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Sonntag, 14. April 2013

Die Bürgersöhnchen an der Macht

Mal vorab: Ich bin mit Hansi Hinterseer nicht verwandt, auch nicht befreundet, höre nicht seine Musik und habe mir keine Sendungen angeschaut, in denen er mitgewirkt hat. Aber mir gehen die zu kleiner journalistischer Macht gekommenen Bürgersöhnchen (heute auch: Bürgertöchterchen), die Kulturkritikerchen vom SPIEGEL gehörig auf die Nerven. Ich habe gelesen:

"Es ist nicht leicht, die ARD-Show 'Hansi Hinterseer -- Wintertraum in Schlamding' intellektuell zu unterbieten."* (SPIEGEL  Nr. 7 09.02.2013. S. 71)

Alternativ, wie wäre das: "Es ist, seit es den FOCUS gibt, nicht leicht, den SPIEGEL intellektuell zu unterbieten."

Ich meine, es ist doch die leichteste Übung der Welt, da den bürgersöhnlichen kleinen Jauchekübel auszukippen.

Bleibt die bürgersöhnlich-entrüstete oder auch bürgertöchterlich-erstaunte Frage, was ich denn als Alternative sehe.

Na, das Folgende: Die Menschen, die diese Musik und diese Art von Show mögen, sind eine nicht-bürgerliche fremde Kultur mit eigenen Gesetzlichkeiten. Etwa so, wie manchen europäischen Bürgerohren der Klang arabischer oder chinesischer Musik auch nicht so ganz auf- und eingeht, kann der bürgerliche Mensch diese Gesetzmäßigkeiten nicht kapieren. Man lasse die Menschen ggf. über Show und Musik abstimmen -- kann ja die GfK auch gleich noch machen --  und verwende die Fernsehgebühren anteilig für die fremden Kulturen. Es muss ja keiner zusehen und zuhören! Dann wird es auch mal einen Abend mit  türkischer und griechischer Musik geben. Punktum.

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| * Für die, solches lesen möchten, ist der Kontext momentan online: "Aufhören! | DIE "GOLDENE KAMERA" im ZDF geht gar nicht mehr. || Es war nicht leicht, die ARD-Show "Hansi Hinterseer - Wintertraum in Schladming" intellektuell zu unterbieten. Das ZDF schaffte die Übung gekonnt: Es zeigte einfach die Verleihung der "Goldenen Kamera", eines komplett phantasielosen Phantasiepreises, den der Axel Springer Verlag und seine TV-Zeitschrift "Hörzu" in einer Zeit erfunden haben, als Fernsehen noch aus drei Programmen bestand und überwiegend in Schwarzweiß sendete. Damals war das Show-Konzept vielleicht sogar lustig: Glamour-Surrogate, Horden von Wichtigtuern, die sich gegenseitig beklatschen und ein paar Hollywood-Gesichter, die gerade nichts Besseres zu tun haben, Geld brauchen oder ohnehin einen Film bewerben. Aber, liebes ZDF, diese Show ist das kümmerliche Echo einer Ära, deren Ende du wohl nicht mitgekriegt hast."