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Mittwoch, 21. September 2016

"Ist makelloses Deutsch ...

... die Eintrittsbedingung für Klagenfurt?"

Jesus, Maria und Josef! Was ist schon makelloses Deutsch? Diese Passagen sind mir eben noch einmal über den Weg gelaufen:

"Dass Sargnagel einen brachialen Solipsismus vorspielt, tatsächlich aber eine durchaus melancholische und empathische Gegenwartsentzauberung liefert, fiel umso mehr auf im Vergleich zu jenen Texten, in denen eifrig Bedeutung und Tiefsinnigkeit aufgefahren wurde, an denen sie letztlich selbst zu ersticken drohten. Sascha Machts dystopischer Beitrag wäre ein Beispiel hierfür, Jan Snelas pseudobarocke, hochgerüstete Fantasie über eine Zerrieselung des Abendlandes, dessen Fantastik der Jury wenig einleuchten wollte. Von Bastian Schneiders Kurzprosastücken, denen Sandra Kegel eine allenfalls bordsteinhohe Fallhöhe attestierte, gar nicht erst zu sprechen. | Ist makelloses Deutsch die Eintrittsbedingung für Klagenfurt? | Bedeutung unterlaufen wurde hingegen auf verschmitzte, an Robert Walser erinnernde Weise von dem 1957 geborenen Dieter Zwicky. Ein sprachlicher Taschenspielerzauberer, der dafür zu recht mit dem Kelag-Preis geehrt wurde. Und der israelische Autor Tomer Gardi schleuderte die Jury kurz aus der Kurve. Ist die Eintrittsbedingung zum Bachmann-Preis die makellose Beherrschung der deutschen Sprache? Die Frage von Jurorin Meike Feßmann wurde zwar von den Kollegen zurückgewiesen. Ganz sicher aber wäre es scheinheilig zu behaupten, dass es vollkommene Normalität wäre, dass ein Text ins Rennen geschickt wird, der nicht etwa in einer an Feridun Zaimoglus Kanaksprak angelehnten artifiziellen Variation des Deutschen verfasst ist, sondern ganz offensichtlich ebenso souverän wie charmant die sprachlichen Unzulänglichkeiten des Nicht-Muttersprachlers in Kauf nimmt." (zeit.de)

Und wieder Schriftsteller- und Kritikernamen! Und -innen natürlich. Is ja klar. Immer mehr Namen! 'Wer kennt die Kritiker, nennt die Namen ...' Sempé ist wieder im Bewusstsein.

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Und dann das mit dem Namen -- diesem Namen im Besonderen! Was für ein Name! Da ist ja Burkhard Spinnen, der schon mal nach Lesungen gefragt wird, ob er denn unter seinem Namen -- nun ja: ein wenig leide, ein Waisenknabe dagegen! "Noch vor zwei Jahren war Stefanie Sargnagel eine Wiener Callcenter-Mitarbeiterin, die sich von Dosenbier und Zigaretten ernährte, in grindigen Kneipen unterwegs war und ihre Gedanken auf Facebook festhielt. Jetzt hat sie die Bachmann-Tage in Klagenfurt eröffnet. Darüber, ob das nun Glück oder Pech für sie war, wird viel orakelt werden in den nächsten Tagen. Vielleicht ist es weder noch, sondern einfach nur wurscht, weil sie sich ja immer noch von Dosenbier und Zigaretten ernährt und weil sie diese Lesung wahrscheinlich auch nicht als Glück oder Pech, sondern nur als bizarren Ausflug in die Welt der Hochkultur verbucht." (sueddeutsche.de) -- Na gut, sie hat sich, wie ich erst jetzt sehe, den Namen ein wenig zurechtgebogen und auf aufsehenerregend frisiert: "eigentlich Stefanie Sprengnagel".