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Dienstag, 5. Juli 2011

Zahnlose Steuern mit so 'nem Bart!

Warum ich BILD Online lese?

a) Ich habe schlichte, manchmal niedere Instinkte. (Sensationslust, usw. -- Setzen Sie Ihre niederen Instinkte ein, dann wissen Sie, was ich meine.) Diese Instinkte werden hier befriedigt.

b) Mich interessiert Volkes Stimme, linguistisch und auch sonst.

Heute also diese BILD-Fragen:


Beide Fragen haben ja doch ihre Berechtigung, oder? Was die Typen angeht, so ist es allerdings so, dass die BILD wahrscheinlich dankbar ist, wenn ihr da jemand die Arbeit abnimmt. BILD braucht nicht mehr zu recherchieren und kann sich sogar einmal ein wenig entrüsten. Über Dinge, über die sich sonst die Menschen ohne niedere Instinkte entrüsten, wenn sie, diese Dinge, einfach so in der BILD-Zeitung stehen.

In der Frage der Steuern gibt es einen klugen Kommentar von Ehrhard Eppler in der heutigen Süddeutschen. Jetzt nicht zu der FDP-Variante, die wahrscheinlich BILD meint und von der noch nicht klar ist, wie sie aussehen wird, sondern zu den Kirchhof-Vorschlägen zur radikalen Steuer-Vereinfachung.

Ausschnitt:

In den ersten dreißig Jahren der Bundesrepublik, als der Spitzensatz von 53 Prozent dem Wirtschaftswunder keinen Abbruch tat, verdiente das Vorstandsmitglied eines Großunternehmens etwa das Fünfzehn- bis Zwanzigfache einer tüchtigen Feinmechanikerin. Heute ist es oft das Zweihundertfache, manchmal noch mehr. Und darauf soll künftig knapp die Hälfte des Satzes bezahlt werden, der zu Adenauers Zeiten üblich war. Die progressive Einkommensteuer soll genau in dem Augenblick abgeschafft werden, in dem man sie einführen müsste, wenn es sie nicht seit mehr als hundert Jahren gäbe.

Also das mit der Feinmechanikerin ist ein bisschen affig. Wie viele Feinmechanikerinnen mag es denn damals gegeben haben? Aber sonst?

Und was ist jetzt mit der Frau ohne Zähne und der Frau mit dem Bart?