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Mittwoch, 18. Mai 2016

"Lügenpresse" ?

Die "Lügenpresse" wird ja von den entsprechend Klagenden und Anklagenden nicht oder nicht in erster Linie so genannt, weil sie im Sinne des Normalverbs lügt, sondern weil sie, nach Meinung derer, die das Wort verwenden, irgendwie manipulativ mit der Wahrheit umgeht. Etwas nicht sagen, ist eigentlich keine Lüge. Das, das in diesem Zusammenhang immer wieder angeführt wird: Bei "kriminellen Tätern mit Migrationshintergrund" wird das mit dem Migrationshintergrund in der Berichterstattung weggelassen. Internetseiten machen sich dann daran, die Migrationsdetails nachzuliefern.

"Prügeltod von 17-Jährigem in Bonn löst Proteste aus | Nach der tödlichen Prügelattacke auf einen 17-Jährigen in Bonn ist die Stimmung aufgeheizt. Der Verdacht auf einen möglichen Migrationshintergrund bei den Tätern ruft rechtsextreme Kräfte auf den Plan." (stern.de)

Jetzt wird allerdings ein "einheimischer" Krimineller, wenngleich verstorben, aber doch vielleicht mit Verwandten, umfassend vorgeführt, und auch sonst fehlt es in den Zeitungen nicht an grauslichen Details:

"Nun, mehr als 18 Jahre später, könnte der Fall endlich aufgeklärt werden. Die Arbeitsgruppe 'Alaska' des Landeskriminalamts Hessen untersucht, ob der Junge möglicherweise einem Serienmörder zum Opfer gefallen ist. [...] | Es gibt Parallelen: Der Täter schnitt die Frauen auf, zerteilte sie und entnahm ihnen Organe, die er mitnahm - wie bei Tristan. Profiler vermuten, dass es sich bei dem Täter um einen sadistisch veranlagten Mann mit sexueller Präferenzstörung handelt. | War es Manfred Seel? Noch fehlen wichtige Informationen, die Kriminalpolizei ist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Am Donnerstag halten die Ermittler daher eine Pressekonferenz ab." (SPIEGEL Online)

Hätte sich die Presse da nicht auch etwas zurückhalten können? Und weiter: Gibt es von seiten des Gesetzgebers, des Presserats und der einzelnen Medienakteure eigentlich Vorgaben, was die Nennung der jeweiligen "Eigenschaften" der Täter angeht?

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Also beginnen wir mal mit dem Sammeln von Stimmen:

"Dezember 2012 in Almere bei Amsterdam: Eine Gruppe jugendlicher Fußballer prügelt und tritt nach einem Regionalspiel brutal auf den 41-jährigen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen ein, der am nächsten Tag an den Folgen stirbt. Niederländische Medien berichten sofort, dass es sich bei den drei Jugendlichen um Marokkaner handelt. In Deutschland erfährt man dies erst einige Tage später aus rechten Blogs. Warum haben seriöse deutsche Medien die Herkunft der Totschläger verschwiegen? Und haben sie damit korrekt gehandelt? Das sind Fragen, die an das grundlegende Verständnis von Journalismus rühren. Und, um es vorwegzunehmen: Mit meinem Verständnis von Journalismus ist eine derartige Selbstzensur nicht zu vereinbaren. Journalisten sollten nicht die Erzieher der Nation sein."

Pressekodex | Schluss mit der Selbstzensur | Der Pressekodex muss geändert werden: Journalisten sollten die Herkunft von Straftätern nennen dürfen. | Von Horst Pöttker || 2. Oktober 2013 Editiert am 11. Oktober 2013 DIE ZEIT Nr. 41/2013 8 Kommentare

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"Als ich vor etwa 20 Jahren mein Volontariat bei einer Tageszeitung absolvierte, kannte ich weder den Pressekodex noch die Richtlinie 12.1. Achtsam zu sein bei Informationen, die etwa religiöse Zugehörigkeit oder ethnische Herkunft betreffen, habe ich nicht während meiner Ausbildung gelernt. Die Frage, wie über Migranten sachlich richtig und sprachlich korrekt berichtet werden sollte, war Entscheidungsträgern in Redaktionen unwichtig. Erst mit dem Eingeständnis, ein Einwanderungsland zu sein, begannen in Deutschland Debatten über den Sinn, die ethnische Herkunft oder religiöse Zugehörigkeit von Tätern zu nennen."

Lieber politisch korrekt als politisch falsch | In der Berichterstattung die Herkunft von Straftätern zu nennen liefert keine Erklärung für die Tat – eine Replik | Von Canan Topçu | 24. Oktober 2013 Editiert am 3. November 2013 DIE ZEIT Nr. 44/2013 559 Kommentare

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