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Mittwoch, 7. Januar 2015

Niedriglöhne

So steht es heute in der SZ:


Wirtschaft / Reform im Reich der Niedriglöhne / Die Regierung will den Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit verhindern. Ihr Einsatz soll begrenzt, der Verdienst erhöht werden. Die Arbeitgeber sehen darin einen Angriff auf die unternehmerische Freiheit / Von Thomas Öchsner

Dann, ein wenig weiter:

Die Mitarbeiter in den großen Einzelhandelsketten räumen in der Regel schon lange nicht mehr selbst die Regale ein. Dafür gibt es billigere Spezialisten: Etwa 100000 Menschen bestücken die Filialen mit Waren, bis zur Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro häufig für nur sechs bis sieben Euro die Stunde. / Die Regalfüller sind bei einem der 120 Unternehmen der Branche angestellt, die sie als Werkvertrags-Arbeitnehmer in die Filialen der Supermärkte schicken. Ihr Arbeitgeber hat dafür den Auftrag übernommen. Wie viele Stunden mit wie vielen Mitarbeitern dafür nötig sind, braucht den Auftraggeber nicht mehr zu interessieren. Der Einzelhändler bekommt ein „Gewerk“, eine vorher abgesprochene Leistung geliefert – und hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Das Einräumen der Regale ist so viel billiger, als dafür eigene Mitarbeiter für mehr Geld nach Einzelhandelstarif zu beschäftigen. (Süddeutsche Zeitung, Wirtschaft. 07.01.2015, S. 15)

Zwei Standpunkte nun von meiner Seite:

a) der Unternehmer: "Ja, diese Leute, die da die Regale einräumen, die können halt auch nichts anderes als einfachste Arbeiten. Sie werden nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage bezahlt. Wie anders soll es auch gehen? That's it! Die müssen doch froh sein, dass sie überhaupt eine Arbeit bekommen. Hätten Sie sich weiter qualifiziert, zum Automechaniker zum Beispiel, sie hätten viel größere Chancen am Arbeitsmarkt. Der Arbeitsmarkt heißt so, weil er ein Markt ist! Capisce?"

b) der idealistische Gewerkschafter: "Das ist es! Menschen werden wie Maschinen gesehen. Als Kostenfaktoren. Und es geht um Kostenminimierung. Es werden Löhne nach Marktsituation minimiert. So wie es das Prinzip der Kostenminimierung verlangt. Menschen? Nirgendwo. Nirgends. Weder auf der Kapitalisten-, noch auf der Regaleinräumer-Seite. Nur eben -- die Kapitalisten haben sich selbst blöd bis hin zur Unmenschlichkeit gemacht. Die Regaleinräumer, die hatten, weil vom Kapitalismus so gewollt, einfach keine Chance."

Ein idealistischer Gewerkschafter muss es sein. Denn der normale Gewerkschaftsfunktionär denkt eher wie der Unternehmer. Auch wenn er das natürlich nicht laut sagen darf.