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Mittwoch, 4. November 2015

"Lügenpresse" ?

Wie man eine Sache hinter einem Wortschwall verbergen kann, macht unter dem Stichwort Lügenpresse die Wikipedia deutlich. Auszug:

Es handelt sich um ein Kompositum aus der Gruppe der Determinativkomposita, das heißt, ein Grundwort oder Kopf (Presse) wird durch ein vorangestelltes Bestimmungswort (Lügen) in seiner Bedeutung modifiziert. Semantisch lässt es sich als effizierendes Nomen bzw. Nomen resultativum einordnen: Das Bestimmungswort gibt das bewirkte Ergebnis an. Der Sinn ist damit etwa: die Presse, die Lügen schreibt. Mit dem Grundwort Presse sind gewöhnlich die tonangebenden Tagesmedien gemeint, im Sinne von Presse (Medien). Da diese Bedeutung erst im 19. Jahrhundert allgemein wurde, ist es nicht verwunderlich, dass das Kompositum erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nachzuweisen ist. Das Bestimmungswort Lügen enthält traditionell einen starken moralischen Vorwurf, wie der Linguist Gabriel Falkenberg in einem sozialgeschichtlichen Exkurs ausführt: sowohl nach dem Prinzip der ritterlichen Ehre als auch nach dem Prinzip der bürgerlichen Geschäftsmoral.

Klingt wie nach einer Proseminararbeit Linguistik, Abt. Wortbildung, 2. Semester, und sagt zur Sache nichts aus. Und dann auch noch der Belesenheitskotau die ritterliche Ehre, der mit dem Begriff gar nichts zu tun hat!

Ich denke, die schlichte Erläuterung, so es denn eine braucht, geht so: Der Begriff L. wird von Gruppen verwendet, die sich und ihre politischen Meinungen in den auflagenstarken Zeitungen und in Rundfunk und Fernsehen nicht richtig dargestellt sehen. Lüge meint dabei nicht in erster Linie, dass unwahre Mitteilungen gemacht werden; vielmehr beinhaltet der Vorwurf meist das Verschweigen Dingen im Namen einer wie immer gearteten political correctness.

In dem im vorhergehenden Post erwähnten Leser-Meinungen wird übrigens auf die Seite netzplanet.net verwiesen, die (angeblich) die Wahrheit sagt.

Die kaum linker Meinungsmache verdächtige Huffington Post dazu: Dieses neue Internetportal hetzt offen gegen Ausländer - und hat damit erschreckenden Erfolg | The Huffington Post | von Sebastian Christ(08/06/2015 17:27 | aktualisiert: 08/06/2015 17:39)

Die teilweise sehr heftige Diskussion über die Seite netzplanet.net und ihre Inhalte: hier.

Ein Problem: die Menschen können sich nicht für einen Moment außerhalb der Sphäre ihrer eigenen Meinungen und Überzeugungen hinstellen und die Welt beobachten und beschreiben, so wie sie sich, quasi von oben gesehen, darstellt. Nur so aber lässt sich ein wissenschaftlicher Standpunkt einnehmen.