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Donnerstag, 23. Mai 2013

Pierciengs. Oder: Bürgerliches Kande-laber


Der Beitrag von Astrid von Friesen "50 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen sind tätowiert | Gepierct, tätowiert, operiert | Warum Menschen an ihrem eigenen Körper arbeiten" (Deutschlandradio Kultur, Ortszeit, 16.05.2013 07:20) ist, nu ja -- der ist ... Drucksen wir ruhig etwas herum und sagen wir dann endlich, verlegen: "Ja, das ist -- anregend! Jawohl, anregend ist der Beitrag."

Warum nicht mehr? Weil stellenweise feuilletonistisch in der negativsten Bedeutung dieses Wortes.

Begründungsbedürftig? Nun denn, Zitat:

"Es [die Tätowierungen usw.] sind sowohl öffentliche wie private Mitteilung: Liebesbeziehungen, Schwüre, Dank nach schweren Krankheiten - wie bislang auf Votivtafeln - werden symbolisiert, man signalisiert Insider oder Outsider zu sein. Das ICH betont seine Individualität durch diese Körperbilder, durch den Mut zur Selbstverletzung beim Piercing oder den vergrößerten Busen - gegen die als immer unerträglicher empfundene Fremdbestimmung. || Heute geht es um individuellen Protest gegen das Schönheitsideal der Natürlichkeit. Als wild und ungezähmt möchte man sich von der Elterngeneration abgrenzen und merkt nicht - wie alle Pubertierenden zu allen Zeiten, dass man sich nun einem anderen Gruppenzwang unterwirft. || All dies sind Kompensationen des Narzissmus. Sie verweisen auf ein niedriges Selbstwertgefühl und innere Leere. Gesucht werden Reize und Risiko. Dies entsteht, wenn das Kind nicht wirklich als einmalig durch die Eltern wahrgenommen wird; die verschlüsselten Hilfeschreie nehmen zu.«


Da sagt doch jeder schnell denkende Mensch: "Wow! Gut formuliert! Ja, da ist was dran!"

Jaja, aber nur -- was?! Was ist dran? Viel? Ich nehme nur zwei Sätze einzigen Satz heraus.

Gesucht werden Reize und Risiko. Dies entsteht, wenn das Kind nicht wirklich als einmalig durch die Eltern wahrgenommen wird; die verschlüsselten Hilfeschreie nehmen zu.

These ist also: Die Jugendlichen tätowieren sich, die von ihren Eltern nicht ›als einmalig wahrgenommen‹ worden sind.

Das ist, fordert man auch nur halbwegs vernünftige Thesen, ein einziger großer Quatsch. Warum? Weil diese These, vornehm gesagt, mit Blick auf einen möglichen Nachweis oder Widerspruch, zirkulär ist. Sie haben Kinder, die nicht tätowiert usw. sind? Dann haben sie sie ›als einmalig wahrgenommen‹! Ihre Kinder sind tätowiert? Ja, verdammt, dann haben Sie Ihre Kinder eben nicht ›als einmalig wahrgenommen‹. Punktum.  Das Phänomen beweist zwangsläufig seine Ursache. Nur – was heißt das überhaupt, dass man ein Kind als einmalig wahrnimmt, jenseits solcher dusseligen Zirkel? Wie macht man das? »Hey, Hasi! Du bist toll!« Dreimal am Tag. So?

Ach Gott, werden wir doch ehrlich. Solche Sätze wie der mit den verschlüsselten Hilfeschreien sind einfach für den bürgerlichen Kandelaber*. Schön scheinend und vollkommen inhaltsleer.

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| * Es fällt mir zum ersten mal in meinem Leben auf: Kande-laber. Was für ein passendes Wort!