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Freitag, 3. Oktober 2014

Martenstein-These (Forts.): ...

... Proebst und Schuster (Süddeutsche Zeitung).

Ein Mosaikstein für die Martenstein-These:

Da gab es, früher, schöne Berichte wie diesen, in der ZEIT im Jahre 1969, die Proebst noch fest im Sattel der SZ-Leitung sahen:

"Der Begriff „leitend“ ist in der „Süddeutschen Zeitung“ nicht sehr fest umrissen. Das Impressum weist ein rundes Dutzend leitende Redakteure aus. Aber nicht alle gehören zum sogenannten „inneren Zirkel“. Andererseits sind den eigenen Meinungen der Redakteure kaum Grenzen gesetzt, und es gibt oft redaktionelle Fälle, die von einem weit größeren Redakteursgremium behandelt und auch entschieden werden, was dem Blatt den schönen Ruf eingetragen hat, daß es von einer Kollegialredaktion gemacht wird. Als einer der „Leitenden“ galt der Publizist W. E. Süskind, angesehen als Kommentator und Sprachpedant, in den unteren SZ-Rängen liebevoll als „Willi, der Deutsche“ apostrophiert. Doch Süskind liegt schon lange krank darnieder. Auf der Suche nach einem Nachfolger für ihn stieß man auf Heigert. // Wer auf Heigert stieß oder ob Heigert selber zustieß, verliert sich heute im Dunkel widersprechender Aussagen. Tatsache ist dagegen, daß der Fernsehmann schon vor mehr als einem halben Jahr angeheuert wurde. Und justament damals begann das Ärgernis für die Redakteure, die ihren künftigen Kollegen bereits vom Oktober 1960 bis zum März 1961 eine kurze Gastrolle in der SZ hatten geben sehen. Denn: Während des späten Sommers 1968 meldeten deutsche Blätter unentwegt, Heigert sei der künftige SZ-Chefredakteur. Am 27. Oktober 1968 gar erschien ein Reporter der nebenan residierenden „Abendzeitung“, deren Verleger Hans Dürrmeier und Werner Friedmann, gleichzeitig Gesellschafter bei der „Süddeutschen Zeitung“ sind, und befragte einen diensttuenden Sonntagsredakteur folgendermaßen: „Wie ist jetzt das? Was können wir über euren neuen Chefredakteur schreiben?“ Die zunehmende Unruhe im Haus führte schließlich noch im vorigen Jahr dazu, daß SZ-Chefredakteur Hermann Proebst (65) in der Redaktionskonferenz das Wort ergriff, um festzustellen, der Zeitpunkt seines Ausscheidens sei ihm selber überlassen und vorerst denke er nicht an den Ruhestand."

Nun berichtet die Süddeutsche selbst ausführlich darüber, dass neuere historische Forschungen ergeben haben, dass Hermann Proebst, in den 1960er Jahren Chefredakteur, und Hans Schuster, ein Leitender der SZ, in jüngeren Jahren wohlbedachte Nazis waren:

"30. September 2014 // NS-Vergangenheit von SZ-Redakteuren // Die innere Spaltung // Das "Judentum ist als eine den abendländischen Völkern fremde Rasse zu bekämpfen": Forschungen belegen, dass einige Vertreter der ersten SZ-Generation den nationalsozialistischen Völkermord propagandistisch begleitet haben. // Von Joachim Käppner // Neue Forschungsprojekte belegen, dass einige frühere Mitglieder der SZ-Redaktion, die in der Nachkriegszeit dort leitende Stellungen einnahmen, während des Zweiten Weltkrieges einen mörderischen Rassismus propagiert hatten. / So schrieb Hans Schuster, bei der SZ später zuständig für Innenpolitik, 1939 in seiner Dissertation über "Die Judenfrage in Rumänien": Das "Judentum ist als eine den abendländischen Völkern fremde Rasse zu bekämpfen"; als Vorbild für eine spätere "Neuordnung" Südosteuropas empfahl er die Nürnberger Rassegesetze, die das Naziregime in Deutschland 1935 erlassen hatte. ..." (Druckausgabe: Feuilleton, 1. Oktober 2014, S. 11)

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Und ein Zufallsfund in Sachen Martenstein, den ich hier schnell festhalten will:

Stefan Niggemeier / Harald Martenstein verwechselt österreichischen Werberat mit den Taliban / Dann bleiben wir doch noch einen Moment bei idiotischen Vergleichen und im Holtzbrinck-Verlag und wechseln nur den Autor. Harald Martenstein. / Er hat irgendwo aufgeschnappt, dass die linke Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg-Friedrichshain wieder Unfassbares vorhat: Diesmal will sie anscheinend sexistische Werbung verbieten. Untersagt werden sollen Plakate, so Martenstein im Kreuzberg-Blog des „Tagesspiegel“ ...

Dazu stefanolix says: 3. Februar 2014:

Martenstein meint, dass die Formulierung »so klingt«. / Letztlich geht es doch um die Definitionsmacht über »angemessen« und »unangemessen«. Die Taliban hatten in der Zeit ihrer Herrschaft die alleinige Definitionsmacht. / Die Begründung des Antrags lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Antragstellerinnen diese Definitionsmacht ebenfalls anmaßen. / Der große Unterschied liegt aber in den Folgen: Hier in Deutschland werden vielleicht ein paar Plakate verboten und ein paar neue Planstellen für die Plakatkontrolle geschaffen. In Afghanistan wurden Menschen öffentlich hingerichtet.