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Donnerstag, 31. März 2016

Wir wären wohl längst ...

Ich will es gerade heraus sagen, besser: zugeben: Ich lese in letzter Zeit viel in Foren und in den Online-Kommentaren der Internet-Zeitungsseiten. Weil ich Material für eine linguistische Theorie des politischen Argumentierens suche. Dieses Lesen kann zu einer schädlichen Sucht werden. Und zu einer psychischen Belastung. Richtung: So widersprüchlich sind die Meinungen, sie können das Hirn auseinandersprengen! Und schlicht auch: So schlichten Gemüts sind die Leute, die sich da äußern. Äußeres Zeichen: grottige Rechtschreibung und Grammatik. Und dann finde ich bei tagesschau.de* eine Zeile, die mir aus dem Herzen spricht. Heißt: die das sagt, was ich die ganze Zeit, während ich lese, auch denke:

Ich bin oft froh, dass meine lieben Mitforisten keine politische Verantwortung tragen. Wir wären wohl längst alle tot.

Ja, eine Gemeinde von Besserwissern versammelt sich, die durchgängig eigentlich nur das eine weiß und sich in diesem einen Punkt vollkommen einig ist: Allesamt wissen sie es besser als die Politiker und die Leute, die bei Polizei und Geheimdiensten Verantwortung haben. Bei aller unterschiedlichen Meinung -- da sind sie sich vollkommen sicher!

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* Bezug: 

"Ihre Meinung zu: Kommentar zum Terror in Brüssel: Nicht in die Falle tappen | 29. März 2016 | Polizisten in Brüssel | "Wir befinden uns im Krieg", "Belgien ist ein Versager-Staat", "Die Muslime sind böse" -- vor diesen Phrasen zur Erklärung der Anschläge in Brüssel warnt ARD-Korrespondent Kai Küstner in seinem Kommentar. Er appelliert, sich den wahren Ursachen für den Terror zu stellen."

Nun gut, auch da ist eine böse Falle eingebaut. Der Korrespondent Küster tut so, als ob es die 'wahren Ursachen des Terrors' gibt, und er kennt sie, die meisten anderen nicht. Was für eine Hybris!