt keinen Nicht-Discounter mehr gibt. Anyway.

Gestern wollte ich zum ersten Mal Pfandflaschen zurückbringen. Bei Tengelmann war das vorher immer easy. Hin und wieder war eine Flasche dabei, die der Automat nicht geschluckt hat, aber es war selten. Nun aber -- habe ich gut die Hälfte der Flaschen wieder mitnehmen müssen.

Kleine Anfrage bei einer Verkäuferin. Sehr kühle Auskunft: Zurückgenommen würde bei Pfandflaschen nur, was Netto auch anbiete. Kundenfreundlich ist das nicht. Und schon gar nicht wird das dazu führen, dass ich jetzt vermehrt bei Netto einkaufe. Im Gegenteil, ich werde über die Wiese zu Edeka marschieren. Nein, Quatsch, ich werde das Auto nehmen müssen. Zu weit weg.

Ach, und auch das noch! Heute steht in der Süddeutschen, dass Amazon sich von Berlin her anschickt, frische Lebensmittel ins Haus zu bringen. Demnächst auch in München. Was für eine Zeitersparnis! Und wenn dann die Pfandflaschen bei Netto so behandelt werden, wie sie behandelt werden, nun, dann hat bei mir Amazon fresh glänzende Prognosen.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Informationen über Täter

Vielleicht eine Allerweltsmeldung von einem schrecklichen Ereignis. Aber auch ein Beispiel, dass von Tätern wenig bis nichts mitgeteilt wird. Drogenabhängiger? Einfacher Krimineller -- in welcher Richtung? Migrationshintergrund ja oder nein? Darf einen das interessieren oder nicht?

"Ein polizeibekannter 24-Jähriger hatte sich offenbar eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert ..." (abendblatt.de)

"Ein mutmaßlicher Taxidieb war laut Polizei am Morgen mit "stark überhöhter Geschwindigkeit" in falscher Richtung unterwegs." (spiegel.de)

"07:22 Ein Taxifahrer ohne Gäste war demnach in falscher Richtung unterwegs und kollidierte mit einem anderen Taxi, in dem sich drei Menschen befanden." (stern.de)

Das mit dem Taxifahrer ohne Gäste kann man streichen. Da war über den Taxi-Diebstahl offenbar noch nichts bekant.

«Carte blanche»

Gestern abend im französischen Fernsehen. So schlimm, wie in den deutschen Zeitungen charakterisiert, war dieser Schlagabtausch nicht, finde ich.

23h24 - «Carte blanche». Emmanuel Macron choisit de parler du handicap. Marine Le Pen, elle, ne choisit aucun sujet et attaque son adversaire. Cela ne lui échappe pas : «On vous demande une carte blanche et vous salissez votre adversaire».

23h13 - Passe d'armes sur les affaires. «Le parti des affaires, c'est le vôtre», lance Emmanuel Macron. Marine Le Pen réplique en soulevant la question du patrimoine d'Emmanuel Macron, qui rappelle à son tour que le patrimoine de Marine Le Pen est également en question. Elle décrit Emmanuel Macron en «candidat à plat-ventre». «Je suis debout, (...) je n'ai pas besoin de salir», réplique-t-il. «J'ai toujours respecté les Français qui ont voté pour vous. (...) Vous ne méritez pas leur colère.»

...

21 heures - Le débat commence. Marine Le Pen prend la parole la première, se dit «extrêmement heureuse» de la façon dont se déroule ce second tour. Elle attaque bille en tête Emmanuel Macron, accuse François Hollande d'être «à la manoeuvre». Elle s'en prend à «l'enfant chéri» du système et, comme elle l'a déjà fait ces dernières semaines, dénonce «la froideur du banquier d'affaires». Emmanuel Macron lui réplique : «Vous avez démontré que vous n'êtes pas la candidate de l'esprit de finesse.» «Depuis 40 ans dans ce pays, nous avons des Le Pen qui sont candidats à l'élection présidentielle.» Il affirme qu'elle est la candidate de «l'esprit de défaite».

20 heures - Bienvenue sur ce direct! Le débat entre Emmanuel Macron et Marine Le Pen doit commencer à 21 heures. Sous l'oeil de 14 caméras, le candidat d'En Marche! et la candidate du Front national vont s'affronter à moins de quatre jour du second tour de l'élection présidentielle. Selon la dernière vague de notre sondage quotidien «La Présidentielle en temps réel», Emmanuel Macron demeure largement favori, avec 60% d'intentions de vote, contre 40% pour Marine Le Pen.

Wie wird das wohl sein, wenn La Merkel gegen Le Schulz antritt?

Mittwoch, 3. Mai 2017

O je, die Lendenkräfte!

Also, dieser Text ist nicht einfach "vom SPIEGEL", sondern von Stephan Lohr. Aber sei's drum. Dass sowas im SPIEGEL steht, verwundert. "Namhafte Silver Ager". *brrrh*

Der eine hat eine Frau, die als Model der Generation 50 plus erst Karriere, dann die Biege macht. Dem anderen versagen beim Akt mit der wunderschönen, 30 Jahre jüngeren Leyla im entscheidenden Moment die Lendenkräfte: Probleme alternder Männer sind das Thema zweier höchst unterschiedlicher Bücher, geschrieben von namenhaften Silver Agern der deutschsprachigen Literatur.

Dienstag, 2. Mai 2017

Ich kommentiere in einem ZEIT-Kommentarteil ...

Das ist ja schon seltsam, denke ich. Ich kommentiere in einem ZEIT-Kommentarteil, bei einem Artikel über eine Expertenerklärung zum Islam und mein Kommentar wird gelöscht:

"Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte um sich sachlich über den Artikelinhalt auszutauschen. Danke, die Redaktion/rc"

Zuerst verstehe ich gar nicht. Dann dämmert es mir, und ich schreibe eine Entschuldigung mitsamt einer Erklärung.

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[[ Ok, hier folgt eine Entschuldigung. Ich habe die Sache rekonstruiert: Ich war beim Runterscrollen von diesem ZEIT-Video

Religion | Fünf Fragen an den Islam | Nach unserer Artikelserie zum Islam erreichten uns viele Leserfragen. Der Wissenschaftler und Autor Ali Ghandour beantwortet fünf der wichtigsten. || Von Jan Lüthje

auf diesen Artikel gekommen. Hierher passen meine Kommentare, vor allem der angehängte zweite, der gelöscht wurde, tatsächlich nicht. (Es ging da um ein SPIEGEL-Zitat, um die Ermordung einer Frau aus Afghanistan, nach Deutschland geflüchtet, durch einen Landsmann. Erstochen wurde die Fra wahrscheinlich, weil sie zum Christentum konvertiert war. Das hat wenig bis keinen Bezug zu diesem Kamasutra-Artikel.) Insofern ist auch der erste Teil meines Kommentars, der noch oben steht, am falschen Ort. ]]

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Die Problematik, wenn es um konkrete Verhaltensweisen von muslimischen Flüchtlingen geht, sind aber natürlich insgesamt sichtbar. Der SPIEGEL-Bericht, der bei der ZEIT gelöscht wurde, ist der:

Zweifache Mutter aus Afghanistan erstochen | Ermittler prüfen religiöses Motiv für Bluttat am Chiemsee | In Oberbayern ist eine Afghanin vor einem Supermarkt erstochen worden. Sie soll zuvor zum Christentum übergetreten sein. War das der Anlass für die Tat? || Dienstag, 02.05.2017 14:58 Uhr | Im Fall der tödlichen Messerstiche auf eine zweifache Mutter in Prien am Chiemsee prüft die Polizei ein religiöses Motiv für die Tat. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die 38-jährige Afghanin sei von einem 29-jährigen Landsmann getötet worden, weil sie zum Christentum konvertiert sei. || Ein Polizeisprecher sagte, man habe Erkenntnisse, dass es den Übertritt gegeben habe. Es sei gut möglich, dass es einen Zusammenhang gebe mit der Tat. Die Ermittlungen seien aber wegen der Sprachbarrieren schwierig. Es gebe noch keine gesicherten Erkenntnisse zum Motiv. || Kinder in Obhut von Behörden || Die Frau war am Samstagabend vor den Augen ihrer Kinder vor einem Supermarkt in der oberbayerischen Gemeinde niedergestochen worden. Sie starb wenig später im Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter wurde in eine Nervenklinik eingewiesen. Die beiden fünf und elf Jahre alten Kinder sind in der Obhut von Behörden. || Der Sprecher sagte, der 29-Jährige habe in einer Unterkunft für Asylbewerber gewohnt, die Frau in einer Privatwohnung. Beide hätten sich gekannt.

"Mein Michael!". Oder: Das Lustprinzip

BILD weiß es halt manchmal doch am besten! Zum Hotel-Michael-Urteil das:
02.05.2017 - 15:23 Uhr Mit einem fast Unbekannten verbringt eine Frau aus Halle vier Tage im Hotel: Neun Monate später kommt ein Kind zur Welt. Daraufhin will die junge Mutter Auskunft vom Hotel: Wer war der Mann, von dem sie nur einen Vornamen kennt? Als sich das Hotel weigert, klagt die Frau auf Herausgabe des Namens. Doch das Gericht urteilt: Das Hotel hat richtig gehandelt – ein Anspruch auf Auskunft besteht für die Frau im konkreten Fall nicht. BILD zum Thema und der Frage, wie Hotels mit den sensiblen Daten ihrer Gäste umgehen müssen. || Zusammen mit ihrem männlichen Begleiter mietete die Frau im Juni 2010 ein Hotelzimmer in Halle. Mehr, als dass sein Vorname Michael war, wusste sie nicht über ihn. Im März 2011 bekam die Frau einen Sohn und wandte sich an das Hotel, um den vollständigen Namen und die Adresse ihres damaligen Begleiters zu erfahren. Auch, um Unterhalt für ihr Kind einzufordern. Sie ist der Meinung, dass ihr nach dem Bundesdatenschutzgesetz ein Auskunftsanspruch zusteht, dem das Hotel nachkommen müsse. Doch das Hotel ist der Ansicht, dass kein Anspruch auf die Weitergabe persönlicher Daten der Gäste besteht. Insbesondere, da zum betreffenden Zeitraum vier männliche Personen mit dem Vornamen Michael im Hotel zu Gast waren. (bild.de)
Mich würde nicht wundern, wenn die Richterin, die da den Datenschutz hat hochleben lassen, im Geheimen und zu sich selbst gesagt hat: "Wenn eine solche ... vier Tage lang dem Lustprinzip frönt und über den Mann rein gar nichts weiß, dann geschieht ihr alles Nachfolgende recht!"