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Montag, 2. Juni 2014

"Glaubst du an Gott?"

Vor 50, ja vielleicht vor 20 Jahren konnte man, wenn man jemand einigermaßen gut kannte, diese Frage stellen. Sie hatte einen Sinn. Antwortmöglichkeiten: "Ja / Nein / Schwer zu sagen. / Als ich ein Kind war, da habe ich an den lieben Gott geglaubt. / Ich bin Agnostiker. / ..."

Heute hat diese Frage einen anderen Wert und Inhalt. Es ist ungefähr so: Es gibt Profis. Bischöfe, Kardinäle, der Papst an ihrer Spitze. Die Profis glauben von berufswegen. Wie sie das machen, was da der Inhalt ist, bleibt weitgehend unklar. Ist es ein großes Gefühl? Ein vages Spüren, ummantel von den Möglichkeiten und den Pflichten des Amtes? Eine These mit einem jeweils gesonderten Gottesbild?

Für die Nicht-Amtsträger der Kirchen, die Laien also, und für die Menschen überhaupt und allüberall hat die Frage ungefähr den gleichen Stellenwert und Sinn wie die Frage an einen, der leibhaftig vor einem sitzt: "Schwimmst du im Amazonas?" Eine solche Frage verwirrt den Gesprächspartner nachhaltig.

Erwartbare Gegenfrage, nach einer verlegenen Nachdenkenspause: "Äh, meinst du -- ob ich oft bei Amazon was bestelle?"

Wissend um diese Zusammenhänge: Was würden die Menschen, die man kennt, wohl so sagen, wenn man sich heute noch traute, sie zu fragen?