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Freitag, 11. März 2016

Flüchtinge -- differenziert

Dass man Menschen und also auch Flüchtlinge nicht über einen Kamm scheren darf, das wird ja nun oft genug gesagt. Es sagt sich auch leicht. "Differenziert" muss man die Welt sehen, immer. Dabei hat doch Niklas Luhmann gemeint, dass Erkenntnnis mit Reduktion von Komplexität einhergeht. 

Die Flüchtlinge also. Wir können sie differenziert sehen, aber gruppieren müssen wir am Ende doch. Welche Vorstellungen, Bilder sind in Köpfen derer, die kommen? Natürlich zwei Gründe zuvorderst: "Gefahren für Leib und Leben", wie die Juristen da sagen, entkommen. Und: Es wirtschaftlich, in der Lebensplanung besser haben. Kleine Sondergruppen auch, Richtung Terror und Kriminalität. Mischformen in allen Feinheiten allemal. 

Dann aber kommen beim Bemühen, differenziert zu sehen, die großen Fragezeichen, wenn man so etwas liest:

11. März 2016 | Haar | Flüchtling springt aus fahrendem Zug und stirbt || Der junge Mann war Richtung München unterwegs und wollte offenbar einer Polizeikontrolle entgehen. || Ein junger Mann ist am frühen Freitagmorgen bei Haar östlich von München aus einem fahrenden Zug gesprungen und kam dabei ums Leben. Wie die Polizei mitteilte, fuhr der Nachtzug von Verona Richtung München - eine Verbindung, auf der häufig Flüchtlinge unterwegs sind. || Mit an Bord waren auch Schleierfahnder, um Kontrollen bei den Fahrgästen durchzuführen. In einem Sitzabteil stießen die Fahnder auf den jungen Mann, der sich zunächst unter einer Sitzbank versteckte. Als sie nach seinem Ausweis fragten, gab er ihnen Papiere, die in Österreich ausgestellt worden waren. Daraufhin baten die Beamten den Mann, vor dem Abteil zu warten, um die Dokumente zu überprüfen.Zwei Augenzeuginnen im Zug || Während der Kontrolle schlüpfte der Mann - den Papieren zufolge ein 17-jähriger Ägypter - in ein anderes Abteil, in dem bereits zwei amerikanische Touristinnen saßen. Dort öffnete er das Fenster und sprang. Nach einem Notruf wurde die Strecke nach dem Mann abgesucht. Er wurde schwerverletzt in der Nähe des S-Bahnhofs Haar gefunden, starb aber noch vor Eintreffen der Rettungskräfte. Wie die Münchner Polizei bei einer Pressekonferenz mitteilte, ist der Mann bereits früher einmal von der Bundespolizei aufgegriffen worden. Damals sei er nach Österreich zurückgeschickt worden. (sueddeutsche.de)

Wie glaubte dieser junge Mann hier leben zu können? Indem er sich unregistriert und irgendwie und ohne Sprache "herumtreibt"? Wie wollte er im Idealfall leben? Oder war da ein Trauma, von dem wir nichts wissen? Wie geht man überhaupt um mit den Traumata von Flüchtlingen? Welches Leben lassen diese Traumata noch zu, hier in Deutschland und anderswo?