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Samstag, 17. September 2011

Theodor Mommsen: Ordentlich werden



Alles in allem lebt Mommsen 'vernünftiger' als seine Kameraden -- wie weit es die Not ist, aus der er cineTugend macht, wer wollte das entscheiden! Kurz nachdem er selbst die Schule beendet hat, schüttct sein Freund und Vereinskamerad Köhler, der jetzt in Eislebcn zur Schule geht, am 21. 5. 1838 in einem Brief, der mit der Anrede  'Vernünftiger Jens" beginnt, seine guten Vorsätze vor ihm aus:

»Ach Jens weißt Du noch wie Du einst, in der guten Absicht mich von Schroeder fern zu halten mir in der kleinen Mühlenstraßc« - das heißt in Mommsens Wohnung - »Moral vortrugst? und weißt Du wohl, daß das nichts genützt hat? Aber ich will ordentlich werden wahrlich ich will es, will mich nicht von diesen Brezeln tagtäglich zum Kneipen verlocken lassen, ich will arbeiten und Nützliches schaffen damit Du Freude an mir erlebest. Hüte Dich vor dem Anfange des Suitisierens lieber Jens! Aber was schreibe mit dir hat es keine Not, was nur Tertium in Altona jetzt kneipen mag das ist gewiß horrende!«

Ob Mommsen die erhoffte Freude an ihm erlebt hat? Er wurde Kaufmann und ging nach Brasilien. Mommsen meinte später, er habe in Altona seine ›Karriere‹ als ein .muffiger und sehr dusseliger' Primaner begonnen. Wir stimmen ihm nicht zu.