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Sonntag, 7. Juni 2015

G7-Argumente: Ich bin für G7!

Ich kenne Schloss Elmau. Nach dem Um- und Neubau haben wir da mal Kaffee getrunken. Der Ort ist gut gewählt. Leicht zu beschützen, weil auf freier, grüner Fläche gelegen. Dann die Demonstranten ... Ich denke mir, mit dem Eindruck von Fernsehbildern die Sache hin und her.

Pause.

Ich habe gemerkt, dass ich das, was ich hier schreiben will, viel leichter schreibe, wenn ich es gleich dem Wikipedia-Volk vorlege. Um mal zu sehen, was da gemeint und gesagt wird. Dort also weiter.

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Ich habe mir überlegt, ob ich das da oben unter "Laßt uns mal möglichst unsinnig Geld raushauen!" einfüge; aber dann wurde mir beim Durchlesen der Beiträge dort klar, dass es doch nicht wirklich unter diesen Abschnitt passt. Meine Überlegungen gehen, zweigestuft, so:

Stufe 1: Es gibt keine wirklichen Befürworter des G7-Treffens. Das führt dazu, dass ich überlege -- einfach entlang dem Grundsatz Audiatur et altera pars --, was man denn für diese Treffen anführen könnte. Wenn ich es nicht tue, macht es ja keiner.

Nun denn, aufgepasst: Die Gegenmeinungen lassen sich wohl gliedern in: a) die generelle "Die-da-oben-Kritik" und b) die Kosten-Kritik ("Was könnte man mit dem rausgeschmissenem Geld alles an Sinnvollerem tun!").

Stufe 2: In Sachen Rationalität solcher Treffen an sich, beispielsweise: Warum keine Videokonferenz, warum nicht, wenn schon, an einem geheimen, ohnehin extrem geschützten Ort? Usw. Also in Richtung a). Nun, viele Leute, total-ökonomisch eingeseift, wie sie nun mal sind, verkennen, dass Politik seit jeher und wahrscheinlich für immer eine Symbol-Angelegenheit ist. Dazu gehört Öffentlichkeit, sich dem Volk zeigen, mit dem Volk eine Brezel essen in Krün im konkreten Fall. Das geht nicht, indem man neben Fort-Knox einen Hotelbau errichtet für diese Gipfel. -- In Richtung b), unter Voraussetzung von a): Für viele, die sich heute für politische Durchblicker und Rationalisten halten, erschließt sich das Symbolische in der Politik und auch sonst im Leben einfach überhaupt nicht. Das kann man aber durchaus als Wahrnehmungsdefizit und als Unfähigkeit ansehen! Für viele Menschen, nicht nur für die Politiker, ist das Symbolische sehr wichtig. 

Mal ein anderes Beispiel: Irgendwann wurden in den deutschen Universitäten die Talare abgeschafft, nachdem die 68er da "Muff von 1000 Jahren" ausgemacht hatten. Anschließend starrten dann die Studierenden und ihre Eltern neidisch nach England und Österreich, wo man die Talare weiter trug. Dass in Deutschland auf einmal alles nur sachlich sein sollte? Die Abschlusszeugnisse mit der Post kamen und das war's? Gefühl: Was sind wir für ein armes, rationales Völkchen voller aufgeplusterter Rationalisten! 

Noch einmal das Kostenargument: Was hätte man gutes tun können, wenn man das Geld, das für die Dome des Mittelalters und für Neuschwanstein im 19. Jahrhundert ausgegeben wurde, den Armen und Bedürftigen gegeben hätte! Dann hätten wir heute keine Dome und kein Märchenschloss und das Symbolische wäre perdu. Wäre das besser als der tatsächliche Zustand?

Und auch das noch: Wenn die Demonstranten das, was Sie für ihre Demo-Reise und das damit verbundene Selbstbestätigungsgefühl ausgeben, einem Projekt in der Flüchtlingshife gespendet hätten, dann wäre da auch ein "'übsches Sümmchen" (Volker Pispers) zusammengekommen. Und wenn die Deutschen (Reiseweltmeister!), die aus Prestige- und Selbstverwirklichungsgründen dieses Jahr Urlaubsfernflüge buchen, von denen sie anschließend nichts anderes haben als ein paar Fotos, mit denen sie angeben können, und natürlich die Verschlechterung der Umweltbilanz -- wenn diese Deutsche dieses Geld für ein Projekt in Afrika ausgäben, wir könnten wirklich was Großes auf die Beine stellen!

Unterm Strich, ich als der andere Teil: Weil ich den Wert des Symbolischen kenne und schätze, bin ich für den G7-Gipfel!