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Montag, 20. Januar 2014

Assia Wevill

Zeitungslektüre am Morgen. In der SZ ein Artikel über und um Sylvia Plath. (Meike Fessmann: Sarkophag mit Tigerstreifen. Feuilleton, S. 11) Wer liest, über Büro- und Sachlektüren hinaus Literatur liest, hat diesen Namen schon einmal gehört, vielleicht sogar ein Gedicht oder einen Gedichtband der S. P. gelesen. Hier nun also dieser Satz:

Die Lebensstationen beider Dichter erzählt sie [Diane Middlebrook] anschaulich und unpathetisch, bis hin zu den Jahren, in denen sich Ted Hughes intensiv um seine Kinder kümmerte und nach dem Selbstmord seiner Geliebten Assia Wevill, die ihre gemeinsame Tochter mit in den Tod nahm, eine zweite Ehe einging.

Ted Hughes -- dieser Mann, ein bizarres Zentrum zwischen zwei Frauen, die beide den Tod suchen und in einer gemeinsamen Form -- Kopf in die Röhre des Gasofens legen -- auch finden. Ted Hughes, Dichter? Ein Name, der zu einem Fußballspieler (Will H.) oder zu einem extravaganten reichen Lebemann (Howard H.) passt, aber doch nicht zu einem Dichter! Ein Foto anbei, das Ted verlegen-schelmisch grinsend und Sylvia strahlend zeigt. Das SZ-Foto Ein Ausschnitt aus dem Bild hier, vom Hals an aufwärts.


(Quelle: NYT)

Ein Kind mit in den Tod nehmen? Das wird hier so sachlich-unkommentiert mitgeteilt, als ob es halt dazugehört, dieses Risiko, wenn man ein Dichter-Kind ist. Aber die Frage natürlich schon, ob dieser Mord im Selbstmord aus Selbstsucht oder aus reiner Ausweglosigkeit resultiert (s. auch ganz unten. Das Kind hat die Tat im Augenblick des Todes vielleicht nicht als Fürsorge verstanden).

Ich jedenfalls beschließe, mich mit den dreien zu beschäftigen.  

Sylvia Plath (1932-1963)
Assia Wevill (1927-1969)
Ted Hughes (1930-1998)

Für den Anfang die drei Bücher, die der SZ-Artikel bespricht:
  • Sylvia Plath: Der Koloss. Gedichte. Englisch und deutsch. Übertragen von Judith Zander. 2013.
  • Sylvia Plath: Übers Wasser. Nachgelassene Gedichte. Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Judith Zander. 2913.
  • Diane Middlebrook: Du wolltest deine Sterne. Sylvia Plath und Ted Hughes. Aus dem Englischen von Barbara von Bechtolsheim. Vorwort von Carl Djerassi. 2013.
Und dann auch noch:
  • 'Sylvia' (Film mit Gwyneth Paltrow und Daniel Craig, 2003)
  • Auch das:* Fay Weldon: Auto Da Fay. Memoiren. 2002.
Es fehlt: Ein Buch, das die Beziehung -- wie sage ich nun: von seiten? aus der Sicht? ... so darstellt, wie Assia Wevill sie erlebt haben mag.

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|* "Nach dem Tod ihres Vaters - sie war damals acht Jahre alt - entwickelte Sylvia Plath eine Hassliebe zu allem Deutschen. Sie kannte nur München, das sie mit Tod und Kälte gleichsetzte, wünschte sich aber sehnlichst, die Sprache zu erlernen. Gewissenhaft verwandte sie darauf zeitweise zwei Stunden täglich und versuchte sogar, Grimms Märchen ins Englische zu übersetzen, was ihr aber nicht recht gelang. || Assia sprach fließend Deutsch. Ihre Mutter Elise Gaedeke, eine Protestantin, wurde 1889 in Kladen bei Stendal geboren. Als Krankenschwester lernte sie ihren späteren Mann, den jüdischen Arzt Leo Gutmann, kennen, und 1927 kam Assia in Berlin zur Welt. Als Hitler an die Macht kam, ging die Familie nach Palästina, und die Verbindung zu den deutschen Verwandten, auf die Assia ihr Leben lang neugierig war, brach ab. Mit 20 bereiste Assia England, Kanada und Birma und ließ sich schließlich in London nieder."

"Im Sommer 1963 floh Hughes mit den Kindern vor den Spannungen zwischen ihm und Assia nach Court Green, Assia blieb in Sylvias Wohnung in London. In den folgenden fünf Jahren gab es in der Beziehung Höhen und Tiefen. Assia brachte eine Tochter zur Welt und ließ sich von David Wevill scheiden, doch Hughes weigerte sich, sie zu heiraten. Im März 1969 drehte sie in der Küche den Gashahn auf und nahm die vierjährige Shura mit in den Tod. || Mit ihrem Selbstmord wollte sie Sylvia Plath weder nachahmen noch übertreffen, wie gelegentlich behauptet wurde. Für Assia war ein Leben ohne Ted Hughes unvorstellbar, und als die Beziehung scheiterte, sah sie keinen Sinn mehr darin weiterzumachen. Shura nahm sie mit sich, weil sie sich nicht darauf verlassen konnte, dass Ted sich um sie kümmern würde. Sie wollte ihre Tochter nicht allein in einer fremden Welt zurücklassen."