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Donnerstag, 8. März 2018

Mörder spricht von „Frechheit“ und "Folter

Das kommt immer wieder mal vor. Ich stolpere im Internet über eine Meldung. Lese. Kann das einfach nicht glauben. Fake news? Aber die Zeitung, die Internet-Seite ist seriös! (Mehr in der Süddeutschen und an vielen anderen Stellen.)

Am Ende ein Mosaikstein: Welche Spielarten die Spezies "der Mensch" doch kennt! 

Heute, soeben, das:

Mord an Yvan Schneider Mörder spricht von „Frechheit“ und "Folter" | 05.03.2018 || Deniz E. im Stuttgarter Landgericht am ersten Tag der Verhandlung um seine „nachträgliche Sicherungsverwahrung“. || Ist Yvan Schneiders Mörder weiterhin so gefährlich, dass er auch nach Verbüßung seiner zehnjährigen Haft in „Sicherungsverwahrung“ bleiben muss? Mit dieser Frage befasst sich seit Montag in öffentlicher Verhandlung das Landgericht Stuttgart. Deniz E. selber findet: Wenn er nicht freikommt, sei das eine „Frechheit“ und „Folter“. Es gibt einen Moment an diesem ersten Verhandlungstag, da sich manche Zuhörer im Saal fragen, ob sie ernsthaft richtig gehört haben. Richter Holzhausen liest vor, was ihm Deniz E. in einem Vorgespräch erzählt hat – und dabei zeigt sich: Jener junge Mann, der im August 2007 gemeinsam mit einem Helfer den arglosen Yvan Schneider aus nichtigstem Anlass, nämlich aus unbegründeter Liebeseifersucht, hinterhältig in eine Todesfalle gelockt und mit einem Baseballschläger und Fußtritten gegen den Kopf barbarisch ermordet hat; jener junge Mann, der danach mit Hilfe von Freunden die Leiche zerteilt, in Blumentröge betoniert und in den Neckar geworfen hat; jener junge Mann, der dafür – weil die damals geltende Rechtslage nun einmal kein härteres Urteil erlaubte – nur zehn Jahre Jugendstrafe bekam; jener junge Mann findet offenbar: Täter sind die anderen, er ist das Opfer. Yvans Mörder spricht von „Frechheit“ Dies nämlich erklärte Deniz E. dem Richter im Vorgespräch: Er empfinde es „als Frechheit“, dass er nach Verbüßung seiner Haft womöglich in Sicherungsverwahrung bleiben müsse. Sicher, er wisse, dass „falsch war“, was er gemacht habe, aber „ich hab ne zweite Chance verdient“, schließlich sei er „schon 29 Jahre alt und mit 18 in Haft gekommen“ und habe sich im Gefängnis „nichts zuschulden kommen“ lassen. Nun gut, er sei dort zweimal in Schlägereien verwickelt gewesen, aber „Schlägereien passieren nun mal in Haft“, außerdem habe er „nicht angefangen“, und niemand sei „schwer verletzt“ worden. „Was Sie mit mir machen“, habe Deniz E. gesagt, sei eine „soziale Hinrichtung“, sei „Folter“. (zvw.de)

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Ich muss an Magnus Gäfgen denken, der einen kleinen Jungen umbringt und anschließend aus dem Jammern und Klagen über eine angedrohte Folter nicht mehr herauskommt. Schmerzen, die ihm in einer verzweifelten Situation angedroht wurden: Er wollte nicht sagen, wo er den Jungen versteckt hat.* Gäggen, der es mit Mord und bizarrem Verhalten zu einem Wikipedia-Artikel bringt!

Magnus Gäfgen (* 11. April 1975 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Mörder. Er wurde im Jahr 2003 wegen der Entführung und Ermordung des elfjährigen Bankierssohns Jakob von Metzler zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verurteilt.

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* "Nachdem Gäfgen in der polizeilichen Vernehmung den Verbleib und Zustand seines Opfers verschleiert und zwei unbeteiligte Bekannte als Mittäter beschuldigt hatte, ordnete der damalige Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner an, durch Gewaltandrohung die aus seiner Sicht möglicherweise lebensrettende Aussage zum Aufenthaltsort des Elfjährigen zu erzwingen. Gäfgen machte daraufhin zutreffende Angaben, sodass die Polizei die Leiche des Entführungsopfers finden konnte. Für diese Gewaltandrohung musste sich Daschner später im Daschner-Prozess strafrechtlich verantworten."

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Und passend dazu, am Puls der Zeit, in Sachen "Gladbeck-Verfilmung":

Johnny Bastiampillai, der als Siebenjähriger mit seiner Familie in dem von den Geiselnehmern gekaperten Bus saß, erinnerte sich an die bedrückenden Situationen – und übte gleich zu Beginn scharfe Kritik an der ARD-Verfilmung: „Ich schaue mir den Film nicht an, weil ich das nicht unterstützen will.“ Der inzwischen 36-jährige Arzt hielt vor allem den Zeitpunkt der Ausstrahlung für fragwürdig. Er warf der ARD vor, nicht den Jahrestag im August, sondern die Freilassung Degowskis aus der Haft vor nur wenigen Wochen zum Anlass dafür genommen zu haben. „Das ist eine Huldigung an Degowski", so sein harter Vorwurf. (welt.de)