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Donnerstag, 24. September 2020

Ein SPIEGEL-Kommentar in Sachen BILD

Auch hier ist unklar, ob das gebracht wird. Eben vom SPIEGEL diesmal.

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Ich habe Lust und Zeit, das mit dem BILD-Bashing ein wenig zu erläutern. Ich komme vom Dorf und aus der "Arbeiterschicht". Ich habe schon im Studium erlebt, dass "Bürgersöhnchen", so nannte mein Chef, ein Bauersohn, diese Studenten, ihre Intellektualität dadurch unter Beweis stellen wollten, dass sie eins ums andere Mal herausposaunten, was sie auf keinen Fall lesen würden! Darunter eben BILD. Und warum Habermas da und da unfehlbar recht hatte! Den Habermas-Nachweis konnten sie dann aber nicht formulieren. Junge Leute, die oft erkennbar keinen einzigen selbst gedachten Gedanken vorweisen konnten -- aber eben: BILD-Ablehnung war ihr geistiges Markenzeichen.

Also, die Leute, die BILD zur immer noch auflagenstärksten deutschen Zeitung machen, wissen ganz genau, dass BILD für das genussvolle Schlichtdenken formuliert. Die Zielgruppe hat halt auch kein Kompliziertdenken und -formulieren gelernt. Das bedeutet nicht, dass Sachinformationen, die in BILD stehen, falsch sind. (Ja, manchmal schon! Aber auch der SPIEGEL hatte seinen Relotius und manche andere SPIEGEL-Meldungen sind nicht astrein.) Aber es bedeutet, dass das schlichtdenkerische BILD-Bashing eben genau das ist: ein Schlichtdenken. 

Und BTW - eine gewisse poetisch-kreative Ader ist BILD in Einzelfällen nicht abzusprechen: "Wir sind Papst!"

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Samstag, 9. November 2019

Bröckel-Ei

Notizbuch

Was ist ein Bröckel-Ei / Bröckelei?

Kam mir auf einmal so in den Sinn. (Erinnert an das fränkische "Bröckela lachn" für "kotzen".)

Aber nein! Mal kurz nachgesehen:

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"Frische Eier direkt vom Erzeuger aus der Region rund um Bröckel kaufen"

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Was ich da im Halbschlaf gehört habe - nein, ich glaube nicht, dass ich vorher schon mal von diesen Eiern aus Bröckel gelesen habe.

Schon schräg, was sich ein kreativer Kopf so ausdenkt, losgelöst von der eigenen Person!

Freitag, 30. August 2019

GRIN als Verlag

Ach, ich mache bei der Wikipedia ja nicht mehr mit! Fast hätte ich es vergessen...

Also hierhier. Ich hätte in der Diskussion zu GRIN geschrieben:

Vor dem Hintergrund der hier geführten Diskussionen müsste m. E. ein Punkt zur Kritik an GRIN in den Artikel. Hier dürfen wir die Geschäftsidee von GRIN wohl Geschäftemacherei nennen, im Artikel wäre es unangemessen.

ZEIT - SPIEGEL - SÜDDEUTSCHE - WELT - FAZ - ...

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Samstag, 22. September 2018

"Millionenschwere Patente": Sockelleisten

Notiz:

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"... . Die Heizungsrohre werden bei dieser Technik entlang von Sockelleisten verlegt. Nach einem Expertengutachten der Schweizer InvenComm GmbH, einer Gesellschaft für Erfindungs- und Patentwertung, aus dem Jahr 2016, ist die Verwertung des Patents allein in Europa bis zu 676 Millionen Euro wert, weltweit sogar rund 1,6 Milliarden Euro, sofern das Produkt mittels Vertrieb und Marketing optimal im Markt platziert wird." (presseportal.de)

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Irgendwo hier habe ich es, glaub ich, schon mal geschrieben: Ein Patent-Experte hat angemerkt -- auf die Frage, wie man sich vor Ideenklau schützen köönne --, dass Ideen als solche eigentlich nichts wert sind. Ideen gäbe es zu tausenden und also im Überfluss. Es käme darauf an, Ideen umzusetzen, sie an den Markt heranzuführen, ein Produkt anzubieten. Erst damit würden die Ideen wertvoll. So ganz geglaubt habe ich dem nicht; klar aber ist, dass auf die Sockelleiste, die Heizungsrohre verdeckt, eigentlich kein Patent erteilt werden kann. Die Sache ist schlicht zu trivial. Es sei denn , da ist noch was ganz anderes mit verbunden. 

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Gesucht und gefunden (und dabei gelernt, dass es tatsächlich eine Abteilung Google Patents gibt):

Multifunktionseinheit, verfahren zur montage der multifunktionseinheit sowie deren verwendung || Abstract || Die Erfindung betrifft eine Multifunktionseinheit (1), wobei die Multifunktionseinheit (1) eine Raumheizvorrichtung darstellt, umfassend wenigstens ein Profilelement (2), welches eine Grundplatte (4) und wenigstens zwei Führungsrohre (6, 8) zum Führen von wenigstens einem Heizmedium umfasst, wobei die wenigstens zwei Führungsrohre (6, 8) derart voneinander beabstandet angeordnet sind, dass zwischen den wenigstens zwei Führungsrohren (6, 8) und somit direkt benachbart zu diesen wenigstens ein Leitungskanal (12) zur Aufnahme von elektrischen Leitungen angeordnet ist, wobei sowohl Führungsrohre (6, 8) als auch Leitungskanal (12) zueinander parallel angeordnet sind. (patents.google.com)

Das ist zunächst mal eine ziemlich verquere Sprache, für die das schöne alte Wort "Schachtelsatz" erfunden worden ist. Darüaber hinaus könnte einfachmal ein Deutschlehrer die Sache anschauen und korrigieren ("Die Erfindung betrifft eine Multifunktionseinheit, wobei die Multifunktionseinheit eine Raumheizvorrichtung darstellt ..." Das kann es doch nicht sein!) Und sonst? Ich sehe noch immer nicht das Patentwürdige ... Und dann: 1,6 Milliarden Euro!

Dienstag, 9. Januar 2018

"Stranger than fiction"

Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwinden immer mehr. Und manchmal auf höchst interessante Weise. Beispiel: Wenn der Kommissar der Fiktion in der Realität von einem Gericht verurteilt wird. 

Dienstag, 09. Januar 2018 | TV-Kommissar nun vorbestraft Erol Sander akzeptiert Strafbefehl || Schmutzige Scheidungsschlacht: Die Staatsanwaltschaft erlässt einen Strafbefehl gegen TV-Star Erol Sander. Auslöser ist eine Anzeige seiner Noch-Ehefrau wegen Drogenbesitz. Der Schauspieler nimmt die Strafe zwar an, streitet aber weiterhin die Vorwürfe ab. || Der aus "Mordkommission Istanbul" bekannte Schauspieler Erol Sander muss wegen des Vorwurfs des Drogenbesitzes eine Strafe von 25.200 Euro zahlen, bestätigte sein Anwalt Simon Bergmann in einer Pressemitteilung. Wie die "Bild" berichtete, liegt die Anzahl der Mindesttagessätze bei über 100. Damit wäre der TV-Kommissar nicht nur vorbestraft, der Verstoß würde auch in seinem polizeilichen Führungszeugnis vermerkt. (n-tv.de)

Und dann ist da immer natürlich das noch viel Kompliziertere:
  1. In unserem realen Fernsehen gibt es eine reale Serie "Castle",
  2. und in dieser Serie schreibt die fiktionale Gestalt Richard "Rick" Castle
  3. in ihrer fiktionalen Welt fiktiv-real-fiktive Kriminal-Romane,
  4. die das Vorbild in der fiktiv-realen Kate Beckett haben, 
  5. aber die fiktiv-fiktive Gestalt Nikki Heat als Heldin anführen, wobei
  6. diese Romane dann in der Realität nachträglich von realen Ghostwritern geschrieben
  7. und in unserer Realität unter dem fiktiv-realen Verfassernamen Richard Castle in den Handel kommen.
Natürlich sind das diese Bücher dann true-false-novels. Oder false-true-novels? Oder false-false-true-novels?

Montag, 20. November 2017

"Stern und Kreuz"

Ja, ja, die Wikipedi-ja!

"Wikipedianer sein heißt: eine Sache um ihrer selbst willen problematisieren!"

Na dann! Darf bei Muslimen ein Kreuz das Sterbedatum anzeigen. Das will schon mal diskutiert sein! (Und es ist durchaus lustig zu lesen! Beispiel: 

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Die Fettschrift ist so unnötig wie die Tatsache, für sie [Userin Marietta] zu antworten. Ich denke, das kann sie bestimmt selbst machen. --Wladyslaw 14:19, 17. Aug 2006

Marietta, mir fällt jetzt auch gerade eine Fülle von groben Beleidigungen ein, mit denen ich dich aus meiner Sicht mit gutem Recht überhäufen könnte. Im Gegensatz zu dir halte ich aber lieber den Mund. --ThePeter 14:34, 16. Aug 2006

Benutzer wie ich können es sich leisten, Mariettas Kopf zu schütteln.--Kramer 03:38, 17. Aug 2006

Ganz ohne Frage ;-) --Marietta 02:22, 19. Aug 2006

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Und dann geht es von da an natürlich an anderer Stelle weiter!

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Der Artikel wurde ohne Stern und Kreuz eingestellt; inzwischen wurden Stern und Kreuz zweimal eingefügt. Darüber gibt es keinen Konsens, die Zeichen sind zu entfernen. --BHBIHB 18:48, 20. Jul. 2015 (CEST)

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Tod

Hier steht, dass er [Valdet Gashi] getötet wurde. --141.90.9.62 12:53, 29. Sep. 2016

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Anstatt hier um Kreuz oder nicht Kreuz zu streiten, sollte der Artikel nicht zwei unterschiedliche Todesdaten nennen. Man stirbt nur einmal. --62.202.180.144 05:02, 22. Sep. 2017 (CEST)

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Zitat: "Während für die normalen Menschen die Sachen, die Sachverhalte und die realen Handlungen und Unterlassungen die Realität ausmachen, ist für alle, die länger und tiefer nachgedacht haben, klar: Es sind die Symbole, die am Ende den Lauf der Welt bestimmen. Man mag das für verrückt halten, aber gegen die wirkliche Wirklichkeit, die des Einflusses der Symbole, kommt man nicht an. (Robert Langdon: ''The Real World of Worldcreating Symbols''. Harvard UP 2005. S. 57. - Meine Übersetzung.)

Dienstag, 17. Oktober 2017

Flaubert-Briefe

Vormals hat der SPIEGEL keine Autoren unter die Artikel gesetzt; alles war "die Redaktion". Heute ist das ja anders. -- Ich bin auf der Suche. War es nicht Gustave Flaubert der mit dem Leichenhaus, der Friedhofskapelle oder sonstwas? Nicht Balzac? Ich stoße auf einen SPIEGEL-Artikel. Flaubert-Briefe wurden 1964 auf Deutsch herausgebracht ...

"Flaubert mietete sich seine lang ersehnte Pariser Wohnung. Er verbrachte jährlich mehrere Wintermonate in der Hauptstadt, wurde von Napoleon III. zum Ball in die Tuilerien eingeladen und - auf Betreiben der von ihm leidenschaftlich verehrten Prinzessin Mathilde Bonaparte - zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. In Croisset hingegen blieb alles beim alten. Zwar hatte er nach der Veröffentlichung der "Madame Bovary" die Schreibtisch-Sklaverei eines halben Jahrzehnts bagatellisiert: "Die Arbeit hat dazu gedient, meine Hand geschmeidiger zu machen; nun auf zu anderen Übungen!" "Aber die Hand blieb auch bei den folgenden Exerzitien schwer, bei dem Roman "Salammbô" (fünf Jahre Arbeit) wie bei der zweiten Fassung der "Education sentimentale", der "Erziehung des Herzens" (sechs Jahre Arbeit), und dem Roman "Bouvard et Pécuchet" (sechs Jahre Arbeit). Denn Flaubert ("Im Grunde bin ich ein Deutscher! Erst durch meine Studien habe ich mich von all meinen nordischen Nebeln gereinigt") liebte nicht nur die "Werke, die nach Schweiß riechen". Er wußte auch: "Wir Schreiberlinge alle ... sind von einer ungeheuerlichen Unwissenheit." Um dieser Unwissenheit abzuhelfen, reiste er wochenlang durch Tunesien und studierte, halb Archäologe, halb Landvermesser, den Schauplatz seines Karthago-Romans "Salammbô". Für seine "Education sentimentale" besuchte er Bestattungsunternehmen und Devotionalienläden und beobachtete diphtheriekranke Kinder im Hospital. Er verschlang immense Massen an Lesestoff und klagte: "Was mich betrifft, so habe ich mir den Magen mit Schmökern verdorben. Ich rülpse Folianten." Flaubert wollte um jeden Preis eine vollkommene Kunst - eine Literatur, die sich dem Leser so unpersönlich darbieten sollte wie ein Stück Natur. Er tat die genialen Schludrigkeiten seines Vorläufers Honore de Balzac ab ("Was für, ein Mann wäre Balzac gewesen, wenn er hätte schreiben können") und fand, "daß ein Romancier nicht das Recht hat, seine Meinung über irgend etwas auszudrücken. Hat der liebe Gott jemals seine Meinung gesagt?" Freilich, sosehr Flaubert sich als Autor in seinen Büchern auch verbarg, - in seinen spontanen nächtlichen Briefen hielt er mit drastischen Meinungen nicht zurück. Er verfluchte die Buchdruckerkunst als "eine der dreckigsten Erfindungen der Menschheit"; er stöhnte: "O, die Literatur! was für ein ständiger Juckreiz ...! Es tut mir unaufhörlich weh, und ich kratze mich mit Wonne"; er schmähte die Menschheit, Frankreich und den Bourgeois, seinen Leser: "Die Menschheit wimmelt auf dem Globus umher wie ein dreckiger Schwarm von Läusen auf einem großen Erdklumpen." || 30.09.1964 FLAUBERT-BRIEFE. Tinte trinken

Freitag, 11. November 2016

Sarah Lombardi

Das ist jetzt doch wichtig: Irgendwie ist die Sache mit einer gewissen Frau Lombardi komplett an mir vorbeigeschrammt. Ich wusste und weiß einfach nicht, wer das ist und warum sie mir jetzt dauernd auf den Klatschseiten von msn.com/de-de mit neuen Meldungen entgegenschaut. Das hält man dann irgendwie doch nicht mehr aus. Also klicke ich mal auf einen der Links von heute:

Erstes Statement: Sarah Lombardi steht öffentlich zu ihrer Affäre | Sarah Lombardi möchte nur das beste für ihren Sohn || Sarah Lombardi (24) spricht endlich Klartext! Nachdem vor einigen Wochen Fremdgehgerüchte rund um Sarah aufkamen, gab es kurz darauf die Bestätigung: Sarah und Pietro Lombardi (24) lassen sich scheiden! Sarah ließ die Gerüchte um eine Affäre stets unkommentiert – bis jetzt! Auf Facebook gab sie nun offen zu, einen großen Fehler begangen zu haben. So schrieb sie: „Was ich euch sagen will ist: Ich weiß, dass es ein Fehler war und kann jetzt nur dazu stehen und die Konsequenz, dass Pietro mir nicht verzeihen kann, nur akzeptieren. Ich hätte mir gewünscht, dass Pietro es von mir selbst erfahren hätte.

Mein Gott, der Sex als Instinkt!* Und ich schaue endlich mal nach. Ja, Frau Lombardi hat einen Wikipedia-Eintrag, der alles erklärt.

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Ich weiß nicht, warum ich gerade da an Princess Diana denken muss.

"Bis heute hält sich das Gerücht, dass Diana 1985–1986 mit ihrem Leibwächter Barry Mannakee ein Verhältnis hatte. Mannakee, ab 1985 für ihren Schutz zuständig, begleitete sie in jener Zeit auf Reisen nach Italien, Australien und Amerika, und Diana genoss seinen beruhigenden Einfluss bei öffentlichen Auftritten. Tina Brown ist überzeugt, dass dieses Verhältnis Dianas erste außereheliche Beziehung gewesen sei; Dianas enger Freund Dr. James Colthurst sowie ein hoher Beamter von Scotland Yard hätten ihr das bestätigt. James Hewitt gibt in seinem Buch „Love and War“ an, Diana habe ihm gesagt, sie und Mannakee seien ein Paar gewesen. Die Leibwächter Ken Wharfe und Colin Tebbutt widersprechen diesem Gerücht. Sie glauben, dieses sei von eifersüchtigen Angestellten erfunden worden. Nachdem Diana und Mannakee am 22. Juli 1986 von Prinz Charles’ Leibwächtern in einer verfänglichen Situation ertappt worden waren, wurde Mannakee aus königlichen Diensten abgezogen. Er starb am 22. Mai 1987 bei einem Motorradunfall. Diana war stets überzeugt, dass er ermordet worden sei,"

"Diana genoss seinen beruhigenden Einfluss bei öffentlichen Auftritten"! Na dann. Nur -- was sagen die Wikipedia-Wahrer, die immer dafür stimmen, dass so etwas Klatsch ist, der nicht in die Wikipedia gehört? Dabei ist es doch einfach so, dass der Versuch, die Wikipedia als ein Mädchenpensionat der 1950er Jahre aufzuziehen, ziemlich lächerlich ist. Die Menschen wollen den Klatsch und Tratsch und die Sex-Geschichten! Und wenn ein Buch drüber geschrieben wird, wird das sogar in der deutschen Wikipedia akzeptiert. Warum dann nicht schon vorher? Nun ja, weil die Wikipedia ein Verein von bildungsbeflissenen Bürgersöhnchen ist. Die die Maßstäbe der Mädchenpensionate hochhalten. Ein paar Bürgermädchen sind natürlich auch darunter.

Dienstag, 24. Mai 2016

"Verbeen hat nie existiert!"

Für mein Notizbuch ein schöner Fund in einer Wikipedia-Diskussion. "Verbeen hat nie existiert! Herbst hat, ähnlich wie Borges, einfach eine fiktive Gestalt mit Vita und allem drumherum erfunden, ein Hörstück dazu verfasst und anschließend seinen Eintrag in der Wikipedia gemacht." -- Und noch der Hinweis auf Unamuno, der in Niebla die Gestalt Augustu Perez sagen lässt, dass die Gestalten viel realer seien als die Autoren. Und die erfundenen Autoren, füge ich hinzu, sind realer als die wirklichen Autoren!

Vorab, in Sachen Wikipedia:

"Wer bestimmt, welche Arbeiten angemessene 'Beweise' sind?"

"Dummes Geschwätz ! Fakes haben 
(bis auf wenige anerkannte Ausnahmen) 
in Enzyklopädien 'aber auch gar nichts' verloren."

Danke, OliverGassener. Ich wollte den Artikel schon selbst neu schreiben. So gut wie du hätte ich das aber nicht hinbekommen. Jetzt habe ich nur eben noch auf ein paar Quellen verfügbare Weblinks gelegt. WICHTIG: Wegen Carl Johannes Verbeen gibt es auf der Homepage des Thelen-Nachlasses einen deutlichen Hinweis auf eine tatsächliche Übersetzung eines Buches von Verbeen durch Albert Vigoleis Thelen, nämlich Verbeens "Der Neue Katechismus, Meditationen zum Christentum", Zürich 1958. So lange dem so ist, müssen wenigstens Zweifel daran gerechtfertigt sein, daß es sich bei Verbeen um eine Erfindung Herbsts handelt, und zwar obwohl er selbst hat verlauten lassen, Verbeen erfunden zu haben. Man kann Leute auch durch falsche Aussagen verschwinden lassen, sofern andere diese falschen Aussagen glauben. Zudem hat das ZVAB nach der Verbeen-Sendung zwei oder drei Verbeen-Bücher im Angebot gehabt. Ich habe mich seinerzeit über meinen Antiquar darum bemüht, aber den Bescheid bekommen, sie seien bereits schnell vergriffen gewesen. In jedem Fall ist das zu klären, bevor so bestimmt von einem Fake gesprochen werden kann. Ich habe deshalb die Aussage von sf67 im Text leicht moderiert. --PeregrinusSyntax 02:04, 24. Feb. 2008 (CET)

@PeregrinusSyntax: Verbeen hat nie existiert! Herbst hat, ähnlich wie Borges, einfach eine fiktive Gestalt mit Vita und allem drumherum erfunden, ein Hörstück dazu verfasst und anschließend seinen Eintrag in der Wikipedia gemacht. Vereinzelt haben Buchhändler, die bei der zvab gelistet sind, lancierend eingewirkt, d.h. Bücher, die nie existiert haben, in ihr Sortiment aufgenommen. Dies bestätigte mir damals ein beteiligter Buchhändler. Bitte beachten: Herbst schreibt selbst in seinen Blog, dass er für die Nachwelt unsterblich werden will und dass die Wikipedia hierfür ein gutes Medium der Verbreitung ist. Es scheint eine Unsitte der Vertreter der sogenannten Postmoderne zu sein, solchen Unfug zu veranstalten und Medien wie etwa die Wikipedia dafür zu missbrauchen. Das mag diesen Leuten Spaß bereiten, schadet aber dem Ansehen der Wikipedia. Ohne Ansehen der tatsächlichen Bedeutung dieses Autors in der jüngeren deutschen Literaturgeschichte, sollten diese Beiträge, die zumeist von seinen Freunden in die Wikipedia eingestellt wurden, auf die Kriterien der Wikipedia hin abgeklopft werden und gegebenenfalls - wie hier bei Verbeen - gelöscht werden. Was Neologismen wie Möglichkeitenpoetik oder Kybernetischer Realismus betrifft, kann Herbst ja beweisen, ob es wirklich Landmarken sind, die er in die Literaturtheorie gesetzt hat. Beweise hierfür sehe ich noch nicht, selbst wenn es eine Magisterarbeit darüber gibt, die auf diese Wortneuschöpfungen eingeht. Für einen Nachweis selbst reicht das jedoch noch lange nicht.

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Leider finde ich den Autor des unteren Abschnitts nicht. Ich will mich noch mal bemühen...

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Ach so und ok! "@anonymen Kommentierer hierüber:..." Das hat also jemand ohne jede Spur und Unterschrift da reingesetzt. Schade, das mit der Nicht-Spur.

Montag, 30. März 2015

Die Mühle einer sogenannten 'Textkritik'

Ich dachte, ich könnte mich einfach mal jemandem in seiner Kritik der Kritik anschließen und dann wär es gut. Dem folgenden Absatz aus der FAZ, geschrieben von Frank Lübberding am 30.03.2015, wollte ich mich anschließen.

"Die [Wahrnehmung von Berichterstattung in den Medien] wird allmählich wirklich zum Problem. Selbst der Versuch, einen wenigstens in Europa beispiellosen Vorgang wie diesen Mord an 149 Menschen zu verstehen, gerät mittlerweile in die Mühle einer sogenannten „Textkritik“, die hinter jeder Formulierung den Verdacht wittert, Vorurteile zu transportieren. Nur wie soll man über Andreas Lubitz sprechen, ohne den biographischen Hintergrund auszuleuchten, an dessen Ende diese grauenhafte Tat stand? Dazu gehört seine männliche Sozialisation genauso wie seine Karriere als Pilot oder seine gesundheitliche Verfassung. Aus der andauernden Warnung vor möglichen Vorurteilen wird mittlerweile eine Art Diskussionsverbot über elementare Sachverhalte, die zur Aufklärung dieses beispiellosen Falles beitragen könnten."

Aber dann lese ich ein paar Zentimeter tiefer im Forum, geschrieben von NINJANI BELUNGO || 30.03.2015 13:29:

"Ich denke, ich spreche fuer die Mehrheit der Foristen: [!] Der Tenor der FAZ TV Medienkritik macht den Sachverhalt nicht besser. Die Verurteilung eines (allerdings schon toten) Menschen fuer eine Tat, die sich aktuell immer noch nur auf eine ungewisse Indizienlage und vage Hypothesen stuetzt. Es gibt aus meiner Sicht kein Gesetz in Deutschland, das Ihnen oder Ihren Foristen verbietet, ueber den Verlauf eines wie auch immer gearteten und grausamen Geschehens zu spekulieren. Der Konjunktiv ist jedoch immer dort anzuwenden, wo keine gesicherten Daten und Erkenntnisse vorliegen. Das gilt insbesondere auch z.B. hinsichtlich der Auswertung und Interpretation der Signale vom „Voice Recorder“. Natuerlich duerfen Sie sich auch folgender Formulierungen bedienen: „Wir gehen davon aus, wir sind uns ziemlich sicher, wir meinen, XY sagt, dass… usw.“ Ich gebe zu bedenken, dass Sie trotz Presse- und Meinungsfreiheit sich unter Umstaenden einer zivilrechtlichen oder sogar strafrechtlichen Verfolgung aussetzen, wenn Sie augenscheinlich ungesicherte Erkenntnisse in Ihrer Zeitung als Tatsachen darstellen."

Jesses, die Spracherpichten! Ja, es ist so: Es gerät alles, kaum dass etwas gesagt oder geschrieben ist, "in die Mühle einer sogenannten 'Textkritik'"! Die dann aber gleichzeitig Politiker-, Experten, Journalisten- sowie Vorurteils- und Wirklichkeitsbegriff-Kritik ist. In einem Tonfall, in dem sich Sprachexperte, Gesetzgeber und Richter zu einer Person verschmelzen: "Der Konjunktiv ist jedoch immer dort anzuwenden ..." O diese Art von 'Foristen'!

Wenn alles über diesen Unfall geklärt ist, soweit es denn zu klären ist, dann werde ich mich einmal daran machen, diese Formen der Allverdächtigung auf den Prüfstand zu stellen. Mit weniger als einem Buch wird das, was die Zahl der Seiten angeht, nicht zu machen sein.

Germanwings-Kommentare: Digital Domain

Die Diskussionen in den Germanwings-Unglück in den Foren zeigen an verschiedenen Stellen, dass es einerseits um technische Dinge geht, auf der anderen Seite aber um die Psyche des Publikums. Da muss man bedenken, dass es für manche Menschen -- vor allem wenn es um sie selbst geht -- als Ausweis von Kreativität und Wahrheitsliebe geht, wenn sie das Mögliche ausloten, jenseits der Wahrscheinlichkeit:

"Am 30. März 2015 um 09:46 von Roger | Wer verübte wirklich Selbstmord? || Ich bin der Meinung, der Kapitän sollte genau so beleuchtet werden, wie der Co. | Er hatte alle Möglichkeiten, seinen Co. eine Falle zu stellen. Die technischen Tricks reichten von Manipulation der Tankanzeige bis zur Betäubung. Wer würde im Fall eines "Selbstmordes" durch den Co-Piloten profitieren?" (tagesschau.de)

Da ließe sich jetzt vieles dazu sagen. Etwa dass es ein eigenartiges Verständnis von profitieren ist, wenn einer mit viel Aufwand die Schuld auf den anderen schiebt, um anschließend selbst mit Sicherheit zu sterben. (Nun ja, hat schon jemand die Lebensversicherungen des Kapitäns geprüft? Für alles gibt es eine plausible Weiterführung.) Viel entscheidender aber ist, dass in Zeiten, in denen David Copperfield und Hollywood-Illusionisten die Realität durchlöchern, viele Menschen einfach keinen Bezug mehr zu Wirklichem und Wahrscheinlichem haben. Wenn Copperfield Lokomotiven verschwinden lassen kann, warum dann nicht ... Die Welt in den Köpfen vieler Menschen ist Digital Domain. Die schlichteren Gemüter werden sagen: 'Da spinnt halt einer rum.'

Freitag, 27. September 2013

"My desk is my castle"

Auf der Suche nach dem Journalisten Daniel Rettig werde ich auf eine Seite der Wirtschafswoche gelotst, auf der sich Rettigs Name gar nicht findet. Eine Bildfolge, die die Klick-Statistik der Seite erhöht. (Hatte ich doch schon mal, das mit der Klick-Statistik?) Aber eine Meldung, die mich tröstet. Das ist schon mal was.

Unordnung auf dem Schreibtisch fördert die Kreativität || Der eine mag es im Büro aufgeräumt, der andere braucht das Chaos. Beide haben ihre Vorteile: Laut einer Studie fördert Ordnung die Großzügigkeit – und eine chaotische Umgebung steigert die Kreativität. | „Zeige mir deinen Schreibtisch, und ich zeige dir, wie du arbeitest“ – so lautet, leicht verkürzt, das Ergebnis einer Studie von Kathleen Vohs, Professorin an der Universität von Minnesota. In drei Experimenten teilte sie knapp 300 Freiwillige jeweils in zwei Räume. Die einen saßen in einem ordentlichen, sauberen Bürozimmer – der Schreibtisch blank geputzt und leer, der Boden sauber. Die anderen befanden sich in einem unordentlichen Büro. Dort war der Schreibtisch voller Unterlagen, Paper lag kreuz und quer, Ordner stapelten sich aufeinander. Im ersten Versuch teilte Vohs den 34 Freiwilligen mit, dass sie für ihre Teilnahme drei Euro erhalten würden. Nun lenkte die Forscherin die Probanden zehn Minuten ab. Der Sinn der Sache: Jeder sollte die Umgebung wahrnehmen. Im Anschluss fragte Vohs, ob sie Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation spenden würden – und wenn ja, wie viel.

Nun, da weiß man ja noch nicht so recht, was da rauskommt und was das dann heißt.

Kaum zu glauben: Die Umgebung wirkte sich erheblich auf die Spendierfreude aus. Die Probanden aus dem Chaoszimmer gaben im Schnitt nur 1,17 Euro – jene aus dem aufgeräumten Büro hingegen 2,95 Euro.

Und was hat das Spenden mit Kreativität zu tun? Und ist ein fremdes unordentliches Büro, in das man eben mal gesetzt wird, dasselbe wie ein eigenes Büro, für dessen Chaos man selbst verantwortlich ist?


Um es gleich zu sagen: Die Bilder-Galerie stützt diese These mit der Kreativität nicht. Aber die Bilder sind schön und immer noch tröstlich. Und wir lernen, dass es gut ist, der Aufforderung zu folgen: "Mache tröstende Thesen auf! Das freut die leidenden Menschen."