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Sonntag, 13. März 2016

Michael Hofbauer und Christian Goller

Schon wieder eine Zeit her. Um Ecken herum, ein SZ-Bericht als Nachforschungsanstoß, finde ich ein Interview. Auszug:

Cranach-Fälschungen auf der Spur | Der Heidelberger Kunsthistoriker Michael Hofbauer erklärt, weshalb Bilder aus Bayern gefälscht sein müssen | 21.11.2014 || [...] [Interviewer Harald Raab:] Kann man in Christian Goller einen modernen Nachfahren der berühmten Donau-Schule in der Malerei sehen? [Michael Hofbauer:] Man sollte nicht versuchen, ihn zu einem Meister zu stilisieren. Mal ganz abgesehen von der kriminellen Energie, die hinter solchen Arbeiten steckt. Was er macht, ist keine Kunst, hat keinen eigenschöpferischen Wert, sondern ist epigonal. Gleichwohl nötigen die handwerklichen Fähigkeiten, solche Produkte herzustellen, einen begrenzten Respekt ab. (rnz.de)

Ich behaupte: Christian Goller ist a) Restaurator, b) exzellenter Maler im Sinne des Handwerks, und, ja, auch und vor allem: c) ein großer Künstler! (Was ihm fehlt, ist ein Theoretiker, der wortreich und wortgewandt das Konzept seiner, Gollers Kunst erklärt.)

Wie komme ich darauf? Nun, dem präpotenten Kunstbetrieb mit seinen präpotenten Experten mit all ihren Angeber-Gesten den Spiegel vorzuhalten, das ist eben eine Form der Konzeptkunst, die ich hoch schätze. Diese Art der Konzeptkunst hat einfach noch keine theoretische Aufarbeitung erfahren.

Im Übrigen auch hier: Dass der Staat den Kunstbetrieb schützt, indem er Fälschungen von Bildern wie Fälschungen von Geldscheinen behandelt, den vorhandenen Kunstbetrieb. Das hat zwar Tradition, ist aber im höchsten Maße irrational. Die Betrogenen sollen sich eine wie auch immer definierte "Echtheit" in Kaufverträgen bestätigen lassen, und wenn diese vertragsgemäße "Echtheit" nicht gegeben ist, dann sollen sie gefälligst Zivilprozesse führen, wie andere Kaufleute auch. Wieso schützt der Staat die Kunstszene -- finanziell aufwendig [sic] -- vor Verfehlungen, die in ihr und ihren Bräuchen angelegt sind? Betrug und Fälschung, das sollen die Galeristen, die Museumleute und die Experten gefälligst unter sich ausmachen. -- P. S. Das gilt auch für "Replica" jeder Art. Natürlich sollten Ideen und Originalität geschützt werden. Das ließe sich heutzutage im Übrigen recht gut mit Echtheitschips, die von außen her ausgelesen werden können, ermöglichen. = Jedem Stück eine individuelle Nummer, die mit einer Datenbank abgeglichen werden kann. Dann aber: Patentschutz und Urheberrecht müssen auf die Ebene der Zivilklagen gerückt werden. Was da der Zoll zu suchen hat, ist mir schleierhaft. Kostet das Steuergeld der großen Mehrheit, und geschützt wird das Luxus-Proll-Gehabe einer kleinen Geldminderheit. (Näheres zum konkreten Replica-Thema hier.)