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Mittwoch, 2. Oktober 2013

"Das Auge hört mit"

So lautet die Überschrift eines kurzen Berichts in "Forschung & Lehre" 10 /2013, S. 839. Was erfahren wir, in aller Kürze gesagt: Dass Laien, aber auch Berufsmusiker die Qualität von Musikern und deren Musik -- es ging um Finalisten in Musikwettbewerben -- eher nach dem Optischen und dem Äußeren denn nach der Musik beurteilen. Auch Profi-Musiker urteilen so! 

Versuchsaufbau: ein Clip von 6 Sekunden, mal "nur hören", mal "nur sehen" und dann auch noch "sehen und hören". Wenn das Bild dabei war, wurden die Sieger zu 50% richtig genannt, also über dem 33%-Zufall, wenn nur gehört werden konnte, lag die Trefferquote bei 26%, also deutlich unter dem Zufallsergebnis. 

Nichts gesagt wird zu der ja nicht uninteressanten Frage, wieso man denn unter den Zufall rutschen kann, wenn man hört. Vielleicht doch Probleme mit dem Setting des Tests? Ich habe mal ein wenig gesucht. Der Artikel, auf den sich der Bericht bezieht, ist im Internet vorhanden. Man kann die Sache also hier überprüfen.

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Ach, und da fällt mir ein, dass ich vor Jahren (im Januar 2009, die Festplatte hält sowas fest) auch mal so eine Idee hatte. Ich hatte sie sogar ausformuliert und einigen Fachleuten vorgelegt. Kein Interesse. Also gebe ich diese Idee mal hier zum Besten.

[Nachtrag: Ein schöner Link auf eine interessante Sendung. Dank an den Bayerischen Rundfunk! (04.10.2013)]

Ein Aspekt bei Werturteilen ist immer auch: Was ist im Konkreten dran an des Kaisers neuen Kleidern? Ausbuchstabiert: Wie viel ist bloße Behauptung von Experten,dass sie Unterschiede im Wert von X, Y und Z wahrnehmen können, wie viel tatsächliche besondere Fähigkeit? 

Für letzteres, den besonderen Fähigkeiten, spricht vieles. Wenn man bedenkt, wie groß die menschlichen Fähigkeiten in Disziplinen sind, deren Fähigkeiten-Bandbreite jeder überprüfen kann -- man nehme bei den clear cases nur die 100-Meter-Läufer --, dann hält man es für wahrscheinlich, dass auch in der Kunst manche Menschen einfach durch Anlage und Schulung in den Qualitäten viel mehr und viel besser unterscheiden können als 99 % der Allgemeinbevölkerung. Nur eben, in den meisten Fällen gilt: Nicht Sicheres weiß man nicht. Es gibt da, hat man den Eindruck, eine Art stillschweigendes Abkommen unter den Experten zu geben, nicht genauer hinschauen zu wollen. Was ja eben zu der schönen Geschichte von den nicht vorhandenen Kleidern des Kaisers unter den Nicht-Experten führt. 

So, und nun kommt die eigentlich Idee: Vor Tagen habe ich in der Süddeutschen Zeitung ein Bericht "Stradivari-Klang mit Kunstharz. Ein Psychoakustiker in Sachsen versucht, modernen Geigen den Klangreichtum alter Instrumente einzuhauchen". (SZ 30. Dezember 2008). Was können Experten, was Teil- und Voll-Laien der unterschiedlichen Stufen tatsächlich bei unterschiedlich guten, natürlich auch: unterschiedlich teuren Geigen eigentlich an unterschiedlicher Qualität hören? Die "Versuchsanordnung" wäre sehr einfach: Eine gute Geigerin / ein guter Geiger spielt auf unterschiedlichen Instrumenten eine kurze, bekannte Klassik-Passage. Alles wird mit professionellen Mitteln aufgenommen und diese technisch sehr hochwertigen Aufnahmen werden Musikern und Klassik-Liebhabern auf der Skala ABSOLUTER EXPERTE ... EINFACHER; UNGESCHULTER HÖRER vorgespielt, die die Aufnahmen dann nach einem nicht zu einfachen, nicht zu komplizierten System bewerten. Wo landen die Instrumente, sagen wir 10, von der einfachen Industrie-Geige bis zur Stradivari?