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Freitag, 8. Februar 2013

Was ist eine Novelle?

Wikipedia-Diskussion Novelle, mein Beitrag heute:

"Ein Beispiel für gelehrte Unklarheit | "Hinsichtlich des Umfangs bemerkte Hugo Aust, die Novelle habe oft eine mittlere Länge, was sich darin zeigt, dass sie in einem Zug zu lesen sei." | Hier gelangt der Stil deutscher Gelehrsamkeit wieder mal in seinen Zenit! Von Interesse ist jetzt nur noch, wo ungefähr die 'mittlere Länge' liegt (am besten in Anzahl der Wörter angegeben) und wieviel der Einzelne so Zeit hat. Wie lange liest man denn 'in einem Zug'? (Kalauer der Art 'zwischen München und Hamburg' lassen sich schwer unterdrücken.) Ein Germanistik-Professor für Literatur nimmt wahrscheinlich 2 x 4 Stunden 'als 'einen Zug' an, also 8 Stunden, unterbrochen von einem leichten Mahl mit Weißwein. Die Essen-Unterbrechung zählt da nicht. Aber die anderen? Und wie schnell liest denn unser Leser / unsere Leserin? Zumindest was die Länge angeht, könnte man ja doch mal exemplarisch werden. Ich fange an: Günter Grass: Im Krebsgang. Eine Novelle. Hochgerechnet. Taschenbuch 7 Wörter / Zeile, 32 Zeilen / Seite, 216 Seiten. Macht 48.384 Wörter. Sagen wir: 50.000 Wörter. Das nennen andere natürlich einen mittellangen Roman. Und die Lesegeschwindigkeit? Die Wikipedia hilft weiter: Durchschnittliche Leser 200–240 WpM 50–70 % Verständnis. Keine Ahnung, was 50% Verständnis ist bzw. wie man das misst. Aber jetzt soll jemand anders weitermachen. Ich werde mich derweil dafür einsetzen, dass die Literaturwissenschaft erst mal ihre positivistischen Hausaufgaben macht, ehe sie in die Wolken des Daherbramarbasierens entschwebt"