Mittwoch, 27. Februar 2019

Karl Alich vs. Takis Würger / Hanser Verlag

Notizbuch


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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension Besprechung von 09.02.2019 | Dürfen diese Fakten in solch eine Fiktion? || Der ästhetischen Debatte über Takis Würgers Roman "Stella" könnte nun eine strafrechtliche folgen: Der Autor wird wegen Verunglimpfung Verstorbener angezeigt. || Wochenlang beschäftigte Takis Würgers neuer Roman "Stella" die deutschen Feuilletons. Der allgemeinen Empörung über die handwerkliche Qualität folgte eine moralische Debatte. Würger verzerre, so der Vorwurf, die höchst komplexe Lebensgeschichte der Jüdin Stella Goldschlag zu reißerischer Unterhaltung. Von der Gestapo erpresst, verriet Goldschlag 1943 bis zu dreihundert Berliner Juden. Im Februar 1944 wurde sie trotzdem deportiert, 1946 verurteilte sie ein sowjetisches Militärtribunal zu zehn Jahren Lagerhaft. In den fünfziger Jahren folgte eine Verurteilung durch das Berliner Schwurgericht. 1994 nahm Goldschlag sich das Leben. || Inzwischen ist die Debatte in der Staatsanwaltschaft angekommen. Vor einigen Tagen reichte der Berliner Anwalt Karl Alich Strafanzeige gegen Würger ein. Er wirft ihm Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vor. Alich vertritt die Witwe des Historikers Ferdinand Kroh, dem Stella Goldschlag vier Jahre vor ihrem Tod ihre publizistischen Persönlichkeitsrechte übertrug. "Stella ahnte bereits im Jahre 1990, dass ihre schweren Verfehlungen, ihre Verbrechen an ihren jüdischen Glaubensschwestern und Glaubensbrüdern ausgeschlachtet . . . werden könnten", schreibt Alich. "Frau Birgit Kroh und ich, wir wollen durchsetzen, dass Stella nicht noch einmal posthum missbraucht und ausgebeutet wird." Nachdem Alich schon seit längerem von Hanser verlangt, den Roman nur nach Schwärzungen weiter zu veröffentlichen, greift er nun also zum Strafrecht. Er könnte damit einen Rechtsstreit von kulturpolitischer Bedeutung initiiert haben. (über buecher.de)

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Ich denke über diese Ding nach. Nicht zum ersten Mal eine Entscheidung zwischen Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst auf der einen und Persönlichkeitsrechten auf der anderen Seite. Hängt sich da jemand an eine breite Diskussion, um sich wichtig zu machen oder geht es wirklich um den Schutz einer -- nun ja, am Ende halt doch bösen Person?

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02.11.1992 Ein Tabu der Holocaust-Forschung || bricht der jüdische Emigrant und US-Autor Peter Wyden. Er beschreibt am Beispiel seiner früheren Mitschülerin Stella Goldschlag, wie jüdische Nazi-Opfer in Berlin zu Mittätern wurden. Von der Gestapo gefoltert, hatte Stella eingewilligt, Jagd auf untergetauchte Juden zu machen. Sie hoffte, dadurch ihre Eltern vor der Deportation nach Auschwitz zu retten. Nach Kriegsende wurde sie vor Gericht angeklagt, Hunderte von Juden verraten zu haben. |...| An einem Nachmittag im September 1944 betrat Stella ein Schuhgeschäft in der Rosentaler Straße. Die Frau des Eigentümers, Hertha Eichelhardt, stand lächelnd hinter dem Ladentresen und entschuldigte sich für das knappe Angebot. Sie sah mit einem Blick, daß sie für diese Kundin keine passende Größe am Lager hatte. (spiegel.de)

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Streit um den Roman "Stella" | 7. Februar 2019 | Strafanzeige gegen Autor Takis Würger | Der Berliner Rechtsanwalt Karl Alich hat im Namen der Erben im Streit um den Roman "Stella" (Hanser) offenbar eine Strafanzeige gegen den Autor Takis Würger bei der Staatsanwaltschaft Berlin eingereicht. Würger wird darin "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" vorgeworfen. | | Darüber hatte zunächst etwa die "Berliner Morgenpost" berichtet. Auf Anfrage von boersenblatt.net bestätigt Rechtsanwalt Karl Alich, dass die Strafanzeige gegen Takis Würger eingereicht sei (das auf den 6. Februar datierte Schreiben liegt boersenblatt.net vor) − bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin. (boersenblatt.net)

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