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Samstag, 18. April 2015

SPIEGEL and Reuter at it's best!

Die Reporter des SPIEGEL verstehen es immer noch zu schreiben! Und zu informieren und zu reflektieren.

"Samir Abed al-Mohammed al-Khleifawi war der echte Name des Irakers, dessen knochige Züge von einem weißen Vollbart gemildert wurden. Doch unter diesem Namen kannte ihn niemand. Auch mit Haji Bakr, seinem bekanntesten Pseudonym, wussten die wenigsten etwas anzufangen. Und genau das war Teil des Plans. Der einstige Geheimdienstoberst der Luftabwehr in Saddam Husseins Armee zog seit Jahren aus dem Hintergrund die Fäden beim „Islamischen Staat“. Ausgestiegene Kader des IS hatten ihn immer wieder erwähnt als einen der führenden Köpfe. Was er aber genau tat, blieb im Dunkeln. Doch als der Architekt des „Islamischen Staates“ starb, hinterließ er etwas, was eigentlich streng geheim bleiben sollte: den Bauplan dieses Staates. Eine prall gefüllte Mappe handschriftlicher Organigramme, Listen und Ablaufpläne, die beschrieben, wie sich ein Land schrittweise unterwerfen lässt. Diese 31 manchmal aus mehreren Seiten zusammengeklebten Blätter liegen dem SPIEGEL* exklusiv vor. Sie enthüllen eine vielschichtige Komposition und Handlungsanleitung, in manchen Teilen erprobt, in anderen neu entworfen für die anarchische Lage in Syriens Rebellengebieten. Es ist gewissermaßen der Quellcode der erfolgreichsten dschihadistischen Terrorarmee der Neuzeit."

Das changiert zwischen Verschwörungstheorie, Journalismus des Aufdeckens und Enthüllens und Geheimdienstbericht auf das Schönste hin und her.

Und dann der Einsatz, der Fund! "Die Dokumente lagen lange Zeit versteckt in einem winzigen Anbau eines Hauses im umkämpften Nordsyrien." Und dann hat sie der SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter herausgeholt. Lesenswert. Und dann: Nachdenken! In welcher Welt leben wir?

"... Bewerbungsschreiben anreisender Ausländer wie des Jordaniers Nidal Abu Eysch. Der hatte seine Terror-Referenzen samt Telefonnummern mitgeschickt, ebenso das Aktenzeichen einer gegen ihn anhängigen Strafsache und seine Hobbys: Jagen, Boxen, Bombenbauen."

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"Während die Aufmerksamkeit des Westens vor allem der Gefahr von Terroranschlägen gilt, wird ein anderes Szenario unterschätzt: der heraufziehende innerislamische Krieg von Sunniten und Schiiten. Dieser würde dem IS ermöglichen, von einer verhassten Terrororganisation zur zentralen Macht aufzusteigen."

Und am Ende bleibt die Frage, warum die islamischen Gebiete, sieht man vom Iran ab, bis 1989 keine Rolle gespielt haben in der Weltpolitik. Und ob gilt: "Da hat der Samuel Huntington wieder mal recht!"

Vielleicht ist es so, dass das entscheidende die Aufmerksamkeitsstruktur der Weltöffentlicheit ist. Wenn Ost und West sich fetzen, ist für Drittes kein Platz mehr. Ganz schlicht. Aber dann, als die UdSSR geht, kommen die Looser im Enzensbergerschen Sinn und hauen auf den Putz. Und die Medien der Welt springen darauf an. Und noch ein wenig Terror + Medien, und das Bild hat sich gewandelt.

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Was wird die CIA sinnvollerweise tun? Sie wird das Buch und Auszüge aus dem Buch in die relevanten Sprachen der Region übersetzen lassen und -- für die einfachen Leute als Flugblätter, für die gehobenen Kreise als Buch -- von Flugzeugen aus abwerfen lassen. Gegenreformation nannte man das früher.

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* Warum sich der SPIEGEL selbst vollkommen unmotiviert in die Zeichen "!#### einhüllt, das wissen wohl nur die Programmierer seiner Seite.