Donnerstag, 7. Januar 2010

Oury Jalloh

Die Meldung im Radio. Hier eine andere in der Zeitung.

Nach den Erkenntnissen das Landgerichts soll Jalloh - obwohl auf einer Liege festgebunden - mit einem Feuerzeug den Bezug der Pritsche aufgeschmort und den Schaumstoff im Inneren angezündet haben. Das dadurch ausgelöste Alarmsignal des Rauchmelders hat der angeklagte Beamte zunächst mehrfach abgestellt und war erst mit Verzögerung zur Zelle geeilt.


Eine fatale Geschichte! Hier prallen, man kann es direkt fühlen, Welten aufeinander. Die Angehörigen des Toten fordern lautstark Gerechtigkeit -- eine andere Gerechtigkeit als die eines bundesdeutschen Gerichts mit all der zögerlichen Abwägung von Zeugen und Beweisen und dem "Im Zweifel für den Angeklagten".

Volkes Stimme, hinter den Polizisten, sagt etwa (und keiner berichtet davon): Wenn sie in ihren afrikanischen Heimatländern so hinter Gerechtigkeit her wären, diese Leute, hätten sie erst gar nicht zu uns kommen müssen. Dort in Afrika herrschen Folter und Chaos, und hier wird auf feine Ordnung geachtet. Außerdem -- wenn sich einer anzündet, dann muss er umgehend gerettet werden? Wo bleibt da der freie Wille? Er hätte es doch auch lassen können? Und außerdem -- das Benehmen vor der eigentlichen Tat! Hat jemand schon mal Polizisten befragt, wie sich ihre "Kunden" tagein-tagaus so benehmen. Was sich die Polizisten da alles gefallen lassen müssen? Wäre das nicht auch einen Bericht wert?! Erklärt das womöglich, warum ein Polizist nach dem x-ten mutwillig ausgelösten Alarm nicht gleich losrennt?

Quelle? Wie immer sagt die Diskussion hinter dem Wikipedia-Artikel mehr als der Artikel selbst.

Nachtrag: Ich habe weitergelesen. Ich weiß es einfach nicht, wo die Schuld liegt. Oder wie sie sich ggf. verteilt.

Und was macht man mit dieser Einlassung?

"Ein Artikel einer Enzyklopädie hat nicht die Aufgabe Stimmung zu machen, unklare Sachverhalte darzustellen oder zu politisieren, so wie es hier ganz klar der Fall ist. Durch diesen Artikel wird der Polizei und der deutschen Justiz ganz klar unterschwelliger Rassismus vorgeworfen. Wenn der Obdachlose XY in einer Ausnüchterungszelle ums Leben gekommen wäre, hätte er ganz sicher keinen Artikel in der Wikipedia bekommen. Dies stellt meiner Meinung nach eine Ungleichbehandlung aus ethnischen Gründen dar, was im Endeffekt nichts anderes ist als alternativer Rassismus. Und selbst wenn sich der Vorwurf bewahrheitet hätte, ist dies keine Relevanz für einen Artikel, denn dann müsste man auch für hunderte andere Opfer rassistischer Straftaten, wie sie jedes Jahr in Deutschland passieren, einen Artikel erstellen. --Porphyrion 23:19, 10. Dez. 2008 (CET)"

Hat Porphyrion Recht? Die Relevanz-Frage ist also ebenfalls sehr vertrackt.

Zeitungsbesichtigung am Morgen

Die Darwin-Preis-Geschichte ist schon ein wenig angejahrt; aber den heutigen Nachtrag aus der Papierausgabe der SZ habe ich im ePaper nicht gefunden. Im Übrigen -- China! Ja, da wär ich fast auch einmal gewesen. Nur habe ich trotz formvollendeter Einladung kein Visum bekommen. Fremdes Land.

Verteidiger vor Gericht
Der Kulturkampf um Chinas Mittelschicht/ Von Shi Ming
"Hohes Gericht", holte Chen Youxi, einer der bekanntesten Strafverteidiger Chinas tief Luft, um nach neun Stunden Gerichtverhandlung vor einem handverlesenen Publikum in Chongqing, der weltweit größten Metropole in Zentralchina, fortzufahren: "William Pitt der Ältere soll einmal über die Hütte eines Normalsterblichen gesagt haben: Hier hinein darf der Wind eindringen, der Regen auch, nur der König nicht". In diesem Sinne möchte ich mein Plädoyer zur Verteidigung meines Kollegen, des Anwalts Li Zhuang, wie folgt formulieren: In das Hoheitsgebiet des Rechtes darf der Wind eindringen, der Regen auch, nur der König nicht."

Von Markus C. Schulte von Drach
Dummheit kann lebensgefährlich sein. Immerhin: Wer sich ohne Selbstmordabsichten auf die idiotischste Weise umbringt, hat Chancen auf einen Preis: den Darwin Award.
22.01.2008, 11:09

Der Darwin Award geht an Personen, die ihre Gene selbst aus dem Genpool entfernen, indem sie sich auf idiotische Weise umbringen. Foto: istock
Der Fall der zwei Schwerverletzten in einer Stadt in South Carolina war mysteriös. Das junge Pärchen lag völlig nackt und leblos auf der Straße, als ein Taxifahrer sie in den frühen Morgenstunden des 20. Juni entdeckte. Nichts wies auf einen Verkehrsunfall hin. Zudem gab es keine Spur der Kleidung der Opfer. Erst als die Polizei die umliegenden Häuser erkundete, wurde sie fündig.

Auf einem der Gebäude fand sie die ordentlich abgelegten Kleider der beiden 21-Jährigen. Offenbar hatte sich das Pärchen auf der Dachschräge vergnügt, war abgerutscht und auf die Straße gestürzt. Im Krankenhaus konnte für die beiden nichts mehr getan werden.

--------

So, und dann muss mal wieder Martenstein erwähnt werden. Das kann man auch ganz lesen, der ZEIT sei Dank! und Kordamon ist noch mal was anderes?

Zu Hause googelte ich "Kodampoli oder Kokum". Es gab nur acht Rückmeldungen, eine davon war das Rezept aus der ZEIT, die anderen waren auf Englisch. Ein Blogger aus Malaysia berichtete, wie schwierig diese Zutat in Malaysia aufzutreiben sei. Eine Susheela Raghavan schrieb, dass es sich bei Kokum – in Kerala Kodampoli genannt – um die getrocknete Rinde eines immergrünen Baumes handele, der in der Provinz Gujarat sowie in der Region Maharashtra vorkomme. Das Rezept ist übrigens sehr gut, es geht aber auch mit Kurkuma.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Rechtschreibreform zum wiederholten Male 2

[ Alle Beiträge zur Rechtschreibreform in diesem Blog. ]

Ich komme einfach nicht davon los! Die RSR. Wollen wir es nicht positiv sehen? In einem gewissen Rahmen gilt heute: Schreib wie du willst! In einem gewissen Rahmen, wohlgemerkt! Und diesen Rahmen zu sehen, ist für die verbale Unterschicht auf keinen Fall leichter geworden gegenüber vor 1996. Das hammse jetzt davon, die Menschheitsbeglücker von der Rechtschreibreform! Das folgende Ergebnis ist im Sinne des neuen Gefühls jedenfalls sehr, sehr schön:

Ein ZEIT-Magazin

Gedanken beim Durchblättern eines ZEIT-Magazins.
  • "Die Selbstinszenierung der modernen Väter". Umschlag. Dazu ein Bild eines recht jungen Mannes mit den Händen auf einem Schwangeren-Bauch. Streckt er, der sonst Schlanke, den eigenen Bauch nur vor oder ist da was gefakt? Auf jeden Fall etwas überkandidelt, das Bild wie der Text. Aber so ist es nun mal, das ZEIT-Magazin. Das Überkandidelte als der moderne Lebensentwurf für moderne Menschen.
  • Ach, apropos überkandidelt! Auf der nächsten Seite, also auf der Rückseite des Umschlags, ist eine Anzeige. Bree. In einem eigens gestylten Schriftzug aus Großbuchstaben. Nie gehört. Eine seltsam fahrig lachende blonde Frau, nackt soweit zu sehen, hält die Handtasche, für die geworben werden soll, vor die Brust. Die Haare hochtoupiert, so als sei sie gerade aufgestanden. Das Ganze aber natürlich kunstvollst arrangiert. Dunkel unterlegte Augenpartie. Ich kannte mal eine Schwedin, Ulla, die Freundin von Güniz, seinerzeit, in Tübingen, die ungefähr so gelacht hat wie dieses Model. Ulla schwärmte so sehr für schwarze Männer! Sie ist einmal hinter einem -- den hat sie wohl als GI kennengelernt; aber da bin ich mir wirklich nicht mehr sicher --, also sie ist hinter dem in die USA hergereist. So verliebt war sie. Ist trotzdem nichts geworden. Das letzte was ich gehört habe -- von Güniz? -- war, dass sie mit einem schwedischen Zahnarzt verheiratet ist. Oder war. Ist schon wieder so lange her. (Und ich will dann doch wissen, wer sich hinter Bree verbirgt. Und siehe da -- offenbar ein Riesen-Werbeaufgebot und dabei Taschen, die direkt übers Internet vermarktet werden. Zu durchaus noch bezahlbaren Preisen. Ob das gut gehen kann?)
  • Martenstein, den ich immer lese. Launig wie immer. Diesmal über die Auswahl unter Bewerbern. Als ich letzthin sehr kritische Studenten, die an allem und jedem was auszusetzen hatten -- vor allem an jedem und jeder --, ich habe also gefragt, wen sie denn positiv sähen. Also so, dass sie so sein möchten. Da sagte nach längerem Nachdenken ein junger Mann kurz und knapp: Martenstein. Und was soll ich sagen? Ist schon ein toller Typ, der Martenstein. Nicht nur ausweislich seines Schreibens in dieser Kolumne. Sogar als Darsteller macht er sich nicht übel. Was hab ich ihn da gesehen? Mal sehen, ob ich es schnell finde... Also das, was ich gesucht habe, eine SPIEGEL-Konferenz der Erinnerung nach. Aber es gibt genug, und das da ist auch nicht schlecht. Und im Übrigen glaube ich, dass Martenstein wie in einem Traum lebt. "Das -- dieser ziemlich berühmte Kolumnist --, das bin ich!? Unglaublich. Hätte ich mir das mit 17 träumen lassen, damals, als man noch Träume hatte? Lebe deinen Traum! Recht so. Aber -- habe ich meinen Traum verwirklicht, wie man so sagt? Oder hat mich ein Traum verwirklicht?" So ungefähr muss Martenstein fühlen.
  • Städteslogans und Tiger Woods, das überschlage ich mal.
  • Jetzt kommen die Väter-Darsteller. Irgendwo erfährt man, dass es Bauchprothesen aus -- Schaumstoff, glaub ich, sind. Was für affige Bilder und was für ein gaghaft-affiger Artikel. Gewollt zeitgeistig. Es gibt nichts Schlimmeres im Journalismus!
  • Und gleich dahinter die 3. Welt und der Mord an einem Bauern-Vertreter in Brasilien. "In dem Land [Brasilien] verfügen drei Prozent der Bauern über zwei Drittel des bebaubaren Landes." Wo findet man die Zahlen sonst? Jetzt also nicht die des bebaubaren Landes und seiner Besitzer, sondern der Reichtumsverteilung allgemein?
  • Ich halte inne: Irgendwie ist das alles, als ob einer auf der Totenfeier Witze erzählt. Oder vielleicht nicht grad Witze. Aber halt nicht in der einen oder anderen Form über den Toten und den Sinn des Lebens spricht. Deplaziert [sic] das eine oder andere.
So, jetzt ist es auch genug. Dass Dieter Althaus zurückgetreten ist, Schande! Das hab ich nicht mitbekommen. Siehe S. 46. "Der Verlust des Amtes war auch befreiend." Na also.

Dienstag, 5. Januar 2010

Ohne Kommentar

„Islam4UK“ vertritt die Verwandlung Großbritanniens in ein der Scharia unterworfenes Kalifat. Auf der Homepage der Gruppe fordert er in einem offenen Brief die Familien britischer Gefallener auf, zum Islam überzutreten und sich damit „vor dem Höllenfeuer zu bewahren“. Auf der gleichen Website predigt in einem Video „Bruder Abu Yahya“, die „drei Idole des 21. Jahrhunderts zu vernichten: Demokratie, Freiheit und Säkularisation.“ Das alles konnte man bis Montagabend noch herunterladen: Seitdem ist die Website von „Islam4UK“ aus bisher nicht bekannten Gründen gesperrt.

Auseinandersetzungen

Wieder einmal die Idee, dass es eine Sprachaufbewahrungsinstitution geben müsste, die die normale Sprache und die normalen Auseinandersetzungen dokumentiert, um zukünftigen Generationen Material an die Hand zu geben. Für das Verstehen der Altvorderen. Hier mal wieder so ein Beispiel. Und weiterhin bemerkenswert: Das Internet beschert der WELT eine ganz neue Leserschicht!

---

KEVIN RUSSELL
Der Böhse Onkel und die Flucht
VON SARAH LENA GRAHN
5. Januar 2010, 09:09 Uhr

Nach einem schweren Verkehrsunfall mit Fahrerflucht am Silvesterabend auf der A 66 bei Frankfurt am Main ermittelt die Polizei gegen ein Mitglied der 2005 aufgelösten Rockband Böhse Onkelz. Der Sänger Kevin Russell stehe unter Verdacht, den Unfall verursacht und anschließend zu Fuß geflüchtet zu sein, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt.

---

05.01.2010, 10:03 Uhr David sagt:
@ Von der Lügen Soviel Schwachsinn mit so wenig Worten. Respekt!

05.01.2010, 10:08 Uhr jeff123 sagt:
@von der Lügen
Das sehe ich ähnlich

05.01.2010, 10:12 Uhr LiebeTante sagt:
an vonder lügen. was bist du für ein Spinner. Es ist nix bewiesen. und gemanden den Tod wünschen ist das allerletzte. Wenn du die Onkelz und die Texte kennen würdest wüsstest du wie die zb zu (wie du es sagst) Kinderfickern stehen. Ich urteile nicht bevor nichts bewiesen ist. Es ist sehr schlimm was passiert ist aber es ist schon oft passiert. bei unbekannten Menschen da wird nicht so ein Trara draus gemacht..

05.01.2010, 10:32 Uhr Tim sagt:
Zitat: "bei unbekannten Menschen da wird nicht so ein Trara draus gemacht.." Nö, ist klar. Der arme böhse Onkel hat zwei Menschen im brenennden Auto zurückgelassen und ist feige geflüchtet. Aber was soll´s. So´n Trara aber auch. Onkelz-Fans sind mir seit dem Unfall echt noch unheimlicher ...

05.01.2010, 10:40 Uhr LiebeTante sagt:
Tim... das hast du etwas aus dem zusammenhang gerissen. Meiner Familie ist sowas auch schon einmal passiert. Die´erst unbekannte Dame ist auch einfach abgehauen. Das ist nicht in Ordnung. Das geht gar nicht. aber jemanden zu verurteilen geht gar nicht. Es ist noch nix bewiesen... und nur weil er ein Onkel ist... ist das ja schon von vorneherein ein schlechter Mensch oder was....???!!

Sonntag, 3. Januar 2010

Na ja. Fußball eben.

Luca geht zum AS Rom. So ist das im Fußball. Aber vielleicht lag bei den Bayern was falsch, nicht bei ihm? Die schnelle Undankbarkeit ist Teil des Fußballgeschäfts. Nur des Fußballgeschäfts? Die Gesellschaft im Spiegel des Fußballs? Erfolg, schneller und schnell verwelkender Erfolg. Karriere. Geld. Rechnen. Keine Rede mehr von den 39 Toren und dem Jubel 2007 / 08. Ribery, der seinerzeit Total-Umjubelte, wird folgen. Nicht nach Rom Irgendwohin. So ist das Leben. Leichtes Ekelgefühl.

Flugsicherheit, Körperscanner usw.

Daten- und Persönlichkeitsschutz und Flugsicherheit -- das ist ein extrem komplexes Thema.

Mal ein Gedankenexperiment: Es gibt zwei Fluglinien: a) GS = German Safety und b) GF = German Freedom. Bei der GS darf nur einchecken, wer sich in jeder Hinsicht durchleuchten und befragen lässt. Bei b) darf jeder (fast) unkontrolliert einsteigen.

Würden Sie bei GS oder bei GF buchen?

Samstag, 2. Januar 2010

Idiomatik 1: etwas (fest) im Griff haben

Farin Urlaub

Gerade bei der Wikipedia gefunden:
  • Farin Urlaubs erklärtes Lebensziel ist es, alle Länder der Welt bereist zu haben. Sein derzeitiger Stand beträgt 102 bereiste Länder.
  • Farin ist großer Japan-Fan, weshalb in diversen Songs Reminiszenzen an dieses Land auftauchen (Sumisu, Pakistan, Nichimgriff).
  • Die Gruppe LiLi aus Köln hat einen Song über Farin geschrieben mit dem Titel "Farin U."

Monica Lierhaus

Nun, ob Monica L. denn im Vollsinn ein Tabuthema ist? Keine Ahnung. Aber die WELT* sieht es so. Dabei -- an Monica Lierhaus reicht "die Homburg" (WELT-Originalton) tatsächlich nicht heran. Wobei auch noch anzumerken bleibt: Diese Attraktivitätsschiene in den, sagen wir: visuellen Medien -- das ist schon beinhart! So kommt Judith Rakers nach oben. Immer gesprochen für den Fall der Annahme, dass die Tagesschau OBEN ist. Und J. R. ist schon wirklich gut. Nicht nur visuell. Wer würde so gut gegen Harald Schmidt bestehen wie sie?

-------

* Monica Lierhaus. Ein Tabuthema bei der ARD. Keiner sagt etwas, da schließt sie sich an. Es weiß ja auch keiner was. Ob die Zeitungen jetzt schreiben, sie sei die Nachfolgerin oder die Platzhalterin, "ist doch müßig. Es ist in jedem Fall ein komisches Gefühl". Am 6. Januar, wenn Valeska Homburg in der ARD das Abschlussspringen der Vierschanzentournee in Bischofshofen moderiert, genau dann jährt sich der letzte Fernsehauftritt von Monica Lierhaus. Danach ist sie schwer erkrankt, wurde dem Vernehmen nach in ein künstliches Koma versetzt, um ihren Gesundheitszustand, um ihre Wiederkehr, ob, wann, oder wie, ranken sich seither nur Gerüchte. Dass Valeska Homburg sie nun vertritt, liegt auf der Hand. Sie macht das schon seit Jahren. Moderiert, interviewt, überträgt von den Schanzen dieser Welt. Jetzt ist sie eben eingesprungen, mit großem Erfolg, Oberstdorf war erst der Anfang. "Ich gucke nur nach vorn. Keiner hat sich das so gewünscht. Ich auch nicht. Das ist in keinster Weise schön." Alle im Team sind bedrückt, wenn das Thema auftaucht. Sie kennen sich, die Lierhaus und die Homburg. Pflegten ein gutes, kollegiales Verhältnis. "Ich möchte, dass sie wiederkommt. Dann trete ich sofort zur Seite. Das ist ihr Platz. Nicht meiner."

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Adonis in High Chaparral ...

...  und auf Puerto Rico

--

Der Weg geht so, und am Jahresende darf man Solcherlei wohl einmal nachzeichnen: In der Süddeutschen steht ein Artikel zum 80. Geburtstag des Lyrikers Adonis.*

Ich hätte das Bild des Dichters, das da zu sehen ist, ohne weiter nachzudenken für ein Altersfoto eines Schauspielers gehalten, von dem ich -- im Moment nichts mehr weiß. Kaum noch etwas, um genau zu sein. Dass er, immer lachend und gut gelaunt, in einer Western-Serie mitgespielt hat. Wie hieß die Gestalt? Den Schauspieler-Namen hab ich wohl nie gekannt. Keine Ahnung.

Die Suche im Internet beginnt. Bonanza. Rauchende Colts... Dann, nach zwei, drei Internet-Spezialseiten, sehe ich den Titel und weiß sofort: Es war High Chaparral. Bilder. Jetzt auch der Name der Gestalt: Manolito war es! Gleich darauf weiß ich zum ersten Mal auch den Namen des Schauspielers.

"Henry Darrow (born Enrique Tomas Delgado, Jr.; September 15, 1933) is a Puerto Rican-American actor. He is probably best remembered for his role as Manolito Montoya in the 1960s television series The High Chaparral."

So also funktioniert Denken, Assoziieren und Gedächtnis im Zeitalter des Internets. So hätte es vor 20 Jahren nicht funktionieren können! Ist das Internet also ein Nachteil, Herr -- na, wie hieß er doch gleich wieder? Schirrmacher, ja. Herr Schirrmacher?**

Und dass ich jetzt jemand aus Puerto Rico kenne! Alle guten Wünsche zum so wichtigen Jahr 2010 an Marianne. Und an Arne. In San Juan? Nein, in Münster.

-------

* "Niemand konnte, als im Jahre 2004 der Gedichtband "Ein Grab für New York" auf Deutsch erschien, den Titel lesen, ohne an den 11. September 2001 erinnert zu werden. Aber Adonis hat diesen Gedichtzyklus im Frühjahr 1971 geschrieben, als das World Trade Center noch im Bau war und der Vietnamkrieg seinem Ende zuging:

"New York - Harlem / Wer kommt in einer Guillotine aus Seide, wer geht fort in einem Grab von der Länge des Hudson? Explodiere, o Ritual der Tränen, haltet zusammen, ihr Dinge voller Erschöpfung... Ist der Todesvogel zu dir gekommen, hast du das Ende des Röchelns gehört? Ein Strick, und im Hals setzt sich die Schwermut fest, im Blut ist das Innerste der Stunde..."."

** Wer das Internet in Frage stellt, weil es uns mit seinen Möglichkeiten überfordert, der muss auch das freie Angebot an Essen in Frage stellen, weil man durch dieses Essen-kaufen-können-Angebot übergewichtig werden kann. (Das ist von mir.)

Ein Rechts-gegen-Links-Blog

Gerade lese ich noch per Zufall in einem Blog der Erfolgreichen herum. Interessant im übrigen auch die Kommentare der Gleichgesinnten, gleich drunter.

"14.11.2008 Schamloses Einkommen

Was ist ein “schamloses Einkommen”? Für Oskar Lafontaine alles, was über 600.000 Euro im Jahr liegt. Das ist (angeblich) das 20-fache des Durchschnittseinkommens und deshalb wert, mit 80 Prozent besteuert zu werden.
Abgesehen von Lafontaines willkürlichen Zahlenspielen ist der grundsätzliche Gedankengang interessant. Man muss sich also schämen, wenn man wirtschaftlich erfolgreich ist und dafür, so was soll es geben, deutlich länger gelernt hat und überdies mehr ackert als der 38,5-Stunden-Tarifangestellte?
Ist man erst ab dem 20-fachen Durchschnittseinkommen ein Paria, der seine Schuld in der Form wirtschaftlichen Erfolgs durch Strafzahlungen an den Staat abzutragen hat? Oder muss man sich auch mit 590.000 Euro im Jahr schämen und Buße tun? Velleicht sogar mit dem doppelten, dreifachen oder vierfachen Durchschnitts- einkommen? Dann aber, so gnädig ist Lafontaine bestimmt, nur anteilmäßig.
Den weitaus meisten, die überdurchschnittlich verdienen, fällt dieses Einkommen jedenfalls nicht einfach so in den Schoß. Belege dafür, dass es sich bei dieser Personengruppe überwiegend um Wirtschaftskriminelle und Ausbeuter handelt, gibt es wohl auch nicht. Auch wenn Lafontaine das anzunehmen scheint.
Warum also “schämen”? Ich weiß es wirklich nicht. Aber vermutlich bin ich ein altersbedingter Problemfall, weil ich mich daran erinnern kann, wie es in gewissen Staaten war und warum die Menschen vor Freude weinten, als sich diese Gemeinwesen in Luft auflösten."

Ohne ein direkter Freund Lafontaines zu sein -- ich bin schließlich FDP-Mitglied: Wenn Leute, die sich sicherlich zu den Intelligenteren im Lande rechnen, nicht gleich sehen, was gemeint ist, dann ist irgendwas krank in ihnen und im System. (Vielleicht gibt es da aber auch keinen Unterschied. Vielleicht sind sie das System.) Also, ausbuchstabiert, es ist gemeint: Reich werden kann man nur, indem man andere für sich arbeiten lässt. Mit welchem Koeffizienten man die anderen ausnehmen darf, das ist immer eine politische Vorgabe. Steuern sind da nur eine Maßeinheit unter vielen. Und dass die Vielverdiener immer glauben, ihr Bruttoeinkommen sei direkt proportional zu ihrer Tüchtigkeit -- na ja, das lässt mich halt an der Art und Weise wie bei uns Verdienst = Einkommen und Intelligenz gemessen werden, zweifeln.

P. S. Um die Sache noch ein wenig klarer zu machen: Wie tüchtig war Bernard Lawrence Madoff im Jahr 2005? Wie tüchtig ist er jetzt? Wie bemessen wir die Tüchtigkeit der Reichen? Am Kontostand, den Immobilien und an der Chuzpe? Gar -- der Rechtmäßigkeit ihres Tuns? Was ist da Recht und wer hat das Recht gemacht?

Einkommen unserer Fußballer

Wer sich, wie ich, die Stuttgarter Nachrichten und andere, für die Einkommen unserer Fußballer im vergangenen Jahr interessiert, dem sei hier, am letzten Tag des Jahres 2009, eine Rechnung am Beispiel des VfB Stuttgart mitgegeben. (Die Grafik kann zwecks besserer Lesbarkeit durch Draufklicken vergrößert werden.)


Mittwoch, 30. Dezember 2009

Vorschlag eines TV-Geschäftsmodells

Mein Geschäftsmodell für die Zukunft des Fernsehens sieht so aus:
  • Festlegung der Fernsehsender auf 12. (Mehr TV-Kanäle braucht kein Mensch. Titten- und Verkauf-Fernsehen gibt es per Gesetz nicht mehr. Die freie Marktwirtschaft wird nicht länger als "Recht auf Ausnützung potentieller Blödheit der Massen" interpretiert.)
  • Eine einzige, einheitliche GEZ-Gebühr für alle Fernsehsender.
  • Festlegung von Rahmenstandards. Beispielsweise: a) Die Werbezeit darf insgesamt 120 Minuten pro Tag nicht übersteigen. b) Sendungen dürfen nicht durch Werbung unterbrochen werden.
  • Die Gebührenaufteilung erfolgt durch einen Schlüssel, der a) das Zuschauerinteresse (die heutige Quote) und b) die Qualität der Sendungen berücksichtigt. (Das Weitere regeln differenzierte Ausführungsbestimmungen. Diese enthalten ein mathematisches Modell, das auch Sendezeiten, Anteil an Information, Unterhaltung, kulturellen Wert, usw. mit einbezieht.)
  • Die Qualität wird durch einen Expertenrat festgestellt, der von den Zuschauern gewählt wird. (Alternativ: Das römisch-katholische Modell: Demokratie von fast ganz oben. Im Konklave wird der Fernseh-Papst auf Restlebenszeit gewählt. Habemus TV-Papam!)
  • Ein Aufsteiger-Absteiger-Modell nach Art des Sports. Drei Ligen à 4 Sender. Am Jahresende steigen Sender auf und ab. Die beiden letzten Sender der 3. Liga werden durch die beiden Aufsteiger aus dem Bereich "TV-Experimente" ersetzt.
Und warum sollte es in naher Zukunft kein Wikipedia-TV geben -- kostenlos und von Zuschauern gemacht? Echtes TV-on-Demand. Und einmal im Jahr, am 31.12., gleich nach Dinner for One, darf Tina York als Avatar auftreten und singen: "Wi-ir las-sen uns das Fern-sehn nicht verbi-ieten!"

Ich mach Net Zeitung...

Ganz neu ist die Meldung nicht. Aber bemerkenswert bleibt sie. Kaum war die Netzzeitung = NetZeitung ein Begriff, schon rechnete sie sich nicht mehr. Und das Privatfernsehen? Dem geht es auch schlecht.

--

06.11.2009

Betriebsbedingte Kündigungen

DuMont-Verlag stellt "Netzeitung" ein

Die "Netzeitung" ist am Ende: Aus wirtschaftlichen Gründen macht der Verlag DuMont das Online-Medium zum Jahresende dicht, alle Redakteure werden entlassen. Der Betriebsrat ist empört.

Berlin/Köln - Der Kölner Verlag DuMont Schauberg stellt die "Netzeitung" (NZ) in ihrer bisherigen Form ein. "Aus wirtschaftlichen Gründen wird das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben", teilte das Medienhaus am Freitagabend mit. Sämtlichen Mitarbeitern werde "in Kürze betriebsbedingt gekündigt". Zwölf Stellen sind davon betroffen.

Fernsehen in Finnland?


Nachdem ich alles verkabelt hatte und die Ländereinstellung auf "Deutsch" eingestellt wurde, ließ ich den automatischen Sendersuchlauf in meinem Kabelnetz starten. Leider wurden nur "Analoge" Sender gefunden. Der LH 2000 wird laut LG mit Hybridtuner (DVB-T)feilgeboten. Nach meinen Recherchen sollte aber auch ein DVB-C (Digitaler Empfang via Kabel) Tuner mit an Bord sein. Ist er auch! Nur bei mir im Deutschen Ländermodus funktioniert er nicht. Ich denke mal, dass das Problem auch bei andern auftritt.
Deshalb mein Tipp...
Im Menü unter "Option/Land/" Finnland einstellen. Dann beim automatischen Suchlauf statt Antenne einfach "S-Kan." auswählen und starten. Das Häkchen bei automatische Nummerierung entfernen (Sonst lassen sich später die Sender nicht verschieben/sortieren). So wurden bei mir im Kabelnetz über 200 digitale, 80 digitale Radiosender und über 50 analoge Fernsehsender gefunden.

Also ich werde mir keinen Fernseher kaufen, bei dem ich Finnland bei der Sendersuche einstellen muss.

--

OK. Ich bin lernfähig. Bitte weiterlesen!

fofo_junkie meint:
Einfach den Fernseher bei der Länderinstallation auf Schweden oder Finnland stellen. Die Menüsprache aber auf Deutsch einstellen. Danach ist auch DVB-C kein Problem. Warum deswegen den Fernseher abwerten?? Nach änderung des Landes funktioniert der Fernseher wie gewohnt!

El Cheapo meint:
Dem kann ich nur beipflichten. 2 Sterne, nur weil Sie sich nicht schlau gemacht haben: ts ts ts... Solch "irreführende Rezensionen" können Produkten bei Amazon schnell das Genick brechen.

runner meint:
Stimmt DVB-C kein Problem. Ich habe als Land Finnland ausgewählt und die Sprache steht auf Deutsch. Dies hat Lizenzrechtliche Gründe. Auch bei Pannasonic ist es so! LG darf damit auch nicht werben. Wer sich informiert ist im Vorteil - deshalb ist auch an dieser Ecke der sehr gute TV um einiges billiger wie andere Geräte...

Montag, 21. Dezember 2009

Im Radio, Deutschlandfunk, ein Gedicht. Wie schön, dass es so etwas noch gibt.

--


LYRIKKALENDER
21.12.2009

schon faul!

Von Heidi Pataki

der satzgegenstand stinkt aus dem maul
das beiwort hat schuppen
das zeitwort bohrt in der nase
die aussage ist unpäßlich
der inhalt vergaß sich die füße zu waschen
die form hat angeknabberte fingernägel
das wörtlein ewig schmatzt furchtbar laut
das fürwort kennt ein hausmittel gegen flöhe
die bedeutung lässt sich nicht lange bitten

2000 jahre christliches abendland

(Schlagzeilen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1968)


Es gehört zu den Voraussetzungen für das Funktionieren unserer alltäglichen Kommunikation, dass unser Sprachsystem selbstverständlich akzeptierten Konventionen folgt. Nicht immer jedoch ist die Ordnung der Grammatik von so großer Klarheit, wie es die Selbstverständlichkeit unserer Alltagsrede unterstellt. In einem kleinen experimentellen Exerzitium hat die Wiener Autorin Heidi Pataki (1940-2006) alle scheinbar neutralen grammatischen Instanzen unseres Sprachgebrauchs auf den Prüfstand gestellt.

Wenn, wie in diesem Gedicht demonstriert, die vermeintlich objektiven grammatischen und semantischen Ordnungen in ein Stadium des Verfalls und des Gestanks übergegangen sind - wie muss es dann erst um die "Inhalte" oder gar Heilsprogramme stehen, die in dieser Sprache transportiert werden? Mit dem sprachskeptischen Verweis auf die wohlfeile Formel von den "2000 Jahren christliches Abendland", die in der Entstehungszeit des Gedichts, den 1960er Jahren, hohe Konjunktur in den Sonntagspredigten hatte, gewinnt Patakis Gedicht auch eine gesellschaftskritische Dimension.

Das Gedicht wurde gelesen von Gabriele Heinz.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Personenmarketing

(Gleichzeitig eine Anmerkung zu Daniel Kehlmann, Ruhm.)

H., der darüber wohl einige Zeit nachgedacht, wenn nicht gar geforscht hat, sagt zum Thema: "Das Geheimnis der Personenmarketing liegt darin, dass die Gestalt des Ruhm-Aspiranten zunächst jene Eigenschaften entwickelt, die den anderen Leuten im Marketing-Segment eigen sind. Sodann geht es darum, die betreffende Person dem Publikum schmackhaft zu machen. Das besorgt die Gruppe derer, die schon da ist, wo unser Kandidat erst noch hin will, zuverlässig. Wenn ihr denn der Aspirant genehm ist. Sie, also die Gruppe, versteht ja etwas vom Personenmarketing. Das Problem ist nur: Peergroup wie Publikum können zum Erbrechen dämlich und dennoch unbeugbar stolz auf sich selbst sein. Da ist dann die Frage an den Kandidaten, die nur der selbst beantworten kann: Will ich mir das wirklich antun?"

Freitag, 18. Dezember 2009

OpenOffice-Suche

Diese Zeichenfolge findet in OpenOffice von der einen spitzen Klammer mit nachfolgendem Stichwö und beliebig folgenden Zeichen bis zur schließenden spitzen Klammer alles. Schon verrückt, was man mit den PC und den Programmen heutzutage alles machen kann!