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Freitag, 24. Juni 2011

Töchterle und das Glück (+Rawls-Kommentator)

Das Kennzeichen des Internet-Zeitalter "im Bereich des Publizierten" ist es, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu Auffassungen anderer kundzutun. Das kann man begrüßen oder als die institutionalisierte In-Szene-Setzung der Besserwisserei kritisieren. Betrachten wir mal dieses Beispiel aus dem Standard. Der Wissenschaftsminister Töchterle hat eine Meinung, und der "User" lorelaiG hat eine Meinung -- und äußert dem entsprechend seine Kritik.

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STANDARD: Kann die Politik etwas beitragen zum Glück der Nation?

Töchterle: Ich glaube, das ist eine der wesentlichen Aufgaben der Politik, zum Glück der Menschen beizutragen. Ich würde fast sagen, sie ist dafür da. Platon oder Sokrates meinten, dass das Glück des Einzelnen wesentlich auf einem gerechten Staat beruht.

STANDARD: Der Philosoph Sir Karl Popper sagte: "Aber von allen politischen Idealen ist der Wunsch, die Menschen glücklich zu machen, vielleicht der gefährlichste."

Töchterle: Das ist typisch Popper. Der berühmte moderne Staatstheoretiker John Rawls wollte ein Staatssystem ersinnen, in dem einer möglichst großen Zahl von Menschen möglichstes Glück widerfährt. Mir gefällt sein Bild vom "Schleier der Unwissenheit", der sich vor den Politiker senken muss, damit er nicht egoistisch agiert, sondern altruistisch. Was soll man anderes wollen, als möglichst viele Menschen glücklich zu machen? Das ist das schlüssigste Ziel der Politik. Heute muss das global getan werden. Natürlich sollten wir auch an benachteiligte, arme Menschen denken. Wer macht sie glücklich?



lorelaiG
23.06.2011 11:16
Fragwürdiges Politikverständnis
Den Seneca mag er gut kennen, aber aus der Gerechtigkeitstheorie von Rawls herauszulesen, dass es in ihr um die politische Verwirklichung von Glück einer möglichst großen Zahl von Menschen gehe, ist äußerst gewagt - und enthüllt leider ein fragwürdiges Politikverständnis: Politik soll doch nicht (viele) glücklich machen, sondern "nur" GERECHT sein (und zwar so, dass potenziell ALLE die Gerechtigkeit darin erkennen können), so sieht das Rawls. Und als Fan der Stoiker müsste Töchterle auch wissen,

(Quelle)

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Überlegungen, Stichworte:

  • Was schert es die Eiche, wenn sich das Schwein daran reibt.
  • Darstellung von "Wie hat X das gemeint? / Wie muss X verstanden werden?" vs. "Wie ist es wirklich?"
  • Ist es so? "... dass ein Individuum sich nur selber im Glücklichwerden üben kann - da kann Politik nichts ausrichten und soll es daher auch gar nicht erst versuchen."