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Sonntag, 15. Februar 2015

Die Weltmeere und das Plastik

Ich bekomme manchmal "die Krätze" (Ausdruck von meinem Sohn, entliehen), wenn ich manche publizistisch und politisch aufbereiteten Zusammenhänge wiederholt lese. Nun also, berichtet wird:
  • a) Unglaublich viel Plastikmüll zerstört neben vielem anderen die Weltmeere, also das Leben dort. 
  • b) Ein junger Holländer namens Boyan Slat will sich damit nicht abfinden und hat sich eine Maßnahme dagegeben ausgedacht. 
  • c) Natürlich springen gleich die namhaftesten Experten herbei, die die Ideen des jungen Mannes für Kokolores erklären]. (Dahinter steht wohl: Muss Kokolores sein, sonst wären wir, die Experten, natürlich längst draufgekommen. Eine, rein emotional gesehen, ziemlich dämliche Einstellung. Aber weit verbreitet natürlich, nicht nur in diesem Zusammenhang.) 
  • d) Der Hang zur Selbstkasteiung ist in bestimmten Gruppen der entwickelten Länder sehr verbreitet. Wobei: 
  • e) Natürlich ist es keine wirkliche Selbstkasteiung, sondern immer ein Zeigen auf die anderen, die noch nicht so weit sind wie man selbst. Textprobe: "Der Plastikmüll wird dabei hauptsächlich in Industrienationen produziert. Müll aus weniger entwickelten Ländern ist weit weniger schädlich, weil er oft aus natürlichen Materialien besteht [!? Die Legende vom edlen Wilden mal wieder?], die sich schnell zersetzen und dem Meeresökosystem keinen Schaden zufügen." 
  • f) Dagegen steht, gut nachlesbar in der Wikipedia: "Lt. der Anfang 2015 von Science veröffentlichten Studie sind die Hauptverursacher des jährlichen Mülleintrags die Länder China, Indonesien, Vietnam und die Philippinen. In den Ländern mit den untersuchten 192 Küstenregionen seien 2010 275 Mio. t Plastikmüll produziert worden, 99,5 Mio. t davon seien aus der Bevölkerung gekommen, die innerhalb eines 50-Kilometer-Streifens an der jeweiligen Küste lebe und woher vermutlich der größte Teil der Kunststoffreste stamme, 31,9 Mio. davon seien unsachgemäß entsorgt worden, was schließlich zum errechneten Ergebnis führe. „Die 20 Länder mit der höchsten Verschmutzungsquote seien für 83 % aller unsachgemäß behandelten Plastikabfälle verantwortlich“." -- Schließlich und endlich und eng verbunden mit d) und e): 
  • g) Es sollen die Plastiktüten bei uns verboten werden, um die Weltmeere sauberer zu kriegen. (Nun habe ich gar nichts gegen ein Plastiktüten-Verbot. Die Verbieter müssen dann aber bitte sagen, wie man die Dinge vom Supermarkt nach Hause bekommt, wenn man eben mal die Tasche vergessen hat oder von der Arbeit kommt.)
Wovon bekomme ich also die Krätze?

Davon, dass die gut sichtbaren Zusammenhänge a)-f) mit g) kuriert werden sollen. g) hat aber so gut wie nichts mit a) zu tun.

Welche Alternativen, naheliegend, gibt es?
  • Wir legen fest, dass in jedem Supermarkt eine Klappe ist, in die man seine alten Plastiktüten stecken kann, damit die, die keine Tüte dabei haben, sich kostenlos bedienen können.
  • Wir erfinden abbaubares, doch haltbares Material. Denn Taschen braucht der Mensch.