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Mittwoch, 9. Dezember 2015

'Plagiatsjäger' denunzieren?

Spontane Überlegung auf dem Weg ins Büro: Was haben Plagiatejäger und Denunzianten gemeinsam, was unterscheidet sie? 

Vor dem Bildschirm dann erst mal eine Suche. Ich stelle fest, dass a) die Plagiatejäger bei Google als Plagiatsjäger auftauchen und b) natürlich schon viele diese Frage so oder so ähnlich gestellt haben.


"Wenn man schavanplag und lammertplag gelesen hat, drängt sich eine Erkenntnis über 'Robert Schmidt' auf: Sein Motiv ist ganz offensichtlich nicht die Verteidigung der Wissenschaft, sondern die Lust daran, der Bundesregierung und der CDU möglichst große Schmerzen zuzufügen, indem er ausgerechnet diejenigen bloß zu stellen versucht, die als deren klügste Köpfe gelten. 'Robert Schmidt' ist ein Denunziant und er fügt der Wissenschaft Schaden zu."

Was haben der Plagiatejäger -- ich bleibe bei diesem Wort -- und der Denunziant typologogisierend gesehen gemeinsam?

Beide zeigen (i) etwas bei Behörden und bei der Öffentlichkeit an, das (ii) als unzweifelhaft negativ gilt. Dass (iii) die verschiedenen Typen des 'Negativen' genauer ins Auge gefasst werden müssen, ist ein wesentlicher Punkt. Wer einen vermuteten Kindsmissbrauch anzeigt, ist wahrscheinlich kein Denunziant, wer deine vermutete Steuerhinterziehung dem Finanzamt steckt, schon eher. Und dann natürlich der Urtyp des Denunzianten: Der, der einen Oppositionellen bei der Diktatur anzeigt. Der Nachbar im 3. Reich, der vermeldet, dass in der Wohnung über ihm BBC gehört wird.

Der Kommentar-'Avatar KAYH' schreibt zu einem Freitag-Artikel schon am 5. Januar 2012:

"[...] Wo ist der 'säuerliche Moralismus' denn genau zu verorten, dem die 'wichtigsten Akteure' so exzessiv frönen? Was ist so eng an den 'bürgerlichen Moralvorstellungen', die sich gegen wissenschaftlichen Betrug richten? Was genau ist der Widerspruch zwischen 'Transparenz' und 'verwirklichter Autonomie'? Wessen Autonomie ist überhaupt gemeint? Es ist ja ganz unterhaltsam, das einfach alles mal in den Raum zu werfen. Bleibt es allerdings beim einfach Werfen, dann erstreckt sich der Erkenntnisgewinn des Lesers eigentlich nur auf: Magnus Klaue denunziert ganz gern faktenfrei vor sich hin. Nehmen wir mal schulterzuckend schlicht zur Kenntnis."

Und so geht es hin und her. (Im vorliegenden Fall des 'Avatars' immerhin bemerkenswert sprachlich korrekt.) Immer werden bauchgesteuert die Argumente post emotionem zusammengesucht. Auf der einen wie auf der anderen Seite. So ist es, wenn in umstrittenen Zusammenhängen versucht wird zu argumentieren. Ginge es auch anders? Wahscheinlich nicht.


"Plagiatsjagd ist das Pendant zur Titeljagd, gleichsam ihre dunkle Seite. Wie diese ist sie zu einer deutschen Obsession (und zu einem eigenen Geschäftsfeld) geworden, so deutsch wie die  [offenbar] unübersetzbare 'Schadenfreude'. Der Herr Dr. wollte etwas Besseres sein, jetzt fällt er umso tiefer, das Publikum hat’s ja schon immer geahnt. Anonymus 'Robert Schmidt' hält seine wahre Identität streng geheim. Zumindest sein Deckname aber deutet darauf hin, dass er sich als Anwalt des gewöhnlichen Bürgers sieht. Im Namen der Schmidts, Müllers, Schulzes, Meiers schaut er den Mächtigen auf die Finger. | Über den Menschen hinter dem Allerweltsnamen ist wenig bekannt, streng genommen nicht einmal sein Geschlecht. 'Schmidt' gilt als computertechnisch versiert und wissenschaftlich bewandert, und er muss viel Freizeit haben. Vielleicht ein deklassierter Gelehrter auf Hartz IV, der sich rächt, indem er erfolgreiche Politiker stürzt, die sich in falschem akademischem Glanz gesonnt haben? Klingt plausibel, doch hat 'Robert Schmidt' im Magazin 'Spiegel' behauptet, 'keinerlei Sozialleistungen' zu beziehen."

Soso. Bleibt eigentlich nur: Rentner. Informatiker. Halb-Loser. Um es hier auch mal mit dem präsumtiven Denunzieren zu versuchen.