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Freitag, 27. Dezember 2013

Ablautreihen

Was für eine schöne Idee, und wie gut und lustig dargestellt!

Wer kann sich schon merken, welche Ablautreihe welche ist?
oder: Memorialbilder zur deutschen Sprachgeschichte
Cora Dietl (Gießen)

Anders als die meisten anderen indoeuropäischen Sprachen haben die germanischen Sprachen ein altes System der Tempusmarkierung bei häufiger gebrauchten, alten Verben bewahrt, das Fremdsprachenlernenden – sei es des Deutschen, des Englischen, des Niederländischen oder einer skandinavischen Sprache – das Leben nicht gerade leicht macht: das System der starken Verben, die ihre Vergangenheitsformen durch eine grammatikalisch bedingte regelmäßige Veränderung des Stammvokals, den „Ablaut“, bilden. Im Fremdsprachenunterricht werden die starken Verben fälschlich als „unregelmäßige Verben“ bezeichnet und nicht weiter erklärt, vielmehr wird vom Fremdsprachenlernenden erwartet, dass er lange Listen „unregelmäßiger“ Verben und ihrer Stammformen auswendig lernt. Im Sprachgeschichtsunterricht endlich erfährt der Studierende, dass hinter diesen Verben eine klare Regel steckt – genauer gesagt, sind es im Deutschen sieben Regeln, die sieben Ablautreihen, nach denen die starken Verben ihre Stammformen bilden.
...
Nach dem fröhlichen Rätselraten war die Reaktion meiner Studierenden eine eher geschlagene: Ob sie sich denn jetzt auch noch die ganzen Bilder zusätzlich merken müssten? Auch meine Kollegen, die sich beim Ermitteln der Zahlen und Worte noch schwerer taten als die Studierenden, schüttelten zu großen Teilen den Kopf – und so gab ich das Projekt als weitgehend gescheitert auf und behielt nur mir selbst die Bilder, weil ich mir mit ihnen die Ablautreihen weit besser merken konnte als zuvor.


Wie ging es weiter? Hier kann man es nachlesen!

Und dann sind da noch die Inhalte. Die höchst merkwürdige Einlassung: "Im Fremdsprachenunterricht werden die starken Verben fälschlich als „unregelmäßige Verben“ bezeichnet ..." Wieso fälschlich? Ablaut? Ein verquer gebildetes Wort, das nur durch die Macht der Gewohnheit leicht über die LingustInnen-Zunge geht. -- Eine komische Wissenschaftsgläubigkeit ist das. Nachdem nicht einmal klar ist, woher der Ausdruck starke Verben genau stammt und das Bild von den starken = besseren Verben wahrscheinlich doch dem verqueren Bildbewusstsein von Jakob Grimm entsprungen ist.* Was ist gegen den Ausdruck 'unregelmäßige Verben' einzuwenden, wenn Verben von der Art Ich lieb-t-e und Ich habe ge-lieb-t es immer so machen mit den Vergangenheitsformen? Ich tanz-t-e, Ich habe ge-tanz-t. Während Verben wie singen, Ich sang und Ich habe ge-sung-en, nun ja, eben: unregelmäßig sind.

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|* Man könnte diese Verben doch auch die doofen Verben nennen. Weil der Deutsch-Lerner sie mitsamt den Formen mühsam auswendig lernen muss, während es bei den anderen, den regelmäßigen, guten Verben, mit dem Lernen einer Form und der Regeln zur Umformung getan ist.