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Samstag, 30. September 2006

Hass und Furcht

Die SZ bringt in ihrem Magazin 39 vom 29. September ein Titelbild: Idyllisches, ein wenig gestrig wirkendes Dorf im Ausschnitt. Fachwerkhäuser und Wäsche auf der Leine im Vorgarten. Dazu die Unterschrift: "Hier wohnt der Hass. Ostdeutschland ist schön. Für Weiße". Im Heft dann kleine Geschichten von alltäglicher Bepöbelung von Schwarzen und halt "Andersfarbigen" im Osten.

Zwei Anmerkungen. Zum einen wird es langsam Zeit, nicht um die Sache herumzureden. Insofern war die No-go-area-Diskussion zur Fußball-WM vernünftig. Nur ist sie wieder eingeschlafen. Nicht herumreden heißt:

a) Auch einzugestehen, daß es ein seltsames Gefühl auch für durchaus tolerant-liberale Deutsche gibt, wenn in öffentlichen Verkehrsmitteln der Anteil von "evident nicht-integrierten Ausländern", gleich welcher Hautfarbe, über ein bestimmtes Maß anwächst. Wodurch dieses Kennzeichen "nicht-intregriert" gemacht ist, muß bestimmt werden. In bestimmten Fällen besteht es einfach aus einer sehr großen Lautstärke des Redens mit anderen in einer sehr fremden Sprache. Es sollte politisch anerkannt sein, daß das Gefühl der Menschen, im eigenen Land -- nein, nicht fremd zu sein, sondern keine öffentliche Identität von Sprache, Sitten und Gebräuchen mehr zu finden, zu Aggression und Fremdenfeindlich führt. Wahrscheinlich eine anthropologische Konstante. Solche gibt es, ob man will oder nicht.

b) Es ist auf keinen, aber auch auf gar keinen Fall zulässig, daß Landesteile zu No-go-areas für Andersfarbige oder Irgendwie-anders-seiende werden. In offensichtlichen NGA müssen unkonventionelle Mittel her, für die auch die gesetzlichen Grundlagen da sein müssen. Eine solche Maßnahme wäre: Immer wieder einen Schwarzen durch ein solches Gebiet gehen zu lassen, auch nachts, und die Reaktionen der Passanten per Video zu dokumentieren und anschließend öffentlich zu zeigen. Im Fernsehen oder im Internet. Auch: Solche Menschen von einer Polizeigruppe in Zivil begleiten zu lassen, um an Ort und Stelle einzuschreiten, wenn etwas Gesetzwidriges passiert.

Denn: Die Situation wird kritisch, wenn das normale Bürgertum fremdenfeindliches Verhalten klammheimlich und tiefinnerlich gutheißt. Das hat natürlich auch mit dem unter a) Gesagten zu tun; aber es kann nicht toleriert werden, daß irgendwo Leute mit der in ihrem Hirn verankerten Behauptung leben: sie könnten sich nur wohlfühlen, wenn sie dumpf unter Ihresfarbigen und -denkenden dahinleben. Und wenn diese Leute dann entsprechend fremdenfeindlich handeln.

Ein Vorschlag an die Medienforscher

Das Problem würde sein, daß sich als erstes die BILD-Zeitung auf diese Unterschung stürzen und eine Serie daraus machen würde. Serientitel wahrscheinlich: Deutschlands wahnsinnige Verbrecher. Auf der anderen Seite: Kann ein vernünftiges Forschungsvorhaben nur deshalb unausgeführt bleiben, weil BILD daran Interesse hat?

Worum geht es?

Es geht um die bizarren Meldungen über Kriminalfälle und Gerichtsurteile zu diesen Fällen, die immer wieder in der Zeitung stehen. Beispiel, aus einem NZZ-Bericht: Eine Mutter tötet im Abstand von zwei Jahren zwei gerade geborene Kinder und bringt den Ehemann dazu, die kleinen Leichen im Keller in Beton zu versenken.

Nicht die Tat als solche ist das Wichtige, sondern die dada-kafkaeske Eigenartigkeit der umgebenden Umstände, mitten in der Normalität. Und weil Forschung ja keine Tabus kennen darf, wird auch gefragt werden dürfen, ob solche bizarren Taten im Osten des neuen großen Deutschland häufiger sind als im Westen. Wobei gleich darauf hingewiesen werden kann, daß jener idyllische Hof in Rotenburg im Westen der Republik liegt. Diese Tat würde ja auf einer Skala der Verrücktheiten wahrscheinlich doch an die erste Stelle rücken.

Freitag, 29. September 2006

Spice Girls, 2 male and 1 female

Immer noch mein Videofavorit: die männlichen Spice Girls!


[ Hier gibt es auch andere Videos ]

Donnerstag, 28. September 2006

Menschengesichter

Menschen haben so verschiedene Gesichter!

Ein Experiment: Welche Michelle Pfeiffer ist die, die Sie sehen wollen? Mal angenommen, Sie wollen Michelle Pfeifer sehen. Und welche Person wollen Sie nicht sehen, weil es nicht die ist, die Ihnen authentisch erscheint? Sind die authentischen Fotos -- die, die einen Menschen so abbilden, wie er normalerweise sich zeigt -- die besten Fotos? Natürlich nicht. Wie will jemand sich selbst sehen und gesehen werden. Ernst-nachdenklich? Überdreht-fröhlich? Ironisch-forschend? Hat das Einfluß auf unser Normalbild, wenn wir den Menschen nur von der Leinwand und vom Fernseher her kennen?

Hier gibt es eine gute Beispielsammlung, um, mit Beispielmaterial versehen, weiter nachzudenken:


One Word a Day

Hier und heute werbe ich mal für eine schöne Idee namens "One Word a Day". Jeden Tag ein seltenes englisches Wort, oft auch ein Ausdruck, per E-Mail zugeschickt von Paul Smith. Das Beispiel für heute:


Your choice was right!

listen to pronunciation

vixen

Definition:

b) an angry woman

German translation:

vixen = zänkisches Weib, Furie, Drachen, gehässige Frau, Giftnudel; die Füchsin

---
How important is this English word?
vixen: 8,780,000 Google Hits


Sample text:

Scarlett Johansson is only 19, but the talented young Hollywood actress' growing reputation as a VIXEN is becoming as sizzling as her professional acclaim as a hot actress.


(Chicago Sun Times, August 10, 2004)


Did you know?

vixen
noun

1. a shrewish ill-tempered woman
2. a female fox
3. a highly attractive woman

(Merriam-Webster Online Dictionary)

===

Doch noch ein kleiner Kommentar: Daß vixen auch 'Füchsin' heißt (fox - vixen), sollte bei den hier angeführten "Frauentypen" rausfallen, denn es ist ja die wörtliche Bedeutung -- sozusagen. Für das weibliche Tier. Schön auch, daß vixen sowohl steht für: 'Schreckschraube' oder 'Xantippe' wie auch für -- ja wer oder was? 'Femme fatale'? 'Sexbombe'? Anyway.

Und nicht vergessen wollen wir doch Russ Meyer mit 'Vixen' und, eins obendrauf: 'Super Vixens'.

Jobs

Hans-Friedrich sagt, daß er jetzt nicht mehr so viel Zeit hat zum Bloggen. Er hat einen neuen Job, den zweiten neben dem ersten. Da bleibe einfach zu wenig Zeit. Questo povero!

Dienstag, 26. September 2006

Die Wunderwelt von Ebay

Aus der Wunderwelt des weltgrößten Online-Versteigerers: Ein mp3-player, gute Nachahmung (= Fälschung?) des ipod-Designs. Nun gut. Aber jetzt kommt's!

Inkl. eine Apple iPod Nano Socks
ab einem Gebot von 89,- €.
Ein Highlight, der den Player sicher aufbewahrt.

Mal abgesehen davon, was man von der Aufbewahrung eines solchen Kleinteils in einem kleinen Socken hält -- ist es nicht vielleicht doch ein bißchen albern? --, ist ja doch die Frage, ob Apple aus seinem Überangebot der Socken einen Teil weiterverhökert, damit die fernöstlichen Nachahmungen darin untergebracht werden. Oder sind die Socken so echt Apple wie der Player?

So richtig spannend und echt aufreizend wird die Frage, wenn es heißt:

"inkl. original Apple iPod Nano Socks"


Also, ihr poetischen der kommerziellen Landstraße! Es ist eine Freude, hinter euch herzulesen!

Donnerstag, 21. September 2006

Die Welt des Geschäftlichen

Heute ist der Tag der wahnsinnigen Einblicke in die wahnsinnige Welt des Geschäftlichen!

Der T-Mobile-Computer, der mich bei meinem Anruf empfängt, will mit mir reden. Ich soll einfach sprechen. Ihn gerne auch unterbrechen, wenn ich möchte. Ich sage langsam und überbetont: "Mein Vertrag". Er antwortet: "Sie wollen günstige Verbindungen in die Türkei?" Ich wiederhole das mit dem Vertrag. Er will unbedingt, daß ich mit der Türkei telefoniere.

Und dann schaue ich noch am Abend bei Ebay nach einer Funk-Armbanduhr. Und ich finde? Dieses geschmackvolle Prunkstück im so exklusiven wie zeitgemäßen Stefan-Raab-Design! Und klicke erschrocken die Seite schnell wieder weg. (Um sie dann doch noch einmal herzuholen, weil ich sie hier zu verewigen will. So ist das halt.)


Mein Abendgebet, es lautet heute: "Herr, schmeiß Hirn und Gschmack roa!"

Web-Gier ...

... oder: Von Google lernen, heißt siegen lernen! -- Das folgende richtet sich an alle Webdesigner und Testseiten-Betreiber.

In einem Karstadt-Prospekt ist ein Tisch-Gefrierschrank BEKO FCN 1500 HCA für 199 Euro angeboten. So was suchen wir. Nur noch mal schnell nach einem Testbericht geschaut. Da geht es dann los.
  • Die STIFTUNG WARENTEST will auch die kleine Übersicht nur noch gegen Cash rausrücken. Jedenfalls hab ich die Übersicht, die ich früher immer als Anfangsinformation genommen habe, nicht gefunden. War diese Stiftung nicht mal mit öffentlichen Geldern unterstützt? Hat sich das geändert? Wenn nein: Sollte man da nicht ein Minumu wenigstens ohne -- die vor allem umständliche -- Bezahlung eines Online-Testberichts bekommen?!
  • Dann die unzähligen Testseiten: Die meisten greifen über Google das Stichwort "test" ab und sind dann "optimiert". Will heißen: Sie locken mich erst mal auf ihre Seite, wo es dann eine Wüste von Hinweisen gibt. Nur nicht das, was sich suche. Ich bin da schneller weg als ich vorher geklickt habe. Kann das -- auch im Interesse der Betreiber solcher Seiten -- sinnvoll sein? Wohl kaum.
Das mit Google. Adressiert an die Testseiten-Betreiber:

Warum wurde Google so erfolgreich? Natürlich wegen des internen Konzepts der Seitenbewertung und der schieren Menge der erfaßten Seiten. Aber eben doch auch wegen seiner Schnörkellosigkeit. Weiß. Klare Struktur. Ergebnis getrennt vom Kommerz.

Ist das so schwer zu kapieren, liebe Seitenbetreiber? Dafür, daß ihr mit allen Tricks versucht euch an die Spitze zu pushen, kann Google nur sehr bedingt was. Ihr versucht's ja mit Linkfarmen und allem Teufelszeug. Daß ich -- und sicherlich nicht nur ich -- euch nach dem ersten Klick schon für gierige ****** halte, die die schlichtesten Dinge nicht erkennen, könnt nur ihr selbst was. (Das gesternte Wort war mir beim Durchlesen zu beleidigend. Ich hab es gestrichen, und jeder darf das Wort, das ihm einfällt, einsetzen.)

In diesem Sinne...!

Ach ja, und für die, die es anschaulich mögen, hier nur zwei Beispiele. Denen in einem bestimmten Umfang Unrecht geschieht, weil es da auch 50 andere, gleich schlechte Seiten gibt.


Wer sich genauer mit der Sache befasssen möchte, kann bei Google mal

test "beko fcn 1500"

eingeben und klicken und schauen, was dann passiert.

Mittwoch, 20. September 2006

Pop-Formel

Gibt es sie wirklich -- die Pop-Formel? Der Autor plauderte kenntnisreich und entspannt eben im Deutschlandfunk.

Die Pop Formeln
Volkmar Kramarz
Preis: 19.95 Euro

Dienstag, 19. September 2006

Sprachgefühl für Software-Häuser

So was lesen wir ja immer und haben uns daran gewöhnt. Im Sinne des Sprachgefühls betrachten wir mal die folgenden Zeilen doch genauer:

"Der Autor dieses Programms haftet nicht für Schäden an Soft- oder Hardware oder Vermögensschäden, die durch das Benutzen des Programms entstehen, es sei denn diese beruhen auf einem grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Handeln des Autors, seiner Erfüllungsgehilfen oder seiner gesetzlichen Vertreter."

Was fällt auf? Na ja, gleich die Vermögensschäden! Da stellen wir uns doch vor: ein Netzwerk mit allen Firmendaten -- unersetzlich! Kein Backup weit und breit. Und dann das Progamm gestartet und -- DER CRASH DER ULTIMATIVE. Oder das Programm macht, daß der PC im Einfamilienhaus Feuer fängt und das ganze Haus...! Nicht auszudenken! Schließlich: die "Erfüllungsgehilfen". Wenn man da keiner an das schöne Wort "Helfershelfer" denkt. Gauner, Betrüger, Hehler, usw.

Wir sehen, auch beim Programmieren ist, wenn es an die Oberfläche geht, ein wenig Sprachgefühl nicht schlecht.

Mittwoch, 13. September 2006

Die Erotik der neuen deutsche Rechtschreibung

Oh du heiliges Institut für deutsche Sprache!

"Das Geräusch ließ sie {zuammen zucken / zusammenzucken}."

OpenOffice unterkringelt und schlägt tatsächlich die erste Variante vor. Ich weiß nach der xten Reformüberarbeitung nicht mehr, was im Moment vom Duden oder vom IdS oder der Staatlichen Kommission zum Rückbau der dritten Reformvariante (SKRDR) empfohlen wird. Es ist mir offengestanden* auch egal Ich würde jedenfalls diese erste Möglichkeit reservieren für den Satz: "Komm, Liebling, lass uns zusammen zucken." Und ich lasse offen, ob es sich da um eine verkappte Aufforderung zum Beischlaf handelt.

Dann ist da auch noch das, im selben Satz:

"heraus zu hören", meinetwegen. Verdächtige Geräusche aus dem Schlafzimmer. Ja, nun gut. Nichts Menschliches ist mir fremd. Fast jedenfalls, mit Blick auf die deutsche Sprache. Aber "heraus zuhören"? Das übertrifft die kühnsten erotischen Phantasien. Das gleitet ab ins Perverse! Da nähern wir uns der Sprach-Sodomie!

--

* Hier ohne weiteres auch: offen gestanden, weil das Sprachgefühl nach dieser Reform ja korumpiert ist. Kann man nix machen. So ist er eben, der Mensch. Gewöhnt sich auch noch an das Blödeste. Früher war offen gestanden ja mal was, was man über Tore und Türen sagte und nicht über geistige Haltungen. Aber bitte! Wir sind doch nicht kleinlich!

Montag, 11. September 2006

Heute vor fünf Jahren

Heute vor fünf Jahren also. Und ausgerechnet die Süddeutsche Zeitung leistet sich eine veritable Geschmacklosigkeit. Hinter dem strahlenden, die Einschaltquoten-Erwartungen nicht ganz erfüllenden Papst-Besuch überschreibt Andrian Kreye seinen Artikel im Feuillleton mit "Tanz den Apokalypso" und erklärt im Untertitel: "[...] Seitdem berauscht sich Amerika am eigenen Untergang".

Wenn man die Formulierungen auch nur etwas genauer besieht, dann wird da erst einmal der Tod von 3.000 Menschen, bewußt herbeigeführt von durchgeknallten Fanatikern, zu einer Feuilleton-Formulierungs-Fingerübung. Was an sich schon daneben ist. Diese im Deutschen hoch gewagte Konstruktion des transitiven tanzen + Personenname, "Tanz den ...", wo kommt sie her? Wer hat sie erfunden?

"Geh in die Knie / und dreh dich nach rechts / und dreh dich nach links / klatsch in die Hände / und tanz den Adolf Hitler / und tanz den Mussolini / und jetzt den Jesus Christus ..."

Zeilen, die erdichtet wurden, um, inhaltlich sinnfrei, via Provokation auf dem großen Schwapp der Medienflut nach oben zu kommen. Es ist wie in der Werbung, wo auch oft Sloganschreiber sich an der eigenen Kreativität berauschen und nur die erste Ebene des Sinns, die des aufmerksamkeit-sichernden Gags, sehen, ohne die zweite und die folgenden Ebenen noch zu erkennen oder erkennen zu wollen. Hier also: Kalypso. Tanzen. Apokalypse. Tanz-den... Wow! Das ist es! Was für eine feine Überschrift. So feinsinnig passend, eingepaßt ins wohlfeile USA-bashing. So ungefähr müssen dem SZ-Menschen die Gedanken durch den Kopf geflutet sein, und er, der Journalist, er filtert nicht, er denkt nicht nach. Er schreibt hin.

Berauscht sich Amerika am eigenen Untergang? Das ist, von der Erkenntniskraft her gesehen, noch weit unter Feststellungen der Sorte: "Der Russe trinkt gerne Wodka." Der Satz mit Amerika trifft auf nichts zu, nicht einmal auf den Präsidenten der USA. Könnte denn nicht jemand kommen und sagen: "Die USA sind ein sehr differenziertes Land. Die politischen Hauptströmungen sind ..." Dann könnte man am Ende gar überlegen, wie es kommt, daß bestimmte europäischen Verallgemeinerungsborniertheiten die USA nicht erreichen und dort also nicht wahrgenommen werden.

Im übrigen, zum heutigen Tag: Zeitungsartikel und Radioberichte, die das individuelle Leid einer Witwe herausstellen, sind wertvoller, weil passender als das Analyse-Gelaber derer, die am Ende doch immer nur Beliebiges aus ihrer Zeitgeistkiste ausbreiten. Manchmal ist die Zeit des Gedenkens, nicht der Klügelei. Das hätte seinerzeit der Bundestagspräsident Jenninger wissen können und heute der Journalist Kreye.

--

NACHTRAG: Vielleicht bin ich einfach zu empfindlich. Das "Online-Spezial" des ZDF läßt mich an eine neue Biersorte beim Oktoberfest denken, nicht an eine Gedenksendung oder -seite. Einfach ein bräsiges Wort, dieses Online-Spezial.

Und dann davor und daneben: Die Alternativen an der Zapfsäule! Eine feinsinnige Anspielung darauf, daß es im Leben und also auch beim 11. September doch immer nur um das eine geht: um Öl?!

11. September
Ein Blick fünf Jahre zurück. Online-Spezial mit Ihren Erinnerungen und aktuelle Berichte.



Sonntag, 10. September 2006

Die feine Unterstellung

Ich wollte mich, grad eben, informieren, ob es zur Desktop-Suche via Copernic eine Alternative gibt und finde diesen schönen Text:

Die Zielgruppe solcher Tools ...
... dürften wohl die Raubkopierer bzw. Tauschbörsennutzer sein, die schon mal den Überblick über das Gestohlene auf ihren Rechnern verlieren. "Hab letzten Monat 300 GB gesaugt ..." oder so ähnlich ... bäh!!! (22. Juni 2006 15:50)*

Keine Ahnung, was diese Dame oder dieser der Herr so arbeitet und denkt. Wer täglich fünf Brief und 15 E-Mail schreibt und 10 Dateien bearbeitet, hat ja nach 10 Jahren auch so einiges zusammen. Ohne "Saugen".

Im übrigen und immer wieder Erstaunen: Was für ein Ton doch herrscht, auf den Brettern, die die Weite Wüste Welt bedeuten. Der Kritiker versteckt sich, und der Kritikaster kommt herfür.

--

* Die Stelle rüberkopiert und dann via Google nicht wieder gefunden. Aber: nicht erfunden.

Vorschläge für Fälscher

Vom heutigen Tag an erscheinen hier unregelmäßig Vorschläge, was man in China und sonstwo auf der Welt auch noch fälschen könnte. Bevorzugt werden Dinge ausgestellt, die (a) einfach, (b) eine gute Idee und (c) eine zumindest dem ersten Augenschein nach wahnsinnige Überteuerung bedeuten. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, daß Fälschen verboten ist und einen Diebstahl geistigen Eigentums bedeutet, mit westlichen Werten mithin absolut unvereinbar ist!

Hier ein erstes Beispiel:


Die Strumpfklammer, mit der man die bekannten "Witwen" (vereinzelte Strümpfe nach dem Waschen) vermeidet. 20 Stück in 4x5 Farben. Preis: ca. 10 Euro. Herstellungspreis geschätzt:
37 Cent. Pro Packung!

Angestrebter Verkaufspreis: 2,30 Euro pro Packung.

Ordnung machen ...


... Ordnung halten, ein Ordnungssystem haben. Dinge Dinge des Lebens.

Am Morgen auf dem Eßtisch zwei Stecknadeln. Meine Frau hat am Vortag die Nähmaschine dahingestellt und Vorhänge genähnt. Alles wieder wegsgestellt. Nur diese beiden Nadeln hat sie übersehen.

Der Gedanke an Wolfgang Hildesheimer, der in einer seiner sehr speziellen Humorgeschichten den Satz hat: "Meine Frau war gerade dabei mit dem Tauchsieder in der Blumenvase Eier zu kochen." Ungefähr so. Seit ich diesen Satz gelesen habe, fühle ich mich endgültig mit Hildesheimer verwandt.

Die Stecknadeln also. Was tun? Sie einfach in den Abfalleimer für Allgemeinmüll in der Küche werfen? Oder in den kleinen Metallbehält, der, arg gefüllt, danebensteht. In dem alles das drin ist, was bei jedem Weg- und Aufräumen im Moment nicht eingeordnet werden kann. Oder in den Keller gehen und die Nadel fein säuberlich in den Nähkasten zu den anderen Stecknadeln legen?

Ich weiß, es gibt viele Leute, für die das keine Alternativen sind. Die selbstverständlich nur die letztgenannte Möglichkeit sehen. Für andere ist instinktiv nur die erste Alternative denkbar. Instinktiv und selbstverständlich, das heißt: Diese Menschen denken über die Alternativen -- natürlich gibt es noch viel mehr -- nicht eine Sekunde nach.

Wir hatten vor Jahren in Frankreich eine geniale, sehr französisch-bürgerliche Frau, die morgens auf die Kinder aufgepaßt hat und dabei die Küche machte und noch vieles mehr. Sie hat. Sie war eine -- die Ordnung-Macherin. Es ging ihr das Ordnen und Haushalt-Besorgen wie selbstverständlich von der Hand. Sie hat mich auf den Gedanken gebracht, daß es ein Experiment geben müsse. Am besten im Rahmen einer entsprechenden Fernsehserie. Hier also: Eine Küche wir in ein Normchaos verwandelt. Ungefähr so, wie die Spülmaschinenhersteller zum Testen der Spülleistung ein Normgeschirr mit streng bestimmten Normverschmutzungen versehen. Dann haben fünf Menschen eine Stunde Zeit, um aufzuräumen. Sie werden mit fünf Kameras dabei gefilmt, und dann werden fünf Zeitraffer-Filmchen daraus gemacht und gezeigt. Wie gehen die fünf jeweils vor? Welchen Stand der Dinge können wir nach 5, 10, 15 Minuten ... sehen. Was sagt das über die Menschen, was sagt es über den Menschen aus?

Wie viele Menschen interessiert so was? Mich. Und wen noch?

Gut gemacht, könnte es viele interessieren. Es gibt ja immerhin auch viele Zuschauer, wenn bei RTL eineinhalb Stunden nur Dominosteine vor sich hin fallen. Na, RTL, wäre das nichts? Jeweils eine Alltagssituation und die Frage: Wie lösen Menschen solche einfach-komplexen Probleme?

Freitag, 8. September 2006

Al-Dschasira

Schwierigkeiten bei der Einschätzung von Al-Dschasira, dem Islam-Sender. Wenn AD jetzt Rückschau auf die 11.-September-Vorbereitungen von Osama bin Laden zeigt, wie ist das dann? In Analogie: Wenn ein Sender 1980 im Rückblick Baader und Meinhof gezeigt hätten? Chronisten-Pflicht sowas? Oder doch Versuch der Meinungsmache im Sinne der taumelnden "Armee-Fraktion".

Aber es gibt natürlich auch die Macht des Marktes, und manchmal muß man sich fragen, ob nicht die einzig funktionierende Vernunft die Vernunft des Marktes ist. Regelt der Markt -- hier der der Zuschauer -- viel zuverlässiger als alle Ideologen und Geheimdienstler das Leben? Bewegen wir uns auf die Vernunft zu, weil die Leute, auch die in den arabischen Staaten, irgendwann Höflichkeit und Freundlichkeit doch für angenehmer halten als das blutrünstige Gebrülle, das immerzu das Führen arg blöder Heiliger Kriege fordert?

"Al-Dschasira sank auch in der Zuschauergunst: Vielen wurde der Ton zu hetzerisch. Meinungsumfragen zeigen, dass Selbstmordattentäter nicht mehr unbedingt als Helden gesehen werden. Mit ihren brutalen Methoden haben sich besonders die Terroristen im Irak aus der Zuschauergunst gemordet.

Al-Dschasira, feinfühlig für die Stimmung der Straße, hat reagiert: rein äußerlich mit einem neuen Design. Statt der nüchtern abstrakten Formen, die 2003 von einer Münchner Firma entwickelt wurden, plätschert und glitzert es wieder auf dem Bildschirm."

Ach ja, und da war doch auch, von vielen unbemerkt, noch das da:

"Die NPD und viele Neonazis fanden Ahmadinedschads antisemitische, antiisraelische Hetzreden sehr gelungen."

Donnerstag, 7. September 2006

Hofmanns Elixier oder ...

"Der Zufall ist perfekt", sagte er. "Jeder sollte das erfahren. Indem er das Radio einschaltet, den Kopfhörer aufsetzt, einen Topf säubert, sich später, nachdem die Küche aufgeräumt ist, hinsetzt und nur noch zuhört. Denkt. Fühlt. Je suis sur la bonne piste."

... Die Welt ist perfekt. Autor(en): Regine Ahrem (BRD 1958), Michael Rodach (BRD 1957). Produktion: RBB 2005 stereo. Regie: Regine Ahrem. Sendetermin: SWR 2 - Donnerstag, 7. September 2006, 21:03 Uhr

Data Miner

Heute, nachdem ad-aware gelaufen ist und 39 data miner gefunden hat, die Überlegung, ob ich meine persönlichen Computerfragen liste. Und auch die Antworten, die ich finde und interessant und wichtig finde. In der Regel sind diese Fragen sehr einfach und neben der Linie der Newsgroups-Diskussionen. Ein Die-einfache-PC-Frage-Blog wäre vielleicht das Richtige.

Zu diesem Thema data miner eine Diskussion bei wer-weiss-was.de.

Mittwoch, 6. September 2006

Ein gut es Buch


Ein gutes Buch soll gelobt werden. Doch gutes kennt OpenOffice in seiner Rechtschreibkorrektur nicht. War beim Zusammentragen des umfänglichen Materials, wie es für die Erstellung von solchen Korrekturprogrammen verwendet wird, kein einziges Mal ein gutes Buch dabei?! Oder hat man in der OpenOffice-Sprachabteilung in einer Art der Hyperkorrektheit versucht, die Extrem-Worttrennungen der Rechtschreibreform zu implementieren? Sollten wir jetzt schreiben ein gut es Buch ...?

Die Behörde für Bürokratieabbau

[ Greser & Lenz ]

Wie das so ist: Es bleibt, aus der großen Zeitungslektüre, eine Sache hängen. Über Wochen, dann über Monate. Ich beginne im Internet zu suchen, ob ich diese Karikatur irgendwo finde. Fehlanzeige. Dann auf einmal taucht beim Aufräumen eine Zeitung auf. Eine Nummer des STERN, die längst in der Papiertonne sein müßte. Und siehe da: da ist die Zeichnung drin. Sie ist von Greser & Lenz.*


STERN Nr. 21 / 18.05.2006, S. 29


Zur leichteren Lesbarkeit sei die Unterschrift und der Text auf dem Schild noch einmal wiedergegeben:

Endlich eine Initiative der Großen Koalition
Hier baut die
Bundesrepublik
Deutschland
ein Amtsgebäude

der Behörde zum
Bürokratieabbau

Weil man als spiritueller Mensch Zufälle -- in diesem Fall den der doch nicht weggeworfenen Zeitung -- nicht ignorieren darf, werde ich diesen STERN mal eine Zeitlang aufbewahren und immer mal wieder etwas zu einem der Artikel und Überhaupt zum Großen und Ganzen sagen.

Zu der Karikatur hier: Da ist eine tiefe Wahrheit drin. Was steckt dahinter? Die Regierung darf sich in hohem Maß die Dinge selbst genehmigen. (Ja, ja, das Parlament kontrolliert. Aber die Parlamentarier glauben ja auch, daß nur Bürokratie etwas bewegen kann. Also, warum sollten sie Einspruch erheben?) Wenn etwas getan werden muß, dann muß eine Behörde her. Eine neue am besten. So also entstehen die Paradoxien des Bürokratischen.

--

* Mit einem Dank an Greser & Lenz für die Erlaubnis zur Wiedergabe hier.

Dienstag, 5. September 2006

Anabolisches


Wollen Sie einen solchen Körper? Der Versand anabol.de machts möglich! (Ohne Gewähr und ohne jede moralische Wertung oder Befürwortung.)


Pronociation

Geben wir mal unseren Vorurteilen Auslauf! Die Franzosen, selbst im großen und ganzen, keine Fremdsprachen-Kenner und -Könner, achten streng auf die Reinheit ihrer Sprache. Was sie manchmal, auch die ungelehrten Menschen, dadurch zum Ausdruck bringen, daß sie sich weigern, kleine Abweichungen in der Aussprache zu akzeptieren. Beispiel: Vor ein paar Jahren frage ich in einem Supermarkt nach Kerzen. "Où je peut trouver des bougies?" Das bougie kann man nun mit einem stimmhaften oder einem stimmlosen sch aussprechen. Ich mache es mit der Aussprache mal wieder falsch. Eine Verkäuferin, die ich frage, versteht bei mehreren Versuchen rien -- zéro! Wahrscheinlich hat ihr reines Sprachbewußtsein gedacht: "Was will der denn? Nach der Metzgerei fragt der garantiert nicht. Das geht noch ein bißchen anders. Bouche -- Mund, Maul. Boucherie -- Mäuligkeit? Komisches Wort. Nie gehört. Was sucht der denn bloß?! "Toujours des étrangers!"

Eine ähnliche Haltung nehmen die deutschen Sprachlehrer ein. Wollen wir das bei ihnen, die durchaus in der Regel nicht akzentfrei sprechen, Dünkel nennen?

Gott versus Ideal

Die Franzosen sind, wie wir wissen, seit der Revolution von 1789, offiziell strenge Laizisten. Das schlägt durch bis hin zum Liedgut. Das Lied, das im Deutschen so schön heißt: "Nehmt Abschied, Brüder, ungewiß / ist alle Wiederkehr..." hat alternativ zwei vierte Strophen zur Auswahl. Eine für die Gottgläubigen, die andere für Atheisten, Agnostiker und Laizisten (die dann durchaus an Gott glauben dürfen, aber dennoch dafür sind, das als Privatmenschen zu tun).

4. Car Dieu qui nous voit tous ensemble
Et qui va nous bénir,
Car Dieu qui nous voit tous ensemble
Saura nous réunir.
--
4. Car l'idéal qui nous rassemble
Vivra dans l'avenir
Car l'idéal qui nous rassemble
Saura nous réunir.

Von dieser Stelle aus schweifen dann die Gedanken: Der Zusammenbruch der UdSSR, der Fall der Mauer, das Abdanken, ja der Crash einer konkreten Utopie "Sozialismus auf dem Weg zum Kommunismus" hat die Ideologien kurz und heftig durchgemischt und schnell hat sich eine neue Gemengelage herausgebildet. Und ausgerechnet der Islam, diese urtümliche nicht-aufgeklärte Religion, stellt sich als neue Alternative auf. Alternative zu der bei näherem Hinsehen ja doch auch eigenartigen Verbindung von Kapitalismus und aufgeklärtem Fühlen und Denken. Da fehlt also eine weitere vierte Strophe, eine islamische. Wie könnte die denn wohl lauten? Oder müßten gar alle Strophen umgeschrieben werden?

Montag, 4. September 2006

Break-up

Übersetzen Sie mal das Folgende! Nicht zu schwierig im Sinn. Aber wie in deutsche Worte packen?

"It’s really mystifying about why Miramax let this film gather dust, but one has to suspect that it had something to do with J-Lo being in the cast; they were probably still annoyed with her that, as a result of the backlash from her break-up with Ben Affleck, “Jersey Girl” proved to be a commercial disappointment."

Für break-up gibt LEO übrigens die Möglichkeiten der Aufbruch; der Ruin; der Untergang; der Verfall an. Was wäre wohl im vorliegenden Fall passend? Nichts davon natürlich. Also, ihr Hobbyübersetzer und Professionals, wer mag, versuche sich still und heimlich an diesem Satz.

Freitag, 1. September 2006

Übersetzungen

Zu beachten: Der aus dem Lateinunterricht den Absolventen des Humanistischen Gymnasiums altbekannte "Nulla dies sine linea" wird sehr, sehr unterschiedlich nicht nur übersetzt, sondern auch via Übersetzung interpretiert.

  • In der Tat wird dieses Sprichwort gewöhnlich mit den Worten »nulla dies sine linea« (kein Tag. sei ohne Linie) zitiert.[1]
  • Nulla dies sine linea. Bedeutung: Kein Tag ohne klare Linie. Nur mit Übung kommt man zum Erfolg.[2]
  • Nulla dies sine linea! Kein Tag sei ohne Fortschritt![3]
Ich habe das immer so verstanden (und dachte das sei so schlicht wie korrekt): "Laß keinen Tag vorbeigehn, ohne wenigstens ein paar Zeilen zu schreiben." Im Sinne von "...und deinem Werk hinzuzufügen" natürlich. Es geht nicht darum, Einkaufszettel zu schreiben. Ungefähr so, wie diese englischsprachige Seite das auch sieht:
  • We take the Latin phrase Nulla dies sine linea to mean "No day [should go by] without [reading / writing at least] a line".[4]
Wobei ich eben das Lesen nicht miteinbezogen habe. Nur um das Schreiben geht es. Dachte ich. Aber wenn man das unter [4] anschaut, sieht man, daß es doch noch einmal komplizierter ist.

Missbrauch deutscher Sprache

Mißbraucht einer die deutsche Sprache, wenn er einen anderen -- nun ja, irgendwie was ganz schrecklich Unnettes schimpft? Ist die Sprache sowas wie eine Flasche Rotwein, die man mit dem anderen auch genußvoll austrinken könnt, statt sie ihm über den Schädel zu hauen?

Wie auch immer. Immer, immer wieder ist es erstaunlich, worauf man beim FREIEN LESEN* so alles stößt. Es muß nicht im Internet sein. Aber Netzlektüre ist auch nicht per se dem Buch unterlegen. Nun denn, es geht um Funde wie beispielsweise den:

Seit 06.04.2000, jeden Freitag ist Andreas Buske Vorsitzender Richter am Landgericht Hamburg -- ab 9:30 im Landgericht Hamburg, Sievekingplatz 1, Raum B335, Anbau (früher 833) im Robe mit weißer Krawatte als Richter zu bewundern. // Mit oft gut einem Dutzend Verhandlungen bezüglich des Missbrauchs deutscher Sprache, welche er freitags bis in den späten Nachmittag durchzieht, beweist dieser distinguierte Vorsitzende erstaunliches Durchhaltevermögen. // Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede, fiktive Lizenzgebühren, Entschädigung, Ordnungsstrafe sind Gegenstand seiner Verhandlungen, sogar bis zum Eingriff ins Persönlichkeitsrecht der Selbstdarstellung. // Seine Urteile scheinen im Wesentlichen festzustehen schon vor der Verhandlung.

Ist das nicht so knapp wie schön formuliert? Macht es nicht Lust auf mehr, auf Weiterlesen? Gibt es nicht auch Hemingways der normal Netzveröffentlichung? Dreimal ja.

--

* Das 'freie Lesen' (FL) soll als Terminus eingeführt werden. Darum die schreienden Majuskeln. Das FL ist das Gegenteil des 'zielorientierten Lesens'. (Selbstverständlich gibt es Mischformen.) Das FL streift in Bibliotheken und im Internet herum. Es ist das Flanieren auf der Meile des Geistigen. Und diese Meile kann unversehens auch mal ins Rotlichtviertel oder ins Fußballstadion führen. Oder eben zum Gericht bzw. zu den Kommentatoren eines Gerichts.