Donnerstag, 13. September 2018

Interview mit Romy Schneider (1959)

Ein Ausschnitt aus dem SPIEGEL. These: Zwei gereifte Männer versuchen ein Mädchen, das sie durchaus faszniert, dennoch irgendwie vorzuführen. Und das Mädchen mag das nicht. Heraus kommt also: Quark.

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Unveröffentlichtes SPIEGEL-Interview mit Romy Schneider

"Ich bin ja keine Heilige"

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1959 trafen sich Romy Schneider, damals 20, und die SPIEGEL-Redakteure Walter Busse und Günter Gaus zum Interview. Doch das Gespräch ging schief, das Tonband verschwand im Archiv. Bis jetzt. Von Walter Busse, Günter Gaus

03. September 2018

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Busse: Es stehen zuweilen Sachen in der Zeitung, die Ihnen keinen Spaß machen.

Schneider: Sicher, aber ich werd's nicht ändern können.

Busse: Was denn zum Beispiel?

Schneider: Dass man mit Leuten verbandelt wird, mit denen man gar nicht verbandelt ist. Immer dieselben Gerüchte, mit jedem Filmverlobten, jedem Partner im Film oder mit meinem Regisseur. Die Gagen in der Zeitung sind viel höher als in Wirklichkeit. Meine Mutter zieht man durch den Kakao.

Gaus: Woran liegt das, dass die Zeitungen so viel über Sie berichten?

Schneider: Sicher nicht an mir. Mit irgendwas müssen Sie ja Ihre weißen Seiten füllen. Mir ist nur unbegreiflich, warum man immer die Dinge verdreht.

Busse: Sie haben sich zu Weihnachten gewünscht, die Berichterstattung möge anders sein.

Schneider: Richtig, richtig soll sie sein!

Gaus: Halten Sie sich für einen Star?

Schneider: Nein, ich halte mich für keinen Star.

Busse: Sie haben mal gesagt, der Ausdruck "Filmstar" sei eine dumme Bezeichnung.

Schneider: Nein. Das habe ich nicht gesagt.

Busse: Dann war das auch schon wieder falsch berichtet.

Gaus: Was ist ein Star?

Schneider: Ein Star ist für mich die Callas zum Beispiel. Sie ist für mich – tja, jetzt müsste man gut formulieren können – ein Star im besten Sinne ist eine große Könnerin, wenn man sie hört, wenn man sie sieht, vergisst man alles.

Gaus: Sie verstehen Star ganz positiv.

Schneider: Nein, es gibt Stars und es gibt Stars. Ein richtiger Star benimmt sich nicht wie ein Star.

Busse: Sie meinen, er macht nicht so viel Theater um sich. Aber könnte es nicht sein, dass ein Künstler bei aller Könnerschaft, nicht die gleiche Prominenz erreicht, wenn er das Theater nicht macht?

Schneider: Nein, man braucht das Können, um populär zu werden.

Busse: Meinen Sie, dass sich das Talent in jedem Fall durchsetzt?

Schneider: Ja, letzten Endes ja. Absolut. Das kann bei vielen etwas länger dauern, bei einigen geht es sehr schnell. Aber wenn jemand etwas kann, dann wird es sich letzten Endes immer durchsetzen, glaube ich.

Gaus: Nachdem Sie gesagt haben, dass sich jedes Talent – und dafür halten wir Sie ganz gewiss – schließlich durchsetzt, würden Sie sagen, dass Sie Ihre Publicity nur durch Ihre Arbeit erhalten haben? Schneider: Ich weiß es nicht. Ich habe nur gemerkt, dass dieser ganz Wirbel mir letzten Endes auch nicht geschadet hat, beim Publikum, weil sie spüren, dass es nicht stimmt. Es hat mir nicht genützt und es hat mir nicht geschadet.

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Und so geht das noch eine ZEITlang -- eine Zeitlang so weiter.

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