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Sonntag, 29. Juli 2012

Ego-Shooter

Vergangene Nacht, so gegen Mitternacht. Eine boy-group Pubertierender im Wohnzimmer. Sie haben die X-Box des einen geholt. Sind extra zu ihm nach Hause gefahren. Um hier bei uns endlich einmal richtig spielen zu können. Mit Beamer und wummernder Sound-Anlage: "Call of duty".

Mit der Einrichtung der Gerätschaften kommen sie nicht zurecht. Ich werde gerufen und richte die Geräte ein. Zu Moralpredigten habe ich anschließend keine Lust und gehe.

Am nächsten Tag, also heute, ist die Frage wieder da: Was fasziniert die Leute an COD und Vergleichbarem? Nicht nur pubertierende Jungs sind es ja, die so etwas "spielen". Das Instinktive aus den Vorzeiten der Evolution? "Wir haben als Menschen, als Art, schon immer gekämpft, getötet, abgeschlachtet. Wir wollen das erleben! Es steckt in uns drin!" So?

 Gab es eine entsprechend Umfrage?

Geht es um die Basics unserer Instinkte und angeeigneten Vorlieben: Der alte Satz eines Linguisten leicht abgewandelt: Jemanden -- aus der eigenen Ablehnung solcher Spiele heraus -- zu fragen, warum er COD spielt, ist genauso sinnlos, wie einen Philatelisten zu fragen, warum er so etwas Unsinniges tut wie Briefmarken sammeln."

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Nach einigem Herumschauen finde ich das:

"[Michael Wagner:] Zum Mythos der Tötungshemmung 


Eigentlich wollte ich diesen Aufsatz nie schreiben. Denn mit Nichts ist in der Computerspielforschung so schwierig umzugehen wie mit dem immer wiederkehrenden Argument, das amerikanische Militär würde Computerspiele in seinen Trainingsprogrammen einsetzen, um Soldaten zu desensibilisieren und so die Tötungshemmung zu reduzieren. Es besteht nämlich gar kein Zweifel, dass das amerikanische Militär (wie übrigens viele andere Militärs auch) nahezu Alles (also auch Computerspiele) erforscht und im militärischen Einsatz erprobt. Selbst verschiedene Glaubensrichtungen der Parapsychologie und Metaphysik sind so zu Ehren gekommen."

(Quelle und der grundsätzliche Standpunkt des Autors)

Die wichtigsten Punkte da:
  • das ständige deklarative Verweisen auf "die Wissenschaft" und das "Wissenschaftliche", gepaart mit
  • einem teilweise extrem unwissenschaftlichen Stil 
  • voller Subjektivitätsformeln und 
  • offenkundig sehr standpunktgebunden
Es fehlt außerdem, als triviale Voraussetzung des Wissenschaftlichen, das Wissen um die Relativität der wissenschaftlichen Erkenntnisse (ablesbar an Methoden- und sonstigen Streitigkeiten innerhalb der Wissenschaften).


Und schließlich, ich geniere mich etwas, das zu sagen:
  • Eine krude Rechtschreibung und Zeichensetzung gepaart mit einem sehr lehrerhaften Duktus mindert auch im Internet das Vertrauen in die vorgetragenen Thesen.
"Sonst wüssten sie, dass ihre Kritik ins leere läuft. Vieleicht sollten sie sich mal mit Popper beschäftigen."


Und was dann über Popper kommt, lässt mich ein wenig schaudern.