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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Vargas Llosa, Dylan, Nobel und el.tako

Der SPIEGEL berichtet das Folgende:

Literatur-Nobelpreisträger 2010 | Vargas Llosa findet Nobelpreis für Dylan frivol" || Die Kultur ist zu Unterhaltung geworden", klagt der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Ein Indiz dafür sieht der Nobelpreisträger für Literatur darin, dass auch Bob Dylan diesen Titel tragen soll. || Donnerstag, 27.10.2016   11:24 Uhr  || Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa sieht die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an den US-Musiker Bob Dylan kritisch. "Bob Dylan ist ein guter Sänger, aber er ist längst kein großer Schriftsteller", sagte der Romancier der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview in Berlin.

Dazu wenig später ein Kommentar:

"el.tako Heute, 12:15 3. Lhosa wer? Man kann nicht behaupten, dass die Schriften von Herrn Losha die Welt bewegten. Eine kurze Umfrage unter Kollegen zeigt, dass der Bekanntheitsgrad auch nicht besonders hoch ist. Im Gegensatz dazu hat das Werk von Herrn Dylan weltweite Aufmerksamkeit gefunden. Er schrieb Texte und Lieder die zu Hymnen der Bürgerbewegung, der Jungendkultur und der Veränderung der Welt in den 60ern wurden. Er hat die Welt nicht verändert, aber er hat mit seinen Liedern den Veränderungen seiner Zeit Ausdruck verliehen. DAS IST KULTUR! Bei Herrn Lohsa warten wir noch darauf."

Was für Fragen fallen mir da spontan ein?
  1. Wie misst man, ob und, wenn ja, in welchem Umfang die Werke eines Schriftstellers die Welt bewegt haben und noch bewegen? (Die alte Sucht, bei solch lockerflockigen Formulierungen nach einer operationalen Definition zu rufen. (Ausdruck operationale Definition unbekannt? Es geht um Definitionen, die eine Anleitung zur empirischen Überprüfung von Aussagen beinhalten, in denen der definierte Ausdruck vorkommt.))
  2. Wie ist der Zusammenhang zwischen der Welt und einzelnen Ländern? (VL kann ja beispielsweise in Peru und Spanien viel bewegt haben, in Italien und in Deutschland aber nicht.)
  3. Wer sind die Kollegen, die da gefragt wurden, und vor allem: wie viel zählen diese Kollegen 'im Kulturleben'? (Vgl. dazu auch Frage 1.)
  4. Wie stark haben diese Kollegen resp. ihre Werke bislang die Welt bewegt?
  5. Korreliert der Bekanntheitsgrad eines Schriftstellers vollständig / stark / ... / gar nicht mit seinem Welt-Bewegen? (Wir stellen mal J. K. Rowling neben A. I. Solschenizyn -- wie steht es da mit Bekanntheit und Weltbewegen? Wird da nicht sehr schnell klar, dass auch der Ausdruck Das Werk X des Schriftstellers Y hat die Welt im Grad Z bewegt so einigen Nachdenkens und Reformulierens bedarf, um sinnvoll verwendet werden zu können? )
  6. Kann man wirklich sagen, dass die Kultur-Definition gilt: Kultur = mit Liedern (oder meinetwegen auch mit Romanen) den Veränderungen in einer Zeit Ausdruck verleihen?
  7. Wer sind die, die unter den wartenden Wir zusammengefasst werden? (Ich und wahrscheinlich viele, viele andere gehören schon mal nicht zu dieser Gruppe! Uns haben 'die Schriften' von Vargas Llosa sehr bewegt, fast so sehr wie das Werk von Borges.)