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Montag, 5. Februar 2018

Über Robert Schneider

Aufruf, über Robert Schneider nachzudenken! Und vorher den klugen kleinen Essay von Andrea Spiegl zu lesen.* Hat es nicht etwas Schönes, ja nachgerade Anheimelndes, wenn ein lang verkannter Autor mit dem ersten Erfolg in den -- vorübergehenden? -- Wahnsinn kippt? Ist es nicht so, dass die meisten anderen Autoren in vergleichbarer Lage sich da nur mit Mühe am Riemen reißen? Loben wir also den Offenen und den Ehrlichen, vereint in der Person des Robert Schneider!

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"Robert Schneider scheint sich nach dem Erscheinen von Schlafes Bruder am Erfolg seines Erstlings geradezu berauscht zu haben. Was von manchen Befürwortern als ironisches Spiel mit der eigenen Person bezeichnet wird, wirkt nur allzu oft schlicht überheblich. So schreibt er [Schneider] beispielsweise ein Telegramm an Jochen Jung, an einen der vielen Lektoren, die Schlafes Bruder ablehnten: „Jochen Jung, Sie großartiger Verlierer, ich küsse Ihnen Ihre enge Stirn.“

Der versprochene zweite Roman ließ dann jedoch auf sich warten. Erst 1998 erscheint Die Luftgängerin im Blessing Verlag. Kurz zuvor tauchen plötzlich Gerüchte um die Rahmenbedingungen dieses Werkes auf: Es heißt, Schneider bekomme einen unerhörten Vorschuss vom Verlag. Sogar von einem Chauffeur und 5-Sterne-Hotels auf Lesereisen ist die Rede. Die Garantiesumme stellt sich schließlich, zumindest nach der Behauptung des Autors selbst, als reine Erfindung heraus.

Dennoch, nach Schneiders eitlem Posieren schürt dies den Unmut der Rezensenten: Zur Luftgängerin erscheinen 85 Rezensionen, 83 davon sind Verrisse. Plötzlich wird nun der bei Schlafes Bruder wenn schon nicht gelobte, dann zumindest tolerierte Unterhaltungswert negativ gesehen: Das Werk 'bedient die sogenannte Klugheit der Herzen, die tiefen Gefühle, die Dummköpfe mit Matura'. Schneider wird ein 'präpotentes Unvermögen' vorgeworfen. Die Luftgängerin sei 'eine Enttäuschung', 'zu mehr als Kitsch und Gestammel hat es leider nicht gereicht'. Auch auf das Spiel mit Formtraditionen wird, wie bei Schlafes Bruder, eingegangen, hier jedoch mehr mit Gehässigkeit als mit Bewunderung: 'Dieses Buch mutet an, als habe ein betrunkener Peter Handke versucht, Hermann Hesse zu parodieren.'" (Homepage Uni Innsbruck / Literaturkritik. -- Zeilenumbrüche von mir. BDLB)


Und dann auch noch vielleicht den Artikel von Thomas Mießgang in der ZEIT von 2014, 'Nach der Offenbarung'. Darin kommt am Schluss RS zu Wort, und er sagt:

"Aber ich glaube ohnehin, dass es mit der Literatur vorbei ist. Weil das Buch einfach ein Medium des 19. Jahrhunderts ist und heute nicht mehr funktioniert. Wenn ich meine Kollegen sehe, die es immer noch wagen, einen Roman zu schreiben – und ich bewundere sie ganz tief –, ist das so ein Ferngefühl, ein Wehmutsgefühl: Sie kämpfen auf so heillos verlorenem Posten."

Was ich nicht wusste und erst da erfahren habe:

"2007 beendet Schneider, der immer mehr in Vergessenheit geraten ist, seine Schriftstellerkarriere. Er wird Hausmann, versorgt seine Kinderschar und widmet sich einem neuen Betätigungsfeld: Dokumentarfilmen."